Schloss Berlin - Wiederaufbau als Humboldtforum

    • Rinascente schrieb:

      Interessanter Artikel, im altuellen Tagesspiegel; Ob sich Lüscher wirklich vom Saulus zum Paulus wendet?

      Zit.Lüscher Tagesspiegel 8.8.2017, 21:42Uhr „Wenn man sich für eine Rekonstruktion entscheidet, sollte diese eine handwerklich richtig gut gemachte und kunsthistorisch korrekte Eins-zu-eins-Rekonstruktion sein.“ =O

      Hmmm - wenn 1 + 1 zusammengezählt würden - also diese Aussage beim Wort genommen wird - sollte die Reise zu einem Teil von gut dokumentierten Innenräumen gehen.

      tagesspiegel.de/berlin/streit-…tadtschloss/20163076.html
      Was ich viel verblüffender finde ist, dass Frau Lüscher sich in diesem Zusammenhang nun gegen den Dach-Fresswürfel ausspricht.

      So gut ich dies ja finde, kommt es doch viel zu spät und wird natürlich wirkungslos bleiben.

      Reiner Populismus also.
    • Woow - atemberaubend! Vielen Dank!
      Ja wo hast du das denn her?

      Das sollte man vielleicht unbedingt dem Förderverein zukommen lassen. Evtl. kennen die es nicht und bräuchten noch Fotovorlagen für die Rückseiten der Engelsfiguren. Das könnte wirklich wichtig sein!
      Hannover ist eine mittelmäßige Stadt, aber dort sind viele, die sich große Mühe geben, etwas Besonderes daraus zu machen.
      Dresden ist eine besondere Stadt, aber hier sind leider viele, die alles versuchen, etwas Mittelmäßiges daraus zu machen (M. Roth)

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    • Bautradition schrieb:

      Rinascente schrieb:

      Interessanter Artikel, im altuellen Tagesspiegel; Ob sich Lüscher wirklich vom Saulus zum Paulus wendet?

      Zit.Lüscher Tagesspiegel 8.8.2017, 21:42Uhr „Wenn man sich für eine Rekonstruktion entscheidet, sollte diese eine handwerklich richtig gut gemachte und kunsthistorisch korrekte Eins-zu-eins-Rekonstruktion sein.“ =O

      Hmmm - wenn 1 + 1 zusammengezählt würden - also diese Aussage beim Wort genommen wird - sollte die Reise zu einem Teil von gut dokumentierten Innenräumen gehen.

      tagesspiegel.de/berlin/streit-…tadtschloss/20163076.html
      Was ich viel verblüffender finde ist, dass Frau Lüscher sich in diesem Zusammenhang nun gegen den Dach-Fresswürfel ausspricht.
      So gut ich dies ja finde, kommt es doch viel zu spät und wird natürlich wirkungslos bleiben.

      Reiner Populismus also.
      Ja, vielleicht die erste kluge Bemerkung dieser Frau, und dann zwei Jahre zu spät - vielen Dank...

      Das muss man sich mal geben:

      Berlins Senatsbaudirektorin Regula Lüscher warnt vor Plänen, auf dem Dach des rekonstruierten Berliner Stadtschlosses ein Restaurant zu errichten. „Hier sehe ich die Gefahr, dass die Rekonstruktion ins 'Disneyhafte' kippt“, sagte Lüscher der „Stuttgarter Zeitung“ und den „Stuttgarter Nachrichten“. Im Entwurf von Schlossarchitekt Franco Stella sei kein Dachrestaurant vorgesehen, so Lüscher.

      Warum hat sie das so lange für sich behalten und sich stattdessen für eine Steinwüste vor dem Schloss und gegen eine Rückkehr des Neptunbrunnens eingesetzt? Es wird nicht besser mit der Überflüssigkeit.
    • Es gibt eine interessante Äusserung einer Senatsbausirektorin zum geplanten Dach-Restaurant, mit dem wohl viele Foristen hier nicht gerechnet haben. Streit um Humboldforum (Tagesspiegel) Ausserdem sagt Sie...Zitat: Wenn man sich für eine Rekonstruktion entscheidet, sollte diese eine handwerklich richtig gut gemachte und kunsthistorisch korrekte Eins-zu-eins-Rekonstruktion sein! Soviel zum Streit um das Kuppelkreuz.

      Ich hoffe dass sie hier nicht gleich mit Liebe überschüttet wird :) (Spaß)

      Glaube zwar nicht dass sie dieses verhindern wird, aber es geht ja um den Standpunkt.
    • Neu

      Treverer schrieb:

      Spreetunnel schrieb:

      Unterbau des Wappensteins, der noch unten steht:


      Links unten sitzen die Steine aber alles andere als passgenau. Ob man das durch Nachbearbeitung noch anpassen kann, dass es nur halb so sehr auffällt?
      Wenn man sich das Gesamtbild anschaut, sieht es so aus, als ob vom linken Stein etwas abgebrochen ist. Vorher wird das gut gepasst haben. Ich bin gespannt, ob das nun daneben entsprechend weggemeißelt wird (auf Kosten der Regelmäßigkeit des Bogens) oder ob auf der linken Seite ein Stück neu eingepasst wird, wie es ja auch bei normalen Reparaturen gemacht wird. Wenn's ein Versicherungsfall ist, hoffentlich letzteres.

      Vielleicht kann man das ja mal im Auge behalten.
      _______________________________________
      Gutmensch = Gut gedacht, nicht nachgedacht, schlecht gemacht
    • Neu

      Hallo Bentele,

      wir sind hier nicht so weit mit den Meinungen auseinander, wie es scheint. Hier stimme ich z.B. 100% zu:

      Bentele schrieb:

      Es ging mir in meinem Beitrag darum, zu zeigen, dass zwischen dem, was die Schlossfassaden ankündigen, und der Ausstellung der überseeischen Kulturen kein Widerspruch besteht. [...] Dabei geht es den Gegnern nicht um eine Diskussion, sondern darum, einen weiteren Grund gegen das Schloss zu haben, [...]
      Das war tatsächlich ein Argument der Gegner gegen das Schloss, aber es war nicht wirklich stichhaltig und es hat dem Wiederaufbau nicht im Wege gestanden.
      Es gibt keinen Widerspruch zwischen dem künftigen Inhalt und den Barockfassaden. Es gab schließlich auch keinen zwischen dem Museumsbau aus der Massenproduktion der 60er und 70er Jahre und dem Inhalt.
      Und was das Innere des Schlosses betrifft, ist es vorläufig ebenso kahl wie die modernen Museumsbauten.
      Und gerade deshalb ist der Inhalt des Schlosses so beliebig. Mir erschließt sich nicht, was ein pestizidgetränktes Schilfboot in einem kahlen Raum in Berlin-Dahlem von einem pestizidgetränkten Schilfboot in einem kahlen Raum in Berlin-Mitte unterscheidet.

      Bentele schrieb:

      Die ethnologische Sammlung, [...] 1794 unter Jean Henry wurde sie zum ersten Mal systematisch geordnet, gleichzeitig wurde zielgerichtet weitergesammelt und die Sammelgebiete ständig erweitert. Erst 1843 wurde die Sammlung, die große Ausmaße erreicht hatte, aus dem Schloss genommen und im Untergeschoss des Neuen Museums untergebracht. [...] Das Sammeln geschah schon unter dem Einfluss Humboldts nicht, wie von Barocksurfer dargestellt: „das was unzählige Sammler, Eroberer und Forscher aus den unterschiedlichste Motiven beschafft haben“, also eigentlich doch "Krempel": Sondern gesammelt wurde systematisch, unter bestimmten festgelegten Zielen, z.B. der Vergleichbarkeit mit anderen Kulturen.
      Die ethnologische Sammlung ist wie die anderen teile der Museumssammlungen im Umfeld der Hohenzollernresidenz nach und nach entstanden durch Abgrenzung von anderen Beständen.

      Zunächst war eine fürstliche Kuriositätensammlung da. Der Startschuss fiel etwa Mitte der 1500er Jahre unter Joachim II, der in der Tradition der Wunderkammern seiner Fürstenkollegen zu sammeln begann, und doch ist er wohl der letzte Hohenzoller, von dem man künstlerischen Sachverstand und kulturelles Interesse annehmen dürfte. Er war ein Rüpel, der alles zusammenraffte, womit er Eindruck schinden konnte. Das war zunächst das Hauptmotiv der Sammlungen. Nichts war seltsam, teuer, abgefahren, weit hergeholt genug. Dicke Hose an der Spree.

      Dieses Leitmotiv wurde später überlagert von wissenschaftlichem oder auch wirtschaftlichem Interesse, aber ganz verschwunden ist dieser Aspekt nie. Seit dem späten 18. Jh. haben zwar vermehrt wissenschaftliche Expeditionen stattgefunden, diese hatten stets auch den Anspruch, dem Fürsten der diese bezahlte, auch etwas Handfestes einzubringen.
      Das erste Museum auf der Museumsinsel führte zu einer Gliederung in die dort präsentierte "hohe Kunst" und dem Rest, zu dem die ethnologischen Sachen gehörten.
      Bis ins 20. Jh. hinein hat man sich die Gegenstände aus außereuropäischen Kulturen, derer man habhaft werden konnte,
      einfach genommen. Und was nicht passte, wurde passend gemacht: Ausgehöhlt, von der Wand gekloppt, in Teile zersägt. Dann in der jeweiligen Hauptstadt wieder ausgestellt.
      Diese ethnologischen Sammlungen hatten eine ambivalente Funktion:

      Bentele schrieb:

      Der Drang des Barock in die Ferne: Gerade das Fremde passt in den Geist des Barock. Der barocke Roman Simplicius des Grimmelshausen aus dem 17. Jhd. endet auf einer Südseeinsel. Dazu ganz schlüssig die im Barock aufkommenden unzähligen Erdteilallegorien mit dem Anliegen, unsere Welt in die große Welt einzufügen und die Weltteile aus sich selbst heraus und im Vergleich zu anderen zu erklären.
      Nein, das Fremde passt gar nicht in den Geist des Barock!
      Im Barock wurde das Fremde erstmals und sehr gefiltert zugänglich für den Normalbürger, z.B. aus Berichten von Reisenden. Das Fremde wurde zur Projektionsfläche für eigene Sehnsüchte nach dem Ausbruch aus der meist kargen Existenz und für politische Phantasien. Im kulturell Fremden das "Ganz Andere" zu sehen, das den Beschwerlichkeiten des eigenen Alltags entrückt erschien und zur Verheißung umgedichtet wurde, war eine Mode, die damals aufkam und bis heute Einfluss behalten hat.
      Für die Fürsten hingegen war das Fremde eine Quelle von Reichtum. Im Barock waren außereuropäische Kulturen wie nie zuvor der Gewalt europäischer Mächte ausgesetzt. Sie schickten Söldner, die Reichtümer einsammelten, alles was nach Gold aussah einschmolzen, Kuriositäten mitnahmen und die Menschen versklavten.
      Die Wissenschaftler kamen erst danach zum Zuge.
      Aber auch diese hielten es zunächst für selbstverständlich, sich die interessanten Dinge, die sie irgendwo fanden, einfach anzueignen. In den fremden Kulturen, die zusehends unter die Zwänge europäischer Wirtschaftsweise gerieten, Systeme eigenen Rechts zu sehen, war nicht vorgesehen.
      Humboldt war einer der Wissenschaftler, die dies im Rahmen des Möglichen versuchten, und sein Einfluss blieb beschränkt: Ende seines Jahrhunderts war die Welt aufgeteilt.
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      Rundumblick von der Kuppel-Laterne

      Die oben bereits erwähnte Ausgabe der 'Gartenlaube' liegt mir seit heute vor und enthält weit mehr 'Schloß' als ich zunächst dachte, wie das folgende Digitalisat beweist. Wenn man die zum Artikel gehörenden Bilder betrachtet, ergreift einen schon Wehmut um das, was uns sukzessive seit 1914 genommen wurde...










































    • Neu

      Toll!
      Drei Erkenntnisse ergeben sich daraus:
      1.) Die Berliner fühlten sich den Schwaben schon 1932 überlegen.
      2.) Der Staatsratskasten muss weg und die Brüderstraße wieder hin.
      3.) Auf dem Dach unmittelbar westlich von Portal II ist ein flacher Aufbau mit Fenstern, der auf einer älteren Aufnahme (von einem Luftschiff aus) noch nicht existiert.
      Welche Funktion hatte der?
    • Neu

      So, dann wäre das jetzt auch ein für allemal geklärt, wenn auch spät, aber wir sind ja in Berlin, immerhin... ! :D :thumbup:

      Der Tagesspiegel schrieb:

      „Disneyhaft“, du liebes Bisschen, „disneyhaft“ ist ein wohlfeiles Etikett, das man überall ankleben kann, wo etwas unterhaltsam, komfortabel und womöglich noch historisch wiederhergestellt ist; wobei das richtige „Disneyland“ alles andere als eine originalgetreue Rekonstruktion darstellt, so wie das hiesige Schloss, sondern pure Fantasie.