Erfurt

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    • Nochmal zum Umbau/Sanierung des Roten Ochsen am Fischmarkt. Ein sehr informativer Artikel zur Baugeschichte von Karsten Grobe in der Thüringer Allgemeinen. Dem Kommentar zur jüngsten Umgestaltung, insbesondere im Erdgeschoss, habe ich wenig bis nichts hinzuzufügen:

      Karsten Grobe schrieb:

      Die Veränderung der Erdgeschosszone des Gebäudes lässt allerdings jegliches Gespür im Umgang mit einem der wertvollsten Renaissancedenkmale in Erfurt vermissen. So wurde die kassettierte und mit schmiedeeiserner Oberlichtvergitterung versehene Eingangstür entfernt und durch eine postmoderne Stahlglastür ersetzt. Das quadratische und mit schmiedeeisernem Korbgitter versehene Fenster hat man ebenfalls ersatzlos entfernt und darunter die zwingend als Fluchtweg erforderliche Tür eingebaut.
      Leider beachtete man die Empfehlung des Landesamtes zu einem oberflächenbündigen Einbau nicht. Nur solch eine Tür könnte man in der Fassadenfarbe „wegstreichen“. Das quadratische Fenster mit Korbgitter hätte verbleiben können. Das zwischenzeitlich wieder am Korbgitter des Zwillingsfensters befestigte Werbeplakat mit Aluminiumrahmen deutet auf wenig Achtung vor dem Denkmal und der Arbeit des Kunstschmiedes und anerkannten Kunsthandwerkers Günter Reichert aus Friedrichroda hin. Das teure Denkmalschild, das sich unter dem quadratischen Fenster befand, wurde nicht wieder angebracht. Die meistens gut gefüllten Fahrradbügel und der Papierkorb unmittelbar vor der Fassade runden die aufgezeigte Situation nur noch ab.

      "Zwingend notwendige" Fluchttür, direkt neben dem breiten Hauptportal. Naja, ist halt Deutschland. Leider zeigt sich hier aber mal wieder, was wohl langsam als offenes Geheimnis gilt, der Thüringer Denkmalschutz ist äußerst handzahm. In kleineren Städten gibt er ohne überregionale Aufregung bedeutende Baudenkmale ohne Not zum Abriss frei, hier macht er Empfehlungen, denen man nicht folgen muss. Dabei sind sowohl Haupteingangstür als auch Fluchttür offensichtlich entstellend für den Gesamteindruck. Die Verhängung der anscheinend noch vorhanden Korbgitterfenster rechts der Tür, sodass man auf den ersten Blick gar nicht sieht, ob diese noch existieren, mutet wie eine bewusste Provokation an.

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    • Das ist ja entsetzlich! Sind die verrückt geworden? Eines der bedeutendsten Bürgerhäuser des Landes ...Solche Kapriolen einer festverwurzelten Geschmacklosigkeit sind nur in D. möglich. Man KANN das gar nicht anders als als Folge einer tiefen Traumatisierung sehen. Zeig mir sowas in Italien, Frankreich, Tschechien...

      Auch das Nachbarhaus ist total daneben.
      ... dass jeder troglodytischen Lebensart, beruht sie nur fest in sich selbst, etwas schlechthin faszinierendes eignet, überhaupt für solche, die einen Ansatz dazu schon besitzen und mitbringen, der dann nur noch einer gewissen Entwicklung bedarf. (HvD)
    • Du meinst sicher den rechten Nachbarn. Ich glaube, der Ladeneinbau stammt schon aus den 20er oder 30ern. Derartige Muschelkalkverblendungen waren noch bis in die 50er äußerst beliebt im Mittelthüringischen. Das find ich aber nicht entstellend. Die klassizistische Version war auch äußerst schlicht. ansichtskarten-center.de/websh…6217/AK_13108223_gr_1.jpg
      Was fehlt, ist natürlich ein adäquater Reklameschriftzug auf der horizontalen Verblendung.

      Der Fischmarkt ist ja trotz seiner herausragenden Bauten nie mit Samthandschuhen angefasst worden. Der Rathausabriss, der Sparkassenneubau in den 30ern und jüngst die komplette Umgestaltung und Neupflasterung. Da mangelt es in Erfurt m.E. etwas am Sinn für adäquate Stadtmöblierung. Diese grauen Säulen in Gurnemanz' Bild sind die neuen Laternen. Völlig unpassend. Könnte ich mir in Dresden so nicht vorstellen, obwohl da auch nicht alles schön ist, siehe Altmarkt Totempfahl. Aber die haben schon länger erkannt, das Kandelaber zu einem schmucken Stadtbild einfach dazugehören.
    • Luther-Figur am Erfurter Rathaus.

      Seit dem 10. November 2017 steht die Figur von Martin Luther nun in der Fassadennische des Erfurter Rathauses. In folgendem Bericht hört es sich so an, als ob er vor dem Krieg bereits ein Teil der Fassade gewesen sei.

      tag24.de/nachrichten/erfurt-th…chmarkt-lions-club-373127
    • Ursprünglich standen dort Kaiser Friedrich I. des Heil. Röm. Reiches (Barbarossa= Kaiser Rotbart) und Kaiser Wilhelm I., Kaiser des II. Deutschen Kaiserreichs. Vermutlich wurden diese Statuen wie fast alle monarchistischen Denkmäler in der gesamten DDR am selben Tag im Jahre 1950 von den Kommunisten herunter geholt und zerstört. M. E. hätte man diese Statuen als Akt der Wiedergutmachung neu schaffen und aufstellen sollen. Dies dürfte vermutlich aber sowohl bei SPD als auch bei der Linken auf vehemente Ablehnung gestoßen sein. Da sah man dann den Apostel der Deutschen und den Reformator scheints als das kleine "Übel" an.

      Da die Namen des Hl. Bonifatius und Luthers jedoch geschichtlich mit der Stadt Erfurt verknüpft sind, finde ich, dass man deren Statuen am Rathaus akzeptieren kann, auch wenn die Neuschöpfungen mir persönlich vom Künstlerischen her nicht sonderlich gefallen wollen.