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    • Das große Feuer
      Im ZDF geht Dresden verkitscht und nach dem neuesten Stand politischer Korrektheit unter
      von Arnulf Baring


      Guter Artikel, aber etwas deprimierend.

      [...]Was hätte das Thema dieses Films sein müssen? Der Untergang einer ganzen Welt. Millionenfach sind im Zweiten Weltkrieg in Deutschland bürgerliche Lebenswelten vernichtet worden: Möbel, Bücher und Bilder, Porzellane, Bestecke und alte Uhren, Familienphotos und Briefbündel - all das, was bürgerliche Interieurs ausmacht. Bibliotheken, Archive sind verbrannt, in denen sich städtische Geschichte verdichtete. Wenn uns Deutschland seit dem Kriege so erinnerungsarm und wurzellos erscheint, liegt das auch daran, daß durch die großen Feuer sehr viel ausgelöscht wurde, was uns in den Familien mit den Vorfahren verband. Solche Schicksale aus verschiedenen sozialen Milieus wären das eigentliche Thema dieses Films gewesen, die Schilderung des Vorher und Nachher.[...]

      [...]Mit einer Nachbarin schleppte sie auf einem Sessel meinen Großvater, der bettlägerig war, und bettete ihn unter der Albertbrücke. Auch sie überlebten. Aber mein Großvater starb einige Tage später: Schock und Kummer hatten ihm das Herz gebrochen. Alles, woran er gehangen hatte, war in Flammen aufgegangen. Sogar das von ihm lebenslang mit Liebe betreute Familienarchiv, das er vorausschauend ins Ländliche ausgelagert hatte, war durch eine verirrte Bombe vernichtet worden - Lebenszeugnisse einer bürgerlichen Familie aus fünf Jahrhunderten. Ursula blieb lebenslang unverheiratet.

      Meine Patentante Minte von Kracht, die nicht weit von uns wohnte, blieb verschollen. Sie ist bei dem Versuch umgekommen, ihre alten Eltern zu retten. Meine andere Patin, Tante Poum, eigentlich Fräulein Hieke, die ein entzückendes Biedermeierhäuschen am Elbufer bewohnte, überlebte den Verlust von Haus und Habe, nahm sich aber Jahre später verzweifelt das Leben. Sie hinterließ uns einen Abschiedsbrief: Sie fühle sich zwar wie ein Baum, der immer noch große, ausladende Äste habe, aber ihre Wurzeln seien verdorrt.[...]


      Andererseits frage ich mich: Wer wird solche Artikel schreiben (können/dürfen), wenn Baring mal nicht mehr unter uns weilt?


      "Ich seh das auch so: Hätte besser heißen sollen "Verliebt in Dresden"- die neue Telenovela! "

      Nicht ohne Grund heißt es im Untertitel zuerst "Der Beginn einer Liebe". Ich habe nur ab und zu mal reingeschaltet in den Film, aber jedes mal war er langweilig (im Gegensatz zu "Die Flut" neulich (gleiche Produzenten)).
      Eine der vorzüglichsten Eigenschaften von Gebäuden ist historische Tiefe.
      Die Quelle aller Geschichte ist Tradition. (Schiller)
      Eine Stadt muss ihren Bürgern gefallen, nicht den Architekten.
    • Ich habe gerade den zweiten Teil dieses "Dresden"-Machwerks gesehen und bin immer noch fassungslos über soviel Geschichtsklitterung und Kitsch, soviel widerwärtiges unterschwelliges Rechtfertigen von Massenmord und Kriegsverbrechen, soviel unerträgliches Entlasten der Täter.

      In der "Welt" von morgen ist auch ein Artikel von Roger Boyes zu lesen, der auf den Punkt bringt, was an diesem Film so widerwärtig ist:

      Es ist Propaganda der Versöhnung und der political correctness. Schon am Anfang hat man ein schlechtes Gefühl angesichts der Zweiteilung. Die erste Hälfte, voll triefender Liebe, war für die Rosamund Pilcher-Fraktion am Sonntagabend gedacht: Cornwall an der Elbe. Er endet mit Felicitas Woll in den Armen eines englischen Bomberpiloten im Turm der Frauenkirche. Solche Szenen sollte man Walt Disney überlassen.

      Ich frage mich, was die Dresdner mit dem ersten Teil anfangen können? Sicherlich bewegte sie der zweite: der Stoff, aus dem Alpträume sind. Die Filmemacher haben aus einem britischen Bomberpiloten einen romantischen Helden gemacht - die exakte Verkehrung der historischen Wahrheit. Und die ist, immer noch schwer für Engländer zu akzeptieren: Churchill hat einen furchtbaren Krieg gegen die deutschen Städte angeordnet. Es gibt keinen Platz für britisches Heldentum in der Dresden-Geschichte. Und doch haben die Regisseure, im Auftrag des ZDF, Geschichte verzerrt um des lieben anglo-deutschen Versöhnungsdramas willen. Das ist lachhaft.Die Versöhnung kam später und brauchte viel mehr als einen Kuß in einem Kirchturm.

      Warum hat Deutschland nicht den Mut, seine Geschichte auf seine Weise zu erzählen? Warum muß man Dresden durch britische und deutsche Augen sehen? Offenbar hatten die Filmemacher so viel Angst vor einem unterstellten Opferkult, daß sie den Plot wie eine Gans stopften: korrupte Ärzte, exekutierte Deserteure, verfolgte Juden, finstere Gestapo-Agenten auf der Suche nach Spionen. All das, um der Welt zu zeigen: Seht her! Wir sind keine Rechtsradikalen! Absurder Rückschluß aus dieser Form der Geschichtserzählung wurde, daß die Deutschen verdient haben, Opfer zu sein. Der Film "Dresden" ehrt nicht die zerstörte Stadt; er läßt sie verschwinden und macht seine Bewohner zu bloßen Statisten. Deutschland sollte es nicht zulassen, daß Filmemacher derartig die historische Erzählung okkupieren. Eigentlich dachte ich, daß dies alles mit Guido Knopps zynischer Archivmaterialauswertung a la "Hitlers Frauen" und "Hitlers Kugelschreiber" beendet wäre. Doch dann kam Eichingers "Untergang". Und nun "Dresden". Was aus guter Absicht geschah, endet als manipulatives Kino. Dresden hat besseres verdient als "Dresden".


      Ich weiß gar nicht, was ich am abstoßendesten finde: Daß der Film die üblichen verlogenen Rechtfertigungen aus Churchills Propagandeschmiede heruntergebetet hat wie die, es sei beim Angriff um die Zerstörung der Infrastruktur Dresdens gegangen (warum hat man dann bitte die Wohnviertel angegriffen?), um den vorrückenden Russen zu helfen ... wie kommt ein Film dazu, einem diese Propagandalügen als bare Münze zu verkaufen???
      Oder vielleicht doch eher daß es, zwecks Entlastung der Täter dieses Massenmordes, der britischen Bomberbesatzungen so dargestellt wurde, daß die angeblich nicht gewußt haben sollen, daß es bei ihren Einsätzen darum ging, Zivilisten abzuschlachten.
      Wie bitte??? Das mag ja vielleicht ein junger naiver Pilot vor seinem ersten Einsatz nicht gewußt haben (was ich allerdings kaum glaube), aber spätestens nach seinem ersten Einsatz dürfte ihm das klar gewesen sein. Und die Piloten, die da geflogen sind, dürften wohl kaum zum ersten Mal die Wohnviertel einer deutschen Stadt bombardiert haben.
      Am allerschlimmsten fand ich aber eigentlich, daß der Film, um zu vertuschen, daß es sich beim britischen Bombenkrieg um systematische Massaker an Zivilisten handelte, suggeriert hat, Dresden sei ein Einzelfall gewesen, der allein auf das Konto des verschlagenen Harris gegangen sei, der zu diesem Zweck sogar seine Piloten angelogen habe.

      Wie gesagt, ich bin noch immer fassungslos, daß ein solches Propaganda-Machwerk aus Lüge, Kitsch, Verdrehung der Wahrheit und Täter-Enlastung im deutschen Fernsehen gezeigt wird...was für eine ungenießbare Mischung.
    • Der Film war eine große Enttäuschung. Rosamunde Pilcher trifft Bombenkrieg, außerdem sollte man nicht immer versuchen, amerikanische Filmklischees zu kopieren. Der eigentlichen Katastrophe wurden die letzten 40 Minuten eingeräumt, selbst hier war die Verzweiflung und Tragik nicht wirklich greifbar sondern erschien nur als Abfolge kurzer Bilder, die man alle irgendwie unterbringen wollte. Keine der Figuren war wirklich glaubwürdig oder nahegehend. Schade, da hätte man sehr viel mehr draus machen können.
      In dubio pro reko

      Früher war nicht alles besser, aber die Architektur schon.
    • Natürlich, aber am unheimlichsten an der Sache ist, das es der erste (!!!) Film fürs Abendprogramm seit 60 Jahren überhaupt ist, der das Geschehen thematisiert.
      Gerade die Szenen im brennenden, apokalyptischen Dresden sind, ungeachtet ihrer etwas unprofessionellen Machart, so noch nie von Deutschen Filmemachern aufgegriffen worden... :staunenblau: Das ist das wirklich traurige an der Sache. :sehrtraurig:
    • Sich nur die letzten 60 Minuten anzuschauen war vielleicht keine schlechte Idee.
      Ich denke, ein Protestschreiben hilft nicht viel; das ist einfach nicht unsere Baustelle als Verein. Ein privater "Leserbrief" ans ZDF wäre allerdings überlegenswert.
      Ich bin allerdings immer noch zu fassungslos. Im Film wurde von Harris sogar behauptet, in Zentrum von Dresden lägen eine Giftgasfabrik, Waffenfabriken und ein Gestapohauptquartier. Außerdem sei die Stadt voll mit deutschen Soldaten, die auf den Einsatz an der Ostfront vorbereitet würden.
      Damit wurde die Behauptung aufgestellt, Harris habe seine Soldaten angelogen, um zu verhindern, daß sie ein schlechtes Gewissen beim Bombardieren haben. Allerdings ist dieses Lügen von den Machern des Films einfach frei erfunden, um die Täter zu entlasten. In den Quellen findet sich keinerlei Hinweis auf so was. Und es wäre auch völlig unplausibel: Harris' Piloten hatten im Februar '45 schon seit Jahren ständig zivile Ziele angegriffen. Die wußten ganz genau, was sie taten und brauchten solche Lügen bestimmt nicht.

      Ich fürchte allerdings, ein großer Teil der Zuschauer wird am Ende auch noch glauben, der Film-Harris habe die Wahrheit gesagt. Daß er gelogen hat, wird nämlich nirgends deutlich gemacht...was zum Teufel soll so was?
    • Harris' Piloten hatten im Februar '45 schon seit Jahren ständig zivile Ziele angegriffen.



      Ich rege mich sowieso schon seit Jahren auf, dass der Bombenkrieg in der Öffentlichkeit auf Dresden reduziert wird. Durch den (Teil-)Wiederaufbau Dresdens wird in den Augen vieler das Unrecht der ganzen Zerstörung wohl revidiert. (Wobei ich den Drednern den Wiederaufbau natürlich trotzdem mehr als gönne.)
    • Eine weitere Kritik, diesmal aus dem "Tagesspiegel":

      Man wollte politisch korrekt sein und bloß nicht suggerieren, dass die vielen zehntausend Bombentoten von Dresden, fast alle Zivilisten, irgendwie gegen die Millionen Opfer des deutschen Naziterrors „aufgerechnet“ werden könnten. Darum sieht man in Dresdens Straßen jede Menge NS-Brutalitäten, hingerichtete Deserteure, drangsalierte Juden, korrupte Funktionäre.

      Nichts dagegen. Wenn es rein filmisch, rein erzählerisch nur nicht immer so absichtsvoll wäre und damit selbst die Opfer der NS-Herrschaft noch als Alibi der Filmemacher instrumentalisiert würden.

      Natürlich ist „Dresden“ ein Spielfilm, und der hat alle künstlerischen Freiheiten. Doch das Unfreie, reißbretthaft Konstruierte der Fabel schlägt auch künstlerisch zurück. Nichts gegen die Idee, dass sich eine Krankenschwester 1945 in einen abgeschossenen britischen Bomberpiloten verliebt. Aber „Dresden“ verdreht den unmenschlich menschlichen Aberwitz des Krieges ins platte Melodram. Fast nichts stimmt an diesem ZDF-Engländer, nicht mal der synchronisierte Akzent; und die reizende Deutsche fragt den Unbekannten weder nach dem Namen, nach seiner Herkunft oder woher er überhaupt Deutsch spricht. Sondern legt sich mitten im Krankensaal, vor zig Zeugen und mit der SS nebenan, zu dem Engländer ins Bett. Zum Sex mit einem, der einen frischen Bauchdurchschuss hat. Und Geigen singen, Augen schmachten.
      Helmut Kohl meint in „Bild“, der Film zeige „das Leben, wie es war“. Eine Antwort, die etwas über den Realitätssinn des Altkanzlers verrät. [...]
      Kein Wunder, dass Engländer, die das Bombardement Dresdens längst kritisch sehen, über so viel deutschen Versöhnungskitsch den Kopf schütteln.


      Was die Filmemacher mit ihren von politischer Korrektheit verkleisterten Hirnen offenbar nicht begreifen wollen ist, daß Versöhnung zuallererst einmal Wahrheit und Aufrichtigkeit voraussetzt. Wo man um der Versöhnung willen lügt, die Wahrheit verdreht, Verbrechen schönredet oder rechtfertigt und Täter entlastet, da zieht man ihr den Boden unter den Füßen weg. Auf Lügen kann keine Versöhnung aufbauen, auch wenn's vielleicht noch so gut gemeint war.

      Wie ist das übrigens eigentlich rechtlich gesehen? In Deutschland, Italien etc. werden ja heute noch - zu Recht! - SS-Soldaten verurteilt, die an Massakern an Zivilisten wie in Marzabotto oder Oradour beteiligt waren. Die britischen Bomberbesatzungen haben ja nichts anderes getan, nur eben in viel größerem Maßstab, mit viel mehr Opfern. Eigentlich müßte man die doch für ihre Verbrechen auch noch gerichtlich belangen können?! Mord verjährt schließlich nicht ... und planmäßiger Massenmord schon gar nicht.
    • Wie ist das übrigens eigentlich rechtlich gesehen? In Deutschland, Italien etc. werden ja heute noch - zu Recht! - SS-Soldaten verurteilt, die an Massakern an Zivilisten wie in Marzabotto oder Oradour beteiligt waren. Die britischen Bomberbesatzungen haben ja nichts anderes getan, nur eben in viel größerem Maßstab, mit viel mehr Opfern. Eigentlich müßte man die doch für ihre Verbrechen auch noch gerichtlich belangen können?! Mord verjährt schließlich nicht ... und planmäßiger Massenmord schon gar nicht.


      Deutschland hat aber bedingungslos kapituliert. Damit sind sämtliche Schadensersatzforderungen gegen die Sieger ausgeschlossen, und mit einer Strafverfolgung durch deutsche Behörden dürfte es sich genauso verhalten. Die einzigen, die Soldaten der Siegermächte bestrafen konnten oder könnten, sind die Siegermächte selbst.

      Über all das sollte man besser nicht zu lange nachdenken. Dresden war ja nicht das einzige Kriegsverbrechen der Alliierten, man denke nur an die Versenkung der Schiffe "Wilhelm Gustloff" mit über 5000 toten Zivilisten und "Cap Arcona" mit über 7000 getöteten KZ-Häftlingen(!). Das waren ebenfalls eiskalte Massenmorde der Roten Armee bzw. der Royal Air Force - für die niemand jemals zur Rechenschaft gezogen worden ist.

      Fang' besser gar nicht erst an, Dir über so etwas die Haare zu raufen, sonst hast Du bald 'ne Glatze.... :augenrollen:
    • und mit einer Strafverfolgung durch deutsche Behörden dürfte es sich genauso verhalten. Die einzigen, die Soldaten der Siegermächte bestrafen konnten oder könnten, sind die Siegermächte selbst.

      Das kann eigentlich nicht stimmen. So eine Verpflichtung seitens des deutschen Staates wäre eindeutig grundgesetzwidrig (Art. 3 Gleichheit vor dem Gesetz) und damit von vorneherein nichtig. Ich werde mal einen Strafrechtler fragen.
      In jedem Fall können nach deutschem Recht Straftaten, die auf deutschem Boden von Ausländern begangen werden oder wurden, auch nach deutschem Recht verfolgt und bestraft werden. Und spätestens mit dem neuen europäischen Haftbefehl wäre England dann auch verpflichtet, in Deutschland rechtskräftig verurteilte Mörder festzusetzen und auszuliefern.
    • Der Film wurde dem hohen Anspruch, angesichts zehntausender schrecklicher Schicksale, nicht im geringsten gerecht. Im Gegenteil: Er war auf eine reine Liebesschnulze reduzierte Geschichtsklittung und ein Faustschlag ins Gesicht all derer, die dieses Inferno miterleben mussten.

      Es ist eine Frechheit, bei einer Spielfilmlänge von 3 Stunden lediglich auf das Schicksal eines britischen Bomberpiloten und seiner deutschen Geliebten einzugehen. Irgendwie überkam mich das Gefühl, dass zum Zeitpunkt der Bombardierung lediglich eine überschaubare Anzahl an Zivilisten sich in der Stadt aufhielten und die Protagonisten im Film begegneten sich rein zufällig im größten Bombenhagel. Vater, du hier? Anna! Robert, was ist mit dir passiert!

      Neben den geschichtlichen Ungereimtheiten, die hier schon angesprochen wurden, zog es mir regelrecht die Schuhe aus, als die Engländer Dresden zur zweitgrößten Stadt Ostdeutschlands machten. Gerade die Alliierten sprachen von Ostdeutschland, wenn sie das Gebiet östlich der Oder-Neiße-Grenze meinten. Quasi der Teil, der nach '45 an Polen und die SU abgetreten wurde. Sowas darf einfach nicht passieren, zudem (da die wohl Ostdeutschland peinlicherweise in den heutigen Grenzen meinten) wäre dann Dresden auch die drittgrößte ostdeutsche Stadt nach Berlin und Leipzig gewesen.

      Hattet ihr eigentlich auch das Gefühl gehabt, dass der mysteriöse Engländer, als er zum Schluss auf die Frauenkirche steigt, er mit ihr gemeinsam in den Tod stürzte? Dies war bestimmt auch so angedacht, aber da gab es wohl doch ein paar nicht völlig Verblendete am Set, die gesagt haben, dass dies so nicht zu machen sei.

      Ärgerlich war für mich auch, dass sich Wolfgang Stumph für diesen Schwachsinn hergab. Und natürlich sprachen, abgesehen von W. Stumph, in "Dresden" nur ein Nazischerge und ein armer Schlucker sächsisch.

      Mein Fazit: Jeder Hollywood-Kriegsfilm ist weniger geschichtsklittend, jede Guido-Knopp-Doku ist aufschlussreicher und ein Rosamunde-Pilcher-Film kann nicht schnulzenhafter sein.
    • Neben den geschichtlichen Ungereimtheiten, die hier schon angesprochen wurden, zog es mir regelrecht die Schuhe aus, als die Engländer Dresden zur zweitgrößten Stadt Ostdeutschlands machten. Gerade die Alliierten sprachen von Ostdeutschland, wenn sie das Gebiet östlich der Oder-Neiße-Grenze meinten.


      Wenn Du auf solche geschichtlichen Genauigkeiten Wert legst, dann darfst Du aber auch nicht so etwas "geschichtsklittendes" sagen wie
      Quasi der Teil, der nach '45 an Polen und die SU abgetreten wurde


      Denn abgetreten wurde überhaupt nichts, sondern vielmehr gewaltsam annektiert.

      Wer diese Richtigstellung als nicht politisch korrekt ansieht, dem sei gesagt, daß sie nur daran erinnert, daß Stalin ein Verbrecher war und auch große Teile von Polen annektiert hat. Man vergleiche, was die Westalliierten (Demokraten) mit ihren Besatzungszonen gemacht haben.
    • Ich kann gut verstehen, dass Baring als Augenzeuge und Historiker von dem Film gleich doppelt enttäuscht ist. Der Film bietet noch viel mehr Angriffspunkte, z. B. konnten in Wahrheit die noch glühenden Trümmer tagelang nicht betreten werden. Die große Schönheit der Stadt bis zum Angriff wurde auch nie richtig deutlich.
      Aber man kann den Film nicht mit Maßstäben messen, die er gar nicht erreichen wollte. Ein Dokumentarfilm war nicht gewollt. Die enorm hohen Produktionskosten waren sinnvoll geplant für einen Film mit Massenpublikum, und das heißt eben nun einmal Rosamunde Pilcher und aktueller Bezug zum Wiederaufbau der Frauenkirche als Versöhnungsgeste. Das ZDF hat über fünf Millionen Euro an Spenden für die Frauenkirche eingeworben, der Film war ein Stück Werbung in eigener Sache. Bei dem Filmthema konnte man viele Fehler machen und natürlich wurden Fehler gemacht, aber dumpfer Revanchismus wäre noch viel schlimmer gewesen.
    • @Mathias:
      Bei dem Filmthema konnte man viele Fehler machen und natürlich wurden Fehler gemacht, aber dumpfer Revanchismus wäre noch viel schlimmer gewesen.


      Da sprichst du aber genau das Problem an: die "Fehler" wurden größtenteils nicht unabsichtlich gemacht, die Rosamunde-Pilcher-Schnulze war kein Zufall. Sie wurden gerade gemacht, weil die Macher offensichtlich panische Angst hatten, für "Revanchisten" gehalten zu werden. Um bloß keinen "dumpfen Revanchismus" zu fördern, haben die Macher des Films bewußt die Wahrheit verdreht und es so hingestellt, als wären die Opfer die eigentlich Schuldigen gewesen. Das ist doch das Problem.

      Ich habe heute nachmittag einen Forums-Beitrag im Forum einer großen deutschen Volkspartei gelesen, der das ziemlich gut auf den Punkt bringt (und da sind die ganzen historischen und logischen Fehler noch nicht mal erwähnt):

      Beide Teile habe ich mir angesehen. Hätte ich mich nicht vorher bereits über den Bombenkrieg informiert, ich hätte folgenden Eindruck erhalten:

      1. Die Deutschen waren sowieso alle korrupt
      2. Die Engländer hatten ein superschlechtes Gewissen
      3. Die Piloten wußten nicht was sie taten
      4. Es gab ein paar hundert Tote
      5. Die Bomben trafen die Bösen
      6. Krankenschwestern ließen ihren Trieben freien Lauf
      7. Im Februar '45 feierte man mit Champus und Jazz
      8. So ein Bombenangriff ist ein echtes Event
      9. Die meisten Bombenopfer schliefen friedlich ein. Gas.
      10. Und die Toten? Alles Kollateralschäden.
      11. BDM Mädel waren willige Hosenstallöffner

      Diejenigen, die das alles miterleben mußten, dürften sich ziemlich veräppelt fühlen.


      Das ist das Skandalöse und Widerwärtige an dem Film, besonders der Umstand, daß suggeriert wurde, die Bombenopfer seien quasi Kollateralschäden eines eigentlich doch auf industrielle und militärisch Ziele gerichteten und damit letztlich gerechtfertigen Bombenkriegs geworden. Das ist einfach definitiv falsch: die Tötung von Zivilisten war nicht der "Kollateralschaden" der Bombenangriffe, sondern deren erklärtes und eigentliches Ziel.
      Und ich kann mir nicht vorstellen, daß die Macher des Films das nicht wußten. Also haben sie im Dienst ihrer vermeintlichen "Versöhnungsabsicht" bewußt verdreht und verfälscht.

      Im übrigen weiß ich gar nicht so richtig, was das vielbeschworene Phantom des "Revanchismus", von dem auch in der Presse immer wieder die Rede war, in diesem Zusammenhang eigentlich besagen soll.
      Als Historiker habe ich mal gelernt, daß der Begriff eine Haltung meint, die einen "Revanche-Krieg" zur Revision der territorialen Veränderungen aufgrund eines verlorenen Kriegs anstrebt. Aufgekommen ist der Begriff im Frankreich der Zeit nach 1870/71 und war da durchweg positiv gemeint: wer Revanchist war, wollte einen französischen Revanche-Krieg gegen Deutschland zur Wiedergewinnung Elsaß-Lothringens.
      Nun gibt es da aber erstens zwischen England und Deutschland nichts zu revidieren, da England keine deutschen Territorien annektiert hat und zweitens dürfte einen Revanche-Krieg zwischen Deutschland und England selbst der irrste Rechtsradikale nicht anstreben.
      Insofern habe ich nie kapiert, was dieser Begriff in dem Zusammenhang eigentlich besagen soll. :?: (Ist kein Vorwurf an dich, sondern an die Presse, die den Begriff in diesem Zusammenhang seit Jahren rauf und runter gekaut hat und immer noch kaut)
    • Ich finde, an der Diskussion sollten auch Engländer und Amerikaner teilnehmen. In Deutschland gab es in letzter Zeit eine ganze Reihe sehr guter Veröffentlichungen zum Thema, auch für ein breites Publikum. So schlecht ist die Informiertheit in der Bevölkerung hier gar nicht. Selbst eine Zeitschrift wie GEO hat sehr klar belegt, dass die Bombenangriffe völkerrechtswidrig waren. In unseren europäischen Nachbarländern, aber auch in Ländern wie Russland oder den USA sieht es ganz anders aus. Nicht nur die berüchtigte englische Yellow Press hat in sechzig Jahren kaum dazu gelernt; auch Geschichtsunterricht und Spielfilmangebot sind vielfach wenig interessiert, finstere nationale Klischees abzubauen.
      Ich bin mir sicher, dass von vielen EU-Bürgern der ZDF-Film leider mit ganz anderen Augen gesehen wird als hier. Da ist noch viel zu tun an geduldiger Aufklärungsarbeit.
    • Bei allen Unstimmigkeiten und Tatsachenverdrehungen von "Dresden": Vergesst nicht, dass es der erste abendfüllende Film im Deutschen Fernsehen war, der sich dem Thema auf Spielfilm-Ebene nähert! Das ist schon ein großer Fortschritt! Es werden weitere Filme folgen und bessere; differenziertere und realistischere - seid versichert!
      Das ganze Thema "Verlust" im Bombenkrieg (menschlich und kulturell) wird jetzt seit wenigen Jahren adäquat thematisiert. Bis eine wirklich differenzierte Sichtweise erfolgt (so ala böse Deutsche aber auch böser Luftkrieg), müssen wir mit diesen Abziehbildern leben, das ist nunmal so.

      Eine neue Sichtweise kann nicht von heute auf morgen entstehen - um so wichtiger, dass wir uns die differenzierte Haltung bewahren, reflektieren und ausbauen und langsam den Weg dahin weitergehen - nur so kann richtige, ehrliche Aufarbeitung stattfinden. Ich denke, wir sind die erste Generation, die so eine Herangehensweise, unbeeinflusst von Vorurteilen leisten kann.

      Unsere Großeltern und Eltern sind einfach viel zu involviert und mit sich selbst beschäftigt - wir sollten vielleicht auch nichts Unmögliches erwarten.

      In diesem Sinn

      VG
    • So schlecht ist die Informiertheit in der Bevölkerung hier gar nicht.

      Oh, da wäre ich vorsichtig mit solchen Behauptungen. Ich glaube es gibt hier genügend Dumpfbacken, die gerade mal auf die Kette kriegen, das wir eine Bundeskanzlerin haben, die "Angie" heist- dann hörts aber schon auf. Ich sage Dir mind. 25% der Deutschen zwischen 14 und 40 wissen nicht mal genau, wo Dresden liegt. (Wie oft musste ich mir anhören: Was Du kommst aus Weimar, cool, ich war auch schon mal in Rostock :augenrollen: )
    • Genau - dabei weiß doch jeder, daß Rostock die Hauptstadt von Sachsen-Anhalt ist. :lachen:

      Die Leute, die Du meinst, denken vermutlich gar nicht, daß DD und HRO dicht beieinanderliegen, sondern werfen immer noch alles in einen Topf namens "DDR" und springen daher von DD auf HRO nach dem Motto "im Osten", "in der Zone" war ich auch schon mal". Das wiederum ist aber ein Problem, das sich von selbst erledigt. Die nächste Generation kennt nichts anderes als das komplette Deutschland und wird auch nicht solche Ost-West-Assoziationen haben.

      Zurück zu dieser interessanten Diskussion:

      "Dresden" war wohl ein Film für Leute, die bereits gut informiert sind, über die Zerstörung und allgemein über den Krieg viel gelesen und gehört haben und sich nach den vielen Dokumentationen nun das Ganze eben mal als Spielfilm ansehen wollten. Für Leute, die vom Thema keine Ahnung haben, birgt der Film Gefahren und ist zur Wissensvermittlung nicht direkt geeignet. Mit einer Schulklasse würde ich den nicht unbedingt anschauen; allenfalls, wenn hinterher jemand erläutert, was alles so nicht stimmte bzw. unvollständig war.

      @ Harmonica

      Man hat doch tatsächlich vergessen, die Plattenbauten am Neustädter Markt wegzuretuschieren! Beim Gang über die Augustusbrücke waren sie noch deutlich zu sehen.


      Ich habe nach Deinem Hinweis die Videokassette nochmal zurückgespult und genau hingesehen: Stimmt, für Sekundenbruchteile sieht man drei, vier Mal die Platten im Hintergrund. Das hätten sie vermeiden können - aber wenn man nicht ganz genau hinschaut und extra darauf achtet, kann man das kaum bemerken. Respekt vor Deinen Adleraugen, aber ich glaube kaum, daß das außer Dir noch vielen Leuten aufgefallen ist.

      Da finde ich andere Dinge blöder: Friedrich Karl Fromme (alter Dresdner) hat in der FAZ unter anderem angemerkt, daß es damals in DD kein Martin-Luther-Krankenhaus gab. Das hätte man doch wirklich leicht recherchieren können!

      Naja, und daß am Tag danach alles friedlich war und nichts mehr brannte oder glühte, war natürlich auch falsch. Daß es am Tag danach war, als die beiden Hauptdarsteller aus dem Keller herauskamen, sah man wiederum daran, daß die Frauenkirche noch stand. daß man ohne weiteres auf den Turm spazieren konnte, dürfte ebenfalls Quatsch sein - das Ding muß noch geglüht und gequalmt haben wie sonstwas.
    • Da finde ich andere Dinge blöder: Friedrich Karl Fromme (alter Dresdner) hat in der FAZ unter anderem angemerkt, daß es damals in DD kein Martin-Luther-Krankenhaus gab. Das hätte man doch wirklich leicht recherchieren können!

      Naja, und daß am Tag danach alles friedlich war und nichts mehr brannte oder glühte, war natürlich auch falsch. Daß es am Tag danach war, als die beiden Hauptdarsteller aus dem Keller herauskamen, sah man wiederum daran, daß die Frauenkirche noch stand. daß man ohne weiteres auf den Turm spazieren konnte, dürfte ebenfalls Quatsch sein - das Ding muß noch geglüht und gequalmt haben wie sonstwas.


      Die nennenswerten Krankenhäuser in Zentrumsnähe sind das Friedsrichstädter und das Johannstädter Krankenhaus, dass sich die übrige Handlung gerade am Neumarkt abspielt ist ja wohl mehr an den Haaren herbeigezogen. Für den Nichtkenner wird impliziert, das sich das ominöse Martin-Luther-Krankenhaus (sah mir eher aus wie ein Sanatorium im Umland) direkt in unmittelbarer Nachbarschaft der Frauenkirche stehen muss.
      (generell aber ein harmloser Fehler unter den vielen anderen)

      Ich fand es auch mehr als lächerlich, dass die Protagonisten wärend des Feuersturms mehr oder weniger durch die Gassen spaziert sind-- ohne eine schützende wassergetränkte Decke o.Ä. hätten Haare oder Kleidung sofort Feuer gefangen. Wenn man überlegt, dass die Temperaturen so groß waren, dass sogar Glas geschmolzen ist!
      Gelöscht wurde wärend der Angriffe auch nicht mehr...
    • Gelöscht wurde wärend der Angriffe auch nicht mehr...


      Richtig, und zwar unter vor allem deshalb, weil man nach den ersten großen Bombenangriffen auf Wohnquartiere festgestellt hatte, daß die Menschen in den Kellern oft daran gestorben waren, daß das Löschwasser kochendheiß wurde und sie verbrühte.

      Nur einer von hunderten Fehlern dieses Films, die absolut vermeidbar gewesen wären. Wozu gibt es bei so einem Film eigentlich "historische Berater"? Entweder hat man auf die eh nicht gehört - dann hätte man sie sich auch sparen können - oder sie haben vollständig versagt - dann hätten die Macher sie rausschmeißen und durch bessere ersetzen sollen.