Lüneburg

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    • Hildesheimer schrieb:

      Schreibt doch lieber gleich nach Lüneburg an Herrn Mägde und bittet ihn, sich für die Rekonstruktion einzusetzen. Das ist allemal besser als hier den Teufel an die Wand zu malen.

      Der Herr Mägde kam schon von ganz allein auf diese Idee.

      (...) Oberbürgermeister Ulrich Mädge (SPD) hofft, dass das Gebäude wieder
      aufgebaut werden kann: "Wir brauchen es nicht nur für die 'Roten Rosen',
      sondern für alle Touristen in Lüneburg." Die Bürger rief er zu Spenden
      auf. (...)
      Was heißt denn, "er hofft"? Wieso sollte man dieses einfache Haus nicht wieder aufbauen können?

      Zitatquelle

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Neußer ()

    • RMA II. schrieb:

      ... das Gebäude ist ein weitgehender Neubau von 1856 – im Gegensatz zu den meisten älteren Gebäuden am Stintmarkt ... Wirklich alt an dem jetzt abgegangenen Gebäude sind nur die Keller des wohl Vor-Vorgängerbaues, die noch auf das frühe 16. Jahrhundert zurückgehen. ...


      Danke für die Info, RMA. Von daher kann man die Sache wirklich etwas entspannter ansehen. Bleibt nur zu hoffen, dass der vom Oberbürgermeister genannte Wunsch nach einer Rekonstruktion realisiert wird, denn das Haus gehört zwar eindeutig nicht zu den Höhepunkten des Stintmarkts, aber dass stattdessen ein komplett neugestalteter Bau im traditionellen Stil errichtet wird, halte ich doch wie immer für sehr unwahrscheinlich. Entweder eine Reko des bisherigen Hauses oder allenfalls ein pseudohistorisierender Bau, auf den ich gerne verzichten würde.
    • RMA II. schrieb:

      ...das Gebäude ist ein weitgehender Neubau von 1856...
      Danke für die Info. Anhand des Fachwerks hätte ich das auch eher so eingeschätzt und hatte mich über die Angabe von 500 Jahren gewundert.
      Woher hast Du diese Information? Ich bin nur mal neugierig.
      Im übrigen eine interessante Definition von "Neubau" :wink:

      Was die Hoffnung angeht, es wieder aufbauen zu können, so ist das vor allem ne Kostenfrage. Bei dem Bauvolumen und den zu erwartenden statischen Problemen mit einem Neubau (vom Altbau wird wohl nichts übrig bleiben, die Hafenfassade soll auch noch fallen.) und der "interessanten" Baustellenlogistik sind da schnell einige Millionen versenkt. Das Geld muss erstmal gesammelt werden.
    • Hildesheimer schrieb:

      Danke für die Info. Anhand des Fachwerks hätte ich das auch eher so eingeschätzt und hatte mich über die Angabe von 500 Jahren gewundert.
      Woher hast Du diese Information? Ich bin nur mal neugierig.
      Im übrigen eine interessante Definition von "Neubau" :wink:
      Ja, dem geneigten Fachwerkfreund dürfte recht schnell aufgefallen sein, dass zumindest die Hafenfassade die Merkmale eines typischen Fachwerk-Ingenieursbaus dieser Zeit zeigte. Wobei das natürlich nichts über das Vorderhaus aussagen muss, in dem Fall war es wohl so. Die Informationen habe ich aus der erst 2009 erschienenen Denkmaltopographie der Stadt Lüneburg – da für Lübeck immer noch keine vorliegt, ist dieser Schmöker, mit dem man ob seines Gewichts notfalls auch die Schwiegermutter erschlagen kann, aufgrund der sehr ausholenden Einleitung zu Dachformen, Kellern etc. gegenwärtig nebenbei eines der wertvollsten Standardwerke zum traditionellen Hausbau im Nord- und Ostseeraum.
    • Kommt das Thema jetzt schon wieder hoch? Lüneburg scheint die Brandstifterei respektive den Ikonoklasmus ähnlich wie Quedlinburg magisch anzuziehen. Da gab's doch schonmal vor einem halben Jahrhundert gleich drei vergleichbare Ereignisse, welche (allerdings wesentlich bedeutendere) Baudenkmäler (Altes Kaufhaus, Ratsbücherei und noch irgendein Bürgerhaus) beschädigten oder zerstörtem, welcher aber meines Wissens zumindest äußerlich alle wieder mustergültig hergestellt wurden.

      Edit: Habe sogar einen Spiegel-Artikel aus dem Mai 1960 gefunden, in der Denkmaltopographie sind die Brandstiftungen auch ein Thema.
    • RMA II. schrieb:

      Lüneburg scheint die Brandstifterei respektive den Ikonoklasmus ähnlich wie Quedlinburg magisch anzuziehen. Da gab's doch schonmal vor einem halben Jahrhundert gleich drei vergleichbare Ereignisse, welche (allerdings wesentlich bedeutendere) Baudenkmäler (Altes Kaufhaus, Ratsbücherei und noch irgendein Bürgerhaus) beschädigten oder zerstörtem, welcher aber meines Wissens zumindest äußerlich alle wieder mustergültig hergestellt wurden..


      Leider trifft die äußerliche Wiederherstellung auf das Alte Kaufhaus nicht zu, denn davon ist nur noch die straßenseitige Barockfassade erhalten geblieben, der Rest ist eine Neuschöpfung, die offenbar vor allem feuerpolizeilichen Vorschriften gerecht wird. Zur Illustration ein Bild
      Schlimmer ist allerdings die Vorgehensweise am Platz vor dem Rathaus, dort sind von der örtlichen anwesenden Kaufhauskette gleich zwei Häuser abgerissen worden und anschließend in ihren geometrischen Grundformen "zitiert" worden. Das Einkaufszentrum ist dort in diversen entkernten und miteinander verbundenen Fachwerkhäusern untergebracht. Die Abrisse sind allerdings so wenig vorstellbar, daß der Vortragende bei der Rathausführung verkündet hat, die Häuser seien im Krieg bombardiert worden und es sei nun dem Kaufhaus zu danken, daß es diese Architekturzitate gibt. Aber das ist ein anderes Thema
    • Prokovjev schrieb:

      ... das Alte Kaufhaus ... Zur Illustration ein Bild

      Die Fassade des Alten Kaufhauses erinnert an das Rathaus in Kulmbach: lueneburg.de/Portaldata/1/Reso…ng/rathaus_600x800_ha.jpg

      (Bei der Suche nach einem Bild des Kulmbacher Rathauses habe ich das geignetete Bild ausgerechnet bei lueneburg.de gefunden :schockiert:! Ist das ein Zufall, dass Kulmbach und Lüneburg Partnerstädte sind, was ich bisher nicht gewusst habe?)
    • ...Unterdessen arbeiten Architekten aber bereits am Wiederaufbau des Fachwerkhauses am Stintmarkt. Das soll so originalgetreu wie möglich rekonstruiert werden, und zwar in der Form, wie es bis 1860 die Altstadt schmückte. In dem Jahr war das Gebäude schon einmal komplett niedergebrannt.
      Quelle inkl. Videobeitrag: ndr.de/regional/niedersachsen/heide/lueneburg673.html

      Hört sich gut an, eine moderne Missgeburt wird's nicht geben :daumenoben:
    • Glücklicherweise gehört Lüneburg ja zu den Städten, die den 2. Weltkrieg ohne größere Zerstörungen überstanden haben. Auch der Abrisswahn in den 70ern hat in Lüneburg dank des intensiven Einsatzes von Curt Pomp keine größeren Wellen geschlagen. Von den üblichen Verdächtigen (C&A und Karstadt) und der schrecklichen Nordlandhalle (die teilweise abgerissen wurde) mal abgesehen findet man in der Innenstadt Lüneburgs keine größeren Bausünden.

      Dennoch gibt es einige bedeutende Bauwerke, die in Lüneburg heute schmerzlich vermisst werden dürften. Dazu gehört zum Beispiel Lüneburgs größte Kirche, Sankt Lamberti, die bereits im 19. Jahrhundert abgerissen werden musste, da sie sich im Absenkgebiet des Salzabbaus befand. 1938 haben die Nazis dann in ihrem Wahn eine der schönsten Synagogen Norddeutschlands dem Erdboden gleichgemacht. Wegen des Lüneburger Feuerteufels ist vom Alten Kaufhaus seit 1959 nur die frontale Fassade erhalten geblieben. Und zu allerletzt haben die 70er Jahre dann leider doch zu einigen bedeutenden Opfern im Stadtbild Lüneburgs geführt. Besonders schade ist es um die MTV-Turnhalle, in der 1945 der Bergen-Belsen-Prozess abgehalten wurde, um den Viskulenhof, und um das Badehaus im Kurpark.

      Wenn es nach Hans-Christian Schimmelpfennig vom Kurparkverein Lüneburg geht, wird Letztgenanntes aber schon bald wieder rekonstruiert. Das neobarocke Glanzstück, das 1971 leichtfertig abgerissen wurde, soll nach seinem Wunsch am ursprünglichen Ort wiederaufgebaut werden. Doch es gibt mehrere Probleme. Zum einen fehlt das Geld, ein siebenstelliger Betrag wäre für den originalgetreuen Aufbau vonnöten. Zudem muß die Stadt erst noch grünes Licht geben, da der Grund und Boden heute der Kurmittel GmbH, die wiederum eine Tochtergesellschaft der Stadt ist, gehört. In näherer Zukunft wird es also leider keine Rekonstruktion des Badehauses geben können.

      Es bleibt zu hoffen, dass dieses ambitionierte Projekt umgesetzt werden kann und eines der architektonischen Glanzstücke Lüneburgs bald wieder aufersteht.

      Hintergrundinfos beim NDR
      Weitere Infos in der Landeszeitung

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Baribal ()

    • Danke für die Infos Baribal! hoffentlich wird das was mit der Rekonstruktion!

      Wer mehr über Curt Pomp erfahren möchte, dem kann ich diese Sendung wärmstens ans Herz legen:

      ndr.de/fernsehen/sendungen/die_nordstory/nordstory337.html

      Pomp, der Retter in der Not für viele alte Häuser in Lüneburg war und wahnsinnig viel für den Denkmalschutz getan hat, wird ab Minute 33 näher vorgestellt. Aber auch sonst ist die Sendung ganz kurzweilig anzusehen, postiv wie negativ, es werden noch weitere Hausbesitzer vorgestellt.
      Die Moderne verleugnet ihre Herkunft, weil sie fürchtet, die Auseinandersetzung mit ihr könnte sie überfordern - oder ihr gar ihre eigene Banalität vor Augen führen. — Dr. Melanie Möller
    • Ein informativer Artikel zum Wiederaufbau des abgebrannten Hauses am Stintmarkt.

      Geht an den Schreibtischen alles glatt, können die Arbeiten auf der Baustelle des Lösecke-Hauses im Juli beginnen. Lüneburgs Stadtbaurätin Heike Gundermann ist froh, dass der Eigentümer ausgewiesene Denkmalschutz-Profis als Architekten angeheuert hat. "Wir unterstützen ihn, und ich freue mich, wenn diese Stelle der Stadt wieder repariert ist."
      Neubau mit Gebrauchsspuren - Das zukünftige Haus am Lüneburger Stintmarkt soll möglichst alt aussehen - Hamburger Abendblatt

      EDIT: Wenn man in der URL bspw. das Wort 'Hamburg' durch ein beliebiges Wort ersetzt, klappt das Öffnen des ganzen Artikels - zumindest bei mir.
      Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
      (Immanuel Kant)
    • Sehr gut, freut mich sehr. Den Artikel des abendblattes kann man im übrigen lesen, wenn man zwischen www. und abendblatt ein "mobil." einfügt.

      Bei meinem letzten Lüneburg-Besucht ist mir neben der Baulücke dieser Ergänzungsbau aufgefallen. Was ist denn da schief gelaufen?



      (C) selbst

      Vorher:

      "Modernität kann im Gewande der Vergangenheit hervortreten. Das ist eigentümlich für alle Renaissancen." Jacques Le Goff

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Konstantindegeer ()