Salzburg (Galerie)

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    • Re: Salzburg Winter 2008

      @uaoj36 schrieb:
      Nein zusammen mit Wien die absolute nr 1 und 2 des Deutschsprachiges Gebiet.

      Sehr nett, diese Austrophilie und sehr ehrend für unser kleines Land, aber doch etwas übertrieben (von der Nr 1 für Wien natürlich abgesehen). Schon mal Erfurt, Regensburg und Bamberg gesehen?
      Insgesamt haut mich die Qualität der Salzburger Bauten nicht so sehr vom Hocker (Franziskanerkirche mal ausgenommen). Alles in allem sehr italienisierend, leider aber nur 2. Garnitur (etwa Tiepolo arbeitete in Würzburg!)
      Auch die Bürgerbauten sind sehr eher lieblos ausgestaltet und weisen kaum Zierrat auf.
      Wenn du unsere Großstädte sosehr magst, empfehle ich zur Ergänzung Graz und das viel unterschätzte Linz. Gerade für die hier zahlreich vertretenen Historismusfreund dürfte doch der 'gotische' Dom ein Muss sein!
      Dazu noch die viel kleineren Steyr, Krems und Wels. Alle sind sie rein von der Mikrosubstanz (Fassadenabwicklung, Straßenbilder) her dem eher langweiligen Salzburg zumindest ebenbürtig.
      ... dass jeder troglodytischen Lebensart, beruht sie nur fest in sich selbst, etwas schlechthin faszinierendes eignet, überhaupt für solche, die einen Ansatz dazu schon besitzen und mitbringen, der dann nur noch einer gewissen Entwicklung bedarf. (HvD)
    • Re: Salzburg Winter 2008

      Ich war in meinem Leben nur einmal in Salzburg. Und wenn es sich irgendwie einrichten lässt, dann wird das hoffentlich auch noch lange so bleiben.

      An jenem Tag im Frühling stieg ich auf einem Gleis des Hauptbahnhofes aus dem Zug und empfand sofort eine Orientierungslosigkeit, die mich den ganzen Aufenthalt lang nicht mehr verließ: Man sah kaum, wo es zum Ausgang ging und wo es irgendwelche Informationen gab. Wer das Empfangsgebäude verlässt, steht auf dem Südtiroler Platz, der ein großstädtischer Platz ist, wie er im Buche steht: ein riesiger, schrecklich ungemütlicher Platz mit lauter Hochhäusern rundherum, sowas gibt es in ganz München nicht, aber das scheint im Gegensatz zu Salzburg ja wirklich nur eine Kleinstadt zu sein. Die Gigantomanie Salzburgs ist ohne Beispiel. Ich ging dann den Kilometer in die Altstadt zu Fuß: Es war ein Horrortrip, wie ich ihn in meinem Leben selten erlebt habe. Ich hatte mir Wien stets als ein riesiges, unendliches Häusermeer vorgstellt, voll von all den Barock-, Historismus-, Klassizismus- und Gründerzeitpalästen, die mir so gar nichts bedeuten. Und der Weg durch die Rainerstraße war genau jenes: Ein dreckiges Gruselkabinett der schlimmsten Sorte. Ich fühlte mich an den Balkan versetzt oder nach Berlin, aber angeblich war dies Salzburg, ein österreichisches Heiligtum! Was man hier an Geschäftigkeit, Lärm und Dreck sah, war gerade noch gut zur Weltuntergangsstimmung. Der Mirabellplatz bedeutete, höchste Aufmerksamkeit walten zu lassen, um hier halbwegs zügig, aber mit dem Leben davonkommend, die Querstraßen zu überqueren. Die Dreifaltigkeitsgasse umging ich mit Bergstraße und Linzer Gasse. Diese waren eng und nervig, dass es zum Aus-der-Haut-Fahren war. Am Platzl war es mit der lauten Ungemütlichkeit vorbei: Von der Baustelle der Staatsbrücke hörte man nervenaufreibenst, ununterbrochen den Presslufthammer. Es war unerträglich und die Frage war nur noch, wie man es schaffen könnte, bei all diesem mordsmäßigem Verkehr auf die andere Salzachseite zu kommen und sich möglichst bald vor dem dröhnenden Lärm dieses Presslufthammers in Sicherheit zu bringen.

      Auf der anderen Seite gab es immerhin die Möglichkeit, die Aussicht auf den Franziskanerberg missachtend sofort hinter der ersten Häuserreihe Schutz zu suchen, Schutz vor dem immensen Autoverkehr, vor den Menschenmassen und vor dem irrsinigen Presslufthammerlärm. In der Folge bin ich umhergegangen in der kleinen Altstadt. Ständig kam ich mir vor wie auf der Flucht. Ich wollte einfach Ruhe finden, Ruhe vor dem Menschenmassen, die die Getreidegasse bevölkerten, nein verstopften. Ich war auf der Suche nach dem ach so attraktiven Salzburg, aber ich fand es nicht. Ich fand Bedrückung und Enge, Menschmassen und Lärm und wo ich auch hinkam, die anderen waren schon da. Schließlich glaubte ich alles gesehen zu haben und machte ich auf den Rückweg. Diesmal schaute ich mir noch den Mirabellgarten an. Dieser war keine Entspannung, sondern voll wie eine normale Fußgängerzone (die vollkommen überfüllte Getreidegasse ist ja keine normale Fußgängerzone). Schließlich war ich froh, auch den Mirabellgarten hinter mir lassen zu können und den Weg zum Hauptbahnhof wieder unbeirrt fortsetzen zu können. Als ich später mit dem Zug aus der Stadt hinausfuhr, ließ ich diese beruhigt hinter mir. Am Abend desselben Tages suchte ich - wieder in Oberbayern - einen der einsameren Orte weit und breit auf. Dort war ich wieder glücklich.

      Wenn mich heute jemand danach fragen würde, was ich von Salzburg halte, dann wird die Stimmung schlecht, denn mein Eindruck ist extrem schlecht!

      Es war, wie einen Tag lang in den Abgrund zu sehen. Nein danke, bitte die nächsten Jahre nicht wieder. Salzburg - für mich ein Alptraum!

      Salzburg, die Stadt des unablässig dröhnenden Presslufthammers.
    • Re: Salzburg Winter 2008

      Die Retourkutsche auf ursus´ Beiträge im Süd-Forum? Langsam wird´s kurios hier ;)!
      "Ich denke an Wien, so wie Sie an Brüder, an Freunde denken, die jetzt an der Front sind. Nun sind sie fern von Ihnen und Sie wissen sie in Gefahr, ohne ihnen beistehen, ohne diese Gefahr teilen zu können" - Stefan Zweig 1940
    • Re: Salzburg Winter 2008

      Nein, doch keine Retourkutsche auf Ursus' Beiträge, sondern einfach mal nur mein Ceterumcenseo zu dem unaufhörlichen Salzburg-in-den-Himmel-Gehebe. Genau dieses war es wohl, das dafür verantwortlich war, dass ich mit einer völlig übersteigerten Vorstellung nach Salzburg kam. Und dann passiert eben sowas, wenn man von Oberbayern in so eine grauenhafte Großstadt kommt, deren Verkehr wie in Berlin und Großwardein ist und der Charme der Rainerstraße genauso. Weniger Verkehr, weniger Hitze, weniger Menschenmassen, weniger Enge, weniger Dreck, und vor allem weniger Presslufthammer hätten wohl ein anderes Erleben ermöglicht.
    • Re: Salzburg Winter 2008

      Vielleicht hätte eine Investition in einen Straßenbahnfahrschein große Wirkungen gezeitigt?
      Ich bin jedenfalls noch nie auf die Idee gekommen, die Strecke in die Stadt per pedes zurückzulegen.

      1) Das Bahnhofsviertel von Salzburg zu beschönigen, ist eine schier unlösbare Aufgabe.
      Mögliche Gründe für diese Wucherung:
      a) Ö wurde taktisch und nicht strategisch bombardiert, was für Bahnhofsviertel Nachteile, für die Innenstädte Vorteile brachte.
      b) Ich meine, dass die hier (implizit nicht nur von youngwoerth) oft vertretene 'ganzheitliche Stadtsicht' eher nicht unsere Sache ist. Weder an Bahnhofsvierteln noch an Bahnhöfe selbst stellen wir irgendwelche ästhetische Forderungen, sie müssen einfach funktionieren. Dafür funktioniert bei uns die Altstadtpflege mE weit besser.
      c) Salzburg ist nicht das Kitschidyll, das uns die Tourismuswirtschaft verkaufen will, sondern eine Großstadt, in heutigen Zeiten heißt das pleonastisch: eine stinkende Großstadt. Vielleicht wollten die Stadtväter mit dem damals ultramodernen Bahnhofsviertel diesen Umstand, also dass S. eigentlich eine stinknormale Stadt ist, mit einem gewissen Stolz demonstrieren?
      d) Allerdings ist das Bahnhofsviertel zu Passau, Salzburgs nördlicher Schwester, auch keine Offenbarung. Passau ist halt kleiner und daher etwas kleinstädtischer, daher in seinen modernen Vierteln ein kleinweniger hässlicher, wie es auch in seinen alten Viertel ein kleinweniger schön als Salzburg ist.
      2) Die heutigen Verkehrsprobleme sind in den Großstädten imgrunde nicht lösbar, auch nicht in Salzburg. Durch die Enge des vorgegebenen Raumes wird dies entsprechend sicht- dh hörbar. Jedoch ist die Verkehrssituation in der Innenstadt recht rigoros und daher passabel gelöst.
      3) sollte man Salzburg außerhalb der Saison, also eher in den kälteren Jahreszeiten besuchen.
      4) ist Salzburgs Schönheit trotz der augenfälligen Prachtlage meiner bescheidenen Meinung nach (und ich bin wahrlich kein allzugroßer Bewunderer der Stadt, für mich ist sie lediglich eine sehr schöne Stadt unter einigen) eine sich nicht auf den ersten Blick Darbietende. Die Bischofsstadt ist prima vista sehr zurückhaltend-italienisierend, dezent und von einer gewissen Farblosigkeit, die Bürgerstadt sehr grobschlächtig . Ich selbst lernte die Stadt erst nach einigen Besuchen richtig zu schätzen, erst dann war ich bereit, zuzugestehen, dass sie ihren Ruf zu einem gewissen Grad gerecht wird.

      Deine aus momentaner Befindlichkeit (was nun einmal jedem passieren kann) und gewissen Oberflächlichkeiten (Presslufthämmer gehören nun heutzutage zum alltäglichen Leben, die einem immer und überall Schlaf und Freunde vergällen können) resultierende Abneigung, zeno, entspricht absolut nicht deinem Niveau, zeno, und du tätest gut daran, diese zu überdenken und Salzburg eine zweite Chance zu geben. Schließlich ist es trotz allem eine erzbayerische Stadt, die dir zweifellos unter halbwegs günstigen Rahmenbedingungen gefallen muss und wird. Nur bitte meinen ersten Satz zu beherzigen!
      PS Und über deine sonderbare, ja befremdliche Indifferenz gegenüber Wien reden wir ein andermal.
      ... dass jeder troglodytischen Lebensart, beruht sie nur fest in sich selbst, etwas schlechthin faszinierendes eignet, überhaupt für solche, die einen Ansatz dazu schon besitzen und mitbringen, der dann nur noch einer gewissen Entwicklung bedarf. (HvD)
    • Re: Salzburg Winter 2008

      Wahrscheinlich hast Du recht, Ursus. Salzburg wäre nicht die erste Stadt, die mir angesichts der Hektik missfallen hat. Und sie wird auch nicht die erste sein, die mich mittels mußevoller Betrachtung - vielleicht in winterlichem Zauber - und nicht an einem brütend heißen Tag im Frühling, als soviel Wärme völlig ungewöhlich war (es war schon um 9 Uhr unerträglich), in ihren Bann zu ziehen vermag, wie es vordem schon andere Orte taten. Noch nie fühlte ich mich geborgen in der Mitte von Menschenmassen und Vertrautheit entsteht nicht in Hektik.
    • Re: Salzburg Winter 2008

      @zeno
      Ich hab ja imgrunde dieselben vorbehalte gegen diesen Touristenschnickschnack und den ganzen Festspielpöbel, deshalb ist meine Meinung hier möglicherweise mal etwas objektiver.
      Von meinen ersten Besichtigungsfahrten nach Salzburg war auch ich ziemlich enttäuscht - vom Osten Österreichs her ist man doch da weit mehr Fassadenschmuck und kraftstrotzenderes Barock gewohnt. Erst seit ich dort mehr beruflich zu tun habe und die Stadt quasi 'so nebenbei' auf mich einwirken lasse, bin ich von ihr einigermaßen angetan.
      Allein diese Einbindung in die Landschaft, die naturgemäß nur im Alpenland möglich ist, aber mW nirgendwo sonst eine solche Ausprägüng erfahren hat - eine Stadt mit einem richtigen Berg im Zentrum, der sie regelrecht erdrückt, andererseits wieder von einem Bauwerk, der Festung bekrönt wird, und der vielfältige Panoromablicke zulässt, dank der vielen Türme in enormer Anzahl. Dann diese Platzfolge der Bischofstadt, die dadurch entstehenden immer neuen Ausblicke. Dann die Kirchen und zu allem Überfluss die verwinkelte, enge eigentliche Altstadt...
      Man muss sich ein bisschen Zeit nehmen für das alles.
      ... dass jeder troglodytischen Lebensart, beruht sie nur fest in sich selbst, etwas schlechthin faszinierendes eignet, überhaupt für solche, die einen Ansatz dazu schon besitzen und mitbringen, der dann nur noch einer gewissen Entwicklung bedarf. (HvD)
    • Als Ergänzung ein Aufstieg auf den Kapuzinerberg auf rechts-altstädtischer Seite.

      Dreifaltigkeitsgasse mit Goldschlägerhaus und sog. Sauterbogen


      Eckhaus Dreifaltigkeitsgasse N°2 mit Sgraffitofries von 1927.


      Wenn man rechts die Linzer Gasse hinaufgeht, gelangt man zur Franziskuspforte, welche auf den Kapuzinerberg führt.



      Hinauf in Richtung Felixpforte


      Eine stattliche Anzahl Kapellen säumt den Weg.


      Endstation


      Das Kapuzinerkloster, das noch noch "in Betrieb" ist.


      Der Ausblick nach Norden, über den Makartplatz die Salzach hinab.




      In der Ferne diese mir unbekannten Berge auf deutscher Seite.


      Von einem leicht tieferen Aussichtspunkt schaut man auf Möchsberg und Links-Altsstadt.


      V. l. n. r. Domtürme, St. Peter, Franziskanerkirche, Rathausturm (vorne mit Uhr), Kollegienkirche




      Zum Abschluss ein Blick über den Dom auf die Festung Hohensalzburg im krassen Gegenlicht.
      Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
      (Immanuel Kant)
    • Salzburg ist auch bei mir ein beliebtes Ausflugsziel, vielen Dank für die schönen Fotos.
      In diesem Thread gibt es jetzt Fotos von Salzburg bei Nacht und im Winter mit Schneefall aber ich persönlich finde, dass es bei Sonnenschein mit Abstand am schönsten aussieht, auch wenn die Winterstimmung in Salzburg besonders schön sein kann.

      Da ich öfters dort bin, werde ich versuchen in Zukunft ein paar Bilder zu fotografieren und hier zu posten, auch mal Abseits, von den etwas weniger touristischen Orten.

      Was mich in Salzburg aber immer wieder in Schockstarre versetzt sind österreichs Baubestimmungen, solche Neubauten sind gang und gäbe.


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