St. Ansgarii zu Bremen (1243-1944)

    • Hollywood mit ins Boot holen

      Vielleicht ist es bisher unbemerkt geblieben, aber die schwedische Namensvariante von ‚Ansgar’ ist Oskar. Und im Englischen ist dieser Name als ‚Oscar’ bekannt. Somit stellen die jährlich in Los Angeles vergebenen und für die Preisträger den cineastischen Olymp eröffnenden ‚Academy-Awards, recht eigentlich goldene ‚Ansgars’ dar. Wenn das den Wiederaufbaugedanken nicht zu fördern vermag, dann weiß ich es auch nicht ! Vielleicht findet sich ja ein namhafter kalifornischer Regisseur, der über die Bremer ‚Hollywood-Kirche’ einen Film dreht ? Nur mit dem Hause 'Disney' sollten wir allerdings vorsichtig sein… ;)

    • Ansgar, ein Heiliger der - weitestgehend - ungeteilten Christenheit

      Zu dem weiter oben schon einmal angesprochenen Nutzungskonzept als ökumenische Simultankirche - die eine Verwendung als Konzertsaal nicht von vornherein ausschließen würde - liefert der folgende Filmbeitrag eine gute Argumentationsgrundlage, denn er macht deutlich, daß der Hl. Ansgar ein Heiliger der noch weitestgehend ungeteilten Christenheit vor 1053 bzw. 1517 n. Chr. war. Die auch in Bremen vertretene Russisch-Orthodoxe Gemeinde für das Projekt zu begeistern, wäre auch insofern von Vorteil, als die Russen ja unter Jelzin so manche großartige, von den Kommunisten barbarisch zerstörte Kirche, originalgetreu wiederhergestellt haben - man denke nur an die monumentale Erlöserkathedrale in Moskau ! Dieses Fachwissen in puncto historisch getreuen Kirchenbaus hier mit einfließen lassen zu können, wäre schon sehr zielführend. So könnten die Russen sicherlich dabei Hilfestellungen leisten, den Freskenzyklus zu Ansgars Leben, der einst einen Teil der Wände schmückte, wiederherzustellen... Den in Bremen mittlerweile auch zahlreich vertretenen altorientalischen Christen, könnte man Ansgar anhand dieser farbenprächtigen Fresken ebenfalls näher bringen, auch wenn sich Armenier, Syrer, Kopten und Nestorianer bereits im 1. nachchristlichen Jahrtausend von der 'Reichskirche' losgesagt hatten...

    • Wie man eine großartige Vergangenheit gegen provinzielle Belanglosigkeit eintauscht…

      Ohne den Hl. Ansgar wäre das vom Angelsachsen Willehad aus York begründete Bremen ein rein binnenländisches Bistum von lediglich lokaler Bedeutung geblieben, ähnlich Osnabrück, Münster, Paderborn, Hildesheim oder Verden. Die große Rolle, die Bremen in der europäischen Kirchengeschichte spielte – bis hin zur im 11. Jahrhundert gehegten Idee eines hier angesiedelten ‚nordischen Patriarchats’, welches Rom und Konstantinopel fast gleichrangig hätte gestellt werden sollen – geht letztlich allein auf ihn zurück. Auch die Tatsache, daß – streng kirchenrechtlich gesehen – die ‚Nordmänner’ die unter Leif Erikson die Küste Neufundlands betraten, ‚Schäfchen’ des Bremer Erzbischofs waren, ist eine späte Frucht des Wirkens Ansgars an der Weser.
      Zwar war dies Alles sicherlich nicht mehr jedem Bürger und Besucher Bremens bewußt, aber die Erinnerung daran wurde potentiell durch die Präsenz der mächtigen, Ansgars Namen tragenden Kirche inmitten der Altstadt wach gehalten. Natürlich wird man einwenden können, daß Bremens Bedeutung als ‚Rom des Nordens’ doch eigentlich am St. Petri Dom festzumachen war. Aber dieser läßt weder durch seine baulichen Maße, noch durch seinen Kirchenpatron auf die bedeutende Rolle des Erzsitzes Bremen schließen. Das Patrozinium des Apostelfürsten Petrus ist genauso konventionell wie die Patrozinien der übrigen Altstadtkirchen, also Unser Lieben Frauen, St. Martini, St. Stephani, St. Katharinen, St. Johann und (bis 1523) St. Pauli. Dies sind alles unspektakuläre, gängige Namen, die man in jeder anderen (Bischofs-) Stadt ebenfalls finden könnte. Allein der Kirchenname ‚St. Ansgarii’ fiel hier aus dem Rahmen und war ortsspezifisch und regte als ‚Alleinstellungsmerkmal’ zum Nachdenken an (in gewisser Weise taten dies auch die Willhadi- und die Rembertikirche, die aber schon im 19. Jahrhundert aus der Altstadt verschwunden, bzw. in der Vorstadt belegen waren).
      In keiner der heute erhaltenen Altstadtkirchen kreuzten sich darüber hinaus die Wege der nach Skandinavien ausgerichteten nordischen Mission, mit der 1522 von den Niederlanden herübergreifenden Reformation, wie sie das in St. Ansgarii taten.
      Mit einem Wort: Bremen hat sich mit dem unterlassenen Wiederaufbau dieser Kirche seines – eben nicht bloß baulich und stadtbildnerisch - interessantesten Gotteshauses beraubt und ist heute nur noch relativ belangloses Mittelmaß ! Indem man diese großen Bezüge in die Bereiche ‚jenseits des eigenen Tellerrandes’ gekappt hat, brät man nun gewissermaßen im mehr als unspektakulären eigenen Saft – etwas für das Bremen ja in anderer Hinsicht bundesweit wiederum sehr unrühmlich bekannt ist !
    • Profilbild

      Peter Strotmann hat sich gestern (17.09.2017) auf 'Bremen History' doch tatsächlich mit 'meinem' Stadtbild-Deutschland Profilbild auseinandergesetzt. Dafür danke ich ihm recht herzlich !

      bremen-history.de/zwei-tuerme-auf-einen-blick/

      Eine kleine Korrektur muß ich allerdings an dem sehr lesenswerten Artikel anbringen: Auch wenn man es sich wünschen würde, mit dem Ansgarii-Turm einen 'Über-Hunderter' zu haben, so war der Turm leider doch nur einundzwanzig Meter niedriger als im Artikel angegeben, also nicht 118, sondern nur 97 Meter. Diese Höhe ergibt sich bei einer Messung vom Niveau des Ansgarikirchhofes. Oftmals wurde als Meßpunkt allerdings das Niveau des mittleren Wasserstandes an der Großen Weserbrücke als Ausgangspunkt gewählt. Im letztere Falle kommt man dann auf immerhin 103 Meter. Dies ändert allerdings nichts an der absoluten Höhe von 97 Metern !

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    • Höhen-Vergleich

      Bis zur Vollendung des Turmes des Ulmer Münsters gegen Ende des 19. Jahrhunderts brauchte sich die St. Ansgarii Kirche hinsichtlich der Höhe ihres Turmes nicht hinter dem Ulmer Gotteshaus zu verstecken, denn ihre Wetterfahne überragte bis dahin das Notdach auf dem Turmstumpf des Münsters, welches erst hernach zum - bis heute - höchsten Kirchturm der Welt ausgebaut wurde.

    • Das Straßburger Münster besaß über viele Jahrhunderte den höchsten Turm der Christenheit (142 m über dem Meeresspiegel). Das Elsass hatte ab der Teilung des Frankenreiches 843 in Deutschland und Frankreich zum Hl. Röm. Reich Dt. Nation gehört. Die Stadt Straßburg fiel als letzte der 10 Freien Reichstädte des Elsass 1681 an Frankreich. Ab 1681, nach über 800 Jahren der Zugehörigkeit zum Hl. Röm. Reich Dt. Nation, gehörte Straßburg nun nominell zu Frankreich. Nachdem das Elsass 1871 wieder zu Deutschland zurück gekommen war, besaß das Straßburger Münster anschließend für kurze Zeit, bis 1880, wieder den höchsten Kirchturm Deutschlands und auch weiterhin den höchsten Turm der Christenheit. Am 15.10.1880 wurde dann jedoch der Kölner Dom, nach dessen Vollendung, eingeweiht. Ab diesem Zeitpunkt war nun der Cölner Dom, ab etwa 1900 bezeichnet als der Kölner Dom, mit einer Höhe von 157 m bis zum Mai 1890 das höchste Gotteshaus Deutschlands und wahrscheinlich auch der Christenheit. Das Ulmer Münster brachte es nach dessen Vollendung im Mai 1890 auf stolze 161,5 m Höhe.

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    • Bremer Spitze

      Ich erlaube mir hier einmal einen Begriff der 'Potsdamer Kollegen' zu verwenden, die das Magazin zum Wiederaufbau der Garnisonkirche ja 'Potsdamer Spitze' genannt haben. Denn ebenso, wie die 'Potsdamer Spitze' in der Breiten Straße in dem Drahtverhau vor dem Rechenzentrum darauf wartet, schon in Bälde wieder ihren angestammten Turm zu bekrönen, so wartet die originale Wetterfahne von St. Ansgarii im Foyer der neuen Kirche an der Holler Allee darauf, eines Tages aus ihrem Dornröschenschlaf erweckt und wieder hoch droben über der Altstadt von der salzigen Seeluft Bremens umweht zu werden.



      Daß auch für die gegenwärtige Ansgarii-Gemeinde diese alte Wetterfahne etwas Besonderes darstellt, wird dadurch belegt, daß sie diese zum Symbol ihres Gemeindeblatts gemacht hat; siehe hier das Deckblatt der Ausgabe vom September - November 2017:



      (Der auf dem Deckblatt unter dem 'Wetterfahnen-Logo' Abgebildete ist übrigens Heinrich von Zütphen, ein Augustiner-Eremit und Freund Luthers, der am 9. November 1522 in der südlichen Chorseitenkapelle der Kirche die erste lutherische Predigt in Bremen hielt und damit das Startsignal für die 1. (lutherische) Reformation in Bremen gab.)

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