Wiederaufbau Frankfurter Altstadt (Areal Techn. Rathaus)

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    • Wiederaufbau Frankfurter Altstadt (Areal Techn. Rathaus)

      Abriss des Technischen Rathauses?

      (Mal wieder) schlechte Nachrichten aus Frankfurt:
      Das Technische Rathaus, ein riesiger häßlicher Betonklotz aus dem Jahr 1972, der zwischen Dom und Römerberg (im einstigen Herzen der Altstadt) steht, sollte eigentlich 2007 abgerissen und durch eine kleinteiligere, sich besser einfügende Bebauung ersetzt werden.

      Jetzt gibt es neue Pläne (entschieden ist noch nichts), statt Abriß das Gebäude nur umzubauen. Der Entwurf ändert nur die Fassade ab (Sandstein statt Beton), läßt aber die überdimensionierten Ausmaße des Gebäudes, durch die der (ohehin schon bescheidene) Rest der Altstadt erdrückt wird, nahezu unverändert.

      Meiner Meinung nach wäre es eine Katastrophe, wenn es so käme. Ein einmalige Chance wäre vertan, wenigstens einen Hauch von Altstadt-Atmosphäre wiederherzustellen, Stadtreparatur durchzuführen!

      Ich wünschte, wir hätten in Frankfurt solche Sorgen wie dir Dresdner mit ihrem Prisco......
    • Tja.. das Technische Rathaus in Frankfurt... die wohl größte Bausünde der Stadt, auch wenn es oft schwerfällt abzuwägen, was die größte ist.

      In meinen Augen gibt es nur eine Möglichtkeit: Totalabriss und darauffolgende Rekonstruktion des Gebietes zwischen Römerberg und Dom. Auch die ganzen sozialen Wohnungsbauten am Mainufer und in der Altstadt sollte man abreißen und nach Neumarkt-Vorbild rekonstruieren.
      In meinen Augen bietet Frankfurt nach Dresden die nächstgrößere Chance... schließlich besteht dort alles aus billigen, schnell gebauten 50er-Jahre-Bauten die nichtmal Denkmalwert haben. Nur müsste man schnell handeln.
      Was ist schöner als moderne Wohnungen in alten Fachwerkgässchen? Zumal man hier alles mit Tiefgaragen unterkellern könnte, so dass jeder direkt unter seinem Haus parken kann. Und scheinbar ist man in Frankfurt Rekonstruktionen gegenüber nicht so ablehnend wie anderswo... in den 80ern am Römerberg, nun Palais Thurn & Taxis sowie die Stadtbibliothek. Man muss das Ganze nur schmackhaft machen.

      Hier übrigens ein Foto vom Technischen Rathaus:

      http://www.bildindex.de">www.bildindex.de
      Die stadtzerstörerische Wirkung, die dieses Gebäude (sowie die Schrin Kunsthalle Frankfurt) besitzt, wird auf diesem Bild deutlich:

      http://www.frankfurtm.de">www.frankfurtm.de
      Ein Abriss beider Gebäudekomplexe und eine Rekonstruktion der alten Verhältnisse käme Frankfurt sehr zugute!

      ... aber hier im Forum interessiert sich eh keiner für Frankfurt.

      Schade, denn diese Stadt hätte mehr Engagement wirklich verdient, wurde sie doch nach dem Krieg nahezu hingerichtet.
    • Mal so ganz nebenbei.... das lag dort, wo heute die Kunsthalle und das Technische Rathaus stehen:

      Alter Markt:


      Bendergasse:


      Goldhutgasse:


      Rapunzelgasse:


      Krautmarkt:


      Tuchgaden:


      Lange Schirn:


      Saalgasse:


      Hinter den Lämmchen:




      Schwertfegergasse:


      Handwerkerhöfchen:



      Markt:




      ... und ein Blick vom Dom zum Römer, ein Gebiet, das heute durch 2 Großbauten bestimmt wird:

      alle Bilder: http://www.altfrankfurt.com">www.altfrankfurt.com

      Also in meinen Augen steht Frankfurt Nürnberg in diesem Gebiet nicht viel nach, dieses kleine Gebiet ist heute ein Durchgang vom Römer bis zum Dom, früher konnte man sich dort stundenlang aufhalten.
    • Ja, das alte Frankfurt vor der Zerstörung war wirklich absolut einmalig. Eine solche Stadt gab und gibt es sonst nirgends mehr. Was für eine Aura, was für eine Vielfalt an Bauformen! Neben Nürnberg sicher das deutsche Stadtbild schlechthin, ein tiefer deutscher Traum.

      Der totale Verlust der Altstadt Frankfurts schmerzt von allen Städten, die zerstört wurden, mich persönlich eigentlich neben dem Nürnbergs am meisten, wenn ich ehrlich sein soll sogar weit mehr als der Dresdens. Nürnberg und Frankfurt waren Orte, die als vollständig erhaltene (Groß-)Städte des Mittelalters und der frühsten Neuzeit eigentlich nur noch in Städten Italiens wie Siena, Florenz, Verona, Genua oder Venedig ein Pendant hatten.
      All das hatten sie: das Pittoreske und zuweilen Expressionistisch-Bizarre der Gotik, die versponnene Enge mediterraner Architektur, die Vieltürmigkeit und Vielgestaltigkeit, in denen sich ein stolz spätmittelalterliches Bürgertum und spätmittelalterlicher Adel präsentierten.... Da wurde willkürlich und ohne Not eine ganze Welt ausgelöscht. Die von Booni eingestellten Bilder zeigen es noch einmal schmerzlich.

      Umso wichtiger fände ich es, wenigstens den kleinen Teil der Altstadt wiederaufzubauen, der da stand, wo heute dieser Klotz steht.

      Aber gibt es denn irgendeine Möglichkeit, die Stadt Frankfurt für so etwas zu gewinnen??? Wer kennt sich denn in Frankfurt (und vor allem der Frankfurter Politik) einigermaßen aus, um ggf. Näheres in Erfahrung zu bringen?
      Was sagt den der Frankfurter Altstadtverein dazu - ließen die sich vielleicht dafür gewinnen, ein solches Projekt aktiv zu vertreten? Irgendjemanden braucht man Ort, wenn man auch nur den Hauch einer Chance haben will, so was durchzubringen.
      Wie war das denn beim Wiederaufbau des Römers? Gibt es denn in der Frankfurter Politik die Leute noch, die das damals durchgesetzt haben? Wenn ja, müßte man die ansprechen und aktivieren!
    • Also es gibt die Freunde Frankfurts. Die haben damals auch schon gegen den Bau des Technischen Rathauses gestimmt. Wollen jetzt den Langen Franz rekonstruieren.
      Der Verein ist da, ihnen fehlt allerdings scheinbar eine starke finanzielle Unterstützung!


      Nebenbei mal ein kurzer Abriss, was im Gebiet um den Dom und Römer noch steht:

      Altes Rathaus:
      Dach verändert wiederaufgebaut


      Rathaus Römer:
      Nach dem 2. WK. wurden die beiden ersten Gebäuden von rechts verändert aufgebaut


      Paulskirche:
      Nach dem Krieg ohne dem Kegeldach über dem Kirchraum und Innen modern wiederaufgebaut:


      Alte Nikolaikirche:


      Steinernes Haus am Markt:


      Kaiserdom:


      Leinwandhaus:


      Saalhof:


      Haus Wertheim:


      Ferner die Römerberg Ostzeile sowie ein weiteres Haus am Römer sind mit bekannt. Alles andere ist modern bebaut, wobei manche Gebäude scheinbar noch die originalen Erdgeschosse haben.
      Alle Bilder: http://www.frankfurt.de">www.frankfurt.de
    • @ Booni:

      Weiß eigentlich jemand, wie gut die Frankfurter Altstadt dokumentiert ist? Was nutzt ein Wiederaufbau, wenn man nix über die Häuser mehr hat?


      Also Fotomaterial ist ja offenbar reichhaltig vorhanden. Eigentlich sollte das bei den ausgeklügelten Methoden der heutigen Datenverarbeitung aufgrund von Bildmaterial doch genügen, um hinreichend präzise Daten für Rekonstruktionen zu gewinnen. Und bei einer alten Reichsstadt wie Frankfurt sollte zusätzlich in den Archiven noch vieles lagern. Ich vermute auch mal, daß die Frankfurter Altstadt aufgrund ihrer großen kunstgeschichtlichen Bedeutung gut wissenschaflich erfaßt worden sein müßte.

      Ich bin allerdings skeptisch, was die Möglichkeit einer Rekonstruktion angeht, da ich eben in dem erwähnte faz-Artikel gelesen habe, daß die Stadt den Abriß des Technischen Rathauses nur deshalb erwogen hatte, weil sie hoffte das Baugrundstück anschließend gewinnbringend an einen Großinvestor verkloppen zu können. Grund dafür ist der chronische Geldmangel Frankfurts, der auch ein eigenes Projekt wie die Reko eines Teils der Altstadt unmöglich machen würde. Das Projekt des besagten Investors war dagegen offenbar ein großes modernes Luxushotel.... :augenkrummblau:

      Angesichts dieser Perspektive wäre es mir eigentlich lieber, wenn das Technische Rathaus nicht abgerissen würde, weil so die Möglichkeit einer späteren Rekonstruktion erhalten bleibt. Wenn da erstmal ein profitabler Hotelkomplex stünde, wäre mit Rekonstruktion für die nächsten hundert Jahre Essig.
    • Das positive Bild wird auch durch die neuen architektonischen Akzente im Osthafen sowie ? in Offenbacher Richtung ? im Deutschherrenviertel verstärkt. Jeweils am Rand der Innenstadt entstanden und entstehen neue Büro- und Wohnbauten, denen man bei aller möglichen Kritik architektonische Ambitionen nicht absprechen kann.

      Aber genau hier jenseits der Flößerbrücke, wo die Stadt so international, so wohlhabend und postindustriell wirkt wie sonst kaum, entlarvt der Blick ans andere Ufer die provinzielle Grundierung Frankfurts.

      Zog dort bis vor kurzem eine Ruine mit Baucontainer als Portikus die Aufmerksamkeit der Kunstszene auf sich, tilgt man nun die Geschichte des Gebäudes und errichtet als Retortenarchitektur die neue Alte Stadtbibliothek. Allerdings nur äußerlich, denn das Innere des ursprünglich 1825 bezogenen Baus wird zeitgemäß ausgestaltet.

      Da in dem rekonstruierten Gebäude das Literaturhaus einziehen soll, ist diese städtebauliche Untat anscheinend nur schwer als das zu kritisieren, was sie ist: eine Heimattümelei. Doch an diese Tat und nicht an die steigenden Zahlen der Museumsbesucher sollte immer dann erinnert werden, wenn es um die Kultur der Stadt geht.


      ->portalkunstgeschichte.de/kunst…rsicht/frankfurt_1023.php

      Ich hasse solche Schreiber.... :boese:
    • Danke für die Bilder, Booni! Jetzt kann hier jeder mal sehen, was für eine Katastrophe dieses Gebäude ist. Im Vergleich dazu ist der Dresdner Kulturpalast harmlos, ja fast schon gelungen...

      Zu der Frage, wie gut die Altstadt dokumentiert ist: Ziemlich gut. Es gibt (im historischen Museum, der zweitschlimmsten Beton-Bausünde in der Altstadt) ein riesiges sehenswertes Modell von der Altstadt, hergestellt vor der Zerstörung. Da ist wirklich jedes Haus dabei. Zusammen mit den vielen Fotos und Bildern, die es gibt, wäre eine Reko der Altstadt mit Sicherheit machbar. Technisch. Aber nicht finanziell oder politisch.

      Das Problem in Ffm ist, daß die Stadt bettelarm ist und ein verrückter millionenschwerer Frankfurt-Fan, der sagt "Ich bau alles aus eigener Tasche wieder auf" nicht in Sicht ist. Deswegen wage ich gar nicht von einer Rekonstruktion der alten Häuser zu träumen. Aber wenn man das T.R. abreißen und stattdessen wenigstens wie In Münster, Nürnberg oder jetzt auch in Dresden stark vereinfacht die alten Grundrisse wiederherstellen würde und kleinteilige Häsuerzeilen bauen würde, die wenigstens entfernt an die alte Bebauung erinnern, dann wäre ich schon glücklich. Alles, was darüber hinausgeht (wie in Warschau eine Altstadt aus dem Boden stampfen), bleibt ein schöner Traum.
    • Tja, vielleicht. Aber die Wirtschaftslage ist eben auch miserabel. Und selbst wenn die politische Entscheidung in unserem Sinne käme, heißt das noch lange nicht, daß auch jemand die Umsetzung finanzieren kann.

      Aber das wichtigste wäre, daß erstmal die tatsächlichen Voraussetzungen geschaffen werden, und die heißen: Weg mit dem Technischen Rathaus! Da hilft kein Umbau, sondern nur die Abrißbirne!!
    • Kleine Anmerkung zu dem von Booni beigesteuerten Foto vom Technischen Rathaus: Da, wo im Vordergrund diese vielen seltsamen kleinen würfelförmigen Klötzchen zu sehen sind, steht seit 1983 wieder die mittelalterliche Fachwerkzeile ("Samstagsberg" oder auch einfach "Ostzeile" genannt)


      Quelle: altfrankfurt.com
    • Heute steht in der FAZ etwas zum Thema Technisches Rathaus.

      Der Architektenwettbewerb ist noch immer nicht ausgeschrieben. Im Römer schwankt man immer noch zwischen einerseits Abriß und Neubebauung in den Ausmaßen der verbliebenen Altstadtbebauung und andererseits Umbau des bestehenden Gebäudes.

      Planungsdezernent Edwin Schwarz will (wie auch eine wachsende Zahl von Stadtverordneten) eigentlich ersteres. Das Problem dabei ist aber, daß eine niedrige Bebauung den Verkaufspreis für das Grundstück deutlich vermindern würde, so daß OB Petra Roth die zweite Variante zumindest offenhalten will.

      Und jetzt mosern die Architekten lautstark darüber, daß sie zwei verschiedene Varianten (Umbau und Neubau) entwerfen sollen. Das sei nicht "praktikabel".

      Dazu würde ich sagen: Wer nun auch noch rumzickt, nicht mitzieht und keinen anständigen Neubau entwerfen will, der fliegt eben aus dem Wettbewerb und aus!
    • Dieses schöne Bild, das ich im Netz gefunden habe, trägt ausgerechnet den Untertitel "Enge Gassen in der Altstadt".



      Quelle: http://www.ilexikon.com">www.ilexikon.com

      Schön wär's - aber wer vom Standort des Fotografen umdreht und ein wenig zurücktritt, der sieht die häßliche Wahrheit: So sieht es nämlich ein paar Meter weiter aus, wo früher die enge Gassen waren...




      Quelle: http://www.lahmeyer.de">www.lahmeyer.de

      Und hier kann man ganz gut sehen, wie das Technische Rathaus den Dom bedrängt und den (ohnehin schon kümmerlichen) Rest der Altstadt beherrscht und erdrückt.




      Es gibt daher keine Alternative zum Totalabriß!