Einheitsdenkmal

    • Genau das müsste sich in der Gestaltung eines neuen Denkmals an der Schlossfreiheit wiederspiegeln: Die Geschichte der Einheit Deutschlands von der Reichsgründung, über Weimarer Republik, Diktatur und Zerfall, geteiltes Deutschland und freiheitliche Wiedervereinigung!
      Ich glaube kaum, das die heutigen Gestalter das alles in irgendwelchen Metalldingern wiederspiegeln können.
      Hier bedarf es eindeutig anderer Materialien, wie z.B. Sandstein und Bronze!!

      Hoffen wir mal das Beste :schild2:
    • Gegen etwas Klassisches habe ich überhaupt nix, nicht falsch verstehen. Es ist nur traurig, dass eine kulturell so hochstehende Nation wie unsere keine eigene Formensprache gefunden hat. Die amerikanischen Denkmäler sind mir persönlich zu pathetisch, aber dennoch, sie sind typisch amerikanisch, eine erstaunliche Leistung für eine Nation, deren kulturelle Identität ja im Prinzip keine eigene Historie besitzt, sondern im Prinzip ein Konglumerat verschiedenster europäischer Nationen ist.

      Ich würde mir eine Formensprache wünschen, die typisch BRD ist. Die scheint's aber bisher nicht zu geben. Ich sehe in den hierzulande absurd vielen abstrakten Denkmälern geradezu einen Ausdruck der Hilflosigkeit eben darüber.
    • Eine Formensprache, die typisch BRD ist? Das impliziert ja, daß es eine bundesdeutsche Kultur geben müsste. Wir können schon froh sein, wenn wir zumindest mal wieder an die deutsch-abendländische Kultur anknüpfen.
      Die deutsche Kultur ist Teil der abendländischen Kultur, die in ihren diversen Stilepochen von Gotik, Rokoko, Barock oder Renaissance stets europaweite Dimensionen erreichte. Eine neue europäische Stilepoche ist nicht in Sicht. Es gibt nur die moderne globalisierte Formensprache, die so nichtssagend und austauschbar wie eine Schraube nach DIN-Norm ist.
      Wenn wir heute einen Künstler mit zeitgemässer Formensprache an so ein Projekt lassen, dann wird uns eben wieder eine abstrakte Skulptur wie der Rosthaufen vor dem Bundeskanzleramt geboten.
      So ein Werk würde vermutlich nicht gerade die Besucherzahlen des Lincoln Memorial erreichen.
      Vermutlich würden die Leute eine Reko des alten Nationaldenkmals auch nur auf dem Weg zum Schloss kurz abhandeln, doch würde sich dieses Denkmal architektonisch natürlich wunderbar in die Umgebung von Schloß, Kommandantur und zukünftig Bauakademie einfügen.
      " Dem Wahren, Schönen, Guten "
    • Wenn überhaupt an dieser Stelle etwas entstehen sollte, dann hätte ich am liebsten das alte Reiterstandbild zurück. Nach der weitgehenden äußerlichen Rekonstruktion des Schlosses würde es schlichtweg am besten zur baulichen Umgebung passen. Man soll sich doch nichts vormachen, was bei einem neugestalteten Denkmal herauskommen würde. Es ist überaus bedauerlich, dass man gerade in Berlin zur preußischen Vergangenheit keinerlei positive Bezugspunkte hat. Und wenn ein Kaiser und König noch dazu Wilhelm zum Vornamen hat, geht gar nichts mehr...

      Sehr aussagekräftig ist in diesem Zusammenhang auch unser Umgang mit den deutschen Veteranen des 1. Weltkriegs. Am 1. Januar 2008 starb bei Köln ein Mann namens Erich Kästner im Alter von 107 Jahren. Er war aller Wahrscheinlichkeit nach der letzte bis dahin lebende Mann, der in der kaiserlichen Armee gedient hat - mit absoluter Gewissheit kann man das nicht sagen, da Deutschland anders als andere Länder kein Veteranenregister führt. In Frankreich, Großbritannien, Kanada etc. erhalten die verstorbenen Veteranen des 1. Weltkriegs Ehrenbegräbnisse, Medien berichten, Staats- und Regierungsoberhäupter melden sich zu Wort. In Deutschlands hört man gar nichts davon. Der Grund dafür ist derselbe wie bei den Problemen mit dem Denkmal Wilhelms I.: Deutschlands Rolle bei der Entfesselung des 2. Weltkriegs wurde mehr oder weniger auf den Ausbruch des 1. Weltkriegs übertragen. In der Wahrnehmung großer Teile der Öffentlichkeit wurde aus der gemeinsamen Schuld aller Großmächte eine deutsche Alleinschuld.


      "Der Münchner" schrieb:

      Im Jahre 1990 schlossen sich die beiden Teile Deutschland wieder zusammen, die sich aufgrund eben dieser Reichsgründung überhaupt nur als gemeinsame Nation verstanden haben.


      Als gemeinsame Nation begreifen sich die Deutschen eigentlich allerspätestens seit dem Ende des 15. Jahrhunderts.
      "Meistens belehrt uns der Verlust über den Wert der Dinge."
      Arthur Schopenhauer
    • "Georg Friedrich" schrieb:

      Deutschlands Rolle bei der Entfesselung des 2. Weltkriegs wurde mehr oder weniger auf den Ausbruch des 1. Weltkriegs übertragen. In der Wahrnehmung großer Teile der Öffentlichkeit wurde aus der gemeinsamen Schuld aller Großmächte eine deutsche Alleinschuld.


      Bereits zu meiner Schulzeit war es eine von Mitschülern häufig gebrauchte Floskel, daß Deutschland schließlich "zwei Weltkriege angefangen hat". (Und deshalb nun mal schön ruhig bei der Formulierung von Interessen sein solle.) Dem wurde vom Lehrpersonal auch nie widersprochen. Das erfolgte zu einer Zeit, als es noch Großeltern gab, die dieser Einschätzung eventuell aus eigener Erfahrung etwas entgegensetzen hätten können. Diese Tendenz dürfte sich bei den heutigen Schülern noch verstärkt haben. Je weiter das historische Ereignis zurückliegt, umso floskelhafter, umso verkürzter, umso eindimensionaler wird das geschichtliche Geschehen bewertet. Und die herrschende Geschichtserzählung berichtet eben nun einmal davon, daß dieses Land im 20. Jahrhundert fast alleinverantwortlich für alles Leid auf Erden gewesen sei. Deshalb sind hierzulande auch alle Denkmale, die dieser herrschenden Erzählung widersprechen, Kriegerdenkmale eingeschlossen, solch immensen Widerständen ausgesetzt. Schließlich hängt die Weltordnung und das bestehende Machtgefüge teils von solchen Geschichtsinterpretationen ab.

      Man wird deshalb ein Einheitsdenkmal etwa im Stil der abstrakten Stahlstreben vor dem Bundeskanzleramt bekommen (eventuell die bereits gezeigten Ringe). Das ist ja gerade die für die BRD typische Formensprache. Es gibt schlimmeres. Es könnte immer noch etwas schlimmeres denkbar sein. Mehr darf man in der deutschen Gegenwart unter den oben skizzierten Bedingungen eben nicht mehr erwarten.
    • Genau so ist es, Silesiano. Es gibt nur sehr wenige Westgroßstädte, die nicht diese erbärmlichen grauvermoderten Asphaltzentren haben. Die Stadt Freiburg (Sorry :P) zum Beispiel zeigt, dass ein höheres Niveau auch unabhängig vom Altbaubestand zumindest möglich ist.
      Ich entschuldige mich von Herzen für meine früheren arroganten, provokanten, aggressiven und unfreundlichen Beiträge!
      Jesus ist mein Herr und Retter!
    • "Philon" schrieb:

      Ich würde mir eine Formensprache wünschen, die typisch BRD ist.


      Na, die gibt's doch (leider): In der Architektur die herkömmliche Beton- und/oder Glaskiste und für Denkmäler der immer wieder gerne genommene in sich verschraubte Rosthaufen bzw. die Blechdose.


      Nö, das ist nur der hilflose Versuch pseudointellektueller Kreise, eine solche zu etablieren. Dass die Mehrheit der Bevölkerung dem kopfschüttelnd gegenübersteht, reicht mir als Beweis, dass es diese bis jetzt nicht gibt.

      "silesianospostato" schrieb:

      Richtig: Typisch BRD sind für mich diese deprimierenden Fußgängerzonen mit der einfallslosen 60er-Jahre Architektur in tristen Farben. Die findet man von Mannheim über Essen bis Kiel überall - und damit assoziiere ich sofort die alte Bundesrepublik West.


      Gemecker dieser Art ist IMHO auch typisch deutsch, denn diese Fußgängerzonen findest du ebenso in Russland oder China wie Sand am Meer, und trotzdem haben diese ein reiches kulturelles Erbe - genau wie die BRD. Also bitte nicht immer alles am schlechtesten messen.
    • Das sollte gar kein Gemecker sein, es gibt nur eben eine ganz bestimmte spezifische Farb- und Formensprache, die typisch westdeutsch ist und zumindest mir nicht gefällt. Schon in Österreich sehen die Nachkriegs-Fußgängerzonen irgendwie anders aus (nicht unbedingt schöner, aber stilistisch mit anderen Akzenten).
    • "Heimdall" schrieb:

      Und die herrschende Geschichtserzählung berichtet eben nun einmal davon, daß dieses Land im 20. Jahrhundert fast alleinverantwortlich für alles Leid auf Erden gewesen sei. Deshalb sind hierzulande auch alle Denkmale, die dieser herrschenden Erzählung widersprechen, Kriegerdenkmale eingeschlossen, solch immensen Widerständen ausgesetzt. Schließlich hängt die Weltordnung und das bestehende Machtgefüge teils von solchen Geschichtsinterpretationen ab.


      Und die Weltordnung und das bestehende Machtgefüge produzieren auch wieder solche Geschichtsinterpretationen- innerhalb und ausserhalb Deutschlands.
      Favorevole alla ricostruzione completa come era e dove era.
    • Das ganze ist ja ein wenig OT, aber diese "Geschichtslosigkeit" lässt sich ja noch steigern. Wahrscheinlich müssen wir ja sogar bei den "Denkmälern" der Zukunft den Zuwanderern gedenken, denn die haben ja " Deutschland nach dem Krieg wieder aufgebaut". Das klingt zwar ein bisschen übertrieben, aber genau solche Geschichten "geistert" durch bestimmte Gesellschaften in Deutschland. :kopfwand:

      Aber zurück zum Einheitsdenkmal: Was kann konkret gegen ein "modernes Monster" getan werden?
      Labor omnia vincit
      (Vergil)
    • "Aedificium" schrieb:

      Aber zurück zum Einheitsdenkmal: Was kann konkret gegen ein "modernes Monster" getan werden?

      Ich befürchte, dass man nicht wirklich etwas gegen dieses Denkmal unternehmen kann. Das Einzige, was man verhindern muss, ist, dass es auf dem Sockel des ehemaligen Nationaldenkmals errichtet wird, sodass es einer Rekonstruktion - ja daran glaube ich immer noch - im Weg steht.
    • Warum stellt man so ein Denkmal nicht an den Leipziger Platz. So trostlos wie die Gebäude da aussehen, kann es nur besser werden, es würde vom Stil her dort hinpassen und Platz ist auch da. Also ich finde hier wäre der beste Platz, außerdem war die Mauer direkt in der Nähe.
      Vor dem Reichstag wäre eine zweite möglichkeit. Auf dem Rasen ist noch sehr viel Platz.
      APH - am Puls der Zeit
    • Ich hätte da einen tollen Vorschlag: Nachdem das Bundeskanzleramt ja schon die wunderschöne "Philosophin" von Lüpertz ziert

      Bild hier
      fotocommunity.de/pc/pc/extra/s…BoaW4iO30/display/1771465

      und hier
      fotocommunity.de/pc/pc/extra/s…BoaW4iO30/display/2695612

      könnte Lüpertz ja auf dem Schlossplatz den männlichen Gegenhelden aufstellen. Dabei denke ich an den Schöpfer der deutschen Einheit, Herrn Uhltzscht aus Th. Brussigs Roman "Helden wie wir"

      amazon.de/Helden-wie-wir-Thoma…oks&qid=1205953960&sr=8-1
      "Nichts zeichnet eine Regierung mehr aus als die Künste, die unter ihrem Schutze gedeihen."
      Friedrich der Große
    • "Sagebiel" schrieb:



      (OT)
      Was ist denn das??? :schreckgrau:
      Die sieht ja aus als ob sie unter "Elephantiasis", mindestens aber unter "Akromegalie" leiden würde.
      Hier zum nachlesen: de.wikipedia.org/wiki/Akromegalie und de.wikipedia.org/wiki/Elefantitis

      Was bekommen denn da die Staatsgäste für einen Eindruck? :kopfschuetteln:
      Labor omnia vincit
      (Vergil)
    • "Aedificium" schrieb:

      Was bekommen denn da die Staatsgäste für einen Eindruck? :kopfschuetteln:


      Den Eindruck, der gewollt ist.
      Und jener lautet unter anderem, daß dieses Land dem offenbar so mißbrauchtem Streben nach athletischen Idealen bewußt abgeschworen hat. Kurz: Wir sind tolerant, bei uns haben auch Häßliche oder stark Behinderte einen hohen Stellenwert.