Odense (Dänemark) - Allgemeines

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    • Odense (Dänemark) - Allgemeines

      Ich werde hier peu à peu eine Galerie der Dänischen Stadt Odense zeigen.

      Geschichte:

      Die Stadt wurde erstmals 988 in einem Dokument, das vom deutschen Otto III. erstellt wurde, erwähnt. Der Name der Stadt kommt wahrscheinlich aus der Wikingerzeit, als die Kultstätte "Odins Vi" zu Ehren des Gottes Odin errichtet wurde. Zu dieser Zeit wurde auch die Burg Nonnebakken gebaut.
      Im Mittelalter war Odense geprägt durch den Katholizismus. Es wurden zahlreiche Klöster und Kirchen errichtet. Hierzu gehören "Vor Frue Kirke", die wohl älteste Kirche der Stadt, und der Dom "Sankt Knuds Kirke". Ca. 1060 wurde Odense der Sitz des Bischofs der Insel Fünen.

      1240 wurde die Stadt während eines Bürgerkriegs teilweise zerstört.

      1355 bekam Odense die Rechte einer Handelsstadt.

      Etwa 1500 zog Königin Christine, die Frau von König Hans, mit ihrem Hof nach Odense. Dadurch wuchsen die Stadt und der Handel. 1600 hatte die Stadt zwischen 5.000 und 6.000 Einwohner. Diese Zahl sank 1672 auf 3.800, als die Stadt von schwedischen Truppen geplündert worden war.

      Von 1654 bis 1658 war Odense dänische Hauptstadt.

      1769 war die Einwohnerzahl wieder auf 5.200 gestiegen, womit Odense die zweitgrößte Stadt Dänemarks war. Zu dieser Zeit wurden auch der Kanal und der Hafen der Stadt ausgebaut. Damit begann die Industrialisierung in der Stadt.

      1805 wurde Hans Christian Andersen, der wohl berühmteste Sohn der Stadt, geboren.

      1851 wurden die Stadtmauern niedergerissen, da innerhalb der Mauern nicht mehr genügend Platz für die wachsende Industrie der Stadt war. Ebenso wuchs die Einwohnerzahl, da die Unternehmen Arbeiter benötigten.

      Mitte des 19. Jahrhunderts wurden das erste Gas- und Wasserwerk Dänemarks in der Stadt errichtet. 1865 wurde die erste Eisenbahnlinie auf der Insel Fünen in Betrieb genommen. 1891 wurde die Stadt mit Strom versorgt.

      1935 wird ein 177 Meter hoher Aussichtsturm in Stahlfachwerkbauweise, Odinstårnet, errichtet. Der Turm wird 1944 zerstört.

      Seit 1956 wird der Hans Christian Andersen Award immer am 2. April, dem Geburtstag des Dichters, in der Stadt verliehen.

      Zur Architektur:

      Die Alstadt besteht hauptsächlich aus der West-Ost Achse Vestergade-Overgade sowie die sich nach Norden streckende Nørregade. Bis Mitte des 19. Jh. war es eine reine Fachwerkstadt, danach bekamen viele Häuser Backsteinfassaden. Während der Gründerzeit wurden viele alte Häuser abgerissen, das Stadbild blieb - trotzt einigen Schäden im Zweiten Weltkrieg - bis ungefähr 1960 erhalten. Was danach geschah zeigen die Bilder. Ich behaupte mal, dass es kaum eine Europäische Stadt gibt, die so radikal binnen 10 bis 20 Jahren verändert wurde (ich rede hier von Friedenszeiten). Noch Heute wird die Stadt von Architekten besucht - als schlechtes Beispiel einer autogerechten Stadt.

      Mit dem Bau der Stadtautobahn wurde die Altstadt in ihren Kern getroffen: Zwei der ältesten Plätze wurden vernichtet. Heute sieht es wie in Ostberlin aus...Beim abriss kam oft mittelalterliches Mauerwerk zu tage...

      Fisketorvet (Fischmarkt) 1933:





      Abriss 1968

      Quelle: Odense Bys Museer
      Heute
      maps.live.com/default.aspx?v=2…&scene=20960226&encType=1

      Albani Torv:

      1848


      FAchwerk:


      Markttag, im Hintergrund die Katholische Kirche:


      Industriepalais und Häuser des 18 Jh. (1983 abgerissen):


      Abriss der Nordseite:


      nachher



      Quelle: Odense Bys Museer

      Das Kerngebiet der Altstadt heute:
      maps.live.com/default.aspx?v=2…&scene=20960226&encType=1
    • An Baukunst-nbg,

      Es gibt einige schöne Ecken. Sehenswert sind vor allem die Kirchen und Klöster, die nirgendswo in Dänemark so zahlreich sind. Für einen Deutschen aber wahrscheinlich nicht so umwerfend. Auf jedem Fall solltest du den Dom besuchen. Das Hochaltar von Claus Berg ist sicherlich ein Europäischer Meisterwerk. Die Insel Fünen (dort liegt Odense) ist aber sehr, sehr schön. Die Hafenstädte sind klein aber super gemütlich, vor allem Faaborg, Svendborg und Assens. Dazu kommen eine unglaubliche Zahl von Herrenhäuser und Schlösser. Das Inselmeer im Süden sollte man auch nicht verpassen - die Inseln Tåsinge (mit dem Städtchen Troense) und vor allem Ærø mit Ærøskøbing sind auch ein Muss. Von den anderen Städten Dänemarks lohnen sich folgene für Architekturfreunde: *** = unbedingt besuchen, ** = sehr sehenswert, *= interessant
      1) Kopenhagen ***
      2) Helsingør (Die Stadt ist sehr schön - und dann gibt es auch das Unesco-Welterbe Schloss Kronborg)***
      3) Ribe (Dom und Altstadt - wunderschön) **(*)
      4) Skagen (ganz im Norden - symbiose aus Architektur und Landschaft**)
      5) Haderslev (Hadersleben - deutsch von 1864 bis 1920)*
      6) Tønder (Tondern) und Møgeltønder direkt an der Deutschen Grenze*
      7) Roskilde (Der Dom*** - Welterbe)
      8) Schloss Frederiksborg in Hillerød**

      Landschaftlich sind die Küsten sicher am interessantesten. Vor allem Die Nordseeküste, die Küsten Fünens, die Ostküste Jütlands und die Nordküste Sjællands.

      MfG

      Däne
    • "Däne" schrieb:

      Für einen Deutschen aber wahrscheinlich nicht so umwerfend.


      Na, bloß keine falsche Bescheidenheit ;)

      @Däne:

      Herzlichen Dank für Deine Tipps! Ich kenne Bogense von einem Schiffsausflug, das ist auch sehr gemütlich. (Dort habe ich außerdem das Schnitzel meines Lebens gegessen.) Ansonsten kenne ich von den genannten Orten Haderslev, Kopenhagen, Roskilde und Tønder/Møgeltøonder. Doch es gibt noch viel zu sehen ...
      http://www.baukunst-nuernberg.de/ - Architektur in Nürnberg vom Mittelalter bis zur Gegenwart
      Nürnberger Bauernhausfreunde e. V.
    • @Däne

      Vielen Dank für die interessanten Hinweise zu Odense! Gibt es heute dort den Wunsch, die Fehler des autogerechten Städtebaus der Vergangenheit zu korrigieren, also ähnlich wie z. B. in Ulm oder Stuttgart?

      Bekommt Schloss Frederiksborg nur zwei Sterne von Dir, weil es im 19. Jahrhundert nach einem Brand rekonstruiert wurde? Es gehört für mich trotzdem zu den schönsten Renaissanceschlössern Europas: die Türme und Giebel, die Verbindung von Schloss, Wasser und Garten, die Kapelle mit der berühmten Compenius-Orgel...
    • @ Matthias

      Kurz zu Odense: Die Stadtautobahn wurde 1970 fertiggestellt. Die Abrisswelle dauerte bis Mitte der 80er Jahre an - vereinzelt werden noch Heute ein Paar Altbauten abgerissen. Nach dem Bau der Stadtautobahn sollte man denken, dass die Politik sofort gemerkt hätten, dass hier ein Katastrophaler Fehler gemacht wurde. Weit gefehlt! Gleich danach wurde zwei weitere Projekte geplant:

      - eine weitere Stadtautobahn im Westen der Altstadt. Wurde mit einer (!) Stimme Mehrheit verhindert.
      - die Verlängerung der Stadtautobahn zum Hafen quer durch das alte Hafen- und Kneipenviertel (aus der Gründerzeit). Diese Planung wurde umgesetz, und das ganze Viertel nördlich der Bahnlinie den Erdboden gleichgemacht (von 1975 bis 1983).

      1970 wurde die verbliebene Westseite des Fischmarks zerstört. Dort steht nun ein Hochhaus, dass die gesamte Altstadt dominiert (sieht man oben). 1973 wurden ein Grossteil der schönsten Handelshöfe der Vestergade abgerissen. Um 1980 wurde dann die südliche Hälfe der schönsten Altstadtgasse (Nedergade) abgerissen. Um 1983 das alte Viertel (18 JH) der Skt. Jørgensgade. 1983-1984 die letzten Altbauten des Albani Torvs (Markt).

      Es gibt doch gerade in diesen Tagen konkrete Pläne, die Stadtautobahn zu schliessen und zu bebauen. Was mit den täglichen 30000 Autos passieren soll, weiss man nicht genau. Ein weiteres Problem stellt die Architektur der heutigen Strasse da: Die Häuser sind einfach hässlich - viel schlimmer als in Ulm. Es gibt auch riesige Parkplätze entlang der Strasse. Es ist auch 100 % sicher, dass die Neubauten modern werden. Ich glaube nicht mal, dass die Struktur wieder hergestellt wird. Stattdessen wird von weitere Hochhäuser geredet....

      Zu Schloss Frederiksborg:

      Vielleicht hätte ich es drei Sterne geben sollen? Es ist wirklich ein Märchenschloss. Tragisch, dass es (mit grosse Teile der Königlichen Kunstsammlungen) 1850 abgebrannt ist. Das scheint wirklich ein dänisches Problem zu sein: Das Schloss Vallø, auch wunderschön, brannte vor etwa 100 Jahren ab. Das Königliche Schloss in Kopenhagen, einst so bedeutend wie die Würzburger Residenz, ist 1794, 1888 und 1994 (Schlosskirche) abgebrannt.

      Dafür sind sämtliche Herrensitze und Schlösser der Ländlichen Regionen erhalten.
    • "Georg Friedrich" schrieb:

      @Däne

      Wie wurden diese zerstörerischen Maßnahmen von den Stadtoberen damals begründet? Einzig allein damit, die Stadt autogerecht zu gestalten? Gab es Proteste in der Bevölkerung?


      Es gab natürlich Proteste, aber die SPD-Verwaltung in Odense hat sich nie darum gekümmert. Es gab aber fairer Weise auch vernüftige Argumente für eine weitere Nord-Süd Strasse in der Stadt. Bis 1965 gab es nur eine ganz schmale Strasse zwischen Innenstadt und Hafen, wo es zahlreiche Grossbetriebe gab (die meisten wurden kurz nach dem Bau der Strasse geschlossen...). Die Entscheidung die Strasse durch den ältesten Teil der Altstadt zu legen war aber absurd. Der Abriss des Industriepalais war sehr umstritten, es haben sich Leute an das Gebaüde angekettet (heisst das so). Leider ohne erfolg. Die Zerstörung der Skt. Jørgenstrasse war ebenso absurd, weil es bewiesen werden konnte, dass eine Sanierung der Altbauten weit billiger wäre. Mit einer Stimme Mehrheit wurde der Abriss trotzdem durchgeführt. Generell ist die Bevölkerung nicht sehr interessiert. Als ein Rückbau der Stadtautobahn vor einem Jahr diskutiert wurde, war ein grosse Mehrheit dagegen ("Lieber das Geld für Krippenplätze verwenden usw.).

      @ Baukunst-Nbg

      Ich muss jetzt zugeben, dass ich die wichtigste Sehenswürdigkeit für Architekturfreunde in Dänemark vergessen habe. Peinlich. Es handelt sich um den Dänischen Dorfkirchen, die Europaweit einmalig sind. Ungefähr 2000 Mittelalterliche Kirchen gibt es noch zu sehen - alle sind Perfekt erhalten (wegen der Staatskirche). Das Inventar ist oft sehr interessant, aber einmalig sind sicherlich die Fresken ("Kalkmalerier"), die sehr oft zu sehen sind. Es gibt sogar eine Homepage dazu:

      kalkmalerier.dk/index.php?id=3

      Ein schönes Beispiel aus Ringsted:



      Eine typische Dorfkirche ist Fanefjord Kirke:

      fanefjordkirke.dk/index.php?id=5508 Die Fresken sind natürlich ausserordentlich schön.
    • Richtig. Die Dorfkirchen würde ich als Symbol bezeichnen.
      Dieses Buch besitze ich z. B.:

      eigilholm.dk/Kirker/kirker.html

      Fantastisch ist die immer wieder überraschende Ausstattung. Bei dem in der Regel schlichten Äußeren erwartet man kaum eine solche Vielfalt im Inneren. Auch Taufsteine, Altäre etc. sind eine Wissenschaft für sich. Nur leider sind viele der Kirchen meist geschlossen.
      Etwas gewöhnungsbedürftig für Deutsche ist die Omnipräsenz des Danebrog, sogar in den Kirchen, was wohl mit dem entspannt-robusten Verhältnis der Dänen zu ihrer Nation zusammenhängt.
      http://www.baukunst-nuernberg.de/ - Architektur in Nürnberg vom Mittelalter bis zur Gegenwart
      Nürnberger Bauernhausfreunde e. V.
    • "baukunst-nbg" schrieb:

      Richtig. Die Dorfkirchen würde ich als Symbol bezeichnen.
      Dieses Buch besitze ich z. B.:

      eigilholm.dk/Kirker/kirker.html

      Fantastisch ist die immer wieder überraschende Ausstattung. Bei dem in der Regel schlichten Äußeren erwartet man kaum eine solche Vielfalt im Inneren. Auch Taufsteine, Altäre etc. sind eine Wissenschaft für sich. Nur leider sind viele der Kirchen meist geschlossen.
      Etwas gewöhnungsbedürftig für Deutsche ist die Omnipräsenz des Danebrog, sogar in den Kirchen, was wohl mit dem entspannt-robusten Verhältnis der Dänen zu ihrer Nation zusammenhängt.



      Du kennst dich ja in Dänemark ganz gut aus. Es stimmt, dass viele Kirchen oft geschlossen sind. Leider hat es seit der Wende sehr viele Diebstahle gegeben. Man kann aber oft beim Pastor klingeln (die Pastoren wohnen ja fast immer direkt an den Kirchen). Abgesehen von den Kirchen gibt es kaum mittelalterliche Profanbauten in Dänemark: in ganz Kopenhagen steht ein einziges Haus, in Odense und Århus und Ålborg haben keine überlebt.

      Meine deutsche Bekannten waren wirklich schockiert, als sie zum ersten mal in einem dänischen Supermarkt waren: überall dänischen Fahnen... In DK ist soger der Weihnachtsbaum mit Flaggen geschmückt. Seit 5 bis 10 Jahren hat es zumindest bei mir einen faden Beigeschmack bekommen weil die Rechtsradikale Volkspartei (12 % der Stimmen..) die Flagge monopolisiert hat. Wirklich nervend!
    • "Däne" schrieb:

      (...) weil die Rechtsradikale Volkspartei (12 % der Stimmen..) die Flagge monopolisiert hat. Wirklich nervend!


      Wie soll den so etwas gehen? Eine Flagge ist doch Allgemeingut und weist auf keine spezifische Gruppierung hin!
      http://www.baukunst-nuernberg.de/ - Architektur in Nürnberg vom Mittelalter bis zur Gegenwart
      Nürnberger Bauernhausfreunde e. V.
    • "baukunst-nbg" schrieb:

      "Däne" schrieb:

      (...) weil die Rechtsradikale Volkspartei (12 % der Stimmen..) die Flagge monopolisiert hat. Wirklich nervend!


      Wie soll den so etwas gehen? Eine Flagge ist doch Allgemeingut und weist auf keine spezifische Gruppierung hin!


      Wenn eine politische Partei ständig mit Danebrog wirbt und sogar die Flagge als Logo benutz, kommt es nach und nach zu einer veränderte Wahrnehmung der Flagge. Früher habe ich und meine Freunde immer die Flagge völlig unbekümmert benutzt, Heute bin ich etwas vorsichtiger geworden, den wer möchte mit dieser Partei identifiziert werden?

      Ich finde es wirklich schade, aber was kann man machen? Erstaunlicherweise hat es in Deutschland seit der WM ein ganz andere Entwicklung gegeben....
    • "Däne" schrieb:

      Die Insel Fünen (dort liegt Odense) ist aber sehr, sehr schön.


      Das finde ich auch! Die Drei- und Vierseitbauernhöfe mit Fachwerk und Reetdach lassen einen ständig glauben, die Zeit wäre hier stehen geblieben.
      "Nichts zeichnet eine Regierung mehr aus als die Künste, die unter ihrem Schutze gedeihen."
      Friedrich der Große