Schloss Berlin - Wiederaufbau als Humboldtforum

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    • Nee, danke, lass stecken. Von mir aus können moderne Gebäude, sofern sie nicht unfassbar hässlich sind oder partout an der falschen Stelle stehen (oder gar beides), gerne so bleiben, wie sie sind. Aber umgekehrt sollen eben Gebäude aus allen Epochen bis zum Ersten Weltkrieg ebenfalls so bleiben wie sie sind oder wieder in den originalen, von dem damaligen Architekten geschaffenen Zustand zurückversetzt werden. Und das bedeutet, dass auch rekonstruierte Gebäude frei von modernistischen Zugaben sein müssen, sofern diese nicht aus irgendeinem Grund zwingend erforderlich sind, was kaum denkbar ist und natürlich weder beim Berliner noch beim Dresdner Schloss und auch nicht bei der Kommandantur der Fall war.

      Was nicht heißt, dass man manch ein modernes Gebäude nicht auch durch Umbauten optisch verbessern könnte, aber zum einen verhindert das bis auf weiteres das Urheberrecht des Architekten, und zum anderen entstehen meist auch bei modernen Gebäuden nachträglich eher Verschlimmbesserungen.
    • Kardinal schrieb:

      Mir äußern hier zu viele viel zu schnell irgendwelche Verschwörungstheorien, in denen sie die Akteure sofort in Gut und Böse einteilen und dann auch diejenigen, die mit Kompromissen für das Erreichte gekämpft haben und noch mehr erreichen wollen sofort dem "Bösen" (und dann auch noch mit unterstellter Absicht) zuordnen, weil sie von der "reinen Lehre" abweichen (was ist diese denn überhaupt?).
      Da vermutlich ich gemeint bin: Wer sind denn "diejenigen, die mit Kompromissen für das Erreichte gekämpft haben und noch mehr erreichen wollen"? Da fällt mir in erster Linie nur Wilhelm von Boddien ein - über den habe ich nie etwas negatives geäußert, ich bewundere ihn für seine Beharrlichkeit und für einiges mehr.

      Als "böse" (nach Deiner Diktion) würde ich hingegen diejenigen bezeichnen, die die Öffentlichkeit täuschen und einen Bau während der Ausführungsphase ohne Not grob verunstalten. Und, noch einmal zum Thema "mit unterstellter Absicht": Kardinal, niemand setzt aus Versehen, ohne es zu merken, auf penibel rekonstruierte Barock-Schlossfassaden anstelle des ursprünglich vorgesehenen weitgehend historisch getreuen Daches einen gläsernen Kasten mit einer großflächigen Dachterrasse. Natürlich war das "mit Absicht", verdammte Hacke, fängst Du jetzt auch schon an, das Ganze als bedauerliche Panne zu deklarieren, die leider von einem armen, unwissenden Bürger verursacht wurde, kann passieren, wer hätte das gedacht? Willst auch Du mir etwa weismachen, der wusste gar nicht, was er tat und wie ihm geschah? Meine Güte, so naiv bist Du doch wirklich nicht, genauso wenig wie Oktavian. Also, was soll das?
    • Nein, nicht unbedingt bzw. nicht ausschließlich und nicht so drastisch (deshalb auch "viele äußern..."). Natürlich werden solche Dinge nicht "aus Versehen" erstellt, aber einige Beteiligte haben sicherlich andere Zielsetzungen als Priorität, wahrscheinlich gemäß ihres vertraglichen Auftrags und/oder einfach nicht das Wissen und die entsprechende Gewichtung.

      Es ist hier aber eine Tendenz (eben allgemein, gar nicht mal speziell nur Dein Beitrag) vielen am Bau Beteiligten, die nicht ausschließlich die reine Konstruktion betreiben, irgendwelche Umtriebe mit der Zielsetzung perfide die Rekonstruktion zu hintertreiben und lächerlich zu machen zu interpretieren. Da wird es dann aber langsam albern. Ich möchte eben, dass sich hier alle mal prüfen, wie realitätsnah solche Unterstellungen sind, ob man selbst schon darin und sich somit nicht in ein etwas paranoides Weltbild verstrickt und sich selbst und anderen das Leben schwer macht. Letztendlich glaube ich nicht, das ganz Architektenscharen hier mitlesen und penibel Strategien entwickeln, um gewisse Aussagen gegen Rekonstruktion zu nutzen (solche Befürchtungen vom Zeitvertreib des angefeindeten Berufssand wurde ja auch schon mal ansatzweise geäußert und entspräche einem Anflug entsprechender Paranoia). Aber der ein oder andere, der hier ohne Vorfestlegung einer bestimmten Gestaltungsrichtung mitliest, kann bei der ein oder anderen Aussage schon etwas erstaunt und erschrocken reagieren.
      Die Feder ist mächtiger als das Schwert...wenn das Schwert sehr stumpf ist und die Feder sehr spitz!

      -Terry Pratchett
    • Bentele schrieb:

      Schlütertreppenhaus und Rittersaal halte ich für unverzichtbar.

      Verzicht auf ein "ganzes Interieur" wird der Würde des Schlosses und seiner kunsthistorischen und historischen Bedeutung nicht gerecht. Einzelne Versatzstücke, goldene Stühle und ein paar Bilder in Betonräumen wirken kalt und fremd und können die Phantasie nicht beflügeln. Die Fassaden würden Hülle bleiben. Der Gesamteindruck würde hohl.

      Die Wiederherstellung aber wenigstens eines oder zweier geschlossener Interieurs könnte die Erwartungen des Besuchers, die von den Fassaden befeuert wurden, in die Richtung einer Gesamtvorstellung lenken, die er mit Filmen und Büchern erweitern könnte. Das wäre wenig genug!

      Bleiben die heutigen Macher hartnäckig und blind - ich hoffe da immer noch auf das fertige Schloss - dann bleiben nur noch die künftigen Generationen. Aber dafür bin ich eigentlich zu egoistisch.
      Schlüters Treppenhäuser sind im Grunde Teile der Fassadenarchitektur; sehr wahrscheinlich waren die Treppenhausrisalite ursprünglich unverglast, die Stockwerks-Säulenordnungen setzten sich in den Treppenhausarchitekturen nach dem Prinzip der Prospettiva nach hinten fort. Die Rückwand des Großen Treppenhauses war wie die Kulisse einer Bühne, auf der das barocke Staatstheater (= Hofzeremoniell) inszeniert wurde. Die Hoflauben, wären sie denn rundum ausgeführt worden, hätten dann gleichsam als Logen gedient, und der Fassadenspiegel wäre eine Art Proszenium gewesen. Ebenso waren die inneren Säulen im Rittersaal, im Elisabethsaal und in den anderen Räumen, die sich hinter den Risaliten I und V befanden, Teil der Fassadenarchitektur, desgleichen die durchlaufenden Kolonnaden in den Portaldurchfahrten. Streng genommen hätten diese Teile in den Bundestagsbeschluss, die barocken Fassaden zu rekonstruieren, einbezogen werden müssen.

      Aber das muss man den modernen Architekten, Denkmalpflegern und Kunsthistorikern erst einmal wieder klar machen: dass die Fassaden der Antike, der Renaissance, des Barock und des Klassizismus keine zweidimensionalen Elemente sind, sondern in der Regel raumhaltige und raumgreifende Architekturen, die den Innenraum mit dem Außenraum verschränken oder zumindest zwischen beiden vermitteln. Das kann man auch bei den Bauten der Museumsinsel, v.a. dem Alten Museum, studieren.

      Hier noch eine Literaturempfehlung:
      faz.net/aktuell/feuilleton/bue…d-vermauert-11057371.html
    • Kardinal schrieb:

      Es ist hier aber eine Tendenz (eben allgemein, gar nicht mal speziell nur Dein Beitrag) vielen am Bau Beteiligten, die nicht ausschließlich die reine Konstruktion betreiben, irgendwelche Umtriebe mit der Zielsetzung perfide die Rekonstruktion zu hintertreiben und lächerlich zu machen zu interpretieren. Da wird es dann aber langsam albern. Ich möchte eben, dass sich hier alle mal prüfen, wie realitätsnah solche Unterstellungen sind, ob man selbst schon darin und sich somit nicht in ein etwas paranoides Weltbild verstrickt und sich selbst und anderen das Leben schwer macht.
      Dem ist nichts hinzuzufügen.
      Hannover ist eine mittelmäßige Stadt, aber dort sind viele, die sich große Mühe geben, etwas Besonderes daraus zu machen.
      Dresden ist eine besondere Stadt, aber hier sind leider viele, die alles versuchen, etwas Mittelmäßiges daraus zu machen (M. Roth)
    • Seinsheim schrieb:

      Schlüters Treppenhäuser sind im Grunde Teile der Fassadenarchitektur.
      [...]
      Hier noch eine Literaturempfehlung:
      faz.net/aktuell/feuilleton/bue…d-vermauert-11057371.html
      Danke für Deine klarsichtigen Ausführungen und den Hinweis auf den Artikel! Angesichts des Anspruchs, das Humboldt-Forum als "demokratischen Stadtraum" zu gestalten, böte das Treppenhaus doch den idealen Ort dafür. Hoffentlich wird man dies noch erkennen und aus der politischen Floskel eine Tatsache machen.
    • Übrigens war es auch bei dem großen Schloss Weißenstein in Pommersfelden (bei Bamberg) so, dass das riesige und großartige barocke Treppenhaus nur gänzlich durchbrochene barocke Türflügel der Außentüren (aus Gusseisen) hatte, also letztlich nach außen offen war. Dies scheint dem barocken Zeremoniell des Wilkommens zu entsprechen sowie dem des "fürnehmen" Abschiednehmens. Bei sehr hoch gestellten (Staats-) Besuchern ging der Hausherr bis ganz unten ins Pareterre dem Gast entgegen. War der Besucher nicht ganz so hoch gestellt , so ging der Hausherr bis zur halben Treppe hinunter, um den Gast in Empfang zu nehmen. Bei weniger bedeutenden Gästen empfing der Hausherr oben auf der Treppe. Soviel mir bekannt, wurden erst nach dem II. Weltkrieg in Schloss Weißenstein bei Pommersfelden an die besagten gusseisernen, durchbrochenen Haustürflügel Glasscheiben angebracht, um fürderhin im Winter ein völliges Auskühlen des Baues zu verhindern.

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    • Villa1895 schrieb:

      Übrigens war es auch bei dem großen Schloss Weißenstein in Pommersfelden (bei Bamberg) so, dass das riesige und großartige barocke Treppenhaus nur gänzlich durchbrochene barocke Türflügel der Außentüren (aus Gusseisen) hatte, also letztlich nach außen offen war. Erst nach dem II. Weltkrieg wurden an die besagten gusseisernen, durchbrochenen Haustürflügel Glasscheiben angebracht, um künftig im Winter ein völliges Auskühlen des Baues zu verhindern.
      Pommersfelden, dessen Treppenrausrisalit mit den vier Riesensäulen m. E. eine Reminiszenz auf Portal I des Berliner Schlosses sein dürfte, ist ein gutes Beispiel. Offen war auch das Treppenhaus des Oberen Belvedere in Wien. Man konnte von Ehrenhof durch das Schloss in den Garten blicken. Das Treppenhaus des Palazzo Madama in Turin war zumindest offen geplant. Das Treppenhaus des Hotel Lambert in Paris war ursprünglich offen, viele von Sanfelice entworfenen Treppenhäuser sind es ebenso noch wie St. Florian von Prandtauer. Im Grunde sind das alles überbaute Freitreppen, ähnlich den offenen Wendelsteinen (Blois, Torgau, einst auch der Renaissance-Wendelstein in Berlin).
    • Hingewiesen sei, sicher laienhaft, auf die Form der griechischen Tempel, den peripteros: die Fassaden waren nach allen Seiten offen, also nicht zwei- sondern alle dreidimensional. Möglicherweise findet in diesen Säulengängen der offene Charakter von Fassaden späterer Epochen den Anfang.

      Eine sehr wertvolle Feststellung, lieber Seinsheim, denn der Beschluss des Bundestags erstreckt sich damit ja auf viel mehr, als heute umgesetzt wird.

      Es bleibt zu hoffen, dass solche Dinge nach Fertigstellung des Schlosses nachvollzogen werden können - freilich wenn Geld da ist! Wir müssen also weitermachen.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Bentele ()

    • Für mich gilt definitiv auch "Je mehr Schloss desto besser". Allerdings gilt für mich ebenfalls, dass das Glas eher halbvoll ist als halbleer - wer hätte vor 20 Jahren gedacht, dass man mal so weit kommen würde. Außerdem, um im Bild zu bleiben, kann über die kommenden Jahre das Glas eher noch voller werden als leerer. Es wird wohl nichts wieder rückgängig gemacht (nicht einmal von den Linken), aber wann immer mal etwas Geld angeboten wird, wird man es wohl jederzeit gerne annehmen, um damit dem Originalschloss noch näher zu kommen - sei es vor den Fassaden oder dahinter. Und ich hoffe, wohlhabende Mäzene wird es immer wieder einmal geben.
      _______________________________________
      Gutmensch = Gut gedacht, nicht nachgedacht, schlecht gemacht
    • Martintre schrieb:

      Es wird wohl nichts wieder rückgängig gemacht (nicht einmal von den Linken), aber wann immer mal etwas Geld angeboten wird, wird man es wohl jederzeit gerne annehmen, um damit dem Originalschloss noch näher zu kommen - sei es vor den Fassaden oder dahinter.
      Also nichts gegen Optimismus, nur ein Selbstläufer ist die Weiterentwicklung zum Guten auch nicht.
      Und mit ideologischer Engstirnigkeit, die in Berlin leider weitverbreitet ist, wird man angebotenes Geld eben auch leider nicht "jederzeit gerne annehmen".

      So wurde z.B. ja wohl erst kürzlich das Geld, das (vom Bund) für den Neptunbrunnen usw. angeboten wurde, ausgeschlagen.
    • Ich hatte vergangene Woche einen Staatssekretär der SPD gefragt, worin der Grund der Ablehnung des Geldes für die Umsetzung des Schlossbrunnens läge. Er reagierte recht ausweichend, begründete dies mit der doch sehr umfangreichen Debatte, die sich darum bewegt und das nach Meinung von Experten eine Umsetzung abzulehnen sei. Außerdem möge er das Humbolt-Forum als Gebäude nicht und schon gar nicht die Schlossfassade. Und außerdem, nur weil ein paar Nostalgiker kräftig beim Bund Lobbyarbeit gemacht hätten müsse Berlin noch lange nicht das Geld annehmen.
      Das ganze leider auch mit sehr überheblichem und sich über meine Frage amüsierendem Gestus. Abschließend muss ich dazu leider sagen, dass man merkte, dass er nicht wirklich Ahnung von der Materie hatte, dafür aber eine Meinung. Bedauerlich, dass solche Leute entscheiden. Es will mir nicht in den Kopf, warum soziale und weltoffene Politik so oft mit der Ablehnung jeglicher Rekonstruktion und Wiedergewinnung von historischen Orten einhergehen muss. Warum??!!

      Noch ein Nachtrag. Es wurde auch gesagt, der Brunnen gehöre Berlin und daher könne man damit machen was man will. Ist diese Annahme richtig? Der Brunnen wurde damals an das Kaiserhaus geschenkt. Gehörte er dann später der Republik als Rechtsnachfolger oder ist eigentlich die Stiftung Preussischer Kulturbesitz/Schlösserverwaltung Eigentümerin. Denn anders als beim Reiterdenkmal Friedrichs Unter den Linden ist der Brunnen im Besitz des Kaiserhauses gewesen und somit könnte diese etwas mobile Immobilie heute auch dem Bund gehören und dann könnte der damit machen was er will. Wem also gehört er?

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Friedenau ()

    • Friedenau schrieb:

      Warum??!!
      Weil wir vor 70 Jahren den Adolf hatten - darum. Es kann nicht sein, was nicht sein darf....
      Hannover ist eine mittelmäßige Stadt, aber dort sind viele, die sich große Mühe geben, etwas Besonderes daraus zu machen.
      Dresden ist eine besondere Stadt, aber hier sind leider viele, die alles versuchen, etwas Mittelmäßiges daraus zu machen (M. Roth)
    • Du, es ist aber so. Ich finde das ja auch nicht gut.

      Diese ganze Republik ist spätestens seit 15 Jahren, d. h. seitdem die 68er-geprägte Generation überall in amt und Würden kam, vollkommen links-verdreht, wo zu die - natürlich reale - deutsche Schuld kommt.

      Man sagt sich: "Für die (von den Alt-Konservativen der Adenauer-Ära) (aus ihrer Sicht natürlich: leider) historisch wiederaufgebauten Gebäude können wir ja (glücklicherweise) nichts. Das ist ja Bestand schon wieder. Nun nur nicht in das Gleiche (= den gleichen Fehler) verfallen und deshalb alle Rekobestrebungen im Keim bekämpfen...

      Diese Tendenz spürst du heutzutage praktisch überall. Uns betreffend: im Bereich von Kunst und Kultur (Museum, Uni - aber eben auch v. a. in der Denkmalpflege) herrschen links-intellektuelle Kreise absolut vor.

      Gnade uns Gott, Dtl. wäre unter diesen Leuten jetzt in dem Zustand von 1945: NICHTS, aber auch rein gar nichts wäre wiederaufgebaut worden und der Abbriß und Nicht-Wiederaufbau wären noch viiiiiel gravierender geworden. Des halb bin ich hier ja immer der Meinung, man muss unendlich dankbar sein, für das, was früher wie jetzt an Wiederaufbau gelang und nicht abgerissen wurde.

      Die Linken (dazu zähle ich als SPDler-Sohn leider auch diese Partei) auch haben praktisch überall, in Ost und West, und zwar zu allen Zeiten sich niemals mit der Idee eines historischen Wiederaufbaus anfreunden können und können es bis heute nicht. Das, was positiv wurde, haben bürgerlich-konservative Kreise und Politiker meist mit enormem Kraftaufwand, durchboxen müssen. Wie gesagt: In Ost und Westdtl.

      Ja, die Deutschen sind ganz sicherlich eines der seltsamsten Völker dieser Erde: Dichter, Denker und Künstler, wo du nur hinguckst, intellektuell, wirtschftlich, wissenschaftlich hochentwickelt, aber mit der Tendenz zur Selbstbestrafung, zum Selbsthass und zur Selbstzerstörung.... menschlich-seelisch arme Hanseln.... Die Deutschen brauchen dringend einen Psychotherapeuten oder nen anderen Erlöser...
      Hannover ist eine mittelmäßige Stadt, aber dort sind viele, die sich große Mühe geben, etwas Besonderes daraus zu machen.
      Dresden ist eine besondere Stadt, aber hier sind leider viele, die alles versuchen, etwas Mittelmäßiges daraus zu machen (M. Roth)
    • Friedenau schrieb:

      Ich hatte vergangene Woche einen Staatssekretär der SPD gefragt, worin der Grund der Ablehnung des Geldes für die Umsetzung des Schlossbrunnens läge. Er reagierte recht ausweichend, begründete dies mit der doch sehr umfangreichen Debatte, die sich darum bewegt und das nach Meinung von Experten eine Umsetzung abzulehnen sei. Außerdem möge er das Humbolt-Forum als Gebäude nicht und schon gar nicht die Schlossfassade. Und außerdem, nur weil ein paar Nostalgiker kräftig beim Bund Lobbyarbeit gemacht hätten müsse Berlin noch lange nicht das Geld annehmen.
      Das ganze leider auch mit sehr überheblichem und sich über meine Frage amüsierendem Gestus. Abschließend muss ich dazu leider sagen, dass man merkte, dass er nicht wirklich Ahnung von der Materie hatte, dafür aber eine Meinung. Bedauerlich, dass solche Leute entscheiden.
      :applaus: Danke für den Erfahrungsbericht, Friedenau. Ich habe kürzlich die gleiche Erfahrung gemacht.

      In der Causa Neptunbrunnen ist erst einmal nichts Vernünftiges zu erwarten, der Brunnen wird bleiben wo er ist und vor sich hinrotten. Die einzige Hoffnung ist, dass dieser grottenschlechte Senat in eine paar Jahren abgewählt wird.
      Ich habe mich auch in der Causa Neptunbrunnen per Mail an die verschiedenen Beteiligten in Bund und Senat gewandt, eine Antwort habe ich natürlich nur von den Schloss-Freunden im Bund bekommen. Die Senatsvertreter von den angeblich so sozialen, weltverbessernden und bürgernahen linken Parteien haben es natürlich nicht nötig, sich mit "ewig gestrigen" Schloss-Nostalgikern wie uns abzugeben, da wird nicht mal eine kleine Email beantwortet. Und wenn man mit solchen Typen persönlich spricht wie Friedenau, erntet man nur ein höhnisches Grinsen. Ehrlich, man kann froh sein dass das Schloss inzwischen zum Großteil fertig gestellt ist und als Bau irreversibel ist. Ginge es zu diesem Zeitpunkt noch einmal um die Grundsatzentscheidung des Wiederaufbaus, dann würde dieser Senat, dessen Vertreter (wie oben berichtet) mehrheitlich ja "das Schloss gar nicht mögen", sich völlig querstellen.

      Dieser linke Senat ist eben durch und durch eine Katastrophe (siehe mal hier), Priorität hat die Umsetzung der Ideologie der Grünen und Linken, währenddessen der BM Müller von 20%-SPD ein äußerst schwacher "Chef" ist, der an seinem Sessel klebt aber nichts zu melden hat. Die Stadt wird in den nächsten Jahren systematisch runtergewirtschaftet werden. Und Baupolitik macht jetzt Frau Lompscher von der Ex-SED im Bündnis mit der geduldeten Regula. Die Bande im Roten Rathaus ist einfach zur zum kotzen...
      :aufdenkopf:

      .
    • Ja, Oktavian, da hast du wirklich Recht.
      Ich gehöre wohl schon zur nächsten Generation - und ich würde mich als durchaus links bezeichnen aber ich habe keine Angst vor Gebäuden und Architektur. Ausschlaggebend ist der Inhalt. Das weiße Haus ist immer noch ein hervorragendes, schönes und harmonisches Gebäude auch mit Trump als Inhalt, vor dem man durchaus Angst haben kann. Ich werde weiterhin meine Stimme für Rekonstruktionen bei den Genossen erheben und versuchen Gleichgesinnte zu finden um auch bei linken Politikern die Augen und Herzen für Stadtreparatur, gute Architektur und eine lebens- und liebenserte Stadtlandschaft zu öffnen. Für den Wiederaufbau des Schlosses habe ich seit 1992 gekämpft und Überzeugungsarbeit geleistet und ich bin glücklich zumindest das Äußere in weiten Teilen langsam entstehen zu sehen. Und so werde ich weiter diskutieren und dafür werben - gerade bei den linken Politikern, dass sie durch die Rekonstruktionen nichts verlieren sondern vielmehr gewinnen werden.
    • Friedenau schrieb:

      Ich werde weiterhin meine Stimme für Rekonstruktionen bei den Genossen erheben und versuchen Gleichgesinnte zu finden um auch bei linken Politikern die Augen und Herzen für Stadtreparatur, gute Architektur und eine lebens- und liebenserte Stadtlandschaft zu öffnen.
      Das ehrt Dich und ich wünsch' Dir von Herzen auch viel Erfolg. Aber vergiss' bitte nicht, dass du es dort weitgehend mit Ideologen zu tun hast...
      Fakt ist: Berliner Schloss und Frauenkirche Dresden, Potsdamer Stadtschloss und Alter Markt (man sieht ja, dass es dort alles immer schwieriger wird), Frankfurter Altstadt und Dresdner Neumarkt wären unter den heutigen (Flüchtlings-)Gegebenheiten nicht mehr vorstellbar. Um so mehr bin ich eben dankbar für das Erreichte, auch etwa für das, was aktuell am Dresdner Schloss läuft.

      Je älter ich werde, so stelle ich fest, dass die Reko-Welle in Wellen läuft. Mal gibt es bessere und intensivere Jahre (die haben wir jetzt leider hinter uns), dann kommen wieder 10-20 Jahre, wo es abflaut...(also nicht in den Herzen der Bürger, sondern eben in dem, was umsetzbar ist).

      Ich komme mir in dieser Republik manchmal wie ein aus der Zeit gefallener 90jähriger Greis vor.... Nein, ich bin nicht Heesters.....
      Hannover ist eine mittelmäßige Stadt, aber dort sind viele, die sich große Mühe geben, etwas Besonderes daraus zu machen.
      Dresden ist eine besondere Stadt, aber hier sind leider viele, die alles versuchen, etwas Mittelmäßiges daraus zu machen (M. Roth)
    • Das mit den zeitlich voneinander trennbaren Rekonstruktions-Wellen ist ja auch durchaus verifizierbar.

      Ich hatte zudem mal vor einigen Jahren einen Thread eröffnet, in dem es um die Folgen der Finanzkrise/Euro-Krise auf das Baugeschehen ging (der dann in der Versenkung verschwand). Diese Krise ist ja bislang durch die Niedrigzinspolitik nur kaschiert, aber keinesfalls beendet. In Kombination mit der "Flüchtlings"-Problematik wird das dann möglichenfalls erst zum Gau für mögliche Rekonstruktionsprojekte führen.

      Übrigens, Heesters bis Du nun wirklich nicht. Da müsstest Du erst mal 100 werden. ;)