Wo war's / wo ist's?

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    • Wo war's / wo ist's?

      Vor einigen Tagen hatte ich ein kleines Problem, das mit Hilfe des Forums zu meiner Freude und Überraschung schnell gelöst werden konnte:
      Torturm in der Nähe von Mainz (?)

      Inzwischen habe ich mir überlegt, dass es doch eine Menge Leute geben muss, die vor dem gleichen "Problem" stehen. Sie haben eine historische Darstellung einer Stadt, eines Gebäudes etc. und wüssten zu gern, wo es ist. Umgegehrt gibt es eine Menge Gemeinden, Historiker, Denkmalpfleger usw. die zu gern eine historische Darstellung ihres Objektes hätten, aber gar nicht wissen, dass es eine gibt. Könnte man die nicht mit Hilfe der "Schwarmintelligenz" zusammen bringen?

      Aber warum soll sich ein Wildfremder über eine historische Darstellung den Kopf zerbrechen, die ihm gar nicht gehört? Ganz einfach: weil es tierisch Spass macht! Mir geht es jedenfalls so. Vor einiger Zeit konnte ich einem Freund das Rästel lösen, welche Stadt auf dem historistischen Schinken hinter seinem Schreibtisch dargestellt ist. Es hat mir tagelanges Kopfzerbrechen und stundenlanges Googlen bereitet, aber mittels genauer Beobachtung fand ich schließlich den Schlüssel, der die Auflösung brachte, ähnlich wie in dem Beispiel oben. Das ist Rästelraten für architektonisch und kunsthistorisch Fortgeschrittene! Und macht einfach Laune. Andere Leute haben Spass an Sodoku, was solls.

      Lange Rede kurzer Sinn: wäre es nicht einen Versuch wert, eine entsprechende Rubrik hier im Forum einzurichten? Hier sitzen doch eine ganze Menge Leute mit geballtem architektonischem und kunshistorischem Verstand beisammen, da sind doch bestimmt ein paar dabei, die den gleichen Tick haben. Die Reaktion auf meine Anfrage scheint darauf hin zu deuten, dass dem so ist.

      Ich bin erst neu hier in dem Laden und dachte zunächst, die Rubrik "Bilderrätsel" sei für sowas gedacht. Dem scheint aber nicht so zu sein. Vielleicht könnte die Rubrik "Wo war's / wo ist's ?" eine Unterrubrik davon sein.

      Gut möglich, dass man damit eine Lawine losträte. Schließlich liegen in den Museen, Archiven und privaten Sammlungen Unmengen von historischen Darstellungen, die auf ihre Zuordnung warten. Man sollte meinen, dass es sowas im Internet schon gibt, aber speziell für historische Orts- und Architekturdarstellungen habe ich nichts gefunden. Das wäre doch hier der richtige Ort dafür.

      Man müsste sich im Detail einige Gedanken machen, z.B. Kriterien entwickeln, wie man romantische und historistische Phantasiebilder von tatsächlichen Darstellungen historischer Orte unterscheidet (gar nicht so einfach!). Und noch einige andere Fragen klären. Aber ich denke, einen Versuch wär's wert.

      Und schließlich könnte das Ganze auch noch einen kleinen kommerziellen Aspekt haben: wenn jeder, dessen Bild eine Zuschreibung erhält, auf freiwilliger Basis 10 oder 20 € an den Verein spenden würde, wäre doch allen geholfen! Schließlich hat eine Darstellung mit Zuordnung doch auch einen höheren Marktwert!

      Was haltet Ihr davon?

      PS: hier noch das bereits gelöste Bilderrätsel (Detailfotos in der Galerie Bilderrätsel unter Bastion)



      Viel Spass beim Knobeln
    • Danke für den Strang!
      Ich finde das eine sehr gute und sinnvolle Idee. Mir fallen zwar gerade keine eigenen Bilder mit unbekannten Motiven ein, aber ich sehe immer wieder in irgendwelchen Zeitschriften, Reiseprospekten, etc... Bilder von irgendwelchen extrem toll aussehenden Gebäuden, die aber nicht beschriftet sind. Da würde es mich meist sehr interessieren, welches Bauwerk das sein könnte. Also, ich werde wohl auch früher oder später mal ein Ratebild beisteuern :D
      Ich versuche natürlich auch gerne bei anderen "Rätselbildern" zu helfen, auch wenn ich in diesem Gebiet nicht besonders gut bin...
    • Es gibt wahrscheinlich mehrere Möglichkeiten, sich der Lösung der Aufgabe zu nähern.
      Aber wenn Fahnen und sonstige Hoheitszeichen auf einem Bild wiedergegeben sind (s. hierzu die Detailfotos im Album Bastion unter Galerie Bilderrätsel), sind das natürlich deutliche Hinweise, wie das Ganze "gelesen" werden muss. Falls es nicht ausgesprochene Phantasie-Fahnen sind, kann man auf die Weise schon mal dahinter kommen, welchen politischen Hintergrund die Szene hat. Ich muss gestehen, dass ich trotz intensiver Recherche - soweit das mit Googlen geht - nicht rausgekriegt hab, um welche Fahnen es sich genau handelt. Irgendwas mit Spanien scheint es zu tun zu haben, was u.U. auf eine Szene in Zusammenhang mit den spanischen Niederlanden hindeuten könnte.
      Ich bin schließlich durch Foto 4 drauf gekommen:

      Hier ist genaues Beobachten und richtiges (!) Googlen gefragt. Probiert's mal!
    • Den Rüstungen und Kostümen nach hätte ich das Ganze jetzt mal grob in die 1. Hälfte des 16. Jahrhunderts gesteckt. Da sich der Maler zeitgemäß sklavisch an Architekturformen der Gotik gehalten hat wohl sogar ein Ereignis des 1. Viertels des 16. Jahrhunderts. Das wenige, was man an Architektur sehen kann, gehört eher in nördliche Frankreich respektive Belgien / die Niederlande denn nach Spanien oder Südfrankreich.
    • Uns hat folgende Anfrage erreicht, der zugehörige Link mit dem Bild ist hier:

      Guten Abend,

      das Gebäude auf beigefügtem Bild konnte leider nicht identifiziert werden.

      Könnten Sie das Bild in Ihrem Forum einstellen? Vielleicht erkennt jemand den Ort?

      Mit freundlichen Grüßen
      Michael Pflüger
      „Preste atenção, o mundo é um moinho, vai triturar teus sonhos, tão mesquinho, vai reduzir as ilusões a pó“ (Cartola)
    • Also das Bild stammt wie erwähnt von 1844, dem beginnenden Historismus. Historische Szenen darzustellen war damals ein beliebtes Thema in der Malerei. Besonders das Mittelalter bis hinein in das ausgehende Mittelalter war sehr im Schwange. Auch die Kleidung der dargestellten Personen und auch die Rüstung des Ritters auf dem Pferd deuten in diese Richtung. Thema ist also eine mittelalterliche Szene, und zwar eine ganz bestimmte. Aber welche?
      Für den Maler und den Auftraggeber war die Szene natürlich klar, aber was war mit allen andern? Für die musste der Maler Details einbauen, die der geneigte Betrachter "lesen" konnte. Dazu dienen zweifelsfrei die Fahnen der Ankömmlinge. Der historisch geschulte Betrachter konnte sie dadurch identifizieren, was uns heute allerdings reichlich schwer fällt, weil uns die mittelalterlichen Insignien nicht mehr geläufig sind. So kommen wir also nur sehr mühsam weiter - aber es wäre sicherlich möglich, wenn man sich durch alle mittelalterlichen Fahnen, Wappen etc. kämpfen würde.
      Was aber ist mit der Stadt? Auch da wussten der Maler und sein Auftraggeber natürlich Bescheid. Für alle anderen hat er aber auch da einen Tipp versteckt. Und zwar auf die gleiche Weise, nämlich über das Wappen der Stadt.
      Schon entdeckt? Es ist ganz undeutlich auf einem Wimpel über dem Tor (halb) zu sehen. Aber das reicht für eine Identifizierung! (Wenn man's richtig anstellt...)
    • Es könnte sich um die Heirat der katholischen Margarete von Valois mit dem protestantischen König Heinrich von Navarra im Jahr 1572 in Paris handeln.

      Indizien:

      - das Datum der Hochzeit würde mit den Kostümen der abgebildeten Personen übereinstimmen
      - der Architekturstil der Stadtmauer verweist auf Frankreich
      - rechts neben den katholischen Geistlichen stehen schwarz gekleidete Herren mit weißem Kragen; hierbei handelt es sich evtl. um protestantische Geistliche
      - rechts unten im Bild ist offenbar ein Sarg zu sehen; evtl. ein Hinweis auf die Bartholomäusnacht (auch "Pariser Bluthochzeit" genannt); ein gescheitertes Attentat auf einen General im Gefolge von Heinrich von Navarra war Auslöser der Bartholomäusnacht
      - der eine Ritter trägt eine rot-gelb-rote Fahne - die Farben Spaniens (auch schon im 16. Jh.?!)

      Allerding habe ich bei den Wappen keine Übereinstimmungen gefunden.
    • Turm in Ansbach (?)

      Die Frage ist, um welchen Turm es sich hier handelt:

      flickr.com/photos/tekniskamuseet/7493648072/sizes/c

      Das Flickr-Album, in dem sich dieses Bild als einziges befindet, heißt zwar "Ansbach". Ich habe aber große Zweifel daran, dass dieser Turm in Ansbach war oder ist.

      Für Ansbach spricht das am linken Bildrand angeschnittene Gebäude. So etwas könnte gut in Ansbach stehen. Ich kriege auch die Vorstellung nicht aus dem Kopf, die Szenerie am Ende der Platenstraße zu verorten (Blickrichtung Südost). Dort aber war, jedenfalls Anfang des 20. Jahrhunderts, kein solcher Turm gestanden, sondern bereits das Gymnasium. Dieses ist freilich assoziationsreich, weil es den Dicken Turm enthält. Um diesen aber kann es sich nicht handeln. Ich kann mir auch überhaupt nicht vorstellen, wo so ein Turm in Ansbach gestanden haben soll und schließe Ansbach als Standort daher faktisch aus.

      Denkbar ist aber, dass das in einer Kleinstadt bei Ansbach, idealerweise im einstigen Ansbacher Herrschafts- und Einflussgebiet, ist. Irgendwie will mir der Turm bekannt vorkommen.

      Es kann sein, dass der Turm nicht mehr existiert, insbesondere durch Kriegszerstörung.

      Neustadt an der Aisch erscheint passend, aber wohl auch nur wegen dem Turm des Schlosstores (Untere Schlossgase 6), der halt auch irgendwie rund ist. Aber sonst muss auch Neustadt ausscheiden.

      Uffenheim passt auch nicht. Und x andere Orte auch nicht. Oder habe ich was übersehen?

      Am passendsten hat mir noch Gunzenhausen erscheinen wollen, wegen dem Storchenturm an der Südostecke der Stadtbefestigung. Aber der ist es auch nicht. Sollte es im Norden der Stadt, im Bereich des Kaufhauses Steingaß, zu suchen sein? Hat man bei dem Bau des Kaufhauses dermaßen gewütet?

      Schließlich bleiben noch die Kleinstädte im Ansbacher Raum: Herrieden, Ornbau, Merkendorf, Wolframs-Eschenbach, Windsbach, Wassertrüdingen, Leutershausen, Heilsbronn. Mehr fällt mir nicht mehr ein. Aber keine von ihnen will passen...

      Oder ganz woanders? In der Gegend von Bayreuth?

      Auf der linken Seite vom Turm ist wohl ein Schild mit dem Straßennamen angebracht. Aber zu klein, nicht zu entziffern.

      Wer hat eine Idee? Wem kommt der Turm bekannt vor?

      Oder ist es evtl. gar kein einstiger Stadtbefestigungsturm, sondern vom einem Schloss?
    • Ich kenne den Turm nicht. Das Bild wurde von dem schwedischen Kunsthistoriker Sigurd Curman (u.a. bekannt, weil er den Dom von Strängnäs restauriert hat) gemacht; zumindest stammt es aus seinem Nachlaß. Weitere Ansbachbilder von ihm sind hier zu sehen. Anscheinend ist aber in Curmans Nachlaß einiges durcheinander geraten. Etliche Ansbachbilder befanden sich laut Legende in einem Karton mit der Aufschrift "Resan 1904. Rehnvandring. Oberwesel." (Reise 1904. Rheinfahrt. Oberwesel.) Manche Bilder anderer Orte sind auch ganz falsch zugeordnet (z.B. soll das das Rathaus von München sein.) Curman hat Deutschland sehr gründlich bereist. Von ihm gibt es Bilder sogar aus Käffern wie Neckartailfingen. Wenn Zenos Bild nicht Ansbach zeigt, kommt ganz Deutschland und das benachbarte Ausland in Frage.

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