Mitte (Altbezirk)

    • Das Palais Varnhagen in der Französischen Straße, Architekt David Chipperfield, ist nun äußerlich weitgehend fertiggestellt:












      Eines der leicht bläulich getönten Fenster:





      Insgesamt recht enttäuschend. Die Bauzeit zog sich über einige Jahre, nach meinen Beobachtungen nicht zuletzt durch den recht aufwändigen Guß der verschiedenfarbigen Betonfassade. Leider ist das Ergebnis auch bei näherem Hinsehen optisch kaum von einer Wärmedämmfassade mit Glattputz zu unterscheiden. Erst der Klopftest (den ich heute real durchführte :D ) zeigt, dass man es mit massivem Material zu tun hat - welches wohl leider trotzdem optisch eher nicht so schön altern dürfte wie Naturstein, der vermutlich sogar preiswerter gewesen wäre. Aber Chipperfield ist ja anscheinend in seinen "Beton mit hochwertigen Beischlagstoffen" (siehe James-Simon-Galerie) vernarrt...

      Positiv hervorheben kann man vielleicht die wertig erscheinenden Holzfensterrahmen und die angenehm wirkende Ockerfarbe. Negativ zu Buche schlägt ganz sicher das unproportioniert hohe und dazu noch grau abgesetzte Staffelgeschoss - würg, das erinnert verdammt an die gerade in Berlin/Potsdam so häufigen weißen Styroporkisten mit grauem Staffelgeschoss.
      Das Herz hat seine Gründe, die der Verstand nicht kennt. (Blaise Pascal, 1623 - 1662)

      Eingestellte Bilder sind, falls nicht anders angegeben, von mir
    • Snork schrieb:

      Erst der Klopftest (den ich heute real durchführte ) zeigt, dass man es mit massivem Material zu tun hat
      Wenn ich das richtig verfolgt habe, ist die Fassade mit Styrodur-Dämmplatten verkleidet. Diese sind von höherer Dichte und Druckfestigkeit als die Eierkarton-WDSV-Platten aus Styropor.

      Ich finde den Bau zumindest besser als seinen linken, nein sogar alle seine Nachbarbauten in dem Block. Der Gesamteindruck erscheint mir auch aufgrund der angenehmen Farbgebung von Fassade und Fenstern eher positiv und insgesamt überdurchschnittlich. Die Bezeichnung 'Palais' ist natürlich absurd und unangemessen, aber es wird ja ohnehin inflationär verwendet.
      Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
      (Immanuel Kant)

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    • ^^Hm, also ich bin im Verlauf des Fassadenbaus einige Male dort vorbeigekommen, und was sich zeigte war just dieselbe schmale Fassadenguss-Verschalung, die man auch über mehrere Monate am Staab-Bau am Schinkelplatz beobachten konnte. Die Wärmedämmung aus Steinwolle war nach meiner Erinnerung darunter angebracht, so dass es quasi ein zweischaliges Mauerwerk wurde. Aber geh halt mal selbst vorbei und klopf... ;)

      Edit: das Baunetz schreibt hier auch noch was über die Fassade: Sichtbeton...
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    • Man lasse einmal einen Fremden durch die Französische Straße fahren; danach zeige man ihm die Fotos vom "Palais" Varnhagen und frage ihn, auf welcher Straßenseite es steht. Er wird raten müssen.

      Das erinnert ein bisschen an Straßen wie die Rue de la Loi in Brüssel - ein modernes Gebäude neben dem anderen, alle sauber gebaut mit einer modernen Architektur. Ob sie aber von Chipperfield oder sonstwem sind (oder eine Kopie des Gebäudes 100 Meter weiter), macht für 99 Prozent der Passanten keinerlei optisch erkennbaren Unterschied.

      Mir fehlt da einfach der Mut, diese Standardfassaden optisch zu unterbrechen, unverwechselbare Designelemente einzuplanen, Ausbuchtungen, Erker oder Fassadenbepflanzungen oder ähnliches vorzusehen. Da bedarf es noch nicht einmal anderer Materialien. Ist denn Kreativität verboten?
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      Gutmensch = Gut gedacht, nicht nachgedacht, schlecht gemacht

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