Forchheim (Galerie)

    • Das Ensemble aus Rathaus, Magistratsbau, den anschließenden Gebäuden der Sattlertorstraße und der Stadtkirche im Hintergrund gehört sicherlich zu den schönsten in Franken. Alljährlich ist dort übrigens auch einer der schönsten Adventskalender zu finden. Die älteren Fachwerkbauten der Stadt erinnern ein wenig an das alte Nürnberg. Ansonsten verkauft sich Forchheim aufgrund der vielen entstellenden Ladenausbauten leider unter Wert.
      "Meistens belehrt uns der Verlust über den Wert der Dinge."
      Arthur Schopenhauer
    • Forchheim "verkauft" sich eigentlich gar nicht, es führt ein Dornröschendasein zwischen Bamberg und Erlangen, die sich beide vor Besuchern kaum retten können.
      In der Nähe der Fußgängerzone (etwas südwestlich) liegt das Gymnasium der Stadt (habe den Namen vergessen) und direkt daneben ein schönes Villenviertel mit Häusern aus der Zeit der ersten dreißig Jahre des letzten Jahrhunderts. Wer daran Freude hat, kommt hier bei einem schönen Spaziergang auch auf seine Kosten.
    • Die Fußgängerzone Forchheims ist aber schon ganz angenehm gestaltet und auch entsprechend belebt. Die Ladeneinbauten hätten auf jeden Fall bei manch einem Gebäude (speziell die beiden spätgotischen Fachwerkhäuser 38 und 40) weniger brutal und deutlich einfühlsamer sein können.

      Zur Adventszeit möchte ich dieses Jahr auch mal nach Forchheim schauen, ggf. i.V. mit Nachtaufnahmen.

      Das sich Erlangen, wo ich praktisch noch nicht war, vor Besuchern kaum retten kann, ist mir neu. Was gibt es denn dort?

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    • Sattlertorstraße 5


      Rathausplatz Blickrichtung SW, überragt von der Stadtpfarrkirche St. Martin, die drei Fachwerkhäuser rechts inzwischen zu Sattlertorstraße 5 vereinigt.




      Sattlertorstraße 5, links Frechshaus (ehem. Nr. 1, dat. 1426), mittig Schusterhaus (vormals Nr. 3, dat. 1475/76), rechts das sog. Streithaus (dat. 1690 und 1695/96).
      Der Unterschied zwischen oberdeutschem (alemannischem) und mitteldeutschem (fränkischem) Fachwerk ist hier räumlich benachbart sehr gut zu erkennen. Bei den beiden linken Häusern liegen die Fachwerkfelder noch weit auseinander, die Vorkragung ist sehr ausgeprägt, die Balkenköpfe sind sichtbar und die Streben in Pfosten und Schwellen überblattet. Markantes Erkennungszeichen des Renaissance- und Barockfachwerks in Forchheim wie auch z. b. in Bamberg (am Schlenkerla, in der Kapuzinerstraße 14 etc) sind die sog. Feuerböcke, aneinander gereihte genaste Andreaskreuze.


      Sattlertorstraße 5 (ehemals 1)
      Der Zuckerhut Forchheims, das sog. Frechshaus, dat. 1426, ursprünglich an 3 Seiten stark vorkragend (leider auf der Kirchhofseite entstellt). Seit etwa 1900 Teil des Rathauses (ob noch?), innen entsprechend leider vollständig zu Verwaltungszwecken umgebaut. Zumindest blieb das Äußere außergewöhnlich gut erhalten, insbesondere auch das Erdgeschoss. Eines der klassischen Beispiele für das oberdeutsche Fachwerk, die Auskragung beträgt 50-60 cm (aktuell noch auf zwei Seiten, ehemals auch zum Kirchhof). Beachtlich auch der sog. Schwebegiebel.


      Knaggenbündel an der NO-Ecke, auffällig massiv der Eckständer. Der Anker wohl das Hauszeichen.


      Oberes Knaggenbündel, ähnliche und ältere Knaggen gibt es in FO noch am Haus Marktplatz 16.

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    • Forchheim - Sattlertorstraße 5


      Frechshaus vom Kirchhof aus gesehen (mit dem störenden Anbau).




      Links noch der Magistratsbau vom Rathaus, mittig Frechshaus, rechts der östliche Teil vom Schusterhaus (dat. 1475/76), ebenfalls vorkragend, wenn auch „nur“ etwa 30cm, mit massivem Sandstein-Erdgeschoss (nachträglich).

      1898 war das Frechshaus noch verputzt:


      noch 1933 verputzt auch offensichtlich das Schuster- und Streithaus:

      beide Aufnahmen: Bildarchiv Foto Marburg


      Schusterhaus (westl. Teil) und Streithaus
      Krieger(gedächtnis)brunnen von 1927, zu Ostern prächtig geschmückt (habe ich auch irgendwo als Aufnahme, gibt´s zu Ostern). An selbiger Stelle früher ein Zieh- bzw. Pumpbrunnen.


      Eckmadonna am Streithaus (die Situation erinnert ein wenig an den Rothenburger Marktplatz mit Georgsbrunnen, Tanzhaus und Marien-Apotheke mit Eckmadonna).


      Das Streithaus (rechts) ist aus dem Zusammenschluss zweier Häuser entstanden, auch heute noch erkennbar (7 Achsen nach W und 4 nach Osten), der westliche Teil (rechts) wird neuerdings auf 1690 dat., der östliche auf 1695/96 (bei T. Brauer Bayrische Kunstdenkmale Stadt und Landkreis Forchheim, im Bürgerhausband vom westlichen Oberfranken, im Band Denkmäler Oberfrankens von 1986 oder auch im Dehio stehen da jeweils noch deutlich ältere Angaben: 1550/60 östlich und 1580/90 westlich, dafür wurden Frechshaus und Schusterhaus „älter“).

      Siehe dazu auch forchheim.de/sites/default/fil…WerkPfad_21pdf%5B2%5D.pdf

      Auf Seite 1 ein besonders tolles, wenn auch schwer zu fotografierendes Forchheimer Motiv

    • Sarrazene schrieb:

      Forchheim "verkauft" sich eigentlich gar nicht, es führt ein Dornröschendasein

      Forchheim "verkauft" sich in der Tat überhaupt nicht; man scheint sich des Wertes seiner Altstadt nicht bewusst zu sein. Bestenfalls wird noch die "Kaiserpfalz" präsentiert, aber das war's dann auch. Die Stadt scheint sich mehr für Gewerbesteuern zu interessieren. Man hat's ja auch mit den Nachbarstädten verdorben - Hauptsache der Globus kommt her. Was da in letzter Zeit am Südrand der Stadt gebaut wurde, ist unübersehbar: Siemens, wie gesagt Globus, das "alte" Breitweidig (nun größtenteils von einem Baumarkt überbaut), das "neue" Breitweidig, Logistikflächen, die neue B 470, die großflächige Bebauung An den Sandgruben und und und ...

      In einem gefühlsmäßig schwer zu überwindenden Kontrast hierzu stehen Scheunen, vergammelnde Altbauten und überwuchernde Brachflächen im Zentrum der 30.000-Einwohner-Stadt. Neben einigen durchaus brauchbaren Neubauten ist nun mit einer starken Beeinträchtigung des Paradeplatzes zu rechnen, soll doch hier ein Geschäftsmonster Platz nehmen dürfen. Und in der Nähe, abgelegen, geradezu versteckt und beliebig erscheindend, ein Platz (wenn er auch nicht nach einem solchem ausschaut), der den Namen "Marktplatz" führen darf.

      Patina und High-Tech, so könnte man Forchheim charakterisieren. Wer die alte Postfachanlage gekannt hat, weiß, wie zurückgeblieben sich die Stadt bisweilen präsentiert hat.

      Sarrazene schrieb:

      Bamberg und Erlangen, die sich beide vor Besuchern kaum retten können.

      Erlangen? Wer verirrt sich denn dorthin? Die barocke Planstadt, die mit Ludwigsburg vergleichbar ist, ist zu einer Großstadt aufgestiegen und besitzt die damit obligatorischen Hochhäuser und sonstigen modernen Kästen. Die Stadt, die sich gemeinsam mit Jena, Heidelberg und Göttingen als die am höchsten entwickelte Stadt Deutschlands in punkto Bildung, Forschung, Entwicklung und High-Tech versteht und ein unglaubliches Entwicklungspotential sowie eine starke Kaufkraft besitzt, kurzum jene Stadt, die - wenn dies ihr "tolerantes" Wesen zuließe - mit Fug und Recht auf alles andere weit und breit herabschauen könnte, hat städtebaulich fast nichts zu bieten. Und auch sonst gibt es kaum Gemeinsamkeiten mit Forchheim. Ja gut, die Autobahn geht ebenfalls mitten durch die Stadt, sogar wesentlich störender als in Forchheim und damit eigentlich doch nicht vergleichbar. Dass in Erlangen aber massenhaft Besucher rumlaufen würden, habe ich ja noch nie gehört. Außer auf die Weise, dass es als Einkaufsstadt als attraktiv gilt und in einer Großstadt halt immer etwas mehr Leute auf der Straße sind.

      Ein die Welt APH-mäßig Betrachtender verbringt 74 % der Zeit in Bamberg, 15 % in Forchheim und 10 % in Erlangen. Nur 1 % bleibt für die Fahrten mit den Zügen übrig, denn diese fahren hier schnell.

      Lassen wir aber Markus weitermachen, denn wir sind noch lange nicht durch!


      @ Markus: Wieder eine wunderbare Galerie mit der wohltuenden Sichtweise der heilen Welt! cheers:)
    • @Markus

      Vielen Dank, genau das meinte ich und das besagte Viertel beginnt gleich rechts um die Ecke.

      Wobei man sich auch zuweilen fragt, wie manche Schulen zu ihren Namen kommen, Johann Gottfried war in Riga, Straßburg, Bückeburg und zuletzt in Weimar, aber nie in Forchheim. Aber wenn man bedenkt, daß es in Deutschland auch ein John Lennon Gymnasium und anderes gibt, so mag man mit dem Herrn aus Mohrungen noch ganz zufrieden sein.
    • @Zeno

      Erlangen hat "nichts" zu bieten?
      Die bezaubernde barocke Altstadt und die herrlichen Kirchen? Der köstliche botanische Garten hinterm Schloß, das märchenhafte Theater?
      Das einzige, worin ich dir zustimme (-n muß), ist, daß die Städte nicht vergleichbar sind, aber das ist ja eine schlichte Erkenntnis.
    • Nein, natürlich nicht nichts. Aber angesichts der (heutigen) Größe der Stadt relativ wenig. Für mich immer zu barock.

      Herrliche Kirchen? Irgendwie kann ich mit all den Barockkirchen nicht viel anfangen (und das, obwohl ich aus dem Land der Wieskirche und der Klosterkirche von Ottobeuren bin, auch unter Bistum Augsburg bekannt). Eine wesentlich ältere Kirche steht in Frauenaurach.

      Aber zurück zu Forchheim!
    • Wohltuende Sichtweise der heilen Welt, so so...

      Jedenfalls doch immer wieder faszinieriend, das zwei so eng benachbart liegende Städte so unterschiedlich im Erscheinungsbild sein können.

      Noch kurz zu Schwabach: Die letzte verbliebene Kreisfreie Stadt Bayerns, die in der APH-Galerie noch fehlt, mal sehen wie lange noch.

      Nun aber weiter mit FO, wie schon Zeno schrieb, denn wir sind noch lange nicht durch.
    • St.-Martin-Straße

      Die ehem. Pfaffengasse bzw. Kirchenstraße verläuft von der Wallstraße erst nordwärts zur St.-Martins-Kirche, bezieht den Platz um die Kirche herum ein, um dann ostwärts an der Hauptstraße zu enden.


      St.-Martin-Straße mit der gleichnamigen Pfarrkirche von S, rechts die Nr. 2, ein ehem. Kanonikatshof aus der 1. H. 18. Jh.


      St.-Martin-Straße 4, Fachwerkscheune, bez. 1602




      St.-Martin-Straße 5, ein weiterer ehem. Kanonikatshof, der sog. Steinhof, 1431/32, der Lisenengiebel erinnert an Nürnberg, Adlerstraße 15 oder Karlstraße 11 (1945 zerstört).




      St.-Martin-Straße 5, Rückgebäude zur Schulstraße


      St.-Martin-Straße 6, ebenfalls ehem. Kanonikatshof, ein verputzter, relativ stark vorkragender Fachwerkbau

    • Forchheim - St.-Martin-Straße


      Der Kirchhof um die Stadtpfarrkirche war bis 1564 Friedhof


      St.-Martin-Straße 8, davor der Konradbrunnen


      St.-Martin-Straße 9 und 10, mit Durchblick auf die Marienkapelle


      St.-Martin-Straße 9, 10, 11 und 12, zusätzlich ins Bild lugend Kapellenstraße 1


      St.-Martin-Straße 10 und 11
      Die eingeschossige Nr. 10 aus dem 18. Jh.


      St.-Martin-Straße 16


      St.-Martin-Straße 17, Rückseite
    • Mündener schrieb:

      Herrlich, wie man sich damals bei der Datierung der beiden Häuser rechts vom Rathaus um knappe 120 Jahre verschätzt hat. :D


      Auch beim Rathaus Ostflügel steht z.b. im Dehio noch "kurz vor 1490", jetzt gilt 1401/02 als Baujahr. Oder Rosengäßchen 6 steht in der Denkmalliste von 1986 mit 19. Jh. drin, das geht jetzt auf 1430/31 zurück. Ähnliches gilt für Hornschuchallee 30. Auch beim Frechshaus (Sattlertorstraße 5, ehem. 1) findet man immer wieder die Angabe "um 1500" (Die Baudenkmäler Oberfrankens), da gilt jetzt 1426 als Baujahr.
    • So herrlich finde ich das nicht, denn mit einer zu späten Datierung geht die Unterschätzung des Wertes eines Denkmals einher und es ist damit stärker bedroht. Das mag beim Rathaus jetzt irrelevant sein, aber so manches unscheinbare Haus hohen Alters ist deswegen schon untergegangen. Es fängt damit an, dass es nicht auf der Denkmalliste steht. Habe heute mitgekriegt, dass der vor ca. 10 Jahren abgebrochene Stadel von Wiesentstraße 22 wohl auf das 16. Jh. zurückging. Viele sehr alte Häuser sind als solche offenbar noch gar nicht erkannt worden. Das passiert, wenn man zu sehr nach dem Äußeren geht. In Augsburg gibts jede Menge Häuser, die sehen nach 1985 aus, sind aber aus dem 15. Jahrhundert. Nur weil sie so gut renoviert sind und wieder frisch ausschauen.
    • Aber das man das Forchheimer Rathaus auf 1480 und die stilistisch absolut gleichen Häuser daneben auf 1550 datiert hat, ist ja schon etwas komisch.

      Das passiert, wenn man zu sehr nach dem Äußeren geht.
      Das Problem kenne ich aus England. Dort gibt es ganze Städte die scheinbar nur aus Backsteinhäusern ab dem 18. Jahrhundert bestehen.
      Wobei sich hinter den Fassaden ganze Straßenzüge aus dem 13.-16. Jahrhundert verbergen. Leider bleibt dies oft unerkannt und unbeachtet.

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