Einheitsdenkmal in Berlin

    • Es amüsiert mich immer wieder, zu sehen, wenn sich verschiedene Interessengruppen als "die Mehrheit" verstehen. Bei 65% der Befragten aus einer vom Förderverein Stadtschloss Berlin bezahlten Umfrage bin ich doch eher kritisch, ob die Zahlen so ohne weiteres repräsentativ sind. Ich für meinen Teil habe immer das Modell des Einheitsdenkmals in Leipzig bevorzugt, wo ja nach einhelliger Meinung viele Weiche für den Mauerfall gestellt worden sind.
    • Ich denke, dass Problem ist doch, dass kaum ein Mensch prinzipiell etwas gegen ein Denkmal für die deutsche Einheit hat. Es gibt aber zwei fundamentale Probleme:

      1. Es stellt sich immer die Frage nach dem richtigen Standort. In Berlin gibt es wahrlich viele Plätze, die für ein Einheitsdenkmal in Betracht kommen, auf den Sockel des Nationaldenkmals wären aber wohl die wenigsten gekommen. Wenn man ehrlich ist, hat man den Ort nur ausgewählt, weil man sich so sehr leicht der Verantwortung für den Umgang mit dem Sockel entziehen konnte, um mehr ging es doch faktisch nicht.

      2. Leider sind Künstler und Architekten heute nicht mehr in der Lage, Denkmaler zu bauen, die als solche auch erkennbar sind und die jene Würde ausstrahlen, die ein Denkmal nun mal verdient und meiner Meinung nach auch darstellen sollte. Die Denkmalarchitektur ist zu einer verkopften Happeningveranstaltung geworden, die normale Menschen einfach nicht mehr verstehen. Daher ist ja nicht nur das Denkmal in Berlin, sondern auch das in Leipzig gescheitert. Ich denke, gegen ein würdiges Denkmal hat niemand etwas, aber gegen diese aufgeblasenen bunten Spielpätze und Pseudokunstinstallationen, da haben die Menschcen einfach genug von!
      APH - am Puls der Zeit

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    • Wissen.de schrieb:

      2. Leider sind Künstler und Architekten heute nicht mehr in der Lage, Denkmaler zu bauen, die als solche auch erkennbar sind und die jene Würde ausstrahlen, die ein Denkmal nun mal verdient und meier Meinung nach auch darstellen sollte.
      Die Amerikaner und Briten z.B. sind schon noch in der Lage dazu, nur hier in Deutschland will man einfach nicht. Auch nicht, weil man nicht könnte, sondern weil man wirklich nicht will. Als Designer/Illustrator kenne ich so einige Leute in der Game- oder Filmbranche, die wundervolle klassische Architekturen und wundervolle realistische Kunstwerke erschaffen. Die Schinkel und da Vincis unserer Zeit... Sie arbeiten nur nicht als Architekten und akademische Künstler, sondern als Concept Artists, Illustratoren, 3D Artists etc. für Videospiele und Film.
    • Wissen.de schrieb:

      2. Leider sind Künstler und Architekten heute nicht mehr in der Lage, Denkmaler zu bauen, die als solche auch erkennbar sind und die jene Würde ausstrahlen, die ein Denkmal nun mal verdient und meiner Meinung nach auch darstellen sollte.
      Es fehlt sicher zum einen auch die Übung, denn es wurde seit Jahrzehnten kein Denkmal mehr in Deutschland gebaut um einer Sache positiv zu gedenken. Kleine Ausnahme ist der Skulpturenpark Deutsche Einheit in der Rhön, wo man sehen kann was einem in Berlin auch hätte blühen können. Mir fallen eigentlich sonst nur Mahnmale ein, die den dunklen Seiten der deutschen Geschichte gewidmet wurden.
      Zum anderen liegt dies auch an der Geisteshaltung unserer Gesellschaft, denn ich hatte ja schonmal einen Beitrag über die Stunde Null 1945 geschrieben. Für unsere Kulturschaffenden stellte sich aufgrund der negativen Betrachtungsweise sämtlicher Epochen vor 1945 nie die Frage einer Würdigung bestimmter Sachverhalte. Nicht mal für den Widerstand des 20.07.1944 gibt es ein angemessenes Denkmal. Der Mauerfall und die daraus resultierende Wiedervereinigung war somit das erste Ereignis der Nachkriegszeit, über das positiver Konsens bestand und selbst da dauerte es nun knapp 30 Jahre bis zum Bau eines solchen Denkmales (ich wiederhole: für EIN Denkmal). Zum Vergleich: Nach 30 Jahren Einheit im Deutschen Kaiserreich war das gesamte Land von Nord bis Süd und West bis Ost voll von Bismarck-Türmen und Nationaldenkmälern wie Niederwalddenkmal, Kyffhäuserdenkmal, Deutsches Eck in Koblenz oder das Kaiser-Wilhelm-Denkmal an der Porta Westfalica vollgepflastert.
      Die Bundesrepunlik Deutschland ist zwar im materiellen Sinne ein reiches Land, aber geistig arm und an der Seele krank.
      " Dem Wahren, Schönen, Guten "
    • Gefunden auf FAZ.NET, innerhalb eines Artikels über den Kölner Dom:

      "Als Monument der nationalen Einheit hat der Dom ausgedient, weil es eines Denkmals dafür nicht mehr bedarf, und dass eine Wippe in Berlin für das stehen könnte, was im neunzehnten Jahrhundert der Dom verkörperte, wirft ein kritisches Licht auf das Geschichtsbewusstsein jener Zeitgenossen, die das für eine angemessene Form des Gedenkens halten." (Andreas Rossmann)

      So schön hätte ich es auch gerne auszudrücken vermocht... :anbeten:
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      Gutmensch = Gut gedacht, nicht nachgedacht, schlecht gemacht
    • Aedificium schrieb:

      Der Münchner schrieb:

      an der Seele krank
      ...und weil aus etwas krankem nichts (wirklich) gesundes heraus entstehen kann, sehen unsere Städte so aus wie sie aussehen!
      ????
      Warst du noch nie krank?
      Aus etwas Krankem kann nichts Gesundes entstehen?
      Merkwürdige Weltsicht, die ich so nicht nachvollziehen kann.
      Ich finde z.B., der aus dem "kranken" Bombenloch entstandene Dresdner Neumarkt sieht von Jahr zu Jahr gesunder aus.

      Ich würde mir als Denkmal etwas wünschen, das auch bildlich die Menschen in den Mittelpunkt stellt, die die Mauer zum Einsturz gebracht haben.
      Irgendwas in der Art :



      (Quelle:welt.de/img/regionales/berlin/…24/Als-die-Mauer-fiel.jpg)


      Aber solche realistischen oder naturalistischen Darstellungen sind in der "modernen" Bildsprache ja heutzutage und hierzulande verpönt...

      Wenn man zum Verständnis eines Kunstwerkes nicht zuerst einen Katalog oder zumindest eine kleine Broschüre lesen muss, dann ist es nicht modern genug.

      Kunstwerke oder Denkmale, die für sich selbst sprechen und für jedermann verständlich sind, sind heute nicht mehr en vogue...

      Der Münchner schrieb:

      Nicht mal für den Widerstand des 20.07.1944 gibt es ein angemessenes Denkmal.
      Das stimmt so nicht ganz.
      Im Bendlerblock wurde ein Denkmal für die Hitler-Attentäter errichtet:



      (Quelle: zum.de/Faecher/G/BW/Landeskund…lagge_zeigen/bendlerblock)


      Inzwischen ist das Denkmal etwas verändert worden. Ohne Sockel, mit einer Bronzetafel davor und gestaltetem Umfeld.

      Fand den ursprünlichen Entwurf trotzdem besser. Standbilder im öffentlichen Raum gehören auf einen Sockel.

      Ist aber nur meine Meinung.
    • Neu

      @Dr. Haus: Du darfst nicht einfach fremde Bilder beliebig direkt einbinden; ist doch keine Neuigkeit.

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      Ich habe heute mal von der Schlossplatzseite auf den Denkmalsockel geschaut.





      Wie man sieht, werden hier noch diverse Steine ausgebessert. Die beiden haben mir dann auch bestätigt, dass die farblichen Anpassungen an die alten Steine mit einer Schmutzbrühe nach Geheimrezept (meine Formulierung) erfolgen.

      Diese Formsteine werden zur Entwässerung als Ablaufrinnen am Denkmalsockel verlegt.
      Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
      (Immanuel Kant)