Wiederaufbau Frankfurter Altstadt (Areal Techn. Rathaus)

    • Ich glaube in Dresden wäre schon viel gewonnen gewesen, wenn man die Quartiere kleinteiliger ausgeschrieben hätte. Sprich ein oder höchstens zwei Häuser, ein Investor. Dort wo es so war, entstanden ja auch die wesentlich besseren Bauten.

      Und das ist einer dieser leicht vermeidbaren Fehler, die ich meine. Davon hat man in Frankfurt durchaus gelernt.

      Das hat auch überhaupt nichts mit der Größe der beiden Areale zu tun.

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    • Riegel schrieb:

      Es geht nicht um die Relation zur gesamten ehemaligen Altstadtfläche, sondern um all das, was innrhalb der Rekonstruktionsperimeter schlecht gelaufen ist.

      - in Dresden kamen bis zum Schluss ausschliesslich "Baulöwen" zum Zuge (mit zwei Ausahmen), in Frankfurt kein einziger.
      - in Dresden hat man es bis zum Schluss nicht geschafft, anständige Dachgestaltungen hinzukriegen, in Frankfurt stimmen alle Dachaufbauten
      - die Stadt Dresden wollte unter Biegen und Brechen ein neues Gewandhaus durchsetzen und den Nemarkt damit zerstören; Frankfurt hat sein Stadthaus durchgesetzt, und es ist gelungen (mit Ausnahme der falsch gelegten Bauflucht zur Nachbarschaft der Goldenen Waage.

      Frankfurt hat hier eindeutig besser abgeschnitten.
      So sehr ich mich über die herrlichen Rekonstruktionen im Dom-Römer-Bereich meiner Heimatstadt freuen kann und so sehr ich über das Dom-Römer Areal überglücklich bin - bevor man hier die tollen Wiederaufbauleistungen im Dresdner Neumarktbereichs anzählt, sollten man nicht vergessen, welche Kröten wir in Frankfurt zu schlucken haben!

      • Von 35 Häusern wurden weniger als die Hälfte rekonstruiert obwohl bekanntlich mehr möglich gewesen wäre.
      • Nicht nur die Hundehütte, auch deren Nachbarn sowie der Nachbar der Goldenen Waage sind missraten
      • Trotz des winzigen Areals hatte man nicht den Mut, den berühmten Krönungsweg zu rekonstruieren, angeblich wegen darunterliegender Parkplätze, Technikräume und der Lieferantenzufahrt für das "Schirn-Cafe" - als ob man das nicht alles hätte verlegen können
      • Stattdessen wurde der Krönungsweg zu Stückwerk, mit einer, sorry, vergurkten Pergola statt seiner echten Südseite
      • Offenbar unverzichtbare Missgeburten, wie "Schirncafe", Kunstverein, Haus am Dom und nicht zuletzt das überdimensionierte Stadthaus zwängen das schöne Areal ein
      Frankfurt hat aus meiner Sicht also nicht unbedingt besser abgeschnitten als Dresden
    • Ja, und so sehr ich auch das Erreichte begrüße und mich über den wiedergewonnen Stadtraum freue, so sehr warne ich auch davor die Sprache der Offiziellen aus Stadtverwaltung und Architektenschaft zu übernehmen. Frankfurt hat nicht "seine Altstadt" wieder, sondern nur einen größeren Block mit historischer Bebauung. Von einst 2000 Fachwerkhäusern und Hunderten Gebäuden der nachfolgenden Epochen wurden nun 15 Gebäude rekonstruiert und zwei Dutzend weitere historisierend angepasst aufgebaut.
      Das war ein großer und wichtiger Schritt in einer westdeutschen Großstadt, doch leider nur ein Tropfen in einem Meer der Nachkriegstristesse. Es bleibt noch viel zu tun in den nächsten 20-30 Jahren, sofern natürlich der Wunsch bei der jungen Generation nach Stadtreparatur weiter wächst. Solche Projekte erscheinen ja aktuell wie ein Wunder, da der Vorkriegszustand nun schon über 80 Jahre her ist. Daher wird es spannend zu sehen ob man im weiteren Verlauf des 21. Jahrhunderts immer noch die Bauten des 14.- 19. Jahrhunderts bewundern und vermissen wird. Ich persönlich glaube das schon, da wir ja glücklicherweise kulturell in Europa eingebettet sind und auch die nächste Generationen den Unterschied zwischen deutschen Großstädten und Metropolen wie Prag, Rom, Paris, Florenz, Amsterdam usw.. visuell erfahren werden. Die Menschen sehen ja auch auf ihren Reisen im In- und Ausland, daß es sich auch in Altbauten wunderbar leben lässt.
      " Dem Wahren, Schönen, Guten "
    • Ich denke, beide Seiten haben recht.
      Auf der einen Seite ist es eben nicht eine ganze Altstadt, die rekonstruiert wird, es sind nur 15 Häuser und dazu um die 20 Neuschöpfungen, die im einen Fall mehr, im anderen weiniger, die historischen Vorgänger zitieren. Klar ist es gemessen an dem, was war nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Somit sollte man sich damit auch nicht zufrieden geben sondern es vielmehr als Preview verstehen auf weitere, zukünftige Projekte.
      Trotzdem sollte man aber meiner Meinung nach sehen, was man gewonnen hat. Schaut mal, was diese 30 Häuser für eine Aufmerksamkeit auf sich ziehen, wie viele Menschen die Altstadt bewegt, ja vielleicht auch polarisiert, aber ist das nicht toll? Dass wieder über Architektur geredet wird, dass man wieder eine Meinung zu etwas hat, eben weil es endlich mal wieder etwas anderes ist als diese Standardmassenware, die sonst gebaut wird, das ist doch ein riesiger Fortschritt.
      Ja, auch in der Frankfurter Altstadt ist nicht alles perfekt, die Pergola ist daneben, einige Bauten am Krönungsweg sind nicht optimal, der Nachbar zu Goldenen Waage ist eine Provokation. Aber trotzdem sollte man überlegen, was erstens vorher da stand und was eigentlich dort geplant war. Vor diesem Hintergrund ist es ein Sieg des Bürgertums und der Menschen über Politik und Architekten. Und es geht doch weiter. Es folgte die Statue auf der Mainbrücke, jetzt stehen die Rathaustürme an. Und man muss eben auch eins sehen, wir sind hier in Frankfurt, ich hätte dies vor Jahren nicht für möglich gehalten. Und warten wir doch mal ab wie die neue Altstadt angenommen wird. Letztlich setzen sich erfolgreiche Sachen immer durch.
      Also bei aller berechtigter Kritik, lasst uns doch mal stolz sein, allein wenn man sich die neue Dachlandschaft betrachtet, das ist Stadtreparatur vom allerfeinsten, wo hat es das in Deutschland in den letzen 70 Jahren so gegeben?
      APH - am Puls der Zeit
    • In meiner Aufzählung von gestern habe ich noch einen wichtigen Punkt vergessen:
      - in Frankfurt folgt hinter jeder Fassade auch ein eigenständiges Haus. In Dresden gibt es oft ein grosses Gebäude hinter zwei bis drei Fassaden, weshalb auch bei Rekonstruktionen die Geschosshöhen verändert wurden.

      Oft hatten wir auch geschrieben, dass Frankfurt von Dresden lernen konnte. Man darf aber nicht vergessen, dass Frankfurt vor 30 Jahren bereits sieben Häuser an der Ostseite des Römerbergs rekonstruiert hatte. Von den jetzigen Rekonstruktionen dürfte nur die Goldene Waage deren Niveau erreicht haben. Dass das nicht noch mehr Häuser schufen, hat aber auch mit strengeren Bauvorschriften zu tun.

      Der 60er Jahre-Anbau des Kunstvereins - ja, eine leidige Geschichte. Einerseits besteht ja der Denkmalstatus darauf (aber in Deutschland sollte der doch leicht zu kippen sein, wie wir das hier im Forum leider all zu oft vernehmen müssen) und er gehört nicht der Stadt (nehme ich mal an). Wenn der Eigentümer keine Handhabe zur Teilnahme am Reko-Projekt bieten will, haben weder Stadt noch Politik eine Handhabe dazu, ihn umzustimmen. Diesbezüglich darf man diesen "beigen Klotz" nicht als Negativpunkt dem Reko-Projekt anlasten.
    • Dr. Haus schrieb:

      Schloßgespenst schrieb:

      hier in der Frankfurter Braubachstraße handelt es sich eben um die Nachbildung einer Fassade, die vor über 100 Jahren überwiegend aus Naturstein war
      Wenn wir jetzt anfangen, sogar solche Neubauten zu verteufeln und in den Dreck zu ziehen, die in ihrer Formensprache durch und durch traditionell sind, dann müssen wir uns nicht wundern, wenn wir nicht mehr Ernst genommen werden.
      Entschuldige mal - ich habe hier nichts "durch den Dreck gezogen", sondern Kritik geübt und diese auch begründet. Du kannst gerne anderer Meinung sein, aber mehr auch nicht.

      erbse schrieb:

      Ganz genau. Das ist an dieser Stelle nicht meckern auf hohem Niveau, sondern einfach überflüssige und pingelige Kritik. Die Braubachstraße ist hervorragend gelungen! Ich sehe dieses Ensemble sogar als richtungsweisend für innerstädtische Neubauten an.
      Und Du hast mir gerade noch gefehlt. Du kannst hier gerne den Jubelperser geben, der alles restlos super findet, aber als "überflüssig" muss ich mir meine kritischen Anmerkungen ausgerechnet von Dir nicht bezeichnen lassen.

      :augenrollen:
    • Da ist kein Anlass zu erkennen, persönlich zu werden. Sicherlich ist unkritische Jubelei fehl am Platze, ich empfand deine Kritik aber einfach als überzogen. Es klang ja geradezu so, als wäre das ein völlig verunglückter Bau.
    • Neu

      Schloßgespenst schrieb:

      Und Du hast mir gerade noch gefehlt. Du kannst hier gerne den Jubelperser geben, der alles restlos super findet, aber als "überflüssig" muss ich mir meine kritischen Anmerkungen ausgerechnet von Dir nicht bezeichnen lassen.
      Wieso so dünnhäutig, Schlossgespenst?
      Naja, es gibt halt immer Leute, die an allem was ihnen quer kommt, nur das Schlechte sehen.
      Für manche ist das Glas eben immer halb leer...
    • Neu

      übrigens der Oberbürgermeister Feldmann sagte zur Frage, wo nun weiter gebaut würde DA DAS JETZT SO GUT ANKOMMT:
      "Tja, das ist natürlich immer eine Geldfrage"

      Und um mal vom Dresden Vergleich wieder nach Frankfurt zu kommen, hier ein paar Impressionen von der Hinter dem Lämmchen Gasse - übrigens nicht auf den Fotos zu sehen: Das originale Erdgeschoss Portal was hinten an der "Hundehütte" dran ist, wird "versetzt" sein also nicht in das Haus integriert sondern mit einigem Abstand vorgesetzt.

      Der Kunstverein bekommt einen neuen Eingang hin zur Lämmchengasse! (soviel zum Denkmalschutz!)

      Für alle die sich wegen der aktuellen Brandstifterei in Frankfurt Sorgen um die Altstadt machen, brauchen sich wohl keine zu machen, es sei alles derart modern abgesichert und Brand geschützt, das Holz würde nicht brennen - höchsten leicht braun werden.

      Die hölzerne Madonnenfigur vom Haus "Goldenes Lämmchen" deren Original noch vorhanden ist, ist zu wertvoll als dass das Original aufgehängt würde, dort wird eine Kopie hinkommen.











    • Neu

      Bautradition schrieb:

      Riegel schrieb:

      Es geht nicht um die Relation zur gesamten ehemaligen Altstadtfläche, sondern um all das, was innrhalb der Rekonstruktionsperimeter schlecht gelaufen ist.

      - in Dresden kamen bis zum Schluss ausschliesslich "Baulöwen" zum Zuge (mit zwei Ausahmen), in Frankfurt kein einziger.
      - in Dresden hat man es bis zum Schluss nicht geschafft, anständige Dachgestaltungen hinzukriegen, in Frankfurt stimmen alle Dachaufbauten
      - die Stadt Dresden wollte unter Biegen und Brechen ein neues Gewandhaus durchsetzen und den Nemarkt damit zerstören; Frankfurt hat sein Stadthaus durchgesetzt, und es ist gelungen (mit Ausnahme der falsch gelegten Bauflucht zur Nachbarschaft der Goldenen Waage.

      Frankfurt hat hier eindeutig besser abgeschnitten.
      So sehr ich mich über die herrlichen Rekonstruktionen im Dom-Römer-Bereich meiner Heimatstadt freuen kann und so sehr ich über das Dom-Römer Areal überglücklich bin - bevor man hier die tollen Wiederaufbauleistungen im Dresdner Neumarktbereichs anzählt, sollten man nicht vergessen, welche Kröten wir in Frankfurt zu schlucken haben!
      • Von 35 Häusern wurden weniger als die Hälfte rekonstruiert obwohl bekanntlich mehr möglich gewesen wäre.
      • Nicht nur die Hundehütte, auch deren Nachbarn sowie der Nachbar der Goldenen Waage sind missraten
      • Trotz des winzigen Areals hatte man nicht den Mut, den berühmten Krönungsweg zu rekonstruieren, angeblich wegen darunterliegender Parkplätze, Technikräume und der Lieferantenzufahrt für das "Schirn-Cafe" - als ob man das nicht alles hätte verlegen können
      • Stattdessen wurde der Krönungsweg zu Stückwerk, mit einer, sorry, vergurkten Pergola statt seiner echten Südseite
      • Offenbar unverzichtbare Missgeburten, wie "Schirncafe", Kunstverein, Haus am Dom und nicht zuletzt das überdimensionierte Stadthaus zwängen das schöne Areal ein
      Frankfurt hat aus meiner Sicht also nicht unbedingt besser abgeschnitten als Dresden
      Also mann muss auch eine Bayern Munchen vs Borussia Dortmund diskussion vermeiden - beide Stadten betreiben doch hier eine deutliche Verbesserungen. Beide hat seine Vorteielen und Nachteilen aber niemand kann sagen es war besser vorher.

      Letztendlich ist Politik Kompromisse - und dass geht manchmal in beide Richtungen. Mann mussen auch nicht davon ausgehen dass alle die gleiche Vorstellungen teilen.
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    • Neu

      Wir können ja froh sein, daß das Häus'che nicht noch mit verrosteten Stahlplatten verkleidet wurde. Nach der Visu sah es ja so aus. Obwohl, dann hätte die Oberfläche mehr Struktur und Lebendigkeit als jetzt. Ich würde da mit Kelle und Putz nochmal drüber gehen und deutliche Ziehspuren hinterlassen und dann ne mit echtem Ocker eingefärbte Kalkschlemme drüber legen. Hach, ja ... !
    • Neu

      Diese Häuserreihe ist wirklich komplett missraten. Und das direkt am Markt! Man hat sich wohl an der Schirn gegenüber orientiert... Umso hoffnungsvoller kann man allerdings sein, dass dieser Müll irgendwann durch Rekonstruktionen ersetzt wird.