Schloss Berlin - Wiederaufbau als Humboldtforum

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      Hm, verstehe ich jetzt nicht, weshalb man nun diese auskragenden Querträger in die Wand dübelt? Schon klar wegen Versetzung der Geison und Sima-Platten. Aber die sind doch bisher auch auf die Mauern aufgelegt und evt. mit einfachen Stahldübeln mit dem Betonkern verbunden worden.
      Ganz schön aufwendig! Grund ist vielleicht auch die geringe Tiefe der Vormauerung hier an den kleinen Risaliten. Oder was meint ihr?

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      SchortschiBähr schrieb:

      Hm, verstehe ich jetzt nicht, weshalb man nun diese auskragenden Querträger in die Wand dübelt? Schon klar wegen Versetzung der Geison und Sima-Platten. Aber die sind doch bisher auch auf die Mauern aufgelegt und evt. mit einfachen Stahldübeln mit dem Betonkern verbunden worden.
      Ganz schön aufwendig! Grund ist vielleicht auch die geringe Tiefe der Vormauerung hier an den kleinen Risaliten. Oder was meint ihr?


      Die Wände sind an den Risaliten deutlich dünner als an den Rücklagen - und auch als an den Portalrisaliten. Das war schon beim Originalbau so: In den Mittelachsen der Portale I, II, IV und V stand jeweils eine Säule im Fassadenspiegel und eine in den Innenräumen. In den Hofrisaliten war es dagegen nur eine Säule. Wie gering dort die Mauerstärke ist, kann man auch an den Konsolen erkennen, die an den Rücklagen viel tiefer sind. Was nun die Gebälkplatten betrifft, so sind diese eigentlich nur stabil, wenn sie mindestens zu 60 Prozent im Verbund der Wand stehen. Das bekommt man wegen der Betoninnenwand schon bei beim Geison nirgends hin, auch nicht an den Rücklagen, weshalb das Geison überall (auch an allen Außenfassaden) mit Betonriegeln beschwert wurde. An den Hofrisaliten reicht aber auch das nicht aus, daher die Stahlträger. Ist etwas gemogelt, so wie ja auch die Zwickel über den großen Fensterarkaden wegen der geringen Tiefe nicht aus Sandstein, sondern auch Beton sind.
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      Barocksurfer schrieb:

      Außer den Eichenpfählen war noch jede Menge Originalmaterial im Boden, das stillschweigend entsorgt wurde:

      - Zunächst was zu den Pfählen: Wer eine möglichst authentische Rekonstruktion anstrebt, geht mit dem Originalmaterial nicht so um, wie es geschehen ist. Der Beitrag der Verkäufe zu den Baukosten war marginal. Dafür ist nun dieses Holz in alle Winde zerstreut und zweckentfremdet. Das war gedankenlos. Auch wenn es zweifellos nicht möglich war, diese Holzgründung im Boden zu lassen. Mir wären viele Möglichkeiten eingefallen, sie zu bewahren. Beispielsweise eine Verwendung zum Bau eines Ausstellungsraumes im Eosanderhof.

      - Das gesamte Ziegelmauerwerk des Fundaments bis zum Grundriss des Palastes der Republik. Dazu muss man leider anmerken, dass das Mauerwerk zu großen Teilen zerrüttet war durch die Sprengungen. Eine weitere Verwendung als tragendes Fundament wäre riskant gewesen. Man ließ nur noch das archäologische Fester stehen. Ich glaube aber kaum, dass eine so komplette Beseitigung alle anderen Teile des Fundaments nötig gewesen wäre. Bei der Frauenkirche in Dresden konnte man das komplette Fundament wieder nutzen - trotz Witterungsschäden.

      - Die bereits erwähnten Fundamente für die vorbereitete Versetzung des Innenportals III aus der Zeit von Wilhelm Zwo.
      Das ist um so verwunderlicher, als man doch von der Fläche des Eosanderhofes einen Großteil zugebaut hat. Es wäre zwanglos möglich gewesen, einen Teil der Ausstellungsfläche dadurch zu gewinnen, dass man diese geplante Veränderung, die nur am Nordwestflügel tatsächlich ab 1888 verwirklicht worden ist ("Den Rest sollen Unsere Enkel machen!"), komplett umgesetzt hätte. Aber das war ja Wilhelms Idee gewesen und deshalb igitt.

      - Ebenfalls schon erwähnt: Die Unmengen Pflastersteine aus beiden Innenhöfen. Was hätte dagegen gesprochen, diese soweit noch verwendbar, wieder einzubauen? Das beißt sich mit dem Anspruch, die vorhandenen Reste der Barockfassaden, wo immer möglich wieder einzubauen. Um die beschädigten Sandsteinreste wird so ein seltsamer Kaputtkult getrieben, weil man die Beschädigungen nicht ausbesserte. Ein Pflasterstein, der noch ganz ist, wird nicht eingebaut und landet auf dem Schutt. Man korrigiere mich, wenn ich mich irre, aber soweit mir bekannt, ließ man diese Steine geräuschlos von der Bildfläche verschwinden.

      Der Förderverein Berliner Schloss e.V. hat sich nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Ihm blieb nur, den gleichgültigen Umgang mit den realen Schlossresten beschönigend zu kommentieren. Schlosstüten wurden verkauft, mit einem Stück Ziegel und etwas Holz. Mich wundert besonders, dass von dort nicht der geringste öffentlich geäußerte Widerstand gegen die Entsorgung ausging. Man lächelte tapfer und fand alles toll. Ging ja auch nicht anders, wenn man so ein Riesenprojekt mit begonnen und sich darum unbestritten verdient gemacht hatte - um danach nur noch als mickeriger Komparse alles mittragen zu dürfen, was unter weit gehendem Ausschluss der Öffentlichkeit dann als Humboldt-Forum ausgebrütet wurde.

      Es ist Franco Stellas Verdienst, dass nicht alles kaputt ging. Man mag zwar über die 70er-Jahre-Parkdecks den Kopf schütteln, die nun statt Querbau und Renaissancebauten das neue Schloss zieren, aber wenn ich mir ausmale, welche Monstrosität herausgekommen wäre, wenn ein deutscher Architekt den Zuschlag bekommen hätte, dann wache ich am helllichten Tag schreiend aus einem Alptraum auf.

      Hier hat doch bestimmt der Eine oder Andere guten Kontakt zum Förderverein. Vielleicht kann man dort in Erfahrung bringen, was aus den Pflastersteinen geworden ist?
      Apropos Pflastersteine: Es gab eine Fachtagung mit Experten, da haben wir uns dafür ausgesprochen, die historischen Pflastersteine zur Pflasterung der Lauben im Schlüterhof zu verwenden, also für jenen Bereich, der räumlich ein Teil der barocken Fassaden ist.
      M. Rettig (Hg.), Rekonstruktion am Beispiel Berliner Schloss aus kunsthistorischer Sicht. Ergebnisse der Fachtagung im April 2010 (Impulse – Villa Vigoni im Gespräch, Bd. 2), Stuttgart 2011