Denkmalschutz in der Kritik

    • Ruine schrieb:

      Wie ist es da um die Infrastruktur bestellt?
      Eine Bundesstraße ist 200 m entfernt. Ansonsten abgelegen. Dünn besiedelt. Weit entfernt von allen größeren Zentren. Das Dorf hat ca. 500 Einwohner. Am Rand des Dorfes, dreimal so groß wie das Dorf selber, der modernste Hubschrauberlandeplatz der Welt mit 2000 amerikanischen Soldaten und Fluglärm Tag und Nacht.
    • Es ist zwar schon etwas her, aber 2015 wurde die Villa Heßberg vom Architekten Alfred Fischer, immerhin einem der prägenden Architekten der Moderne im Ruhrgebiet, abgerissen. Auch wenn einige hier der Moderne nicht viel abgewinnen können, ist es m.E. ein bedeutender Verlust.

      Wie immer sind es dieselben Argumente, das Gebäude wurde zu sehr verändert, das Denkmalamt sieht es daher als nicht erhaltenswürdig an und die Architektin und Projektentwicklerin bedauert es auch noch, dass das Gebäude abgerissen wurde... aber immerhin sind dort fünf Terassenwohnungen hingekommen anstatt einer Villa.

      Artikel auf WAZ.de

      Immerhin hat die Stadt Essen das Gebäude relativ ausführlich online dokumentiert (Link) - inkl. historischer Fotos und dem Zustand kurz vor dem Abriss
      Wo die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen selbst Zwerge lange Schatten
      Karl Kraus (1874-1936)
    • Neue Blüte aus den Untiefen des "Denkmalschutzes". Die Lokführergewerkschaft will in Frankfurt an der Oder ein Denkmal für im 1. Weltkrieg gefallene Eisenbahner sanieren und dabei auch die Inschrift erneuern, die wohl ob des Bezugs zu Gebieten östlich der Neiße nach 1945 entfernt wurde....


      Denkmalschutz schrieb:

      [...]Der Frankfurter Stadthistoriker Joachim Schneider hat den genauen Wortlaut der ausradierten Zeilen mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit rekonstruiert (siehe Foto). Doch dem Denkmalschutz reicht dies nicht. Die Behörde sieht die Gefahr, dass eine hypothetische Annahme zur ursprünglichen Realität erhoben wird, ließ sie Michael Hofmann bei einem Gesprächstermin im Mai 2017 wissen. Darüber hinaus sei auch die politisch motivierte Beseitigung der Inschrift nach 1945 Teil der Geschichte des Denkmals. Dies zu übergehen, käme einer historischen Verfälschung gleich, argumentieren die Denkmalschützer. Ihr Vorschlag: Eine Informationstafel zur gesamten Geschichte des Bauwerks. "Ich finde die ganzheitliche Betrachtung einen durchaus bemerkenswerten Ansatz", meint auch Martin Wilke und bot an, dazu kurzfristig einen neuen Gesprächstermin mit allen Beteiligten zu arrangieren.[...]
      moz.de/artikel-ansicht/dg/0/1/1616479/
    • Haben die keine anderen Sorgen? Diese Leute leben offenbar in einem Elfenbeinturm weit entfernt von der Realität. Sie kümmern sich um Themen, die niemanden sonst kümmern. Sie kultivieren Probleme, die ein Durchschnittsmensch nicht hat. Statt sich daran zu erfreuen, dass ein Denkmal saniert wird, suchen sie das Haar in der Suppe und finden es natürlich prompt. Ich ihrer realitätsfernen Welt diskutieren sie Theoretisches, für das der Durchschnittsmensch keinen Sinn hat - und auch ohne diesen Sinn ganz gut durchs Leben kommt. Aber diese unentbehrlichen Weltverbesserer von Denkmalschützern, denen die Bemühungen ihrer Mitmenschen nicht weit genug gehen, setzen in ihrer besserwisserischen Art noch eins drauf. Solche Aktionen erweisen dem wahren Denkmalschutz regelmäßig einen Bärendienst. Ein solchermaßen agierender Denkmalschutz ist nicht das, was die Menschen wollen, sondern es ist etwas, was ihnen, je nach Betroffenheit wahlweise am Allerwertesten vorbeigeht oder ihnen die Zornesröte ins Gesicht treibt. Wer liebt es nicht über alles, wenn er ein altes Haus saniert, dass dann der Denkmalschutz ihm Knüppel ohne Ende vor die Beine wirft und völlig überzogene Forderungen daherbringt, während er nichts dagegen tut, dass woanders Denkmäler überhaupt nicht saniert werden, sondern ganz bewusst dem Verfall überlassen werden, bis sie nicht mehr erhalten werden können.

      Wenn es darum geht, dass der professionelle Denkmalschutz nicht in der Lage ist, zu erkennen, welche Häuser überhaupt schützenswert sind, dann hat man immer die Ausrede von der totalen Überlastung parat, dem wenigen Personal und überhaupt. Hier sehen wir mal wieder, warum so wenig Ressourcen zur Verfügung stehen: Weil diese für Pseudoprobleme verschwendet werden.
    • Das Thema mit den sanierten Denkmalen hatten wir bei uns in Greifswald auch. Viele aus DDR-Zeiten standen herum, ungepflegt, zugewachsen, teilweise schlecht lesbare Beschriftungen ... als Lösung wurden Denkmalpatenschaften ermöglicht, welche Interessierten ermöglichen, sich um die Denkmale beziehungsweise deren Umfeld zu kümmern. Einer der Denkmalpaten war besonders übereifrig und nahm gleich einen Eimer frische Farbe mit und telefonierte wohl vorher noch mit dem hiesigen Presseorgan. Am nächsten Tag gab es nicht nur ein großes Foto in der Zeitung sondern auch davon ausgelöste Schnappatmung im zuständigen Amt.
    • Zeno schrieb:

      Sie kultivieren Probleme, die ein Durchschnittsmensch nicht hat.
      zeno, ich würde mich nicht so sehr auf das Empfinden des Durchschnittsmenschen verlassen, wenn es um Erhalt von Stadtbild und Baudenkmälern geht.

      Erfahrungsgemäß sind es nämlich diese, die mit Sprüchen wie "man kann ja nicht alles Alte erhalten" oder "endlich ist dieser Schandfleck weg" einen Erhalt historischer Bausubstanz eben gerade nicht fordern.

      Dann lieber eine wissenschaftlich agierende Denkmalpflege, der allerdings auch die Mittel gegeben werden müssen, den Erhalt des einmal als Denkmal erkannten durchzusetzen.

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    • An dieser Stelle möchte ich mal über meine persönlichen Erfahrungen mit dem Denkmalschutz berichten.
      Ich habe beruflich sehr oft, mit Denkmalämtern zu tun. Diese befinden sich jeweils in Städten mit einer Einwohnerzahl von 100k (NRW).
      In diesen Städten wird das gesammte Denkmalrecht bzw. die Prüfung von Denkmälern jeweils nur durch eine einzige Person ausgeführt. Ich weis nicht ob dies in anderen größeren Städten oder Bundesländern anders ist.

      Die Haupttätigkeiten sind grob zusammengefast folgende:
      - Sie verwalten den geschützen Denkmalbestand
      - Sie beantworten Bürgerfragen
      - Sie werden in Baugenehmigungsverfahren beteiligt und treffen Entscheidungen ob ein Denkmalwert vorhanden ist oder nicht. Wenn ja, wird die nächstgrößere Instanz beteiligt (Kreis).

      Diese Personen sind im gefüge einer Stadtverwaltung eigenständige Abteilungen, vertreten eben durch diese eine Person. Unterstellt sind Sie dem jeweiligen technischen Baudezernenten und dem Kreis.

      Dieser hat naürlich einen enormen Einfluss auf jede denkmalrechtliche Entscheidung. Also ist ein direkter politischer Einfluss gegeben.

      Aus meiner Erfahrungen werden die positionen des Denkmalschutzes in der Regel mit "handzahmen" Personen besetzt, um möglichst wenig Reibungsfläche zu haben. Ebenso ist es äußerst selten das Gebäude neu unter Denkmalschutz gestellt werden. Das liegt zum einen an fehlender Fachkenntnis (Baugeschichte etc.) oder aber am politschen Druck.

      Im Grunde kann auch mit bestehenden Denkmälern gemacht werden, was auch immer der Investor will. Solange genug Macht und Gelddruck vorhanden ist. Da werden dann lediglich noch kleine kosmetische Dinge gefordert um möglichst das Gesicht zu wahren und ab und zu (selten) mal etwas verweigert...
    • Nein Zeno, das darf er eben nicht. Er darf im Grunde nur so tun, als hätte er Autorität bzw. Entscheidungsbefugnis. Die Strippen ziehen andere, wie von Sir Moc beschrieben. Das erklärt vieles, wobei es nicht so ist dass wir das nicht schon lange geahnt hätten.
      In dubio pro reko

      Früher war nicht alles besser, aber die Architektur schon.