Memmingen (Galerie)

    • Re: Memmingen - Parishaus

      Parishaus (Ulmer Str. 9)

      Als nächstes ein Beispiel für ein in den 80er Jahren hervorragend restauriertes und für MM sehr wertvolles historisches Gebäude, das Parishaus in der Ulmer Str. 9




      Tafel zur Restaurierung


      Zustand um 1983


      ...und heute


      Details von der Fassade



      Das Parishaus ist ein palaisartiges Gebäude von 1736, das erste Barockhaus der Stadt und gehörte dem aus Wismar stammenden gleichnamigen Unternehmer. Heute wird es zu Ausstellungszwecken genutzt und kann erfreulicherweise – ähnlich wie der nahe Hermansbau – auch innen besichtigt werden.

      Einige Aufnahmen vom Treppenhaus:







      Stukkaturen an der Decke des Treppenhauses


















      Blick aus einem Fenster Rtg. Ulmer Tor


      ...und auf die Giebelhäuser an der Ostseite der Ulmer Straße


      ältere Bausubstanz neben Neubauten in der Ulmervorstadt


      auch in den Innenräumen hat sich einiges aus der Erbauungszeit erhalten, v.a. Deckenfresken








      Stuckrelief mit Darstellung von Jakobs Traum





      Soweit zum Parishaus, weiter geht es in der Ulmervorstadt.
    • Re: Memmingen

      "Markus" schrieb:

      Zeno, weißt du von wann etwa das wirklich ansprechende Gebäude Schweizerberg 15 stammt?
      Die Arkaden bei Untere Bachgasse 5 1/2 und Lindentorstr. 24 empfinde ich auch als belebend (sind auch zumindest rundlich und nicht so gräßlich eckig wie z.B. am Münchner Rindermarkt).
      Im Klösterle 6 / Kreuzstr. 9 gefiel mir vor Ort auch gut, das müßte aus den letzten Jahren stammen.
      Und Maximilianstr. 10/12 hat immerhin ein Satteldach und ist kein Flachdachbunker.

      Schweizerberg 15
      Ich kann es zeitlich nur so einschätzen, dass es nicht aus jüngerer Zeit stammt. In die 90er müsste es schon zurückgehen.

      Kreuzstraße 9
      (Im Klösterle 6 ist das links abgebildete, ältere Haus; das jüngere ist Kreuzstraße 9)
      Das ist aber schon etwas älter! Ende der 80er könnte es gebaut worden sein. Im Erdgeschoß ist eine Passage drin, die ich jedoch stets als etwas ungemütlich empfand. Die Passage nördlich des Rathauses in Neustadt a.d. Donau erinnert mich immer an diese in Memmingen.

      Maximilianstraße 10, 12
      Das müsste man ausführlicher besprechen, gehören die beiden doch zu den bemerkenswertesten Bauten der Nachkriegszeit in Memmingens Altstadt.




      Ulmer Straße 9, Parishaus
      Ich meine, dass man zuerst das ganze B-&-E-Gelände (u.a. mit der Stadthalle) neu aufgebaut hat und das Parishaus stand immer noch so verkommen rum.


      Am Einlaß 4, 8

      "Markus" schrieb:

      Parishaus (Ulmer Str. 9)
      [...]

      ältere Bausubstanz neben Neubauten in der Ulmervorstadt
      [...]

      Das da hinten ist Am Einlaß 8. Ich wollte es schon fast bei den angepassten Neubauten zeigen.
      Rechts daneben sieht man Am Einlaß 4, das vom Verfall bedroht ist. Ich habe vor, es demnächst hier zu zeigen.



      Nachtrag: Ich hatte zunächst versehentlich falsche Hausnummern für Am Einlaß 4 und 8 genannt. Markus wies mich im folgenden Beitrag auf die Fehler hin. Nun habe ich die Nummern berichtigt, da die Übersichtlichkeit des Forums und die inhaltliche Richtigkeit wichtiger erscheinen als der Nachweis, wer wann was wie gepostet hat. Keinesfalls ging es mir darum, meine Fehler zu vertuschen - sonst würde ich das hier nicht schreiben. :)
    • Re: Memmingen

      "Zeno" schrieb:


      Ich meine, dass man zuerst das ganze B-&-E-Gelände (u.a. mit der Stadthalle) neu aufgebaut hat und das Parishaus stand immer noch so verkommen rum.

      auf der Tafel zur Restaurierung des Parishauses steht 1981-83

      "Zeno" schrieb:


      Das da hinten ist Am Einlaß 9. Ich wollte es schon fast bei den angepassten Neubauten zeigen.
      Rechts daneben sieht man Am Einlaß 5, das vom Verfall bedroht ist. Ich habe vor, es demnächst hier zu zeigen.


      nach dem Bayernviewer hatte ich das mit Am Einlaß 8 und 4 beschriftet.
    • Re: Memmingen

      "Markus" schrieb:

      "Zeno" schrieb:


      [...] nach dem Bayernviewer hatte ich das mit Am Einlaß 8 und 4 beschriftet.

      Ja, richtig. So steht's auch bei mir. Da habe ich gestern nicht lange überlegt und irrtümlich unterstellt, sowieso immer alle Hausnummern aus dem Effeff zu kennen. Das entspricht aber nicht der Wirklichkeit.

      Am Einlaß 8 ist hier zu sehen. Nr. 9 ist der größere Bau nördlich hiervon.

      Und Am Einlaß 4 ist definitiv auch richtig. Nr. 5 ist ja der Einlaß.

      Ich habe es berichtigt (Erklärung siehe dort).
    • Re: Memmingen - Tor zum Allgäu

      "Markus" schrieb:

      Parishaus (Ulmer Str. 9)
      [...]

      ältere Bausubstanz neben Neubauten in der Ulmervorstadt
      [...]

      Was ist das für ein Gebäude links vorne? Ist es vielleicht auf einem anderen, hier bereits gezeigten Bild zu sehen? Mit seinem Krüppelwalmdach und dem durchlaufenden Fenstersims in der Giebelwand scheint es ein sehr altes und interessantes Haus zu sein!
    • Re: Memmingen

      Ulmer Straße 12, 12 b

      Die Denkmaltopographie liefert diese Beschreibung:
      Traufseithaus mit Halbwalmdach, die Straßenfront erneuert, sonst zu wesentlichen Teilen im Kern noch spätmittelalterlich, 14./15.Jh. (dendrochronologische Datierung 1371).
      (BayernViewer-denkmal)

      Leider habe ich kein Bild parat.

      1986 stand es noch nicht in der Denkmalliste, ein weiteres Zeichen, dass viele erhaltenswerte Gebäude erst spät in die Denkmalliste aufgenommen wurden. Auch in Memmingen gibt es dafür Beispiele.
    • Re: Memmingen - Ulmer Vorstadt

      Ulmer Vorstadt

      Die Ulmer Vorstadt liegt im N der Altstadt, recht nah beim Marktplatz.


      Vom Marktplatz zum Ulmer Tor führt die Ulmer Straße, hier die Giebelhäuser auf der Ostseite, ganz rechts angeschnitten die Nr. 12, das angesprochene urtümliche Rückgebäude mit dem Halbwalmdach (Ulmer Str. 12b) sieht man von der Straße aus nicht, auch rückwärtig war da nichts zu machen.
      Die ersten Gebäude rechts angepasste Neubauten.


      größer: http://www.bildindex.de/bilder/mi02180e08a.jpg\r
      www.bildindex.de/bilder/mi02180e08a.jpg
      die Ulmer Vorstadt auf dem Stadtmodell von 1822-30, mitte links das Parishaus und davor auf der vorderen Straßenseite das Walmdachgebäude Ulmer Str. 12b. Auffällig auch das viergeschossige Grimmelhaus.


      Etwas weiter Rtg. Ulmer Tor, rechts Nr. 24, Nr. 26 wurde irgendwann nach 1999 abgerissen und liegt jetzt schon ein paar Jahre brach. Zum Vergleich unten (1999), sieht nicht sonderlich abrissbedürftig aus...:



      Das ganze rückseitig vom Stadtbach aus, in der Ulmervorstadt wohnten früher Kleinhandwerker und Gerber:

      Ulmer Str. 22, 24


      ...und Nr. 28, 30


      eines der nicht wenigen neueren Gebäude in der Ulmervorstadt, Ulmer Str. 26b


      auf der Westseite der Ulmer Str. das Grimmelhaus, ein viergeschossiger, ins 15./16. Jh. zurückreichender verputzter, stark vorkragender (Fachwerk-)Bau, der noch beträchtlich in die Tiefe geht und in manchen Innenräumen ähnlich dem Parishaus Rokokostuck aufweist, heute als Stadtbücherei etc. genutzt.




      Das Ulmer Tor von 1445, auf dem neueren Gemälde der Einzug König Maximilians 1489,
      das dritte Haus von rechts (Nr. 32) ein weiterer angepasster Neubau

      der Neubau Nr. 32 rückseitig:



      Ulmer Str. 34, zumindest das Vorderhaus, ein typisches ehem. Gerberhaus aus dem 16. Jh., noch erhalten, die besonders urigen bis zum Stadtbach reichenden Trockenstädel von 1767 (Ständerbohlenbau) irgendwann in den 80er oder 90er Jahren leider völlig erneuert bzw. ersetzt, was einen besonders bedauerlichen Verlust darstellt.

      Auf dem Stadtmodell hier erkennbar, die letzte Parzelle vor der Stadtmauer östlich des Tores:

      größer: http://www.bildindex.de/bilder/mi02180e10a.jpg\r
      www.bildindex.de/bilder/mi02180e10a.jpg

      und so sieht es heute aus (schlecht fotografierbar), links hinten der Rückgiebel des Vorderhauses:



      eines der interessantesten Mysterien für mich ist dieses Gebäude, Ulmer Str. 32b, mit Eingang über den Stadtbach, auf einer älteren Aufnahme etwa aus den 70er Jahren von den bereits angesprochenen Trockenstädeln (Nr. 34) fehlt es noch, das ganze lag brach.
      Insofern kann dieses Gebäude eigentlich keine 30 Jahre alt sein, möglicherweise nicht einmal 10!? Liegt sehr idyllisch, ein Rechtsschwenk bringt das:


      im nordöstlichen Eck der Stadtmauer, durch das der Stadtbach durchfließt, einst der Lueg ins Land, der höchste Turm der Stadtbefestigung

      ...und nach S gesehen, mit dem Hauszugang:


      Hier noch das Ulmer Tor von der Außenseite:




      und nochmals der nordöstliche Teil der Ulmervorstadt mit den Rückseiten der Giebelhäuser an der Ulmer Str. und den bis zum Stadtbach sich hinziehenden Parzellen:



    • Von Verfall und Abbruch bedrohte Häuser in Memmingens Altstadt

      Wichtige Anmerkung: Hier zeige ich Häuser, die ich nach oberflächlicher subjektiver Wahrnehmung (ohne genauere Betrachtung) den Eindruck machen, bedroht zu sein. In aller Regel weiß ich nicht, wer der jeweilige Eigentümer ist, geschweige denn, was er vorhat. Ob er das Haus notgedrungen (aus Geldmangel) oder vorsätzlich verfallen lässt, eine Renovierung plant oder den Abbruch, ist mir nicht bekannt. Möglicherweise hat er vor, es vorbildlich wiederherzustellen. Vor diesem Hintergrund bitte ich zu verstehen, dass das Zeigen eines Hauses hier im Zweifel keine Aussage über das Verhalten des Eigentümers darstellt. Auch ist die Liste der Häuser leider bei weitem nicht vollständig.

      Wenn jemand weitere Informationen besitzt, darf er sie gerne mitteilen.

      Wer die Bilder von Markus genauer betrachtet, wird diverse weitere Gebäude mit bedenklichem Zustand finden, insbesondere bei architekturforum.net/viewtopic.php?p=87208#p87208">viewtopic.php?p=87208#p87208, wo auch einige der von mir hier gezeigten Gebäude bereits abgebildet sind.


      Am Einlaß 4

      Bild 693



      Krautstraße

      Bild 694



      Gießergasse

      Bild 695



      Untere Bachgasse

      Bild 696


      Seit vielen Jahren präsentiert sich das Haus nun bereits in diesem Zustand.


      Kuttelgasse 10

      Bild 697


      Bild 698 a


      Bild 699



      Maximilianstraße

      Bild 700


      Das einfache Haus steht in zentraler Lage. Es ist zu befürchten, dass jemand glaubt, hier einen Neubau hinstellen zu müssen, um mehr Rendite rauszuholen.


      Maximilianstraße

      Bild 701


      Ebenfalls ein recht einfaches Haus, das aber seit Jahrzehnten zwischen zwei Geschäftshäusern so ca. der 70er-Jahre eingezwängt ist. Man erkennt, wie auch der Austausch eines solch einfachen Hauses durch einen renditeorientierten Neubau einen deutlichen Schaden für das hier schon sehr geschädigte Stadtbild bedeuten würde. Hoffentlich bleibt das Haus noch lange erhalten!


      Rosengasse 5

      Bild 702


      Bild 703

      (links)

      Bild 704


      Bild 705


      Das Haus geht in das 16. Jh. zurück! Selbstverständlich muss dieses Haus erhalten bleiben und baldmöglich denkmalgerecht saniert werden, um es langfristig zu sichern.


      Rosengasse 11 a - 11 c

      Bild 706


      Westlich (links) neben diesem Gebäude stand eines der ältesten bis damals erhaltenen Wohnhäuser Memmingens. Nun sollte zumindest das noch vorhandene Nachbarhaus erhalten bleiben. Seit vielen Jahren steht es ungenutzt rum.

      Nachtrag (31.01.15): Das Haus wurde 2014 abgebrochen (siehe Memmingen).


      Waldhornstraße

      Bild 707


      Steht nicht in der Denkmalliste!


      Lindentorstraße 10

      Bild 708


      Bereits mehrfach erwähnt und besprochen, beginnend bei architekturforum.net/viewtopic.php?p=85198">viewtopic.php?p=85198


      Obere Bachgasse

      Bild 709


      Bild 710


      Steht nicht in der Denkmalliste!
      Das Haus ist auch auf mehreren von Markus' Bildern abgebildert: architekturforum.net/viewtopic.php?p=87208#p87208">viewtopic.php?p=87208#p87208 zeigt den trostlosen Zustand.

      Der Blick beim zweiten Bild geht über die Fläche, auf der früher Im Klösterle 12 stand (Markus berichtete).


      Rotergasse 7

      Bild 711


      Dieses Haus sieht nun nicht gerade akut bedroht aus. Dennoch würde sein Verlust oder seine starke Modernisierung dem Stadtbild schaden.

      Nachtrag (03.08.15): Rotergasse 7 wurde 2015 abgebrochen.


      An der Kaserne, Rote Kaserne

      Bild 712


      Die Rote Kaserne, nach der auch die Gasse an der Stadtmauer heißt, gilt als Sehenswürdigkeit und ist vor diesem Hintergrund wohl weniger gefährdet.


      Weberstraße 44

      Bild 713


      Auch einige benachbarte Gebäude bräuchten mehr Pflege.


      An der Hohen Wacht 4

      Bild 714


      Bild 715


      Nachtrag (16.10.10): An der Hohen Wacht 2 und 4 wurden 2010 abgebrochen (siehe Memmingen).
    • Re: Memmingen - Tor zum Allgäu

      Die Zahl der Neubauten ist, obwohl sie meist angepasst sind und teilweise sogar sehr gut aussehen, erschreckend. Wurden die Flächen, auf denen sie sich befinden, nach dem Krieg schrittweise durch Abriss leergeräumt, waren es mitunter seit jeher Freiflächen oder stehen diese Neubauten oftmals in kriegsbedingt zerstörten Bereichen?

      Die Zahl der langsam verfallenden Häuser erscheint mir für eine Stadt in Süddeutschland überdurchschnittlich hoch, zusammen mit der Unbedachtsamkeit, mit der Altbauten des öfteren offenbar ohne viel Umschweife niederlegt werden, ist leider der ein oder andere schwere Verlust zu erwarten.:( Konsequente, von der Stadt mitfinanzierte Sanierungsprogramme für Altstadtviertel scheint es Memmingen nicht zu geben.
      "Meistens belehrt uns der Verlust über den Wert der Dinge."
      Arthur Schopenhauer
    • Re: Memmingen

      Nun, freilich habe ich hier bewusst Gebäude gezeigt, die bedroht sind, sowie Flächen, die bereits neu bebaut sind. Insofern entsteht natürlich ein Stück weit ein einseitiger Eindruck. Markus' Bilder, die naturgemäß auch die attraktiven Seiten der Altstadt zeigen, sind aber genauso wahr.

      "Georg Friedrich" schrieb:

      Wurden die Flächen, auf denen sie sich befinden, nach dem Krieg schrittweise durch Abriss leergeräumt, waren es mitunter seit jeher Freiflächen oder stehen diese Neubauten oftmals in kriegsbedingt zerstörten Bereichen?

      Im wesentlichen dürften es Flächen sein, die nach dem Krieg durch Abbruch freigemacht wurden. In einigen Fällen hat sich darauf sicherlich untergeordnete, vergleichsweise bedeutungslose bebauung befunden. In vielen Fällen sind dabei aber auch stadtbildwirksame Einzelbauwerke untergegangen, selbst wenn sie einfach gestaltete Gebäude gewesen sind. Ihnen ist so oder so nachzutrauern.

      "Georg Friedrich" schrieb:

      Die Zahl der langsam verfallenden Häuser erscheint mir für eine Stadt in Süddeutschland überdurchschnittlich hoch, zusammen mit der Unbedachtsamkeit, mit der Altbauten des öfteren offenbar ohne viel Umschweife niederlegt werden, ist leider Schlimmes zu vermuten.:? Konsequente Sanierungsprogramme für Altstadtviertel scheint es Memmingen ja nicht zu geben.

      Wenn ich auch die Gedanken der Verantwortlichen nicht kenne, so denke ich doch, dass, wie gesagt, die Vorstellung immanent ist, die Stadt sei im großen und ganzen gut erhalten und es sei doch ganz normal, einzelne Gebäude im Lauf der Zeit auszutauschen. Von konsequenten Sanierungsmaßnahmen ist zumindest mir nichts bekannt.

      Die Zahl der verfallenden Häuser in der Altstadt war auch früher wohl nicht niedriger, jedenfalls nach meiner subjektiven Beobachtung zu urteilen. Es ist eine vergleichsweise hohe Zahl, insbesondere auch an den größeren schwäbischen Nachbarstädten Augsburg, Kaufbeuren und Kempten (Allgäu) gemessen. Vor allem fällt Kaufbeuren hier erfreulich auf. Es ist von der Einwohnerzahl mit Memmingen vergleichbar. Die Altstadtgröße ist freilich deutlich geringer. "Da kann man leicht", sagt man vielleicht aus Memminger Sicht. So oder so, der Zustand von Memmingens Altstadt, und zwar insbesondere der Randbereiche im Osten und Südwesten, ist bedenklich. Ich habe vor, demnächst einige Bilder von Problembereichen zu zeigen. In manchen Teilen der Altsadt ist es längst nicht mehr nur ein Haus, das kaputt ist (oder dabei ist, es zu werden). Jahrelang bestehende Brachflächen sogar in relativ zentralen Lagen sind bedenklich.

      Demgegenüber steht Nördlingen geradezu glanzvoll da. Wegen seiner "Mittelalterlichkeit" (vulgo) besitzt es freilich ein Mindestmaß an Fremdenverkehr und Verpflichtung, diesen Schatz zu bewahren. Lauingen (Donau) ist das Gegenteil. Der Verfall der Heimatstadt des großen Albertus Magnus ist von einer Tragik und ohne Beispiel in Schwaben, wo man in Dillingen a.d. Donau, in Günzburg, Augsburg und Donauwörth beweist, wie man eine alte Stadt bewahrt.
    • Re: Memmingen - Tor zum Allgäu

      Danke für die Ausführungen. Insbesondere im Vergleich zum einwohnermäßig nur halb so großen, aber wahrscheinlich mit einer umfangreicheren Altstadt gesegneten Nördlingen schneidet Memmingen schlecht ab. In Nördlingen dürfte proportional gesehen mehr Wirtschaftskraft im Altstadtbereich liegen und zwar nicht nur aufgrund des Tourismus, sondern gerade auch aufgrund der kleineren Bevölkerungszahl und der damit einhergehenden geringeren Siedlungswucherung der Nachkriegszeit, die zu einer Verlagerung städtischer Funktionen in die entfernteren Außenbereiche führt und die alte Kernstadt verarmen lassen kann. Es würde mich nicht wundern, wenn in den verfallenden Häusern in Memmingen ältere Leute leben bzw. gelebt haben, deren Kinder womöglich nur einen Steinwurf entfernt im eigenen neugebauten Heim wohnen... Und es existiert in Nördlingen ein größeres Bewusstsein für den Wert der Altstadt.
      "Meistens belehrt uns der Verlust über den Wert der Dinge."
      Arthur Schopenhauer
    • Re: Memmingen

      Von der Ulmer Vorstadt in die Kalchvorstadt

      Am Einlaß – Ratzengraben – Kalchstraße – Kreuzherrensaal


      Und weiter geht es mit dem Rundgang durch die Memminger Altstadt, immer noch ganz am Nordrand unweit des Marktplatzes.


      Der in diesem Bereich parallel zur Stadtmauer laufende Stadtbach, im unteren Bild der Bettelturm von 1471:




      Neubauten, die auch wieder zumindest auf das einstige Gerberviertel bezug nehmen und sich in die Altstadt einfügen (Am Einlaß 9)




      Abbruchstelle des Hauses Am Einlaß 3 im April 2007, angrenzend das Fachwerkgebäude Am Einlaß 2 d, unten gleiche Perspektive im März 2009 mit dem Neubau Am Einlaß 3 unmittelbar am Stadtbach.


      Diesen Neubau hat ja Zeno bereits vorgestellt (siehe hier: http://www.architekturforum.net/viewtopic.php?f=40&t=2814&start=24">viewtopic.php?f=40&t=2814&start=24)
      Auf den unteren Aufnahmen zusammen mit dem heruntergekommenen und wahrscheinlich akut vom Abriß bedrohten Haus Nr. 4






      Blick von der Ulmer Straße zum Einlaß


      Der Einlaß von Westen (vorn wieder der Stadtbach), eines von 5 Memminger Toren, ein toller Backsteinbau von 1475, den man vielleicht nicht unbedingt in MM erwarten würde.




      Einlaß von O, vom Zollergarten aus




      ehem. Zollersches Gartenhaus, links käme die Rathaus-Rückseite

    • Re: Memmingen - Tor zum Allgäu

      Nun weiter am Ratzengraben:


      An den Zollergarten angrenzend der ins 14. Jh. zurückgehende schiefe Hexenturm, links angeschnitten der weniger schöne Anbau des Rathauses


      das Fachwerkgebäude Ratzengraben 3




      Schützsches Haus (Krautstr. 2)


      Im Haus Kalchstr. 9 der bis zur Traufe erhaltene Welfenturm (12. Jh.), zur Befestigung der Gründungsstadt gehörig, auch im Keller wie auch anderswo noch Mauerreste davon





      Weiter geht es in der Kalchstraße, die vom Marktplatz aus Rtg. Osten die Kalchvorstadt durchschneidet.


      Blick vom Marktplatz auf die Elefantenapotheke (Kalchstr. 8, um 1560, spätere Veränderungen), dahinter ein Teil des ehem. Kreuzherrenklosters




      das ganze in Gegenrichtung mit dem markanten Haus Zum Storchennest (Kalchstr. 4), unten eine ältere Aufnahme (1999) des im Stadtbild aufgrund des hohen Daches sehr auffälligen Gebäudes, das trotzdem offensichtlich aufgrund vorangegangener nutzungsbedingter Entkernung völlig unverständlich nicht in der Denkmalliste auftaucht.




      links das Fugger-Booser-Haus (Kalchstr. 6), auch aus dem 16. Jh.







      der westliche Teil der Kalchstraße gehört zu den geschlossensten Straßenzügen in MM, die Aneinanderreihung der wohlerhaltenen, allesamt in das 16. Jh. zurückreichenden stattlichen Giebelhäuser Nr. 17-27 erinnert 1x mehr an Nördlingen oder Dinkelsbühl.


      Kalchstr. 27, das Gasthaus zum Schwanen mit hübschem Giebelabschluss




      Ein prächtiges Bild aus alten Reichsstadtzeiten bietet die Kalchstraße auch in Blickrichtung W mit dem Turm von St. Martin dahinter
    • Re: Memmingen - ehem. Kreuzherrenkloster

      ehem. Kreuzherrenkloster

      Nun zum ehem. Kreuzherrenkloster und der profanierten Kirche St. Peter und Paul, heute gewöhnlich Kreuzherrensaal genannt.

      Der hübsche, jüngst renovierte Turm vom Marktplatz...


      …und vom Hallhof aus:


      hinter dem Turm die ehem. Kirche, links der Westflügel des ehem. Kreuzherrenklosters






      Der Kreuzherrensaal innen:
      1480-84 neu erbaut, zweischiffig, ohne Chor, 1709/10 durch den Wessobrunner Matthias Stiller stukkiert, für mich einer der schönsten barockisierten Innenräume nicht nur Schwabens, nach der Säkularisation um 1823 wurde ein Zwischenboden eingezogen, 1947 wurde dieser erneuert und der Raum seitdem als Konzert- und Ausstellungsraum genutzt (vergleichbar die ehem. Augustinerkirche in der Neuhauser Str. in München). Erfreulicherweise wurde dieser Zwischenboden aber vor kurzem entfernt und der Kreuzherrensaal - jüngst renoviert - erstrahlt wieder in ursprünglicher Pracht.




























      Im Erdgeschoß des Nordflügels vom ehem. Kreuzherrenkloster (im Hintergrund) befindet sich in der kreuzgratgewölbten gotischen Halle der einstigen Dürftigenstube heute das Kreuzherrncafe:







      Hallhof am Abend
    • Maximilianstraße 10, 12

      "Markus" schrieb:

      [...] Und Maximilianstr. 10/12 hat immerhin ein Satteldach und ist kein Flachdachbunker.

      (architekturforum.net/viewtopic.php?p=91957#p91957)

      Die beiden Gebäude sind unabhängig voneinander.


      Maximilianstraße 10

      Das Haus ist ein Neubau wohl der 70er-Jahre. Im hinteren Teil befindet sich ein Treppenturm, der andernorts bereits als Patrizierturm vermutet wurde: commons.wikimedia.org/wiki/File:Patrizierturm.jpg

      Bild 742

      Kuttelgasse


      Maximilianstraße 12

      Vermutlich auch in den 70er-Jahren erbaut wurde wohl dieses Kaufhaus. Es hieß zunächst "Bilka" (Bilka – Wikipedia), später zog dann das Modehaus Wagner ein, das schließlich zu Reischmann wurde (reischmann.biz/reischmann/unse…ser.php?navanchor=1010020). Zu Bilka-Zeiten war das Haus noch ansehnlich und auch in der Wagner-Ära. Nun aber wurde es plötzlich versehen mit einer riesigen Glasfassade, die im historischen Memmingen eigentlich nichts zu suchen hat.

      Bild 687


      Bild 685

      Kuttelgasse

      Das Haus war lange Zeit ein Stück weit eines der wenigen auffällig modernen Häuser in Memmingens Altstadt, bis dann in der Nachbarschaft das Maxi-Center "neue Maßstäbe setzte":

      Bild 688

      Bahnhofstraße
    • Die östliche Kalchvorstadt - ein gegenwärtig zum Verfall tendierender Bereich


      Kalchstraße

      Bild 737


      Links sehen wir die einstige, seit langem profanierte Dreikönigskapelle von 1399 in der Kalchstraße. Aber daneben tut sich sich eine Brachfläche auf, die mit den Häusern Kalchstraße 31 und 33 bebaut war. Wir sehen im nächsten Bild, wie sich die Fläche dem Fußgänger in dieser Geschäftsstraße präsentiert:

      Bild 738


      Es gibt ein Vorhaben, die Fläche mit der Erweiterung des Hotels auf der anderen Straßenseite zu bebauen; der Bauherr meint allerdings, einen Verbindungssteg über die Straße zu benötigen.
      [url=http://www.all-in.de/nachrichten/allgaeu/memmingen/Memmingen-lok1-steg;art2758,616953\r]http://www.all-in.de/nachrichten/allgaeu/memmingen/Memmingen-lok1-steg;art2758,616953\r[/url]]http://www.all-in.de/nachrichten/allgaeu/memmingen/Memmingen-lok1-steg;art2758,616953\r[/url]
      all-in.de/nachrichten/allgae ... 758,616953
      An den Reaktionen der Bürger, die hier zitiert wurden, kann man schon ablesen, dass hier so mancher diese Gegend längst abgeschrieben hat oder aber als Modernist ohnehin keinen Blick für den Wert der Memminger Altstadt hat. Selbst die Gegner des Vorhabens kommen mit zweitrangigen Argumenten wie dem Blick auf die Kreuzherrnkirche - als ob die Kalchstraße nicht schon selbst ihren Wert hätte!

      Bild 739


      Die gegenüberliegende Straßenseite ist immer noch mit wunderbaren, typisch memmingerisch vorkragenden Häusern bebaut. Aber deren Zustand zeigt gemeinsam mit der Brachfläche, dass im östlichen Teil der Kalchstraße etwas im argen liegt: Verfall macht sich breit.


      Heidengasse / Rosengasse

      Diese Szenerie im südöstlichen Teil der Kalchvorstadt, zwischen Kalchstraße, Salzstraße, Maximilianstraße und Bahnhofstraße lässt Weltuntergangsstimmung aufkommen. Es stimmt, dass dieser Bereich schon seit vielen Jahren vor sich hinsiecht. Nach dem Abbruch in der Heidengasse stellen sich diese und die Rosengasse so dar (zwei Bilder kennt Ihr bereits):

      Bild 703


      Leider kann auch der Neubau eines an sich begrüßensweten Neubaus wie das rosa Haus allein die Situation noch nicht herumreißen.

      Bild 741


      Bild 706


      Im Osten Deutschlands sind solche und viel schlimmere Zustände leider (immer noch) die Realität, vielleicht nicht in den Fußgängerzonen, sehr wohl aber in zurückliegenden Gassen. In Memmingen aber, so könnte man meinen, müssten solche Zustände nicht sein.
    • Re: Memmingen - Tor zum Allgäu

      "Zeno" schrieb:

      Im Osten Deutschlands sind solche und viel schlimmere Zustände leider (immer noch) die Realität, vielleicht nicht in den Fußgängerzonen, sehr wohl aber in zurückliegenden Gassen. In Memmingen aber, so könnte man meinen, müssten solche Zustände nicht sein.

      Im Osten Deutschlands ist man allerdings insofern im Vorteil, als dass man gerade eine lange Phase der Massensanierung hinter sich hat. Es wurde unglaublich viel restauriert und man weiß, wie positiv die Auswirkungen sind. Psychologisch ist man dort auf Sanierung getrimmt. In den alten Bundesländern wurden die großen Altstadtsanierungen meistens in den 70er Jahren abgeschlossen und man hat manchmal den Eindruck, man hätte seither dort im fortschreitenden Maße das Sanieren verlernt und denke beim Anblick eines verfallenden alten Hauses schneller an einen Abriss und anschließenden Neubau. In Memmingen beschleicht einen dieses Gefühl auf Schritt und Tritt, wenn man die von dir gezeigten Entwicklungen in den Problembereichen der Altstadt mitverfolgt.
      "Meistens belehrt uns der Verlust über den Wert der Dinge."
      Arthur Schopenhauer
    • Re: Memmingen - östliche Altstadt

      Nach längerer Pause nun weitere Bilder aus dem schwäbischen Memmingen.

      Hallhof


      der Hallhof mit der Kreuzkerrenkirche und dem mächtigen ehem. Bräuhaus mitsamt Stadel an der Ostseite, 1968 zum Kaufhaus umgebaut, im Erdgeschoß blieben aber kreuzgratgewölbte Hallen erhalten




      eine etwa 10 Jahre alte Aufnahme mit dem Kaufhaus X, neuerdings wieder umgebaut (siehe Fenster), jetzt Bankgebäude, davor das Kriegerdenkmal von 1870




      Südseite mit dem bereits von Zeno vorgestellten Kaufhaus


      Kalchvorstadt mit Salzstadel


      das heute irgendwie verhunzte Haus Kalchstr. 39, der „Gaul in der Wiege“, im Kern (wie so oft in MM) noch 15. Jh.
      zum Gaul in der Wiege und die scheintote Ehefrau, eines der 7 Memminger Wahrzeichen: de.wikipedia.org/wiki/Sieben_Memminger_Wahrzeichen




      die Heidengasse 9


      die ehem. Storchenfärbe (Kuttelgasse 2)




      Wirtshausschild vom Gasthof zum Rad in der Kalchstraße


      die verkehrsberuhigte Salzstraße mit dem Schwanenmeyer in der Bildmitte, im Hintergrund der Gasthof zum Schwanen


      Kalchstraße Ecke Salzstraße das „Weiße Roß“ (über kreuzgratgewölbtem Keller des 13./14 Jh.)


      gegenüber der ewig lange Große Salzstadel, ursprünglich 1470-74 (die Kalchstraße ja früher die W-O-laufende Salzstraße), nach teilweiser Zerstörung im April 1945 bis 1951 wiederaufgebaut




      Am Schmiedplatz dieses jüngst renovierte und jetzt in tollem Blau glänzende Haus (die Nr.3), das zeigt, wie einiges vor sich hin gammelnde in den östlich folgenden Straßen auch wieder zu Schmuckstücken werden könnte (Zeno hat bereits einige typische Beispiele dafür gebracht)


      links angeschnitten und unten nochmals der Salzstadel von S




      Das Siebendächerhaus


      eines der wenigen erhalten gebliebenen Gerberhäuser (nach Kriegszerstörungen 1945 und nachfolgenden Modernisierungen) ist das sogenannte Siebendächerhaus am Gerberplatz, 1601 errichtet und 1946/47 nach schweren Kriegsschäden „unter Erhaltung des alten Holzwerks“ (Dehio) wiederaufgebaut. Der hohe Giebel mit seinen aufklappbaren Seitenluken ermöglichte ein effektives Trocknen des Leders. Sicherlich eines der prächtigsten Bürgerhäuser der Stadt.




      Rückseite





      und abends:


      bei den bis dato noch unbeschriftet gebliebenen Beiträgen auf den Seite 1 und 2 zum Antonierhaus, Schweizerberg, Lindauer Straße, Obere Bachgasse und Schrannenplatz habe ich auch gleich mal noch einige Bildunterschriften ergänzt.

      Im übrigen gibt es auch ein neu erschienenes Buch zum alten Memmingen:
      stadtarchiv.memmingen.de/437.h…sh=c9e1412c1f&tx_ttnews\r
      stadtarchiv.memmingen.de/437.htm ... &tx_ttnews[tt_news]=1769