Wiesbaden - zwischen Abriß und Neubau, Sanierung und Umbau

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    • Fertig geworden ist der neue Komplex am Platz der Deutschen Einheit - Büros, Geschäfte und eine Sporthalle:



      Ja, sieht nicht gerade überragend aus, aber man vergleiche mal mit demselben Blick vor ca. drei Jahren:




      So gesehen, muss ich dennoch von einer städtebaulichen Verbesserung sprechen.

      Zumindest das Fassadenmaterial wirkt in natura recht wertig, und für eine Sporthalle sieht das Ganze nicht mal verkehrt aus.





      Von der neuen Halle profitiert nicht nur die gegenüber gelegene Elly-Heuss-Schule (auf dem zweiten Bild ganz links zu erkennen), sondern auch der VC Wiesbaden, eine erfolgreiche Bundesliga-Frauen-Volleyballmannschaft, dessen alte Halle nicht mehr für den Bundesliga-Spielbetrieb zugelassen wurde.

      Noch eine kleinere Veränderung in der Innenstadt:

      Die üble 60er-Jahre-Bausünde in der Neugasse



      sieht nach Umbau jetzt so aus:



      Schön ist anders, aber weniger häßlich als vorher ist die Fassade jetzt zweifellos. Immerhin.
    • Mit der Sporthalle des Komplex d. D. E. kann man sich ja abfinden, die gibt eh was her. Aber der Bürokasten mit den unregelmäßig verteilten Quadratfenstern ist höchst eigenartig. Komplett unruhig und sonst eigentlich auch nichts. Das wirkt eher wie ein grauenvoller Auswuchs eines verrückten Künstlers/Architekten. Passt miserabel ins Straßenbild und noch schlechter zur so klaren, ruhigen Sporthalle.

      Das alte Haus in der Neugasse hat mir da besser gefallen. Nicht, dass es schön war, aber mit den Erkern (immerhin versuchte Anpassung an die Umgebung) war es zumindest interessant. Die neue Fassade sieht aus wie die einer Lagerhalle oder eines Fabriksbaus. Absolut ohne auch nur ansatzweise, minimale gestalterische Bemühungen und nebenbei mit den langen Fensterbändern viel zu flach, lang und schwer für eine solche Straße. M. E. hätte es eigentlich nicht schlimmer kommen können. In 10 Jahren ist dann auch der Neu-gebaut-Bonus weg und es handelt sich wirklich nur mehr um einen primitiven Kasten, den man dann hoffentlich wieder einmal neu gestaltet. Weil schlimmer kann es gar nicht kommen.
    • -Tobias- schrieb:

      In 10 Jahren ist dann auch der Neu-gebaut-Bonus weg und es handelt sich wirklich nur mehr um einen primitiven Kasten, den man dann hoffentlich wieder einmal neu gestaltet. Weil schlimmer kann es gar nicht kommen.


      Abgesehen davon, dass es meiner Meinung nach noch viel schlimmer kommen kann, hoffe ich inständig, dass man nach einer erneuten Umgestaltung in der Zukunft nicht zum Status quo ante zurückfällt.
    • Interessant, dass hier einige der Vorgängerfassade etwas positives abgewinnen konnten. Ich fand sie schon immer so häßlich, dass ich mir (außer vielleicht Sichtbeton oder Vollverglasung) keine weitere Verschlechterung vorstellen konnte, sondern es nur besser werden konnte - wenn auch vielleicht nur geringfügig besser. Dieses Kaufhaus-Design, das ja in vielen Städten früher schwer angesagt und weit verbreitet war, konnte ich noch nie leiden. Dann lieber eine eher langweilige, aber weniger abstoßende Fassade.
    • Schloßgespenst schrieb:

      Dieses Kaufhaus-Design, das ja in vielen Städten früher schwer angesagt und weit verbreitet war, konnte ich noch nie leiden.

      Vor unvordenklicher Zeit war das auch meine Überzeugung. Aber, was wir damals nicht gewusst haben: Das Bauen ist in den Jahren nach ca. 1988 beständig schlechter geworden, so dass auch eine Umgestaltung von Kaufhausfassaden nicht selten nochmal zu einer Verschlechterung führt. Vor allem Fassaden mit großflächigem Glas waren früher (meiner Einschätzung nach) nicht so verbreitet; die introvertierte Gestaltung der Kaufhausfassaden der 60er-Jahre hat im Vergleich damit immerhin etwas Heimeliges und Unaufdringliches.
    • Der hessische Landeskonservator Professor Gerd Weiß geht Ende November in den Ruhestand

      Zum Abschied ein paar ganz interessante kritische Bemerkungen:

      Weiß selbst hat über den "Baumeister" Heinrich Tessenow (1876 - 1950) promoviert, ist also von Haus aus ein Mann der Moderne. Tessenows "Bescheidenheit" beim Bauen hat Weiß beeindruckt. "Auftrumpfende Architektur", wie das europäische Zentralbankgebäudein Frankfurt mag er nicht. "Aber", sagt Weiß, "wir sind nicht die Geschmackspolizisten. Die Architektur ist die Sache der Architekten." Er verlangt von ihnen allerdings, dass sie sich den städtebaulichen Gegebenheiten anpassen und notfalls zurückstecken. Aber eingemischt hat er sich immer mit leisen Tönen.

      Gelungen findet er die Pläne für eine neue Rhein-Main-Halle des Frankfurter Architekten Ferdinand Heide, auch deshalb, weil mit dem Durchgang zur Adelheidstraße die Friedrich-Ebert-Allee nicht mehr rigoros abgeriegelt wird. Bedenklich findet Weiß hingegen das Vorgehen beim Stadtmuseum, wo man nach dem Prinzip "Vogel friss oder stirb!" vorgehen würde. "Ich denke, da muss noch Bewegung rein." Der Bau des Architekten Helmut Jahn könne auch in einem Gewerbegebiet stehen.

      Zu Wiesbadens Weltkulturerbe-Bewerbung sagt Weiß: Im Prinzip habe die Stadt das Potenzial. Sie sei aber nicht immer pfleglich mit dem historischen Erbe umgegangen. Beispiel für Missratenes sei das Luisenfourm. Das gegenwärtige Problem sei, dass sich die Kommunen mangels Finanzkraft in die Abhängigkeit von Investoren begeben. Dem könne man nur mit vertraglich geregelter Gestaltung begegnen.
    • Lösung für das Alte Gericht in Wiesbaden - Stadt, Land und die Hochschule Fresenius gehen gemeinsamen Weg

      In einem „Letter of Intent zur Nutzung der Altliegenschaften des Amts- und Landgerichts“ einigen sich die drei Beteiligten darauf, dass in das alte denkmalgeschützte Gebäude Wohnungen kommen sollen. Das Land will das Gebäude dazu an einen Investor verkaufen. Auf dem Rest des Areals baut Fresenius für zehn Millionen Euro einen neuen Fachbereich und ein Studenten-Wohnheim mit bis zu 120 Plätzen.


      Damit ist die von einer Initiative verfolgte Idee, das Stadtmuseum im Alten Gerichtsgebäude unterzubringen, endgültig gestorben. Sie hatte wohl in Wahrheit nie eine Chance, weil der Wiesbadener OB Sven Gerich davon nichts hielt. Er hatte vor einigen Wochen diesen Vorschlag mit erstaunlich schwachen Argumenten abgeschmettert: Die Stadt habe "keinen Zugriff auf das Gebäude". Und außerdem "stelle sich die Frage der Finanzierung". Ach nee, echt? Dass es Eigentum des Landes Hessen ist, ist allseits bekannt, Schlaumeier. Aber ein Anruf beim Finanzministerium oder beim Hessischen Immobilienmanagement hätte eine Lösung bringen können - wenn man nur gewollt hätte. Das Land wäre froh gewesen, nach dieser Luftnummer namens EBS einen seriösen und zuverlässigen Vertragspartner zu bekommen. Aber Gerich hat sich gar nicht erst dafür interessiert.

      Jetzt soll die Stadt 2,5 Millionen € zu dem Projekt beisteuern. Hätte man diesen Betrag in ein Stadtmuseum gesteckt und einen ordentlichen Zuschuss vom Land ausgehandelt, hätte das was werden können. Der Sanierungsaufwand für den Altbau wird sehr viel höher geschätzt, aber dabei ging es immer um eine Büronutzung. Für ein Stadtmuseum bräuchte man nicht zwangsläufig sofort neue Fenster, es müsste nicht alles nagelneu sein, man hätte manches auch später machen können.

      Jetzt also Wohnungen. Das ist per se nichts schlechtes - aber wenn man das so liest: "an einen Investor verkaufen" - Wer sagt einem, dass dieser Investor das Projekt auch wirklich umsetzt und nicht pleitegeht und eine Bauruine hinterlässt oder schon die Segel streicht, bevor ein Spatenstich getan ist (wie die EBS)? Oder grobe Verhunzungen an dem historischen Gebäude durchsetzt, die "wirtschaftlich notwendig" sind? Da kann einem ganz anders werden. Ich frage mich auch, was der Denkmalschutz sagen wird, wenn im Innern alles durchgepflügt wird. Für Wohnungen ist ein Totalumbau erforderlich. Und was wird etwa aus dem großen prachtvollen Sitzungssaal? Naja, zumindest das Treppenhaus wird sicherlich unangestastet bleiben - aber für die Öffentlichkeit unzugänglich. Ein Museum hätte den Bau für die Allgemeinheit erhalten.
      :kopfschuetteln:

      Immerhin:

      Die Hochschule Fresenius kann damit ihre Pläne verwirklichen, für rund 1.000 Studenten der Fachbereiche Design sowie Wirtschaft und Medien einen Universitätsneubau mit Hörsaal und Cafeteria zu erstellen. Das neue Wohnheim soll an der Oranienstraße und Albrechtstraße sowie im alten Beamtenwohnhaus gebaut werden.


      Das würde bedeuten, dass das damals von der EBS zum Abriss vorgesehene Beamtenwohnhaus stehen bliebe. Aber das glaube ich erst, wenn ich das Gerüst an dem Haus sehe. Gut möglich, dass es später heißt "eine Sanierung ist nicht wirtschaftlich vertretbar".
    • In der Wiesbadener Luisenstraße 7 wird ein baufälliges, biedermeierliches Gebäude aus dem Jahr 1830 aller Voraussicht nach ab 2016 saniert.

      Für die Sanierung der denkmalgeschützten 750 Quadratmeter großen Liegenschaft Luisenstraße 7, die sich im Eigentum des Landes Hessen befindet, sind im Landeshaushalt Kosten in Höhe von rund 4,7 Millionen Euro veranschlagt, teilt das Hessische Immobilienmanagement (HIM) mit. Vor dem Hintergrund erforderlich gewordener Überarbeitungen der Planung hinsichtlich der Einhaltung der veranschlagten Kosten – bei Berücksichtigung der Auflagen des Landesamts für Denkmalschutz –, sei es zunächst zu Verzögerungen im Planungs- und Genehmigungsablauf gekommen, sagt Ate Plies vom HIM. Da aber mittlerweile die erforderliche Planungssicherheit erreicht wurde, könne umgehend mit der Ausführungsplanung und den entsprechenden Ausschreibungen begonnen werden.


      wiesbadener-kurier.de/lokales/…-wird-nutzer_15925735.htm

      Ansicht des Gebäudes:

      wiesbadener-kurier.de/fm/819/t…_54831_M.jpg.20488586.jpg
      In der Altstadt die Macht, im Kneiphof die Pracht, im Löbenicht der Acker, auf dem Sackheim der Racker.

      Hätt' ich Venedigs Macht und Augsburgs Pracht, Nürnberger Witz und Straßburger G'schütz und Ulmer Geld, so wär ich der Reichste in der Welt.
    • Bis zu 2.000 € ist der Stadt Wiesbaden allein die Außendämmung nicht denkmalgeschützter Fassaden wert.
      Wirtschaftlichkeitsberechnungen? Evaluierungen? Gegenrechnung unter Einbeziehung des Energie- und Rohstoffaufwandes? Berücksichtigung der eingesetzten langlebigen toxischen Biozide und Flammschutzmittel? Stadtbild?
      Pah, was zählt ist der feste Glaube!

      Wiesbaden: Sanierungsrate noch nicht erreicht - FR online

      Energieeffizient Sanieren - Das Förderprogramm im Überblick

      Wieviele Fassadenzerstörungen sind denn dann das Ziel der Stadtregierung, wenn jährlich 2,25 % des Bestands angepeilt wird? Bei Unterschreiten muss dann selbstverständlich die Fördersumme erhöht werden. Die KfW legt ja parallel auch noch was drauf...
      Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
      (Immanuel Kant)
    • Abbruchantrag für Bellwinkel-Haus in der Schulgasse in Wiesbaden gestellt

      Der Eigentümer dieses denkmalgeschützten Hauses hat kürzlich, nachdem im Erdgeschoss eine alteingesessene Metzgerei ausgezogen war, eine Abbruchgenehmigung beantragt:



      Kein Prachtbau, aber eine ansehnliche Fassade...



      ... und nicht etwa in der Vorstadt gelegen, sondern mitten im Herzen der Stadt, in der Schulgasse, einem Teil der Wiesbadener Fußgängerzone, die Kirchgasse und Neugasse verbindet. Hier ist das Haus im baulichen Zusammenhang zu sehen; direkt gegenüber (links im Bild angeschnitten) steht das Karstadt-Kaufhaus. Zentraler geht es kaum.



      Es wäre ein Skandal, wenn die Stadt an dieser Stelle einen Abbruch genehmigen würde bzw. wenn sich der Denkmalschutz wegducken würde.



      Etwas erfreulicher: Der endlich fertiggestellte Platz der Deutschen Einheit, der jahrelange Penner-, Dealer- und Fixertreff. Da, wo jetzt die (noch) sehr gepflegte Grünfläche zu sehen ist, fuhren früher Autos. Jetzt läuft der Verkehr über die Bleichstraße.




      Ein bisher unterirdischer Bachlauf wurde teilweise freigelegt:




      Rechts die bereits vor einiger Zeit fertiggestellte und auch hier im Forum vorgestellte Sporthalle, in der Bundesliga geboten wird. Frauenvolleyball-Bundesliga. Im Hintergrund die Bleichstraße.

    • Schloßgespenst schrieb:

      Abbruchantrag für Bellwinkel-Haus in der Schulgasse in Wiesbaden gestellt

      Der Eigentümer dieses denkmalgeschützten Hauses hat kürzlich, nachdem im Erdgeschoss eine alteingesessene Metzgerei ausgezogen war, eine Abbruchgenehmigung beantragt:


      Gut elf Monate später steht das sogenannte Bellwinkel-Haus immer noch. Gestern war dazu im Kurier zu lesen:
      Für das Bellwinkel-Haus hatte der jetzige Eigentümer, dem Vernehmen nach ein Limburger Unternehmer, einen Abbruch-Antrag gestellt. Dieser wurde aber in seiner bisherigen Form abgelehnt, bestätigt die Leiterin des Wiesbadener Bauaufsichtsamts, Christiane Fordey-Stange, auf Anfrage.
      Was auch immer das bedeuten mag - kann der Abbruch eines denkmalgeschützten Hauses "in einer anderen Form" genehmigt werden? Oder ist damit gemeint, dass es ausreichen würde, die Fassade zu erhalten?

      Und auch der folgende ehemalige Abrisskandidat steht noch: Das ehemalige Beamtenwohnhaus am Alten Landgericht. Es ist jetzt mitsamt dem Gerichtsgebäude an die landeseigene Wohnunsgbaugesellschaft Nassauische Heimstätte verkauft worden, die beide Gebäude zu Wohnhäusern umbauen will.

    • Erfreuliches aus Wiesbaden: Dort wird mitten in der Altstadt hinter dem alten Rathaus eine üble 70er-Jahre Bausünde (Ellenbogengasse 3) abgerissen und durch einen 8,5 Mio. € teuren Neubau ersetzt.

      Der Betonklotz hinter dem alten Rathaus wird bald abgerissen

      Ansicht des Gebäudes
      In der Altstadt die Macht, im Kneiphof die Pracht, im Löbenicht der Acker, auf dem Sackheim der Racker.

      Hätt' ich Venedigs Macht und Augsburgs Pracht, Nürnberger Witz und Straßburger G'schütz und Ulmer Geld, so wär ich der Reichste in der Welt.