Lübeck - Neubauten im Gründerviertel

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    • na ja, das kann sich aber schon sehen lassen. Eine enorme Aufwertung der zentralen Lübecker Altstadt, wenngleich die eine oder andere Reko schon mehr als bloß das i-Tüpfelchen wäre.
      ... dass jeder troglodytischen Lebensart, beruht sie nur fest in sich selbst, etwas schlechthin faszinierendes eignet, überhaupt für solche, die einen Ansatz dazu schon besitzen und mitbringen, der dann nur noch einer gewissen Entwicklung bedarf. (HvD)
    • Man darf auch nichtvergessen, dass man sich inmitten einer wunderbaren Altstadt mit enormem Originalbestand befindet. Rekos in Lübeck können daher nicht den Stellenwert wie zB in DD oder FF haben. Auch ein teilrekonstruiertes Gründerviertel wäre gegen die originalen Vierteln nur zweite Wahl. So gesehen finde ich den Versuch, ein als solches erkennbar bleibendes Altstadtquartier mit zeitgenössischen Mitteln zu füllen, als nicht apriori verwerflich. Es geht doch primär darum, dass die Stadt als Ganzes wieder erlebbar wird, dass man also bestimmte Straßen einfach nicht panisch meiden muss, um sich nicht die Laune zu verderben.
      Mir ist es auch in Ulm so gegangen, dass mich die (wohl wesentlich modernistischere) Neue Mitte in Anbetracht des Erhaltenen nicht gestört hat.
      ... dass jeder troglodytischen Lebensart, beruht sie nur fest in sich selbst, etwas schlechthin faszinierendes eignet, überhaupt für solche, die einen Ansatz dazu schon besitzen und mitbringen, der dann nur noch einer gewissen Entwicklung bedarf. (HvD)
    • Finde ich etwas eigenartig, dass ihr euch mit diesen Entwürfen zufrieden gebt, die trotz Altstadtzitaten doch alle deutlich der abstrakten Moderne verhaftet sind. Die Neuschöpfungen in Frankfurt zeigen, dass es auch wesentlich kreativer, einfühlsamer und detailreicher geht. Aber gut, Geschmäcker sind verschieden.
      In dubio pro reko

      Früher war nicht alles besser, aber die Architektur schon.
    • Wie gesagt, FF ist ein anderes Bier und natürlich auch eine andere Liga, wie zb auch der DDer Neumarkt. Damit kann sich dieses Projekt nicht messen, was jetzt nicht heißt, dass man unzufrieden sein muss.
      ... dass jeder troglodytischen Lebensart, beruht sie nur fest in sich selbst, etwas schlechthin faszinierendes eignet, überhaupt für solche, die einen Ansatz dazu schon besitzen und mitbringen, der dann nur noch einer gewissen Entwicklung bedarf. (HvD)
    • So langsam vervollständigt sich das Erscheinungsbild des Gründungsviertels. Mein Eindruck ist insgesamt sehr positiv, trotzdem möchte ich auf ein paar bauliche "Wermutstropfen" aufmerksam machen. Ein "Gründungsviertel pur" wird man zukünftig wohl am besten in der beidseitig neu bebauten Fischstraße erleben dürfen, wohingegen die Alf- und Braunstraße auf der jeweils gegenüberliegenden Straßenseite auch weiterhin durch teilweise trostlose und hässliche Nachkriegsbauten geprägt sein wird. Hier die augenfälligsten Beispiele:

      Braunstraße (besonders das gelbliche Gebäude und sein blaufenstiger Nachbar werden demnächst übel auffallen):

      (Wikipedia; Urheber Niteshift)

      Alfstraße (die Bauten links sind im Grundriss gegen den Strich gebürstet und werden die Harmonie der Straße empfindlich stören):

      (Wikipedia; Urheber "Der Bischof")
    • frank1204 schrieb:


      Abb.6: Gerade Querstraße 3, Architekt Ellinghaus. Überarbeitete Fassade, links aktuell, rechts voriger Stand. Die Zwischenstege der Fenster wurden entfernt. Der Beirat bemängelt jetzt noch die Plastizität der Fassade - das sei bei einem Kleinhaus zu repräsentativ - und die symmetrische Anordnung des Giebels. Bei ersterem stimme ich ja zu, aber der mittige Zwerchgiebel sollte schon bleiben.
      Wobei ich hier gern noch die Frage aufwerfen würde, was genau daran "zu repräsentativ" sein soll. Gilt unterhalb einer bestimmten Bruttogeschossfläche der Zwang, schlicht und karg zu gestalten?

      Was genau soll denn an dem Entwurf zu repräsentativ sein? Diese an einer (sogar verstümmelten) Hand abzählbaren plastischen Elemente an Eingangstür und dezent betontem Giebelaufbau?

      Was wäre dann gerade noch so im Rahmen?
    • Ich kann den Beirat verstehen. Klar gefällt Plastizität. Vergleicht man aber ähnlich kleine Bauten aus der Historie, dann wird man erkennen, dass das eher "Arme-Leute-Häuschen" waren. Da hatte man kein Geld für architektonischen Schischi.

      Ich finde die Plastizität der rechten Variante aber stimmiger. Nebenbei, wäre es nicht eine Überlegung wert, den Zwerchgiebel etwas aus der Fassade heraus zuziehen, so dass er hervortritt?

      Auch kann ich die gewünschte Asymmetrie gut nachvollziehen. Sie würde das Gebäude auch eventuell etwas spannender machen.
    • Kleines Update zum aktuellen Stand: Das erste Haus, Alfstraße 27, ist aus der Baugrube herausgewachsen.


      Abb.1: Alfstraße 27 - Der Keller ist fertig und die Erdgeschosswände werden momentan gestellt. Blick auf die westliche Seitenwand zu Nr. 29. Man hätte allerdings auch schon deutlich weiter sein können - zwischendurch passierte nach meinen Beobachtungen auf der Baustelle immer mal wieder mehrere Tage oder auch mal fast 2 Wochen gar nichts. Die Gründe dafür kenne ich nicht. :/


      Abb.2: Man kann hier schon einen ersten Eindruck bekommen, wie schmal die Straßen zum Glück wieder werden. Den Fassadenkern von Alfstraße 27 bilden die schmalen Betonstelen rechts hinter dem Gerüst. Davor kommen sogar noch bestimmt 30 cm Dämmung und Ziegelmauerwerk.


      Abb.3: Detail Gebäudevorsprung an der Straßenseite. Die Baugrube und damit der Keller gehen bis zum rechts zu sehenden Holzzaun. Die Häuser werden aber noch darüberhinaus bis zur historischen Bauflucht vorgezogen, die ca. 1,5m vor der Baugrubenwand liegt. Auf dem obigen Bild ist gut zu sehen, dass die Kellerdecke entsprechend über die Baugrube hinausreicht. Ebenso ist auf dem Bild zu erkennen, wie dick Dämmschicht und Fassadenmauerwerk vor dem Beton noch werden - nämlich bis zur Vorderkante der Betondecke, erkennbar an der dunklen Fuge zum Gehweg. Das Gerüst steht auf dem asphaltierten Gehweg.



      Abb.4: Nochmal Alfstraße 27 in Frontansicht - ein großer Moment: Das erste Stück Straßenfassade des Neubauviertels lässt sich erahnen. :thumbup:
      Zugleich sieht man auf dem Foto die enorme Erdgeschosshöhe. Als Vergleich: Der Bauzaun ist mit ca. 1,80m bereits mannshoch - und der wirkt direkt verloren vor dem EG! Es ist wirklich eine sehr beeindruckende Höhe, wenn man davorsteht!


      Des weiteren im Bau sind momentan Fischstraße 5 und 7-9 (hier wird gerade die Kellersohle hergestellt und ein Kran wurde aufgebaut) sowie Braunstraße 22 (hier wurden heute die Kellerwände gestellt). Das war es allerdings auch schon. Leider etwas mager wie ich finde, da der Baubeginn im größeren Umfang eigentlich im April oder Mai sein sollte. Aber ich denke, es wird jetzt sukzessiv weitergehen.

      Alle Fotos von mir vom 16.8.2017
      Lûbeke, aller Stêden schône, van rîken Êren dragestu de Krône. (Ernst Deecke, Lübische Geschichten und Sagen, 1852)
    • frank1204 schrieb:

      2. Platz Anne Hangebruch (Berlin)


      Abb.5: Platz 2, Anne Hangebruch, links: Fassaden an der Fischstraße, rechts Fassaden an der Braunstraße


      Abb.6: Platz 2, Anne Hangebruch, Abwicklung Querstraße


      Abb.7: Platz 2, Anne Hangebruch, Isometrische Gesamtansicht von Südwesten

      Die Jury bezeichnete den Entwurf mit einem Augenzwinkern als "Klosterarchitektur".

      Meine Meinung:
      Das modern adaptierte Motiv der Hochblenden ist an den Giebelseiten sehr passend, an den Traufseiten an der Querstraße mir aber etwas zuviel des Guten und in Lübeck so auch nicht üblich. In der isometrischen Gesamtansicht gefällt mir der Entwurf aber gut. Hier sieht man im Gegensatz zu Nalleweg, dass die kleineren Luken-Rundbogenfenster viel passender sind und zusammen mit den Hochblenden den in meinen Augen erwünschten Eindruck alter Lager-/Kaufmannshäuser vermitteln. Obwohl mich die durchgehend gleichartige Gestaltung der Giebel stört, hätte ich diesen Entwurf eher auf Platz 1 gesehen - wegen der m.E. besseren Gestaltung von EGs und Giebeln. Frau Hangebruch hat es wie auch schon bei Ihren Entwürfen im Fassadenwettbewerb meiner Meinung nach von allen am besten verstanden, lübeck-typische Motive modern zu adaptieren. Ich hätte deswegen gerne mehr von ihr in den drei zur Disposition stehenden Straßen gesehen.
      Zu diesem Entwurf möchte ich meine etwas rustikal formulierte Antwort aktualisieren. Ich hätte mir den Entwurf in adaptierter Form im Viertel gewünscht. Mag es in der Größe auch zu "mädchenhaft" wirken, womit ich wohl feminin meinte, glaube ich, dass dies ein sehr schönes Einzelgebäude geworden wäre/werden könnte. Gerade der große Typ 1 in der Fischstraße wäre Nallewegs Variante überlegen gewesen - auf, ja, zart-filigrane Weise. Letzten Endes mein Favorit unter den Wettbewerbsentwürfen. Dies nur als Nachtrag.
    • Neu

      Gestaltungsbeiratssitzung am 15.9.2017

      Am 15.9. hat der Gestaltungsbeirat (GBR) wieder getagt. Vorgestellt wurden u.a. 8 Entwürfe für das Gründungsviertel, davon 6 neue und 2 Wiedervorlagen. Aus terminlichen Gründen konnte ich leider nur die ersten 5 sehen, bevor ich losmusste. Ebenso konnte ich nachmittags nicht zur öffentlichen Begutachtung der Probefassaden. Ich werde das aber in den nächsten 1-2 Wochen alles in Erfahrung bringen und dann hier vorstellen.

      Bis dahin schon mal die 5 Entwürfe, die ich sehen konnte. Ich bitte die Bildqualität zu entschuldigen - der Beamer in der Bauverwaltung ist weder besonders hell, scharf noch farbtreu. Ich habe mit Bildbearbeitung aber das beste herausgeholt.

      Los geht´s also - in der Reihenfolge wie Inder Sitzung vorgestellt:


      Abb.1: Fischstraße 28b - Vorderfassade (Konermann Siegmund Architekten), Wiedervorlage. Links der neue Entwurf, rechts der alte.
      Der GBR hatte das letzte Mal die gedrungenen Proportionen im Vergleich zum historischen Vorbild Fischstraße 34 bemängelt. Architekt Siegmund hat daraufhin eine deutliche Verbesserung eingearbeitet, insbesondere durch die Einführung zusätzlicher Gesimse und Verschlankung und Vereinheitlichung der Fensterformate. Eine deutliche Verbesserung gegenüber dem Vorentwurf, die mir sehr gut gefällt!


      Abb.2: Fischstraße 28b - Seitenfassade zur Geraden Querstraße (Konermann Siegmund Architekten), Wiedervorlage. Oben der neue Entwurf, unten der alte. Beim neuen Entwurf wurden die Fensterformate an die der Vorderfassade angeglichen, wodurch alles wie mehr aus einem Guss wirkt. Auch hier also eine Verbesserung.

      Aber auch diesmal hat der GBR wieder einige Dinge an dem Entwurf bemängelt:
      • Durch die direkt an der Vorderfassade sitzenden EG-Fenster der Seitenfassade erweckt die Gebäudeecke in der Schrägansicht den Eindruck, dass es sich hier lediglich um einen Stützpfeiler handelt. Die Fenster sollen weiter von der Ecke abgerückt werden, um hier eine größere geschlossene Wandfläche zu erhalten.
      • Durch die vom Hinterhaus ins Vorderhaus durchlaufende Fensterreihe im 1.OG verschwimmen diese beiden Gebäudeteile ineinander. Die Trennung der beiden Teile soll durch eine andere Anordnung, z.B. Zusammenziehen der beiden rechten Fenster zu einem, deutlicher werden.
      • Die Fenster in EG und 1.OG der Vorderfassade wurden in ihrer Anordnung und Proportionen bemängelt, wobei mir aber nicht klar wurde, was genau man sich wünscht. Zumal diese Anordnung im Wesentlichen aus der historischen Fassade übernommen wurde - wenn auch seitenverkehrt.
      Die beiden ersten Punkte kann ich nachvollziehen, den dritten nicht.

      Dazu gab es noch einige Anmerkungen wie: "Man müsse sich grundsätzlich überlegen, wie man mit historischen Vorbildern umgeht" und "Wo will die Neuschöpfung hin?". Solche Sätze führen m.E. nicht weiter, aber es wurde zudem immerhin betont, dass es ein gutes Haus und ein wertvoller Beitrag für das Viertel sei, den man aber noch "besser verstehen müsse"... huh:)




      Abb.3: Alfstraße 25 (Architekt Steffens). Einer der letzten Entwürfe der Alfstraße, der mir ganz hervorragend gefällt und die Straße nun doch noch deutlich aufwertet! :thumbsup: Hier wurde endlich einmal das Motiv der Hochblenden und dazwischenliegenden Lisenen aufgegriffen und modern umgesetzt. Eine sehr schöne Arbeit mit Plastizität. Davon hätte ich mir mehr gewünscht! Allerdings hätte ich auch hier noch einen Verbesserungsvorschlag: Mit 5 statt 4 Fensterachsen hätte man die Hochblenden durchgehend bis in die Giebelstaffeln führen können, was ein noch schöneres Bild eines typischen Lübecker Hauses ergeben hätte. Aber das ließ sich wohl mit dem Grundriss nicht vereinbaren, da in sich der Fassadenmitte eine Innenwand befindet.

      Leider wird es aber hier wohl zu einer "Verschlimmbesserung" kommen, da der GBR bemängelte, dass die Oberkante des verputzten EGs auf derselben Höhe wie die von Nr. 27 liegt und dadurch der Eindruck eines durchlaufenden EGs über zwei Häuser entstünde, was vermieden werden soll. Der Architekt sagte, er würde den Putz dann bis über das 1.OG ziehen, der GBR schlug dagegen eine Herabsetzung der Putzoberkante auf die Stürze der EG-Fenster vor.
      Meiner Meinung nach bedeuten beide Varianten eine deutliche Verschlechterung des Entwurfs, da die Proportionen momentan perfekt sind. Eine unterschiedliche farbliche Fassung der beiden EGs hätte es doch auch getan! :kopfschuetteln:




      Abb.4: Fischstraße 19 (Architekt Steffens), rechts Ansicht des historischen Hauses (gemeinfrei).
      Hier handelt es sich um den im Strang weiter oben schon erörterten Spezialfall. Kurz nochmal zusammengefasst: Die bedeutendste gotische Fassade Lübecks wurde nach dem Bombenangriff zunächst gesichert und sollte erhalten bleiben. Als sich dann die Planungen für die Berufsschulen durchsetzten, wurde sie dann leider doch noch abgebrochen und mit den Originalsteinen auf dem Grundstück Mengstraße 6 sehr verfälscht und mit einer Parkhauseinfahrt im viel niedrigeren EG wieder aufgebaut. Zudem wurde dafür die ebenfalls erhaltene historische frühklassizistische Fassade Mengstraße 6 abgebrochen. Eine Katastrophe also.
      Da das Grundstück Mengstraße 6 vom Museum Buddenbrookhaus (Mengstraße 4) als Erweiterung gekauft wurde und man wegen der unpassenden Geschosshöhen dort gerne neu bauen wollte, bestand die einmalige Gelegenheit, die Fassade wieder in die Fischstraße zurückzutranslozieren. Es hätte dem Vernehmen nach sogar einen Investoren für die originalgetreue Rekonstruktion in der Fischstraße gegeben.
      Einzig: Die Fassade in der Mengstraße 6 steht - aus nicht nachvollziehbaren und fadenscheinigen Gründen - unter Denkmalschutz. Und die Denkmalpflege weigerte sich leider beharrlich, diesen aufzuheben. Das einzige denkmalwürdige dort sind die falsch zusammengesetzten gotischen Steine - und die wäre ja beim Umzug in die Fischstraße erhalten geblieben - dort sogar wieder korrekt zusammengesetzt. Was in den Köpfen einiger Leute vorgeht, kann ich einfach nicht verstehen. :kopfschuetteln: :gehtsnoch:
      Wie auch immer, diese einmalige Chance ist vertan - das bedauerte erstaunlicherweise sogar der Gestaltungsbeirat, der sich mehrheitlich für eine Rekonstruktion ausgesprochen hätte, wie man am Freitag erfahren konnte.

      Der nun vorliegende Neubauentwurf greift aber die Formen des historischen Hauses auf, wenn auch sehr vereinfacht. Aber immerhin, damit kann ich gut leben - zumal hier wie bei der historischen Fassade auch eine deutliche Plastizität zu erwarten ist. Der Architekt erwähnte, dass er wegen des durch die Baugemeinschaft vorgegebenen Kostenrahmens leider keine Form- oder glasierte Steine verwenden könne. Schade.

      Der Berat überlegte, ob man die EG-Fenster in Höhe der Oberlichter noch unterteilen könnte, da es beim historischen Haus auch zwei Fensterreihen gab. Ich weiß nicht, ob das kommt, würde es aber begrüßen.




      Abb.5: Fischstraße 24 (ebenfalls Architekt Steffens).
      Auch bei dieser dritten Fassade aus seiner Feder bewegt Herr Steffens sich relativ nah an der historischen Fassade (barockisierte Renaissance). Hier war der GBR aber nicht ganz so angetan wie bei den beiden vorigen Entwürfen. Bemängelt wurde die Verlegung der Eingangstür von der Mitte auf die Seite (was wegen des zu erhaltenden historischen Kellers, der öffentlich zugänglich sein wird, nötig war), sowie die Größe der Fenster. Diese sollten wie beim historischen Vorbild im 1. OG höher und in 2. und 3. OG kleiner sein. Die Fassade solle nochmal neu entwickelt werden. Mal sehen, was dabei herauskommt. Mir gefällt sie ganz gut, wenngleich ich selbst auch noch Optimierungsbedarf sehe. Herr Steffens hätte aber - wenn es nach mir ginge - gerne noch mehr Aufträge im Viertel bekommen dürfen. :)




      Abb.6: Fischstraße 21 (Architekt Tischler).
      Was der GBR zu dieser Fassade gesagt hat, habe ich nicht mehr mitbekommen, da ich nach dem Foto sofort weg musste.
      Meine Meinung: Prinzipiell nicht schlecht, allerdings wirkt der Giebel durch die im Rahmenplan vorgegebene flache Dachneigung sehr gedrungen. Ich glaube, dass hier ein gerader, "klassizistischer" Fassadenabschluss mit kräftigem Gesims und komplett verputzter heller Fassaden (zumal neben Nr. 19, s.o.) die bessere Wahl wäre. Wie gesagt - vielleicht hat es der GBR auch so gesehen.


      Die restlichen Entwürfe folgen in ca. 10 Tagen. Dann erstelle ich auch wieder aktuelle Gesamtansichten der Straßenabwicklungen.

      Generell lässt sich sagen, dass auf der "Zielgeraden" glücklicherweise noch eine deutliche Verbesserung der Entwürfe zu verzeichnen ist. Von den anfänglichen übermächtigen aalglatten Dreiecksgiebeln mit bodentiefen Fenstern hin zu mehr Plastizität, verschiedenen Giebelformen und lübeck-typischen Motiven. Auch, wenn ich mir mehr Rekos gewünscht hätte, ist das immerhin eine erfreuliche Entwicklung, mit der ich schon gar nicht mehr gerechnet hatte. :)


      Alle Fotos (außer des historischen natürlich) von mir.
      Lûbeke, aller Stêden schône, van rîken Êren dragestu de Krône. (Ernst Deecke, Lübische Geschichten und Sagen, 1852)

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      Besten Dank für die Updates, Frank!

      Ich habe gleich eine Anschlussfrage zum Haus Mengstraße 6: Wenn das Haus vom benachbarten Buddenbrook-Museum übernommen wird, verschwindet dann auch die hässliche Durchfahrt durch das Erdgeschoss?? Ich finde es ist eine Todsünde, dass durch das Erdgeschoss einer wunderschönen gotischen Fassade Autos durchfahren! Und die damit verbundene Parkhaus-Atmosphäre ist ebenso grauenhaft!


      Von de:Benutzer:Der Bischof mit der E-Gitarre - Eigenes WerkOriginaltext: selbst fotografiert, Copyrighted free use, commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=46063095
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      Ja, das ist in der Tat grauenhaft - gelinde gesagt eine Katastrophe. Das auf dem Bild hinter der Durchfahrt zu sehenden baufällige Parkhaus wurde inzwischen übrigens abgerissen und durch ein neues (nicht weniges schreckliches, weil viel größeres) ersetzt, das nun aber nicht mehr über die Mengstraße, sondern über die Straße Fünfhausen (links um die Ecke) angefahren wird.

      Soweit ich gehört habe, muss wohl dennoch eine Durchfahrt erhalten bleiben, da sich im Innenhof noch Anwohnerparkplätze befinden. Die Durchfahrt soll aber wohl deutlich verkleinert werden und eventuell auf die linke Seite wandern, um rechts die Verbindung im EG zum alten Buddenbrookhaus zu ermöglichen. Generell soll das Haus hinter der Fassade wohl komplett abgebrochen und neu gebaut werden. Genaue Planungen habe ich aber noch nicht gesehen.

      Wenn, dann wird man sie wohl hier zuerst finden:
      buddenbrookhaus.de/de/Buddenbrookhaus-2018
      Lûbeke, aller Stêden schône, van rîken Êren dragestu de Krône. (Ernst Deecke, Lübische Geschichten und Sagen, 1852)
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      Wie gesagt - da kannst Du dich bei der Lübecker Denkmalpflege bedanken, dass daraus nichts wird. :kopfwand:

      Hier mal ein historisches Foto der alten oberen Mengstraße um 1870:


      Obere Mengstraße um 1870 (gemeinfrei): Ganz rechts Mengstraße 4 (Buddenbrookhaus), links daneben Mengstraße 6, deren Fassade für das jetzt noch dort befindliche "Plagiat" von Fischstraße 19 abgerissen wurde. Links daneben mit den zwei Treppengiebeln und dem traufständigen Mittelbau die Wehde (Pfarrhaus) der Marienkirche, die als einziges Haus dieser Zeile den Krieg unbeschadet überstand. Die wiederum links daneben befindlichen drei Barockfassaden wurde nach dem Krieg zunächst gesichert, aber dann ebenfalls abgebrochen, um in den 50ern rentierlichere Neubauten mit einem zusätzlichen Stockwerk errichten zu können. :kopfschuetteln:

      Der ganze Straßenzug wäre also zu erhalten gewesen, wenn man nur gewollt bzw. sich nicht dann doch anders entschieden hätte.

      Der heutige Zustand ist hier bei panoramastreetline.de zu "bewundern". Zugegeben handelt es sich hier immerhin noch um die beste Nachkriegsbebauung in der Lübecker Altstadt. Wenn man dafür nicht die historischen Fassaden abgerissen hätte, könnte ich damit sogar gut leben...
      Lûbeke, aller Stêden schône, van rîken Êren dragestu de Krône. (Ernst Deecke, Lübische Geschichten und Sagen, 1852)
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      Die Fenstergestaltungen aller Neuinterpretationen erscheinen mir unzureichend.
      Wie anderorts in längst realisierter Form wirken die Entwürfe wie modernisierte Altbauten, nicht überzeugend und einem Ensemble nicht zuträglich. Schade, dass bei diesem wesentlichen Aspekt Einsicht und Mut zur Umsetzung fehlen. Die Rekonstruktion in der Fischerstraße ist erfreulich.


      Jeder, der sich die
      Fähigkeit erhält Schönes zu erkennen, wird nie alt werden.

      www.archicultura.ch

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