Einheitsdenkmal

    • Neu

      Gerade die gezeigten Denkmäler machen es deutlich, welche symbolische(!) Bedeutung der Kaiser (in Person von Wilhelm I.) hat. Allein der Unterschied in Größe und Aufwand zu Bismarck-Denkmälern verdeutlicht das. An Bismarcks realer Bedeutung und seine Leistung wertet das natürlich nicht ab. Bezüglich der Wiedervereinigung...

      Konstantindegeer schrieb:


      [...] Als Denkmal der Wiedervereinigung das Brandenburger Tor
      (auch wenn Fusarijo [Fu-sa-ji-ro] sicher anderer Ansicht ist - aber der hat die Wiedervereinigung nicht erlebt und seine Ansichten darüber offenbar aus irgendwelchen Internetforen mit Verschwörungstheorien). [...]
      Ich nehme das mal als nicht ernst gemeint an, das APH enthält aber zweifelsohne auch einiges an Verschwörungstheorien.
      Hinsichtlich der Symbolik der Wiedervereinigung kann Generation Hat-die-WV-erlebt über Einschätzungen wie meine noch froh sein, es ist wohl das Beste was Generation Hat-die-WV-nicht-erlebt darüber denkt. Denn großzügig geschätzt 95% meiner Generation misst dem Ereignis kaum noch eine Bedeutung bei, geschweige denn interessiert sich dafür.
      Es gibt eine Architektur, die zur Landschaft gehört, sowie eine andere, die sie zerstört.
    • Neu

      Auch während der "Stunde Null" gab es noch aufrechte Realisten. Meine Großtante aus Wilhelmshaven erinnerte sich an eine denkwürdige Ratssitzung kurz nach dem zweiten Weltkrieg. Unter dem Eindruck der jüngsten Vergangenheit kam die Forderung auf, die Bismarckstraße umzubenennen. Spontan und emotional sprang der Bürgermeister auf und rief "Ja, sollen wir dann etwa auch noch den Bismarckhering umbenennen??"

      Die Bismarckstraße heißt genau deshalb noch heute so, und auch die wunderschöne Kaiser-Wilhelm-Brücke durfte ihren Namen behalten.
      _______________________________________
      Gutmensch = Gut gedacht, nicht nachgedacht, schlecht gemacht
    • Neu

      Fusajiro schrieb:

      Denn großzügig geschätzt 95% meiner Generation misst dem Ereignis kaum noch eine Bedeutung bei, geschweige denn interessiert sich dafür.
      Was natürlich auch mit der Vermittlung zu tun hat. Liegt es nur an einer generellen Geschichtslosigkeit der BRD oder an der Gewichtung von Erinnerungspolitik?
      Es wäre im Gegenzug also interessant, wie viel Prozent der Generation der NS-Zeit und dem zweiten Weltkrieg eine Bedeutung beimessen. Und das obwohl es doch so viel weiter zurückliegt, dass bei vielen nicht mal mehr die Eltern zu dieser Zeit gelebt haben. Bei den Kleinen eventuell bereits nicht mal die Großeltern.
    • Neu

      Mal eine Frage: Wie weit spielte eigentlich das gefallen wollen an Neue Herrscher eine rolle?

      Ich erinnere mich an den Buergermeister von Bagdad. Der wollte eine Statue von Saddam abreissen
      und von George Bush hinstellen. Nicht um Saddam loszuwerden, sondern um den Siegern zu gefallen.
      Koennte das auch in Deutschland nach dem Krieg der Fall gewesen sein? Daher die Umbenenungen?
    • Neu

      Heimdall schrieb:

      [...] Was natürlich auch mit der Vermittlung zu tun hat. [...]
      Kaum. Selbst ein Geschichtslehrer der den Unterricht interessant und lehrreich zu gestalten vermag, löste kein nachhaltiges Interesse und damit auch ein Bewusstsein um die Bedeutung diverser historischer Ereignisse aus.

      Heimdall schrieb:

      [...] Liegt es nur an einer generellen Geschichtslosigkeit der BRD oder an der Gewichtung von Erinnerungspolitik? Es wäre im Gegenzug also interessant, wie viel Prozent der Generation der NS-Zeit und dem zweiten Weltkrieg eine Bedeutung beimessen. [...]
      Ersteres eher nicht. Die Gewichtung jedoch hat definitiv Auswirkung, ändert am nüchternen Ergebnis nicht viel. Um es kurz zu verdeutlichen: Kaiserreich? In Deutschland gabs nur nen König, ab irgendwann mal dann ne(n) Kanzler(in). Drittes Reich? Adolf Hitler, Holocaust/Gaskammern, Nazis, Panzer und Soldaten. Nach dem Krieg? Auf der einen Seite die Russen, auf der anderen Seite die Amis und dazwischen war eine Mauer.
      Individuell dürften auf Nachfragen nach bestimmten historischen Ereignissen und Begebenheiten die kuriosesten Antworten kommen.

      Und der Grund für derartig oberflächliche Geschichtskenntnisse? Meiner Meinung nach einfach allgemeines Desinteresse.
      Und auch die Bedeutung von Geschichte für die Generation Smartphone fällt (derzeit) eher gering aus. Die Gewichtung auf die NS-Diktatur äußert sich meiner Meinung nach nur durch eine "Faszination des Schreckens" im Bezug auf Holocaust und 2.Weltkrieg. Letzteres z.B. zeigt sich im kleinen auf Facebook, wenn man sich beschwert, dass man im neuen "Call of Duty: WW2" wieder nur die Amerikaner spielen kann und nicht z.B. die Deutschen.

      Im angesichts dessen gehe ich nun mal davon aus, dass das Einheitsdenkmal wirklich nur als Spielplatz und Skatebahn verwendet wird, aber sicher nicht als Gedenk- und Erinnerungsort.
      Es gibt eine Architektur, die zur Landschaft gehört, sowie eine andere, die sie zerstört.
    • Neu

      Die Geschichtskenntnisse sind sicher ganz allgemein verbesserungswürdig, ganz besonders bei der jüngeren Generation und noch sehr viel mehr (sorry!) bei den Mitbürgern mit Migrationshintergrund.

      Kenne eine junge Deutsche mit türkischen Wurzeln, die nicht wusste, dass es überhaupt mal eine Monarchie in Deutschland gab und einmal, als ich über die Nordsee sprach, zu mir sagte, dass ist doch ein SEE, wie der BodenSEE, deswegen heißt es doch SEE! O-Ton: "in Deutschland gibts doch kein Meer! Deshalb fahren die ja in die Türkei, um mal ein Meer sehen zu können!"

      Echt wahr!

      Meine Geschichts- und Geografie-Kenntnisse habe ich mir auch weitestgehend selbst angeeignet. Bei uns in den 70ern in der Schule ist man ganz oberflächlich und im Schnelldurchlauf durch die deutsche Geschichte gegangen. Immer mit dem Tenor: "Merkt Euch: wir sind die Bösen gewesen, haben den ersten und zweiten Weltkrieg angefangen. Wir sind viel kleiner und unbedeutender als die großen Nationen Frankreich, England, USA, Russland." "Die haben uns befreit". "Denen müssen wir dankbar sein". "Die sind viel bedeutender als wir" usw. usf.

      Das hat man uns jedenfalls permanent eingeimpft . . .
      "Mens agitat molem!" "Der Geist bewegt die Materie!"
    • Neu

      Diese hier beschriebenen mangelnden Geschichtskenntnisse (ich konnte das teils auch schon beobachten) haben natürlich auch eine problematische Auswirkung auf die Rekonstruktions-Bewegung. Ohne Kenntnisse der Vergangenheit und ohne Interesse an derselben ist es natürlich auch schwer, Interesse an historischen Stadtstrukturen und Bauten zu wecken. Sicherlich schauen dann viele auf die Visualisierungen von Rekonstruktionsideen und sagen vermutlich: "Sieht besser aus." Aber der etwas tiefere Zugang zu diesen Ideen oder überhaupt der Impuls, diese von sich aus zu entwickeln, besteht nicht.
    • Neu

      Am Denkmalsockel wird weiter gearbeitet; es werden Bahnen aus Teerpappe verschweißt.

      Gut zu erkennen ist der Umriss der ehem. Säulenhalle und der Pavillons, welche einige Treppenstufen höher lagen.






      Der Einblick von der Südseite.


      Die Denkmalplakette ist angebracht - möge sie Sockel und Gewölbe vor zerstörerischen Eingriffen bewahren!
      Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
      (Immanuel Kant)
    • Neu

      Ach Leute, jetzt habt Euch nicht so wegen dieses kleinen Eckquaders und den Spuren seiner Geschichte! :augenrollen:
      Es ist KEIN Quader am neuen SCHLOSS!
      Ich finde hier geben die Einschußlöcher eine Atmossphäre von geschichtlicher Authentizität ab, die insbesondere den jüngeren Generationen vor Augen führen kann, was Krieg bedeutet. Sie kennen ihn ja nur aus dem wirklichkeitsverfremdenden, virtuellen 3DRaum ihrer Kriegsspiele. Ein von Granatsplittern, Bombensplittern und Maschinengewehrsalven malträdierter Sandsteinquader, der leibhaftig aufzeigt, daß es für Leib und Leben im 360Grad-Winkel keinen Schutz gab. Mit entsprechender Führung und Fotos dazu und Besuch anderer Örtlichkeiten ein beeindruckendes Zeugnis für Berlin als kriegsgeschundene Stadt.
      Ja ich weiß, es gibt noch viele, viele andere, derartige Stellen in der Stadt. Aber so ist das eben in Berlin. Das ist auch Berlin!
      Und die großen Fehlstelle (an den Kanten) wurden doch steinmetzmäßig ausgebessert. Ebenso zwei große Stellen hüben und drüben der Fuge. Und sollen jetzt Handwerker minutiös alle Einschußlöcher verputzen!? Oder gar mit kleinen Sandsteinklötzchen füllen. Was eine Arbeit, ... die kostet!
      Also mal auf dem Boden bleiben. Und wenn die Kolonnaden doch noch kommen, dann ist eh alles neu.Oder man findet deren Schutt noch in einer Halde am Stadtrand und puzzelt/baut sie wieder auf. Hätte ich nichts dagegen.
    • Neu

      SchortschiBähr schrieb:

      Ich finde hier geben die Einschußlöcher eine Atmossphäre von geschichtlicher Authentizität ab, die insbesondere den jüngeren Generationen vor Augen führen kann, was Krieg bedeutet.
      Mit Verlaub, aber genau diese Sprüche kann ich nicht mehr hören.

      SchortschiBähr schrieb:

      Ja ich weiß, es gibt noch viele, viele andere, derartige Stellen in der Stadt.
      Ja, eben, genau deshalb. Reicht nicht schon die Gedächtniskirche als solches Mahnmal? Wieso muss überall so ein zerschossener Zustand konserviert werden? Und warum ausgerechnet überall in Berlin? Mit derselben Logik hätte man ja auch einen Stadtteil in Hamburg als Ruinenlandschaft erhalten können. Wie sollen junge Menschen sonst sehen, was ein Flächenbombardement bedeutet?
      " Dem Wahren, Schönen, Guten "