St. Ansgarii zu Bremen (1243-1944)

    • Bis zur Rekonstruktion immer eine schmerzliche Lücke !

      Man kann über Professor Wilhelm Wortmann, der während des Krieges zeitweise Bremer Baudirektor und in den 60er Jahren einer der geistigen Väter des – Gott sei Dank gescheiterten - Vorstadt-zerstörenden ‚Mozart-Trassen-Projets’ war, mit gutem Grund geteilter Meinung sein (nicht zuletzt auch wegen seiner Zugehörigkeit zu diversen nationalsozialistischen Organisationen vor 1945) , aber eine Aussage von ihm, die im Nachlaß des seinerzeitigen Landesdenkmalpflegers, Dr. Rudolf Stein, überliefert ist, läßt aufhorchen:

      „[…] In diesem Zusammenhang möchte ich mitteilen, daß mir Herr Professor Wortmann sagte, der ja ein tagenbarener Bremer ist, er bedauere es heute außerordentlich, nach dem Einsturz des Ansgariiturmes als damaliger Baudirektor von Bremen nicht [sofort] alsbald für seinen Wiederaufbau eingetreten zu sein. Das hätte spätestens zu einer Bedingung erhoben werden müssen, als das Kirchengrundstück an Hertie verkauft wurde. Dieser Turm war der schönste, und im Stadtbild wird [sein Fehlen] er immer eine schmerzliche Lücke bedeuten. […]“

      Staatsarchiv Bremen, Nachlaß Rudolf Stein, Sigatur: 7,121

      Anmerkungen:
      Die Einfügungen in eckigen Klammern, die im Typoskript handschriftlichen Ergänzungen über den Textzeilen entsprechen, stammen wie die Durchstreichungen beide von der Hand Rudolf Steins.
      Der Begriff ‚tagenbarener Bremer’ oder ‚Tagenbare’ steht für in Bremen gebürtige und aufgewachsene Personen, deren beide Eltern und deren alle vier Großerlterteile ebenfalls in Bremen geboren und aufgewachsen sind. Dabei müßte man den Ausdruck sinnvollerweise eigentlich umdrehen, also ‚Barentagen’, denn der Bestandteil ‚baren’ steht für ‚geboren’ und ‚Tagen’ für ‚aufgezogen’.

      Man höre und staune: Wortmann hätte also am liebsten unmittelbar nach dem Einsturz mit den Vorbereitungen eines zügigen Wiederaufbaus beginnen wollen ! Da dies aber – aus verständlichen Gründen (Endphase des Krieges) - nicht realisierbar war, hätte er spätestens bei den Kaufhausplanungen die Rekonstruktion des Turmes zur Voraussetzung für die Baugenehmigung des Hertie-Baus machen wollen (aber da war er ja schon lange nicht mehr im Amt).

      Seine Begründung für diese Sichtweise ist bis heute zeitlos gültig: Das Fehlen des Turms wird immer eine schmerzliche Lücke sein. Also ‚immer’ – egal ob 1959 oder 2017. Die Lücke kann nur durch den Turm und sonst gar nichts geschlossen werden !

      Dem ist Nichts hinzuzufügen… oder vielleicht doch, dies Bild:



      Hier noch zwei 'Links' zu Hintergrundinformationen über Stein und Wortmann:

      de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_Wortmann

      de.wikipedia.org/wiki/Rudolf_Stein
    • Haltung der Gemeindeleitung in den 50er Jahren zu Ruine und Wiederaufbau




      (Hier noch einige Hintergrundinformationen zu Pastor Schröder:
      de.wikipedia.org/wiki/Christel_Matthias_Schr%C3%B6der )


      Artikel aus dem 'Weser Kurier' vom 11. Juli 1958.



      Artikel aus dem 'Weser Kurier' vom 4. September 1994



      Ich denke, das Obige spricht für sich !

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    • Fortleben in Literatur und Erinnerung

      Ein Beispiel für das Fortleben der besonderen Bedeutung St. Ansgarii's für die Stadt findet sich auf dem Buchdeckel einer unterhaltsamen bremischen Geschichten- und Anekdotensammlung aus dem Jahre 1957, wo als Symbol Bremerhavens der Leuchtturm 'Roter Sand' und als Repräsentant der Stadt Bremen der Ansgariturm zu sehen ist. Er - oder sollte man vielleicht besser sagen der 'Geist des Turmes' - wurde somit noch 13 Jahre nach dem - vorläufigen - Ende seiner physischen Existenz als pars pro toto der Stadt gesehen. Derartige Beispiele gibt es übrigens viele...



      P.S.: Wobei anzumerken bleibt, daß sich der Graphiker, welcher den Buchdeckel gestaltete, offensichtlich bei der Darstellung der unteren Turmgeschosse (der hier infolge des vorhandenen Portals unzweifelhaft abgebildeten Westseite) einige Freiheiten erlaubt hat, denn er versah auch die beiden Stockwerke über dem Portal mit mittleren Blend-Nieschen und verzichtete dafür auf das sich über die ersten beiden Obergeschosse erstreckende, spitzbogige große Mittelfenster.

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      Resonanz auf Kurt Zechs 'Pakt für die Innenstadt'

      Am gestrigen Sonntag (15.Oktober 2017) haben sich zwei Leserbriefschreiber in den 'Bremer Nachrichten' mit Kurt Zechs 'Pakt für die Innenstadt' auseinandergesetzt. Einer von diesen war Axel Spellenberg. Ich füge beide Wortmeldungen hier bei:



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      Der 'invertierte' Kyffhäuser

      Während wir Deutschen ja sehr lange darauf gewartet haben, daß - im Zuge der Wiederkehr Friedrichs II. / bzw. Friedrichs I. Barbarossa und der Neuaufrichtung von des 'Reiches Herrlichkeit' (durch 'Barbablanca' ;) ) - die Raben endlich vom Kyffhäuser verschwanden, hoffen viele Bremer ganz im Gegenteil auf die Rückkehr der 'Rabenvögel', die - wie unter der laufenden Nummer '205' dieses Stranges bereits geschrieben wurde - laut Rudolf Sudmeyer den Turm von St. Ansgarii immer umflogen. Auf dem folgenden Gemälde kann man sie beim genaueren Hinsehen sogar erkennen...