Wiederaufbau Frankfurter Altstadt (Areal Techn. Rathaus)

    • Naja, auf dauer muss die Schirn einfach weg. Denn sonst wird der Hühnermarkt auf ewig nur eine klitzekleine Oase im Betonmeer bleiben. Kein Vergleich zum dresdner Neumarktbereich, der zwar auch eine Oase ist, aber eben eine wesentlich größere und bedeutendere Oase, die man auf Dauer noch mit den erhaltenen Bereiche der Neustadt verbinden könnte. Das alles gibt es in Frankfurt einfach nicht.

      Nicht haltbar sind mE. ebenfalls die misslungenen postmodernen Bauten hinter dem Samstagsberg, am Krönungsweg zwischen Römerberg und Hühnermarkt (nur das neue Haus "Zu den Drei Römern" finde ich wirklich gut und erhaltenswert), und natürlich der "Bunker" des Kunstvereins. Und leider war auch das "Stadthaus" einen völligen Missgriff...

      Nördlich der Braubachstraße und westlich des Römerberges sehe ich eher weniger Potenzial, da es dort schon vor dem Krieg nicht sehr viel Besonderes mehr gab. Der Bereich zwischen Markt/Dom und Main ist hier also wirklich alternativlos!
    • Es ist ja nicht so ,dass ich mir nicht auch das Fünffingerplätzchen oder die Saalgasse in ihrer alten Pracht zurückwünschen würde. Auch sollte man gerade in diesem Forum Visionen/ Träume haben dürfen, aber der Abbruch ist sowohl aus finanziellen Gründen auf Jahrzehnte hinaus ausgeschlossen, wie auch von weiten Teilen der Bevölkerung nicht gewünscht (ich finde sie selbst an sich gar nicht mal so übel, wie auch das Museum für Moderne Kunst nicht so schlecht ist). Es gäbe wesentlich dringendere, realistischer umzusetzende Maßnahmen (Rathausdächer-/Türme, Dach der Paulskirche, Garküchen, Fassadenrekonstruktion des Goethemuseums -das EG steht ja noch unverändert- etc.)
    • Um wieder mal vom leidigen Thema Schirn Kunsthalle abzulenken, möchte ich den Berührungspunkt von ihr und dem neuen Altstadtquartier zur Debatte stellen. Vor einigen Monaten wurde hier geschrieben, dass man sich in Frankfurt mit einer allfälligen Überbauung des U-Bahnabgangs vor der Rotunde Gedanken macht. Ich weiss zwar nicht mehr, ob die Stadt oder Initianten dahinter stehen. Hierzu mal ein Überlagerungsplan des neuen Altstadtquartiers mit dem Rafensteinplan von 1861:




      Ausschnitt mit dem U-Bahnabgang:



      Die Treppenanlage nimmt heute den Platz von Alter Markt 29, 31 und des Hinterhauses von 33 ein. Zwischen Nr. 29 und 31 führte einst das Goldhutgässchen zum Fünffingerplätzchen.

      Nun kann man sich fragen, ob eine Rekonstruktion der einst dort stehenden Bauten einen Sinn macht. Vielmehr gehen die Überlegungen wohl dahin, dass hier ein Bauwerk ins Auge gefasst werden könnte, das sich an den Gegebenheiten von Rotunde und postmoderner Bebauung links (westlich) davon orientiert. Städtebaulich wäre das natürlich sinnvoller. Auch traue ich den Verantwortlichen zu, dass hier ein Bau geschaffen werden könnte, der im Dialog mit der nun fertiggestellten Nordseite des Alten Markts stünde.

      Trotzdem sollten aber auch die Rekonstruktionen im Modell und in Visualisierungen erprobt werden:
      - Nr. 29 könnte vom Platz her realisiert werden, allerdings mit einer rückseitigen Verkürzung.
      - Nr. 31 könnte komplett rekonstruiert werden.
      - Nr. 33 stünde zu nahe an der westlichen Bebauung.

      Folgend eine Ansichtskarte mit den Häusern Alter Markt 25-35 (das Fachwerkhaus ist Nr. 31) mit Blick Richtung Römerberg. Anstelle ihrer Fassaden steht heute die Pergola, die im Bereich des "Einwärtsknickes" von Nr. 27 endet:


      Ansichtskarte ohne Verlagsangabe, um 1940

      Die Häuser Nr. 27, 31 und 33 hatte ich im Strang Fachwerkbauten in Frankfurt bereits ausführlicher vorgestellt. Für Nr. 31 erstellte ich vor zehn Jahren sogar eine ausführliche Dokumentation, welche ich den damaligen Initianten des Altstadtquartiers zuhanden des Stadtplanungsamtes als Diskussionsgrundlage und Beispiel zur Verfügung stellte. Heute steht einer Veröffentlichung dieser Arbeit nichts mehr im Wege:

      sg-hausgeschichten.ch/frankfur…uktion-alter-markt-31.pdf

      Aus Gründen einer heute veralteten Version von Microsoft Word sind die Seitenzahlen nicht enthalten; auch der Anhang ist nicht eingebunden, den ich manuell beifügen musste. Er umfasste die Pläne aller vier Fassaden (davon zwei Haustrennwände), fünf Grundrisse und zwei Schnitte 1:100. Eine Idee damals war, das Holzgerüst 1:1 nachzubauen und als Werbeflagge für das Altstadtprojekt dort aufzustellen.

      Ob es heute gelingen würde, Nr. 29 und 31 zu rekonstruieren, ohne dass sie eine Karikatur darstellen würden?
    • Kompromissvorschlag:
      Am Fünffingerplatz steht derzeit noch ein potthässlicher rosafarbener Klotz.
      Ist der erst einmal abgerissen, kann die Schirn vom Römer gesehen hinter neuen Altstadthäusern verschwinden.
      Deren Wiederaufbau wäre ohnehin wegen ihrer schlanken Größe eine faszinierende Angelegenheit und eine weitere Attraktion. Einen Teil der Schirn (Halbrundgebäudeteil am südlichen Krönungsweg) müsste allerdings noch einer Neubebauung weichen. Den Rest der Schirn kann man dann durchaus auch sanieren.

      Vorteil: Alle kommen auf ihre Kosten. Die Schirnfans, die Altstadtliebhaber, die Frankfurter.
      Der Krönungsweg wird vollständig. Die Schirn wird vorzeigbar. Der Fünffingerplatz ein weiterer Hingucker.
      Und weitere Scheußlichkeiten verschwinden.
    • Riegel schrieb:

      Vor einigen Monaten wurde hier geschrieben, dass man sich in Frankfurt mit einer allfälligen Überbauung des U-Bahnabgangs vor der Rotunde Gedanken macht. Ich weiss zwar nicht mehr, ob die Stadt oder Initianten dahinter stehen.
      bff-frankfurt.de/artikel/index.php?id=1158

      Man beachte den Nachtrag:

      Nachtrag: Die FAZ berichtete nach Fertigstellung dieses Artikels, dass der Aufsichtsrat der Dom-Römer-GmbH, anders als vom Gestaltungsbeirat empfohlen, vorerst von einer Bebauung des hier behandelten Areals absieht. Zuerst möchte man das fertiggestellte Dom-Römer-Areal ausreichend begutachten und danach entscheiden. Das Thema ist somit nun etwas aufgeschoben, deshalb aber keinesfalls vom Tisch.
    • @ Heimdall
      Danke für das Einstellen des Artikels!

      Dass man jetzt erst mal die Fertigstellung des Altstadtquartiers abwarten und Erfahrungen sammeln möchte, wie sich das Quartier entwickelt, finde ich vernünftig. Die Autorin des Artikels hat übrigens in unserem Forum recherchiert, wie man anhand ihres Links "Hier sieht man" merken kann.

      @ Kaiserpalast
      Ja, das sind Steinpoller zum Schutz gegen Fuhrwerke. Die sieht man auf allen Altstadtfotos mit engen Gassen.
    • Noch einmal zu der besagten Rekonstruktion in der Braubachstraße.

      Hier ein aktuelles Handy-Foto. Man sieht vielleicht, dass die Fassade nicht einfarbig ist, sondern durch einen helleren und dunkleren Ton gegliedert farblich wurde. Mir gefällt das jedenfalls besser als die doch etwas in die Jahre gekommene bzw. fast kitschige gelb-braune Farbe des Altbaus daneben. Aber das sind natürlich alles Geschmackssachen, die sich sicherlich mit jeder Generation ändern können.



    • Natürlich fände auch ich eine Rückkehr des Fünffingerplätzchens erstrebenswert. Meines Erachtens wäre das auch großteils problemlos umsetzbar, wenn der rosa Klotz fällt.
      Aber ich vermisse hier eine Diskussion über den Tuchgaden. Denn der wäre wirklich umsetzbar, wenn man diesen nichtssagenden Separat-Bereich des Stadthaus wieder entfernt und beim Sandsteinbau zumindest eine Tuchgaden-Fassadenreko in Angriff nimmt. Das Rote Haus ohne Tuchgaden ist wie Suppe ohne Salz.
    • Heimdall schrieb:

      Man sieht vielleicht, dass die Fassade nicht einfarbig ist, sondern durch einen helleren und dunkleren Ton gegliedert farblich wurde. Mir gefällt das jedenfalls besser als die doch etwas in die Jahre gekommene bzw. fast kitschige gelb-braune Farbe des Altbaus daneben.





      Ich finde die Farben auch zu knallig, und ob das Kackbraun mit dem satten, fast gelben Ocker historisch korrekt ist, darf man wohl bezweifeln. Vor allem aber der jetzt neu entstandene scharfe Kontrast ist m.E. problematisch. Es wirkt, als hätte man eine alte Schwarz-Weiß-Aufnahme in ein Farbfoto hineinkopiert.

      Das linke Haus müsste etwas farbiger werden, und das rechte Haus im Gegenzug etwas dezentere Farben erhalten; ein dem Farbton des Mainsandsteins ähnliches Rotbraun neben einem blasseren Beige fände ich gut. Aber das sind zum Glück Dinge, die man später noch korrigieren kann, wesentlich leichter als z.B. die verrutschten Fenster bei der behämmerten Goldenen Schachtel.
    • Kommen wir noch einmal darauf zurück:

      erbse schrieb:

      Die Schirn muss umziehen!
      Umziehen kann und wird sie nicht, und ein Abriss ist in den nächsten Jahrzehnten völlig illusorisch, das dürfte unstreitig sein.

      Aber was zumindest denkbar wäre, ist ein Teilabriss: Wenn man den rechts zu sehenden halbrunden, verglasten Teil hinter dem (bereits abgebrochenen "Tisch") abreißen, also die Rotunde "freilegen" würde, nähme man der Schirn nur einen kleinen Teil weg, nämlich das Schirn-Café, das für die eigentliche Nutzung entbehrlich ist. Die Ausstellungsräume, also das, worauf es eigentlich ankommt, liegen in dem langgestreckten Querriegel und blieben unangetastet. Und schlechter als heute aussehen würde das Gebäude mit einer freigestellten Rotunde m.E. auch nicht, vielleicht sogar besser. Und man könnte die gesamte restliche Südseite des Marktes rekonstruieren.



      Riegel schrieb:






    • Ja, ein solcher Teilabriss erscheint wirklich logisch und realistisch. Wie festgezurrt sind denn die aktuellen Sanierungspläne?

      Das sollte gleich mit der Sanierung 2019 umgesetzt werden, sonst dauert das alles ziemlich lange.
    • Ich halte es für ziemlich unrealistisch, dass solche Teilabrisse in absehbarer Zeit auf der Agenda stehen. Das Schirn Café ist eine großartige Lokalität (auch wenn es nicht mehr den Charme der 90er Jahre hat, als es eine absolute In-Location war), und es gehört im Prinzip untrennbar zur Schirn hinzu. Niemand der Verantwortlichen dürfte derzeit auf die Idee kommen, dieses Außenteil der Rotunde abzureißen. Die Bemühungen um eine Fortentwicklung des Gebietes sollten sich also auf Bereiche konzentrieren, die leichter realisierbar und vermittelbar wären. Derzeit ist schon aufgrund der angespannten Finanzlage ohnehin wenig drin.
    • Neu

      ...warum denn von vornherein immer gleich alles ausschließen? Wer nicht wagt der nicht gewinnt! Mit der Sanierung gäbe es hier gleich die Chance zur Vervollständigung des Marktensembles. Wenn man nicht versucht das anzugehen, macht man sich später bloß Vorwürfe.

      Das Cafe ist wohl kaum unverzichtbar, das könnte in einer rekonstruierten Zeile viel attraktiver neu entstehen.
    • Neu

      Es mach aber wenig Sinn gerade den Abriss eines von den an kulturellen Dingen Interessierten genutzten und bei diesen beliebten Gebäudes zu fordern.

      Plätze an den Stadtreparatur eher angezeigt ist gibt es in Frankfurt, auch in unmittelbarer Nähe von Römerberg/Dom, zu hauf. Heimdall hat hier ja schon viele Beispiele genannt. Bei diesen dürfte die Akzeptanz das bestehende abzubrechen und durch Rekonstruktionen und auch der Altstadt angemessenen Neubauten zu ersetzen viel höher sein. Da anzusetzen ist aus meiner Sicht viel nötiger als den Abriss der oder von Teilen der beliebten Schirn zu fordern.

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    • Neu

      Es geht um ein paar Quadratmeter Glas, Leute! Den Tisch konnte man doch auch loswerden.

      Naja. APH bleibt wohl immer ne Schwatzbude, wo alles klagt und jammert, aber kaum jemand den Mumm hat etwas voranzutreiben (außer Schloßgespenst in diesem Fall)... Sehr schade.

      Ich halte mich jetzt erstmal aus dem Thema Erweiterung der Altstadtrekonstruktion raus.