Dämmwahn in Deutschland

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    • Spiegel-Online, 28.11.2011, Artikel von Güven Purtul, Styropor-Platten in Fassaden - Wärmedämmung kann Hausbrände verschlimmern

      Styropor-Platten in Fassaden: Wärmedämmung kann Hausbrände verschlimmern - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wissenschaft

      dazu auch heute Abend 28.11.11, 22h, NDR-Fernsehen: "45 Min - Wahnsinn Wärmedämmung"
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    • Ein bisher zu wenig beachteter Gesichtspunkt im gesamtstaatlichen Förderwahn wird hier angesprochen.

      Die Energieeinsparverordnung für Gebäude wird Auswirkungen auf das Stadtbild haben. Klimaschutzbemühungen könnten mit dem Denkmalschutz kollidieren, meint die hessische Landeskonservatorin Roswitha Kaiser. Im Norden Deutschlands beispielsweise fürchteten Kollegen um die Tradition des Ziegelsteinbaus.

      Drost: Sie haben ja den städtebaulichen Kontext schon angesprochen. Die städtische Dichte, in der ja auch viele Altbauten sind, die mindert ja den Energieverlust erheblich, und die Tatsache wird auch wahrscheinlich oft nicht einberechnet, dass Abriss und Neubau oder Sanierung auch wieder Energie kostet. Müsste die Energiebilanz von Gebäuden vielleicht auch anders berechnet werden, auf diese Weise?

      Kaiser: Es gibt ja schon Ansätze und in Deutschland sind wir eher ja zunächst auf dem technokratischen Weg gewesen, also auf dem Weg der Zahlen, der Arithmetik. Die Schweiz beispielsweise geht völlig andere Wege. Sie hat auch Studien vorgelegt von Städten oder für Städte, die zeigen, wie nachhaltig der Baubestand im Altbauquartier mit dem Thema Energieeffizienz dasteht. Das heißt, dort gibt es tatsächlich dann auch Rahmendaten, die sagen, der Altbau ist nicht schlechter als der Neubau auf der grünen Wiese, der eben höchste Energieeffizienz hat.[...]
      Spagat zwischen Denkmalschutz und Sanierung - dradio.de
      Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
      (Immanuel Kant)
    • Dabei ist das ohnehin Quatsch. Diese alten Bauten haben ohnehin ausreichende Mauerstärke, um eine gute Dämmwirkung zu erzielen.
      ... dass jeder troglodytischen Lebensart, beruht sie nur fest in sich selbst, etwas schlechthin faszinierendes eignet, überhaupt für solche, die einen Ansatz dazu schon besitzen und mitbringen, der dann nur noch einer gewissen Entwicklung bedarf. (HvD)
    • Ein Atikel aus einem Hagener Lokalblättchen:

      Neues Dämmprogramm für schmucke Bauwerke
      Heimatfreunde können aufatmen

      Generell ist für Baudenkmäler jetzt Rettung in Sicht. Noch sind nicht alle Einzelheiten unter Dach und Fach. Doch der grobe Rahmen steht bereits. Geplant ist von Seiten der staatlichen Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) die Schaffung einer neuen Fördereingruppierung „Denkmal“. Die Idee: die Gebäudehülle bleibt unberücksichtigt, stattdessen wird die Förderung vom sinkenden Energiebedarf abhängig gemacht. Ab dem 1. April soll dieses Förderprogramm abrufbar sein.
      Lange haben Denkmalschützer für ein derartiges Programm gekämpft. Fast schien dieser Kampf aussichtslos zu sein. Schon sprachen Experten – etwa von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt und vom Deutschen Nationalkomitee Denkmalschutz – von der drohenden „Vernichtung wertvollen kulturellen Erbes“.
      Intelligente Lösungen
      Zum Glück sind endlich auch die Bundesregierung und die KfW einsichtig geworden. Die Staatsbanker haben mittlerweile wohl begriffen, dass historische Bausubstanz durchaus schützenswert sein kann. Hinzu kommt, dass man alte Häuser wahrlich nicht über einen Kamm scheren darf. An einem Fachwerkhaus sind – gerade auch bauphysikalisch – andere Dinge sinnvoll als an einem Wohnhaus des Jugendstils. Handwerker, die dies nicht beachten, schaden einem Bauwerk mitunter durch eine 08/15-Dämmung mehr als ihnen eigentlich auch aufgrund von Gewährleistungsansprüchen lieb sein kann. Deswegen – so fordern die Experten – seien „intelligente Lösungen“ vonnöten.
      Labor omnia vincit
      (Vergil)
    • Wenn sich diese Förderung für Energiesparen an Denkmalen durchsetzt, würde ich mir wünschen, dass spezielle Denkmal-Isolierfenster auf den Markt kommen.

      Bei heute erhältlichen Isolierfenstern ist mir die Glasfläche zu überperfekt. Dadurch wirken sanierte Altbauten oft etwas künstlich.
      Auf alten Fotos oder im wahren Leben, wenn man mal noch alte Fenster sieht, ist die Oberfläche nicht so spiegelperfekt wie heutzutage üblich und dadurch wirkt das Haus als ganzes lebendiger.
      Ah, ein Stadtmensch!
      www.stuck-und-dielen.de
    • Aedificium schrieb:


      Generell ist für Baudenkmäler jetzt Rettung in Sicht
      [...]
      Lange haben Denkmalschützer für ein derartiges Programm gekämpft.

      Wenn die Denkmalschützer schon für sowas kämpfen, dann wäre es sehr begrüßenswert, wenn sie auch die Freundlichkeit hätten, auch die älteren, stadtbildprägenen Gebäude des 14., 15. Jh. etc. regelmäßig unter Denkmalschutz zu stellen und nicht ein Haus nach dem anderen aus den Denkmallisten zu streichen, wie wir ja z. B. in Landshut beobachten mussten.
    • Sanierung: Dämmung ist das Todesurteil für Fachwerkhäuser - Nachrichten Debatte - Kommentare - WELT ONLINE

      [...]Lange vor der "Energiewende", schon zu Zeiten, als das Öl noch spottbillig war, hat man in meiner Familie das Wohnen in versiegelten Räumen zum Maßstab des Glücks erklärt. Ich reagiere auf solche Behausungen mit Atemnot. Wer unter der Energiewende großflächige Dämmaßnahmen versteht, weiß nicht, was er sich oder anderen antut.
      [...]
      Die Burka für das Haus ist ein Todesurteil – für die großbürgerlichen Gründerzeitwohnungen in der Stadt ebenso wie für die letzten verbliebenen Fachwerkhäuser, die das romantische Bild von Deutschland prägen und deretwegen man so viele Japaner in Rothenburg trifft. Ich habe schon einige Häuser sterben sehen und daher nur eine Hoffnung: dass die relative Armut des Landstrichs, in dem ich lebe, verhindert, dass das Fachwerkhaussterben dank moderner Wärmedämmung Tempo aufnimmt.
      [...]
      Bald ist jede Anhöhe im Vogelsberg mit Windanlagen bestückt. Auf den Dächern der Scheunen um mich herum blitzen Solarpaneele. Und irgendwann wird man in der Ferne die Masten der Starkstromleitung sehen, die Windenergie von Nord nach Süd transportieren soll. Selbst die Menschen in den wärmegedämmten Ställchen mit eingebauter Stoßlüftung werden dann für eine Politik zahlen, die nach Opportunität verfährt.
      [...]
      Die Moderne verleugnet ihre Herkunft, weil sie fürchtet, die Auseinandersetzung mit ihr könnte sie überfordern - oder ihr gar ihre eigene Banalität vor Augen führen. — Dr. Melanie Möller
    • Ich habe jetzt mal zu dem Thema eine Frage in eigener Sache. Ich bitte besonders Sachverständige (Bauingenieure, Fachwerkexperten) um Mithilfe.

      Ich wohne zur Miete im Erdgeschoss eines Fachwerkhauses aus dem Jahre 1895. Die Vermieter-Familie wohnt im Geschoss darüber.

      Meine Frau und ich haben ein Problem mit Schimmel in der Wohnung, besonders im Bereich der Fenster. Wir bekamen den Tipp, dass wir zu wenig gelüftet haben. Da war auch etwas dran, denn seit wir mehr lüften, ist das Problem kleiner geworden.

      Jetzt in diesem sehr kalten Winter tritt das Problem wieder stärker auf - zwar nicht in dem Maße, wie es vorher bei dem schlechten "Lüftungsverhalten" auftrat, aber trotzdem in einem sehr ärgerlichen Maße. Aber sehr viel mehr lüften, als wir das jetzt tun, kann man eigentlich nicht mehr. Es gibt zwar im Internet einige Leute, die meinen, man sollte dann einfach über den Tag verteilt 2-4 mal alle Fenster aufreißen, aber 1. ist das im Winter sehr unangenehm und 2. wer kann das schon über den Tag verteilt machen, wenn beide Bewohner der Wohung einer Arbeit nachgehen (ich kann nicht in der Mittagspause nach Hause fahren). Ich denke, wenn tatsächlich so ein intensives Lüftungsverhalten notwendig wäre, um den Schimmel ganz zu verhindern, dann kann eigentlich mit dem Haus etwas nicht stimmen.

      Ich meine mich zu erinnern, dass der Vermieter gesagt hat, dass neue Fenster eingesetzt wurden, bevor wir eingezogen sind. Ganz sicher bin ich aber nicht, ich muss das erst noch verifizieren. Hier sind jetzt meine Fragen:

      - Kann es sein, dass die zu gut isolierten Fenster das Problem darstellen ("Fachwerkhäuser müssen atmen"-Argument?)

      - In der Wohnung des Vermieters oben drüber tritt das Problem offensichtlich nicht auf. Kann das darin liegen, dass diese Wohnung eben direkt unterm Dach ist? Oder daran, dass er oben einen offenen Kamin hat, der auch genutzt wird (und unsere Wohnung im Erdgeschoss hat das nicht)?

      - Kann es sein, dass "mehr lüften" zwar durchaus hilft, letztlich aber ein Herumdoktern an den Symptomen darstellt und nicht an der Krankheit?

      Mittlerweile tritt der Schimmel in leichter Form auch in Zimmerecken auf, vorausgesetzt die Ecke ist an einer Außenwand...

      Ich bitte um Rat...
      http://www.menschenrechtsfundamentalisten.de
    • Restitutor Orbis schrieb:

      Kann es sein, dass die zu gut isolierten Fenster das Problem darstellen

      Ich bin kein Bau-Fachmann. Nach meinem sonstigen Wissen und meinem Verständnis würde ich sagen, dass gut isolierende Fenster das Problem sein können. Wurden denn in der Wohnung darüber auch die Fenster erneuert?

      Viel lüften ist zweifellos vernünftig. Allerdings sollte im Haus durch die Wände, Fenster etc. auch ein gewisser Luftaustausch stattfinden, wenn man nicht lüftet (z. B. tagsüber, wenn man berufstätig ist).
    • Das Problem Schimmel an Außenwänden tritt immer dann auf, wenn die Wandoberflächentemperatur (innen) für längere Zeit oder wiederholt unter den Taupunkt fällt. Dann kondensiert da eben die Feuchtigkeit. Der "Trick" zur Schimmelvermeidung bei Häusern mit relativ schlecht isolierenden Außenwänden (also etwa Fachwerkhäuser, aber auch viele Bauten der Nachkriegszeit) waren eben immer noch schlechter isolierende Fenster. Da beschlugen dann eben die Scheiben und nicht die Wand. Wenn man jetzt moderne, hochdichte (Plastik)-Fenster in solche alten Häuser baut, haben diese häufig einen besseren Dämmwert als die Wand selbst --> siehe da; es beschlagen zwar nicht mehr die Scheiben (die einem allerdings so diskret mitteilten, dass mal wieder Zeit wäre zu lüften ;), sondern (unsichtbar) die Wände, es kann sich Schimmel bilden. Es helfen nur zwei Dinge:

      1. Wandinnentemperatur über Taupunkt anheben (geht nur durch Wärmedämmung, kommt aus verschiedensten Gründen aus meiner Sicht nur selten in Frage)

      2. Taupunkt (=Temperatur, bei der eine 100%ige Sättigung der Luft mit Wasser erreicht ist) absenken. Das kann man eben durch das sog. Stoßlüften erreichen, bei dem die feuchtwarme, veratmete Zimmerluft durch die wesentlich trockenere Außenluft teilersetzt wird. Halt: Trockene Außenluft? Ja, sogar 5°C kalte und nasse Regenluft (= 100% LF) verändert durch Aufwärmen auf Zimmertemperatur ihre Luftfeuchtigkeit auf ca 30-40%, weswegen uns "Heizungsluft" im Winter immer so trocken vorkommt. -20°C kalte Außenluft hat (auf 20°C aufgewärmt) gar eine LF von <10%).

      Ist eine komplizierte Sache. Je mehr Eingriffe wir in unsere in Jahrhunderten gut austarierten alten Häuser machen (durch neue Fenster, Außendämmung, Superabdichtung etc.), desto mehr Probleme werden wir uns einhandeln. Ein fast schon fanatischer Kritiker ist übrigens Konrad Fischer (Homepage: ! Altbausanierung ! Sanierung Altbau - Dämmung? U-Wert-Theorie? Architektur+Bau-Magazin). Auf der Seite kann man Stunden verbringen, vieles ist sicherlich übertrieben und dramatisiert, ich denke aber, dass an einigen Kernaussagen von ihm schon was dran ist...