Einheitsdenkmal

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    • Ich glaube nicht, daß das eine Frage ist, die man mit "richtig oder falsch" ausreichend beantworten kann. Es ist, wie alles im Leben, möglichenfalls eine Frage der Balance.

      Eine Gesellschaft, die nur "sozialdarwinistisch" strukturiert ist, ist möglichenfalls in jeder Hinsicht sehr leistungsstark (wovon dann letztlich auch alle Gesellschaftsmitglieder profitieren), andererseits auch von sozialem Druck und Ausgrenzung begleitet. Eine Gesellschaft, die nur auf "Mildtätigkeit" ausgerichtet ist, darauf, es allen Schwachen und Kranken stets recht zu machen, orientiert sich nach "unten", also in Richtung weniger Leistung, weniger Kultur, weniger Bildung, weniger Ästhetik. Eine Gesellschaft also, nur noch betreuen und versorgen, aber nichts mehr fordern, entwickeln möchte, hat sich von der Entfaltung der kulturellen Potentiale verabschiedet.
      Die richtige Balance ist somit ein Schwanken zwischen "unmenschlichem Drill" und auf der Stelle tretender "Versorgungsmentalität".

      BRD: Im wirtschaftlichen Bereich dominiert in dieser Gesellschaft derzeit das "sozialdarwinistische" Prinzip (Leistungseffizienz, Konkurrenz, Exportnation, Wachstum, Aufsplittung in soziale winner oder looser), mit allen Folgen für die psychische Verfassung der gestressten Lohnarbeits-Bevölkerung.
      Im kulturellen Bereich dominiert hingegen das "mildtätige" Prinzip ("Multikulturelle" Ausrichtung, Sozialstaatsbetreuung, Randgruppenpflege, Humanitarismus, Political Correctness) mit allen Folgen für Kultur, Freizeitmentalität und auch das Straßenbild des Landes.
      Der Einbruch des "mildtätigen" Prinzips in das Wirtschaftsleben würde als tödlich für unsere Gesellschaft bewertet werden, weil diese ja irgendwo auch eine effiziente Stütze braucht. Auch wenn das alles natürlich meist ökologischer Irrsinn ist.
      Der Einbruch des "sozialdarwinistischen" Prinzips in das Kulturleben stößt heute stets auf massive Widerstände der dort Tonangebenden, da man hier Angst vor einer Ausbreitung von "Unmenschlichkeit" hat.

      Und deshalb, um den Bogen dieser Ausführungen zu schließen, hat man eben im Bundeskanzleramt eine solche, hier gezeigte Figur stehen (die - würde man ihr in realitas begegnen - angesichts ihrer körperlichen Deformationen umgehend in ein Krankenhaus eingeliefert werden müßte) und eben keinen muskulösen Athleten (oder drahtigen Manager). Deshalb aber auch verwahrt man sich beispielsweise immer wieder gegen Säulenkolonnaden oder klassizistische Bauten und befürwortet hier lieber "Brüche" oder Elemente der "Zerrissenheit". Oder fordert gar den Bau von Kindertagesstätten und Jugendzentren anstelle von Barockschlössern.

      Man sieht also. Es sind gesellschaftliche Entscheidungen, die nicht mit "richtig" oder "falsch" zu beantworten sind. Und es geht um die Balance. Eine Gesellschaft, die sich nur nach "oben" orientiert, verliert womöglich ihr Herz, ihr Mitgefühl. Eine Gesellschaft, die sich aber nur nach "unten" orientiert, ist zu großer kultureller Leistung, Kraftanstrengung und Entwicklung nicht mehr in der Lage.
    • "BerlinFan" schrieb:

      Das Einzige, was man verhindern muss, ist, dass es auf dem Sockel des ehemaligen Nationaldenkmals errichtet wird, sodass es einer Rekonstruktion - ja daran glaube ich immer noch - im Weg steht.


      Das hier gesagte muss ganz dick unterstrichen werden. Du hast völlig Recht, dass ein neues Nationaldenkmal unter keinen Umständen auf dem Sockel des alten Denkmals errichtet werden darf - das würde eine Rekonstruktion des alten dauerhaft verunmöglichen. Hinzukommt, dass ja mit einem modernistischen, pseudointellektuellem Gebilde zu rechnen ist. Die Zeit ist einfach noch nicht reif dafür, eine ästhetisch ansprechende Lösung für ein neues Nationaldenkmal erhoffen zu können. Ideal wäre natürlich eine Rekonstruktion des alten Denkmals und zusätzlich ein neues Nationaldenkmal in traditioneller Formensprache. :D Bloß wie realistisch ist das, sagen wir, innerhalb der nächsten 10-15 Jahre?
      "Meistens belehrt uns der Verlust über den Wert der Dinge."
      Arthur Schopenhauer
    • Senat akzeptiert Standort für Freiheitsdenkmal

      Mitte Berlins Kulturstaatssekretär André Schmitz (SPD) hat den geplanten Standort für das Freiheits- und Einheitsdenkmal auf dem Berliner Schlossplatz verteidigt. Auch wenn der Senat zunächst einen anderen Standort favorisiert habe, sollte die fraktionsübergreifende Entscheidung des Bundestages für das Schlossareal nicht am Land Berlin scheitern, sagte Schmitz in einer Antwort auf eine parlamentarische Anfrage von Ex-Kultursenator Thomas Flierl (Linke).

      Dabei stehe die Entscheidung, das geplante Denkmal auf dem Sockel des ehemaligen Kaiser-Wilhelm-Nationaldenkmal zu errichten, nicht im Widerspruch zur föderalen Tradition Deutschlands. Immerhin hätten die Revolutionäre von 1848, "an die das Denkmal auch erinnern soll", am Schlossareal dem preußischen Königshaus die Kaiserkrone "angedient", "wenngleich auf der Grundlage einer demokratischen Verfassung", so Schmitz weiter.

      Der Senat hatte zunächst als Standort einen Ort nördlich des Humboldt-Forums auf der Lustgartenseite nördlich des ehemaligen Schlossareals favorisiert. Anderen Standorten wie Alexanderplatz, Platz der Republik und Spreebogen wurde aus städtebaulichen oder historischen Gründen eine Absage erteilt. Die Wettbewerbsausschreibung für die Gestaltung soll Medienberichten zufolge im Juni fertig sein.

      http://www.morgenpost.de/content/2008/04/27/bezirke/959502.html\r
      www.morgenpost.de/content/2008/0 ... 59502.html

      Habt ihr auch schon ein paar Politiker angeschrieben? Ich habe jedenfalls am Mittwoch Herrn Thierse und Frau Junge-Reyer geschrieben.
    • Einheitsdenkmal in Berlin

      In der F.A.Z. befindet sich heute ein tendenziöser Artikel zum geplanten Denkmal für die Wiedervereinigung Deutschlands. Heute sollte im Bundestag über die Wettbewerbsausschreibung abgestimmt werden, jedoch wurde diese Abstimmung verschoben. Erstmal müssen sich die Fraktionen von CDU und SPD über die Finanzierung verständigen. Der bisherige Kostenrahmen von 5 Mio. € ist jetzt schon nicht mehr zu halten. Durch das geplante Informationszentrum zur deutschen Geschichte könnte das gesamte Vorhaben das Dreifache kosten. Auch der Standort könnte sich für die heutigen Künstler als Problem erweisen, denn er ist schlicht zu groß.

      Das „Denkmal der Freiheit und Einheit“ wäre einer der ganz wenigen deutschen Gedenkorte mit positivem Inhalt seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs: ein Denkmal, das kein Mahnmal ist. Es solle „als nationales Symbol in der Mitte der deutschen Hauptstadt seinen Platz finden“, heißt es im Bundestagsbeschluss. Der Platz indessen, den das Parlament für dieses Vorhaben ausgewählt hat, spricht seine eigene Symbolsprache, nicht zuletzt durch seine Proportionen. Dreitausend Quadratmeter Granit zwischen Stadtschloss und Gendarmenmarkt sind kein Ort für beiläufige Formgebärden, sondern eine mit Prunk und Pathos aufgeladene symbolische Kampfzone, die sich im Handumdrehen in ein nationales Fettnäpfchen verwandeln kann. [...] Ein deutsches Nationaldenkmal vor der Westfassade des Stadtschlosses wird geschichtspolitisches Aufsehen erregen, in Deutschland ebenso wie im interessierten Ausland. [...] Zuerst soll ein offener, frei zugänglicher Ideenwettbewerb stattfinden, danach folgt die interne Konkurrenz der Experten. Ein Probelauf unter Studenten deutscher Kunsthochschulen, deren Entwürfe Ende 2007 in der Berliner Nikolaikirche zu sehen waren, hat freilich wenig ermutigende Resultate erbracht. Ein zerbrochener Kettenring hier, ein Stelenbündel dort – der Sockel des Kaiserdenkmals würde solche steinernen Kleinigkeiten verschlucken wie Gargantua einen Kirschkern. [...]


      http://www.faz.net/s/RubCF3AEB154CE64960822FA5429A182360/Doc~ECD49058F65AB4F13AA3717B66A391C9A~ATpl~Ecommon~Scontent.html?rss_aktuell\r
      www.faz.net/s/RubCF3AEB154CE6496 ... ss_aktuell

      Der zukünftige Standort des Denkmals:





      Über das Kaiser-Wilhelm-Nationaldenkmal:
      http://de.wikipedia.org/wiki/Kaiser-Wilhelm-Nationaldenkmal\r
      de.wikipedia.org/wiki/Kaiser-Wil ... naldenkmal
      Wenn du ein Haus baust, denke an die Stadt (Luigi Snozzi)
    • Endlich mal zwei normale Ansichten zum Kaiser-Wilhelm-Denkmal. Wenn man das hier liest muss man ja befürchten nicht mehr ganz dicht zu sein:

      Das Kaiser-Wilhelm-Denkmal vor dem Berliner Hohenzollernschloss war ein Trumm
      , wie man es keiner europäischen Großstadt wünschen kann. Eine klotzige lotzige Säulenhalle im ionischen Stil umgab das neun Meter hohe bronzene Reiterstandbild Wilhelms I., dessen Pferd ein Friedensgenius am Zügel führte. Vierzig weitere Götter- und Heldenfiguren sowie allerlei allegorisches Getier , darunter Ochsen, Schafe, Adler, Eulen und Fledermäuse, huldigten dem Kaiser.


      http://www.faz.net/s/RubCF3AEB154CE64960822FA5429A182360/Doc~ECD49058F65AB4F13AA3717B66A391C9A~ATpl~Ecommon~Scontent.html?rss_aktuell\r
      www.faz.net/s/RubCF3AEB154CE6496 ... ss_aktuell
      Wenn du ein Haus baust, denke an die Stadt (Luigi Snozzi)
    • Das Denkmal war übrigens keineswegs "wilhelminisch" oder typisch deutsch, sondern entsprach mit seiner Konzeption und Formensprache sehr genau dem damals modernen, internationalen Stil für derartige Monumente.

      Budapest, Heldenplatz:

      http://www.flickr.com/photos/elesamu/429328754/sizes/l/\r
      www.flickr.com/photos/elesamu/429328754/sizes/l/

      Rom, Denkmal für Vittorio Emmanuele II:

      http://commons.wikimedia.org/wiki/Image:Monumento_Vittorio_Emmanuele_II_Rom.jpg\r
      commons.wikimedia.org/wiki/Image ... II_Rom.jpg

      London, Denkmal für Queen Victoria (einschließlich Bronzelöwen :zwinkern: :(

      http://www.netgeiger.de/Knut/Tips_Tricks/Reisen/London/Bilder/Queen-Victoria-Memorial.jpg\r
      www.netgeiger.de/Knut/Tips_Trick ... morial.jpg

      Madrid, Denkmal für Alfonso XII:

      http://picasaweb.google.com/SchifferlG/Madrid#5189897059851887090\r
      picasaweb.google.com/SchifferlG/ ... 9851887090

      Die Übereinstimmungen sind teilweise verblüffend.
      Stünde das Wilhelms-Denkmal in Madrid oder Budapest, würde kein deutscher Modernist ein Wort darüber verlieren. Er würde sich in ein Straßencafé gegenüber setzen und das bunte Treiben rund herum genießen. In Wirklichkeit geht es diesen Leuten nicht um Architektur oder Kunst, sondern um Ideologie.
    • wie man es keiner europäischen Großstadt wünschen kann.


      Na hoffentlich schämen sich die wirklichen europäischen Metropolen auch tüchtig für ihre entsprechenden Denkmäler! :peinlich: :peinlich: :peinlich: :klaresnein:
      Ich entschuldige mich von Herzen für meine früheren arroganten, provokanten, aggressiven und unfreundlichen Beiträge!
      Jesus ist mein Herr und Retter!
    • Dabei war das Denkmal in Berlin noch vergleichsweise schlicht und bescheiden...
      Wenn ich mir das in (vor allem) Rom, Budapest und Madrid anschaue...

      Edit:
      Mir ist schon öfters aufgefallen, dass die angeblich so protzigen wilhelminischen Bauten an Pracht und Größe nicht wirklich mit ihren Pendants in Frankreich und Südeuropa (oder sogar manchen südamerikanischen Ländern) mithalten konnten. Hatte man dort mehr Geld dafür zur Verfügung, oder NOCH mehr Repräsentationsanspruch?
    • Mathias schrieb:

      Stünde das Wilhelms-Denkmal in Madrid oder Budapest, würde kein deutscher Modernist ein Wort darüber verlieren. Er würde sich in ein Straßencafé gegenüber setzen und das bunte Treiben rund herum genießen.


      Ganz genau das ^^ habe ich gedacht, als ich den Artikel entdeckt habe! Hinter all dem steckt der deutsche Selbsthass der intellektuellen Elite.
      Wenn du ein Haus baust, denke an die Stadt (Luigi Snozzi)
    • Treverer schreibt:

      Mir ist schon öfters aufgefallen, dass die angeblich so protzigen wilhelminischen Bauten an Pracht und Größe nicht wirklich mit ihren Pendants in Frankreich und Südeuropa (oder sogar manchen südamerikanischen Ländern) mithalten konnten. Hatte man dort mehr Geld dafür zur Verfügung, oder NOCH mehr Repräsentationsanspruch?


      Überwiegend katholische Länder sind bis heute schmuckfreudiger als evangelisch geprägte, da der Protestantismus zum biblischen Bilderverbot zurückkehrte. Das Bilderverbot des vierten Gebots (4. "Du sollst dir kein Gottesbild machen und keine Darstellung von irgendetwas am Himmel droben, auf der Erde unten oder im Wasser unter der Erde.") wurde zum Anlass für die Bilderstürme der Reformation und begründet bis heute puritanische Strömungen in Kunst und Architektur, auch wenn dieser Zusammenhang heutigen Modernisten kaum noch bewusst ist. Es ist kein Zufall, dass das Bauhaus in einem stark evangelisch geprägten Land wie Deutschland entstand. Die Unterschiede zwischen katholischen und evangelischen Ländern sind selbst bei Mode und Design noch zu erkennen.

      Der üppige späte Historismus war dagegen ein stark internationaler, eher "katholischer" Stil. In New York entstanden damals z. B. nicht wenige Prunkbauten in einem französisch geprägten Historismus, dem Beaux-Arts-Stil, z. B. das Ansonia Hotel. Dies ist weitaus üppiger als alles, was der angebliche "wilhelminische" Stil in Deutschland zeitgleich schuf, aber durchaus verwandt:

      http://www.nyc-architecture.com/UWS/UWS031.htm\r
      www.nyc-architecture.com/UWS/UWS031.htm

      Internationale Vorbildfunktion dieses Stils hatte sicher vor allem die Pariser Oper von Garnier mit ihrer verschwenderischen Pracht. Kein Berliner Opernhaus konnte nur entfernt mit diesem Prunk konkurrieren:

      http://de.wikipedia.org/wiki/Op%c3%a9ra_Garnier\r
      de.wikipedia.org/wiki/Op%c3%a9ra_Garnier

      Dabei ist Paris heute das mit Abstand beliebteste Touristenziel der Welt und die Oper von Garnier eine der Hauptattraktionen von Paris. Die übliche Historismuskritik wie "Überladenheit", "Protz", "Stillosigkeit" hört man interessanterweise kaum gegenüber der Pariser Oper (ideologisch uninteressant für Modernisten?). Dagegen findet die neue modernistische Oper an der Bastille schon jetzt wesentlich mehr Kritik. Hier ist das Meisterwerk: :zwinkern:

      http://de.wikipedia.org/wiki/Opera_Bastille\r
      de.wikipedia.org/wiki/Opera_Bastille
    • @ Mathias
      Ah, vielen Dank! :D Sehr interessant!
      Der Berliner Dom dürfte dann aber eine Ausnahme darstellen...wobei...auch wenn wir in ihn heute und vor allem damals schon als sehr üppig dekoriert empfinden, in anderen Ländern wäre das sicherlich auch wieder auf die Spitze getrieben worden. Das Äußere ist ja sogar ziemlich streng gegliedert, wenn man von den Statuen und Schmuckelementen absieht.

      In der Opera Garnier war ich übrigens schon einmal und sie ist wirklich an Pracht kaum zu überbieten. Eine der schönsten Architekturen, die ich kenne.
      Allerdings war sie zwar äußerlich saniert, aber im Inneren wirkte sie etwas heruntergekommen (lose, knarrende Dielen und dunkle oder verblasste Bilder/Malerien und viel Staub). Naja...im Gegensatz zu den deutschen Opernhäusern ist dieses ja noch wirklich richtig alt und im Originalzustand. :)