Schloss Berlin - Wiederaufbau als Humboldtforum

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    • Barocksurfer schrieb:

      3.) Auf dem Dach unmittelbar westlich von Portal II ist ein flacher Aufbau mit Fenstern, der auf einer älteren Aufnahme (von einem Luftschiff aus) noch nicht existiert.
      Welche Funktion hatte der?
      Der Joachim-Saal (E.von Ihne) entstand 1909 im 2.Obergeschoss über dem Portal II. Er war breiter und höher als der davor befindliche Apollo-Saal. Darüber wurden dann noch Räume für das Pesonal geplant. Daher die Fenster.
    • Heute Abend, unbeachtet von den zahlreichen Sonnensitzern...



      ...wurde dann auch das letzte Flügelstück noch reingehievt.


      Ein schöner Brocken im doppelten Sinn.


      Zum Vergleich das Portal aus dem Staatsrat:
      Bildquelle: Wikimedia, Urheber 'Gryffindor', CC BY-SA 3.0 unportiert
      Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
      (Immanuel Kant)
    • Vulgow schrieb:

      Heute Abend, unbeachtet von den zahlreichen Sonnensitzern...
      Das Bild vom Lustgarten aus ist ein Traum - Danke!
      Wenn nur dieses sch...Dachcafé nicht wäre.... :wuetenspringen:
      Hannover ist eine mittelmäßige Stadt, aber dort sind viele, die sich große Mühe geben, etwas Besonderes daraus zu machen.
      Dresden ist eine besondere Stadt, aber hier sind leider viele, die alles versuchen, etwas Mittelmäßiges daraus zu machen (M. Roth)
    • van Dyk schrieb:

      obwohl dies bestimmt schon 1000 X beantwortet ist:
      weshalb hat man vom denkmal geschutzen Staatsrat Gebaude die Schloss Fasade nicht entfernt und im neuen Stadtschloss eingebaut???
      war es nur ein Frage der Denkmalschutz???
      nochmalls warscheinlich schon 1000 X Beantwortet aber bin trotzdem neugierig danach!
      Denkmalschutz und weil die Figuren zum Teil falsch rekonstruiert wurden. An dem Portal ist sowieso nicht sehr viel alt, weil man beim "Abbau" alles andere als professionell vorging.
    • Außerdem war das Portal ja wohl schon vor 1945 nicht mehr ganz original, weil es dort während der Aufstände 1919 Beschussschäden gab, die in den 1920ern ausgebessert wurden - oder verwechsele ich da jetzt Portal IV und V?
      Wer zwischen Steinen baut, sollte nicht (mit) Glashäuser(n) (ent)werfen...
    • Nach der Quellenlage stand Liebknecht auf einem Autodach vor dem Schloß im Lustgarten. Das Partal am Staatsrat ist ersten schon kaum mehr ein materielles Original, zudem weiter verändert worden. Letztendlch ist das nachgebaute Portal des Staatsrats ein Zeugnis der Geschichtspolitik der DDR, die Stuhllemmerkopie wird ein Nachbau sein, der sich deutlich näher am Original befindet.
      "Modernität kann im Gewande der Vergangenheit hervortreten. Das ist eigentümlich für alle Renaissancen." Jacques Le Goff
    • Der Bauherr des barocken Berliner Schlosses, Kurfürst Friedrich III., ab 1701 König Friedrich I. war ein sehr früher Naturschützer:

      „Se. Churfürstl. Durchl. verboten, keine nachtigallen auffzufangen, oder in gebauren [Käfigen] zu halten.“ Selbstverständlich durften sie da auch nicht gejagt und getötet werden.

      Dieses Dekret wurde zum Anlass für ein langes Preisgedicht, aus dem, hier ein kleiner Auszug gegeben werden soll:
      Über die von Sr. Churfürstl. Durchl. zu Brandenburg etc. geschützte Nachtigallen
      von Benjamin Neukirch (1665 – 1729)

      (…) Ist‘s möglich, großer Held! Dass dein bemühter Geist,
      Da Deutschlands Feinde dich an deinen Grenzen kränken,
      Doch noch an Vögel kann, an schlechte [schlichte] Vögel, denken?
      Dass, da der stolze Hahn zwar alles reizt und beißt,
      Die Kinder [hier Küken] aber selbst für [durch] Hunger lässt verderben,
      Dein Adler Fremden auch kann Ruh und Schutz erwerben? (…)

      Beglückte Nachtigall: Wo bist du hin gestiegen?
      Du ziehst nun ohne Scheu in Friedrichs Gärten ein (…)

      Aus: Herrn von Hoffmannswaldau und anderer Deutschen auserlesene und bisher ungedruckte Gedichte Erster Teil Leipzig 1695 S. 213, hier in moderner Rechtschreibung wiedergegeben.

      Der Schutz der Nachtigall unter dem Kurfürsten von Brandenburg, um 1695, dürfte der erste Vogelschutz überhaupt gewesen sein. Coburg folgte mit dem Schutz der Nachtigallen 1739. 1777 versuchte Sachsen-Weimar- Eisenach durch eine Käfigsteuer die Käfighaltung zu reduzieren, andere Fürsten folgten. Die Zeit des Deutschen Bundes war dann im 19. Jhd. die große Zeit der Nachtigallensteuern. Staatlich verordneten allgemeineren Vogelschutz gab es Im Deutschen Reich erst ab 1888.

      Warum die Nachtigall? Ihr nächtlich klagender Gesang galt schon im Mittelalter als Symbol der Liebe und der Himmelssehnsucht.

      Mir scheint, dass dieser nette literarische Fund gut zu der Figur der fortitudo in der Lunette im Portal V des Berliner Stadtschlosses passt: die Staatsgewalt, also der Kurfürst, der sich nicht auf rohe Gewalt und Krieg verlässt. Dem Hahn, der die Küken nicht versorgt, stellt der Barockdichter Neukirch den (brandenburgischen) Adler gegenüber, der Fremde aufnimmt und schützt – wohl Bezug zu den vom großen Kurfürsten aufgenommenen Hugenotten und anderen „Fremden“.

      Eine Erklärung für den kurfürstlichen, bald darauf königlichen Schutz des Singvogels? Vielleicht war es seine Körperbehinderung, die seine Teilnahme für Schwache und grundsätzliche Friedensbereitschaft reifen ließ. Das Volk nannte ihn den Schiefen Fritz: Eine Hebamme hatte ihn im ersten Lebensjahr fallen lassen; er blieb Zeit seines Lebens verkrüppelt. Vom Vater erhielt er wenig Förderung, die Stiefmutter blockierte seine Thronfolge. Er setzte seine Ansprüche aber durch und erwies sich bei nicht von ihm zu verantwortenden militärischen Aktionen vor Bonn und Kaiserswerth in den vordersten Reihen als äußerst mutig. Dennoch führte er in seiner Zeit als Kurfürst und dann als König keinen einzigen Krieg. Sein Sinn galt der Wissenschaft und der Kunst, es könnten also auch ästhetische Gründe sein, die zum Schutz der Nachtigall beigetragen haben. Im Geschäft des Regierens war er schwach: Er vertraute korrupten Beratern, den drei Wehs der Mark Brandenburg.

      Der Alte Fritz sagte über ihn: „Wenn Friedrich I. Lob verdient, so geschieht es deshalb, weil er seinen Landen immer den Frieden erhalten hat, während die Nachbarn vom Krieg verwüstet wurden.“
    • Vielleicht kann man das auch auf eine metaphorische Ebene heben. Der Hahn (gallus) steht in der barocken Staatsikonographie für Gallien/Frankreich. Entsprechend schmückt er auch die Kapitelle im Spiegelsaal von Versailles.
      Der Adler steht für Brandenburg bzw. Preußen, entsprechend ziert er die Kapitelle von Portal I, II und III des Berliner Schlosses. Die Nachtigall steht vielleicht für die Pflege der Künste, die trotz kriegerischer Bedrohung nicht vernachlässigt werden soll.

      Moderationshinweis (Aedificium): Direktes Zitieren und doppelte Vollzitate entfernt, bitte auf ordentliche und nutzerfreundliche Ausführung des abzusendenden Beitrags achten! Danke!
    • Das ist die Dachdeckungsleistung nur eines einzigen, des heutigen Tages! Dies zugrunde gelegt, müßte das gesamte Schloßdach schon längst fertig sein. Ist es aber nicht!? ?( huh:)



      Müssen die das Kupfer erst im Bergwerk abbauen!?

      Hm, wochenlang ist kein Dachdecker zu sehen gewesen. Große Firmen scheinen mehrere Aufträge gleichzeitig mit wenigen Handwerkern abzuarbeiten, mal hier, mal da, oder!?

      cam05.berlinerschloss-webcam.de
    • Meiner Beobachtung nach haben nun gerade Handwerker oft Familien mit Kindern. Und sind somit, wenn sie denn auch mal richtig Urlaub machen wollen, auf die Schulferienzeiten angewiesen. In Berlin waren in den letzten Wochen Schulferien. Und fachlich speziell ausgebildete Handwerker, die hier nötig sind - so oft werden Kupferdächer in diesem Umfang nun auch nicht gebaut - wachsen nicht mit grossen Aufträgen mal so eben nach. Im Vergleich zu Maurern und Betonbauern, die man massenweise aus ganz Europa rekrutieren kann, ist es doch ein sehr spezielles Handwerk. Es gibt auch eigentlich keinen Zeitdruck, denn mit den Bitumendachbahnen ("Teerpappe") ist das Dach ja schonmal dicht. Alles weitere dient der Langlebigkeit und der Ästhetik - und die ist ja mit den Fassaden sowieso erst nächstes Jahr vollendet...
      Mein Gedanke beim Anblick der gelagerten Säulentrommeln im Durchgang zwischen Portal II und IV (am Tag der offenen Baustelle) war: "Numerobis sagt, der Palast für Caesar wird rechtzeitig fertig..." ;)
      Wer zwischen Steinen baut, sollte nicht (mit) Glashäuser(n) (ent)werfen...

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Ein_Hannoveraner ()

    • Vulgow schreibt: „@Bentele: Nachtigallenliebe ist das eine, ein Hetzgarten ist etwas anderes. Ich glaube kaum, dass deswegen insgesamt das Attribut 'Naturschützer' angemessen ist.“

      Vielen Dank, Vulgow: Hetzgarten und Nachtigallenschutz sind in der Tat Gegensätze. In Hetzgärten wurden zur Belustigung von Hofgästen bei Hoffesten Tiere gehetzt und in brutaler Weise erlegt. Freilich der Brauch war uralt, noch aus der Antike. Aber an vielen Fürstenhöfen wurde er bereits nicht mehr praktiziert. Dazu Friedrichs Fehleinschätzung von Menschen: Schmeichler bekamen höchste Macht – die drei brandenburgischen Wehs.

      Auch Friedrichs unersättlicher Hunger nach Prachtentfaltung , die Gier nach äußerer Anerkennung: der erkaufte Königstitel – andere Fürsten lachten über ihn. Auch das gigantische Barockschloss gehört dazu mit dem auf 94 Meter Höhe geplanten Münzturm.

      Sucht nach Anerkennung! Man denkt an seine Körperbehinderung – der Schiefe Fritz. Ich erinnere mich noch gut an meine erste Schulzeit in den späten vierziger Jahren: Da waren die Kinder mit Kinderlähmung, schief und krumm. Wir, mitleidlos, lachten uns schief und krumm. Lehrer und Eltern haben ermahnt und ermahnt, aber es war für uns Spektakel – Fernsehen kam erst später, noch lange nichts von Inklusion! Zur Zeit Friedrichs waren solche Dinge noch viel schlimmer – Spott und Häme waren auch unter Erwachsenen allgegenwärtig, der Spottname Schiefer Fritz verrät es ja. Und vom Großen Kurfürsten, seinem Vater, bekam Friedrich kaum Unterstützung, sondern wurde unter dem Einfluss der Stiefmutter enterbt. Friedrich musste schwer kämpfen um sein Erbe.

      Ich bin kein Psychologe, aber der ganze Prunk, die ganze Sucht nach Anerkennung: meist Kompensation!

      Auch die auffällig tapfere Haltung Friedrichs in vorderster Reihe der Kämpfe um Bonn und Kaiserswerth gehört dazu – Gier nach Anerkennung! wenn nicht sogar die Inkaufnahme eines Suizids.

      Daneben aber nun der Friedrich der Wissenschaften und Künste, der für den Geist einen Leibniz und für das Zeughaus und das Schloss einen Schlüter und einen Eosander findet und die Nachtigallen schützt. Auch seine unbedingte und konsequente Friedensliebe zeigt, dass er sich keineswegs von Aggressionen lenken ließ, die wohl in ihm vorhanden gewesen sein müssen: Die Anlage des Hetzgartens - so denke ich, Reflex erlebter Aggressionen seiner Jugend.

      Aber wir haben das Schloss: Friedrichs Gier nach Anerkennung und Pracht fand, was sehr selten ist, in ihm neben vielen Mängeln die Fähigkeit zur Vollendung.
    • SchortschiBähr schrieb:

      Das ist die Dachdeckungsleistung nur eines einzigen, des heutigen Tages! Dies zugrunde gelegt, müßte das gesamte Schloßdach schon längst fertig sein. Ist es aber nicht!? ?( huh:)



      Müssen die das Kupfer erst im Bergwerk abbauen!?

      Hm, wochenlang ist kein Dachdecker zu sehen gewesen. Große Firmen scheinen mehrere Aufträge gleichzeitig mit wenigen Handwerkern abzuarbeiten, mal hier, mal da, oder!?

      cam05.berlinerschloss-webcam.de
      Kann mir vorstellen, dass es im Sommer nicht so angenehm ist Kuperbleche zu verlegen. Bei 30 Grad und wenn die Sonne darauf scheint, wird es ganz schön heiß.