Heidelberg (Galerie, Bilder teilweise gelöscht)

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    • Was haltet ihr eigentlich vom Haus zum Ritter (1592), angeblich das älteste Bürgerhaus Heidelbergs, das allen Stadtzerstörungen entging. Müsste dieses Haus nicht viel bekannter sein und zu den prachtvollsten der deutschen Renaissance gezählt werden? Für die häufig anzutreffende Meinung, Heidelberg sei vom Denkmalbestand her eigentlich drittklassig, stellt dieses Haus für sich allein genommen bereits ein gewisses Problem dar, denn wie viele solcher Häuser gab oder gibt es schon in Deutschland?


      Wie gesagt, ich habs nie in natura gesehen, weil es damals völlig verhüllt war. Auf dem Bild sieht es fürwahr prächtig aus. Mir fallen nur zwei Pendants ein: die beiden Erfurter Fischmarkthäuser, die mir von der Komposition her wahrscheinlich sogar besser gefallen (die kenne ich sogar), wenngleich sie puncto dekorativem Reichtum nicht mithalten können. Weitere (schwächere) Beispiele könnte man zB in Görlitz finden, ev. auch im Weserrenaissancegebiet. Das Nürnberger Beispiel (das ich jedoch nicht ganz so formal geglückt einschätze) wäre natürlich das verlorene Pellerhaus.
      Ein schon in der Gründerzeit verloren geganges Beispiel wäre die Nikolaistraßen- Fassade von Deutrichs Hof in Leipzig. Die (nicht ganz auf dieser Höhe befindlichen) Hannoveranischen Beispiele Haus der Väter und Leibnizhaus muss man insgesamt wohl als Kriegsverluste betrachten, nicht zum Glück das ungleich wertvollere Gewandhaus zu Braunschweig.
      Insgesamt sind solch erlesene Häuser natürlich Mangelware.
      ... dass jeder troglodytischen Lebensart, beruht sie nur fest in sich selbst, etwas schlechthin faszinierendes eignet, überhaupt für solche, die einen Ansatz dazu schon besitzen und mitbringen, der dann nur noch einer gewissen Entwicklung bedarf. (HvD)

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von ursus carpaticus ()

    • Literaturtipp

      Für alle, die sich näher mit dem barocken Wiederaufbau Heidelbergs beschäftigen möchten, kann ich diese Publikation wärmstens empfehlen:

      Heidelberg im Barock - Der Wiederaufbau der Stadt nach den Zerstörungen von 1689 und 1693. Begleitband zur Ausstellung im Kurpfälzischen Museum der Stadt Heidelberg vom 15. März bis 21. Juni 2009. Hrsg. von Frieder Hepp und Hans-Martin Mumm. Heidelberg 2009

      Das Buch ist bei Frölich & Kaufmann für 14,95 Euro erhältlich!

      Das Haus zum Ritter ist schon sehr bekannt und ist im Dehio als bedeutendstes Bürgerhaus der Stadt immerhin mit einem Sternchen* versehen. Und in den meisten Überblickswerken zur Baukunst der Renaissance in Mitteleuropa ist es eigentlich zu finden.
    • Meine persönliche Einschätzung zur Gesamtsituation in Heidelberg:Heidelberg vereint unterschiedlichste Viertel vielfältigster Prägung. Die Stadt bietet im Prinzip seit 1693 alles, was es seit damals an architektonischer Entwicklung gab. Die Altstadt ist in ihrer Geschlossenheit in Baden-Württemberg natürlich einzigartig! Die Lage und die Verknüpfung aus Stadt, Land, Fluss ist wunderschön. Der Arme-Leute-Barock besticht durch seine Vielfalt, trotz extrem begrenzter Schmuckformen (Oberlichter, Ohrenfenster, Eckmadonnen, Zwerchhäuser). Kommt dadurch zustande, das jedes Haus in Breite, Höhe und Farbe leicht variiert. Die Bausünden sind zum Glück sehr begrenzt. Bergbahntalstation, Kaufhof in der Hauptstraße, Bibliothek des theologischen Seminars, Neuphilologische Fakultät, Triplex-Mensa. Mit Abstrichen noch Herrenmühle. Heute ist einigermaßen schönes Wetter, vll schaff ichs Fotos zu machen.

      Zur Altstadt gesellen sich noch:
      Weststadt: Gründerzeitviertel, s.o.
      Bergheim: V.a. durch das ehemalige Klinikum Bergheim geprägt, Aktienbrauerei, Altes Hallenbad, einige Gründerzeitler, das neue Viertel bei der alten Glockengießerei, nicht wirklich spektakulär
      Neuenheim: Ehemaliges Dorf, hier schon römische Besiedlung, teils noch Dorfcharakter, viel Gründerzeit, Villenviertel, sehr grün. Wunderschön zum Wohnen! Auch für Studenten.
      Handschuhsheim: Heute noch sehr dörflicher Charakter. Wunderschön, Fachwerkhäuschen, die Tiefburg, Schlösschen mit Schlossgarten. Sehr familienfreundlich, wie die Weststadt im Übrigen auch.
      Südstadt: Bekannt durch den Bergfriedhof, einer der schönsten Friedhöfe die ich kenne, hier liegt viel Prominenz. Ansonsten viele Gebäude vom Anfang des 20 Jahrhunderts und der Zwischenkriegszeit.
      Rohrbach, Kirchheim: Dörflicher Charakter, viele Gebäude aus dem 20. Jahrhundert
      Emmertsgrund/Boxberg: Jede Stadt braucht ihr Skandalviertel. Der Emmertsgrund und Boxberg, 70er Jahre, genießen einen sehr schlechten Ruf. Sozialwohnungsbau und Mietshochhäuser, viel Kriminalität, Immigrantenviertel. Der Emmertsgrund und Boxberg liegen leider herrlich. Ich persönlich finde es nicht so schlimm, Studienkollegen wohnen da oben. Der schönste Blick auf die Rheinebene. Und im Vergleich zu anderen Problemvierteln in MA z.B. ist es doch eher ruhig. Und sehr grün! Und die Emmertsgrundjungs verschlägts nur SAmstag und Freitag Abend in die Altstadt. ;-)
      Bahnstadt: Das größte und aktuellste Projekt. Der ehemalige Güterbahnhof und die Bahnanlagen wurden abgerissen, modernste Bebauung entsteht. Viertel mit Urbanität solls werden. Naja.... Funktionsmischung. Leben, wohnen, arbeiten, einkaufen. Die Architekur indes ist gar nichts für mich.....
      Neuenheimer Feld: Kein eigenes Vietel, gehört zu Neuenheim. Universitätscampus, sog. "Theoretikum", 60er Jahre Bauten. Stell ich mal extra. Selten etwas hässlicheres und abstoßenderes gesehen. Ich muss zwangsläufig aufgrund meines Studiums ab und zu da hin. Mich ekelt es jedes mal aufs Neue.... :kotz:

      Fotos folgen
    • Ausführlicher Bericht, kann man so unterschreiben. Nur: Armeleute-Barock ist das nicht. So ist der potestantisch geprägte Barockstil eben. Ludwigsburg ist auch so, vom Schloss mal abgesehen, so war auch Mannheim. Nach aussen sind auch die Adelspalais so, innen aber oft kostbar ausgestattet. zumindest waren sie das. Beispiel: das Palais Bretzenheim in Mannheim.

      frank66furt.de/burgen/bw/68161palais.JPG
      Der deutsche Pfad der Tugend ist immer noch der Dienstweg.
    • Arme-Leute-Barock deshalb, weil die Einwohner Heidelbergs, soweit noch am Leben, nach 1693 eine komplett zerstörte Stadt wiederaufbauen mussten und Geld für großartige architektonische Schönheiten erstmal nicht vorhanden war. Daher wurde auch das Heidelberger Standardhaus entwickelt, das probeweise an der Marktplatz-Nordseite verwirklicht wurde. Nach diesem Vorbild wurden mehr oder weniger alle Wohnhäuser gestaltet. Es gibt noch einige wenige Häuser, die noch nicht nach diesem Muster gebaut sind und teilweise noch giebelseitig stehen. Blöd, wenn man keine Fotos hat..... Mist.
    • Danke für die Infos, dennoch war der Barock in protestantischen Gebieten oft zurückhaltender. Überbordende Fassaden wie in Bayern oder Österreich findet man selten. Passte wohl nicht in die lutherisch-pietistische Mentalität. Das Mannheimer Schloss war ja, im Gegensatz zu seinem leider weitgehen zerstörten, erlesen ausgestatteten Innern, eher schlicht. Sicherlich ist die Schlichtheit auch wirtschaftlichen Zwängen geschuldet. Die Standard-Häuser würden mich mal interessieren. Kannst ja vielleicht mal nachreichen :smile:
      Der deutsche Pfad der Tugend ist immer noch der Dienstweg.
    • Pfälzer Bub schrieb:

      Nur: Armeleute-Barock ist das nicht. So ist der potestantisch geprägte Barockstil
      So kann man das nicht sagen. Der kurpfälzer Hof war katholisch, und in Mannheim dominiert das katholische Element (siehe Jesuitenkirche), obschon in der Kurpfalz die beiden Konfessionen etwa gleich stark vertreten sind. In Heidelberg war meines Wissens sogar die Heiliggeistkirche, die gotische Hauptkirche, lange Zeit zweigeteilt zum gerechten Ausgleich zwischen den beiden Konfessionen.
    • Grimminger schrieb:

      Ich kann nicht ganz verstehen, dass Heidelberg hier nicht so sehr gewürdigt wird, wie es das verdient hätte.
      Verstehe ich auch nicht - aber in diesem Forum muß man sich damit abfinden, daß unterschiedliche Nutzer ganz unterschiedliche Maßstäbe anlegen. So ist das eben... :augenrollengruen: cool:)

      Heidelberg hat, neben dem Ritter, herausragende Gebäude des Barock wie die Jesuitenkirche, Profanbauten wie das Palais Rischer, das Medersche Haus, die Hofapotheke, das Haus Cajeth, das Palais Boisserée, den Wormser Hof, das Haus Buhl, Haus Nebel, Haus Traitteur, das Palais Weimar, die Alte Universität, das Karlstor und so weiter. Das barockisierte Brückentor aus dem 14. Jahrhundert, die Heiliggeistkirche, der weitläufige Marstall, die Peterskirche und der Hexenturm stellen leider die letzten mittelalterlichen Reste der Stadt (Bzw. Altstadt) dar. Weiterhin herausragend dürfte die im Jugendstil erbaute Universitätsbibliothek von Josef Durm ( 1902 begonnen ) sein. Wohl eine der schönsten Universitätsbibliotheken Deutschlands.
      Keine Frage - Heidelberg hat unheimlich viel zu bieten. Es ist allerdings auch zum Haareraufen, wie viele Bauten in den letzten 50 Jahren vernichtet worden sind. Wenn ich denke, was in der Altstadt alles abgerissen wurde, und in der Regel hat man nicht mal die Fassaden verschont bzw. rekonstruiert oder wenigstens wie beim Prinz Carl oder dem Darmstädter Hof historisierend gebaut, sondern man hat geballte modernistische Häßlichkeit hingesetzt, wie etwa beim Abriß des Weinbrennerbaus und der Reithalle am Marstall, beim Bau der beiden (heutigen) Kaufhof-Kästen, für die reihenweise Altstadthäuser abgerissen wurden. Auch die von Dir zu recht hervorgehobene Uni-Bibliothek ist im Innern leider nur noch teilweise erhalten - der alte prachtvolle Lesesaal ist in den 60er Jahren mitsamt der Hoffassade komplett zerstört worden; kann man alles auf den alten Bildern im Foyer sehen.

      Heidelberg ist wunderbar. Aber auch in dieser Stadt haben die Idioten gewütet und zum Glück ist ihr Zerstörungswerk unvollendet geblieben.



      P.S.: Bei Zeit stelle ich Bilder ein. Auch vom Alten Städtischen Hallenbad, das gerade komplett saniert wird und, leider, in ein Einkaufszentrum umgewandelt wird.


      Ja, bitte! Das würde mich sehr interessieren.
    • Einerseits wunderschön, andererseits schmerzhaft, da man sieht, was in vielen Städten verloren gegangen ist.

      Vielleicht kann die gepflegte Altstadt, die weitgehend autofrei ist, als Vorbild für andere Städte nützen: Heidelberg zieht aufgrund seines Flairs und seiner Lebensqualität viele junge Menschen an, schafft Arbeitsplätze im Bereich Bildung und Wissenschaft und ist auch sonst sehr "erfolgreich" (Einwohnerentwicklung, Arbeitslosigkeit, Stadthaushalt).
      Häßliche Investorenbebauung und dicke Straßen, auf denen die Menschen zum Einkaufen in Innenstädte fahren (die dann wiederum wie Gewerbegebiete aussehen), sind also auch wirtschaftlich nicht die einzige "Lösung".
    • @Saxonia

      Diese relativierung von Altstadte ist auch nervig - Heidelbergs einmaligkeit liegt an seine Lage. Ich bin gerade jetzt in Heidelberg und die Lage ist einmalig schon. Wenn man steht auf die Alte Brucke und am Philsophenweg denke ich nicht an Braunschweig und Kiel. Diese gedanke "eine Alstadt under viele" hat ja nicht mit wirklichkeit zu tun. Touristen kam ja schon in Horden zu Mark Twain Zeit die einmalige Symbiois von Schloss, Fluss, Berg und Altstadt zu geniessen. So sagt mich welche Altstadt hatte eine schonere Lage?

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Johan ()

    • Ach, Altstädte mit herausragender Lage/Szenerie gibts schon einige. Passau, Füssen (Alpenkulisse!), Berchtesgaden, Monschau, Bernkastel-Kues, Meersburg, Rüdesheim (auch weltbekannt), Lindau, Rothenburg, Schwäbisch Hall, Landshut, Burghausen, Würzburg, Quedlinburg, Meißen, Baden-Baden, Sigmaringen, Bamberg, Freiburg, Bautzen, Radebeul, Bad Ems, Stolberg/Harz, Lübeck, Stralsund, Malchow, fallen mir jetzt so einigermaßen spontan ein... Gibt sicher etliche kleine mehr, die nicht so bekannt sein mögen, aber ebenfalls Symbiosen aus Burgen/Schlössern, Wasser, Bergen/Hügeln und Altstädten bieten.
      Basis guter Architektur nach Vitruv:
      Schönheit ۩ Nützlichkeit ۩ Stabilität
      Schönheit wird von zu vielen Architekten ignoriert.
    • Na, aber diese Liste ist ja nicht Ernst. Die meiste sind klein und unbekannt. Ich wurde sagen dass Heidelberg war und ist die Sinnbild von deutsche Romantik. Eine Schlossruine auf ein bewaldete Landschaft - durch die Stadt kommt Neckar und zigtausend Touristen. Fragt jede Ami oder Japaner falls Stralsund und Malchow die Sinnbild von Deutsche romantik seien konnte. Manche (verwirrte durch jetlag) wurde vielleicht sagen Rudesheim, vielleicht nennt jemand Bamberg und Passau aber die sind schon insider. Heidelberg ist von nicht-Deutschen die beruhmstete historische Stadt.

      Finde ich dass es die schonste Altstadt Deutschland ist? Fur mich ist Erfurt, Bamberg, Regensburg und Lubeck deutlich intressanter aber keine Stadt bietet in diese grossenordnung (Lies mal Grosstadt) so eine pragende Panorama in Deutschland - Osterreich bietet da ein Pendant Salzburg - auch auf die Route die internationale Touristenstrasse

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Johan ()

    • ch meine, Johan hat schon recht. Natürlich gibt es eine ganze Reihe malerisch gelegener Altstädte in Deutschland und im deutschsprachigen Ausland, selbst solche am Wasser. Aber es kommt nicht von ungefähr, dass Heidelberg die meistbesungene deutsche Stadt ist (am berühmtesten die Heidelberg-Hymne von Hölderlin). Der Zusammenklang von Stadt, Burg, Bergen, Fluss und historischer Brücke ist nun mal einzigartig, zumal sich diese Szenerie am spektakulären Ausgang eines engen Tales in die weite Ebene abspielt. Der dominante rote Sandstein der Gebäude, das Grün der Bergwälder und die Bläue des erstaunlich breiten Flusses bieten einen hinreißenden Zusammenklang, und es nimmt nicht Wunder, dass die Aliierten just dieses Stadtjuwel bewusst von der Bombardierung ausnahmen. Es kann sein, dass Heidelberg die einzige deutsche Stadt war, die mit Absicht verschont wurde (?). .
    • Soweit ich weiß, wurde Heidelberg verschont, weil den Amis recht bald klar war, daß sie dort eines ihrer Hauptquartiere anlegen wollen und dafür eine intakte Stadt von Vorteil war. Vor 1945 war Heidelberg als Studenten- und Romantikstadt sicherlich bekannt, hatte aber keinesfalls den Ruf von heute. Diese - relative - Besserbewerung hing natürlich mit der Zerstörung anderer Studentenstädte zusammen, wie z.B. Freiburg, Würzburg, Göttingen.

      Heidelberg ist eine Stadt mit unglaublicher Ausstrahlung, für die nicht nur die Altbausubstanz sorgt, sondern das ganze Drumherum: Studenten, junge Menschen, Lage... Und das gibt es in D nicht mehr so wahnsinnig oft.
    • Johan fragte nunmal in erster Linie nach der Kombination Lage & Altstadt, und ich habe Beispiele genannt. Heidelberg ist schon sehr bekannt. Als "prototypischer" für die deutsche Altstadt wird aber eindeutig eher Rothenburg wahrgenommen. Heidelberg als Barockstadt bietet ja so gut wie kein Sichtfachwerk.

      Im globalen Architekturforum Skyscrapercity stellte ich fest, dass viele bei deutschen Altstädten häufig als erstes an Dresden denken. Insofern erstaunlich, als dass man dort ja nur einen sehr komprimierten, wiederaufgebauten Altstadtteil in einer Art städtebaulicher Wüste hat. Aber die Ausstrahlung der Rekonstruktionsprojekte ist schon enorm, im weltweiten Maßstab.
      Basis guter Architektur nach Vitruv:
      Schönheit ۩ Nützlichkeit ۩ Stabilität
      Schönheit wird von zu vielen Architekten ignoriert.
    • Philoikódomos schrieb:

      Der Zusammenklang von Stadt, Burg, Bergen, Fluss und historischer Brücke ist nun mal einzigartig, zumal sich diese Szenerie am spektakulären Ausgang eines engen Tales in die weite Ebene abspielt. Der dominante rote Sandstein der Gebäude, das Grün der Bergwälder und die Bläue des erstaunlich breiten Flusses bieten einen hinreißenden Zusammenklang, und es nimmt nicht Wunder, dass die Aliierten just dieses Stadtjuwel bewusst von der Bombardierung ausnahmen.
      Das hast du wundervoll zusammengefasst!
    • Mythos der Verschonung Heidelbergs

      Der Mythos, Heidelberg wurde extra von Bombardements verschont bzw. es habe niemals Angriffe auf Heidelberg gegeben, geistert tatsächlich immer noch in der Weltgeschichte herum. Auch Heidelberg hatte, wenn auch nur vergleichsweise sehr geringe, Bombenangriffe über sich ergehen zu lassen. Hierbei jedoch vor allem im Gebiet des Stadtteils Bergheim, dort wo sich heute die Kurfürstenanlage und der Hauptbahnhof befindet, sowie Angriffe auf die Neckarbrücken, Neuenheim und Tieffliegerbeschuss. Auch in Heidelberg sind hierbei einige dutzend Menschen ums Leben gekommen.
      Natürlich wird in der Stadt heute immer noch gerne behauptet, man hätte die Stadt deshalb verschont, weil sie so schön und romantisch und außerdem in Amerika, vor allem durch Mark Twain,so beliebt gewesen sei. Weiterhin wird gerne argumentiert, die Amerikaner wollten in der Stadt wohnen und studieren und sie weiterhin als Hauptquartier nach dem Krieg nutzen. Hierfür gibt es keine Belege. Fakt ist, dass Heidelberg keinerlei kriegswichtige Industrie besaß und auch heute noch keine nennenswerte Industrie aufweisen kann. Heidelberg war seit jeher eine Verwaltungs- und vor allen Dingen Universitätsstadt. Außerdem hatte die Stadt das "Glück", 1693 komplett im Pfälzischen Erbfolgekrieg zerstört und danach quasi komplett aus Stein wiedererrichtet zu werden. Dadurch ergab sich eine sehr schlechte Brennbarkeit, die Städte wie Nürnberg, Lübeck, Hamburg oder Pforzheim durchaus aufwiesen. Die Lage im Süden Deutschlands bot natürlich zumindest bis 1943 auch einen gewissen Schutz. Heidelberg hatte offensichtlich vor allem Glück, dass der Krieg im Mai 1945 zu Ende war und dass die Stadt, gerade noch so, kampflos den aliierten Truppen übergeben wurde.

      Die größte Kriegszerstörung in der Stadt stellte übrigens die Sprengung der Neckarbrücken durch die Wehrmacht vom 27.-29. März 1945 dar. Hierbei hat es auch bei der Heiliggeistkirche und umliegenden Häusern in der Altstadt die Scheiben rausgehauen. Glücklicherweise war die Alte Brücke, deren zwei mittleren Pfeiler gesprengt wurden, bis 1947 wieder vollständig aufgebaut.
    • Grimminger schrieb:

      Der Mythos, Heidelberg wurde extra von Bombardements verschont bzw. es habe niemals Angriffe auf Heidelberg gegeben, geistert tatsächlich immer noch in der Weltgeschichte herum.

      Heidelberg werden wir schonen,
      denn dort wollen wir wohnen


      liest man ja dazu gelegentlich. Dass ein Befehlshaber der US-Luftwaffe als Jungspund in Heidelberg studiert hatte und die Stadt, die ihm ans Herz gewachsen war, deshalb nicht zerstören wollte, habe ich auch mal gehört - ich glaube, da gibt es eine Vielzahl von Legenden.

      Tatsächlich in erheblichem Maße zerstört wurde Heidelberg dann allerdings in den 60er und 70er Jahren. Und dazu habe ich mal gelesen, dass manch ein Stadtplaner und Kommunalpolitiker in HD klammheimlich ein wenig neidisch auf andere, kriegszerstörte Städte gewesen sei, weil diese ja durch die Flächenbombardements plötzlich so viel Platz und Gestaltungsmöglichkeiten für moderne Architektur und autogerechte Stadt hatten. Widerlich, aber durchaus glaubwürdig.