Bad Doberan, Heiligendamm, Kühlungsborn

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    • "Antiquitus" schrieb:


      Aber warum Putin unbedingt ein Haus an der ostdeutschen Ostsee kaufen will, verstehe ich nicht ganz.


      Nana, wie soll man denn das verstehen? :zwinkern:
      Der Mann ist halt Deutschland- Fan. In Russland haben ja viele ein Faible für die deutsche Kultur.
      Bei den derzeitigen russischen Verhältnissen kann ich mir gut vorstellen das das Haus vom russischen Staat restauriert wird und dann heimlich, still und leise in Putins Besitz übergeht. So als Sommersitz für den verdienten Präsidenten in Ruhestand.
      Wobei man anmerken sollte das Russland nach dem 2. WK ja ein deutscher Landstrich zugefallen ist der eine durchaus vergleichbare Bädertradition hat (Thomas Mann hatte dort ein Haus). Aber die Ecke scheint wohl völlig tot zu sein.
    • 1. was die grundstücksgrenze angeht, ich werd mir das Ding bei Gelegenheit mal ansehen, dann kann ich mehr dazu sagen.

      2. Ich weiss, wie stark Putin schon in seiner Zeit als Botschaftaattachee in DD abgeschirmt wurde, ich denke kaum, dass sich die Sicherheitsmaßnahmen so sehr verringert haben, seit er Präsident ist. Das wiederum macht den Kauf nachvollziehbar, wenn die Angaben zur Grundstücksgröße stimmen, was in der Gegend durchaus eine realistische zahl ist. Aufgrund von Auflagen (Heiligendamm ist ein Flächendenkmal) wurden solche Riesengrundstücke da nicht geteilt und scheibchenweise an Bauherren verhökert.

      3. Daraus folgt, dass wohl eher mit einem Zaun und "Betreten Verboten" Schildern zu rechnen ist, sollte Putin das Anwesen zur eigenen Nutzung erwerben.
      "... es allen Recht zu machen, ist eine Kunst, die niemand kann..." (Goethe)
    • ad 3:
      Ist ja üblich, dass man wichitge Leute abschirmen muss. Solange man noch am Strand entlang laufen kann, sollte das keinen stören. Ach ja, und bitte, wenn, ann nur eien schönen Zaun um das Gelände machen und kein so Blechgestänge... ;)

      Ob sich dann vielleicht Gerhard die Nachbarvilla kauft? ;)
      Eine der vorzüglichsten Eigenschaften von Gebäuden ist historische Tiefe.
      Die Quelle aller Geschichte ist Tradition. (Schiller)
      Eine Stadt muss ihren Bürgern gefallen, nicht den Architekten.
    • Interessant: Die Villa soll jetzt abgerissen und durch eine jahrelang vorbereitete, 100%ige Kopie ersetzt werden. Ade, Originalsubstanz!

      "Putin"-Villa "Perle" muss vorerst weichen - Baufreimachung in Heiligendamm

      (...)Auf Wunsch der Bundesregierung soll nun noch bis zum G8-Gipfel im Juni 2007 die Strandvilla "Perle", im Volksmund seit einem Bericht der Boulevard-Presse und des Spiegel auch "Putin-Villa" genannt abgerissen werden.

      Nach Abstimmung mit dem Landesamt für Denkmalschutz, umfangreichen Gesprächen mit Prof. Kiesow von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz sowie Restauratoren, Architekten und Planern, konnte dem zugestimmt werden, da die desolate Bausubstanz eine Restaurierung nicht mehr zulässt(...)

      Quelle:
      mvregio.de/mvr/25489.html
      http://www.baukunst-nuernberg.de/ - Architektur in Nürnberg vom Mittelalter bis zur Gegenwart
      Nürnberger Bauernhausfreunde e. V.
    • Das mit der Bausubstanz ist doch schlicht eine Lüge, insbesondere bei einem Steinbau. Das Haus hat ein Dach und sogar noch Fenster - nach dem Zweiten Weltkrieg hat man Gebäude unter Verwendung der Originalsubstanz wieder aufgebaut, obwohl diese teils jahrelang ohne Dach der Witterung ausgesetzt waren.

      Dass die Denkmalschützer diesem Vorhaben auch noch zustimmen, zeigt wieder einmal, dass der Denkmalschutz hier zu Lande so gut wie gar nichts taugt. Ob man nun 50er Jahre Klötze unter Denkmalschutz stellt, sich konsequent gegen Rekonstruktionen ausspricht oder eben Aktionen wie hier, wozu haben wir den Denkmalschutz eigentlich?
    • Auffällig finde ich wieder einmal (diesmal als Beispiel "MVRegio"), wie unkritisch deutsche Journalisten ihre Artikel verfassen. Eigentlich werden nur PR-Mitteilungen 1:1 wiedergegeben, ohne überhaupt mal nachzufragen. Hauptsache also, der Job ist gemacht, das Blatt oder die Seite oder der Rundfunkbeitrag irgendwie gefüllt. Vom kritischem Journalismus hat man sich in diesem Land weitgehend verabschiedet. Dazu fehlt möglichenfalls mittlerweile auch die intellektuelle Kompetenz in dem Berufszweig (und bei den ehemaligen SED-Bezirkszeitungen und Medien im Osten der Republik ist das Niveau noch einmal deutlich abgesenkt).

      Als beispielsweise das Büro KSP Engel vor zwei Jahren seine ersten, mittlerweile wohl gescheiterten, Pläne für die Neubebauung des Dom-Römer-Altstadtareals in Frankfurt am Main vorstellte, hieß es in der Lokalpresse teilweise: "Toll. Geschichte riechen. Die alten Gassen kehren wieder." Als es zu Widerspruch kam, reagierte man verunsichert, um dann prompt die Thesen, z.B. von Architekturmuseumsleiter Cachola Schmahl, nachzubeten: "Zu teuer, geht technisch gar nicht. Goldene Waage-Rekonstruktion nicht möglich." Papa "Experte" hatte ihnen eingeflüstert - und sie haben ergriffen geschrieben, was er gesagt hat. Heute sind wir auch darüber längst hinaus...

      Jedenfalls hätte man bei dieser oben angesprochenen Villen-Abriss-Geschichte mal nachfragen können, wie die Denkmalpflege zu einem solchen Urteil kommt, ob es Beweise für den Verfall des Gebäudes gibt. Man hätte mal nachfragen können, ob vielleicht politischer Druck auf die Denkmalpflege ausgeübt wurde oder ob es Gefälligkeiten im Gegenzug gab. Warum schließlich sollen die Hände der Vetternwirtschaft nicht auch im Bereich der Denkmalpflege geschüttelt werden - ganz nach aktuellem Bedarf. Statt dessen steht da nur: "Alles wird irgendwie schön."
      Für Putin ermöglicht der Villenabriss eventuell auch neue Perspektiven. Wer weiß, welche Sicherheitstechnik nun in den Neubau eingebaut werden kann, die möglichenfalls nicht in den Altbau hätte integriert werden können?

      Spekulationen zwar, aber eigentlich sind derartige Fragen ja auch Aufgabe einer kritischen Presse und nicht irgendwelcher Forumsbeiträge.
    • Hoffentlich kommt es so wie hier beschrieben:

      "Der Wiederaufbau im alten Erscheinungsbild nach historischen Vorlagen ist schon beschlossene Sache. Jahrelang haben Historiker und Architekten alte Pläne studiert und einen Wiederaufbau vorbereitet, der moderne Technik mit alter Architektur verbindet und so eine zeitgemäße Nutzung ermöglicht. ... Durch viele Umbauten ist der mediterrane Charakter der "Villa Perle" leider verloren gegangen. Dieser wird nach dem Wiederaufbau seinen alten Charme entfalten."

      mvregio.de/mvr/25489.html
      In dubio pro reko

      Früher war nicht alles besser, aber die Architektur schon.
    • Ich schubs das mal, weil ich keinen besseren Thread und zu Heiligendamm auch sonst nix gefunden habe.
      Laut der Website eines Bürgervereines ist die Lage in Heiligendamm nämlich keineswegs so rosig. Schaut mal hier:
      proheiligendamm.de/index.html

      Mehrere denkmalgeschützte Häuser sollen abgerissen werden oder wurden schon abgerissen, zu einem Wiederaufbau ist der Investor nicht verpflichtet, Wege werden beseitigt, Wälder gesperrt.
    • Abrissterror im Kurheilbad

      Ja, das ist wirklich eine sehr erschreckende Thematik. Traurig auch zu sehen, wie viele der schönen weißen Villen in Bäderarchitektur in Heiligendamm aufgrund spekulierender Besitzer und nachlässigem Denkmalschutz zusehends verfallen. Auf dieser Seite gibt es eine sehr ausführlich dokumentierte und reichlich bebilderte Übersicht zum Großteil des historischen Gebäudebestandes in Heiligendamm - sehr empfehlenswert!

      Zumal wohl einige der dort gezeigten Bauten nicht mehr lange erlebbar sein werden - wohingegen einige sogar schon weichen mussten (die einst prächtig mondäne Villa Perle besipielsweise für das banale Pressezelt des G8-Gipfeltreffens). Wirklich unglaublich :boese:

      Ich hoffe, Heiligendamm kriegt noch die Kurve. Sonst kann das wundervolle Kempinski mangels Nachfrage wohl bald wieder seine Pforten schließen.
    • "saibo" schrieb:

      Nein, aber es sollen noch zwei weitere Häuser abgerissen werden.


      Ja, leider. Dank der Fundusgruppe, in deren Hand sich die klassizistischen Villen der historischen "Perlenkette" von Heiligendamm befinden, kann man hier seit geschlagenen 13 Jahren dem Verfall zuschauen.

      Es handelt sich um diese 2 (zu DDR-Zeiten völlig verschandelten) Villen, die zur Debatte stehen:
      (Die Bilder wurden vom User 'Zockel' geschossen und enstammen diesem Strang)

      Villa Möwe (Möve) aus dem Jahre 1855


      Villa Möwe, Rückseite


      Villa Schwan (rechts), erbaut um 1860


      Villa Schwan (links), Eingangsbereich


      Die maroden Villen an der Promenade



      Und jetzt noch mal was zur Villa Perle (erbaut anno 1853, zeitweise russische Zarenresidenz und auch im grauenvoll entstellten/entstuckten Zustand noch ein bedeutendes Baudenkmal) - inzwischen historische Aufnahmen (2006), da dieses Haus ja Anfang 2007 abgerissen wurde.


      (Bild von fotocommunity.de)

      Blickrichtung von der Promenade


      Links die glanzlose "Perle", im Hintergrund ist das rundum sanierte "Haus Mecklenburg" vom Kempinski Grand Hotel Komplex zu sehen



      Ich wollte damit noch einmal einen Gesamtüberblick über den bisherigen und vielleicht noch bevorstehenden Verlust geben. Zwar hat die Fundusgruppe es geschafft, am Hotelkomplex hochwertig zu sanieren, zu rekonstruieren und auch neu zu bauen - der sorglose Umgang mit dem restlichen Bauerbe von Heiligendamm stimmt aber sehr bedenklich.
      Man sollte diese Objekte endlich komplett vor dem Verfall schützen und dem freien Markt zur Verfügung stellen, das Interesse daran ist so groß wie nie zuvor (speziell nach dem G8-Gipfel 2007)!
      Was das wieder für echte "Perlen" werden könnten...

      Aprospos... Weiß jemand wie es nun um die Rekonstruktion der "Villa Perle" sowie seine Verwendung als Putinscher Alterssitz steht? Wenn der russische Expremier dort einkehrt, könnte die Rettung der Perlenkette schon so gut wie in trockenen Tüchern sein...
    • "erbsenzaehler" schrieb:



      Apropos... Weiß jemand wie es nun um die Rekonstruktion der "Villa Perle" sowie seine Verwendung als Putinscher Alterssitz steht? Wenn der russische Expremier dort einkehrt, könnte die Rettung der Perlenkette schon so gut wie in trockenen Tüchern sein...


      Ich meine, vor ein paar Monaten gelesen zu haben, daß man bezüglich der für die Pressetribüne abgerissenen "Perle" schon beim Bauantrag ist, die Reko also kurz bevorsteht. So krank die Abrißidee und die ganze G8-Horrorshow waren - zumindest wäre äußerlich die Wunde geschlossen. Trotzdem muß so etwas die Ausnahme bleiben; es darf bei uns nicht einreißen, daß man ein Baudenkmal, das im Weg steht mal eben abreißt und ein Jahr später wieder hochzieht wie ein Legohaus. Sonst haben wir irgendwann nur noch solche "Schlösser" wie in Braunschweig. :augenrollen: :zwinkern:


      Nebenbei bemerkt dreht sich mir der Magen um beim Gedanken daran, daß ein russischer Diktator, Kriegsverbrecher und mutmaßlicher Mörder seinen Ruhestand an der deutschen Ostsee verbringt und dann womöglich noch durchsetzt, daß das Gelände rund um seine Villa weiträumig abgeriegelt und von einem Dutzend Brutalinkys mit Kalaschnikow bewacht wird...
      :übelkeit:
    • "Schloßgespenst" schrieb:


      Ich meine, vor ein paar Monaten gelesen zu haben, daß man bezüglich der für die Pressetribüne abgerissenen "Perle" schon beim Bauantrag ist, die Reko also kurz bevorsteht. So krank die Abrißidee und die ganze G8-Horrorshow waren - zumindest wäre äußerlich die Wunde geschlossen.


      WAAAS?!?!?!? Fuer eine Pressetribuene wurde das Haus abgerissen? :wueten: Zwar ist es erfreulich, dass Die Perle wieder aufgebaut werden soll--danke fuer die Nachricht, Schlossgespenst--aber Du hast Recht, solche Praktiken sollten in Deutschland nicht einreissen. :(

      @erbsenzaehler: Dir Dank fuer die visuelle Praesentation.