Lübeck - Neubauten im Gründerviertel

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      Zum Post nr. 553 von Frank: Bei diesen Entwürfen stellt sich die rhetorische Frage: wenn man sich schon so viel Mühe macht, sich den Originalfassaden anzunähern, warum denn keine richtigen Rekonstruktionen?
      Zu Johan: In Augsburg wäre es vielleicht möglich. Dort gibt es schon den einen oder anderen Neubau in der örtlichen traditionellen Formensprache. Im zentralen Teil Nürnbergs fehlen die fast generell (Hauptmarkt, Uferbebauung an der Pegnitz)
      Favorevole alla ricostruzione completa come era e dove era.
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      Tja, gute Frage. Architekt Steffens, der die Annäherungen Fischstraße 19 und 24 geplant hat, meinte in der Beiratssitzung, dass es hier 100%ige Rekonstruktionen sowieso nicht geben könne, schon weil die Dokumentationslage mit ein paar alten Fotos zu schlecht sei. Zudem liegt es wohl auch einfach an den Kosten, die niemand tragen will oder kann. Ich schrieb ja bereits, dass er aus Kostengründen in Fischstraße 19 leider keine Form- und auch keine glasierten Steine wie beim Original verwenden könne.

      Wie ich auch schrieb, gab es ja für Fischstraße 19 zunächst einen Investor, der die Rückführung der Steine von Mengstraße 6 und eine Rekonstruktion der Fassade mit diesen übernommen hätte. Ich frage mich hier nun, warum dieser nicht auch einfach eine Rekonstruktion mit neuen Steinen machen wollte, nachdem die Denkmalpflege die Rückführung verhindert hatte. Sehr schade. :(
      Lûbeke, aller Stêden schône, van rîken Êren dragestu de Krône. (Ernst Deecke, Lübische Geschichten und Sagen, 1852)
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      Fassadenproben September 2017

      So, heute habe ich mal wieder einen Baustellenrundgang gemacht mit dem Ziel, die aktuellen Fassadenproben abzulichten, die am Freitag auch vom Gestaltungsbeirat begutachtet wurden.

      Die zunächst folgenden sind Überarbeitungen - ich stelle jeweils die alte Variante links und die neue rechts gegenüber. Bei diesen zeige ich den zugehörigen Hausentwurf nicht noch einmal, die meisten sind in Beitrag 526 zu sehen.


      Abb.1: Braunstraße 22 (Ziebell & Partner; links alt, rechts neu): Offenbar kam die steinsichtige Variante beim GBR nicht an und man hat jetzt mehrere geschlämmte Varianten getestet. Was es nun letztendlich wird, weiß ich leider noch nicht. Entschieden worden ist es aber vermutlich am Freitag, denn das Haus ist schon im Bau. Die ziegelsichtige Version gefällt mir am besten.


      Abb.2: Braunstraße 24 (Stricker; links alt, rechts neu): Die gestrichen merkwürdig steril aussehenden Steine wurden durch unregelmäßigere geschlämmte ersetzt (oder sind es dieselben?). Jedenfalls eine deutliche Verbesserung. Getestet wurden offenbar zwei Varianten, bei denen ich allerdings keinen großen unterschied sehe (die linke Seite scheint eine Nuance dunkler zu sein).


      Abb.3: Braunstraße 26 (Stricker; links alt, rechts neu): Das Grau um EG wurde etwas heller, was ich positiv finde, zudem wurden das Fenster ohne Gewände und ein Gesims getestet. Generell etwas steril, könnte als ganze, klassizistische Fassade aber gut werden.


      Abb.4: Braunstraße 28 (Stricker; links alt, rechts neu): Die Ziegel waren schon genehmigt worden, man hat aber noch andere Fensterfarben getestet. Gefällt mir alles nicht wirklich...


      Jetzt zu den neuen Fassadenproben, jeweils mit Darstellung der Fassade:


      Abb.5: Alfstraße 19 (Zeschke): Generell habe ich nichts gegen einen Farbtupfer in dem ansonsten von Grau, Weiß und Backstein dominierten Viertel. Aber die hier gewählte Farbe ist mir dann doch ein wenig zu krass. Es sah in echt noch knalliger aus. Der auf der Visualisierung links zu sehende blassere Gelbton, im EG vielleicht etwas dunkler, würde mir dann doch deutlich besser gefallen. Sehr schön aber das stark profilierte Gesims - und auch das Fenster gefällt mir ganz gut. Der vorgeklebte Granitsockel ist hingegen wieder nicht mein Fall.


      Abb.6: Braunstraße 20 (Hangebruch): Sehr schön die durch Formsteine hergestellten plastischen Ausformungen von Gesims und Fase der Fensternische. Geht in Richtung Klinker-Expressionismus. Frau Hangebruch verwendet die bisher einzigen Formsteine im Viertel - dabei waren diese bei fast jedem historischen Haus zu finden. EG aus Sichtbeton. Hier zum Test 2 Varianten: Links glatt, rechts gebürstet. Die glatte Variante gefällt mir besser - zumindest spontan. Fenster mir zu dunkel.


      Abb.7: Fischstraße 16 (Hangebruch): War leider sehr schlecht zu fotografieren, da die Proben der Fischstraße sehr weit in der Mitte der Baustelle stehen. Musste ich stark heranzoomen und durch 2 Bauzäune aufnehmen und dann habe ich es noch aus 2 Bildern zusammengesetzt, daher der Farbunterschied. Vielleicht komme ich da irgendwann nochmal besser dran. Von der Art her sehr ähnlich wie Braunstraße 20, nur dass die Formsteine statt der horizontalen Gesimse vertikale Lisenen bilden. Hier leider keine gefasten Fensteröffnungen, wenn ich das richtig erkennen kann. EG ebenfalls Sichtbeton mit zwei Mustervarianten. Fensterfarbe sehr angenehm.


      Abb.8: Fischstraße 17 (Schröder-Berkenthien): Das beste zum Schluss: Die einzige Rekonstruktion des Viertels. Rustizierter Putz im EG, zweifarbige Fenster mit Eck-Beschlägen und Quersprosse. Macht in meinen Augen bereits hier einen sehr guten und authentischen Eindruck (auch wenn der Fensterwinkel links unten ein wenig beschmiert ist, aber es ist ja nur eine Probe)! :thumbsup: Davon hätte ich gerne mehr gehabt...

      Alle Fotos von mir
      Lûbeke, aller Stêden schône, van rîken Êren dragestu de Krône. (Ernst Deecke, Lübische Geschichten und Sagen, 1852)

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von frank1204 ()