Memmingen



    • Memmingen

      Luftbild: Luftaufnahmen MM (Blickrichtung Nord)

      Memmingens Altstadt besitzt vielleicht keine überregional bekannten Bauwerke, gehört aber wegen der immer noch hohen Dichte alter Bausubstanz zu den besterhaltenen Altstädten Schwabens (obwohl die "Konkurrenz" u. a. mit Lauingen (Donau) und Nördlingen heftig ist!). Leider verschwindet die alte Substanz immer mehr. Die Stadt hat zwar nicht die großartigen, stadtbildprägenden Bauwerke verloren, aber in den untergeordneten Straßen und zurückliegenden Gassen findet ein stetiger Wandel statt. Die Neubauten fügen sich zumeist einigermaßen ein, aber die Bedrohung durch maßstabs- oder gesichtslose Großformen ist doch stets immanent.
    • Re: Memmingen, Elsbethenareal

      Memmingen, Schrannenplatz, Elsbethenareal - ein Horror!

      BayernViewer der Bayerischen Vermessungsverwaltung

      Da ich mit dem aktuellen Baugeschehen Memmingens nicht vertraut bin, war ich umso mehr überrascht, von einem größeren Projekt zu erfahren, bei dem mir fast die Augen rausgefallen sind, weil es einfach nur schockierend ist, was heutzutage von den Architekturbüros so produziert wird (glücklicherweise nicht von allen!). Memmingens Altstadt war zwar schon mal deutlich reicher an historischem Gebäudebestand, aber es hat auch so manche Bausünde nicht erst seit gestern. Die in meiner Wahrnehmung massivste Bausünde ist das Maxi-Center in Bahnhofsnähe am Eingang der Altstadt (Datei:BahnhofMM.jpg – Wikipedia, der überragende Klotz).

      Eine andere Bausünde war das Gebäude der Memminger Zeitung, Schrannenplatz 6:
      Memmingen
      commons.wikimedia.org/wiki/Fil…emminger_Zeitung-2008.JPG
      maxwild.com/content.php?page_id=4828
      maxwild.com/content.php?page_id=4833

      Wie man sieht, ist seine Zeit vorbei. Schon vor vielen Jahren wurden sich über die Zukunft des Areals Gedanken gemacht. Mittlerweile wird gebaut. Es geht aber nicht nur um seine Fläche, sondern um eine größere Fläche, die am Theaterplatz und an der Schwesterstraße anschließt. Ursprünglich lag hier das Elsbethenkloster und vor diesem Hintergrund verstehen wir seinen Namen "Elsbethenareal", hier rot dargestellt:
      siebendaecher.de

      Hier gibt's eine genauere Karte:
      stadtrecht.memmingen.de/filead…-11-02_Nr26_S_174-175.pdf (Norden ist links)

      Leider konnte ich auf die Schnelle keine zuverlässige Information finden, wie denn nun die Neubebauung aussehen wird.

      Die Wettbewerbesergebnisse zeigen, was den Architekten von heute so vorschwebt. Ein schockierendes Gruselkabinett:
      Stadt Memmingen: Architektur und Stadtplanung (Hochbau) (der Siegerentwurf des Wettbewerbs)
      competitionline.de/3008277
      Architekturbüro Huber - Architekt Wilhelm Huber in Betzigau
      HSP Hoppe Sommer Planungs GmbH -
      pfp architekten | prof. friedrich planung
      office03 *PROJEKTANSICHT
      F64 Architekten, Ideen- und Realisierungswettbewerb Elsbethenareal-Schrannenplatz, Memminge
      und vermutlich noch diverse weitere Seiten

      Der eilige Leser verschafft sich hier einen Überblick: Memmingen Elsbethenareal - Google-Suche

      Ich möchte daran erinnern, dass Memmingen keine verrückte, extrovertierte Großstadt wie (das nahe) Ulm ist, sondern eine kleine Mittelstadt mit ungewöhnlich kleinem Einzugsbereich (wegen Ulm und Kempten (Allgäu)).

      In unmittelbarer Nachbarschaft des Elsbethenareals, an der Südostecke des Straßenblocks (Lindentorstraße 7) steht das Siebendächerhaus. Wer es nicht ohnehin kennt, sollte sich das Bild ansehen, um nicht den Eindruck zu kultivieren, in Memmingens Altstadt sei alles zu spät (das Gegenteil ist der Fall!):
      File:Siebendaecherhaus1.JPG - Wikimedia Commons
    • Re: Memmingen

      Mal ein allgemeiner Hinweis: Es wäre sehr hilfreich, wenn derjenige, der einen Faden über ein Bauprojekt eröffnet, immer zunächst klarstellen würde, ob für dieses Vorhaben Vorkriegsbausubstanz geopfert werden soll. Sofern er das nicht weiß, soll er es unbedingt sagen, denn das ist in meinen Augen dann die erste Frage, die beantwortet werden muss.

      Im konkreten Fall stellt sich mir demnach jetzt die Frage, ob neben dem wertlosen Gebäude der Memminger Zeitung noch weitere Gebäude abgerissen wurden und ob es sich dabei um Vorkriegs- oder gar vorgründerzeitliche Bebauung handelte. Etwas ängstlich muss ich auch fragen, wann denn das namensgebende Kloster auf dem "Elsbethenareal" verschwunden ist - das liegt doch hoffentlich schon sehr lange zurück.


      "Zeno" schrieb:

      Leider verschwindet die alte Substanz immer mehr. Die Stadt hat zwar nicht die großartigen, stadtbildprägenden Bauwerke verloren, aber in den untergeordneten Straßen und zurückliegenden Gassen findet ein stetiger Wandel statt. Die Neubauten fügen sich zumeist einigermaßen ein, aber die Bedrohung durch maßstabs- oder gesichtslose Großformen ist doch stets immanent.

      Heißt das, dass bis in die heutige Zeit regelmäßig alte Häuser in der Altstadt abgerissen werden und im Anschluss sofort durch Neubauten ersetzt werden?! In einer wohlhabenden Stadt ohne Bevölkerungsverlust wäre das skandalös. Kennst du die Position des Denkmalschutzes in Memmingen zu solchen Vorkommnissen? Oder werden einfach hier und da uralte Lücken und Freiräume mehr schlecht als recht geschlossen und immer wieder mal ein Altbau unsachgemäß saniert?
      "Meistens belehrt uns der Verlust über den Wert der Dinge."
      Arthur Schopenhauer
    • Re: Memmingen

      Ja, Du hast natürlich recht. Leider fehlt mir momentan etwas die Zeit, was aber auch daran liegt, dass ich Ostern gern als Feiertage wahrnehme und nicht "durcharbeite", denn genaue und brauchbare Informationen kosten auch Mühe. Nicht immer kann man alles einfach nur so aus dem Handgelenk schütteln. Aber, wie gesagt, grundsätzlich hast Du erstmal recht. Daher zunächst nur kurz:


      Das Elsbethenareal besteht offenbar nur aus Schrannenplatz 6 (das Zeitungsgebäude), Theaterplatz 4 und offenbar diversen untergeordneten Rückgebäuden. Die Rückgebäude dürften keinen großen städtbaulichen Wert haben, aber dennoch wohl auf die Vorkriegszeit zurückgehen. Theaterplatz 4 war, soweit ich es aus der Anschauung kenne, eine Schule. Und ich meine, wir können sie erbauungszeitmäßig so in die 50er- oder 60er-Jahre einordnen.

      Allerdings befindet sich in ihrem Bereich - siehe Online-Denkmalkarte - der Kreuzgang des Klosters, der neben dem Portal die heutigen Reste des einstigen Klosters bildet! Und da wäre zu klären, welche Rolle der in seinem neuen Kontext spielen soll.

      Die sonstigen Teile des Elsbethen- oder eigentlich Augustinerinnenklosters hingegen müssten schon längst weg sein. Ich könnte versuchen, irgendwo nachzuschauen, aber ich denke, das hat die Säkularisation auf dem Gewissen. Nagelt mich nicht fest, aber so sagt es mir mein Hinterkopf. Ich kenne auch nur das Portal. Es steht auf der Nordseite recht isoliert neben dem Eingang zum Theater. Den Kreuzgang kriegt man irgendwie nicht so leicht zu Gesicht.


      In bezug auf das allgemeine Schwinden alter Bausubstanz: Nach dem Verlust diverser Denkmäler bis in die 80er-Jahre betrifft das nunmehr eher die einfache Bebauung, die in aller Regel nicht in der Denkmalliste steht. Der Austausch älterer durch jüngere Bausubstanz findet zwar in vielen anderen Städten auch beständig statt, aber Memmingen war stets von großer Geschlossenheit und ich habe den Eindruck, seine Ensemblewirkung geht verloren, wenn Denkmale schließlich nur noch isoliert zwischen einer mehr oder weniger gelungenen Anpassungsarchitektur stehen.



      Nachtrag: Ich habe gerade noch einiges an Informationen im Weltnetz gefunden, die es sich noch zusammenzureimen gibt. Bitte habe noch etwas Geduld.
    • Re: Memmingen

      War Mitte März in Memmingen und habe auch nicht schlecht gestaunt ob dieser riesigen Baugrube am Schrannenplatz.
      Neben dem großen nord-süd-gerichteten Walmdachbau (keine Ahnung von wann der Bau war und ob Schule), dem gruseligen Nachkriegskasten der Memminger Zeitung, einigen Rückgebäuden von Häusern am Gerberplatz beim Siebendächerhaus (östlich) fehlen noch offenbar 3 Giebelhäuser an der Lindentorstraße (südöstlich), scheinen auch Nachkriegsbauten gewesen zu sein, jedenfalls nicht denkmalgeschützt. Das Kloster selber wurde 1529 (Reformation) wie die übrigen 5 Memminger Klöster aufgehoben, 3 wurden nach 1548 wieder eingerichtet, mit der Säkularisation war dann endgültig Schluß. Der gotische Kreuzgangrest (4 Joche) scheint nicht öffentlich zugänglich zu sein (?). Mich würde interessieren, warum das alles abgerissen wurde. Bin auch mal gespannt was dort hinkommt, nach den Wettbewerbsergebnissen rechne ich mal mit etwas ähnlich Brutalem in der "Ulmer Art".

      Anbei noch einige Bilder zu diesem "Elsbethenareal" und dem Umfeld:


      Richtung O/SO, das linke Haus ein Neubau, das 2te von links das Siebendächerhaus rückwärtig, rechts erkennbar steht gerade noch eins von vormals 4 Giebelhäusern an der Lindentorstraße


      Rückseite Siebendächerhaus durch den Bauzaun hindurch


      Theaterplatz 6, das Areal Elsbethenkloster, irgendwo muss da der Kreuzgangrest sein, links der zuerst zum Zeughaus und 1802 zum Theater umgebaute ehem. Klosterstadel.


      von SO über den die Altstadt durchfließenden Stadtbach hinweg Rtg. Schrannenplatz heute, rechts der 2te schreckliche Nachkriegskasten mit der Drogerie Müller, rechts davon war die Memminger Zeitung

      zum Vergleich 2007:



      auch noch 2007, der Müller-Bau gehört auch noch weg


      rechts das Eckgebäude Hirschgasse 1, das ehem. Roggenburger Haus (Ecke Lindentorstraße / Hirschgasse), ein typisches Memminger Gebäude


      Blickrichtung W, am Schrannenplatzeck ein Nachkriegsbehelfsflachdachbau, neben dem Gasthof zum Goldenen Hasen am Stadtbach eines der besonders verlotterten Gebäude


      die riesige Baugrube, Blickrichtung N zum Kloster


      ...und nach NO


      erhaltene ältere Bebauung auf der Südseite der Lindentorstraße gegenüber der Baugrube


      Siebendächerhaus mit Baukran im Hintergrund


      etwa 10 Jahre alte Aufnahme, das Haus ganz links inzwischen abgerissen


      Schrannenplatz 2009 mit dem originellen Haus Kramerstr. 46


      Stadtmodell Memmingen im Stadtmuseum, SO-Teil der Altstadt mit der Frauenkirche und dem Gerberviertel rechts davon, 1945 ging hier noch einiges verloren, zumindest das 7-Dächerhaus wurde wieder aufgebaut und erinnert noch an die einstmalige Bebauung des ehemals so reizvollen Viertels mit den vielen Holzbalkonen. Etwa in der Mitte der Aufnahme der Stadtbach, nördlich über dem Stadtbach die Schranne, diese gibt es nicht mehr, dort heute der Schrannenplatz, rechts davon das "Elsbethenareal" mit dem auffälligen nord-süd-gerichteten großen Gebäude (keine Ahnung was das war).

      Insgesamt war ich bei meinem ausführlichen Memmingen-Besuch Mitte März schon etwas deprimiert in Anbetracht vieler Abrisse in jüngerer Zeit, durchweg offenbar aber zumindest wie schon Zeno schrieb nichts Denkmalgeschütztes und Wertvolleres, aber trotzdem bedenklich und schade. Auch sind nicht wenige Gebäude v.a. im Süden beim Kempter Tor und im Nordosten der Altstadt total verlottert und vergammelt, da wird sicherlich auch in den nächsten Jahren noch weiterhin etliches geopfert werden. Einige Neubauten der letzten Jahre sind aber erstaunlich ansprechend.

      Falls das Wetter irgendwann mal wieder schlechter werden sollte und sich etwas Zeit findet, eigentlich hatte ich schon längst eine ausführlichere Memmingen-Galerie geplant...
    • Re: Memmingen

      Allerbesten Dank, Markus, für Deine aktuellen Informationen. Während ich nun ständig meine Erinnerung bemühe, um Licht ins Dunkel zu bringen, was auch unter Verwendung des Weltnetzes nicht so leicht ist, bringen Deine Bilder einen Teil der Erklärung.

      Nun, ich muss sagen, dass ich Memmingen Zeit meines Lebens kenne und den schleichenden Wandel des Stadtbildes nun schon jahrzehntelang mitbeobachte. Ich komme zwar wirklich nur selten in die Stadt, und die Altstadt ist auch ziemlich groß, so dass man als gelegentlicher Besucher nie ein vollständiges Bild im Kopf haben wird. Aber die Art der Memminger Wohnhäuser ist mir gleichwohl so vertraut, dass ich auch einzelne Verluste sehr bewusst wahrnehme. Da kommt es nicht darauf an, ob es im Einzelfall Denkmale betrifft, denn auch die "einfachen" Häuser sind für das Gesamtstadtbild von großer Bedeutung. Leider kann ich Euch kaum Bilder für einen Vorher-nachher-Vergleich präsentieren. In meiner Erinnerung ist Memmingens altes Stadtbild mit seinen früheren Häusern noch präsent; ich kann diese Bilder freilich nicht ins JPG-Format bringen, um sie Euch zu präsentieren.

      Markus, Du sprichst mir mit Deinem ganzen Beitrag aus der Seele, denn meine mit tiefem Gefühl für die alte Reichsstadt gefüllte Seele ist verletzt, wann immer ich diese neuen Geschäftshäuser sehe. Ich habe niemals etwas von dem Zeitungsgebäude gehalten, sein Verlust ist - isoliert gesehen - ein Gewinn für das Stadtbild. Heute nacht habe ich ein paar Informationen gefunden, die uns zeigen, wie nah die Reste des einstigen Elsbethenklosters hier stehen. Den Kreuzgang freilich habe ich auch nie gesehen; den ganzen Baublock habe ich noch nie betreten und das Theater mit seinem isolierten Klosterportal war mir schon immer suspekt.

      Dieser bisweilen sorglos anmutende Umgang mit den alten baulichen Zeugnissen assoziiere ich mit Kempten, Memmingen und Ulm, aber kaum mit Donauwörth, Augsburg, Landsberg am Lech, Kaufbeuren und Füssen. An der Iller scheint bedenkenloser umgegangen zu werden als am Lech. In Oberbayern sieht es eigentlich auch relativ gut aus. Ob auf den westlichen Rand Schwabens der württembergische Modernismuswahn stärker ausstrahlt? Eigentlich will man in Schwaben nichts von Württemberg wissen, nur Ulm kann es sich nicht leisten, es liegt schon jenseits der Grenze.

      Bitte versteht vor diesem Hintergrund auch, dass es mir hier zunächst um die Pflege des Stadtbildes ging. Und das könnte durch die aktuelle Neubebauung stärker in Mitleidenschaft gezogen werden als viele andere Einzelmaßnahmen.

      Wie gesagt, ich hoffe noch genauere Informationen liefern zu können, sowohl zur Altbebauung als auch zum künftigen Zustand.


      Jetzt muss ich noch etwas ergänzen zu Markus' Bildern:

      Theaterplatz 4

      "Markus" schrieb:

      Neben dem großen nord-süd-gerichteten Walmdachbau (keine Ahnung von wann der Bau war und ob Schule)

      Ja, es war schon eine Schule, die Elsbethenschule.

      Lindentorstraße 1, 3

      "Markus" schrieb:

      fehlen noch offenbar 3 Giebelhäuser an der Lindentorstraße (südöstlich), scheinen auch Nachkriegsbauten gewesen zu sein, jedenfalls nicht denkmalgeschützt.

      Es waren Lindentorstraße 1 (mit zwei Giebeln) und 3.
      Nr. 3 war in der Denkmalliste eingetragen:
      Giebelhaus mit dreigeschossigem Giebel und Gesimsgliederung, 17./18. Jh.


      Lindentorstraße 10

      "Markus" schrieb:



      erhaltene ältere Bebauung auf der Südseite der Lindentorstraße gegenüber der Baugrube

      Genau das meine ich. Was meint Ihr, wieviele von diesen Häusern es noch vor 30 Jahren gab?
      Alle vier hier abgebildeten Häuser (von rechts nach links Lindentorstraße 4, 6, 8, 10) sind nicht denkmalgeschützt! Es droht der Verlust des Hauses Nr. 10, wie man an dem wohl schon jahrelangen Leerstand und dem Gesamteindruck ablesen kann. Wenn danach wieder ein Gebäude hinkommt, das seine Form exakt (!) übernimmt, dann wäre es noch zu verschmerzen. Aber auch hier droht irgendein langweiliger, glatter Betonbau mit riesigen Fenstern.
      Gegenüber steht das weit und breit bekannteste Fachwerkhaus, das Siebendächerhaus. In welcher Umgebung wollen wir es morgen wiederfinden? In einer Betonwüste in der Art der Neuen Mitte Ulms?

      Lindentorstraße 20
      Übrigens stand etwas weiter östlich einst die Lindenfärbe (Lindentorstraße 20), ein ganz großartiges Haus. Es war in schlechtem Zustand, bevor es so Anfang der 80er abgebrochen wurde. Heute steht dort die Post (Lindentorstraße 22).

      generell

      Kein Wunder, dass für mich die Lindentorstraße wie ein Synonym für die schleichende Zerstörung des alten Stadtbildes ist.

      Dass Lindentorstraße 10 und viele andere stadtbildprägende Häuser auf der Denkmalliste fehlen, ist mitverantwortlich dafür, warum Denkmalschutz keinen Stadtbildschutz bedeutet.
    • Re: Memmingen

      Ich denke, das Problem liegt einmal in der zyklischen Politik. Wenn unter der Ära eines jeden Politikers ein, zwei Häuser der Altstadt verschwinden, weil irgendein Investor mehr Einwohner oder höhere Gewerbesteuereinnahmen verspricht, so glaubt ersterer am Ende wahrscheinlich auch noch, der Stadt einen Dienst erwiesen zu haben. Die Wahrnehmung dafür, dass so das Stadtbild mit jeder Politikergeneration ein bisschen mehr zu Grunde geht, fehlt, die aktuelle Politikergeneration hat (in der Regel) ja allerhöchstens noch den Blick auf die paar Jahre, in denen sie schaltet und waltet. Die Bundespolitik machts leider vor.

      Und dann haben wir natürlich den Denkmalschutz, der seinen Namen allzu oft nicht verdient. Es ist einfach bedrückend, zu sehen, dass Häuser dem Abriss anheim fallen, ohne dass daran dendrochronologische Untersuchungen angestellt werden. Gerade im Südwesten Deutschlands, wo die Holzbauten ein oft unerwartet hohes Alter erreichen.

      Und generell, woher ist bloß dieser Glaube, dass ein Abriss alter Architektur irgendetwas verbessern kann? Für mich ist ein jedes abgerissenes Altstadthaus wie das Gemälde eines Altmeisters, das irgendwo verbrannt wird, und von dem höchstens noch eine unscharfe Schwarz-Weiß-Aufnahme der Nachwelt erhalten bleibt. Lindentorstraße 10 ist unglaublich gut erhalten, die gesamte Erdgeschosszone, ja offenbar sogar die Tür, ebenso die gesamten Fenster scheinen noch aus der Erbauungszeit zu stammen (geschätzt mal um 1800), wieso ist so etwas nicht denkmalgeschützt?
    • Re: Memmingen


      Quelle: Markus

      Das grüngraue Gebäude mit dem roten Dach etwas links von der Mitte direkt hinter der Baugrube muß dann der 4-achsige Kreuzgangsrest sein.

      Natürlich gehören die älteren Häuser auf der Südseite der Lindentorstraße gegenüber vom Siebendächerhaus unter Denkmalschutz. Solche Häuser sind für das alte Stadtbild ebenso wichtig wie die Kirchen und Patrizierhäuser und dazu gerade noch besonders charakteristisch. Unglaublich, daß sowas noch verschwinden könnte.
      Favorevole alla ricostruzione completa come era e dove era.
      --------------------------------------------------------------------------
      I bambini sanno che solo sbagliando s,impara.
    • Re: Memmingen

      Auf jeden Fall befindet sich in diesem Bereich der Kreuzgangrest. Ich hatte auch den Eindruck gewonnen, es müsste das Erdgeschoß des grüngrauen Gebäudes sein. Woanders kann er eigentlich nicht sein. Die Online-Denkmalkarte zeigt den Kreuzgang zwar l-förmig, aber das passt nicht so richtig zusammen.
    • Re: Memmingen

      So, jetzt habe ich noch einige Informationen zusammengestellt:


      Das Gebiet fällt im Stadtplan durch seinen unregelmäßigen Zuschnitt auf, insbesondere in der Weise, dass die von Norden kommende Kramerstraße nicht geradlinig nach Süden weiterführt, sondern einen nach Westen ausweichenden Bogen macht, um dann den Schrannenplatz zu erreichen. Der Hintergrund liegt aller Wahrscheinlichkeit nach darin, dass sich hier der fränkische Reichshof befand, der bei der Besiedlungsgeschichte Memmingens eine Rolle spielt.


      Im Bereich des Elsbethenareals gibt es an Altsubstanz:

      - das Bodendenkmal D-7-8027-0079, "Mittelalterliche Vorgängerbauten und untertägige Bestandteile historischer Bausubstanz im Areal des ehemaligen Augustinerinnenklosters" (BayernViewer-denkmal?)

      - den Rest des Kreuzganges des ehem. Klosters. Es gibt unterschiedliche Angaben über seine genaue Lage. Theaterplatz 2 und 4 werden genannt. Es ist wahrscheinlich, dass er sich im Erdgeschoß des Gebäudes Theaterplatz 2 befindet, das auf einem Bild von Markus abgebildet ist. Ich schließe mich hier Markus' Vermutung an.

      - Das Elsbethen-Schulhaus Theaterplatz 4 wurde wohl auch als "das Kloster" bezeichnet. Ich kann nicht sagen, ob Gebäudeteile des Klosters irgendwie überlebt haben und das Schulhaus daher durch eine Reihe von Umbauten aus dem Kloster hervorgegangen ist. Der mir seit Jahrzehnten bekannte äußere Eindruck entspricht zweifelsfrei dem 20. Jahrhundert.

      - Das Haus Lindentorstraße 3 war denkmalgeschützt.


      externe Informationen:
      josefhebel.de/index.php?pg=popup_schrannenplatz_mm.php


      Bilder:

      Theaterplatz 4, Elsbethenschule, Abbruch: els - zukunft stadt mm - berichte

      Blick Richtung Westen über die Baugrube. Vorn rechts das Siebendächerhaus Lindentorstraße 7, dann Lindentorstraße 5, dahinter fehlen bereits Lindentorstraße 1 und 3: josefhebel.de/UserFiles/Image/…ten/Schrannenpl_02_gr.jpg

      Blick von der Nordostecke Richtung Westen:
      josefhebel.de/UserFiles/Image/…ten/Schrannenpl_03_gr.jpg

      Blick von der Nordostecke Richtung Südwesten:
      josefhebel.de/UserFiles/Image/…ten/Schrannenpl_04_gr.jpg

      Blick von der Südostecke Richtung Nordwesten - vorne rechts das (nicht denkmalgeschützte!) Haus Lindentorstraße 5:
      josefhebel.de/UserFiles/Image/…ten/Schrannenpl_05_gr.jpg


      Künftiger Zustand (?):
      josefhebel.de/UserFiles/Image/…ten/Schrannenpl_01_gr.jpg


      Webcam: els - zukunft stadt mm - webcam (Blickrichtung West)
    • Re: Memmingen

      Danke für die Informationen. Die schlimmste Nachricht ist natürlich:

      "Zeno" schrieb:

      Nr. 3 war in der Denkmalliste eingetragen: "Giebelhaus mit dreigeschossigem Giebel und Gesimsgliederung, 17./18. Jh."

      Letztlich nützen Eintragungen in Denkmallisten wenig, wenn von der Politik entsprechende Neubauprojekte forciert werden, denen bestehende Gebäude im Weg stehen (mit Blick auf zerstörte Altstadtbereiche in deutschen Großstädten ist das allerdings gar nicht mal so schlecht). Hat jemand ein Bild jenes abgerissenen Göldner-Hauses? Bleibt nur zu hoffen, dass man in Memmingen erkennt, dass weitere Verluste an Altbausubstanz dem Stadtbild nur schaden können. Ich möchte gar nicht darüber nachdenken, womit etwa Lindentorstraße 10 ersetzt werden würde - gerade bei ihr Umfeld weithin prägenden Eckbauten versagen Neubauten heutezutage ja praktisch immer.

      Was meint Ihr, wieviele von diesen Häusern es noch vor 30 Jahren gab?

      Wurden solche dem Verfall preisgegebenen Häuser nach langer Zeit wenigstens teilweise saniert oder war ihr Schicksal immer schlussendlich der Abriss?
      "Meistens belehrt uns der Verlust über den Wert der Dinge."
      Arthur Schopenhauer
    • Re: Memmingen

      Ja, dazu brauchst du nur die Adresse des verkleinerten Vorschaubildes erfragen (Rechtsklick auf das Bild und je nach Browser "Eigenschaften" oder ähnliches auswählen). Willst das verkleinerte Vorschaubild zusätzlich noch mit der großen Bilddatei verlinken, gilt folgende Formel:




      Quelle: wikipedia.de

      Schade um das schöne Häuschen. Noch dazu war es Juli 2008 augenscheinlich nicht einmal besonders verkommen - nach der Wende wurden in den neuen Bundesländern massenweise ganz andere (Härte)Fälle gerettet. Eine Sanierung hätte kein größeres Problem dargestellt.
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      Arthur Schopenhauer
    • Re: Memmingen

      Zunächst einmal möchte ich heute meiner Freude Ausdruck verleihen, mit dem APH-Forum eine Möglichkeit (gefunden) zu haben, meine Gedanken und meine Haltung zur Entwicklung der alten Stadtbilder hier ausdrücken zu können und mit Euch zu teilen und zu diskutieren. Was ich weiter unten in diesem Beitrag schreibe, ist nichts neues. In die 70er-Jahre gehen meine Erfahrungen diverser Altstädte insbesondere in Schwaben und Oberbayern zurück. Memmingen ist eine der Städte, die in diesem Raum von besonderer Bedeutung sind. So jedenfalls habe ich es stets gesehen, denn den Vergleich mit Nördlingen, der Krone unserer guterhaltenen Städte, braucht Memmingen nicht zu scheuen.


      "Georg Friedrich" schrieb:


      Was meint Ihr, wieviele von diesen Häusern es noch vor 30 Jahren gab?

      Wurden solche dem Verfall preisgegebenen Häuser nach langer Zeit wenigstens teilweise saniert oder war ihr Schicksal immer schlussendlich der Abriss?

      Nun, meine Frage war eine rhetorische. Die Zahl dieser Häuser weiß ich nicht und schon gar nicht habe ich (mir) eine Liste davon (gemacht). Dazu hatte ich zu selten Gelegenheit, Memmingen zu besuchen, um eine genaue Beobachtung der baulichen Veränderungen vorzunehmen. Ich weiß aber, dass Memmingen einst eine Fundgrube alter Häuser war. Es gab viele einfache Bauten des letzten Jahrhunderts, aber zwischendrin gab es immer und immer wieder ältere Bauten, die mit ihrer Art Memmingens Altstadt lebendig machten. Es ist auch glücklicherweise bei weitem nicht so, dass es sie heute nicht mehr geben würde. Aber ihre Zahl ist kleiner geworden. Manche wurden wiederhergestellt und erstrahlen heute wieder. Ein Teil ist verschwunden und wenn ich auch keine Zahl nennen könnte, so habe ich doch den Eindruck gewonnen, der größere Teil (der einfacheren Häuser) ging durch Abbruch verloren.

      Dass bei einem Neubau nicht immer etwas besseres nachkommt, brauche ich in diesem Forum nicht zu betonen. Leider war dies immer wieder zu beobachten. Ein markantes Beispiel befindet sich unmittelbar neben dem Elsbethenareal:

      Das Haus Gerberplatz 7 ist das nördliche Nachbarhaus des Siebendächerhauses (= Lindentorstraße 7, aber auch am Gerberplatz). Wer Memmingens Schicksal im Krieg kennt, weiß, dass der südöstliche Teil der Altstadt beschädigt war. Das kriegsbeschädigte Siebendächerhaus wurde wiederhergestellt, ist es doch ein identitätsstiftendes Wahrzeichen der Stadt. Nördlich daneben hat sich ein kleines Haus erhalten, das wir auf den nachfolgenden Bildern rechts (= nördlich) des Siebendächerhauses mehr oder weniger gut erahnen können:
      Sommer beim Siebendächerhaus, Memmingen:: MGRS 32UNU8815 :: Geograph Deutschland
      File:Siebendaecherhaus2000-1.jpg - Wikimedia Commons
      cityalbum.de/germany/bay/tn_jw046335.gif (sehr klein)

      Eines Tages aber musste ich entdecken, dass an seiner Stelle nun ein Neubau steht:
      commons.wikimedia.org/wiki/Fil…genSiebendaecherhaus1.jpg
      siebendaecher.de/Bilderordner/sitz.jpg (sehr klein)

      Spätestens damals habe ich begonnen, daran zu zweifeln, ob das alte Memmingen noch eine Zukunft hat.

      Gerade wegen seiner Nachbarschaft zu dem prominenten Großbau stellt es eine große Enttäuschung dar. Das Haus fügt sich in seinen Proportionen und seiner Zurückhaltung ein. Aber seine Fenster! Da schüttelt's einen. Kalt und leer stehen sie vor dir und unterstreichen damit die Ungemütlichkeit des glatten, kalten Neubaus. Nie habe ich mich an diesen Neubau gewöhnen können. Wenn man weiß, wie es vorher dort aussah, sehnt man sich zurück nach der alten Gemütlichkeit. In meiner Vorstellung steht da wie selbstverständlich das alte Haus. Und wenn ich das nächste Mal hinkomme, wird es für mich wieder ungewohnt sein, so einen Kühlschrank von Haus dort vorzufinden.


      Zum Abschluss aber habe ich noch etwas Versöhnliches. So um 1980 rum wurde hier kräftig abgebrochen und fast alles neu bebaut. Und das kam dabei raus - die erhaltene Kapelle wurde in den Neubau integriert:

      Spitalgasse 3: de.wikipedia.org/w/index.php?t…nnenkloster_Memmingen.jpg
    • Re: Memmingen

      @ Zeno

      Deine Ausführungen zu Memmingen lese ich mit größtem Interesse und auch bezüglich des kleinen nördlichen Nachbars des 7Dächerhauses ging es mir ganz genauso. Und Lindentorstraße 3 ist natürlich ein herber Verlust, noch dazu in dieser vom 2. WK stark in Mitleidenschaft gezogenen Ecke der Altstadt und ein gutes Bsp. für den Wert von Unterschutzstellungen. Beim letzten Besuch vermisste ich auch Gerberplatz 4 östlich ggü. dem 7Dächerhaus, laut Denkmalliste ein Stadtbauernhaus um 1530, das scheint auch irgendwann in den letzten 20 Jahren abgerissen worden zu sein. Die besonders urigen mehrgeschossigen hölzernen Balkone der Rückgebäude des Gerberhauses Ulmer Str. 34 gibt es zwischenzeitlich auch nicht mehr. Auch scheinen nicht wenige älter wirkende Häuser in der Denkmalliste zu fehlen (ob es was bringen würde, sei dahingestellt), wo ist z.B. das hohe Gebäude Zum Storchennest mit dem Woolworth in der Kalchstraße (Hausnummer fand ich keine, müßte aber Nr. 4 sein, oder habe ich das auch wie Lindentorstr. 3 übersehen)?

      Der Vergleich mit Nördlingen passt sehr gut (auch Dinkelsbühl könnte man durchaus heranziehen), Memmingen hat ja noch recht viel von der Stadtbefestigung und auch immerhin noch 5 Tore, bedeutende Kirchen, einen beachtlichen - zwischenzeitlich aber eben leider nicht nur durch den 2. WK reduzierten - Häuserbestand, der vielfach noch in das 15. oder 16. Jh. zurückreicht (überraschend viele - wenn auch fast durchwegs verputzte - stark vorkragende Fachwerkhäuser). Es ist jammerschade, dass in MM in den letzten 6 Jahrzehnten soviel abgerissen und erneuert wurde und wird, da hätte einiges mit ein bisschen Willen wieder instandgesetzt werden können. Was es noch vor z.B. 30 Jahren an weiteren altertümlichen und inzwischen abgebrochenen Gebäuden gab, wäre tatsächlich interessant. Bleibt zu hoffen, dass von den nicht wenigen derzeit leer stehenden und verlotterten Bürgerhäusern so viele wie irgend möglich gerettet werden, viel Hoffnung habe ich da aber nicht.

      Trotz der Abrisse, für mich zählt Memmingen nach wie vor zu den interessantesten und besuchenswertesten Städten Süddeutschlands. Vielleicht die bayernweit am meisten unterschätzte Stadt (in Konkurrenz zu Amberg)?
    • Re: Memmingen

      Auf dieser älteren Aufnahme von 1957 ist noch der Vorgänger des Betonklotzes (Drogerieladen Müller) an der Ecke Schrannenplatz / Kramerstraße zu sehen:


      http://www.bildindex.de\r
      www.bildindex.de

      Noch ein wohl im 2. WK zerstörtes nicht mehr vorhandenes Gerberhaus in der Hinteren Gerbergasse (1944):

      http://www.bildindex.de\r
      www.bildindex.de
    • Re: Memmingen

      @ Markus:

      Wieder darf ich sagen, dass Du mir aus der Seele sprichst. Deinen Beitrag (vom 23.04., 23.52 Uhr) kann ich vollinhaltlich unterstreichen, insbesondere auch den letzten Absatz.

      Nun, ich versuche auf die genannten Punkte einzugehen, aber es ist soviel, was ich von Memmingen berichten könnte. Gestern und heute sind mir wieder diverse Erinnerungen gekommen. Aber nicht alles weiß ich genau und versuche mein unvollständiges Wissen zu ergänzen. Daher ist es wohl sinnvoll, nach dem Grundsatz "eines nach dem anderen" vorzugehen. Daher zunächst nur zu den von Dir explizit angesprochenen Punkten.

      Bisweilen ist es ganz schön schwer, aus der Erinnerung rauszukramen, wie eine bestimmte Stelle vor ca. 20 Jahren ausgesehen hat.


      @ alle:

      Bilder:
      commons.wikimedia.org/wiki/Category:Buildings_in_Memmingen ist eine Fundgrube großartiger Bilder! Ich muss es gelegentlich durchsehen und kann natürlich zu einigen Bildern Informationen liefern.

      Lindentorstraße 3:
      Irgendwie meine ich mich erinnern zu können, schon in den 70er-Jahren an dem Haus vorbeigegangen zu sein und dabei den schleichenden Verfall bemerkt zu haben.

      Gerberplatz 4:
      Meine Erinnerung sagt mir, dass an der Ostseite in den 80ern Baumaßnahmen waren (am Nordende des Platzes, wo er in die Schwesterstraße mündet, sowieso). Es kann sein, dass Lindentorstraße 9 und Gerberplatz 5 neu gebaut wurden. Möglicherweise war damals schon die Frage, wie es mit Nr. 4 weitergeht.

      Ulmer Straße 34:
      In der Gegend wurde in den letzten Jahren gebaut. Auch die Ulmer Vorstadt ist immer dabei, wenn es darum geht, die Altstadt zu modernisieren. Auch hier kann ich leider keine genauen Details weitergeben.

      Kalchstraße 4, Haus zum Storchennest ("Woolworth"):
      commons.wikimedia.org/wiki/File:StorchennestMM1.JPG, aber auch File:Blickueberoststadt1.JPG - Wikimedia Commons !
      Ich meine, mir bereits vor 20 Jahren die Frage gestellt zu haben, warum sich die Denkmalliste zu einem der großartigsten Häuser der Altstadt ausschweigt. Woolworth müsste so Mitte der 80er-Jahre eingezogen ein und wenn mich nicht alles täuscht, dann gab es vorher umfangreiche Bauarbeiten an dem Haus. Möglicherweise wurde damals festgestellt, dass die historische Substanz doch nicht denkmallistenrelevant wäre. Sehenswürdigkeiten in Memmingen – Wikipedia sagt hierzu:
      Das heutige Warenhaus Woolworth, ursprünglich aus drei Häusern bestehend, war früher die Gastwirtschaft zum Storchennest. Noch heute zeugt ein Storchennest auf dem Kamin davon.


      generell:
      Sehenswürdigkeiten in Memmingen – Wikipedia sagt hierzu:
      Im Bereich des Theaters wurden in der Vergangenheit viele baufällige Häuser abgerissen und durch neue, meist in das Altstadtbild passende Gebäude ersetzt.

      Das halte ich für unausgewogen. Mit "baufällig" wird assoziiert, dass die Gebäude ohnehin nicht mehr zu retten gewesen wären. Und es war wirklich nicht nur rund um das Theater. Es war im ganzen Südosten der Altstadt, in etwa südlich der Maximilianstraße und östlich der Achse Kramerstraße - Schrannenplatz / Rabenstraße. Da wurde wirklich ordentlich aufgeräumt. Man hatte bisweilen den Eindruck, die Frauenkirche läge schon außerhalb der Altstadt. Eine bemerkenswerte Häusergruppe müsste es noch in der Ottobeurer Gasse 6, 6 b, 8, 8 a, 8 b geben. Als ich vor vielen Jahren das letzte Mal vorbeiging, waren sie schon recht runtergekommen und dementsprechend urig.
    • Re: Memmingen

      Gerberplatz 4

      Soeben habe ich diese Bilder von Gerberplatz 5 gefunden:
      static.panoramio.com/photos/original/18221501.jpg
      static.panoramio.com/photos/original/18221568.jpg
      Interessanterweise wird dieses Haus als "Stadtbauernhaus" bezeichnet. Das jetzige Haus steht schon länger.
      Links daneben Gerberplatz 4 (man sieht ja die am Gebäude angebrachte Hausnummer). Da könnte ich jetzt nicht sagen, wann das gebaut wurde.
      Was man immerhin sieht, ist, dass die Gebäude grundsätzlich angepasst sind, was heute nicht mehr selbstverständlich ist.
    • Re: Memmingen

      Zwei Fälle, in denen stadtbildrelevante Gebäude gerettet wurden:

      Martin-Luther-Platz 1, Antonierhaus

      Wie selbstverständlich gehört das Antonierhaus (Antonierkloster, Antoniterkloster) heute zu den Sehenswürdigkeiten Memmingens. Anfang der 80er-Jahre aber drohte Memmingen eines seiner hochrangigen Denkmäler zu verlieren.

      Im Südwesten der Gründungsstadt (Welfenstadt) lag die Burg Herzogs Welfs VI.. Seine Nachfolge an diesem Platz trat das Kloster der Antonier an, das sich in den 70er-Jahren als heruntergewirtschaftete, verfallende Anlage präsentierte. Der Verfall ging schließlich so weit, dass mit dem Verlust der Gesamtanlage gerechnet werden musste. Schließlich konnte das Haus durch die Stadt übernommen und damit gerettet werden. In den darauffolgenden Jahren wurde die Gesamtanlage wiederhergestellt.

      Antoniterkloster Memmingen – Wikipedia

      Das Antonierhaus in Memmingen - Fraunhofer IRB - baufachinformation.de
      Sanierungsmanahmen und Nutzungskonzept fr das Antonierhaus in Memmingen - Fraunhofer IRB - baufachinformation.de
      Baugeschichte des Antonierhauses in Memmingen - Fraunhofer IRB - baufachinformation.de

      Blick von Nordosten: Kutter Bauunternehmung GmbH & Co.KG
      Blick von Westen: Kutter Bauunternehmung GmbH & Co.KG


      Weinmarkt 6, 8, Weinhaus Knöringer

      Es war in den 00er-Jahren, als plötzlich die Nachricht erschien, der Eigentümer wolle eines der beiden Häuser oder beide abbrechen. Die Bürger hingegen fanden die Idee garnicht gut und schließlich wurde es dann doch saniert!



      insbesondere @ Markus:
      noch mehr Informationen gewünscht?