Schauspielhaus / Schauspiel

    • Schauspielhaus / Schauspiel

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      http://www.architekturforum.net/viewtopic.php?t=2168\r
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      ^ An der Stelle wäre so ein Uhrenkiosk echt klasse, die ganze Fressgass würde aufgewertet! Dann noch ein paar hübsche Laternen, Mülleimer usw., renovierte Fassaden - dann wär's fast schon ne feine Ecke :zwinkern:

      Auf altfrankfurt.com findet sich übrigens noch ein altes Foto vom Uhrenturm am Bahnhofsviertel. Im Hintergrund noch das in der Nachkriegszeit abgerissene Schauspielhaus - könnt man bei der Gelegenheit ja auch gleich wieder aufbauen :gg:

      Basis guter Architektur nach Vitruv:
      Schönheit ۩ Nützlichkeit ۩ Stabilität
      Schönheit wird von zu vielen Architekten ignoriert.
    • Ich fürchte, das Schauspielhaus steht noch....Im Kern des abscheulichen Glaskastens steckt in der Tat noch wilhelminische Bausubstanz. Das würde eine Rekonstruktion vielleicht leichter machen, aber ich fürchte, dass es noch ein paar Jahrzehnte dauern wird, bis die Idee ernsthaft verfolgt würde...

      Die gesamte Häresie kann man hier nachlesen:

      http://www.aufbau-ffm.de/serie/Teil29-30/teil29.html\r
      www.aufbau-ffm.de/serie/Teil29-30/teil29.html
      Was sagt sie uns für Unsinn vor?
      Es wird mir gleich der Kopf zerbrechen.
      Mich dünkt, ich hör’ ein ganzes Chor
      Von hundert tausend Narren sprechen.

      Goethe, Faust I
    • Ich sage nurReko. Wenn auch nur noch ein Stein vorhanden ist muss das schauspielhaus wiederentstehen. Wurde die Fassade eingelagert oder völlig zerstört?
      Könnten die Frankfurter mal genauer in Erfahrung bringen, welche teile des alten Schauspielhauses in den Neubau integriert wurden. Steht da in den nächsten Jahren eine Sanierung an? Es ist unglaublich, was damals alles abgerissen wurde. Das ist ein Kulturverbrechen, so klar muss man das sagen. Hier wurde Volkseigentum und die Geschichte einer Nation systematisch zerstört. Eine Schande.
      Aber dafür sind wir ja da um dies zu korrigieren :P
      APH - am Puls der Zeit
    • Der Großteil der Fassade wurde damals wohl mit dem restlichen Bauschutt beseitigt, vielleicht sind ein paar Skulpturen in Magazinen gelandet... Das bedeutenste Kunstwerk, die Pantherquadriga von Franz Krüger, ist auf wundersame Weise erhalten gelieben und beim Wiederaufbau der Alten Oper verwendet worden, wo sie noch heute zu bestaunen ist.

      PS: Wäre es nicht vielleicht sinnvoll mit den letzten Beiträgen ein neues Thema über das Schauspielhaus zu eröffnen?
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    • Vorallem die Position dieses 'Trauerspiels' (mit dem prächtigen Begriff 'Schauspiel' hat es ja nicht viel gemein) ist schlimm - direkt gegenüber der (momentanen) Europäischen Zentralbank (EZB), am Main gegenüber des bedeutenden Museumsufers, gelegen am Knotenpunkt zwischen Bahnhofsviertel, Bankenviertel/Innenstadt und der Taunusanlage.

      Hier ist der Bau von oben zu sehen (Bildmitte):


      Quelle: Wikimedia Commons

      Dieser Ort ist prädestiniert für einen Prachtbau. Etwas anderes (von einem Hochhaus vllt. mal abgesehen) ist dort schlicht nicht vorstellbar - der aktuelle Bau des Frankfurter Schauspiels ist völlig fehl am Platze. Dabei könnte er gerade dort eine phänomenale Wirkung entfalten - als markantes, opulentes Schauspielhaus.

      Um meine Worte noch mal zu unterstreichen - eine größere Aufnahme vom Schauspielhaus:


      Quelle: altfrankfurt.com

      Die Zeit ist reif für die Rekonstruktion bedeutender Gründerzeitler. Kein Zweifel.
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    • Das Schauspielhaus hatte übrigens auch eine Jugendstilfassade, wie man nur auf Detailaufnahmen sieht. Zwar eine frühe (1902), noch mit neobarocken Stilelementen durchmischte, aber neben dem Schumanntheater sicher die zweitwichtigste Jugendstilfassade der Stadt. Und ja, richtig, man hat sie 1962 heruntergeschlagen, um sie in den ekelerregenden Bau zu packen, der heute dort steht. Reste haben sich übrigens außer der Quadriga nicht erhalten. In meiner persönlichen Rangliste von Kulturschändung im Nachkriegsfrankfurt steht das Ganze auf Platz 2 hinter dem Abriss des Schumanntheaters.

      Auf diesem Bild kann man übrigens gut sehen, dass von der Originalfassade fast nichts geblieben ist:

      http://www.aufbau-ffm.de/serie/Teil23-25/Bilder/14.jpg\r
      www.aufbau-ffm.de/serie/Teil23-25/Bilder/14.jpg

      Zum Vergleich, nach (!) dem Krieg:

      http://www.aufbau-ffm.de/serie/Teil29-30/Bilder/25.jpg\r
      www.aufbau-ffm.de/serie/Teil29-30/Bilder/25.jpg
    • Die traurige Antwort: Jugendstil war in den 60ern "out". Wenn man sich mal ein bisschen mit dem Kunstmarkt beschäftigt: wenn es im 20. Jahrhundert eine Zeit gab, echte Gallé-Vasen zu Schleuderpreisen auf jedem Kunstmarkt zu finden, oder Jugendstilmöbel aus dem Sperrmüll zu ziehen, dann war es in den 60ern. Genauso ist man offenbar mit dem Inventar der Städte umgegangen. Ein Denkmalschutzgesetz gibt es in Hessen meines Wissens erst seit Mitte der 80er Jahre, also damals keine Handhabe. Bürgerprotest war sicher vorhanden, doch der hat wahrscheinlich ebensowenig gebracht wie die Studentenunruhen im Westend, trotz derer so manche Ecke dort mit Büroklötzen verschandelt worden ist.
    • "RMA" schrieb:

      Ein Denkmalschutzgesetz gibt es in Hessen meines Wissens erst seit Mitte der 80er Jahre,


      Gab es in Hessen, genauergesagt dem damaligen Großherzogtum Hessen(-Darmstadt), schon 1902. Von Seiten des heutigen Landesamts für Denkmalpflege Hessen wird auch immer gerne betont, dass hier das erste "moderne" Denkmalschutzgesetz erlassen worden ist. Das jetzige stammt freilich von 1974 (und gilt seit 1986 in der heutigen Fassung).
      "Theoretisch" waren Eingriffsmöglichkeiten auch in den 60ern vorhanden. Praktisch scherte man sich in dieser von Aufbruchsdenken und Technokratie geprägten Ära relativ wenig um "Opas Denkmalschutz". Und am wenigsten hielten die Denkmalpfleger selbst von Historismus und Jugendstil - ein amtliches "Feindbild", das m. E. noch in die Zeit um 1900 zurückdatiert, als für eben diese Architektur nicht wenige "originale" Bauten von vor 1800 usw. in den Städten abgerissen wurden. Ich erinnere mich, einmal in einem Buch über Fachwerkhäuser aus den 60ern die Bezeichnung "Steinkästen des Häuserramsches der Gründerzeit" gelesen zu haben...
      www.chronik-bermuthshain.de
      www.chronik-crainfeld.de
      Ortsgeschichte von Bermuthshain und Crainfeld in Oberhessen
    • Vieles zerstört von den Deutschen

      @Neusser: sie wollen nicht wissen wie vieles nach dem Krieg noch stand, oder mit ein bsisschen guten Wille, relativ einfach aufgebaut werden könnte.

      Ganz Würzburg, grossen Teilen von Berlin, Köln, Magdeburg, Dresden, Hamburg, Frankfurt und Leipzig hätten relativ einfach wieder aufgebaut werden können so dass es heute einen ganz anderen Welt wäre.

      So heute Wien aussieht hätten auch Würzburg, grossen Teilen von Berlin, Köln, Magdeburg, Dresden, Hamburg, Frankfurt und Leipzig aussehen können.

      Welch ein wunderbarer Welt!!!!!! Heute ist das ein trister kleiner Haufen von verstümmelte Resten. In welcher Richtung mann auch hinschaut.

      Politik, Unwille........Hass, Scham.....keinen Schönheit mehr, keinen eindrucksvollen Bauten mehr... Profit und noch mal Profit.
    • Ich habe einen Teil des ursprünglichen Threads "Uhrentürmchen ..." mal in diesen neuen Thread "Schauspielhaus ..." abgetrennt, ich denke, das ist zwecks Übersichtlichkeit im Interesse aller. :)

      "Carsten" schrieb:

      "RMA" schrieb:

      Ein Denkmalschutzgesetz gibt es in Hessen meines Wissens erst seit Mitte der 80er Jahre,


      Gab es in Hessen, genauergesagt dem damaligen Großherzogtum Hessen(-Darmstadt), schon 1902. Von Seiten des heutigen Landesamts für Denkmalpflege Hessen wird auch immer gerne betont, dass hier das erste "moderne" Denkmalschutzgesetz erlassen worden ist. Das jetzige stammt freilich von 1974 (und gilt seit 1986 in der heutigen Fassung).
      "Theoretisch" waren Eingriffsmöglichkeiten auch in den 60ern vorhanden. Praktisch scherte man sich in dieser von Aufbruchsdenken und Technokratie geprägten Ära relativ wenig um "Opas Denkmalschutz". Und am wenigsten hielten die Denkmalpfleger selbst von Historismus und Jugendstil - ein amtliches "Feindbild", das m. E. noch in die Zeit um 1900 zurückdatiert, als für eben diese Architektur nicht wenige "originale" Bauten von vor 1800 usw. in den Städten abgerissen wurden. Ich erinnere mich, einmal in einem Buch über Fachwerkhäuser aus den 60ern die Bezeichnung "Steinkästen des Häuserramsches der Gründerzeit" gelesen zu haben...


      Danke für diese Informationen, wieder etwas gelernt! Das macht das Ganze freilich nicht besser, eher zu einer noch größeren Schande für die damals Verantwortlichen.
    • Dann möchte ich hier auch noch etwas zeigen. Tatsächlich ging das Schauspielhaus ja nach dem 2. WK in recht gut erhaltenem Zustand wieder in Betrieb.

      Der Anblick des Gebäudes bei der Wiedereröffnung anno 1952, vor dem kläglichen Umbau zur Theater-Oper-Doppelanlage (gefunden in diesem leider ziemlich verstaubten Strang):

      aufbau-ffm.de/doku/Archiv/Bilder/Theater52.jpg

      :schockiert:
      Basis guter Architektur nach Vitruv:
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      Schönheit wird von zu vielen Architekten ignoriert.
    • ^ Wieviel mag von der Substanz denn nunmehr noch übrig sein?

      Und: Kann mir jemand sagen, was mit diesem Märchenbrunnen neben dem Schauspielhaus geschehen ist? Hat der die Bombardements überlebt oder ist der verschollen?


      Quelle: Zeno.org (Bilder sind gemeinfrei!)

      Hier klicken für volle Auflösung


      Wär das ein Kleinod in der Gegend... Generell vermisse ich Brunnen in der Frankfurter Innenstadt.
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    • Wenn ich mich recht entsinne ist der Brunnen immernoch an Ort und Stelle, aus dem Gedächtnis kann ich aber nicht sagen ob er noch komplett ist. Die Nymphe ist jedenfalls noch da.

      Nachtrag: Ich hab ein nettes Bildgefunden, das den heutigen Zustand zeigt.
      Was sagt sie uns für Unsinn vor?
      Es wird mir gleich der Kopf zerbrechen.
      Mich dünkt, ich hör’ ein ganzes Chor
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      Goethe, Faust I