Schloss Berlin - Wiederaufbau als Humboldtforum

    • Neu

      Die vollständige Rekonstruktion der Stülerschen Kuppel. Die tragenden Engel und der Palmenkranz machen ikonografisch ohne Kreuz keinen Sinn.

      Hätte die Jury oder der Bundestag eine moderne Kuppel gewollt, wie beim Reichstag, wäre seinerzeit anders beschlossen worden.
      "Modernität kann im Gewande der Vergangenheit hervortreten. Das ist eigentümlich für alle Renaissancen." Jacques Le Goff
    • Neu

      Äußerlich gesehen war das Kreuz die Krönung der im Schaft der Kuppel untergebrachten Schloss- oder Hofkapelle. Die ehemalige gotische Schlosskirche - aus katholischer Zeit - war zu einem Wohnraum für König Friedrich Wilhelm IV. umgebaut worden, unter dem bau- und kunstgeschichtlich sehr wertvollen Schlingengewölbe wurde eine Zwischendecke eingezogen. Das Schlingengewölbe war durch die Bomben wieder freigelegt worden, wurde aber dennoch mit dem ganzen Schloss gesprengt.

      Die Schlosskuppel mit dem Kreuz, die den damaligen Dom überragte, konnte man als Einheit von Thron und Altar deuten: Legitimation der Herrschaft "von Gottes Gnaden".

      Die Frömmigkeit der Hohenzollern hatte aber viel tiefere Wurzeln. Die Dynastie und das Land Brandenburg hatten früh die reformierte Form der Reformation angenommen, waren also weniger Luther gefolgt als Calvin. Dies wurde verstärkt durch die Annahme der hugenottischen Flüchtlinge aus Frankreich, die ebenfalls dieser Form der Reformation anhängten. Dazu kam die geförderte Einwanderung von ebenfalls reformierten Holländern als Fachleute für das Wasserbauwesen. Krone war die Heirat des Großen Kurfürsten mit Luise Henriette von Oranien (1627-1667) aus den Niederlanden, der Stammmutter der preußischen Könige.

      Der Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. war geprägt von dieser religiösen Tradition der Hohenzollern: Auf diese Tradition geht das große Pflichtbewusstsein des Herrschers zurück, das nach ihm auch Friedrich den Großen auszeichnet. Dieses Pflichtbewusstsein, das sich auch in der Friedenserhaltung ausgerechnet des Soldatenkönigs zeigt, hat in erster Linie religiöse Gründe. Der Alte Fritz hält sich zwar an das vom Vater übernommene Pflichtbewusstsein als erste Tugend eines Herrschers, nicht aber an das religiöse Vorbild: Er ist zwar ein überaus toleranter Freigeist, führt aber Kriege.

      Pflicht als preußische Tugend in überwiegend gutem Sinne, wenn auch in mancherlei Hinsicht kritisch zu sehen, hat also in erster Linie religiös-christliche Wurzeln, gründend im reformierten Glauben. Bei Friedrich Wilhelm IV. werden diese religiösen Wurzeln romantisch verklärt, durchaus zunächst im Sinne der Zeit. Deshalb ist er in der Revolution von 1848 geistig nicht in der Lage, die ihm von der Paulskirche gebotene Kaiserkrone anzunehmen und hat damit historisch die Entwicklung der Demokratie in Deutschland schwerst behindert.

      Dennoch darf man die Religiosität der preußischen Könige nicht monokausal als eine Thron-Altar-Bigotterie deuten, wie das in der Presse heute meist geschieht.

      Das Kuppelkreuz ist viel mehr als ein negativ beladenes Symbol. Es symbolisiert auch eine Tradition der Hohenzollern, die in vielerlei Hinsicht für die Politik auch heute noch als vorbildlich gelten könnte.