Einheitsdenkmal in Berlin

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      @ Andreas
      Entsetzlich wie "politisch korrekt" Du die Entstehungsgeschichte des Nationaldenkmals auf der Schlossfreiheit versuchst zu interpretieren. Dieser Wille macht Rekonstruktionsbefürworter wie uns in diesem Forum wirklich unglaubwürdig.

      Verständnis für die Entscheidungen der Vergangenheit haben, kann man nur, wenn man die damaligen Verhältnisse nicht auf heutige Idealmaßstäbe von korrektem politischen Handeln bezieht. Damals war es nun einmal so, dass "von oben" regiert wurde. Kritik am Handeln des Kaisers wurde mit Gefängnis geahndet. Der Wille des Kaisers war der Wille des Volkes. Ich sage nicht dass es so besser war, aber es ist die richtige Sicht auf die Dinge. Dass es in der damaligen Zeit kaum demokratisch fundierte Entscheidungen seitens der Regierung gab, ist bei einem monarchistischen System selbstverständlich. Aber die monarchistischen Entscheidungen damit grundsätzlich als Entscheidungen gegen den Willen des Volkes zu sehen, ist falsch. Das Kaisertum hatte große Unterstützung in der Bevölkerung. Die Widmungs-Inschrift auf dem Sockel halte ich daher für korrekt. Denn unter den damaligen Umständen war es richtig, sie so zu formulieren. Auch wenn Dir das aus Deiner modernen, demokratisch geschulten Sicht auf die Dinge von früher nicht passen mag!

      P.S.: Das Geheimnis, Verständnis für die Menschen der Vergangenheit zu haben, ist es das Heute auszublenden.
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      Den Sinn Deines Beitrages kann ich nicht verstehen.

      Ich habe ausdrücklich keine Kritik dem Zustandekommen der Entscheidung zur Errichtung des Nationaldenkmals geübt. Es war sicherlich schwierig sich dem Willen des Kaisers in diesem Punkt zu widersetzen. Der Reichstag hat es ja auch nicht getan, obwohl massiv in dessen Rechte eingegriffen wurde.

      Es mag auch sein, dass "von oben regieret wurde". Richtig ist auch, dass man bei Entscheidungsfindungen in der Vergangenheit nicht unser heutiges Demokratieverständnis zu Grunde legen kann und das man überhaupt bei der Beurteilung von Menschen der Vergangenheit deren Zeit beachten muss.

      Unter Beachtung alles dessen ist aber trotzdem so , dass das Kaiser Wilhelm I Nationaldenkmal eben keine Widmung des Volkes, sondern aus dem Willen Kaiser Wilhelms II entstanden ist. Daran ändern auch Floskeln wie "Der Wille des Kaiser war der Wille des Volkes" -zumal wenn sie mit Hinweisen auf die Folgen von Kritik am Kaiser relativiert werden- oder die Inschrift am Denkmal nichts.

      In einer Debatte mit der die Rekonstruktion des Denkmals oder auch nur über der Erhalt der Reste und Wiederaufbau der Kolonaden erreicht werden soll, wirst Du mit Deiner Argumentation nichts erreichen, weil sie einfach in sich unstimmig und daher leicht zu widerlegen ist.
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      Andreas schrieb:

      Den Sinn Deines Beitrages kann ich nicht verstehen.

      Ich habe ausdrücklich keine Kritik dem Zustandekommen der Entscheidung zur Errichtung des Nationaldenkmals geübt. Es war sicherlich schwierig sich dem Willen des Kaisers in diesem Punkt zu widersetzen. Der Reichstag hat es ja auch nicht getan, obwohl massiv in dessen Rechte eingegriffen wurde.

      Es mag auch sein, dass "von oben regieret wurde". Richtig ist auch, dass man bei Entscheidungsfindungen in der Vergangenheit nicht unser heutiges Demokratieverständnis zu Grunde legen kann und das man überhaupt bei der Beurteilung von Menschen der Vergangenheit deren Zeit beachten muss.

      Unter Beachtung alles dessen ist aber trotzdem so , dass das Kaiser Wilhelm I Nationaldenkmal eben keine Widmung des Volkes, sondern aus dem Willen Kaiser Wilhelms II entstanden ist. Daran ändern auch Floskeln wie "Der Wille des Kaiser war der Wille des Volkes" -zumal wenn sie mit Hinweisen auf die Folgen von Kritik am Kaiser relativiert werden- oder die Inschrift am Denkmal nichts.

      In einer Debatte mit der die Rekonstruktion des Denkmals oder auch nur über der Erhalt der Reste und Wiederaufbau der Kolonaden erreicht werden soll, wirst Du mit Deiner Argumentation nichts erreichen, weil sie einfach in sich unstimmig und daher leicht zu widerlegen ist.


      Mit dieser Argumentation ließe sich auch der Triumphbogen in Paris infrage stellen. Dennoch wirst Du ausgesprochen wenige und vernachlässigend wenige Franzosen finden, die sich daran beteiligen würden. Im Gegenteil.

      Und ob demokratische Denkmäler in der Realität von großer Bedeutung sind, wage ich ebenfalls zu bezweifeln. Zumindest sind selbst die zahlreichen Monumente in Washington nie Ergebnis einer Volksabstimmung gewesen.

      Man muss nicht alles zerreden. Man muss die Resonanz in der Bevölkerung sehen, um die Akzeptanz zu analysieren. Und nicht zuletzt die Identifizierung. Und jene mit dem Nationaldenkmal vor dem Schloss war selbst in der - demokratischen - Weimarer Republik nie spürbar infrage gestellt worden.
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      Nur noch kurz zu Deinen Anmerkungen Stauffer:

      Stauffer schrieb:

      Man muss nicht alles zerreden.

      Die Darstellung der historischen Gegebenheiten ist doch kein zerreden, zumal dann nicht wenn dies auf den Vorwurf erfolgt, sich nicht mit der Geschichte auseinandergesetzt zu haben.

      Sich mit den Fakten zu befassen ist allemal besser, als sich die Geschichte zurechtzubiegen um in einer Diskussion ei Argument zu haben. dies führt doch zu nichts.

      Stauffer schrieb:

      Man muss die Resonanz in der Bevölkerung sehen, um die Akzeptanz zu analysieren. Und nicht zuletzt die Identifizierung. Und jene mit dem Nationaldenkmal vor dem Schloss war selbst in der - demokratischen - Weimarer Republik nie spürbar infrage gestellt worden.

      Die These, dass sich die Bevölkerung mit der Denkmal identifiziert hat, bedürfte allerdings der Überprüfung. Das Denkmal war, zumindest während der Erbauung und nach der Enthüllung umstritten, wohl gerade auch in konservativen Kreisen. Das allseits bekannte Wort vom "Zoo von Wilhelm II", sei hier beispielhaft erwähnt. Die Rezeptionsgeschichte möchte ich hier nicht ausführlich darlegen, wer sich hierfür interessiert mag dies in der einschlägigen Literatur nachlesen.

      Das in der Weimarer Republik der Bestand des Denkmals nie spürbar in Frage gestellt wurde, mag sein. Das wird mit der Wippe allerdings auch so sein, wen diese erst steht. Ein erst einmal errichtetes Denkmal zu beseitigen, bedarf -gerade in einer demokratischen Gesellschaft- schon der Überwindung gewisser Schwellen.

      Abschließen möchte ich noch festhalten, dass es mir nicht darum geht, das Kaiser Wilhelm I Nationaldenkmal irgendwie schlecht zu reden. Es war sicher ein Denkmal seiner Zeit, das zu erhalten selbstverständlich Wert wäre und bezüglicher seiner Reste ist (und zwar ohne Wippe, sondern mit Aufbauten, die seinem Charakter entsprechen - etwa den Kolonaden). Nur taugt dafür eben nicht der - leicht zu entkräftende - Hinweis auf eine vermeintliche Stiftung durch das Deutsche Volk.
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      Ganz gut beschrieben ist die Initiative und Entstehungsgeschichte des Berliner Nationaldenkmals Kaiser Wilhelm I. in der nachfolgenden verlinkten Leseprobe (Seite 218 ff.). Die zunächst vom Reichstag einstimmig (!) unterstützte Initiative wurde im Zuge des weiteren Verfahrens (zweiter Wettbewerb) sowohl hinsichtlich der Auswahl des Ortes (Schlossfreiheit) als auch des Künstlers (R. Begas) von "Seiner Majestät" nach und nach an sich gezogen. Der Reichstag zog sich auf sein Budgetrecht zurück und überließ dem Enkel die weitere Entscheidung. Dass das deutsche Volk die Errichtung des Denkmals in seinem Namen weiland mit sehr großer Mehrheit unterstützte, dürfte jedoch nicht ernsthaft in Zweifel zu ziehen sein.


      'Monument und Nation' (Seite 218) - Google Bücher
      Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
      (Immanuel Kant)
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      Ein super Buch! Dort sind auch alle Details des Denkmales detailiert beschrieben wie z.B. die Bedeutung der einzelnen Figuren, was auf den Texttafeln stand und die Materialität etc. (bürgerliches Gesetzbuch, Justizia usw.)
      Vielleicht sollte man die Beschreibungen visualiseren und mit Pfeilen auf einem der Fotos einzeichnen. Wenn so ein Bild erst einmal im Internet ist, kann dies vielleicht den ein oder anderen noch überzeugen. Außer vielleicht Wolfgang Thierse;)
      Das Internet vergisst nicht.