Stadtplanung Dresden

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    • Re: Stadtplanung Dresden

      "Henry" schrieb:

      Frau Töberich ist mir ob dieser Herangehensweise sehr sympathisch. Hoffentlich verkörpert sie eine neue Generation von Architekten.


      Henry, ohne Dir zu nahe zu treten, aber bist du sicher dass du weißt was du sagst? :) Es klingt tatsächlich anfangs so, als ob diese Dame eine der wenigen Architekten wäre die etwas begriffen haben. Leider entpuppt sich dies als fataler Trugschluss, wenn man den Entwurf betrachtet.

      Habt Ihr Euch mal angesehen, was diese Dame vorhat?


      sz-online.de/bilder/2010_04/gr_2431932_515955957.jpg

      Dagegen ist der Wilsdruffer Kubus ja noch qualitätvoll (mein ich ernst - aus gewissen Perspektiven).


      Sehr geehrte Baukünstlerin - was soll das? Das sind vier Kuben, ohne Fenster, ohne irgendwas - tot. Nicht mal Fenster! Mit Moos bewachsene Leichenhallen-Architektur. Diese Dame mag selber elegant aussehen - über ihren Entwurf kann man das leider nicht sagen. Diese vier primitiv-Kuben sehen exakt aus wie Luftschutzbunker, da hilft es auch nicht, sie mit Moos bewachsen zu lassen. Es ist mehr als traurig, was man mit Dresden macht!
      Wie würden Sie ein schönes Haus definieren? - Kollhoff : Ein schönes Haus ist ein schönes Haus. Es nimmt im Äußeren nicht nur Rücksicht auf die Umgebung, sondern ist dem Gemeinwesen verpflichtet, indem es dank seiner Konventionalität zur räumlichen und atmosphärischen Eigenart des Quartiers beiträgt.

      LobbyControl. Initiative für Transparenz und Demokratie
    • Re: Stadtplanung Dresden

      Robotron-Gelände wird Park-Stadt
      Von Peter Hilbert
      Alleen durch das Areal sollen die Altstadt mit dem Großen Garten verbinden. Morgen entscheidet der Bauausschuss über den Plan.



      sz-online.de/nachrichten/artikel.asp?id=2676056\r
      sz-online.de/nachrichten/art ... id=2676056

      Dazu die übliche einfallslose Klötzchenvisualisierung der Stadtverwaltung, welche hoffentlich Modell bleibt und nie umgesetzt wird:

      sz-online.de/nachrichten/fotos.asp?artikel=2676056\r
      sz-online.de/nachrichten/fot ... el=2676056
    • Neuer Vorschlag zur St.Petersburger Straße:

      CDU fordert einen Tunnel für die St. Petersburger
      Die Dresdner CDU will den Großen Garten bis zum Rathaus verlängern und dafür die St. Petersburger Straße unter die Erde legen. Die CDU-Fraktion will die vorhandenen Pläne für einen Promenadenring und die Entwicklung der Lingnerstadt mit Stadt- und Verkehrsplanern sowie Stadtökologen und den Dresdnern diskutieren. „Ein wesentlicher Aspekt dabei ist die Untersuchung der Erweiterung des Großen Gartens bis zur Goldenen Pforte des Rathauses mit Tieferlegung


      sz-online.de/Nachrichten/Dresden/
    • heiji schrieb:

      Und Baufläche wäre auch frei.

      Nur wer braucht in Dresdens Innenstadt noch Baugrund? Die Stadt hat meines Wissens den größten innerstädtischen Brachflächenanteil Deutschlands, obwohl in den letzten 20 Jahren ein enormes Bauvolumen zu bilanzieren war. Wenn man sich also nun die Flächenangebote ansieht, muss man konstatieren, dass der Bedarf an Gewerberäumen tatsächlich gedeckt zu sein scheint. Deshalb wird es wohl kaum noch größere Investitionen geben. Und auf den Wohungsbau zu setzen, halte ich aufgrund der Bodenrichtwerte für naiv!
      Wahre Baukunst ist immer objektiv und Ausdruck der inneren Struktur der Epoche, aus der sie wächst. Ludwig Mies van der Rohe
    • Ganz im Gegenteil. Zentrumsnahe Wohnungen sind vor allem bei jungen Leuten beliebt. Ausserdem wäre es so zwischen Innenstadt, Neustadt, Elbwiesen, Grossem Garten und der TU ein grandioser Wohnraum für Studenten. Ein vom Durchgangsverkehr beruhigter Bereich wäre dabei noch förderlicher. So wäre dort auch Gewerbe wie Futterbuen usw lukrativer, weil es eben dort Leute gibt. Das ist ja gerade das paradoxe. Nahe der Innenstadt gibt es weniger Wohnungen bzw sinnlos grosse Wohnplatten, die einfach die Fläche total ausdünnen, viele Weg auf wenige Wege schrumpfen und die Laufkundschaft nehmen. Ja, Gibt echt viel Leerstand, aber dass einge in eine günstigere Lage wechseln würden, wenn es da nur Wohnraum gäbe, halte ich durchaus für möglich. Beim Preis müsste der Investor wohl längerfristiger denken, aber meine Güte, das sind solch geniale Lagen grossteils … =(
    • heiji schrieb:

      Ganz im Gegenteil. Zentrumsnahe Wohnungen sind vor allem bei jungen Leuten beliebt. Ausserdem wäre es so zwischen Innenstadt, Neustadt, Elbwiesen, Grossem Garten und der TU ein grandioser Wohnraum für Studenten.

      Du erzählst mir damit nichts neues! Auch ich würde gern im Robotron-Areal oder am Ferdinandplatz wohnen. Allerdings fehlt mir schlichtweg das ausreichende Kleingeld um die dort realistisch vorstellbaren Mieten zu bezahlen. Anderen Studenten und jungen Familien wird es mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wohl auch nicht sonderlich anders gehen.
      Und damit wären wir beim Punkt: manche im Forum regen sich über die Sanierung der langen Wohnzeile "Am See" auf, obwohl sie mit ihren kleinen Ein- und Zwei-Zimmer-Wohnungen auch für den minderbemittelten Geldbeutel bezahlbaren innerstädtischen Wohnraum bereitstellt. Die Alternative zur Sanierung wäre entweder eine weitere Freifläche oder teure Apartments und oder Büros.
      Außerdem gibt es wohlbekannt noch genügend Brachland, das seit Jahrzehnten einer Verwertung harrt. Hier, so etwa im bereits angesprochenen Robotron, kann man durchaus Wohnnutzung ansiedeln, indem man zu den Tangenten (Grunaer und Petersburger) den Blockrand aufnimmt, diesen größtenteils für Gewerbe vorhält, und im Inneren des Quartiers die für Dresden typische offene Bauweise, wie sie etwa in Striesen üblich ist, fortführt. Allerdings sollten wir uns nicht der Illusion hingeben, dass dann dort günstiger Wohnraum entstünde! Hier würden gut ausgestattete Apartment-Häuser für automobilisierte Menschen mit hohen Ansprüchen und entsprechend dicken Brieftaschen gebaut, also kein lebendiges Studenten-Viertel.
      Wahre Baukunst ist immer objektiv und Ausdruck der inneren Struktur der Epoche, aus der sie wächst. Ludwig Mies van der Rohe
    • architekturforum.net/index.php…&postID=121380#post121380

      In solchen alten Bauten bekommst du auch solche Wohnungen. Ich schreibe gerade aus einem sehr hübschen Jugendstilhaus, was genausogut in dieser Ecke Pirnaischer Platz stehen könnte, und wohne dennoch in einer kleinen, bezahlbaren 2 Zimmerwohnung, übrigens 5 Fussminuten vom Düsseldorfer Rheinpromenadenufer entfernt. Es ist möglich, erst recht, wenn Klientel mit dickerem Portmonaie in Nachbarhäusern noch obendrein ordentlich Kohle bringen würden (die übrigens Gewerbe in die Blocks anziehen würden, heute findest du in solchen Plattenbauvierteln GARNIX dergleichen, ich hab einen gehobeneren Chinaimbiss, Supermarkt, Sparkasse und drei Bäcker um die Ecke), ganz zu schweigen von gut zahlenden Werbeagenturen und paar Restaurants/Bars). Diese Klientel würde aber nicht in solche ätzenden Plattenbauungetüme ziehen, wo bisher nur zwei am Pirnaischen Platz dennoch enorm Fläche verbrauchen. Das Stadtbild in dieser Ecke wäre hundertemale lebenswerter und so attraktiv und so finanzierbar. Es stehen einfach diese Leute mit ihrem DDR-Architektonik-Gedenke dagegen, die meinen, Plattenbauwohnungen wären praktisch. Mich zB hat es damals extrem angekotzt, immer bei Komilitonen in diesen hohen Studentenwohnheimen da am Studentenwerkberg hoch zur Uni auf den Fahrstuhl zu warten unglaublich scheisse war das im Gegensatz zu den paar Treppenstufen heute und den idyllischen Dachgeschosswohnungen mit Blick auf wunderschönste Innenhöfe und Innenhofgärtlein.

      Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von heiji ()

    • Glückwunsch zu deiner gegenwärtigen Wohnsituation!

      Allerdings stelle ich mir durchaus die Frage, was du uns mit diesem deinem letzten Beitrag eigentllich sagen wolltest?! Natürlich bin ich mir der Tatsache bewusst, dass sozial und funktional durchmischte Stadtteile, wie etwa die Äüßere Neustadt in Dresden, Plattenbauvierteln oder den schnell und billig errichteten Reihenhäusern am Stadtrand überlegen sind. Keine Frage!
      Was aber hat die geschilderte Situation in Düsseldorf mit der in der Pirnaischen Vorstadt gemein? Hier gibt es eben, wie von dir bereits geschildert, in der breiten Masse nur Zeilenbauten, teils in traditioneller Bautechnik, teils in Großblockbauweise und im geringeren Maße auch in Plattenbautechnik errichtet. Dazwischen sind vereinzelt Einkaufsmöglichkeiten, Schulen und Kindergärten eingestreut.

      Spielst du etwa darauf an, dass man ja ganz "locker" und gleichzeitig profitorientiert ein traditionelles und soziel durchmischtes Wohnviertel mit Kleinwohnungen und "Futterbuden" errichten könnte?! Ja mei, da befindest du dich aber locker auf dem Holzweg!
      Hast du dir schon einmal darüber Gedanken gemacht, wie viel teurer es ist ein Gebäude mit einem Risalit zu versehen, statt eine durchgehende Wandscheibe zu errichten, was angeblich auch energieeffizienter sein soll? Weißt du wie viel teurer Natursteinelemete sind? Weißt du was ein Quadratmeter "knarrendes" Parkett, Docken für das Treppengeländer, Stuck und Terrazzo kosten?
      Kannst du dir vorstellen, dass ein Investor diese enormen Mehrkosten für ein von dir geschildertes Jungendstilhaus aufnehmen würde und gleichzeitig darauf achtet, dass auch noch Raum für billige Studentenwohnungen, den Dönermann oder den Gemüsehändler bleibt? Ich kann nicht daran glauben, leider!
      Wahre Baukunst ist immer objektiv und Ausdruck der inneren Struktur der Epoche, aus der sie wächst. Ludwig Mies van der Rohe
    • Ich wollte damit ausdrücken, dass Blockrandbebauung und historisch angelegte Bauten sehr anziehend sind und durchaus kostendeckend betrieben werden können, auch mit verinzelten Studentenwohnungen. Solche Stadtteile rund um die Innenstadt würden Dresden mehr als gut tun und die "Diazotypien" hat man ja dank unzähliger alter Aufnahmen und noch immer existenter Häuser.

      Wie ich schon schrieb, muss es nicht ein Vermögen teurer sein. Klar sind paar Schmuckelemente vorerst teurer als ne Glas-/Betonwand, aber durch das entstehende Stadtbild und -flair armortisiert sich das etwas später recht schnell und generiert folgend mehr Gewinn als ein Plattenbauhochhaus voller Existenzminimalisten (ja, Klischee, aber zu einem gewissen Prozentsatz stimmts doch), den man so gut wie nie vollständig vermietet bekommt. Ich meine auch nicht, dass wirklich jedes Haus aussehen muss wie der Kaiserpalast und man wirklich alles vom edelsten da reinzimmern soll … Dann würde hübsch aussehender und dennoch bezahlbarer und funktionaler Wohnraum entstehen und gleichzeitig ein angenehmer Stadtraum, der nebenbei Dresden auch mehr gerecht wäre als Plattenbaumonstren und (Wäsche)wiesen zwischen diesen und den Strassen.
    • Habt ihr schon den Artikelt mit unserem neuen Chefstadtplaner gelesen?

      Schsische Zeitung [online] - Dresden: Dresdens Zentrum braucht mehr Grn

      Immerhin leidet der Mensch nicht an Realitätsverweigerung! Denn, dass die Wildsruffer zu breit, die Altmarktgalerie hässlich und die Postplatzhaltestelle völlig misslungen sind, sollte eigentlich jedem klar sein. Ansonsten machen mir die Konzentration auf mehr Grünflächen, was ja ein Kampfbegriff der CDU ist, und die Aussage, dass zum Hotel Stadt Rom ein Architektenwettbewerb durchgeführt wird, gewisse Sorgen. Schlussendlich stelle ich mir aber auch noch die Frage, inwiefern es auf dem Postplatz laut sein soll!
      Wahre Baukunst ist immer objektiv und Ausdruck der inneren Struktur der Epoche, aus der sie wächst. Ludwig Mies van der Rohe
    • bilderbuch schrieb:

      Habt ihr schon den Artikelt mit unserem neuen Chefstadtplaner gelesen?

      Schsische Zeitung [online] - Dresden: Dresdens Zentrum braucht mehr Grn

      Immerhin leidet der Mensch nicht an Realitätsverweigerung! Denn, dass die Wildsruffer zu breit, die Altmarktgalerie hässlich und die Postplatzhaltestelle völlig misslungen sind, sollte eigentlich jedem klar sein. Ansonsten machen mir die Konzentration auf mehr Grünflächen, was ja ein Kampfbegriff der CDU ist, und die Aussage, dass zum Hotel Stadt Rom ein Architektenwettbewerb durchgeführt wird, gewisse Sorgen. Schlussendlich stelle ich mir aber auch noch die Frage, inwiefern es auf dem Postplatz laut sein soll!


      Es scheint, der Mann liesse mit sich reden. Man sollte ihn anschreiben und auf gewisse Sachen aufmerksam machen, ihn lenken. ;) Stichworte: Postplatzhirnrissrückkbau, Fernsprechamt, schmalere Wilsdruffer, es gibt andere Plätze für Verweildauer, Herzogin Garten (da kann man Bäume hin Pflanzen!), historisch korrektes Rom, Jüdenhof, Plattenhochhäuser an der elbnahen St.Petersburger Strasse, Neustädter Markt, Bellevedere, wasweissichnochalles. =)
    • Wer den einstmals in der Dresdner Stadtplanung tätigen Matthias Lerm aufgrund seiner publizierten Ansichten für einen interessanten "Zeitgenossen" hält, dem möchte ich seinen Vortrag am 11.11.2011 im Kulturrathaus wärmstens empfehlen. Das Thema verspricht, gerade im Bezug auf Dresden, ein Höchstmaß an Spannung!

      Quo vadis, Dresden? » Archiv » Wiederentdeckung des räumlichen Gestaltens im Städtebau
      Wahre Baukunst ist immer objektiv und Ausdruck der inneren Struktur der Epoche, aus der sie wächst. Ludwig Mies van der Rohe
    • Ist das die gleiche Veranstaltung wie die der Zeitgenossen?
      Donnerstag, 10.11.2011, 20 Uhr
      Galerie zanderkasten,
      Leipziger Str. 2, 01097 Dresden

      KLARTEXT - städtebaulicher Dialog ?
      Diskussion zu Architektur, Architekturwahrnehmung und Öffentlichkeitsbeteiligung mit Vertretern des Stadtrats

      Gäste:
      Vertreter der Stadtratsfraktionen
      Baupolitische Sprecher (angefragt)
    • Nachtrag zu Dr. Matthias Lerms Städtebau-Referat vom 11.11.2011

      Am 11.11.2011 lud das Entwicklungsforum Dresden in den imposanten Fritz-Löffler-Saal des Dresdner Kulturrathauses, wo Dr. Matthias Lerm vor etwa 100 Zuhörern über die „Wiederentdeckung des räumlichen Gestaltens im Städtebau“ referierte.

      Zur Einstimmung und Sensibilisierung des Publikums zeigte Lerm Bilder und Pläne von Paris und kontrastierte diese mit solchen des alten Dresdens. Dabei ging es ihm um eine Gleichsetzung beider Städte, die jeweils entlang zentraler Achsen gewachsen und mit der Zeit immer stärker organisch verdichtet worden waren. So entstanden ein Wechsel von Straßen- und Platzsequenzen, Enge und Weite, eine klare Trennung von öffentlichen- und privaten Bereichen und eine natürlich limitierte Funktionsmischung. Maßstab hierfür war stets der Mensch mit seinen jeweiligen Bedürfnissen.

      Im scharfen Kontrast dazu stellte Lerm die Stadt der Moderne, deren Protagonisten, der Charta von Athen folgend, sich selbst vollkommen von den überkommenen Siedlungsstrukturen distanzierten und Stadt vielmehr als ein „sanitäres Problem“ sahen. Lern bemühte dieses Bild, da er die Konzeptionen als ein stetes Fließen von Verkehr, Passanten, sämtlichen Infrastruktureinrichtungen und anderen Funktionen auf streng voneinander geschiedenen Bahnen sah. Folglich kam es zu einer Explosion des Siedlungskörpers und damit zu einer Auflösung der strikten Trennung zwischen Innen und Außen (Stadt – Land und Öffentlich – Privat). Statt Stadt-Räumen gab es nun „zufällig“ im Raum verteilte Funktionen. Straßen verkamen von öffentlichen, jedem gereichenden Erschließungsräumen, zu Transitwegen eines entfesselten Individualverkehres.

      Dieser Perversion der Stadt stellte Lerm sein dem Thema Nachhaltigkeit verpflichtetes Modell gegenüber, das ganz und gar dem alten Ideal der europäischen Stadt verpflichtet ist, dieses aber teils mit neuen Wohn- und Gewerbeformen fortschreibt. Sein Hauptfeindbild schien dabei die egoistisch motivierte randstädtische Einzelhausparzelle zu sein, die maßgeblich zur Zersiedelung und Explosion des Individualverkehrs beiträgt und letztlich auch die Stadt als Gemeinschaft überstrapaziert. Diese monofunktionale, durch wuchernde Gewerbegebiete und nicht integrierte Einzelhandelsstandorte untermauerte Siedlungsform, muss für Lerm durch ein Zusammenrücken, einen stärkeren Drang zurück in die Städte mit ihrem in jeder Hinsicht nachhaltigeren Geschosswohnungsbau, den Bau von Stadthäusern und andere innovative Wohnformen überwunden werden. Dazu bedarf es aber wieder einer strengen Trennung zwischen öffentlichen- und privaten Räumen, der Scheidung zwischen dem Straßenkorridor mit seinen sparsam eingestreuten Plätzen und
      privaten Rückzugsbereichen im Inneren der Blöcke. Erst unter diesen Voraussetzungen kann Stadt wieder eine Siedlung des Haushaltens, der Nachhaltigkeit und auch der sozialen Gerechtigkeit sein, die mit ihrer Dichte ein Höchstmaß an Mobilität mit einem Minimum an Verkehr verbindet.

      Unter diesen Prämissen ging Lerm auch auf Dresden ein, wo geschlossene Straßen- und Platzräume immer noch Seltenheitswert besitzen, dafür aber umso beliebter sind, aber teils verstärkt durch unmaßstäbliche Straßenausbauplanungen bedroht scheinen. Lerm fragte ganz konkret, ob wir uns solche Zustände in einer alternden Gesellschaft, die zudem unter einer Verknappung der Ressourcen leidet, eigentlich noch leisten können und stellte als Beispiel den traurig-skurril anmutenden Ausbau des Verkehrsknotens Pirnaischer Platz vor, der als Autobahnzubringer fungierend teuersten innerstädtischen Baugrund zerstört.

      Auf Bitten der Veranstalter positionierte sich Lerm aber auch gegenüber der Problematik der östlichen Wilsdruffer Straße, die als Vernetzungsgebiet zwischen dem Neumarkt und den DDR-Bauten verstärkt im Fokus steht. Nicht ohne Süffisanz ging er dabei auf die sächsische Akademie der Künste ein, die in ihrer Stellungnahme etwa herausgestellt hatte, dass sich die damaligen Architekten auch am inzwischen durch den UNESCO-Welterbetitel geadelten Wiederaufbau der Stadt Le Havre geschult hatten. Dabei zeigte er ein Bild der Stadt und fragte, ob dies „unsere Wilsdruffer Straße“ sei. Letztlich mahnte Lerm mehr Geduld an. Die Nordseite der östlichen Wilsdruffer Straße besäße schließlich keinen Wert, könne aber aufgrund der gegeben Tatsachen auch nicht mittelfristig abgerissen werden. So gesehen müsse man also noch längere Zeit mit der ungünstigen Schnittstelle leben, sollte sie aber deshalb nicht auch noch durch dauerhafte Provisorien (Verschiebung Hotel Stadt Rom) manifestieren.

      Unter Beifallsbekundungen und teils kritischen Nachfragen neigte sich der Abend dem Ende. Leider stand dabei meist wieder der Neumarkt im Fokus, der nun, dem Vortrage Lerms folgend, sicherlich nicht das Hauptproblem Dresdens ist!
      Wahre Baukunst ist immer objektiv und Ausdruck der inneren Struktur der Epoche, aus der sie wächst. Ludwig Mies van der Rohe