Umbau der Staatsoper Unter den Linden

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    • @ der Herzog

      Nein, das ist nicht richtig. Ich bin zwar auch nur selten der Ansicht von Wolfsheim_Jena, aber er gehört sehr wohl zu unserem Forum. Seinem letzten Beitrag kann ich nur voll zustimmen! Wenn er behauptet, es gebe hier viele Leute, die die Ansicht vertreten, dass früher alles besser gewesen sei, dann stimmt das. Früher war aber nicht alles besser! Das Gegenteil ist richtig: Heute ist es am besten.
      Genau wie Wolfsheim_Jena halte auch ich die präsentierte Lösung für die Umgestaltung für missglückt.
      Die Frankfurter Altstadt im Internet: Virtuelle Altstadt
    • sorry, jörg, aber das ist jetzt übertrieben. ich kenne hier niemanden, der ernsthaft behauptet, früher wäre alles besser gewesen.

      ausser mir 8)
      und auch ich würde das auf die rein visuelle lebensqualität einschränken, wobei es bestimmt auch einige modernistische glanzpunkte gibt. auch wenn mir im grunde seit 1960 spontan keine mehr einfallen wollen.

      also du wirst noch sehen, wieviele inkompetente mitredner in FFM mitverunstalten wollen. denn untalent kann jeder. intelligentes qualitätsdesign fast niemand, das ist eine sonderbegabungskombination. ein sehr seltenes intelligenzportfolio, welches aber nicht mehr durch lehre angelernt werden kann und somit nur ab und zu durch natürliche autodidakten auftritt. siehe die kollhoffsche entwicklung (neuerdings mäckler) usw.
    • @ marc

      Das brauchst du mir nicht zu erzählen. Ich weiß sehr wohl, wer in Frankfurt alles mitredet, und ich weiß auch, dass ungefähr fünfmal mehr Leute gerne mitreden würden. Und dass die ästhetische Qualität bei zeitgenössischer Architektur als praktisch nicht vorhanden bezeichnet werden darf, kannst du bei mir auch voraussetzen. Das ist aber gar nicht der Punkt. Es geht hier um den Diskussionsstil einiger Leute im Forum. Um Aussagen wie "Der oder der hat im Forum nix zu suchen, weil mir seine Meinung nicht passt." Sowas muss man aushalten können. Und ich glaube sehr wohl, dass hier viele Leute reinschreiben, die der Ansicht sind, früher sei alles besser gewesen.
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    • Im übrigen: Den Innenraum finde ich missglückt, das sei an dieser Stelle auch noch klargestellt.


      Welcher Innenraum ist denn gemeint? Der aktuelle Bestand, wegen der schlechten Akustik, oder der geplante Raum für die Zukunft :?:

      Übrigens, man sollte nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen. "Deutschland ist eh nicht mehr zu helfen", ist ja nicht zu 100% so gemeint. Sondern eher, daß man sich doch ziemlich oft an den Kopf packen muß, was architektonische Ideen und Entwürfe angeht. Es ist halt ein endloser Kampf. Auf der einen Seite gewinnt man, in Form einer genehmigten Rekonstruktion, auf der anderen verliert man. Indem erhaltenswertes einfach zerstört wird.
      Aber wenn man mal überlegt, was in den letzten Jahren erreicht wurde, kann man schon echt optimistisch sein. :daumenoben:
    • Immer mit der Ruhe, Leute :D

      Ich wette einen Pellerhof-Baustein darauf, dass der heutige Zuschauerraum uns erhalten bleibt. Die Neugestaltung wird es genau wie das GH am Neumarkt in Dresden gehen. Warum? Weil hier nicht das Geld sondern die Politik entscheidet. Und die Politiker werden sich nicht trauen sich hier gegen die Bevölkerung durchzusetzen (ganz abgesehen davon, dass die meisten Politiker wahrscheinlich ebenso gegen einen Neubau sind). Lassen wir ruhig die Modernisten ihre Projekte vorstellen - eine Gegenüberstellung des Ist-Zustandes und des Neubauprojekts wird für uns immer ein Vorteil sein.
    • So, als abschreckendes Beispiel und auch um Nörgel-Sarkast marc! in puncto Frankreich zu widersprechen:

      Umbau der Opera de Lyon 1993 durch Nouvel

      Vorher:
      bp3.blogger.com/_4gaHsCTEJxs/R…VZRbo/s400/opera+lyon.jpg

      das Foyer ist als einziger Raum belassen worden, so in der Art muss man sich den gesamten ehemaligen Innenraum vorstellen
      opera-lyon.com/fileadmin/docum…_opera/le_grand_foyer.jpg

      Innenraum heute
      opera-lyon.com/fileadmin/docum…ut_opera/grande_salle.jpg

      Außenansicht heute:
      dboc.net/lyon/imglyon/lyo_ope1.jpg
    • Wolfsheim-Jena, eins noch:

      du solltest nicht vergessen, welch totale vernichtung krieg und moderne in teilen westdeutschlands angerichtet haben.

      komm mal zu mir nach köln oder ins ruhrgebiet.
      das ist kein vergleich mit ostdeutschland. bei euch ists richtig schön, da hats vielleicht noch deine beschriebenen, grossen kulturschätze.

      aber hier im zentralwesten, da leben millionen von leuten in einem flächendeckenden, betonierten, visuellen frust, in einer gesichts und baukulturlosen wüste, dass es beinahe nicht zu fassen ist...
    • @ jörg: danke für die Unterstützung.

      Also wirklich, mir kommen die Tränen.
      Genau diese Zeilen meine ich mit der bei einigen herrschenden "Weltfremdheit". Ihr versteht einfach nicht, daß es beim Bauen eben nicht um art-pour-le-art geht.
      Es geht in erster Linie - ja ich nehme die Worte wieder in den Mund- um Finanzierung, Kosten, Geschoßflächen, Nutzbarkeit und Rendite. Vor allem in Innenstadtlagen. Historisierende Architektur ist bei manchen hier ein Sebstzweck, so gehts aber nicht.

      Mit diesen Ansprüchen würde die Leipziger Innenstadt heute noch eine trümmerbrachendurchzogene Provisorienwüste sein!
      Oft ist es nämlich die Investition in moderne Renditeobjekte, die erst einmal die Kundenfrequenz und Aufmerksamkeit erzeugen, um die stets sündhaft teuren Rekos zu wagen. JEDES Projekt ist ein Kompromiß und ein Konglomerat von Abwägungen, dagegen könnt ihr geifern wie ihr wollt -siehe Jahnallee, Neumarkt, etc. Wer keine Kompromisse zu schließen bereit ist, wird da draussen einfach stehengelassen und übergangen, so einfach ist das. Das ist hart, aber am Ende sitzen bei einem Bauprojekt zu viele Leute mit am Tisch und viele haben längere Hebel als man selber.

      Und was die gebrauchten Bundesländer angeht: Ich weiss sehr wohl wie es in Kassel, Köln, Unna, etc. ausschaut. So schlimm, das man sich theatralisch an die Brust werfen muß ist es nun auch wieder nicht. Es gab zwar eine große Bauwelle in den 60ern und 70ern, aber das dadurch gleich die Lebensqualität grundlegend zerstört wurde, ist heillos übertrieben. Ich finde diese Städte gleichermaßen lebenwert. Wem es nicht gefällt, der kann gerne nach Wiesbaden oder Dresden umziehen. Egal wo man sich in Deutschland befindet: von der Lebensqualität her leben wir in der besten aller Welten.

      Ich rufe nur noch mal dazu auf, hier mit Kontakt zur Realität des Bauens (d.h. damit zur Realität der Gesetzeswelt, der Bürokratenwelt, der Finanzwelt etc.) zu diskutieren. Nur so können auch nutzbare Impulse aus unserer Diskussion hervorgehen. Wenn wir hier einen idealistischen Kunstdiskurs führen wollen und zwanghaft versuchen die Urbanität von vor 100 Jahren herzustellen, haben wir eine rein akademische Kunstwelt geschaffen, in der wir fröhlich zwischen Säulchen, Putten und Butzenscheiben uns nach der guten alten Zeit sehnen können. Das wäre aber schade um der Diskussion willen.

      Wenn Euch das "Renditegehabe" stört, wird eben in Zukunft nicht mehr gebaut, so einfach ist das. Objekte die keine Rendite bringen entstehen nicht, es sei denn es sind Kirchen oder andere Sonderbauten. Es wird gebaut, weil man hinterher mehr raushaben will als vorher. Auch am Neumarkt: Baywobau, VVK und die anderen interessiert es einen feuchten Kehrricht, ob ihre Bauten nun solche Fenster oder solche haben oder ob das eine Reko ist oder nicht. Hauptsache die Finanzierung haut hin und die Behörden hauen nicht dazwischen. Alles andere ist pure Romantisiererei, die nichts nichts nichts mit der Realität zu tun hat. Wenn ich damit in Gegnerschaft zu einigen hier im Forum lebe oder dem Mainstream dem Mund rede: das begrüße ich sogar, denn ich finde es sehr erfrischend, wie belebt die Diskussion auf einmal wird, wenn ich eine zwischen Tradition und Moderne vermittelnde Position einnehme! Vielleich sollte man einmal radikale Modernisten hier herein bitten, dann wird es doch erst spannend. Im Vergleich dazu sind doch unsere Positionen doch eher nah beieinander und die Sticheleien noch schmerzarm.
      Den Willigen führt das Schicksal, den Unwilligen zerrt es dahin. (Seneca)
    • ^ Sag mal, was hast du eigentlich in diesem Forum verloren?

      Hier geht es um Architektur für Menschen (pro homine), nicht solche für das Architektenego.

      Dein Ton missfällt mir auch ziemlich. Halt dich mal hier nicht für den tapferen, modernen Retter des Abendlandes.

      Ich bin für eine Bannung von Wolfsheim_Jena. Diese ständigen Provokationen und Meinungsbevormundungen gehen einem mächtig auf die multiplen Säcke...
      Basis guter Architektur nach Vitruv:
      Schönheit ۩ Nützlichkeit ۩ Stabilität
      Schönheit wird von zu vielen Architekten ignoriert.
    • Ich finde Wolfsheim_jena hat vollkommen recht, so ist es nunmal. Und sein Ton ist völlig normal, ganz im Gegensatz zu dem von Marc!

      @marc!
      also das klingt so als ob du dich für den perfekten autodidakten hällst, designer, architekt und investor in einer person. du scheinst nur deine meinung für richtig zu halten.

      Wie kannst du Neubauprojekte aus Russland und den Mittelmeerländern als Beispiel für gelungene Architektur anführen? das ist lächerlich. Allein vom stand der technik sind die Jahre zurück, die USA Jahrzehnte!
    • "Studi" schrieb:


      Wie kannst du Neubauprojekte aus Russland und den Mittelmeerländern als Beispiel für gelungene Architektur anführen? das ist lächerlich. Allein vom stand der technik sind die Jahre zurück, die USA Jahrzehnte!


      Eigentlich wollte ich mich hier ja nicht einmischen...
      Aber die Aussage zum "Stand der Technik" finde ich interessant, könntest du das mal näher erläutern?
      USA, Mittelmeerraum(!?), Osteuropa sind rückständig????
    • Unsachliche Polemiken von marc! und Wolfsheim_Jena, sowie unmittelbar darauf bezugnehmende Beiträge gelöscht.

      @ Wolfsheim_Jena:

      1. Wir haben es langsam verstanden, daß du uns alle für weltfremde Spinner hälst, die nicht kapieren, daß sich alles nur um Kohle und Rendite dreht. Das musst du wirklich nicht in jedem thread nochmal auswalzen. Erstens geht mir das in der penetranten Dauerschleife langsam auch auf die Nerven und zweitens frage ich mich auch langsam, warum du dann hier überhaupt noch in dem Forum bist.

      2. Niemand hat etwas gegen abweichende Meinungen. Die Aussagen in deinem gelöschten Beitrag hatten aber nichts mehr mit Meinungsäußerung, dafür aber sehr viel mit Beleidigung zu tun. Invektiven wie "gartenzwergische Nörgelei" und "weinerliches Geseibel" haben in diesem Forum nichts verloren.


      @ marc!:

      Das letztere gilt in umgekehrter Richtung auch für marc! Solche Tiraden wie in dem gelöschten Beitrag haben hier ebenfalls nichts verloren.

      Betrachtet das bitte beide als letzte Mahnung!
    • "Philon" schrieb:

      Erstens geht mir das in der penetranten Dauerschleife langsam auch auf die Nerven und zweitens frage ich mich auch langsam, warum du dann hier überhaupt noch in dem Forum bist.


      Gute Frage - kam mir auch schon in den Sinn: Gegen abweichende Meinungen hat (fast) keiner was, solange sie sachlich vorgetragen werden. Aber ein auffallend großer Anteil Deiner Beiträge, WolfsheimJena, befaßt sich damit, über andere Forumsmitglieder zu lästern und dabei abgedroschene Phrasen abzuwerfen, die vom BDA diktiert zu sein scheinen.

      Wenn die Leute hier im Forum solche erzkonservativen Gartenzwerge sind - was machst Du dann hier? Willst Du Umerziehung betreiben, um jeden Preis provozieren - oder einfach nur diskutieren? Wenn letzteres der Fall ist, dann schalte doch einfach mal einen Gang runter...
    • @Wolfsheim_Jena: Die Schönheit eines Gebäudes kann durchaus auch ein Renditefaktor sein. Dann nämlich, wenn die Gebäude nicht nur in Geschossflächenzahl, sondern auch in der Schönheit ihrer Gestaltung miteinander um die Mieter konkurrieren. Das hässliche Gebäude wird mehr und häufigere Leerstände haben!

      Wie sind denn die ganzen Gründerzeitviertel entstanden? Auch die haben sich gerechnet und ein Haus versuchte, das andere an Zierrat zu übertreffen.
      Ah, ein Stadtmensch!
      www.stuck-und-dielen.de
    • Ein wesentlicher Unterschied in der Gestaltung der Häuser früher und heute liegt in den Eigentumsverhältnissen.
      Früher hat eine großbürgerliche Familie ein Haus in der Innenstadt errichtet und dieses natürlich aufgrund von Besitzerstoltz mit Stuck und Ornamenten versehen. Heutzutage bauen sich Familien aus dem Mittelstand meist ein Einfamilienhaus am Stadtrand oder auf dem Land, wobei natürlich hier auch auf Schönheit geachtet wird (Erker, Wintergarten, Dachziegel, Gartenanlage usw...). In den Innenstädten dagegen baut entweder der Staat mit sozialem Wohnungsbau oder ein privater Investor, der vermieten will. Und diesen Bauherren ist es herzlich egal, ob die Bewohner das Haus besonders schön finden, denn es soll nur möglichst hohe Renditen bringen oder - wie im Falle des Staates - möglichst geringe Kosten verursachen.
      Man sieht hierin auch eine gewisse Menschenverachtung, besonders wenn zaghafte Proteste in der Bevölkerung mit dem Hinweis auf die Kosten abgebügelt werden.
      Die Idee der Franzosen und eines Baron Haussmann, daß die Stadt eigentlich der Salon oder das Wohnzimmer der Menschen sein sollte, wurde gerade an unseren Architekturschulen völlig zurückgedrängt.
      Und vergessen wir nicht die Gehirnwäsche, denen die Studenten während des Studiums ausgesetzt sind. In meinem Verwandten- und Bekanntenkreis gibt es drei Architektinnen, die alle übereinstimmend erzählt haben, daß der Prof ihre Entwürfe mit völlig abwertenden Kommentaren belegt hatte, wenn sie ihm nicht mutig genug oder zu historisierend oder zu brav erschienen.
      Hier wird also schon der Stilbruch anerzogen, Anpassung gilt als völlig abwegig und zurückgeblieben und wird entsprechend benotet.
      Daher hat marc durchaus Recht, wenn er diese Einstellung mal überzogen verurteilt und ich kann ihm auch nur zustimmen, was die kulturelle Verbreitung dieser Ideen betrifft.
      In so alten Städten wie Rom, Florenz, Venedig, Lissabon oder Bordeaux wird man keine Glaskuben am zentralen Platz der Stadt finden und auch keine Hochhäuser bzw. Sichtbetonkaufhäuser im Bauhausstil.
      Eine Ausnahme gibt es allerdings, die nicht in das romanische Schema von marc passt, und das sind die Spanier. In Barcelona, Madrid, Bilbao oder Malaga findet man jede Menge ultramoderne Architektur, welche sich rigoros ihren Platz sucht, wenn auch meist in separaten Stadtteilen (nach der Idee von La Defense in Paris, was ich dann nicht so schlimm finde).

      In Deutschland ist der Schwerpunkt natürlich ein anderer, denn ein Land, welches ca. 50 Prozent seines baugeschichtlichen Erbes verloren hat, muß natürlich in die Wiedergewinnung seiner historischen Identität mehr Energie investieren. Hier geht es nicht allein um die Ansprüche von Architekten, ein Feld für ihre Ideen bereitgestellt zu bekommen, sondern immer auch um die Abwägung der kulturellen Gesamtsituation.
      " Dem Wahren, Schönen, Guten "
    • Die Staatsoper gehört mit dem östlichen Abschnitt von Unter den Linden und der anschließenden Museumsinsel sowie künftig wieder Schloss und Bauakademie zum wichtigsten Bauensemble Berlins. Der Innenraum der Oper fügt sich mit seiner historisierenden Gestaltung und den Knobelsdorff-Zitaten in dieses Ensemble. Deshalb denke ich wie Däne, dass die Empfehlung einer Architektenjury vor allem wieder einmal zeigt, wie fremd einer solchen Jury ein sensibler Dialog mit historischen Bauformen ist. Theaterumbauten lösen meist eine starke öffentliche Debatte aus, die auch die politischen Entscheidungen beeinflusst. Das wird in Berlin auch so sein. (Der radikale Umbau in Lyon ist allerdings abschreckend.) Interessant ist, dass diesmal die Linke mit dem ehemaligen Kultursenator Flierl gegen die Umbauvorschläge protestiert und sich für den Erhalt des Neo-Rokokodekors einsetzt.

      Aus den Argumenten von Wolfsheim_Jena greife ich Überlegungen heraus, die ich unterstützen möchte:

      ch rufe nur noch mal dazu auf, hier mit Kontakt zur Realität des Bauens (d.h. damit zur Realität der Gesetzeswelt, der Bürokratenwelt, der Finanzwelt etc.) zu diskutieren. Nur so können auch nutzbare Impulse aus unserer Diskussion hervorgehen. Wenn wir hier einen idealistischen Kunstdiskurs führen wollen und zwanghaft versuchen die Urbanität von vor 100 Jahren herzustellen, haben wir eine rein akademische Kunstwelt geschaffen, in der wir fröhlich zwischen Säulchen, Putten und Butzenscheiben uns nach der guten alten Zeit sehnen können. Das wäre aber schade um der Diskussion willen.


      Diese Anregungen sind konstruktiv und sollten nicht in allgemeiner Polemik untergehen. Für viele Außenstehende werden APH-Diskussionen mit Sicherheit einseitig und teilweise nur wenig realistisch erscheinen. Das liegt aber in erster Linie am Medium Internet, das die Organisation und Bündelung von Spezialinteressen ermöglicht wie nie zuvor. Leider erscheint das Thema Wiederaufbau bis jetzt meist nur als Randthema in den Medien und einer größeren Öffentlichkeit ist seine Bedeutung kaum bewusst, auch wenn rekonstruierte Bauwerke das Stadtbild vieler deutscher Städte an zentraler Stelle prägen oder bald wieder prägen werden. Es gibt hier eindeutig ein erhebliches Informationsdefizit.
      Wenn Rekonstruktionen reiner Selbstzweck wären oder lediglich Ausdruck rückwärtsgewandter Weltflucht, dann wäre es tatsächlich Zeitverschwendung, sich für dieses Thema zu engagieren. Aber gut rekonstruierte oder restaurierte alte Architektur kann auch viel Kreativität freisetzen für ganz Neues. Sie kann Innenstädte attraktiver machen und Leben in die Straßen bringen. Historische Architektur kann und soll auch Anregungen geben für neue Bauformen. Zu allen Zeiten ist nach solchen Anregungen Neues geschaffen worden. Selbst bei einem so originellen Geist wie Antoni Gaudi findet man Anregungen durch katalanische Bautraditionen und gotische Gewölbe. Erst die Moderne hat diesen kreativen Dialog beschnitten. Es wäre z. B. sehr spannend, wenn die Frauenkirche mit ihrer einmaligen Kuppelkonstruktion heutige Architekten inspieren könnte.

      Wie im Zitat oben gesagt, wäre es für die Diskussionen hier ein Gewinn, wenn noch stärker als bis jetzt wirtschaftliche, rechtliche und finanzielle Argumente miteinbezogen würden. Gute Argumente gibt es, man muss sie nur möglichst genau benennen!
      Zu technischen sowie baugeschichtlichen Fragen gibt es immer wieder hervorragende Beiträge. Auch die aktuellen Berichte aus erster Hand sowie die Bildreportagen sind exzellent.