München - Kriegs- und Nachkriegsverluste (Galerie)

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • München - Kriegs- und Nachkriegsverluste (Galerie)

      In diesem Strang sollen Kriegs- und Nachkriegsverluste der Münchener Architektur genauer vorgestellt werden. Wahrscheinlich werde ich diesen Strang leider nur sehr unregelmäßig ergänzen, aber trotzdem fange ich jetzt einfach einmal mit einem ersten Beitrag an und hoffe auf Nachsicht bzw. auf Ergänzungen auch der anderen APHler.
    • Cafe Luitpold, Brienner Straße 11/13/15

      Beginnen möchte ich mit meinem persönlichen Rekokandidat Nr. 1 für München. Nein, es ist nicht die gestern von ursus erwähnte Maxburg, die hier natürlich noch separat vorgestellt werden muss, sondern das 1888 eröffnete gründerzeitliche Cafe Luitpold in der Brienner Straße, das vielleicht prächtigste Cafehaus seiner Zeit in Deutschland.

      Das für 2000 (!) Besucher konzipierte Cafe entstand mit Neorenaissancefassade von 1886-1888 durch einen Umbau von sieben Häusern zwischen Brienner Straße und Salvatorplatz durch den heutzutage weitgehend vergessenen Otto Lasne und hatte über 20 Säle und Gesellschaftsräume, die alle unterschiedlich und äußerst prächtig ausgestattet waren. Allein der dreischiffige Hauptsaal hatte 38 Marmorsäulen und 42 Pilaster. Das Cafe war wohl einer der bedeutendsten gesellschaftlichen Treffpunkte von München und auch von Künstlern und Literaten gern besucht. Es gilt beispielsweise als Ort, an dem Kandinsky und Klee 1911 die Künstlergruppe "Der blaue Reiter" gegründet haben sollen.

      Nun einige gemeinfrei (weil alte) Ansichtskarten des Cafes:















      Leider existiert das Café nicht mehr. 80% des Gebäudes wurden im Luftkrieg zerstört. Ab 1948 wurde das Gebäude in sehr vereinfachter Form als Luitpoldblock wiederaufgebaut.

      Hier eine Ansicht des heutigen Gebäudes:


      Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license

      Das Gebäude beherbergt heute zahlreiche Büros aber auch ein kleines empfehlenswertes Museum zum Cafe Luitpold und ein sich ebenfalls Cafe Luitpold nennendes Cafe, das zwar auch recht edel, aber keinesfalls vergleichbar mit dem Vorkriegsbau ist, wie auch die Photos auf folgender Seite zeigen: Photos
    • Ja, sehe ich ebenso. Der Wiederaufbau des Gebäudes ist gerade von aussen sehr ansprechend gelungen und ist ein schönes Beispiel für die von mir zuletzt in einem anderen Strang vertretene Meinung, dass in München nicht nur Kirchen ansprechend wiederaufgebaut worden sind. Aber diese überaus prächtigen Cafesäle vermisse ich schon sehr, wobei mir natürlich klar ist, dass eine Rekonstruktion dieser Räume utopisch ist. Gerade auch wegen der durchaus gelungenen Nachkriegslösung gäbe es in München natürlich dringendere Baustellen.
    • Danke, Frank! Ein sehr sinnvoller neuer Strang. Es ist schon wichtig zu wissen, wie unglaublich viel wir durch die Zerstörungsphase in der Mitte des 20. Jh's verloren haben, selbst in einer Stadt wie München, die im Bewusstsein der Welt einigermaßen unversehrt erstrahlt. Und es ist gut sich klarzumachen, was für eine gestalterische Potenz unsere Altvorderen zur Verfügung hatten für Raum- und Stadtraumschöpfungen, deren fotografische Erinnerungen wir heute nur staunend und beinahe ungläubig kopfschüttelnd zur Kenntnis nehmen können. Der Verdacht liegt nahe, dass die Ideologie der Moderne vor allem als Schutzhaltung zu begreifen ist, mit der eine nachgewachsene Generation ihr Unvermögen in künstlerischer wie materieller Hinsicht zu kaschieren versuchte.
    • Sehr gute Idee, dieser Strang!

      dann mach ich mal weiter wo es tatsächlich richtig weh tut.

      Der 'Gare de Munich' oder Central-Bahnhof

      erbaut ab 1847 im Rundbogenstil mit Elementen der Romanik und der italienischen Renaissance von Friedrich Bürklein:






      die ursprüngliche Bahnhalle, die später die Schalter beherbergte:


      Erweiterung um 1859/60 in der selben Formensprache vom selben Architekten:
















      Erneuter Um- und Anbau in den Jahren 1877 - 188, ebenfalls im Stile der italienischen Renaissance, aber deutlich anders konnotiert:







      mit einer prächtigen 'Restauration':



      der Eingangsbereich im Seitenflügel:


      die Bahnhalle:







      Nach schweren Beschädigungen (aber absolut kein Totalverlust!), Abrissen und Sprengungen in den 1950er Jahren kam dann dieser 'schicke' Neubau:




      Quellen:
      wikipedia.org
      zeno.org
      Toussaint, A., Der Münchner Hauptbahnhof, Dachau 1991
      Die Moderne verleugnet ihre Herkunft, weil sie fürchtet, die Auseinandersetzung mit ihr könnte sie überfordern - oder ihr gar ihre eigene Banalität vor Augen führen. — Dr. Melanie Möller

      Dieser Beitrag wurde bereits 5 mal editiert, zuletzt von thommystyle™ ()

    • Gute Ergänzung, thommystyle. Leider wird uns dieses "Meisterwerk" der Nachkriegsarchitektur noch länger erhalten bleiben. Man muss sich als Münchener ja richtig schämen für dieses heutzutage ziemlich heruntergekommene Bauwerk. Keine schöne Visitenkarte der Stadt. Und die seit Jahren immer wieder diskutierten Pläne zum Abriss der von thommystyle gezeigten Front zum Bahnhofsplatz sind wohl noch immer in der Schwebe. Diese Planung für einen ebenfalls wenig angepassten modernistischen Neubau sollten in diesem Jahr eigentlich noch einmal überarbeitet werden, um Kosten zu sparen. In der letzten Zeit habe ich dazu aber nichts Neues gehört.

      PS: habe eben festgestellt, dass Markus in seinem Strang zu Münchener Vorstädten schon einige Vergleichsbilder gezeigt hatte. Vielleicht magst du ein paar davon ja etwas ausführlicher auch hier vorstellen, Markus?!
    • Wittelsbacher Palais, Brienner Straße 18/20

      Folgte man der Brienner Straße vom Odeonsplatz aus am vorstehend gezeigten Cafe Luitpold vorbei, so stand man an der Nordost-Ecke von der Brienner Straße und der Türkenstraße vor dem Wittelsbacher Palais. Dieser rote Backsteinbau wurde 1843 bis 1848 nach Plänen von Friedrich von Gärtner als Kronprinzenpalais für den späteren König Maximilian II. in dessem Lieblingsstil, einer englisch anmutenden Neogotik errichtet.

      1848 bis 1868 war es Alterssitz von König Ludwig I., 1887 bis 1918 Wohnstätte König Ludwigs III. Am 5. April 1919 wurde im Wittelsbacher Palais die Ausrufung der Räterepublik beschlossen. Ab Oktober 1933 wurde das Wittelsbacher Palais als Hauptquartier der Gestapo genutzt und ab 1934/35 in einem Erweiterungsbau das Gestapo-Gefängnis installiert.



      1944 wurde das Wittelsbacher Palais von alliierten Bombern schwer beschädigt, jedoch erst 1964 ganz abgebrochen. Wegen der vorherigen Gestapo-Nutzung war wohl kaum jemand an einem Wiederaufbau dieses Gebäudes interessiert (die Potsdamer Garnisonskirche lässt grüßen).



      Heute steht an dieser Stelle ein wenig ansprechender Gebäudeblock der Bayerischen Landesbank, der von 1961-64 und 77-82 errichtet wurde.


      gemeinfrei

      ...und hier eine Street-View Ansicht der BayernLB von Google Maps mit dem Cafe Luitpold im Hintergrund rechts.
    • Als Ergänzung: zur Geschichte des Münchner Hauptbahnhofs haben wir im APH-Forum bereits einen Strang, bei dem aber leider weitgehend die Bilder nicht mehr online sind. Vor allem:
      München - Hauptbahnhof

      Dann glaube ich mich zu erinnern, dass ein Mitglied aus unserer Runde sich mal mit der virtuellen Rekonstruktion des Hauptbahnhofs auseinandergesetzt hat, aber ich finde die Beiträge nicht mehr. Oder handelte es sich nur um Verweise auf eine eigene Seite?
      - denkmaeler-muenchen.de/bauten/index.php
      - denkmaeler-muenchen.de/hbf/index.php
      Beim letzten Link begab sich der Autor auch auf eine Spurensuche nach den Resten des historischen Bahnhofs
    • Ein eher unbekanntes Münchener Kriegsschicksal stellt die Schutzengelkapelle St. Georg im Stadtteil Bogenhausen dar. Sie wurde nach 1650 im Barockstil erbaut, 1944 stark zerstört und 1953 komplett abgerissen.

      nordostkultur-muenchen.de/architektur/st_georg_denning_2.htm

      de.wikipedia.org/wiki/Schutzengelkapelle_(M%C3%BCnchen)

      Fotos von der Webseite:



      Um 1930



      Nach der Zerstörung
      In der Altstadt die Macht, im Kneiphof die Pracht, im Löbenicht der Acker, auf dem Sackheim der Racker.

      Hätt' ich Venedigs Macht und Augsburgs Pracht, Nürnberger Witz und Straßburger G'schütz und Ulmer Geld, so wär ich der Reichste in der Welt.
    • Riegel schrieb:

      Als Ergänzung: zur Geschichte des Münchner Hauptbahnhofs haben wir im APH-Forum bereits einen Strang, bei dem aber leider weitgehend die Bilder nicht mehr online sind. Vor allem:
      München - Hauptbahnhof

      Dann glaube ich mich zu erinnern, dass ein Mitglied aus unserer Runde sich mal mit der virtuellen Rekonstruktion des Hauptbahnhofs auseinandergesetzt hat, aber ich finde die Beiträge nicht mehr. Oder handelte es sich nur um Verweise auf eine eigene Seite?
      - denkmaeler-muenchen.de/bauten/index.php
      - denkmaeler-muenchen.de/hbf/index.php
      Beim letzten Link begab sich der Autor auch auf eine Spurensuche nach den Resten des historischen Bahnhofs


      Ja, Aph-Nutzer 'PB' hat dazu einige virtuelle Modelle erstellt, unter anderem auch von der Allerheiligen-Hofkirche und dem Inneren der Glyptothek im Vorkriegszustand.
      Die Moderne verleugnet ihre Herkunft, weil sie fürchtet, die Auseinandersetzung mit ihr könnte sie überfordern - oder ihr gar ihre eigene Banalität vor Augen führen. — Dr. Melanie Möller

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von thommystyle™ ()

    • Atelier Elvira, Von-der-Tann-Straße 15

      Danke für den Hinweis, Breslau06. Die Kirche kante ich gar nicht.

      Fortfahren möchte ich mit einem Wohnhaus, das nicht mehr existiert, aber vielen Freunden des Jugendstils trotzdem bekannt sein sollte. Das Atelier Elvira. Anita Augspurg und Sophia Goudstikker gründeten 1887 schräg gegenüber dem Prinz-Carl-Palais an der Nordostseite des Hofgartens ein Fotostudio, angeblich das erste Frauenunternehmen Deutschlands. Dort ließen die beiden Damen 1898 von August Endell ein neues Wohnhaus im Jugendstil errichten.











      Während der NS-Zeit wurde die Von-der-Tann-Straße als Zufahrtsstraße zum neuem Haus der Kunst umgestaltet und das große Drachenornament der Fassade als nicht mehr zeitgemäß abgeschlagen. 1944 wurde das Haus nach einem Luftangriff endgültig zerstört. Heute befindet sich etwa an dieser Stelle das hässliche US-Amerikanische Generalkonsulat (links im Photo das Prinz-Carl-Palais):


      Creative Commons Attribution-Share Alike 2.5 Generic license
    • Alte Schack-Galerie, (ehem.) Brienner Straße 22

      Als ein weiteres Beispiel dafür, dass der Wiederaufbau Münchens nicht überall gut gelungen ist, sei der Abschnitt der schon mehrfach erwähnten Brienner Straße zwischen Königsplatz und Stiglmaierplatz genannt.

      Hier ein aktueller und wenig prickelnder Blick vom Königsplatz in Richtung Stiglmaierplatz:


      Creative Commons Attribution-Share Alike 2.5 Generic license

      Vor dem Krieg sah es im ganzen Straßenabschnitt so wie in dieser aus entgegengesetzter Richtung aufgenommenen Ansicht aus:



      Dort ist rechts insbesondere die Alte Schack-Galerie zu sehen (1909 zog die Sammlung in einen noch bestehenden Neubau an der Prinzregentenstraße). Eduard Gerhardt entwarf 1862 nach dem Vorbild der benachbarten Glyptothek von Leo von Klenze das erste Galeriegebäude auf diesem Grundstück an der Brienner Straße, das 1865 durch Heinrich von Hügel umgebaut und 1872-1874 durch Lorenz Gedon mit einer opulenten Fassade in den Formen der Neorenaissance erweitert und umgebaut wurde.





      Die Alte Schack-Galerie wurde im Krieg vollständig zerstört, heute sieht es dort so aus:
      Street View
    • Danke Markus für die Fotos vom Fotoatelier Elviera!

      Ich kannte das Gebäude, aber einige Innenansichten sind mir neu. Was für ein völlig unikativer, einzigartiger Stil, verglichen mit dem Massenstil Neorenaissance. :schockiert: Dass die Nazis das Atelier als "entartete Kunst" abtaten und entstellten, sollte eigentlich allein schon ein gutes Argument sein, dieses wirkliche Unikat zu rekonstruieren.
    • jojojetz schrieb:

      ...sollte eigentlich allein schon ein gutes Argument sein, dieses wirkliche Unikat zu rekonstruieren.


      Ja gerne, aber das ist natürlich vollkommen unrealistisch. Zum einen weil das Haus früher wohl auf dem Grundstück stand, das heute dem US-Konsulat gehört und die kaum an einer Rekonstruktion interessiert sind, Zudem ist auch die das Elvira-Atelier umgebende frühere Bebauung nicht mehr vorhanden und die Straßenflucht ist heutzutage wohl auch eine andere als in der Vorkriegszeit. Von daher käme wohl allenfalls eine translozierte Reko in Frage, aber dafür werden sich kaum Befürworter finden.

      Zwischendrin mal zwei Literaturtipps zum Thema:

      München im Überblick mit zahlreichen historischen Luftaufnahmen Münchens. Solche historischen Aufnahmen aus der Vogelperspektive schätze ich besonders, weil sie das frühere Stadtbild als Ganzes sehr viel besser als die üblichen Ansichtskarten veranschaulichen können.

      Ruinenjahre (derzeit wohl leider vergriffen) mit zahlreichen Photos des kriegszerstörten Münchens.
    • -Frank- schrieb:

      PS: habe eben festgestellt, dass Markus in seinem Strang zu Münchener Vorstädten schon einige Vergleichsbilder gezeigt hatte. Vielleicht magst du ein paar davon ja etwas ausführlicher auch hier vorstellen, Markus?!


      Beizeiten gerne, momentan komme ich nicht dazu, vielleicht im Winterhalbjahr... Wobei ich wenn dann wohl mit den Verlusten im Bereich der "Altstadt" anfangen würde, insbesondere mit den Verlusten an Altmünchner Bürgerhäusern. Das was M diesbezüglich bis 1800 geprägt hat, ist ja heute praktisch fast völlig ausgelöscht, das sind ja eigentlich Kasseler Verhältnisse, wenn auch vieles bereits vor 1944 ersetzt wurde. Für mich sind die größten Kriegs- und Nachkriegsverluste z.B. das Mielich-Haus (Theatinerstr. 10), das ehem. Wohnhaus von Johann Baptist Zimmermann (Rindermarkt 18/19), die Karmeliten-Apotheke (Promenadeplatz 17, jetzt 10) oder das Palais Maffei (Promenadeplatz 8) und das Palais Piosasque de Non ((Theatinerstr. 16). Am besten man legt sich das Buch "Das Bürgerhaus in München" von Karl Erdmannsdorffer zu und blättert als erstes mal den Bildteil durch. Für mich als Münchner auf gewisse Weise genauso deprimierend wie Braunschweig, Augsburg, Nürnberg oder Dresden.
    • Ja Markus, deine Beiträge wären hier sicherlich sehr interessant. Ich komme ja leider oft auch nicht dazu, detaillierter zu berichten. Das von dir genannte Buch zu Münchner Bürgerhäusern muss ich mir wohl mal zulegen, scheint ja recht aufschlussreich zu sein.

      Speziell der von dir in Bezug auf das Haus von Zimmermann erwähnte Rindermarkt hat umfangreiche Umgestaltungen erfahren und auch der Straßenverlauf ist heute deutlich anderes als in der Vorkriegszeit.

      Hier einmal ein erster Anblick des zum Marienplatz hin auslaufenden nördlichen Teils des Rindermarktes
      Früher:



      Heute:

      Urheber: Ramgeis
      Creative Commons-Lizenz Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported

      Gerade auf der linken Seite sieht man typische Vereinfachungen beim Wiederaufbau, hier allerdings noch unter Wahrung des historischen Straßenverlaufs.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von -Frank- ()