Memmingen (Galerie)

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    • Re: Memmingen - Tor zum Allgäu

      "youngwoerth" schrieb:

      Besonders in Landshut war die fehlende Fußgängerzone für mich immer unerklärlich. Schön, dass sich da inzwischen etwas tut. In Freiburg sind Autos so ziemlich bis in den letzten und unbedeutendsten Winkel der Innenstadt tabu, und der riesige Fußgängerbereich wird fleißig erweitert: Als nächstes muß der südliche Innenstadtring dran glauben.


      Freiburg habe ich diesbezüglich auch besonders vorbildlich in Erinnerung. Wie der Autoverkehr in Landshut in den 80erJahren noch über die Altstadt brauste, daran kann ich mich auch noch gut erinnern, war grauenvoll, fast wie am Hauptplatz von Landsberg/Lech.

      "Georg Friedrich" schrieb:

      Hoffentlich zieht die Stadt jedoch bei den Abrissen von Altbauten die Notbremse und setzt in Zukunft konsequent auf Sanierungen.


      das hoffe ich auch sooooo sehr! Die Hoffnung stirbt zumindest zuletzt. Ansonsten gibt es zukünftig viele vorher-nachher-Vergleiche...

      Bin mit dem Beschriften im Übrigen wieder etwas nachgekommen (Untere Bachgasse, Zangmeisterstraße), Rest folgt beizeiten. Weitere Bilder gibt es evtl. heute auch noch (Lindauer Str., Obere Bachgasse, Kemptervorstadt)...
    • Re: Memmingen - Tor zum Allgäu

      ein paar weitere Bilder voraus - Beschriftung im Dezember 2009 ergänzt

      Schweizerberg - Lindauer Straße – Rossmarkt - Obere Bachgasse


      der Roßmarkt mit den Rückseiten der altertümlichen Häusergruppe Lindauer Str. 2-6


      Lindauer Str. 4 und 6, Rückseiten




      Die Lindauer Straße 6, ein Kaufmannshaus aus dem 16./17. Jh., an der Straßengabelung mit der Hofgasse


      der weitere Verlauf der Lindauer Straße


      Lindauer Str. 1 (Goldenes Rößle) und 3






      rechts im Hintergrund das Haus Hofgasse 1


      die Hofgasse, 1x mehr mit Fassadenrücksprüngen


      Lindauer Straße 1 und 4


      das Goldene Rößle, eines der originellsten Häuser Memmingens




      das Dreischweizerhaus am Schweizerberg


      rechts das um 1570 entstandene Furtenbachsche Haus, unmittelbar am Stadtbach gelegen






      das Lindauer Tor von der Stadtseite aus




      neben dem Tor das malerische Häuschen Lindauer Str. 28
    • Re: Memmingen - Tor zum Allgäu

      Obere Bachgasse – Schrannenplatz


      hier sitzt es sich ganz besonders...


      Stadtbach und Rückseite vom Kramerzunfthaus


      Rotergasse 2, das rote Roter Haus, neben dem Buxheimer und dem Roggenburger Haus eine weitere Klosterniederlassung in der Stadt, nämlich vom Kloster Rot an der Rot, ehem. mit Hauskapelle




      ziemlich heruntergekommenes Gebäude an der Oberen Bachgasse nahe dem Schrannenplatz








      der Gasthof zum Hasen am Schrannenplatz






      ansprechende Neubauten an der Straße Im Klösterle




      eine ältere Aufnahme von 1999 auf der links noch das inzwischen abgerissene Haus Im Klösterle 12 zu sehen ist. Rechts Kramerstr. 46 mit gebrochener Giebelseite, genannt Kornhausmetzeler


      der Goldene Löwe am Schrannenplatz, ein gut erhaltenes Giebelhaus aus dem 16. Jh.


      weitere ganz gut gelungene und sich in die Altstadt bestens einfügende Neubauten in der Rabenstraße


      das Eckhaus Baumstraße 1
    • Re: Memmingen - Tor zum Allgäu

      Der durch die Bilder vermittelte Gesamteindruck der Altstadt ist natürlich ungebrochen noch immer sehr gut. Leider gewinne ich anhand der Bilder jedoch die Vorstellung, dass es sich bei den frisch sanierten Bauten auffallend häufig um absolut hochwertige Denkmäler handelt, während die Gebäude, die eine Restaurierung am bittersten nötig hätten, zumeist recht einfache Häuser sind. Hoffentlich herrscht in der Stadt nicht ein Geist, der leichtfertig davon ausgeht, auf eben diese Häuser ohne weiteres verzichten zu können - für das Ensemble sind auch sie unersetzlich. Den Politikern unserer schwäbischen Pappenheimer dürfte der Glaube, durch Abriss eines Altbaus und Errichtung eines Neubaus mit mehr Gewerbefläche o. ä. der Stadt etwas Gutes getan zu haben, leider auch nicht ganz fremd sein.

      Die Städte in den neuen Bundesländern zeigten nach der Wende weitaus krassere Verfallszustände, dennoch wurde mit geringeren finanziellen Mitteln unglaublich viel gerettet; bestünde in Memmingen der Wille zur Sanierung, wäre sie absolut kein Problem. Es stellt sich allerdings grundsätzlich die Frage, warum es in Memmingens Altstadt offenbar mehr Verfall gibt als in anderen Städten im Süden Bayerns. Was macht etwa Landsberg/Lech anders?
      "Meistens belehrt uns der Verlust über den Wert der Dinge."
      Arthur Schopenhauer
    • Re: Memmingen - Tor zum Allgäu

      die Beschriftung zur Herrengasse und zum Hermansbau ist zwischenzeitlich ergänzt

      Lindauer Tor – Westertor – Stadthalle


      Das Lindauer Tor im W, 1647 beschädigt, danach ohne den hohen Turm (siehe Kempter oder Ulmer Tor) belassen






      Das Westertor von innen mit ehem. Färberhaus und Bessererhaus





      ...und von außen mit St. Martin im Hintergrund:





      nun die Stadthalle im NW der Altstadt, an selbiger Stelle vorher offenbar Fabrikgebäude, benachbart Reste der Stadtmauer. Sieht wie ich finde recht interessant und originell aus, der Bau von 1984
      siehe auch: http://www.memmingen.de/stadthalle.html\r
      www.memmingen.de/stadthalle.html












      das Kuechlinhaus an der Zwinggasse


      Zwinggasse 5 mit weitläufigen kreuzgewölbten Kelleranlagen wohl aus dem 12. Jh.


      weiter geht es dann mit der Martinskirche
    • Re: Memmingen - Tor zum Allgäu

      Stadtpfarrkirche St. Martin

      Home

      sehr ausführliche Beschreibung der Kirche:
      http://de.wikipedia.org/wiki/St._Martin_(Memmingen)


      Turmbesteigung möglich (habe ich dieses Jahr noch vor), siehe:
      St. Martin Memmingen


      St. Martin von O von der Zangmeisterstraße aus



      Das Wandgemälde am Turm mit einem der sieben Wahrzeichen Memmingens.
      Dazu in Wikipedia Sieben Memminger Wahrzeichen – Wikipedia

      „Die heilige Hildegard ist ein Bildnis von Bernhard Strigel am Turm von St. Martin. Es sollte ursprünglich den letzten staufischen Kaiser Konradin darstellen, welcher jung in Italien verstarb. Allerdings erkannte ihn die Bürgerschaft nicht, sondern meinte, es stelle die damals sehr verehrte heilige Hildegard dar.“

      Ein weiteres einst im Inneren der Kirche befindliches Wahrzeichen war der Grüne Teufel, siehe hier: Sieben Memminger Wahrzeichen – Wikipedia



      von N / Hermansgasse, links der Hermansbau


      Südseite vom Martin-Luther-Platz aus


      von der Stadtmauer im W

      und bei nächtlicher Beleuchtung:





      Nun zum Inneren, besonders interessant die umfangreichen Freskenzyklen, u.a. von der Memminger Malerfamilie Strigel, aus der Zeit um 1450/1500, die Zangmeisterkapelle im SW und das spätgotische Chorgestühl.


      südöstliche Vorhalle


      Wandmalereien an der Langhausostwand (u.a. Ölberg, Geißelung, Kreuzigung und Kreuzabnahme) und am Chorbogen, dort die klugen und törichten Jungfrauen








      Wandmalereien an den Langhauspfeilern:









      Die 1505 gestiftete Zangmeisterkapelle im SW der Kirche:













      Vöhlinstuhl


      Chor mit neugotischem Hochaltar


      Netzrippengewölbe im Chor
    • Memmingen ist immer noch Memmingen


      Vor einiger Zeit habe ich die Gelegenheit gehabt, Memmingen zu besuchen und dabei natürlich diverse Fragestellungen, die sich hier im Forum ergaben, zu klären.

      Memmingen hat sich nie als übermäßig guterhaltene Stadt verstanden, die wie ein mittelschwäbisches Rothenburg über all die Nachbarstädte oder gar alle schwäbischen Städte hinausragen würde, was ihre historische Altstadt anbetrifft. Dennoch hat Memmingens Altstadt eine große Dichte von historischem Baubestand, der weit und breit seinesgleichen sucht. Wir haben hier bereits die Abbrüche älterer, in der Regel einfacherer Häuser seit den 60er-Jahren bedauert, die das Gesamtbild der Stadt beeinträchtigen.

      Wenn ich die Altstadt heute betrachte, fallen mir aber viele Bereiche auf, die sich in den letzten Jahren verbessert haben:

      Die Verkehrsberuhigung ist wohl das Merkmal, das am meisten auffällt. Ich habe schon berichtet, dass die heutige Ruhe auf dem Marktplatz etwas vergleichsweise neues ist; früher sind auch hier die Autos durchgefahren. In den 60ern kreuzten sich hier sogar zwei Bundesstraßen, aus heutiger Sicht unvorstellbar! Aber auch andere Straßen profitieren von der Verkehrsberuhigung. Die Kalchstraße habe ich kaum wiederzuerkennen glauben können, so angenehm ruhig war das Fehlen der Autos. Auch die Ulmer Straße. Selbst die Maximilianstraße hat ihren Schrecken verloren und langsam kann man sich wohl mit dem Gedanken anfreunden, dass man sich hier locker aufhalten kann und die Straßenüberquerung keine Kunst mehr ist.

      Bedeutende Einzelbauten erstrahlen wieder in neuem Glanz. Allen voran das einstige Kreuzherrnkloster. Einst hat man die Gewölbe im Erdgeschoß als Fußgängerdurchgang verwendet, da daneben der Verkehr brandete. Nichts mehr von alledem! Ungestraft kann der Fußgänger die Straße benutzen, die eine harmlose Fußgängerzone geworden ist. Die Erdgeschoßräume werden wieder adäquat genutzt und nicht mehr als Teil der Straße.

      Was die Pflege der alten Bausubstanz anbetrifft, habe ich den Eindruck, dass da ein Bewusstsein da ist, das Stadtbild pfleglich zu behandeln. Und deswegen gibt es immer wieder Verbesserungen. Was die Abbrüche älterer Bausubstanz anbetrifft, so muss man leider feststellen, dass diese noch nicht zu einem Ende gekommen sind, wie wir ja erst vor kurzem bezüglich der Häuser Im Klösterle 12 und Lindentorstraße 3 feststellen mussten. Was mir aber außerordentlich gut gefallen hat, sind die Neubauten, die sich, insbesondere auch im den peripheren Teilen der Altstadt, in vorbildlicher Anpassungsarchitektur präsentieren (wahrscheinlich sollte ich Bilder davon zeigen). Auch Straßen wie die Krautstraße können sich sehen lassen (was war das früher für eine trostlose Szenerie). In einigen Teilen der Altstadt macht sich jedoch auch Verfall breit. Das betrifft den Bereich zwischen Lindauer und Kemptener Tor sowie im Bereich von Rosengasse und Heidengasse. Die dortigen, durch Abbruch entstandenen Brachflächen geben ein trostloses Bild.

      Eine große Freude war der Neubau Am Einlaß 3, über den ich wohl noch berichten werde. Hier wurde ein Neubau behutsam eingfügt.

      Alles in allem ist deutlich, dass Memmingen seinen Charakter nicht verleugnet und die Zeiten wilder Umgestaltung erstmal vorbei zu sein scheinen. Ich vermute, dass das daran liegt, dass lokal tätige Bauherren und Architekten am Werk sind, die das Bewusstsein für den Wert der Altstadt haben. Gefahr lauert daher stets, wenn auswärtige Architekturbüros ohne Bezug zur lokalen Bautradition beauftragt werden. Ein Ideenwettbewerb wie beim Schrannenplatz kann hier verheerende Folgen haben: die Entwürfe erinnerten mehr an Ulms Neue Mitte als an die historische Memminger Altstadt. Was hier schließlich zur Ausführung kommt, war vor Ort nicht erkennbar. Ich möchte es auch gar nicht so richtig wissen. Mir schwant Böses.
    • Re: Memmingen

      "Markus" schrieb:

      nun die Stadthalle im NW der Altstadt, an selbiger Stelle vorher offenbar Fabrikgebäude, benachbart Reste der Stadtmauer. Sieht wie ich finde recht interessant und originell aus, der Bau von 1984

      So ist es. Früher standen hier die Gebäude der B & E (= Bürger- und Engelbräu). So um 1982 wurden sie abgeräumt und dann der jetzige Zustand geschaffen, mit dem ich mich auch nach 25 Jahren noch nicht so recht anfreunden kann und der mir nach wie vor ambivalent erscheint. Die Stadthalle nimmt nach meiner Ansicht nämlich überhaupt nicht die ihrer Altstadtlage angemessene Form ein. Sie überschreitet im übrigen den Verlauf der Stadtmauer, was freilich die B & E auch schon tat. Die Wiederherstellung der Stadtmauer hingegen begrüße ich. Auch ist der Hotelneubau Ulmer Straße 7 gelungen.
    • Re: Memmingen - Tor zum Allgäu

      Danke auch noch von mir für diese umfangreiche Bilderserie. Ich muss gestehen, dass mir die Stadt bisher wenig gesagt hat, aber nun definitiv auf meiner Liste der zu besuchenden Städte steht, wenn ich mal in der Ecke bin. Der Reichtum an Baudenkmälern und Kunstschätzen ist trotz dem offenbar aus Baden-Württemberg abstrahlenden Modernisierungswahn ja immer noch gewaltig, und die Bausünden ästhetisch erträglich. Schön auch die zahlreichen guten Innenaufnahmen der Monumentalbauten und Kirchen, die sind hier leider immer noch viel zu selten.
    • Re: Memmingen - Tor zum Allgäu

      Das wunderbar volkstümliche Chorgestühl ist provinziell im absolut positiven Sinn. Erfreulich auch zu wissen, dass in Memmingen Wandmalereien von relativ bekannten Künstlern existieren, die auch erfolgreich in der Tafelmalerei (und Bildhauerei) tätig waren. In diesem Zusammenhang sind als wohl größter Kriegsverlust die Freskenzyklen von Albrecht Dürer im Nürnberger Rathaus zu nennen.
      "Meistens belehrt uns der Verlust über den Wert der Dinge."
      Arthur Schopenhauer
    • Re: Memmingen - Tor zum Allgäu

      Vielen (nachträglichen) Dank auch von mir für deine Bildserie über Memmingen. Ich war vor ein paar Jahren mal für ein Wochenende in Memmingen, aber eigentlich mehr, um die (ehem.) Kartause im Nachbarort Buxheim zu besuchen (hast du auch von dort Bilder?). Memmingen fand ich dann doch ansehnlicher als gedacht, insbesondere der Marktplatz gehört, wie deine Bilder zeigen, sicherlich zu den hochrangigen Exemplaren seiner Art in Bayern. Und die von dir gezeigten Kirchen (und dazu natürlich noch die Kreuzherrenkirche mit ihrem opulenten Wessobrunner Deckenstuck) haben auch ihren eigenen Reiz. Von daher ist die Stadt jedem zumindest für einen Tagesausflug zu empfehlen (aber dabei das Kloster Buxheim nicht verpassen!)
    • Re: Memmingen - Tor zum Allgäu

      Schöne Bilder, vielen Dank. Besonders die Rathäuser sind traumhaft, sowas kennt man bei uns im Südosten gar nicht! Mir erscheint es, als wären die Rathäuser als Ausdruck bürgerlicher Selbstbestimmung in Schwaben und Franken viel beeindruckender als in Altbaiern, irre ich mich da?

      lg
      "Ich denke an Wien, so wie Sie an Brüder, an Freunde denken, die jetzt an der Front sind. Nun sind sie fern von Ihnen und Sie wissen sie in Gefahr, ohne ihnen beistehen, ohne diese Gefahr teilen zu können" - Stefan Zweig 1940
    • Re: Memmingen - Tor zum Allgäu

      @ Zeno
      1x mehr vollste Zustimmung zu dem von dir geschriebenen, auch ich fand Am Einlaß 3 sehr bemerkenswert.
      Bilder dazu und weitere u.a. von der Kreuzherrenkirche wollte ich in den letzten Tagen eigentlich einstellen, kam aber nicht mehr ins APH-Forum (sie haben nicht die erforderliche Berechtigung um diese Seite anzuzeigen...) Hoffentlich ändert sich das wieder...

      @ Munich Frank
      Von der Kartause Buxheim hatte ich auch noch vor Bilder einzustellen.
    • Re: Memmingen

      Hier und im Memminger Diskussionsstrang ergab sich die Frage nach dem Grund für den bisweilen ungepflegten Zustand von Teilen der Memminger Altstadt. Mit Memminger Bier gestärkt, versuche ich hierauf einzugehen, schreibe die Antwort aber lieber hier in den Galeriestrang, da es hier m. E. auch sehr um grundsätzliche Fragestellungen geht.

      "Georg Friedrich ( http://www.architekturforum.net/viewtopic.php?p=87252#p87252">viewtopic.php?p=87252#p87252)" schrieb:

      [...] Es stellt sich allerdings grundsätzlich die Frage, warum es in Memmingens Altstadt offenbar mehr Verfall gibt als in anderen Städten im Süden Bayerns. Was macht etwa Landsberg/Lech anders?

      "Georg Friedrich ( http://www.architekturforum.net/viewtopic.php?p=89046#p89046">viewtopic.php?p=89046#p89046)" schrieb:

      Mich würde interessieren, wie es in einer relativ wohlhabenden (oder irre ich hier?) Stadt wie Memmingen, die wohl kaum von einem starken Bevölkerungsverlust betroffen ist - die Nachkriegsentwicklung war sicher das genaue Gegenteil - überhaupt so weit kommen konnte, dass derart viele Gebäude dem Verfall anheimfielen? Hat man in Memmingen eine zu starke Zersiedelung des Umlands durch Neubaugebiete betrieben und so immer mehr Kapital aus der Altstadt abgezogen, die sich hernach zum Problemgebiet entwickelte? [...]

      "youngwoerth ( http://www.architekturforum.net/viewtopic.php?p=89086#p89086">viewtopic.php?p=89086#p89086)" schrieb:

      Fände ich auch mal interessant. Mir ist von Freiburg aus immer dieses deutliche Gefälle in Richtung Schwaben aufgefallen. In Baden sind so ziemlich alle Städte fast schon überpflegt - Straßen und Fassaden sind absolut geleckt und kaum etwas verfällt. Fahre ich dann über den Schwarzwald z.Bsp. nach Tuttlingen, finde ich mich in einer anderen Welt wieder - vieles wirkt heruntergekommen, verstaubt und unsaniert. :?:


      Das ist eine nicht ganz einfache Fragestellung. Dennoch gebe ich mal meine Gedanken dazu ab (und weiß, dass mir nicht jeder vollkommen zustimmen wird).

      Wie gepflegt die Häuser sind, hängt m. E. von mehreren Umständen ab, insbesondere von der regionalen Übung, von der Attraktivität der Lage und natürlich vom Geldbeutel der Eigentümer.

      Die Situation in Baden und Württemberg kann ich in dieser Hinsicht kaum beurteilen, da ich diese beiden Länder nicht so gut kenne. Das ist auch kein Wunder, zumal Schwaben nun kaum mehr nach Württemberg, mit dem es einst das Herzogtum Schwaben bildete, orientiert ist, sondern vielmehr nach Osten. Altbayern ist auf jeden Fall sehr gepflegt, und ich meine, in Oberbayern noch mehr als in Niederbayern und der Oberpfalz. Oberbayern übertrifft wohl sogar Schwaben, das traditionell großen Wert auf saubere Ortsbilder legt. Der Unterschied wird vor allem im Vergleich mit Franken deutlich, das aus schwäbischer Sicht schlicht und einfach ein riesengroßer Verhau ist. Wenn man an der Stammesgrenze zwischen Weigendorf und Pommelsbrunn die nah benachbarte Bebauung betrachtet, werden die Unterschiede besonders augenfällig: Hier Ordnung und Sauberkeit, jenseits des Baches Schmuddeligkeit und Durcheinander.

      Wenn man die Situation in Schwaben auf dem Land betrachtet, fällt auf, dass Mittelschwaben (in etwa die Landkreise Augsburg, Günzburg, Neu-Ulm und Unterallgäu) in punkto Sauberkeit führt, während es in Norschwaben (in etwa die Landkreise Dillingen a.d. Donau und Donau-Ries) etwas schlechter aussieht. In deutlichem Abstand folgt das Allgäu (in etwa die Landkreise Lindau (Bodensee), Oberallgäu und Ostallgäu), das in dieser Hinsicht nicht die schwäbische Tradition sauberer Ortsbilder teilt. Die Situation in den Städten korrespondiert damit nicht ganz. Z. B. ist Füssen sehr gepflegt, was wohl auch dem Fremdenverkehr zu verdanken ist. Selbstverständlich ist auch unsere ausgedehnte Augsburger Altstadt außerordentlich gepflegt - am Rande Mittelschwabens gelegen, erwarten wir auch nichts viel anderes. Die Altstadt von Lauingen (Donau) hingegen ist in dieser Hinsicht kein Aushängeschild mehr.

      Die Erklärung bei Memmingen ist, wenn ich es mir so überlege, am ehesten darin zu suchen, dass Memmingens Altstadt relativ groß ist (während wir freilich in Schwaben mit Augsburgs Altstadt eine der größten Altstädte Deutschlands haben, ca. fünfmal so groß wie die von Memmingen!).

      Memmingen besitzt eine ausgesprochen unsymmetrische Altstadt, was in seiner Entwicklungsgeschichte begründet liegt. Der Schwerpunkt des städtebaulichen Reichtums liegt im Nordwesten. Vielleicht ist manchem aufgefallen, dass trotz der Größe der Altstadt die Stadtmauer unmittelbar hinter dem Rathaus verläuft. Der Marktplatz liegt schon fast an den Rand gedrängt. Die Stadt vergrößerte sich von der einstigen Welfenstadt (selbst innerhalb dieser lag der Marktplatz von vornherein am nördlichen Rand) ausgehend nach Osten und Süden. Und ganz damit korrespondiert die Tatsache der Gegenwart, dass die die Dichte der städtebaulichen Reize und die Bedeutung der Denkmäler von Westen nach Osten und von Norden nach Süden abnehmen. Vor diesem Hintergrund sollte es uns nicht wundern, wenn sowohl der Nordosten als auch der Südwesten heute stadtbildpflegerisch, aber auch funktionell in ein Schattendasein geraten sind, während der südöstliche Teil, darüberhinaus durch Bomben kriegsbeschädigt, am stärksten baulich überformt wurde - dank schwäbischen Sinnes für ein intaktes Ortsbild aber dennoch noch als Altstadt wahrnehmbar blieb.

      Es kommt hinzu, dass jedem, der mit offenen Augen durch die Stadt geht, deutlich wird, welch umfangreichen historischen Baubestand die Stadt in ihren Mauern immer noch beherbergt. Vor diesem Hintergrund weiß eigentlich jeder, dass Memmingen eine historische Stadt ist. Das ist fundamentales memmingerisches Selbstverständis, dass schlicht und einfach nicht groß und breit diskutiert werden muss. Das gar nicht so weit entfernte Landsberg am Lech pflegt das Image des oberbayerischen Rothenburg scheinbar selbstverständlich und schämt sich nicht seiner Historizität, sondern stellt diese selbstbewusst in den Vordergrund. Diese Haltung vermissen wir in Memmingen, was angesichts des Reichtums der Stadt eigentlich schwer nachvollziehbar erscheint. Die Historizität wird wie selbstverständlich hingenommen. Gerade die stets präsente Denkmaldichte der Stadt schafft m. E. ein Bewusstsein, es sei davon (also konkret von den alten Häusern) ja immer noch ausreichend da, wenn man mal eine kleine Veränderung vornimmt. Wer aus dem vollen schöpfen kann, traut sich, größere Portionen zu nehmen. Diese Haltung ist stadtbildpflegerisch natürlich fatal, aber wenn man durch die einstige Verkehrsschneise der Maximilianstraße von dem hochwertigeren nördlichen Altstadtteil getrennt ist, empfindet man die Umgebung des eigenen Hauses nicht mehr so intensiv als wertvollen Altstadtboden, sondern als die eigene Wohnumgebung, die man sich dementsprechend einzurichten versucht. Der schleichende Verfall von Häusern in der Oberstadt, nun aber auch verstärkt in der Kalchvorstadt dürfte einen ähnlichen Grund haben. Wen wundert es da, dass die marktplatznahe Ulmer Vorstadt kaum Verfall aufzuweisen hat?

      Wenn man das Bevölkerungs- und Siedlungswachstum der Stadt betrachet, so würde ich schon sagen, dass Memmingen bei dem Verhältnis Altstadtfläche durch Gesamtsiedlungsfläche deutlich überdurchschnittlich abschneidet. Für mein Empfinden ist die Stadt auch in der Nachkriegszeit nicht so stark gewachsen - und ist gegenwärtig die viertkleinste kreisfreie Stadt Deutschlands. Dazu kommt, dass Memmingen in den 70ern kaum von der Eingemeindungen profitierte. Die traditionelle unsymmetrische Stadtgebietsfläche, die wir schon in der Altstadt vorfinden, findet seit 1972 und vor allem 1978 ihre geradezu übersteigert erscheinende Fortsetzung: Nach Norden greift die Stadt über das große Steinheim hinweg, im Westen greift sie weit aus und grenzt zweimal an Baden-Württemberg, während das dazwischen liegende Buxheim immer noch zu sich selbst gehört und auch die nahen Nachbarn Benningen, Memmingerberg und Trunkelsberg ihre Selbständigkeit behielten.
    • Re: Memmingen - Tor zum Allgäu

      Interessante Ausführungen. Demnach liegen die Ursachen des Verfalls also nicht zuletzt in der Größe der Altstadt und einer negativen Ausstrahlung vernachlässigter Bereiche auf ihre unmittelbare Nachbarschaft begründet. Ein Streben nach "Sauberkeit" im Sinne von "wir lassen unsere Häuser erst gar nicht verfallen" wäre lobenswert, wird daraus aber ein "wir müssen diesen Schandfleck (= Altbau in schlechtem Zustand) endlich abreißen, um die Sauberkeit in unserer Stadt wiederherzustellen" sind wir schnell wieder bei der Fatalität des Glaubens, einfach mal bedenkenlos ein paar alte Häuser opfern zu können und damit der Stadt auch noch einen Gefallen zu tun. Insofern ist der Begriff der "Sauberkeit" äußerst zwiespältig - während der Abriss- und Modernisierungswelle der 50er bis 70er Jahre kam er auch massiv zum Einsatz.

      Der Kern des Problems bei verfallenden Häusern in privater Hand ist die Frage, wie die Stadt auf den Eigentümer Einfluss nehmen kann, das Gebäude denkmalgerecht zu renovieren oder günstig zu verkaufen. Natürlich müssen die Städte unbedingt versuchen, möglichst viele solcher Objekte zu erwerben und zu Wohnzwecken o. ä. zu sanieren. Renditeträchtigere Neubauprojekte innerhalb der Altstadt oder gar Neubausiedlungen außerhalb sollten demgegenüber absolut in den Hintergrund treten - so viel muss einem die eigene Kulturgeschichte einfach wert sein. Größere abrufbare Fördermittel zur Altbausanierung sind ebenfalls erstrebenswert. Um zu wesentlichen positiven Veränderungen in diesem Problemfeld zu gelangen, muss letztlich die gesetzliche Lage aber auch dahingehend geändert werden, dass dem Privatmann unter Umständen zügig die Enteignung drohen kann. Eine Sanierung von Altbauten in Privatbesitz ganz auf Kosten des Steuerzahlers aus der Stadtkasse einzig dem Kulturdenkmal willen, wodurch das Fehlverhalten des Eigentümers auch noch belohnt würde, wäre noch umstrittener.
      "Meistens belehrt uns der Verlust über den Wert der Dinge."
      Arthur Schopenhauer
    • Gute, angepasste Neubauten in der Altstadt von Memmingen


      Nachdem in den 60er-Jahren recht grobe Betonklötze begannen, die Altstädte im Westen Deutschlands zu erobern, ist es mancherorts (leider nicht überall) ab den 80ern zu Verbesserungen gekommen. Bisweilen sieht man gute angepasste Neubauten, jedenfalls in diversen Klein- und Mittelstädten in Altbayern und Schwaben. Memmingen steht da glücklicherweise nicht zurück, und so werden wir wieder etwas versöhnt, nachdem die Altstadt in Gefahr war, durch moderne Bauten ihr überkommenes Gesicht zu verlieren. Wenn man nun nur diese Bilder betrachtet, könnte man meinen, Memmingen sei eine junge Stadt. Glücklicherweise ist das Bild der Altstadt immer noch durch historische Bauten bestimmt, seien es die Großbauten der Vergangenheit oder auch die vermeintlch geringwertigen Kleinbauten, die für das Stadtbild äußerst wichtig sind. Denn eines muss man wohl auch feststellen: Wenn die Stadt nur noch aus solchen Bauten wie den hier gezeigten bestehen würde, dann wäre es wirklich langweilig und anödend. Sie sind aber das beste, was in Deutschlands Altstädten heutzutage so gebaut wird!


      Bild 635

      Am Einlaß 3

      (Diskussion siehe Memmingen)


      Bild 659

      Ulmer Straße

      Bild 660

      Ratzengraben


      Bild 661

      Krautstraße

      Bild 662

      Krautstraße

      Bild 663

      Krautstraße


      Bild 664

      Krautstraße


      Bild 665

      Schweizerberg

      Das rote Haus Schweizerberg 15 ist mein persönlicher Favorit. Es fügt sich vorbildlich in seine Umgebung ein.

      Ganz rechts sieht man ein Stück des Gebäudes der Lechwerke, Schweizerberg 17. An städtebaulich markanter Stelle gelegen, versaut es hier seit Jahrzehnten die Stimmung. Es gehört zu den größeren Bausünden der Maustadt (LEW-Gebäude soll umgebaut werden - all-in.de - Das Allgäu online!).


      Bild 667

      Untere Bachgasse

      Bild 668

      Untere Bachgasse
      (In engen Altstadtgassen ist es nicht immer leicht, die richtige Perspektive herzukriegen. In diesem Fall stört das Verkehrszeichen, das auf die Belastbarkeit der über den Stadtbach führenden Brücke hinweist)


      Bild 669

      Schwesterstraße


      Bild 670

      Gerberplatz


      Bild 671

      Schwesterstraße

      Bild 672

      Ottobeurergasse


      Bild 673

      Lindentorstraße


      Bild 674

      Rabenstraße

      Rechts eine typisch altmemmingerische Fassade


      Bild 675

      Im Klösterle


      Bild 676

      Im Kösterle, Kreuzstraße


      Bild 677

      Spitalgasse


      Bild 678

      Rabenstraße

      Links das Ursberger Haus, das bei der Neubebauung in das Bürgerspital einbezogen wurde.

      Bild 679

      Nonnengasse


      Bild 680

      Hirschgasse

      Hier stand früher das große Gebäude einer Mühle, das so gar nicht in die Altstadt passte und den Blick von der Hirschgasse zur Frauenkirche mitprägte. Der Abbruch ist kein Verlust und auch die neuen Häuser sehen doch ganz brauchbar aus, auch wenn sie auf den ersten Blick an kleinstädtische Wohnblocks der 50er-Jahre erinnern.


      Möglicherweise waren Euch manche Gebäude bereits von Markus' Bildern bekannt.
    • Schlecht gestaltete Neubauten in der Altstadt


      Heute zeige ich Euch mal einige Neubauten von, wie es in diesem Forum so schön heißt, "fragwürdiger" Qualität. Die Baujahre bewegen sich von den 60ern bis in die Gegenwart. Wer will, kann ja mal angeben, welches Baujahr er jeweils für wahrscheinlich hält.

      Im Gegensatz zu vielen heutigen Neubauten in vielen Altstädten besitzen die hier gezeigten häufig zumindest die richtigen Proportionen, selbst das Parkhaus besitzt sowas wie ein Schrägdach. Unterschiedlich gut wurde das Einfügen in die vorhandene Bausubstanz wahrgenommen. Beim Maxi-Center (Maximilianstraße 26, Bilder 688 und 689) fehlt es freilich auch hieran völlig. Was aber alle Bauten vermissen lassen, ist eine brauchbare Fassadengesaltung.


      Bild 681

      Schlossergasse 1


      Bild 682

      Kramerstraße


      Bild 683

      Theaterplatz


      Bild 684

      Schwesterstraße


      Bild 685

      Kuttelgasse


      Bild 686

      Maximilianstraße 12, 10

      Bild 687

      Maximilianstraße 12


      Bild 688

      Bahnhofstraße, Maximilianstraße 26

      Bild 689

      Ottobeurergasse


      Bild 690

      Gerberplatz 7
    • Re: Memmingen - Tor zum Allgäu

      Zeno, weißt du von wann etwa das wirklich ansprechende Gebäude Schweizerberg 15 stammt?
      Die Arkaden bei Untere Bachgasse 5 1/2 und Lindentorstr. 24 empfinde ich auch als belebend (sind auch zumindest rundlich und nicht so gräßlich eckig wie z.B. am Münchner Rindermarkt).
      Im Klösterle 6 / Kreuzstr. 9 gefiel mir vor Ort auch gut, das müßte aus den letzten Jahren stammen.
      Und Maximilianstr. 10/12 hat immerhin ein Satteldach und ist kein Flachdachbunker.