Augsburg

    • Zeno schrieb:

      Endlich? Hast Du "endlich" gesagt?? Als ob Du es nicht mehr erwarten könntest. In eines der großartigsten Ensembles nördlich der Alpen wird so ein sagenhaft abstoßender, grauenhafter Klotz reingestellt. Einfach fürchterlich, ein Horror! Und Du tust so, als ob Du das auch noch gut finden würdest. Solange ich denken kann, war da fast eine Baulücke, weil das Pfarrhaus zurückliegend im Grundstück war. Und nie, nie war das irgendein Problem.

      Der Nachkriegsbehelf, in dem zuletzt das Pow Wow war, auf dem Grundstück Maximilianstraße 23 war auch nie wirklich irgend ein Problem. Es war halt eine Lücke. Die Lücke wurde bei Max 23 auch angenehm geschlossen, wenn man sich das Resultat ansieht: klassisches Giebelhaus, Fenster mit Sprossen, Steinsimse, sogar Doppelfenster wie im Gründerzeitler (vermutlich hier aus Schallschutzgründen, da die Sparkasse mit Beratungsräumlichkeiten einziehen soll). Es fügt sich gut in die Häuserzeile ein und verkneift sich komische "Brüche" mit den alten Gebäuden, tut aber auch nicht so, als wäre es ein historisches Gebäude. Man darf ruhig sehen, dass es sich um ein neuzeitliches Gebäude handelt. Die Visualisierungen waren auch eher abschreckend technisch und simplifiziert/"grau".

      Geb nicht soviel auf die Visualisierung. Das neue Pfarrzentrum wird sich gut einfügen und endlich diese Blockkante schließen. Die bisherige Brache mit Brandwand passte nämlich erst recht nicht zu einem der großartigsten Ensembles nördlich der Alpen.

      Wie man auf anderen Visualisierungen sieht wird es doch angenehm klassisch:

      staab-architekten.com/img/3091_ULA130328p1.jpg

      Satteldach mit Dachziegeln, Mineralputzfassade, die Backsteinwand im unteren Bereich bleibt unangetastet, selbst den (sicherlich vom Bauherren gewünschte) verglaste Eingangsbereich ist, bis auf die Gebäudekante, zurückversetzt und wird letztlich das Ensemble ganz genauso wenig stören, wie die zig vorhandenen, großen Schaufenster in Erdgeschossläden in Bestandsbauten entlang der Maxstraße. Selbst Dachgauben sind vorhanden (und die werden selbstverständlich nicht Dachöffnungen ohne Fenster sein, wie auf der abstrahierten Visualisierung dargestellt ist). Mag sein, dass ich mir persönlich noch hübschere Pläne vorstellen könnte. Aber dein "Horror" (usw, siehe oben) erscheint mir doch reichlich übertrieben.
    • Urmel schrieb:

      Geb nicht soviel auf die Visualisierung.
      Wenn ich glauben will, dass es in realita deutlich wesentlich besser wird als in staab-architekten.com/img/3091_ULA130328p1.jpg abgebildet, dann bedeutet das nichts anderes, als dass diese Abbildung erheblich unzutreffend das Künftige darstellt. Bin ja gespannt, was kommt. Und selbstverständlich lasse ich mich positiv überraschen. Die "Visualisierungen", wie das so neudeutsch heißt, lassen bis dato jedenfalls nichts übermäßig gutes erwarten. Kann natürlich sein, dass die "Visualisierungen" auf modernistisch getrimmt sind, um bei gewissen Leuten besser anzukommen, während dann doch qualitätsvoller gebaut wird. In diesem Fall besitzen die Bilder (auch staab-architekten.com/img/3091_ULA130328p2.jpg) so wenig Detailreichtum, dass es eher in Richtung Prinzipskizze geht, was Du mit dem Begriff "abstrahierend" ausgedrückt hast. Diese Möglichkeit freilich bedeutet eine gewisse Hoffnung.
    • Augsburg leistet sich einen "Baukunstbeirat" und der sorgt eigentlich immer dafür, dass letztlich die stadtbildverträglichste Version eines Entwurfs in die Ausführung kommt. Das ganze Gebiet steht ja auch unter Ensembleschutz (alle denken immer nur an den Denkmalschutz von Einzelbauten, der Ensembleschutz ist aber auch ein scharfes Schwert!). Ich erwarte zwei ziegelgedeckte Satteldachbauten, mit pastellfarben angestrichenem Mineralputz und Lochfassade sowie Dachgauben und einen sanierten Backsteinsockel zum Hang hin. Allemal annehmbar als Lückenfüller und so entsteht vor St. Ulrich endlich ein gefasster Stadtplatz, während dieser "Bereich" (Platz kann man es eigentlich nicht nennen), seit der Kriegslücke irgendwie immer Richtung Milchberg "zerläuft". Ähnlich auch die Ansicht vom Milchberg hoch zu St. Ulrich, da wird der Blick immer zu der Lücke und der unansehnlichen Brandwand gezogen, das beißt sich enorm mit dem Panorama von St. Ulrich. Und da der Vorkriegsbau nun wirklich ein Haus ohne nennenswerte Eigenschaften war, würde ich hier auch nicht unbedingt eine Rekonstruktion fordern.

      Und wenn man schließlich den Bauherren bedenkt, die ev. Kirche ist ja eher dafür bekannt, "karg" zu bauen, ist der Entwurf fast schon opulent ;)
    • Und ich nenne deine Äußerung Polemik. Diese Visualisierung ist eine bessere Skizze, keine Simulation des fertige Baus. Wie hier schon geschrieben wurde, aber auch offensichtlich ist (siehe zB die fensterlosen Dachgauben oder die Darstellung des Daches als offensichtlich nur angedeutete Ziegel). Wenn du das nicht sehen willst, bitteschön. Mir ist der Bau tausendmal lieber, als der unterdimensionierte und banale Vorkriegsbau, der weder zu seinen wuchtigeren Nachbarn, noch zur viel wuchtigeren Basilika St. Ulch und Afra gegenüber, irgend einen Bezug aufbauen konnte. Wenn du jedoch "in dubio pro reko" als Mantra hast, dann bringt wohl alle Diskussion nichts. Ich dachte hier jedoch nicht im "Rekonstruktion Deutschland"-Forum zu sein, sondern im Stadtbild Deutschland Forum. Und für das Stadtbild ist das eine passende Füllung der klaffenden Nachkriegslücke. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.
    • PS: ich habe nochmal recherchiert und kann bestätigen, das Dach wird mit Ziegel gedeckt; Sturz, Laibung und Fensterbrett der Fenster werden, ebenso wie der Rahmen des gläsernen Eingangsbereichs und der unterste Sockel des Gebäudes, mit Stein verkleidet; die Hangmauer bleibt als Backsteinmauer erhalten; die Fassade erhält einen Mineralputz; auch die Dächer zum Innenhof hin, die von der Maxstraße aus nicht sichtbar sein werden, erhalten Schrägen. Wie gesagt, klassische, schwäbische Bauweise, der man aber ansieht, dass es ein Neubau ist. Und ja auch ansehen darf.

      "Horror" ist für mich der Neubau von katholisch St. Ulrich aus den 70ern auf der anderen Seite der Doppelkirchenanlage:

      upload.wikimedia.org/wikipedia…t._Ulrich%2C_Augsburg.jpg

      static.panoramio.com/photos/large/12062081.jpg



      Das im Kontext betrachtet - der evangelische Neubau immer noch "Horror" usw.?

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Urmel ()

    • Urmel schrieb:


      ich habe nochmal recherchiert und kann bestätigen, das Dach wird mit Ziegel gedeckt; Sturz, Laibung und Fensterbrett der Fenster werden, ebenso wie der Rahmen des gläsernen Eingangsbereichs und der unterste Sockel des Gebäudes, mit Stein verkleidet; die Hangmauer bleibt als Backsteinmauer erhalten; die Fassade erhält einen Mineralputz; auch die Dächer zum Innenhof hin, die von der Maxstraße aus nicht sichtbar sein werden, erhalten Schrägen. Wie gesagt, klassische, schwäbische Bauweise, der man aber ansieht, dass es ein Neubau ist. Und ja auch ansehen darf.
      Das mag ja alles sein, und wir hoffen natürlich auch, dass es was gescheites wird. Aber Du musst uns schon zugestehen, dass wenn uns die Informationen, die Du jetzt recherchiert hast, gefehlt haben, dass wir dann halt nach den Bildern gegangen sind. Und diese machen nun mal nicht den Eindruck, dass wir da auf was Großartiges hoffen können. Aber wie gesagt, wir lassen uns gerne eines besseren belehren und positiv überraschen. Nur wollen wir es aber erst einmal sehen.

      Urmel schrieb:

      "Horror" ist für mich der Neubau von katholisch St. Ulrich aus den 70ern auf der anderen Seite der Doppelkirchenanlage
      Eine Bausünde (meinetwegen können wir auch sagen "schlechter Neubau", das ist doch jetzt nicht kriegsentscheidend) kann man nicht mit anderen Bausünden rechtfertigen.

      Urmel schrieb:

      Das im Kontext betrachtet - der evangelische Neubau immer noch "Horror" usw.?
      Noch fehlt mir der Glaube, dass es was gescheites wird. Warten wir ab.

      Und als von Schwaben weiß ich natürlich sehr genau, wie gut bei uns gebaut wird. Leider aber setzen sich auch in Schwaben immer wieder gesichtslose, mehr oder weniger modernistisch geprägte Neubauten durch. Ich bin der Meinung, dass es in Augsburg weit und breit das beste Bauen gegeben hat. Das war in den 80er-Jahren und hält noch an, aber wir kommen immer weiter weg vom traditionellen Bauen. Die absolut altstadtuntauglichen Blöcke zwischen Kapuzinergasse und Weiter Gasse gehören jedenfalls nicht der traditionellen schwäbischen Bauweise an.

      Urmel schrieb:

      von der Maxstraße aus
      Das ist eigentlich der Ulrichsplatz. Und das größere Gebäude zwsichen St. Ulrich und Afra und Kappelberg nennt sich eigentlich Haus St. Ulrich.
    • Direkt südlich des kath. Haus St. Ulrich schließen ja vorbildliche Wohnblocks der städtischen Wohnungsbaugesellschaft an. In den 70ern und 80ern gebaut und geplant, wirken sie mit ihren kleinteiligen Ziegeldächern und Putzfassaden, mit klassischen Holzfenstern und den schmalen Gassen stimmig. Sie schlagen die Verbindung vom Zentrum zum Roten Tor und man hat nicht das Gefühl, dass man die Altstadt verlässt, wenn man dort entlang spaziert, auch wenn man natürlich sofort sieht, dass das "Neubauten" der Gegenwart sind:

      static.panoramio.com.storage.g…photos/large/53021967.jpg

      Solche Beispiele gibt es insgesamt ja recht viele in Augsburg, bis in die heutige Zeit (siehe auch in der Maxstraße, das Projekt Max 23). Sowas, denke ich, wird auch hier am Ende entstehen.
    • Stefan Zweig schrieb 1925 folgendes über Augsburg:

      Ich danke Augsburg einer der stärksten bildnerischen Eindrücke, die mir je eine deutsche Stadt gegeben. Ich kannte Augsburg noch nicht und wollte doch gerne einen übersichtigen Blick tun in die altberühmte Stadt; der Sommermorgen war licht und klar.

      So stand ich schon um halb fünf Uhr morgens auf und ging durch die Straßen. Unvergeßliche Erinnerung. Die Menschen waren noch nicht wach, die Plätze leer: wie durch ein anderes Jahrhundert ging ich vorbei an den palastähnlichen Gebäuden, die unverstellt ihre kraftvoll wuchtige Schönheit in steigendem Licht erhellten.

      Was sonst die Stunde fühlen läßt und die Gegenwart, lag noch im Schlummer, nur das Vergangene war wach mit einer Eindringlichkeit und vornehmen Gewalt, wie ich sie kaum je an einer anderen deutschen Stadt gespürt habe. Nur die Brunnen sprachen, mit schönen Gestalten geschmückt, nur die bemalten Häuser boten Rede und Spruch.

      Ich ging durch die Tore, die altertümlichen kleinen Straßen, und hinab zum Lech. Inzwischen waren die Glocken an den Kirchen wachgeworden. Ich trat ein: es waren einige wenige Fromme darin, alte Leute zumeist mit holzschnittartigen Gesichtern, wie man sie von den Tafeln der deutschen Meister kennt, und an ihnen wie an den alten Häusern von vordem empfand ich den starken Zusammenhang, der hier - stärker als fast überall - noch Vergangenes mit unserer Zeit bindet.

      Dann begannen die Sirenen zu pfeifen, die Fabriken, die mächtigen mußten im Gange sein, die Straßen bekamen Leben, der Tag des Erwerbs trat vor, hastig, vehement wie überall.

      Aus: Augsburg so wie es war (Ludwig Wegele, Droste Verlag, 1974)