Bautzen - Baugeschehen in der Altstadt

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    • @Frank-W


      Vielen Dank für die schönen Eindrücke vom TdoD! Sag einmal bitte, was machen denn die vielen "einheimischen" Trophäen an den Wänden? Ist der Eigentümer Großwildjäger oder sind das die Reste der Tiere aus dem Zittauer Zoo nach dem Hochwasser? Ein wunderbares Haus!
      "Lieber Gott, schütze uns vor Dreck und Schmutz,
      vor Feuer, Krieg und Denkmalschutz!"
    • Frank-W schrieb:





      Aus dieser Perspektive ist der Neubau das Beste am ganzen Bild. Auch die Farbe ist in diesem Zusammenhang gut - besonders bei diesem Wetter.




      Das empfinde ich exakt anders herum. Dieses Kornmarktcenter ist zwar nichts besonderes. Durch die schlanken Stützen, den schmalen Dachvorsprung und die transparent gestaltete Fassade hat es aber eine gewisse Leichtigkeit und Eleganz, die dem roten, schwerfälligen Neubau gänzlich abgeht. Das rechte Bankgebäude wiederum erscheint mir sogar halbwegs gut in den Straßenzug eingepasst, vor allem durch das mit Pfeilern durchbrochene Dachgeschoss und die fast schon gelungene Ecklösung.
    • Vielleicht hätte ich die Fotos vom Kornmarkthaus gar nicht posten sollen - denn das eigentlich Interessante sind ja die Posthalterei, die Häuser Siebergasse und Töpferstraße und die Röhrscheidbastei. :)
      Aber nein - das Kornmarktcenter finde ich überhaupt nicht besser - es ist für mich eine absolute Augenkrankheit. Da geht meine Tendenz klar zum Kornmarkthaus - aber ich wollte es auch nicht zu sehr loben - wie gesagt - ich hätte es auch nicht gebraucht. Das Kornmarktcenter ist aber wirklich nicht zu unterbieten - ganz besonders in Richtung Lauenturm. Außerdem für das Kornmarkthaus ist keine Architektur verlorengegangen und auch keine historische Platzsituation in Bautzen vernichtet worden - es ist auf einer Brache entstanden, die absolut nicht rekonstruktionswürdig war. Für das Kornmarktcenter ist eine alte Schule abgerissen worden, die zwar schon verunstaltet war, die man aber hätte im alten Stil wieder rekonstruieren können (Skulpturen etc finden sich noch heute in den Wallanlagen) - und ein möglicher Wiederaufbau des Bautzener Theaters -wenn auch unwahrscheinlich - wäre immerhin denkbar gewesen--- außerdem ist der typische L-förmige Platz Kornmarkt damit für immer zerstört. Die Lösung Parkhaus aus dem Dach macht Bautzen von oben von allen nahen Aussichtspunkten kaputt.
      Und dieses neue Bankgebäude - ich weiß nicht. Eine Stadtstruktur die nur aus solchen langweiligen Anpassungsbautzen besteht, die nicht mal ansatzweise an frühere Epochen rankommen finde ich nicht besser bzw. schlechter als eine Hafencity - in die das Kornmarkthaus prinzipiell auch passen würde.
      Auf alle Fälle sollte die Stadt die Straßensituation irgendwann mal umarbeiten - eine schöner Straßenbelag (der den Verkehr verlangsamt) - ein paar Bäume etc. - kann das ganze erheblich verbessern - leider ist da im Moment wohl kein Geld da - es wird zwar ein neuer Straßenübergang geschaffen, aber ich finde man müsste den ganzen Straßenraum hochwertig umbauen - und vor allem diese schreckliche Asphaltfläche und die roten Radfahrflächen wegmachen - das sieht ja entsetzlich aus. Leider ist es eben auch eine Hauptverkehrstrasse, so dass eine Pflasterung und deutliche Verschmälerung wohl nicht durchgesetzt wird.

      Wie findet Ihr den den Rietschelgiebel ?- Er kommt ja auch mit einem Neubau daher - finde aber er wertet insgesamt die Ortenburg schon auf.
    • Exilwiener schrieb:

      @Frank-W


      Vielen Dank für die schönen Eindrücke vom TdoD! Sag einmal bitte, was machen denn die vielen "einheimischen" Trophäen an den Wänden? Ist der Eigentümer Großwildjäger oder sind das die Reste der Tiere aus dem Zittauer Zoo nach dem Hochwasser? Ein wunderbares Haus!


      Der Besitzer ist Antiquitätenhändler, der also auch eine künstlerische Ader hat - und zwar mit Stil - den man sofort erkennt. Woher er die Trophäen hat habe ich ihn nicht gefragt, obwohl er anwesend war. Ich gehe mal nicht davon aus, dass es Verwandte der im Garten hinter dem Haus lebenden Wesen waren, die auf dem einen Foto zu sehen sind. :)
    • @Frank-W

      Danke für Deine Antwort!

      Gut zu wissen, dass der Eigentümer Stil und Liebe besitzt - da hat der Topf seinen Deckel gefunden! Die Trophäen hat er vielleicht bei einer Auktion ersteigert...vor ca 6 Jahren wurde das gesamte Interieur eines Prager Palais auf der Kleinseite versteigert und ich bilde mir ein das eine oder andere Tier wiederentdeckt zu haben. Hat der Eiegntümer sein Haus auch während der Woche offen oder war das nur eine Ausnahme für den TdoD?

      Als ich das letzte Mal in BZ war und vom schiefen Turm auf die wunderschöne Altstadt herabblickte, da war ich regelrecht geschockt über die neu hochgezogene Neubauecke vis-a-vis des KMC. Zum ersten Mal habe ich die Angst bekommen, dass nun auch die einzigartigen Olau-Städte langsam westdeutsch assaniert werden - vor allem das Fleckerlteppichdach fand ich oberkacke hoch drei!

      "Wie findet Ihr den den Rietschelgiebel ?- Er kommt ja auch mit einem Neubau daher - finde aber er wertet insgesamt die Ortenburg schon auf. "

      Wenn er am Abend beleuchet ist, dann gefällt er mir, aber untertags kommt er aufgrund der Glasauslage überhaupt nicht zur Geltung, weil die Schaufensterkonstruktion ein stimmiges Gesamtbild zusammenschlägt. Ich kann mit solchen Brüchen in historischen Gebäuden persönlich überhaupt nicht leben. So etwas erwarte ich vielleicht in einer westdeutschen Provinzstadt, aber nicht in einer mitteldeutschen Kulturburg. Aber BZ wird es aushalten können. Nur bitte nicht mehr von dem Zeugs bitte.
      "Lieber Gott, schütze uns vor Dreck und Schmutz,
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    • @Frank-W
      vielen Dank für die Impressionen vom Bautzner Denkmalstag. Besonders interessant waren für mich die Innenfotos von der Röhrscheidbastei.

      Ein paar Anmerkungen. Auf dem ersten Foto der Serie von Frank-W zur Röhrscheidbastei offenbart sich DAS derzeitige Bau-Sorgenkind der Bautzner Altstadt. Hier eine Nahaufnahme (eigenes Foto):


      Es handelt sich um die provisorisch gesicherte Rückfront von zwei wertvollen Bürgerhäusern (eines klassizistisch – gebaut etwa 1820, eines barock, datiert 1720 – 1740). Die Vorderfront (an der Inneren Lauenstraße) sieht man hier:

      static.panoramio.com/photos/large/70038346.jpg



      Das letze Foto (mit der eingerüsteten Straßenfassade der beiden Häuser, kann übrigens vergrößert werden) wurde im Februar 2007 aufgenommen. Kurze Zeit später zog die Baufirma mitsamt Kran wieder ab. Was war passiert? Mit der Aufstellung des Krans (Januar 2006) begann – nach mehrjährigem Leerstand – die überfällige Sanierung der Gebäude, und zwar wie verlautbart - denkmalgerecht. Klang alles recht gut. Im Mai 2006 kam es dann aber im Zuge der Bauarbeiten zum Einsturz eines Hinterhauses. Seitdem läuft zwischen Eigentümer und Baufirma ein schier endloser Rechtsstreit (erste Instanz, nächste Instanz, Gutachten, Gegengutachten, Befangenheitsantrag gegen den Richter und so weiter und so fort). Nachfolgend ein Bericht in der Sächsischen Zeitung, Lokalausgabe Bautzen, vom 28. September 2013 (Auszug).
      Millionenpoker um Bürgerhäuser - Seit sieben Jahren tut sich auf der Unglücksstelle nichts. Dafür spitzt sich der Streit vor Gericht immer mehr zu. […]
      Für den Eigentümer ist die Sache klar: Die Strabag [Anm.: der beauftragte Baubetrieb] ist schuld. Schließlich habe sie in den später eingestürzten Hausteil eine Einfahrt für Baumaschinen gebrochen. „Und dann sind die im ersten, zweiten und dritten Stock mit dem Kettenbagger rumgefahren. Über Holzdecken! Das muss man sich mal vorstellen!“ Der Baukonzern dagegen weist die Verantwortung für den Einsturz von sich. Das Gebäudeensemble sei auch ohne die Bauarbeiten schon völlig desolat gewesen. Kasselmann [Anm.: der Bauherr] wirft der Strabag dagegen „Anfängerfehler“ vor. „Wie kleine Kinder, die eine Burg bauen, die dann einfällt. So sieht das aus.“


      Ein neuerer Zeitungsartikel (Sächsische Zeitung, Lokalausgabe Bautzen, vom 29. April 2014) macht nun wieder Hoffnung:
      […] Noch in diesem Jahr will der Unternehmer nach achtjährigem Stillstand weiterbauen. Bis die Arbeiten die vordere Fassade erreichen, sollen noch zwölf Monate vergehen.


      Eine weitere Fotoserie von Frank-W dokumentiert ein vorbildliches Sanierungsprojekt in der Siebergasse. Da ein Vergleichsfoto (Ausgangszustand) vermisst wurde, möchte ich eines nachliefern. Die Blickrichtung ist freilich nicht optimal – es ist das erste (vordere) Haus auf der linken Straßenseite:




      Foto von Frank-W (Vergleich sanierter Zustand)

      Für den betreffenden Straßenzug in der Siebergasse (westliche, d.h. auf dem Foto linke Straßenseite) bedeutete die Wende übrigens Rettung in letzter Minute. Geplant war ein vollständiger Abriss (den Eckbereich – Freifläche im Bildvordergrund - hatte es ja schon erwischt). Die Pläne für die vorgesehene Neubebauung hatte man im Spätsommer?/Herbst? 1989 schon veröffentlicht – „Angepasste“ Plattenbauten. Die „Anpassung“ bestand im Wesentlichen in einer verminderten Geschossanzahl (damit die benachbarten historischen Dächer nicht überragt werden).

      Abschließend noch meine Meinung zur Aufstellung des Rietschelgiebels im Hof der Ortenburg: An sich eine gute Idee, aber die Ausführung überzeugt mich nicht. Schon allein die Rückwand aus grauem Waschbeton, igitt…Vielleicht kommt ja irgendwann mal eine elegantere Lösung.
    • Exilwiener schrieb:

      @Frank-W

      Danke für Deine Antwort!

      Gut zu wissen, dass der Eigentümer Stil und Liebe besitzt - da hat der Topf seinen Deckel gefunden! Die Trophäen hat er vielleicht bei einer Auktion ersteigert...vor ca 6 Jahren wurde das gesamte Interieur eines Prager Palais auf der Kleinseite versteigert und ich bilde mir ein das eine oder andere Tier wiederentdeckt zu haben. Hat der Eiegntümer sein Haus auch während der Woche offen oder war das nur eine Ausnahme für den TdoD?

      Als ich das letzte Mal in BZ war und vom schiefen Turm auf die wunderschöne Altstadt herabblickte, da war ich regelrecht geschockt über die neu hochgezogene Neubauecke vis-a-vis des KMC. Zum ersten Mal habe ich die Angst bekommen, dass nun auch die einzigartigen Olau-Städte langsam westdeutsch assaniert werden - vor allem das Fleckerlteppichdach fand ich oberkacke hoch drei!

      "Wie findet Ihr den den Rietschelgiebel ?- Er kommt ja auch mit einem Neubau daher - finde aber er wertet insgesamt die Ortenburg schon auf. "

      Wenn er am Abend beleuchet ist, dann gefällt er mir, aber untertags kommt er aufgrund der Glasauslage überhaupt nicht zur Geltung, weil die Schaufensterkonstruktion ein stimmiges Gesamtbild zusammenschlägt. Ich kann mit solchen Brüchen in historischen Gebäuden persönlich überhaupt nicht leben. So etwas erwarte ich vielleicht in einer westdeutschen Provinzstadt, aber nicht in einer mitteldeutschen Kulturburg. Aber BZ wird es aushalten können. Nur bitte nicht mehr von dem Zeugs bitte.


      Das Haus Töpferstraße ist nicht immer geöffnet - ich weiß nur von der Öffnung zum letztjährigen Tag des Denkmals und einer zeitweiligen Ausstellung der Deutschen Stiftung Denkmalschutz.

      Die Gefahr, dass Fehler vieler Westdeutscher Städte wiederholt werden ist in Bautzen meiner Ansicht nach größer als in den anderen Oberlausitzer Städten - wie gesagt, der gesamte Stadtrat hatte bei einer Abstimmung ja für den Abriss der Posthalterei und des gesamten Lauenareals gestimmt, nach dem Motto es sei ein Schandfleck und Bautzen soll noch mehr zum Einzelhandelszentrum mutieren - und es werden alle Oberlausitzer anch Bautzen einkaufen kommen. Der alteingesessene Oberbürgermeister ist soweit ich gehört habe auch jetzt noch dieser Ansicht. Selbst der grüne Stadtrat war (ist?) trotz kritischer Stimmen der Grünen von Bautzen auf der seeligen Einigkeitswelle mitgeschwommen und hat sich ganz klar für den Abriss der Gebäude ausgesprochen. Übrigens ist auch die SZ-Redaktion für Bautzen zum großen Teil wohl auf dieser Welle (zumindest gewesen) -auch aktuell wurde zum Tag des DENKMALS überproportional das Geschäftshaus am Kornmarkt positiv dargestellt und während der Lauencenterdiskussion gab es klare Stellungnahmen - ala "weg mit dem Schandfleck" -- später wurde die Berichterstattung aber dann neutraler- das muss man fairerweise auch erwähnen.
      Das Lauencenter wäre nach den Entwürfen ein Klotz geworden, der Kornmarktcenter und Kornmarkthaus an Dimension noch in den Schatten gestellt hätte und die Entwürfe ließen nicht viel gutes erahnen. - Wenigstens die Goschwitzstraße scheint erstmal gerettet zu sein - die Chancen, dass am ehemaligen Standort des Hauses der Sorben ein Gebäude wie das Kornmarkthaus hinkommen, halte ich aber für sehr hoch. - Für eine Rekonstruktion des alten Haus der Sorben wird sich wohl kein Geldgeber finden für Bautzen - aber bebaut werden wird/muss die Ecke irgendwann.

      Es stimmt der Rietschelgiebel wirkt abends am besten - Glasflächen sind eben nie so transparent wie in den Renderings. Am Gebäude Puppentheater gefällt mir auch vieles nicht, aber den Gedanken den Giebel in Schreinform erlebbar zu machen finde ich erstmal gut - die Figuren sind so fein ausgearbeitet, dass sie auch und gerade von nahem edel wirken.
      Gerade den Beton (der gut ausgeführt ist) finde ich in diesem konkreten Fall hinter dem Giebel nicht so schlecht - der Giebel kommt wirklich gut zur Wirkung. Das Glas hätte aber transparenter sein müssen und wie gesagt einige andere Details am Gebäude gefallen mir nicht.

      @Heimdall
      Soweit ich weiß gibt es da aktuell keine Pläne. Dieses Grundstück ist aber meiner Meinung nach ein Fläche, die - wenn bebaut - unbedingt rekonstruiert bzw. historiesierend bebaut gehört - denn die gesamte Heringstraße ist im oberen Teil bis auf diese Brache komplett Barock erhalten - wenn dort ein Neubau im Stil der Genossenschaften oder Wohnungsbaugesellschaften hinkäme, wäre die ganze Straße versaut.
    • Tolle Neuigkeit Heimdall, vielen Dank fürs Finden (für mich war die Nachricht neu) und Posten.
      Für alle, die sich in Bautzen nicht so gut auskennen: Die Kirchenruine ist keine Hinterlassenschaft des letzten Krieges, sondern Ergebnis eines Brandes von 1598. Zum Turm weiß wikipedia folgendes zu berichten:

      Im Westteil der alten Kirchenruine ließ die Stadt 1877 einen Wasserhochbehälter errichten. Dieser hatte ein Fassungsvermögen von ca. 1.000 m³. Die erhaltene Holzverkleidung des Oberteils des Wasserturmes besteht seit 1936. Die Wasseranlage wurde 1979 stillgelegt.


      Die folgenden Fotos (Kirchenruine, Anbauten, Wasserturm) stammen ebenfalls aus wikipedia (als Diaserie anzuschauen).
      commons.wikimedia.org/wiki/Cat…kirche_mit_Wasserturm.jpg

      Der nachstehende Artikel zeigt auf der Startseite ebenfalls 3 Bilder (können vergrößert werden), darunter ein schönes Luftbild und eine Planzeichnung des Nutzungskonzeptes (als Querschnittsdarstellung).
      mdr.de/sachsen/bautzen/moenchsruine-bautzen100.html
    • Frank-W schrieb:

      Der aktuelle Stand vom Palais Töpferstraße - ich liebe dieses Haus. Es hat sich im letzten Jahr nicht so viel getan, wenn man von der stilvollen Einrichtung absieht - von mir aus könnte es auch genau so bleiben - aber das geht ja auch nicht unbedingt für die Ewigkeit und etwas solide Ausbesserungen sind langfristig für das Gebäude sicher wichtig. Im nächsten Jahr will der Besitzer laut eigener Aussage das Dach erneuern - das wäre doch schon mal nicht schlecht. -



      Und der Besitzer hat Wort gehalten - aktuell ist die angekündigte Dacherneuerung nämlich im Gange. Die neuen Dachziegel konnte man noch nicht sehen, die Handwerker waren noch mit der Anbringung der neuen Dachlattung und der - augenscheinlich sehr sorgfältigen - Reparatur der Gauben beschäftigt. Ich werde später (nach Abbau des Gerüstes) sicher mal dazu kommen, ein paar Fotos zu machen - jetzt war noch nicht allzu viel zu sehen.
    • BautzenFan schrieb:

      Und der Besitzer hat Wort gehalten - aktuell ist die angekündigte Dacherneuerung nämlich im Gange. Die neuen Dachziegel konnte man noch nicht sehen, die Handwerker waren noch mit der Anbringung der neuen Dachlattung und der - augenscheinlich sehr sorgfältigen - Reparatur der Gauben beschäftigt. Ich werde später (nach Abbau des Gerüstes) sicher mal dazu kommen, ein paar Fotos zu machen - jetzt war noch nicht allzu viel zu sehen.

      Und so sieht es jetzt nach Abbau der Gerüste aus:



      Ein Vergleichsbild, auf dem der vorherige Zustand des Daches besser zu sehen ist:


      Von Dr. BerndGross - Eigenes Werk, CC-BY-SA 4.0, $3(wikimedia)


      Auf mich wirkt das Ergebnis sehr authentisch (nicht so "geleckt" wie manch andere Sanierung), es wurden ganz offensichtlich keine neuen Dachziegel verwendet.


      Nun zu einem Gebäude aus dem Jahr 1816: Taschenberg 7. Dort sind ebenfalls kürzlich die Gerüste gefallen. Zunächst ein Bild das den Ausgangszustand verdeutlicht:




      Und das ist der aktuelle Zustand:









      Und schließlich noch die Metamorphose des Eckhauses Schülerstraße / Gerberstraße (das kleinere der beiden ehemaligen Bautzner Postgebäude). Sehr wohltuender Anblick der Fenster im 3. OG - im Vergleich zu vorher:




    • Ich möchte heute ein Bauprojekt in Bautzen vorstellen, das seit Fertigstellung des ersten Teilabschnittes (Oktober 2012 – Ausbau einer ehemaligen Scheune als Biomarkt) allerdings „ruht“. Das betreffende Areal liegt am Rand der Bautzener Innenstadt an der Einmündung der Töpferstraße in den Holzmarkt. Es handelt sich um das *Domstiftliche Vorwerk*, das über Jahrhunderte bis in die Nachwendezeit (also auch in der DDR-Ära) in kirchlichem Besitz war und interessanterweise bis in die 1980er Jahre landwirtschaftlich genutzt wurde. Die Ursprünge dieses bäuerlichen Komplexes reichen nach Ansicht der Archäologen bis zum slawischen Stamm der Milzener im 9. und 10. Jahrhundert zurück. Im 11. Jahrhundert befand sich hier, auf der Gemarkung des damaligen Dorfes Broditz, ein kaiserliches Tafelgut. Die heutige Bebauung stammt aus dem 18. und 19. Jahrhundert.

      Zustand der Front an der Töpferstraße kurz vor Beginn der Bauarbeiten: im Bildvordergrund die Einfahrt in den Hofbereich (die Pfeiler noch ohne bekrönende Schmuckelemente), dahinter die efeuumrankte ehemalige Scheune (jetzt ausgebaut als Biomarkt) und im Bildhintergrund (in der Flucht etwas vorspringend) das ehemalige Torhaus.

      Von Paulis -Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0 (Wikipedia)


      Die Scheune (heute ein Biomarkt in historischem Ambiente, genannt seien nur die ansehnlichen Gewölbedecken) und der Einfahrtsbereich wurden bereits saniert. Letzterer sieht heute so aus (Februar 2016, Ansicht von der Hofseite):




      Und dies der aktuelle Zustand der Scheune und des (noch nicht sanierten) Torhauses:







      Auf dem nächsten Foto von Scheune und Torhaus sieht man im Bildhintergrund den Konfliktpunkt des Projektes, ein unter Denkmalschutz stehendes Fachwerkhaus (datiert 1750):




      Und hier die Front des Torhauses zur Töpferstraße; Standort des Fotografen ist die Ecke Töpferstraße/Holzmarkt:




      Auf dem nächsten Bild ist zu sehen, wie sich die Berandung des Komplexes am Holzmarkt aktuell darstellt (incl. Fachwerkhaus im Hofbereich):




      Entlang dieses Bretterzaunes plant der Investor die Errichtung eines Wohngebäudes. Die hofseitige Fassade findet man hier (nach Öffnen des Links auf die rechte „Briefmarke“ klicken):
      vorwerk-bautzen.de/


      Kommen wir aber zum Streitpunkt des Projektes – dem bis in die 1990er Jahr für Wohnzwecke genutzten Fachwerkhaus. Hier zunächst der Zustand im Sommer 1991:
      Klick

      Am 23. Januar2012 vermeldete die Sächsische Zeitung:



      Sächsische Zeitung schrieb:

      […] Zankapfel ist weiterhin ein denkmalgeschütztes Fachwerkhaus in der Mitte des Grundstücks. Der Bauherr möchte das Gebäude abreißen lassen, um dort Parkplätze zu errichten. Doch die Denkmalschützer weigern sich: Das Haus sei einunverzichtbares Zeugnis aus der Zeit, als Bautzens Vorstadt noch ländlich geprägt war […]
      [Der Abrissantrag wurde von der Denkmalbehörde abgelehnt.] Dagegen war der Bauherr in Widerspruch gegangen, worauf laut Landesamt für Denkmalpflege die Sache an die Landesdirektion zur Entscheidung abgegeben wurde. Diese Behörde schloss sich der Argumentation der Denkmalschützer an und wies den Widerspruch ebenfalls zurück.


      Der Bauherr strengte daraufhin ein Verfahren beim Dresdner Verwaltungsgericht an, zog seine Klage aber wenige Monate später wieder zurück. Die SäZ vermeldete dazu am 12.Mai 2012:


      Sächsische Zeitung schrieb:

      Damit darf der Eigentümer des früheren Vorwerks das Gebäude nicht abreißen.


      Seitdem „ruht“das Projekt, mir sind keine neuen Entscheidungen/Projektmodifizierungenbekannt. Abschließend noch einige Fotos des Fachwerkhauses (alle von September2011).


      By Paulis - Own work, CC BY-SA 3.0 (Wikipedia)


      By Paulis - Own work, CC BY-SA 3.0 (Wikipedia)


      By Paulis - Own work, CC BY-SA 3.0 (Wikipedia)
    • Das Dach ist offen, teils auch die Wände. Der Eigentümer will das Gebäude ganz offensichtlich bewusst verfallen lassen und seine beknackten Parkplätze dort errichten zu können, was ihn billiger als eine Tiefgarage käme. Warum schreitet der Denkmalschutz hier nicht aktiv ein. Oder will er den Abriss nur in wenigen Jahren doch absegnen, weil nun die Substanz so geschädigt sei, dass "eine Sanierung nicht mehr finanziell zumutbar" ist?
    • Heimdall schrieb:

      Das Dach ist offen, teils auch die Wände. Der Eigentümer will das Gebäude ganz offensichtlich bewusst verfallen lassen und seine beknackten Parkplätze dort errichten zu können, was ihn billiger als eine Tiefgarage käme. Warum schreitet der Denkmalschutz hier nicht aktiv ein. Oder will er den Abriss nur in wenigen Jahren doch absegnen, weil nun die Substanz so geschädigt sei, dass "eine Sanierung nicht mehr finanziell zumutbar" ist?
      Der Eindruckvon Heimdall ist natürlich naheliegend, muss aber (anhand weiterer Informationen) korrigiert werden. Abgesehen von einem Fotolink für den Zustand von 1991 hatte ich mich für meinen Beitrag aus zwei Fotoserien bedient: einer Serie aus wikipedia (deren Bilder allesamt im September 2011 aufgenommen) und eigenen Fotos vom Februar 2016. Die Ansichten, auf denen das Fachwerkhaus ziemlich „gerupft“ erscheint, stammen allesamt vom September 2011 (wikipedia) –hier 2 Beispiele:


      By Paulis - Own work, CC BY-SA 3.0, (Wikipedia)


      By Paulis - Own work, CC BY-SA 3.0, (Wikipedia)


      Wenn man sich diese Bilder anschaut, drängt sich doch als Erklärung auf, dass hier gezielt Fachwerkbalken für bautechnische Zustandsanalysen freigelegt worden sind. DerBauherr hatte nämlich u.a. damit argumentiert, dass das Fachwerkhaus wegen Schwammbefalls nicht mehr zu retten ist und daher abgerissen werden muss. In der Sächsischen Zeitung vom 23. Januar 2012 findet sich dazu folgende Darstellung:


      Sächsische Zeitung schrieb:

      […] hatte er [Anm.: der Bauherr] jedoch die Ansicht vertreten, dass das Fachwerkhaus wegen Schwammbefalls sowieso nicht zu retten sei – was die Denkmalschützer anders sahen und ihm eine Auflage zum Erhalt des Gebäudes erteilten.

      Dass der Bauherr der Auflage nachgekommen ist, belegt diese Aufnahme vom Februar 2016:





      Weitere Aufnahmen des Fachwerkhauses incl. Innenansichten (Zustand September 2011) findet man hier:
      Klick


      Und schließlich noch 3 Aufnahmen vom Barockpalais Töpferstraße 34 (Februar 2016, nach erfolgter Dachsanierung):







      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von BautzenFan ()

    • Mir gefällt (wie bisher immer) ausgesprochen gut, was an der Töpferstraße 34 getan wurde - eines meiner absoluten Lieblingsobjekte überhaupt.

      Was das Fachwerkhaus am Vorwerk angeht, hoffe ich weiterhin inständig, dass es doch noch gerettet wird. Wäre echt eine große Schande wenn nicht.

      Bei Taschenberg 7 finde ich komischerweise das Ergebnis der Sanierung etwas langweilig. Ich habe dieses Haus immer gemocht und mag es noch, aber jetzt ist es mir irgendwie zu geleckt - vielleicht liegt das aber auch am direkten Vergleich zur Töpferstraße 34, die bis jetzt voll meinen Geschmack trifft.
    • Am 19. Februar 2016 veröffentlichte die Sächsische Zeitung (Lokalausgabe Bautzen) einen informativen Artikel zum Baugeschehen am Barockpalais Töpfergasse 34. Zur Einstimmung auf den nachstehend zitierten Passus betreffs der realisierten Dachsanierung hier noch einmal ein aktuelles Foto:




      Sächsische Zeitung schrieb:

      Die Fenster und der Dachsims wurden restauriert. Und das Dach selbst wurde neu eingedeckt – mit Ziegeln aus dem 18. Jahrhundert. Möglich macht diese Verwandlung José Manuel Ladrón de Guevara. Der Dresdner mit den spanischen Wurzeln hat das Palais und dessen Nebengebäude schon 2011 gekauft und restauriert sie seitdem Stück für Stück. „Ich habe damals eine Anzeige im Internet gesehen und mich sofort in das Haus verliebt“, sagt er. José Manuel Ladrón de Guevara legt bei der Sanierung viel Wert auf Details. Alles soll möglichst originalgetreu sein. „Für die historischen Dachziegel bin ich mehr als 3 000 Kilometer hin- und hergefahren. Den Großteil habe ich aus Halle aber auch von Scheunen hier aus der Umgebung. Insgesamt haben wir 10 000 solcher alten Dachziegel gekauft“, sagt José Manuel Ladrón de Guevara. Das Ergebnis beeindruckte auch die Mitarbeiter des Denkmalschutzamtes.

      Und der Ausblick auf die geplanten Maßnahmen:

      Sächsische Zeitung schrieb:

      In diesemJahr will die Familie noch die frühere Werkstatt wieder herrichten. Außerdemwill José Manuel Ladrón de Guevara Fördermittel für die Sanierung der Fassadedes Palais beantragen. „Dann könnten 2017 die Arbeiten daran beginnen.“

      Zum gesteigerten Genuss beim Lesen des Gesamtartikels sei auf die Fotos von Frank-W verwiesen (viele Innenansichten, 2013), zu finden in den beiden letzten Beiträgen auf Seite 1 dieses Strangs (Stichworte: freigelegte Malereien, Plumpsklos, Hofbebauung, entfernte Trennwände). Und hier der Link zum Artikel:
      sz-online.de/nachrichten/palai…ngsam-wieder-3327601.html
    • Mal wieder nen kleinen Abstecher nach BZ gemacht und einiges neues entdeckt, was man ja niemandem vorenthalten möchte.
      Am Kornmarkt ist der Neubau nun komplett fertig und voll bezogen. Ein Mix aus Gewerbe und Wohnen, nach sehr mutigen Gestaltungsparametern. Ich hab dazu den Eindruck, dass man versucht hat, den Charakter von Altstadtbebauung mit einer Reminszenz an das alte Hochhaus an dieser Stelle zu kombinieren. Für mich ist es ein "naja"-Projekt, welches für mich die meisten Punkte in der Farbgestaltung sammelt, die ja doch eher mutig und im Kontrast der Stilrichtung des "Neuen Grau" sich eher positiv hervorhebt.


      Gegenüber wird eins der wichtigsten historischen Gebäuder einer Generalüberholung unterzogen: der Reichenturm voll eingerüstet.


      In den Schilleranlagen ist ein Beispiel der "contemporary architecture", ein Fehlgriff mit Ansage schon so gut wie fertig und harrt der Freigabe. Das Erweiterungsgebäude der BSZ für Wirtschaft hat auch in Bautzen ein Objekt der modernen, grauen, kontrastreichen, Quaderarchitektur entstehen lassen. Wenigstens fehlt dem Ding die omnipräsente Strahlkraft am representativen Standort. Es füllt ja nur den Platz zwischen der alten BSZ und der Turnhalle(?!), wo vorher nur Mensabaracken (wenigstens zu meiner Schulzeit mussten wir da rüber zum essen) standen.