Tag des offenen Denkmals

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    • Re: Tag des offenen Denkmals

      Programme

      Tag des offenen Denkmals in Deutschland am 12. September 2010: Tag des offenen Denkmals - Programm zum Tag des offenen Denkmals
      Tag des Denkmals in Österreich am 26. September 2010: bda.at/text/136/816/15879/
      Tag des Denkmals (Denkmaltag) in der Schweiz am 11. und 12. September 2010: Nationale Informationsstelle für Kulturgüter Erhaltung NIKE : Programm 2010
      Tag des offenen Denkmals in Tschechien: European Heritage Days
    • Re: Tag des offenen Denkmals

      Obwohl ich eigentlich gar nicht so viel Zeit hatte, war ich dann doch bei einigen Objekten in unserem Städtchen:

      -Finanzamt Nordplatz 11 ein Neo-Barocker Verwaltungsbau von 1921-11, Arch. Händel und Franke, nach 1945-1992 russische Schule. Kürzlich nach langem Leerstand unter Erhaltung der Stuckdecken, Holztüren ufm. saniert. Bemerkenswert die Aula in der 2. Etage.
      -Michaeliskirche Nordplatz, Neo-Barock und Jugdenstil, 1901-04, Arch. Rust+Müller
      -Schloß Gohlis, Menckestr. 23, 1755-56 für Johann Caaspar Richter nach Entürfen eines Architekten der Knöffel-Schule (Dresden) - alle Räume konnten ausgiebig besichtigt und fotografiert werden.
      -Bosehaus, Thomaskirchhof, nach Sanierung kürzlich neu eröffnet. Die interessantesten Räume waren die Zimmern im 1. OG des Vorderhauses, (drei Räume mit geschnitzten klassizistischen Türen und biedermeierlich-schlichten Stuckdecken und Wandbemalungen) sowie eine zugehörige Diele davor zum Innenhof, hier zusätzlich symmetrisch angeordnete biedermeierliche Innenfenster. Das historische Treppenhaus wird leider nicht benutzt (Nottreppenhaus), der Besucher geht im Seitenflügel (rechts) über eine neue Treppe.
      Darüber hinaus konnte man in den Innenhof des linken Nachbarhauses schauen (Fassade uninteressant spätklassizistisch), wo eine alte hölzerne hochbarocke Treppenanlage erhalten ist (m.W. die letzte dieser Art in der Stadt).
      -Hotel de Pologne, Hainstr. 16-18. Nach 1846 erbaut. Sehr großer Andrang. Man gelangt durch die Mitteltür in ein großes historisches Treppenhaus (das an die Stirnseite des Innenhofes angrenzt) mit gußeisernem Treppengeländer und Farbfenstern (um 1890). Im 1.OG schließt sich nach Norden ein Vorraum an (Fenster zur Hainstr., Stuckdecke, Stützen), aus dem man in den großen neobarocken Saal (Arwed Rossbach) gelangt, der zum Innenhof gelegen ist. Dieser ist nun teilweise restauriert (Decke und Flügeltüren), aber bei weitem noch nicht fertig. Der dahinter liegende kleine Saal ist noch gar nicht restauriert und grün überstrichen. Dort war zu DDR-Zeiten eine Essensausgabe und verschiedene Trennwände drin, zahlreiche Besucher wussten davon etwas zu berichten.
      -Arabischer Kaffeebau, Kleine Fleischergasse: Auch dieses Haus (16. Jh. mit dem bekannten brocken Portal, das in jedem Leipzig-Reisefüher drin ist) ist von innen sehenswert, man steigt die kleine biedermeierliche Treppe hinauf und kann in kleinen Räumen in mehreren Etagen um den winzigen Innenhof herum laufen - es gibt immer wieder erstaunliche Durchblicke, die Räume stahlen durch und durch eine historische (Kaffee-)Athmosphäre aus. Typische Wandnischen, Dielenböden, biedermeierliche Zimmertüren mit alten Beschlägen ufm.

      Ich hoffe auch weitere Berichte, wenn ich es schaffe, reiche ich die Fotos bei Gelegenheit nach.
    • In Erfurt erwartet den Besucher vom 3. bis 11. September ein ganze Woche des Denkmalschutzes, Link mit Programmheft:

      FUNDAMENTE - ERFURTER DENKMALWOCHE UND TAG DES OFFENEN DENKMALS

      Es wurde ein sehr umfangreiches Programm auf die Beine gestellt, in einer zeitlich fast nicht zu schaffenden Anzahl von Denkmalen finden Führungen, Ausstellungen, Konzerte, Diskussionen, Vorträge und Workshops statt. Ich persönlich werde mich auf jeden Fall der Führung durch den Untergrund der Festung Petersberg und durch die Baustelle Barfüßerkirche anschließen und einige Vorträge mitnehmen. Also: nehmt euch ein paar Tage frei und macht die Kameras scharf! :wink:
      Falls nicht gesondert erwähnt: die Bilder sind selbst erstellt.
    • @Zeno

      Vielen Dank für den Tipp! Ich habe mir für heuer Leipzig ausgewählt...genial!


      Schade, dass das Reichsgericht nicht auf dem Programm steht, aber das Stadtbad, Auerbachs Keller und noch ein paar besondere Schmankerl werde ich mir antun. Hotel habe ich auch schon ein ganz feines gebucht...kurz gesagt: ICH FREUE MICH SCHON SEHR!


      Moderationshinweis (Zeno): Einen Absatz gelöscht
      "Lieber Gott, schütze uns vor Dreck und Schmutz,
      vor Feuer, Krieg und Denkmalschutz!"
    • Unbequem kann aber auch ganz naheliegend bedeuten, dass man sich einfach verstärkt um die Pflege/Instandsetzung eines Gebäudes kümmern muss.

      Auch eine herrschaftliche fränkische Mühle oder ein Barockschloss sind nicht eben bequem in der Unterhaltung, auch wenn es ästhetisch ansprechende Gebäude mit glanzvoller Vergangenheit und Gegenwart sind.

      "Unbequem" trifft also auf fast jedes denkmalgeschützte Gebäude zu. Was man angesichts der zahllosen anderen Qualitäten allerdings verschmerzen kann.

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Sigmundskron ()

    • DIe Seite zum Denkmaltag führt schon eine Menge potentielle Kategorien auf. Es hängt auch immer sehr vom Eigentümer ab, wann er ein Denkmal als unbequem empfindet. Teuer im Unterhalt, eingeschränkte Nutzung, die Denkmalpfleger wollen immer mitreden - da wird es schnell unbequem. Aber ein bisschen unbequem muss es wohl auch sein, denn sonst setzt man sich nicht damit auseinander und kann die Qualitäten nicht erkennen.

      Ich denke, es werden viele Objekte der Nachkriegsmoderne gezeigt werden - eine sehr unbequeme Denkmalgattung. Für viele eine ästhetische Zumutung, anspruchsvoll im Unterhalt, mitunter sehr problematisch in der Sanierung - da ist alles drin, was es unbequem macht.
    • Ja, ein positiverer Titel wäre sicher die bessere Wahl gewesen. Oft sind die Themen, z.B "Holz" im Jahr 2012, eher allgemein gehalten.

      Wie wäre es stattdessen einmal mit "Schönheit!" ? Das würde zu den meisten denkmalgeschützten Gebäuden viel eher passen und vielleicht auch ein positiveres Bild vom Denkmal in der Öffentlichkeit zeichnen.

      Man sollte den Leuten viel mehr vor Augen führen, dass einem die Sanierung eines Denkmals etwas bringt. Und nicht etwa, dass es unbequem sei. Produktiv ist das nicht gerade...

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Sigmundskron ()

    • Ich denke das Attribut "unbequem" wurde nur gewählt, um dem gutgläubigen Besucher Nachkriegsbauten, die eigentlich als hässlich empfunden werden, als wertvoll unterzujubeln. Diese Ideologie hält jetzt eben auch beim Denkmaltag Einzug, überrascht mich eigentlich nicht.
      In dubio pro reko

      Früher war nicht alles besser, aber die Architektur schon.
    • Diesen Eindruck habe ich auch. Der Anteil solcher Nachkriegsbauten in den Nachrichtenblättern der Landesdenkmalpflege Baden-Württemberg häuft sich beispielsweise seit einigen Jahren, obschon die Liste älterer, vorindustrieller und historistischer Bauwerke ausreichend lang und deren Erhaltung sowie der Fokus auf diese im Vordergrund stehen sollte!
      denkmalpflege-bw.de/publikationen/nachrichtenblatt.html


      Jeder, der sich die
      Fähigkeit erhält Schönes zu erkennen, wird nie alt werden.

      www.archicultura.ch

    • "Unbequem" ist vor allem ein Denkmalschutz, der sich gegen die Interessen und Überzeugungen der Bürger richtet. Der die Steuergelder verschwendet, um die Betonkisten der 60er-Jahre zu konservieren und für die historischen Ortsbilder nichts mehr übrig hat. Möchte der Denkmalschutz davon ablenken, dass er sich selber zur Zielschiebe des Hasses und der Verachtung macht? Sind jetzt die "unbequemen Denkmäler" am miserablen Renommee des Denkmalschutzes schuld und nicht der Denkmalschutz selber?

      Würde der Denkmalschutz die Eigentümer der wirklich wertvollen, jahrhundertealten Denkmäler dabei unterstützen (auch mit Geld natürlich), diese zu erhalten, statt sich der hässlichen Nachkriegsbauten anzunehmen, dann hätte er kein Imageproblem.

      Ich habe von dem Eigentümer eines jahrhundertealten Gebäudes erfahren, dass er versucht hat, es denkmalgerecht zu sanieren und dabei von den Denkmalbehörden keinerlei Unterstützung erfahren hat. Notgedrungen und gegen seine eigene Überzeugung hat er das Haus dann abgebrochen.

      Am Tag des Denkmals werden wir wieder mal erleben, wie die Denkmalbehörden versuchen, uns mit dem entsprechenden Werbeaufwand die 60er-Jahre-Betonklötze schmackhaft zu machen, aber nebenan die Häuser des 14. - 17. Jahrhunderts verfallen und dann wieder erklärt wird, der Denkmalschutz habe nicht genügend Geld und Personal, um sich darum zu kümmern.
    • Ich kann mich Zenos Beitrag nur anschließen. Die heutigen Denkmalpfleger haben leider auch nicht mehr das Wissen um die früher angewandten Handwerkstechniken - ich könnte Euch Schauergeschichten aus Österreich erzählen. Einzelne Handwerker, die ihre Profession ernst nehmen, haben mehr Wissen und auch die absolute Macht auf den Baustellen: Wer nichts weiß, muss alles glauben - danach wird dem Bundesdenkmalamt in Österreich so allerlei um die Nase gebunden...wenn die wüssten - naja, aber selber schuld.

      Ich persönlich liebe unsere Baudenkmäler, aber belächle unsere Denkmalpfleger. Fast jeder hier im Forum wäre ein besserer und passionierterer Denkmalpfleger als unsere Denkmalpflegebeamten. Solange man an der verkorksten und längst überholten Dehio Doktrin festhält, wird man die Denkmalbehörden nicht mehr wirklich ernst nehmen. Wer sein Denkmal sanieren will, sollte tunlichst darauf achten, nicht das Denkmalamt zu fragen - der Schuß kann nämlich auch nach hinten losgehen. Tipp: Solange man nicht vorsätzlich sein Baudenkmal demoliert (ein vernünftiger, verantwortungsvoller Eigentümer hat dies ohnedies nicht vor), ist das zahnlose Krokodil Denkmalschutz so harmlos wie ein Singvogerl.
      "Lieber Gott, schütze uns vor Dreck und Schmutz,
      vor Feuer, Krieg und Denkmalschutz!"