Einheitsdenkmal in Berlin

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • W.Thierse schrieb:

      [...] Wichtiger aber ist die geschichtspolitische Pointe des Ortes: Hier stand einmal das Nationaldenkmal für Kaiser Wilhelm I., also für eine deutsche Einigung von oben, für eine Einheit ohne Freiheit und Demokratie. Wir wollen jetzt ein Denkmal für die deutsche Einheit von unten, ermöglicht durch die friedliche Revolution, mit Freiheit und Demokratie. Diese geschichtspolitische Pointe hat mich von diesem Ort überzeugt. Sozusagen eine Brecht’sche Umfunktionierung. [...]
      Ich hätte da alternativ auch noch das (uns immer um die Ohren gehauene) Wort "Geschichtsrevision".

      Der Herr weiß offenbar nicht, das sowohl 1871 als auch 1989/90 Politiker die Einigung organisierten, aber in beiden Fällen AUCH die Menschen diese Einigung wollten. Wilhelm I. hätte ja sogar auch stur bleiben und "Nö!" sagen und das Politbüro in Moskau freidrehen können? Auch scheint er zu denken ein "gutes" Deutschland gibts erst seit 1990.

      Für mich klingt das immer mehr nach Selbstverwirklichung. :daumenunten:
      Es gibt eine Architektur, die zur Landschaft gehört, sowie eine andere, die sie zerstört.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Fusajiro ()

    • W.Thierse schrieb...
      Wichtiger aber ist die geschichtspolitische Pointe des Ortes: Hier stand einmal das Nationaldenkmal für Kaiser Wilhelm I., also für eine deutsche Einigung von oben, für eine Einheit ohne Freiheit und Demokratie. Wir wollen jetzt ein Denkmal für die deutsche Einheit von unten, ermöglicht durch die friedliche Revolution, mit Freiheit und Demokratie. Diese geschichtspolitische Pointe hat mich von diesem Ort überzeugt. Sozusagen eine Brecht’sche Umfunktionierung. [...]

      Der gute Mann betreibt hier doch eine ziemlich billige schwarz-weiß Malerei, bei der er wohl vergessen will, dass

      a) diese Bundesrepublik ihre Wurzeln auch in diesem Kaiserreich hat. Es war z.B. ein föderativer Staat und ein Rechtsstaat, u.a. stammen die wichtigsten Gesetze StGB, BGB noch aus dieser Zeit.

      b) auch dieses Kaiserreich seinen Bürgern Freiheiten gewährte und garantierte (wenn auch nicht in dem gleichen Maße wie heute) und es durchaus demokratische Elemente wie den gewählten Reichstag hatte. (Das Wahlrecht war im Grunde demokratischer als z.B. in England oder den USA zu dieser Zeit).

      Wenn man Personen und Denkmäler ausschließlich rückwirkend und nicht in ihrem historischen Kontext beurteilt, kann man ziemlich sicher sein, dass in ferner Zukunft auch diese Einheitswippe wieder platt gemacht wird...was da in Zukunft an gesellschaftlichen Veränderungen auch immer kommen möge.
    • Was wollte ich eigentlich mit dem Interview ausdrücken (W. Thierse) das ich in einem vergangenen Beitrag eingestellt habe?

      Während wir uns mit dem Denkmal für Einheit- und Freiheit anfreunden könnten und uns schon über Alternativstandorte Gedanken machen, gibt es für Wolfgang Thierse (SPD) nur einen Platz und das ist der Schloßplatz. Ich habe nicht das Gefühl das Herr Thierse einen Kompromiss eingehen würde bzw. auch nur einen Zentimeter von seinem Standpunkt abweicht.
    • Neu

      Ich hab mal einen eigenen Entwurf gemacht. Setzt den Kollonaden und dem Kaiser doch einfach massenhaft Skulpturen des siegreichen, jubelnden Volkes von 89/90 an die Seite und stellt die Flagge der BRD auf. Ich fände es gut wenn es sogar Original-Porträts von Bürgern wären. Geschichte ist eine Ansammlung und Überlagerung von Zeitzeugnissen und nicht ein Wegwischen von Geschehnissen. Das würde ich eine Auseinandersetzung mit der eigenen Herkunft nennen.
    • Neu

      Wow, tolle Idee! Zeitschichten aufzeigen, geschichtliches Werden nachvollziehen können, Volk maniestiert als Skulpturenmenge mit individuellen Portraits an die Seite gestellt, als Garant von Veränderung und Einheit, super! Und eben nicht als beliebig manipulierbare Menschenmasse!
      Hm, nur sollte es nicht so kommen, daß sie alle dem alten Kaiser huldigen ... :cool: :D

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von SchortschiBähr ()

    • Neu

      Werderhof schrieb:

      Ich wollte nur mal darauf aufmerksam machen, dass das Denkmal nicht Wilhelm I sich selbstverherrlichend hat errichten lassen, sondern dass das Deutsche Volk ihm damals ein Denkmal errichtet hat.
      Denn die Inschrift auf dem Sockel lautete:
      "IN DANKBARKEIT UND TREUER LIEBE DAS DEUTSCHE VOLK"

      Es ist nicht immer das drinnen was drauf steht.

      Das Denkmal hat weder das "Deutsche Volk" und schon gar nicht Kaiser Wilhelm I errichten lassen.

      Ich empfehle sich mit der Entstehungsgeschichte, sowie der zeitgenössischen Rezeption des Denkmals zu befassen, bevor man irgendwelche abstrusen Thesen in die Welt setzt.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Andreas ()

    • Neu

      @ Werderhof
      Den Sockel ohne Kaiser, vom Volk erklommen und gemeinsam die schwarz-rot-goldene Fahne hochhaltend, ähnlich der Überwindung der Berliner Mauer. Am Sockel Inschriften mit Texten des Deutschlandliedes, Zitaten aus dem Grundgesetz und solchen, die die Demokratie als vom Volkssouverän ausgehende Macht beschreiben! Bismarck, Wilhelm I. stehen dann irgendwo im Hintergrund als Skulpturen, sozusagen als Urahnen der Einigung und beobachten wohlwollend das Geschehen aus der Ferne und mit dem Abstand ihrer Zeit!
    • Neu

      Tolle Skizze. Ich würde den Kaiser allerdings auch weglassen wollen. Den "Figurenzoo" auf den Kolonnaden bräuchte ich auch nicht. Die Kolonnaden selbst sollten aber unbedingt wiederkommen. Auch die Idee mit den jubelnden Menschen-Statuen finde ich gut - die reichen m.E. aber in der Mitte am Sockel und nicht auch noch außen an den Kolonnaden. Statt des Kaiserstandbildes könnte man dort eine Skulptur eines aufgebrochenen Stücks Berliner Mauer aufstellen, aus dem ein Mast mit der schwarz-rot-goldenen Flagge erwächst.

      Die Kolonnaden könnte man - zumindest zum Teil - verglasen und dort ein Info-Zentrum zur Geschichte der Wiedervereinigung unterbringen. Das wäre dieses historischen Ereignisses allemal angemessener und würdiger als die alberne Wippe. Und natürlich vorausgesetzt, es muss unbedingt eine Einheitsdenkmal für 1989/90 an dieser Stelle sein - was ich generell für falsch halte, da dieser Ort m.E. nichts damit zu tun hat.
      Lûbeke, aller Stêden schône, van rîken Êren dragestu de Krône. (Ernst Deecke, Lübische Geschichten und Sagen, 1852)
    • Neu

      frank1204 schrieb:

      Tolle Skizze. [...] Auch die Idee mit den jubelnden Menschen-Statuen finde ich gut - die reichen m.E. aber in der Mitte am Sockel [...]
      Diese Darstellung ähnelt meinem Entwurf für ein Einheitsdenkmal ein wenig.

      SchortschiBähr schrieb:

      Den Sockel ohne Kaiser, vom Volk erklommen und gemeinsam die schwarz-rot-goldene Fahne hochhaltend, ähnlich der Überwindung der Berliner Mauer. Am Sockel Inschriften mit Texten des Deutschlandliedes, Zitaten aus dem Grundgesetz und solchen, die die Demokratie als vom Volkssouverän ausgehende Macht beschreiben! Bismarck, Wilhelm I. stehen dann irgendwo im Hintergrund als Skulpturen, sozusagen als Urahnen der Einigung und beobachten wohlwollend das Geschehen aus der Ferne und mit dem Abstand ihrer Zeit!
      Ja das würde mir auch gefallen, aber sollten Bismarck und Wilhelm I. nicht "irgendwo im Hintergrund" stehen, sondern direkt an die Innenseite der Kolonnaden, einer rechts, einer links. Jedoch: wie verträgt sich das dann aber mit den Mosaiken? ?(
      Es gibt eine Architektur, die zur Landschaft gehört, sowie eine andere, die sie zerstört.
    • Neu

      Ja, der Platz wäre noch zu finden... . - Ich wollte halt die Stellung der Beiden nicht zu zentral anordnen, um die absolute Symmetrie des Denkmals etwas zu lockern und die Ahnen finden stets ihren Platz hinter ihren Nachfahren. Denn sie wollen uns ja den Rücken stärken.Und es sollte keine Hierachie alter Zeit betont werden. Sie sind mitten unter uns! Also schauen sie vielleicht mittig aus den Kolonnaden hervor, zufrieden und bei sich das friedliche, ausgelassene Vereinigungstreiben betrachtend!

      Wir hier im Aph könnten wir doch eine super Arbeitsgruppe gründen, die sicher einige stimmige, die Ansichten verbindende Gestaltungsvorschläge zur Auswahl unterbreiten würde. Und das alles dann an den Kulturhaushaltsausschuss liefern, der die 18 Millionen genehmigt hat. Los Leute! Ein Anfang ist gemacht!
    • Neu

      frank1204 schrieb:

      Auch die Idee mit den jubelnden Menschen-Statuen finde ich gut - die reichen m.E. aber in der Mitte am Sockel und nicht auch noch außen an den Kolonnaden. Statt des Kaiserstandbildes könnte man dort eine Skulptur eines aufgebrochenen Stücks Berliner Mauer aufstellen, aus dem ein Mast mit der schwarz-rot-goldenen Flagge erwächst.
      Entschuldige, aber dann hätte ich doch lieber die Wippe, bevor so ein Durcheinander dort entsteht. 8|

      Schwarz-Rot-Gold ist übrigens keine Erfindung der BRD, sondern reicht weit zurück in die Geschichte. Wer auch noch die Geschichte dieser Farben in ein Denkmal einbringen möchte, der müsste zumindest auch das Hambacher Fest, den Befreiungskampf gegen Napoleon inklusiver Lützower Schützen und auch noch Revolution von 1848 sowie die Paulskirchenversammlung berücksichtigen.
      " Dem Wahren, Schönen, Guten "
    • Neu

      Muß ja nicht alles so intellektuell verkompliziert werden. Alle Ereignisse ließen sich eh nicht in ein Denkmal einbauen, nur über zusammenfassende Symboliken. Und das "Durcheinander" wäre für mich nach Werderhofs Idee schlicht und einfach die machtvolle, unbeirrte, einer Vision und dem Freiheitsbedürfnis folgend, die von den Ostdeutschen geprägte massenhafte Präsenz an der Grenze, damals '89 und da ist die Idee eines Volksauflaufes in Form von Skulpturen individuellen Aussehens genial. Dann ist das alte Denksmalsforum in neuer Form eine Bühne, ein Erinnerungstheater für die zu erinnernde friedliche Einungsrevolution anno 1989/90.
      Da ließen sich noch manche Variationen in der Komposition der Skulpturen ersinnen. Vielleicht Leerstellen, in denen sich die Besucher hineinstellen können und sich fotografeiren lassen, so werden sie interaktiv Teil des Denkmals. Die Wippe ist irgendwann eh öde, ausgelutscht. Aber wenn sich die Leute in einen konkreten, realen geschichtlichen Kontext reinstellen können, dann sind sie dabei. Das sieht man am Checkpoint Charlie oder z.B. bei Madame Tussaud. Ja, das ist dann wieder einigen hier zu spielerisch gedacht. Am Abend, wenn die Leute wieder in ihren Hotels sind, und die Kinder im Bett, dann hat das Denkmals wieder in Ruhe seine Würde.
      Und die Wippe würde stattdessen leer und ohne große Aussage herum stehen und in ihren überdimensionierten Kreisbogenschwüngen empfindlich die Fassade des Schlosses schneiden. Nee, nee, nee!
    • Neu

      Also, jubelnde Volksmassen rund um den kaiser auf dem Sockel drapiert würden natürlich sofort die Asoziation erwecken, daß der Jubel eben diesem Kaiser gebührt. Ich hätte damit kein Problem, doch hat dies eben keinen Bezug zur Einheit von 1989/90.
      Und wenn ich schon dieses Bild vor Augen habe, wie würde das wohl erst auf die linksliberale Elite wirken? Ich finde es zwar eine reizvolle Idee, aber nicht sehr aussichtsreich. Es ist schon besser, die beiden Denkmäler zu trennen. Das Nationaldenkmal zeigte die Einheit von 1871 und daran sollte sich auch das heutige Deutschland trotz seiner verkorksten Geschichtsbetrachtung wieder wohlwollend erinnern.
      Die Wippe wird laut aktuellem Stand definitiv kommen , also sollten wir uns auf einen alternativen Standort konzentrieren statt neue Mischentwürfe für die Schloßfreiheit zu erfinden.
      Wo soll sie denn nun hin um die Schloßfreiheit freizuhalten, auf den Platz der Republik vor dem Reichstag, vor das Rote Rathaus, auf den Leipziger Platz oder vielleicht sogar in den Tiergarten nahe der Straße des 17. Juni?
      " Dem Wahren, Schönen, Guten "
    • Neu

      Andreas schrieb:

      Werderhof schrieb:

      Ich wollte nur mal darauf aufmerksam machen, dass das Denkmal nicht Wilhelm I sich selbstverherrlichend hat errichten lassen, sondern dass das Deutsche Volk ihm damals ein Denkmal errichtet hat.
      Denn die Inschrift auf dem Sockel lautete:
      "IN DANKBARKEIT UND TREUER LIEBE DAS DEUTSCHE VOLK"
      Es ist nicht immer das drinnen was drauf steht.

      Das Denkmal hat weder das "Deutsche Volk" und schon gar nicht Kaiser Wilhelm I errichten lassen.

      Ich empfehle sich mit der Entstehungsgeschichte, sowie der zeitgenössischen Rezeption des Denkmals zu befassen, bevor man irgendwelche abstrusen Thesen in die Welt setzt.
      Ich zitiere aus "Preußen - Kunst und Architektur":
      "Bereits am 20. März 1888 stimmte der Reichstag dem Projekt "Nationaldenkmal" (auf der Schlossfreiheit) zu. Die geplanten 12 bis 15 Millionen Mark sollten hierbei nicht als Privatspenden eingenommen werden, sondern aus der Staatskasse kommen. Da diese vom ganzen Volk gefüllt werde, so hieß es, sei auch das Denkmal eine Stiftung aller Deutschen." Zitat Ende.

      @ Andreas. Ich empfehle sich mit der Deutschen Geschichte auseinanderzusetzen bevor man die Aussagen darin Studierter als abstruse Thesen diffamiert.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Werderhof ()

    • Neu

      Werderhof schrieb:

      Die geplanten 12 bis 15 Millionen Mark sollten hierbei nicht als Privatspenden eingenommen werden, sondern aus der Staatskasse kommen. da diese vom ganzen Volk gefüllt werde, sei es auch das Denkmal eine Stiftung aller Deutschen.

      Deine These ist also: Steuerfinanziert heißt vom Steuerzahler bezahlt, das bedeutet vom die Steuern zahlenden Volk gestiftet.

      Diese Gleichsetzung ist schon deswegen nicht richtig, weil Steuern nicht nur vom (Staats-)Volk gezahlt werden, sondern auch von Kapitalgesellschaften und sogar Ausländern, soweit sie in Deutschland steuerpflichtig sind. Und das war auch schon im Kaiserreich so.

      Mich verwundert auch, dass Du und die Dir Dankenden, staatsfinanziert mit vom Volk gestiftet gleichsetzen, auch vor dem Hintergrund, dass hier ja oftmals gegen vom Land und Bund finanzierte vorhaben las nicht vom Volk gewünscht kritisiert werden. ich hoffe, dass jetzt nicht alle den Dank aussprechende die Einheitswippe als vom Volk gestiftet fordern werde, nur weil der Bund die Finanzierung (aus Steuergeldern!!) übernimmt.

      Unabhängig von diesen rein formalen Erwägungen ist aber das Kaiser Wilhelm Nationaldenkmal in seiner errichten Form gerade nicht Ergebnis einer Willensbildung im Volk auch nicht in dem das Volk repräsentierenden Reichstag.

      Hierzu muss man sich die Entstehungsgeschichte des Denkmals in Erinnerung rufen.

      Kaiser Wilhelm I starb am 9. März 1888. Schon kurz nach seinem Tode kam im ganzen Reich der Wunsch auf dem verstorbenen Kaiser Denkmäler zu errichtet, zumal mit seiner Person die Deutsche Einheit symbolisch verknüpft war.

      Ein zentrales Denkmal, sollte in Berlin entstehen. auf Beschluss des Reichstages wurde am 30.1.1889 ein Wettbewerb zur Errichtung des Nationaldenkmals ausgeschrieben. sowohl Gestaltung als auch Standort des Denkmals waren zu diesem Zeitpunkt völlig offen und sollte durch das Ergebnis des Wettbewerbs gefunden werden. Interessant ist, dass als Standort neben der Schlossfreiheit ua. auch die jetzt für das Einheitsdenkmal wieder im Raum stehenden Örtlichkeiten vorgesehen waren: Platz vor dem Brandenburger Tor, Königsplatz, aber auch Pariser Platz, Opernplatz und Siegesallee.

      Am 4. Oktober 1889 wurde das Ergebnis des Wettbewerbs verkündet. Die eingereichten Entwürfe stellten im wesentlichen gr0ße Tempelanlagen dar. Keiner der mit Preisen bedachten Entwürfe hatte den Standort an der Schlossfreiheit angesiedelt. Die Fachpresse fand die Entwürfe wohl gut.

      Am 13.10.1889 erklärte Kaiser Wilhelm II, dass er die Entwürfe als nicht gut betrachte.

      Ab diesem Zeitpunkt nahm Kaiser Wilhelm II immer mehr Einfluss auf die Planungen. Er gab den Standort an der Schlossfreiheit vor, was im Dezember 1889 zum Beschluss des Berliner Magistrates führte, die Häuser an der Schlossfreiheit abreißen zu lassen (ein Eingriff in das historische Stadtbild, den nicht wenige der Mitglieder dieses Forums auf äußerste kritisiert hätten). Auch war es der Kaiser, der den Künstler Begas in Spiel brachte und nicht zuletzt, ein Reitermonument, ähnlich denen für den Großen Kurfürsten und Fridrich II als Monument wünschte.

      Der Reichstag übergab mit der Begründung "dass der Reichstag eine Verantwortung (...) gegenwärtig nicht wohl in der Lage sei" dem Kaiser die alleinige Verantwortung für das Denkmal. es folgt ein neuer Wettbewerb und am 22.8.1891 durch Kaiser Wilhelm II die Auswahl von Reinhold Begas als Erbauer des Denkmals. Entsprechend wurde das Denkmal dann gebaut und am 22.3.1897 enthüllt.

      Es ist letztendlich ein ganz anderes als vom Reichstag zunächst geplanten Denkmal entstanden. Durch den Einfluss Kaiser Wilhelms II stand nun das Dynastische im Vordergrund,wenngleich auch die Einheit immer noch Thema des Nationaldenkmals war. Herausgekommen ist ein in der Tradition der Reitermonumente für die Preußischen Kurfürsten und Könige erreichtes Denkmal (was ich auch gar nicht schlecht finde). Die Baukosten waren demgemäß im Übrigen auch geringer als zu nächst vorgesehen, wohl um die 8 Millionen RM, wovon ein en teil der Preußische Staat getragen hat (wegen der Wasserbauten in der Spree).

      Vor diesem Hintergrund davon zu sprechen, dass Deutsche Volk habe das Denkmal gestiftet halte ich dann doch für verfehlt und als Argument für eine Wiedererrichtung völlig ungeeignet, da leicht zu widerlegen.

      Nach meiner Meinung wäre von einer Stiftung des Volkes eher dann auszugehen wenn die Finanzierung durch Spenden (einer Vielzahl) Privater oder eines Vereins erfolgt wäre. Beispiele hierfür gibt es zu Genüge.

      @werderhof: Ich hoffe diese Auseinandersetzung mit der Geschichte ist auch Dir ausreichend.