Wiederaufbau Frankfurter Altstadt (Areal Techn. Rathaus)

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    • Das war wohl ´ne grausame Zeit, die siebziger. Man diskutiert und argumentiert, aber die Vertreter des "Wir machen alles schöner und besser" lassen sich davon überhaupt nicht beeindrucken. Das ist fast so, als würde man gegen eine Wand reden. Auf jeden Fall ein interessanter Artikel.

      In irgendeinem Gästebuch habe ich mal einen Eintrag gelesen von einem Spinner, der meinte, das Technische Rathaus würde sich gut neben den Dom und die vorhandene Bebauung einfügen.

      Zu den geborgenen Trümmern: Damit würden sich doch Rekonstruktionen anbieten. Es würde vielleicht den Kritikern etwas den Wind aus den Segeln nehmen, weil ja noch etwas origanles vorhanden ist. Auch wenn das nicht mehr sehr viel ist.

      Das Haus in Götzenhein würde ich ja gerne mal sehen. Mit Glasbausteinen??? :schockiert: Wenn ich eine Kamera hätte würde ich es ja mal fotografieren, aber halt! Ich hab ja gar kein Auto!
    • In irgendeinem Gästebuch habe ich mal einen Eintrag gelesen von einem Spinner, der meinte, das Technische Rathaus würde sich gut neben den Dom und die vorhandene Bebauung einfügen.


      Ja, und irgendwo gab's auch mal nen Leserbrief von einem Frankfurter, der meinte, so "geschönte" Ecken wie den Römerberg oder die Alte Oper würde ja in Wahrheit kein Mensch brauchen... :augenrollen:
      http://www.menschenrechtsfundamentalisten.de
    • Ich verstehe wirklich nicht, wie immer und immer wieder diese Mär weitergetragen wird, von der Altstadt sei lange nach dem Krieg vieles noch gestanden. Damit die komplett falsche Annahme nahe gelegt wird, eine Vielzahl intakter Häuser sei erst lange nach Kriegsende beseitigt worden.

      Trümmer haben dort gelegen, das ja. Aber wie hoch, besser wie niedrig, der Steinanteil an den Altstadthäusern war, wissen wir ja wohl alle. Auch die FR schreibt von "zuwuchenden Hügelchen" und meint Schuttberge. Wohlgemerkt: Ich rede vom Altstadtkern, um den es hier aber auch ausschließlich geht. In anderen Bereichen mag das anders ausgesehen haben.

      Hier ein Foto des "Zerstörungsmodells", das im Historischen Museum steht. Deprimierend ist es allemal, wenn auch aus anderen Gründen:

    • @Henk Frost

      Verlaß' Dich mal nicht zu sehr auf dieses Modell - ich kenne es natürlich auch und halte es für nicht ganz authentisch, also etwas übertrieben. Wenn man Fotos (auf http://www.altfrankfurt.com">www.altfrankfurt.com oder sonstwo) mit dem Modell vergleicht, stellt man fest, daß schon noch etwas mehr stand. Das ist kein Vorwurf an den Modellbauer, aber es ist eben nur ein Modell, unmittelbar nach Kriegsende gebaut, und es soll eine ungefähre Vorstellung von der Zerstörung geben, erhebt aber keinen Anspruch auf hundertprozentig genaue Wiedergabe.

      Ein Beispiel: Das Haus zum Kranich, im Modell gegenüber der unversehrten Zeile der Braubachstraße zu sehen. Hier stand noch weit mehr als dieses halbe Mäuerchen, das auf dem Modellfoto zu sehen ist.


      http://www.altfrankfurt.com">www.altfrankfurt.com


      http://www.linnemann-archiv.de">www.linnemann-archiv.de

      Ganz zu schweigen vom Römer, der zwar stark zerstört, aber nicht so ausgelöscht war wie es auf dem Modell erscheint.

      Naja, und daß etwa von der Goldenen Waage noch eine Ruine stand, und nicht nur ein Hügel, das sieht man ja sehr gut an diesem Bild: Sogar vom Belvederchen war noch was übriggeblieben...


      http://www.altfrankfurt.com">www.altfrankfurt.com

      Von vielen "intakten" Häusern spricht man ja auch nicht, aber es wäre eben noch viel mehr leicht zu retten gewesen.
    • Schlossgespenst hat Recht.

      Ich zitiere aus Schomann, Heinz: Frankfurt am Main und Umgebung. Von der Pfalzsiedlung zum Bankenzentrum. Köln 1996 (Dumont Kunstreiseführer):

      Im hinteren Teil des Neubaues fordern Modelle der Frankfurter Altstadt instruktiven Vergleich heraus - unzerstört (vor 1944), ruiniert (1945; wobei der Zerstörungsgrad zur Rechtfertigung modernen Wiederaufbaues übertrieben wurde) und modern (1990).
      http://www.menschenrechtsfundamentalisten.de
    • Die Bilder auf altfrankfurt.com sollen also das Modell im Historischen Museum wiederlegen? Warum sollte der Modellbauer denn "geschönt" haben?

      Du übersiehst Entscheidendes: Woher willst du denn wissen, ob die Fotos auf altfrankfurt.com den Endzustand der Zerstörung zeigen? Sicher ist dir bekannt, dass nach den schweren Angriffen 1944, zu nennen ist natürlich vor allem der vom 22. März 1944, noch viele weitere Luftangriffe folgten, der letzte erst am 9. März 1945! Tut mir leid, Schloßgespenst, aber deine Argumentation überzeugt mich überhaupt nicht.
    • "Henk Frost" schrieb:

      Warum sollte der Modellbauer denn "geschönt" haben?


      Das wäre (s.o) ein Motiv.

      Ob er wirklich "geschönt", also den Zerstörungsgrad bewußt verändert hat, weiß ich nicht, aber vielleicht hat er auch nicht jeden Winkel restlos überblickt und daher etwas ungenau gearbeitet. Vielleicht wollte er im Zweifel lieber zu viel als zu wenig zeigen. Ist mir aber auch egal. Die übriggebliebenen Teile der Häuser in den Magazinen belegen ja auch, daß nicht in allen Fällen nur ein Haufen verkohlter Schutt übrig war.
    • Stimmt haben wir. Sonst hätte ich nämlich noch dazu geschrieben, dass mich auch die Individualmeinung eines Heinz Schomanns nicht vom Gegenteil überzeugt. Also die Stadt soll dem Modellbauer aufgegeben haben, das Modell zu schönen, um den modernen Wiederaufbau zu rechtfertigen? Warum sollte die Stadt denn eine solche Rechtfertigung überhaupt nötig gehabt haben? Sorry, aber auch das klingt einmal mehr nach Verschwörungstheorie.

      Schloßgespenst, einen Beleg für deine Behauptung, lange nach dem Krieg sei noch vieles gestanden, geben sie aber auch nicht ab, oder?
    • Aber leider ist es so, und durch einen eine überraschende Fügung habe ich eben auch die Bestätigung dafür erhalten.

      Vielleicht habe ich es schon mal erwähnt: Ich bin gerade mit der Erweiterungsprüfung für das Fach Geschichtswissenschaften beschäftigt. Einer meiner Prüfer ist Herr Professor Dr. Rainer Koch, der bis vor wenigen Monaten noch Direktor des Historischen Museums war. Ich habe eben vor zwei bis drei Minuten mit ihm telefoniert, um einige Dinge in Bezug auf die Prüfungen zu klären... und da habe ich mir dann gedacht, dass ich ihn bei der Gelegeneit mal nach dem Modell frage.

      Herr Koch bestätigte mir, dass der Zerstörungsgrad des Modells stark übertrieben sei (wenn ich ihn richtig verstanden habe, dann hat das Frankfurter HochTiefBauamt das Modell veranlasst) und dass im Historischen Museum eben aus diesem Grund auch ständig die DVD laufe, die den richtigen Zerstörungsgrad zeige.

      Heinz Schomann hat also nicht wild spekuliert in seinem Buch, und seine Aussage stellt auch keine Individualmeinung dar.
      http://www.menschenrechtsfundamentalisten.de
    • Warum sollte die Stadt denn eine solche Rechtfertigung überhaupt nötig gehabt haben?


      Na, weil das Ganze ja damals heftig umstritten war. Die einen wollten erhalten und wiederherstellen, die anderen abreißen und modern & autogerecht bauen. Wer die Oberhand behielt, ist bekannt und bis heute unübersehbar...
    • Marginalien! Ein Streit, ob 2% oder 4% eines Gebäudes noch gestanden haben, ist müßig. Außerdem unfruchtbar, weil die Tatsachen längst geschaffen wurden. Das eine oder andere mag Interpretationssache sein, Schlossgespensts Behauptung halte ich nach wie vor für völlig unhaltbar. Aber vielleicht können wir uns, auch um wieder zum Thema zu kommen, auf Folgendes einigen:

      - Der Altstadtkern war im März 1945 nahezu vollständig zerstört.
      - Beim Wiederaufbau wurden sehr viele Fehler gemacht.
      - Immerhin: Fast alles, was auf dem Zerstörungsmodell noch halbwegs als Bauwerk zu erkennen ist, wurde wieder aufgebaut. Darüber hinaus so manches rekonstruiert.
      - In weiten Teilen ist der heutige Zustand des Altstadtkerns unbefriedigend. Das öffentliche Leben hat sich daher längst weitgehend aus diesem Gebiet verabschiedet und in andere Bereiche der Stadt verlagert.
      - Derzeit tut sich in erheblichem Ausmaß eine Chance zur Verbesserung auf. Wenn es gut geht, auch in Form von Rekonstruktionen. Darum sollte es hier gehen.
    • "Henk Frost" schrieb:

      Schlossgespensts Behauptung halte ich nach wie vor für völlig unhaltbar.


      Wieso meine Behauptung? Ich selbst habe doch gar keine Behauptung aufgestellt! Ich hab' mich doch nur auf den von Booni geposteten FR-Artikel bezogen, in dem stand, was wie lange noch stand. Wenn der Artikel Deiner Meinung nach falsch & gelogen ist (was Du mit dem "unfehlbaren" Modell belegst), dann wende Dich bitte an den Redakteur (ich habe den Artikel nicht geschrieben)!

      Ansonsten, zurück zum eigentlichen Thema:

      In dem am 10.09. veröffentlichten Artikel heißt es, bis Freitag nächster Woche solle die Entscheidung fallen, das wäre dann der 16.09., richtig?
      Na, dann bin ich mal gespannt und hoffe, daß Fotos von den Entwürfen veröffentlicht werden und diese bei mir keinen Brechreiz verursachen.
    • Nun, da kamen aber schon ziemlich interessante Punkte zu Tage.

      Wenn es nun stimmt, was du als Verschwörungstheorie abtust, dass das Modell gezielt manipuliert wurde, um Propaganda gegen Rekonstruktion und für eine Tabula-rasa-Neubebauung zu machen, dann ist das mehr als nur bemerkenswert. Es würde zeigen, mit welchen perfiden Methoden die Modernisten (schon) damals gearbeitet haben.
      Nach wie vor ist es aber auch möglich, dass es am Künstler lag, dass das Modell aussieht wie es aussieht, sei aus Unvermögen, Vorliebe oder was auch immer.

      Das Haus zum Kranich wäre in dem Zustand, wie auf dem Bild gezeigt, sehr einfach zu rekonstruieren gewesen. Ich weiß nicht, wurde es eigentlich rekonstruiert?

      Ob 2% oder 4% noch standen, dürfte in den meisten Fällen wirklich unerheblich sein. Ob aber z.B. vom relevanten Teil einer Fassade noch 20% oder 50% stehen, ist durchaus erheblich.

      So etwas ist auch ganz bestimmt keine bloße Interpretationsfrage, sondern das eine stimmt eben, und das andere nicht.
      Es wäre schön, wenn sich das exakt klären ließe, wie viel denn nun eigentlich noch stand.
      Eine der vorzüglichsten Eigenschaften von Gebäuden ist historische Tiefe.
      Die Quelle aller Geschichte ist Tradition. (Schiller)
      Eine Stadt muss ihren Bürgern gefallen, nicht den Architekten.
    • "Antiquitus" schrieb:


      Das Haus zum Kranich wäre in dem Zustand, wie auf dem Bild gezeigt, sehr einfach zu rekonstruieren gewesen. Ich weiß nicht, wurde es eigentlich rekonstruiert?


      Rekonstruiert kann man nicht direkt sagen, aber wieder aufgebaut - es sieht heute so aus.

      Die Obergeschosse wurden ersetzt, das Erdgeschoß ist original. Aber mit ein paar hunderttausendern könnte man, denke ich, den Originalzustand relativ leicht wiederherstellen (Zahl der Geschosse stimmt noch), zur Not ohne die Bemalung.

      Falls bei der TR-Neubebauung tatsächlich ein paar Rekos herauskommen, wird vielleicht das HzK auch ein irgendwann ein Thema. Es war zwar kein sonderlich wertvolles Haus (erst 1905 gebaut, also ein historisierender Abklatsch der Altstadt, gewissermaßen eine Art "Patzschke" seiner Zeit, aber es würde sich gut machen an dieser markanten Ecke zwischen Römer und Paulskirche.
    • Schloßgespenst, nicht gleich hyperventilieren. Vielleicht noch einmal lesen und dabei berücksichtigen, dass die eigene Sichtweise nicht in allen Fällen die einzig mögliche und zulässige ist. Doch keine Sorge, ich werde mich aus dieser - wie ich meine - in diesem Kontext sinnfreien Diskussion über Fehler und Versäumnisse in der Vergangenheit einstweilen zurückziehen.

      Mein lieber Herr Gesangsverein, die Modernisten und ihre perfiden Methoden sind einfach überall!
    • Hola, da scheint ja einer tatsächlich in seinem Bild über die Wiederaufbauer FFMs getroffen zu sein, na sowas! ;) Vortäuschung falscher Tatsachen zur Durchsetzung von Teilinteressen, das machen doch sonst nur die anderen, stimmt's? Tjaja... ;)

      berücksichtigen, dass die eigene Sichtweise nicht in allen Fällen die einzig mögliche und zulässige ist.


      Blablablabla...
      Eine der vorzüglichsten Eigenschaften von Gebäuden ist historische Tiefe.
      Die Quelle aller Geschichte ist Tradition. (Schiller)
      Eine Stadt muss ihren Bürgern gefallen, nicht den Architekten.
    • Wie kommst du denn darauf? Womit habe ich denn vermittelt, ein positives Bild des Wiederaufbaus zu haben? Lies mal mein heutiges Posting von 14:23, besonders den zweiten Spiegelstrich. Nur "Modernisten-Paranoia", die habe ich nicht, das ist wahr.

      Aber sei's drum, eine andere Reaktion habe ich von dir nicht erwartet, Antiquitus.