Dresdner Bausünden

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    • Dresdner Bausünden

      Der Übersichtlichkeit halber habe ich mal einen eigenen Strang eröffnet, der sich speziell mit den Dresdner Bausünden beschäftigt.

      Heute schauen wir uns den Postplatz und die neuen sich durch den Würfel ergebenden Blickbeziehungen an.

      Nochmal die Zwinger-Innennansicht:



      Hier eine weitere Innenansicht.Man achte auf die Dachaufbauten des Würfels:



      Von Außerhalb des Zwingers fällt der Blick in Richtung Postplatz unweigerlich auf die Fassade:



      Die städtebauliche Lösung beansprucht zwar eine gewisse Endgültigkeit, wirkt aber alles andere als überzeugend. Hier der Zusammenhang von Taschenbergpalais, Advanta-Riegel und Würfel:



      Werfen wir nun einen Blick aus der Nahansicht auf den Würfelbau. Auch aus der Nähe wirkt er billig und beliebig:



      Auch einen fantasievoll gestalteten Innenhof gibt es, der mit einem Drahtkunstwerk aufgewertet wird: :zwinkern:



      Und weil das alles so schön ist hiernochmal eine Gesamtansicht:

    • Vielen Dank für diesen Strang. Beim Fotografieren merkt man regelmäßig wie schwierig es ist ein schönes Motiv ohne modernistisches Beiwerk ins Bild zu setzen, wiederum gekonnt zeigen vermutlich die ein oder anderen Aufnahmen welch städtebauliche Chancen hier vertan w(u/e)rden und was das modernistische Beiwerk anrichtet... :augenrollen:


      Jeder, der sich die
      Fähigkeit erhält Schönes zu erkennen, wird nie alt werden.

      www.archicultura.ch

    • Wie kann einem der Riegel "gefallen"? Ich vermute mal, das meinst Du nicht wörtlich. Klar, in dem Riegel steckt etwas mehr Kreativität als in dem Würfelklotz (wozu allerdings auch nicht viel gehört) - aber in dieser Umgebung (neben Taschenbergpalais und Zwinger) kann ich beide Gebäude nur hassen. Hinzu kommt beim Riegel, daß er die Sophienkirche überlagert. In der St. Petersburger Straße würden beide Bauten eher positiv auffallen.
    • Kann mal bitte jemand den Ku... den Palast der Sozialistischen Kultur fotografieren? Und die Plattenbauten jenseits der St. Petersburger Strasse? Die am Lenneplatz? Die am Sachsenplatz? Die in der gesamten Pirnaischen Vorstadt? Die in der inneren Neustadt? Die in der Südvorstadt, West und Ost? Die an der Prager Strasse? Die Prager Spitze? Die Waben der Centrum Gallerie? Den Prager Riegel? Die neue Mensa? Das neue Fussballstadion? Das neue Eishockeystadion? Das Kongresszentrum? Die Gartenparzellen in der Leipziger Vorstadt? Darf erweitert werden...


      Der UFA Pallast sieht ganz witzig aus, wäre aber besser aufgehoben am Elbepark. Letztens erst eine Bilderstrecke im Spiegel(?) gesehen von historischen Kinosälen. Da waren Augenweiden dabei, Samt und kunstvolle Wände, Logenplätze, wie eine kleine Semperoper. Auch eines aus Dresden war dabei, bezeichnenderweise war es das Rundkino... T_T
    • Habe noch nie erlebt, daß so ein Bauwerk einen derart leidenschaftlich-emotionalen Haß hervorruft,
      kurioserweise nur von Zugereisten oder aus der Ferne schimpfenden.

      Dabei finde ich den Begriff "Palast der Sozialistischen Kultur" nicht so
      schlecht und negativ wie vielleicht jemand, der mit den Konditionierungen
      westlicher Kalter-Kriegs-Propaganda aufgewachsen ist.
      Immerhin konnten dort Generationen von Dresdnern Schulkonzerte besuchen für eine Mark Unkostenbeitrag,
      um dann mit Musikern der Dresdner Philharmonie einmal im Jahr lebendigen Musikunterricht zu erleben.
      Eine Tradition, die glücklicherweise bis heute erhalten blieb.
    • Was für "Propaganda" soll denn das gewesen sein? Die Wahrheit ist doch, daß sich für die DDR überhaupt niemand (wenn ich mal für die achtziger Jahre im Münchner Raum sprechen darf) interessierte, weder Medien noch Schule, und Dresden gefühlt hundertmal weiter weg war als die Costa Brava oder Rimini.
      "O meu amor tem um jeito manso que é só seu Que rouba os meus sentidos, viola os meus ouvidos Com tantos segredos lindos e indecentes" (C. Buarque)
    • Erstmal danke an Vitruv für die aussagekräftigen Fotos!
      Ich hätte diese jedoch im Bausituationen-Strang passender gefunden. Mir persönlich ist dieser ganze neue "Bausünden"-Thread einfach wieder mal viel zu negativ. Da werden längst bekannte Tatsachen über bauliche Mißstände innerhalb der Dresdner Innenstadt wieder aufgekocht und emotionalisiert. Dass der Kubus Mist ist, das wissen wir hier doch alle seit die Planung bekannt ist... ;)
    • Im Bausituation-Faden wären die Bausünden vor lauter Hurra-Architektur untergegangen. Ja, es geht um die negative Seite der Stadt. Besonders die/der Auswärtige soll sich hier das anschauen können, was unsere Kameras eher nicht fotografieren. Durch geeignete Perspektiven sollen die massiven Fehler der Stadtplanung verdeutlicht werden und das Bild vom "schönen Dresden" zurechtgerückt werden.

      Nachher gibts weitere Bilder, vielleicht vom Wiener Platz. Das schöne ist, dass mir die Motive nie ausgehen werden. Aber vorsicht: wer die Illusion bewahren will, dass Dresden eine außergewöhnlich schöne Stadt ist, sollte diesen Faden meiden!
    • "Vitruv" schrieb:

      Nachher gibts weitere Bilder, vielleicht vom Wiener Platz. Das schöne ist, dass mir die Motive nie ausgehen werden.


      Ja mach mal bitte. Besonders dieses Geschäftshaus im Norden, in dem DM und dieser Schuhladen drin ist, ist wohl mit das Abscheulichste, was je in DD gebaut wurde. Ansonsten wissen die Glasgebäude auf ihre Art zu gefallen. Abends ist die Prager Spitze schön illuminiert und selbst im Gebäudeinneren hat man nicht gleich das Gefühl, ein billiges Abschreibungsobjekt zu betreten (d.h. kein Sichtbetontreppenhaus etc.).
      Wenn du schon in der Stadt bist, kannst du gleich mal den neuen Lichtstrahler am Altmarkt fotografieren. Ich hab das Teil neulich in der Dämmerung vom Külzring aus erst für einen Baukran gehalten! :augenrollen:
    • Ich kenne zwar Dresden (noch) nicht aus der Nähe. Deswegen will ich mich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen. Die Bilder zeigen zwar wirklich keinen großartigen Bau, jedoch muss ich sagen, dass sich sowohl bei uns als auch in anderen Großstädten weit schlimmere Bausünden finden lassen - vorzugsweise alle aus den 70er Jahren. Jammert man in Dresden auf zu hohem Niveau?
    • muss ich sagen, dass sich sowohl bei uns als auch in anderen Großstädten weit schlimmere Bausünden finden lassen - vorzugsweise alle aus den 70er Jahren.


      Das ist es ja gerade: Die hier gezeigten Bausünden stammen nicht aus den 70er, sondern aus den 90er und 00er Jahren. Und eben das macht die Sache ja umso frustrierender, weil heutzutage bzw. in jüngerer Vergangenheit immer noch so häßlich gebaut und immer noch so wenig Rücksicht auf historische Bauten genommen wird!
    • "Vitruv" schrieb:

      Im Bausituation-Faden wären die Bausünden vor lauter Hurra-Architektur untergegangen. Ja, es geht um die negative Seite der Stadt. Besonders die/der Auswärtige soll sich hier das anschauen können, was unsere Kameras eher nicht fotografieren. Durch geeignete Perspektiven sollen die massiven Fehler der Stadtplanung verdeutlicht werden und das Bild vom "schönen Dresden" zurechtgerückt werden.

      Nachher gibts weitere Bilder, vielleicht vom Wiener Platz. Das schöne ist, dass mir die Motive nie ausgehen werden. Aber vorsicht: wer die Illusion bewahren will, dass Dresden eine außergewöhnlich schöne Stadt ist, sollte diesen Faden meiden!


      @Vitruv zum Glück liegt Schönheit immer im Auge des Betrachters. Zum Glück kann niemand beurteilen was andere als schön empfinden. Ich habe, Du wirst es kaum glauben bei meinen Stadtführungen Leute getroffen denen die Prager Strasse gefallen hat.
      Ich finde es ehrlich gesagt schon verschroben die hässlichen Seiten einer Stadt aufzuzeigen nur mit dem Ziel Ihr Imeage anzukratzen.
      Bisher waren alle, und egal aus welcher Ecke der Bundesrepublik Sie kamen äusserst beindruckt von den vielen schönen Ecken die Dresden zu bieten hat.
      Die Fehler und Borniertheit der Stadtplanung sind manchmal zum verzweifeln, aber mit Sicherheit kein Dresdner Phänomen. Es ist auch nicht notwendig immer wieder nach einem wie auch immer gearteten Bürgertum zu schreien und die bösen Kommunisten zu verteufeln wenn man sich die meisten Westdeutschen Städte nur anzuschauen braucht und sieht was da alles nach dem Krieg zerstört wurde auch getragen von den sogenannten bürgerlich-konservativen Eliten.
      Der Charme Dresdens begründet sich im übrigen zu einem großen Teil aus der Lage. Selbst wenn man den ganzen Innenstadt-Bereich mit Plattenbauten zugeworfen hätte, das beleuchtete Elbtal wäre trotz allem noch eine Attraktion gewesen.
      Bei dem einen oder anderen kommt es mir vor als würden persönliche Befindlichkeiten den Wunsch erzeugen Dresden hässlich zu machen. Sozusagen der vernarbten Schönen noch zusätzlich eine Fratze aufzuschminken.
      Dies ist unproduktiv und lenkt von dem eigentlichen Ziel dieses Forums, der produktiven Disskusion und des Engagements für historische Stadbilder ab.
      An der Wiederaufbauleistung im Stadtzentrum und der durch das engagierte Auftreten der GHND möglich gewordenen Reko so vieler Barock bauten kann sich bisher jede deutsche Stadt messen lassen.
    • "Leine1977" schrieb:

      Ich kenne zwar Dresden (noch) nicht aus der Nähe. Deswegen will ich mich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen. Die Bilder zeigen zwar wirklich keinen Großartigen Bau, jedoch muss ich sagen, dass ich sowohl bei uns als auch in anderen Großstädten weit schlimmere Bausünden finden lasse - vorzugsweise alle aus den 70er Jahren. Jammerst man in Dresden auf zu hohem Niveau?


      Der Unterschied ist, dass diese Bauten aus den letzten Jahren stammen oder nagelneu sind. Sollte man wirklich nichts dazugelernt haben? Dazu stehen diese Bausünden gleich neben dem wichtigsten Barockbau Dresdens. Aber du hast schon recht, Dresdens Bauten können sich durchaus mit denen in westdeutschen Großstädten messen. Das war vermutlich auf Feßenmayrs Ziel.
      Jammert man auf zu hohem Niveau? Ich denke nicht, denn eine Stadt, die stolz auf ihre Schönheit ist und sich gleichzeitig immer neue Narben zufügt, ist auf höchstem Niveau bejammernswert.

      "Stefanius" schrieb:


      Der Charme Dresdens begründet sich im übrigen zu einem großen Teil aus der Lage. Selbst wenn man den ganzen Innenstadt-Bereich mit Plattenbauten zugeworfen hätte, das beleuchtete Elbtal wäre trotz allem noch eine Attraktion gewesen.


      Und selbst diesen Vorteil macht man gerade zunichte. Fotos zur Brücke folgen auch noch. Mein etwas provokanter Ansatz soll umso stärker hervortreten lassen, was am Neumarkt gelungen ist. Ich kontrastiere das Besondere mit dem Gewöhnlichen. Meine Frage lautet: was ist das eigentliche Dresden, was ist das Niveau dieser Stadt, die den Spagat zwischen Tradition und Moderne meistern will. Was hilft es dabei, die nicht so schöne Seite auszusparen.

      Nochmal: wer sich davon provoziert fühlt, der verschließe lieber die Augen und meide diesen Faden.
    • Ehrlich gesagt, finde ich es immer gar nicht so schlecht, auch mal die nicht so dollen Ecken zu fotografieren. Gerade diese Bilder sind immer sehr interessant.

      Eine "perfekte" Stadt gibt es niergends auf der Welt. Jeder kann seine Stadt so fotografieren, dass es so aussieht, als sei sie die schönste uf der Welt. An besonders problematischen Ecken jedoch finde ich die Diskussion "warum ist das hier so, was war der Grund und was kann man besser machen", außerordentlich spannend.

      Vielleicht passt es allerdings nicht gerade ins aphforum.
    • Das Problem mit Dresden ist halt, daß die Innenstadt einschließlich der überwiegenden Johannstadt nach dem Krieg fast vollständig beräumt wurde und auf einer Fläche von gut 20 Quadratkilometern vielleicht nur noch (meine Schätzung, kann auch daneben liegen) gute 100 Vorkriegsgebäude erhalten blieben, mal als (wunderbare) historische Inseln wie die Gegend um den Fetscherplatz, mal als Einzelgebäude.

      Das Problem sind meines Erachtens gar nicht unbedingt die Nachwendebauten, die teilweise zwar ziemlich häßlich, meist aber irgendwie OK sind, sondern eher die immer gleichen DDR-Wohnbauten. Man sehe sich nur mal die Gegend um die Annenkirche auf maps.live.com an - grüne Wiese, Standard-DDR-Wohnbau, grüne Wiese usw. Und das auf zig Quadratkilometern.

      So extrem verunstaltet wurde wohl kaum eine andere Stadt im Zentrum, selbst Chemnitz sieht mit der neuen Mitte meines Erachtens heute wesentlich besser aus.
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    • Die Altmoderne hat genauso ihre Daseinsberechtigung wie der Barock oder der neue Historismus. Wer das verneint ist nicht besser als die Altmodernisten wie z.B. die in der Dresdner Stadtplanung. Ich kann mir durchaus vorstellen das es Leute gibt die auch die neue Prager Straße schön finden und sogar im 1:1 Vergleich mit der alten Prager schöner finden. Wären wir so intolerante Architekturfaschisten wie einige Altmodernisten woher nähmen wir die moralische Rechtfertigung für unsere Sache?

      Bei aller Toleranz für die verschiedenen Baustile sollte natürlich alles an SEINEM Platz sein und harmonisch verwoben sein. Solche Brüche wie das Köllmann Hotel sind einfach nicht akzeptabel.
    • @Vitruv
      Wenn dieser Strang rein dokumentarischer Art wäre, fände ich das durchaus sinnvoll. Sprich: Zu jedem Objekt 3 Fotos, kurze Angaben zu Baujahr, Auftraggeber, Kostenpunkt, Architektenbüro. Evtl. noch Informationen zu den nicht realisierten 2. und 3. Plätzen in den jeweiligen Wettbewerben, damit man sieht, was hätte werden können. Da bedarf es dann keinerlei Kommentare mehr.

      Ich hab mal überlegt, ob man nicht ein Buch machen sollte das man "Städtebau in Dresden: Verpasste Chancen seit 1990" nennt. Inhalt: Alle wichtigen Bau-Wettbewerbe in der Innenstadt, alle Sieger, alle Verlierer, die Begründungen der Jurys, ein Vorwort, ein Nachwort. Das spricht alles für sich. Da bedarf es keiner Polemik. Wie gesagt, des Kaisers neue Kleider.

      Solange aber rumgepoltert oder polemisiert wird, können sich die Damen und Herren aus der Modernisten-Lobby immer mit Verweis auf die Unsachlichkeit ihrer Gegner rausreden. Langfristig setzen sich Argumente - und das können einfach nur Bilder sein - durch...
    • Gibt es denn wirklich so viele verpaßte Chancen? Oder wurde nicht in vielen Fällen (wenn ich die Wettbewerbsergebnisse anschaue) tatsächlich das am wenigsten schlimme gebaut?
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