Wiederaufbau der Garnisonkirche

    • Umso erstaunlicher eigentlich, dass der Wiederaufbau der Frauenkirche in diesem Deutschland gelang. Noch dazu als völlig kompromissloser Kirchenbau, keine ideologische Kopfgeburt, nichts. Ein leuchtendes Beispiel starken Willens und unbändiger Symbolkraft.
      Basis guter Architektur nach Vitruv:
      Schönheit ۩ Nützlichkeit ۩ Stabilität
      Schönheit wird von zu vielen Architekten ignoriert.
    • Dresden gemießt ja auch mythischen Sonderstatus, die Frauenkirche ist DAS Symbol für Wiederaufbau und der Versöhnung von Ost und West! In dieser verklärten Aura, so kurz nach der Wende konnte bürgerschaftliches Engagement schnell Fuß fassen und Unterstützung weit über Dresdens Grenzen hinaus herausfordern, eben der "Ruf aus Dresden" schallte weit und fand hilfsbereiten Widerhall.

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    • Absolut. Im Rückblick denkt man sich heute, in den 90ern wäre noch so viel mehr möglich gewesen. Da wurde die Gunst der Stunde nicht überall genutzt. Es hätte in jeder Stadt größere Rekonstruktionen geben können. Auch eine Magdeburger Ulrichskirche oder Potsdamer Garnisonkirche wäre wohl leichter durchsetzbar gewesen als in den 2010ern.
      Basis guter Architektur nach Vitruv:
      Schönheit ۩ Nützlichkeit ۩ Stabilität
      Schönheit wird von zu vielen Architekten ignoriert.
    • Nein, so war das absolut nicht. Die Widerstände des Triumvirats aus westdeutscher Denkmalpflege und Feuilletonisten sowie der Architektenschaft waren enorm. Nur in Dresden mit der Vorarbeit der sächsischen Denkmalpfleger um Hans Nadler und Heinrich Magirius zur DDR-Zeit war die Frauenkirche möglich. Ihre archäologische Rekonstruktion war eine nationale Kraftanstrengung und ein enormes Gemeinschaftswerk. Die Schlösser in Potsdam und Berlin waren damals ganz ferne Ziele. Alles folgte erst in den 2000ern sehr langsam dem großen Erfolg Frauenkirche - selbst der Dresdner Neumarkt. Deswegen war der Widerstand aus der westdeutschen "Expertenschaft" auch zunächst so groß. Die wußten um die Symbol- und Folgewirkungen.

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      Philipp schrieb:

      Die Widerstände des Triumvirats aus westdeutscher Denkmalpflege und Feuilletonisten sowie der Architektenschaft waren enorm. […]
      Deswegen war der Widerstand aus der westdeutschen "Expertenschaft" auch zunächst so groß. Die wußten um die Symbol- und Folgewirkungen.

      Volle Zustimmung, Philipp. Nachfolgend einige Zitate aus einem Artikel in unserem Jahrbuch von 2014 – „Der Wiederaufbau des Dresdner Schlosses“:

      BautzenFan schrieb:

      Zum Zeitpunkt seiner Erstellung hatten die Autoren des zielsetzenden Dokumentes von 1983 [Anm.: gemeint ist die denkmalpflegerische Rahmenzielstellung der sächsischen Denkmalpfleger für den Aufbau des Residenzschlosses] keine ernsthaften „ideologischen“ Widerstände mehr zu erwarten [Anm.: keine Abrissgefahr mehr wie in den 1950er und 1960er Jahren], wohl aber Riesenprobleme hinsichtlich der ökonomischen Realisierbarkeit. Reichlich 10 Jahre später sollte das genau umgekehrt sein. […]

      Die deutsche Wiedervereinigung und die damit verbundenen politischen und wirtschaftlichen Veränderungen bedeuteten auch für die Schlossbaustelle eine drastische Zäsur, das Bautempo gewann rasant an Fahrt. Der nunmehrige Bauherr, die Regierung des 1990 neu gebildeten Freistaates Sachsen, hatte frühzeitig eine sehr wohlwollende Haltung zum Schlossprojekt erkennen lassen. Vom 1. Juli 1990 (Beginn der Währungsunion zwischen der BRD und der DDR) bis zum 31. Dezember 1991 wurde die enorme Summe von 40 Millionen DM zur Verfügung gestellt. Erster Höhepunkt des fulminanten Baugeschehens war die Komplettierung des Hausmannsturmes im Oktober 1991. Tausende Dresdner verfolgten das Geschehen vor Ort, sahen ergriffen zu, wie der eigens für diesen Zweck aufgestellte Spezialkran Laterne und Turmspitze nach oben beförderte. Weiter ging es mit dem Nordostflügel, dem Südflügel vom Großen Schlosshof, dem Bärengartenflügel, dem Südflügel gegenüber dem Taschenbergpalais - und dies Schritt für Schritt nach den alten DDR-Planungen. Eine durch den nunmehrigen Bauherren bestätigte Gesamtkonzeption fehlte nach wie vor.

      In dieser Phase trat nun eine ganz neue Gefahr auf, die Rekonstruktionskritiker, wortführend vertreten durch westdeutsche Gralshüter der reinen Denkmalpflege-Lehre, verschafften sich lautstark Gehör. Es war die Zeit kurz nach der Grundsteinlegung an der Dresdner Frauenkirche (27. Mai 1994). Die Position, den Wiederaufbau dieses barocken Meisterwerks streng rekonstruktiv, ohne „Neuinterpretationen“ wesentlicher Architekturteile zu realisieren, hatte sich gegen große Widerstände durchsetzen können. Nun also geriet das Schloss in den Fokus. Auslöser für die nachfolgenden Kontroversen war ein Autorenbeitrag in der *Frankfurter Allgemeinen Zeitung*, der die im Text geballt aufgefahrene Kritik pointiert schon im Titel formulierte: Die Erfindung der Geschichte.[6]. Die Polemik führte vom Vorwurf des historischen Disneylands hin zu der Schlussfolgerung, dass nur ein unbefangener, auswärtiger Architekt die Inspiration, den großen Geist für das Schlossbauvorhaben aufbringen könne. Nicht zuletzt diese Aussage stieg den Dresdner Fachleuten verständlicherweise sehr bitter auf.
      Hans Nadler sprach in diesem Zusammenhang von „unverschämten Schmähschriften“ (in der Sächsischen Zeitung vom 15. Februar 1995). So eine Wortwahl von jemandem wie Nadler – ein distinguierter Bildungsbürger der besten alten Schule – sagt alles.
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      sturming schrieb:

      An der Baustelle der Garnisonkirche, haben sie die Plane mit dem Aufdruck “Eine Kultur des Friedens schaffen“ zerschnitten. :wuetenspringen:
      Wenn das jetzt schon losgeht, möchte ich nicht wissen, was für Sabotageakte, Beschmierungen und Sachbeschädigungen da noch kommen werden. Ich weiß nicht, wie belebt die Gegend tagsüber ist, aber nachts sollte man die Baustelle nach Möglichkeit bewachen. Die Webcam hilft ja auch nicht groß weiter, wenn die Täter sich vermummen. Bewegungsmelder, Alarmanlage mit Höllenlärm - irgendwas muss da unternommen werden, sonst droht laufend Vandalismus.
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      erbse schrieb:

      Umso erstaunlicher eigentlich, dass der Wiederaufbau der Frauenkirche in diesem Deutschland gelang. Noch dazu als völlig kompromissloser Kirchenbau, keine ideologische Kopfgeburt, nichts. Ein leuchtendes Beispiel starken Willens und unbändiger Symbolkraft.
      Die Frauenkirche gelang, weil die ev. Kirche nicht an der Konzeption und schon garnicht an der Umsetzung des Projektes beteiligt war. Auch dort gab es innerkirchlichen Widerstand. Der darin begründet liegt, dass die umliegenden Gemeinden Angst vor Abwanderung der Gemeindemitglieder hatten. Dahinter steckt die Angst vor zunehmender Bedeutungslosigkeit in der Gesellschaft.

      Dass aber gerade dieses Rekonstruktionsprojekt steigende Mitgliederzahlen in Dresden brachte, ja sogar bestehende Gemeinden dauerhaften Zuwachs seither haben, wird gerne und weiterhin ausgeblendet.

      Währenddessen führt diese Angst in Potsdam zur Infragestellung der Garnisonkirche durch die Heilig-Kreuz-Gemeinde und der Pfarrerin der französisch reformierten Gemeinde.

      Für Außenstehende wirkt das wie Versagen der ev. Kirche an ihrem eigenen Glauben: wenn die Kirche sich nicht mal mehr getraut, eine Kirche zu bauen, aus Angst und Verzagtheit, diese nicht voll zu bekommen und inner-gemeindliche Abwanderung zu erzeugen, wie will die Kirche dann als Kirche noch den Glauben verbreiten? Wenn die Kirche nicht mal mehr genügend Vertrauen in denen eigene Strahlkraft hat und deswegen keine Kirchen mehr baut, dann befindet sie sich in einer Abwärtsspirale, die in der wirklichen gesellschaftlichen und kulturellen Bedeutungslosigkeit endet.

      Letztendlich ist die Frauenkirche geglückt, da diese verzagende Angst von vornherein ausgeschlossen war. Denn das Projekt lag bei einer bekannten Bank und wurde erst mit deren Fertigstellung an die Kirche übergeben ...

      Luftpost

      Nachtrag: in Potsdam waren in den 90ein keine Rekonstruktionen möglich, da zunächst die verbliebenen Reste der Barocken Stadt zu retten waren. Der Flächenabriss der 2. Barocken Stadterweiterung hatte Mitte der 80 er begonnen und ganze Straßenzüge wurden gerade niedergelegt, Da galt es noch Stehendes zu retten und nicht bereits Vergangenenes wieder entstehen zu lassen ...
      Brandenburgische Bauordnung
      § 8
      Gestaltung
      (1) Bauliche Anlagen sind nach den anerkannten Regeln der Baukunst durchzubilden und so zu gestalten, dass sie nach Form, Maßstab, Verhältnis der Baumassen und Bauteile zueinander, Werkstoff und Farbe nicht verunstaltet wirken.
      (2) Bauliche Anlagen sind mit ihrer Umgebung derart in Einklang zu bringen, dass sie das Straßen-, Orts- oder Landschaftsbild nicht verunstalten oder deren beabsichtigte Gestaltung nicht stören.

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      Philipp schrieb:

      erbse schrieb:

      Nein, so war das absolut nicht. Die Widerstände des Triumvirats aus westdeutscher Denkmalpflege und Feuilletonisten sowie der Architektenschaft waren enorm. Nur in Dresden mit der Vorarbeit der sächsischen Denkmalpfleger um Hans Nadler und Heinrich Magirius zur DDR-Zeit war die Frauenkirche möglich. Ihre archäologische Rekonstruktion war eine nationale Kraftanstrengung und ein enormes Gemeinschaftswerk. Die Schlösser in Potsdam und Berlin waren damals ganz ferne Ziele. Alles folgte erst in den 2000ern sehr langsam dem großen Erfolg Frauenkirche - selbst wie der Dresdner Neumarkt. Deswegen war der Widerstand aus der westdeutschen "Expertenschaft" auch zunächst so groß. Die wußten um die Symbol- und Folgewirkungen.

      Wo waren die Widerstände enorm? Es gab einfach nicht sehr viele Initiativen.
      Die 90er waren postmodern. Klassisch inspiriertes Bauen war so en vogue wie zuvor seit den 60ern und danach nicht mehr. Es gab Fördermittel in Hülle und Fülle, man konnte fast alles reichhaltig fördern lassen. Zudem herrschte eine Goldgräberstimmung, ganze Städte wurden umgekrempelt. Diese Zeit hätte man auch für mehr Rekos nutzen können. Das wäre die Aufgabe der Lokalpolitik gewesen. Ich weiß, dass z.B. der Wiederaufbau des Demminer Rathauses dank des damaligen Bürgermeisters fast ohne Widerstände über die Bühne ging. Das wäre heute bei weitem nicht so leicht machbar. Allerdings gab es damals auch noch deutlich mehr Altbauten zu retten, das hatte sicher die höhere Dringlichkeit. An manchen Stellen wo Neubauten entstanden wurden jedoch Chancen zur Stadtreperatur verpasst.

      Natürlich wurden Rekoprojekte durch den Leuchtturm Frauenkirche wieder leichter. Wir müssen heute die Gunst der Stunde nutzen. Das Klima ist günstig.


      Moderationshinweis (Riegel):
      Bitte richtig zitieren... oder stammt das Zitat stammt wirklich von Dir?
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      Die Märkische Allgemeine Zeitung (MAZ) hat sich am 18.11.2017 mit der Zukunft des Rechenzentrums beschäftigt. Wie geht es weiter mit den Räumen für Künstler in der Innenstadt? Hat das Rechenzentrum 2018 als Hort der Kreativen ausgedient? Die Künstler wollen bleiben und die Stadt kann sich eine Verlängerung des Mietvertrages vorstellen. Auch die Stiftung Garnisonkirche schließt Gespräche nicht aus, stellt aber eine Bedingung.

      maz-online.de/Lokales/Potsdam/…Verbleib-im-Rechenzentrum
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      Ich meine:Richtigerweise müsste es heißen:"Das RZ als Hort des Wiederstandes gegen die GK und Planungen der Potsdamer Mitte".
      Marcus Hammerschmidt hat zum Thema GK, ganz im Geiste der Wählergruppe "Die Andere "geschrieben.
      Der Artikel liest sich natürlich auch ganz groß auf der Facebookseite von "Potsdam ohne GK"
      Jedenfalls geht der Bau jetzt ersteinmal los,da werden die ständigen Briefe der Martin-Niemöller Stiftung an die Bundesregierung auch nichts verhindern.
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      Banausentum auf vielen Ebenen, einfach mal "Schönes Bauen" im Wiedererrichten gewaltsam zerstörter, geschichtlich und kunstästhetisch bedeutender Bauten unkommentiert zulassen und sich freuen ob der Schönheit geht einfach nicht!!!??? :augenrollen: :augenrollengruen:
      Dieses ganze diskutieren, jammern, aggressiv-sein, im Widerstand-sein, seine asketische-Einstellung-zur-Schau-tragen, etceterapp, trägt alles nur dazu bei das Projekt immer mehr aufzuladen und zu dem zu machen, was Widerstandgruppen aus der linken Szene und ebenso gewisser Kirchenkreise eigentlich verhindern wollen. Geradezu pervers, eben total verdreht.
      Bauen lassen, Schönheit in die Stadt bringen und kein so'n Brimborium drumherum machen, eine tatkräftige, vitale Naivität in diesem Sinne zuzulassen, ist in dieser verkopften Gesellschaft fast unmöglich!
      Als ob sich der Deutschen Schicksal, die Zukunft unserer deutschen Gesellschaft mit dem Wiederaufbau oder Nichtaufbau der Garnisonkirche Potsdam auch nur um ein Quentchen ändern würde oder davon abhängig wäre oder beeinflusst, oder in eine bestimmte Richtung bewegt werden würde. Es ist einfach zum :kopfschuetteln: oder zum :--) (Haare raufen).
      Wünsche allen Beteiligten Vernunft und des alten Fritzens Wahlslogan: Jeder nach seiner Facon, was auch impliziert den Anderen so zu lassen, wie er die Welt gestalten will!
      Mit der Garnisonkirche wird nichts und niemand bedroht, geschädigt oder irgendwie eingeschränkt, es sei denn er will es so und definiert sich dahingehend. Leben und leben lassen. Der kulturelle Mehrwert einer authentischen Garnisonkirche für die Stadt und ihrer Bevölkerung und weit darüberhinaus dürfte eine unzweifelhafte Tatsache sein. Das sollte auf noch breiterer Basis erkannt und anerkannt, wie auch toleriert werden.
      Es wird noch viel Wasser die Havel runter fließen.

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      Der bestehenden Zuwendungsbescheid kann sicher nicht mehr gekippt werden, man kann der Stiftung Garnisonkirche Potsdam (SGP) jedoch das Leben schwer machen und vor allem eine Anschlußförderung ausschliessen. Aber da kann man nur abwarten.

      Insgesamt wird die Stiftung nun mit der Errichtung des Turmes und der Seitenschiffe beginnen. Etwa zu Ostern 2018 wird der Bau sichtbar aus der Erde kommen, so dass ich nach den Sommerferien 2018 mit deutlich sichtbaren Rohbauteilen rechne, die sicher den Spendenfluss nochmals anregen werden. Ab Sommer 2018 kommt man mit dem Bau in die entscheidende Phase, ob in nennenswertem Umfang zusätzlich Spenden möglich sind.

      Was das Rechenzentrum (RZ) betrifft schreibt die Lokalpresse überwiegend Unsinn. Kurz dargestellt verhält es sich wie folgt:

      1. Das Baurecht wird durch den festgesetzten B-Plan Nr. 1 geregelt. Darin ist auch das Kirchenschiff enthalten und das RZ abgerissen. Natürlich kann man B-Pläne ändern, ist dann allerdings schadensersatzpflichtig für die umfangreichen Vorleistungen der Stiftung zur Planung des Schiffes.

      2. RZ und Turm/Seitenflügel überlagern sich nicht. RZ und Kirchenschiff überlagern sich um etwa 1/4 der Fläche des RZ. Da dieses Viertel des Grundstücks, auf dem das Rechenzentrum noch steht, der SGP schon übertragen wurde gibt es einen Nutzungsvertrag zwischen der SGP und der kommunalen Immobilienholding Pro Potsdam (PP). Dieser läuft bis zum 31.8.2018 und verlängert sich - wenn niemand kündigt - jeweils um ein Jahr. Insofern ist der Eindruck, den die Lokalpresse erweckt, hier werde auf fünf Jahre verlängert, falsch. Eine Verlängerung erfolgt nur Jahr um Jahr. Hierbei ist es unerheblich, wielange die PP oder die Stadt insgesamt verlängern wollen.

      3. In dem Nutzungsvertrag ist zudem geregelt, dass - unabhängig von der jährlichen Verlängerung - der Vertrag nach dem 31.8.17 jederzeit unter Wahrung einer angemessenen Frist endet, wenn die SGP das Grundstück für den Bau der GK in Anspruch nehmen will. Theoretisch kann sie die Stiftung auch sagen: die Fläche brauchen wir ab September für die Baustelleneinrichtung. Dann muss die Stadt das RZ abreissen und die Fläche der Stiftung übergeben.

      4. Insofern besteht bei der SGP überhaupt kein Handlungsdruck, wie in den Medien insinuiert. Sie kann in Ruhe den Turm bauen und die Bemühungen der Stadt mittels Workshops im Frühjahr 2018 u. Ä. in spätestens 5 Jahren ein bezugsfertiges Kunst- und Kreativzentrum zu errichten (SVV-Beschluß) beobachten. Dass das der Stadt nicht gelingen wird ist klar - momentan besteht weder Klarheit über den Standort, noch die Trägerschaft, noch die Finanzierung noch die Nutzergruppe. Das wird auch kaum alles in einem halben Jahr zu entscheiden sein - da hat Potsdam für viel einfacherer Fragen deutlich länger benötigt.

      5. Deshalb wird es bei der jetzigen Situation bleiben: die SGP baut, die Kirche wächst und die Nutzer des Rechenzentrums bekommen immer nur sehr kurzfristige weitere Nutzungsperspektiven. Wenn die Baustelle in Aktion ist und bspw. die Bohrpfähle eindreht werden wird es sich für Kalligraphen oder Tontechniker im RZ nur noch schlecht arbeiten lassen. Hinzu kommt, dass die Miete im Rechenzentrum von derzeit 7 Euro warm (€ 1,50 kalt) ab dem 1.1.18 auf 10 Euro warm steigt, da die anfallenden Kosten zu decken sind.

      6. Deshalb setzen sich eine täglich größer werdende Gruppe von professionellen Künstlern vom Rechenzentrum ab und haben eine Initiative für einen Wiederaufbau des Langen Stalls als Kunsthaus gegründet, die hier zu besichtigen ist. Die werden zwar innerhalb des RZ gemobbt, gehen aber den einzig aussichtsreichen Weg.

      7. Trotz alledem ist davon auszugehen, dass die Anderen und Neudenker, die das RZ als Eisbrechen gegen die GK verwenden, beharrlich bleiben. Es wird nur Monat um Monat einsamer werden um die Truppe. Wie beim Berliner Schloß werden die Gegener nie aufgeben, solange das Bauwerk nicht fertig und in Nutzung ist. Allerdings scheint sich die argumentative Hauptstoßrichtung der Gegener wieder zu ändern: die Wählergruppierung "die Anderen" malt schon wieder die bekannten Teufel von einem mit Steuergeldern errichteten Wallfahrtstempel für Neonazis an die Wand. Diese Aussagen über ein Friedens- und Versöhnungszentrum der ev. Kirche Deutschlands ist jedoch so abseitig, dass sie wirklich nur von einer kleinen Minderheit geteilt wird.

      Insofern wird uns die Baustelle nicht nur in technischer Hinsicht noch lange erhalten bleiben.
      „Wer sich der Vergangenheit nicht erinnern kann, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen.“ George Santayana (1863-1952), US-amerikanischer Philosoph spanischer Herkunft

      Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von Konstantindegeer ()

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      Schön und verständlich zusammengefasst, Konstantidegeer! Merci!

      Ich denke, dass, wenn die GK einmal steht, die Hysteriker ebenso eine Ruhe geben und wieder in ihre Löcher zurück kriechen werden, wie das schon beim Berliner oder Potsdamer Stadtschloss war, wo die Stimmung durch die Bank positiv ist. Im Endeffekt blamieren und beschädigen sich die Leute um Tomczak und Konsorten doch nur selbst, aber diese Erkenntnis wird ihnen vermutlich erst nach Fertigstellung der GK bewußt werden, aber für unsere Sache zum Glücke vollkommen egal.
      "Lieber Gott, schütze uns vor Dreck und Schmutz,
      vor Feuer, Krieg und Denkmalschutz!"
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      Ja. Die einzige offene Flanke bleibt die Störung des Bauablaufes aus dem Rechenzentrum und die ggf. damit verbundenen Unterlassung von Spenden. Das kann natürlich auch motivierend sein.
      „Wer sich der Vergangenheit nicht erinnern kann, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen.“ George Santayana (1863-1952), US-amerikanischer Philosoph spanischer Herkunft
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      Tja Konstantin,wenn die Lokalpresse ein Artikel nach dem anderen zum Thema RZ,GK in ihre Zeitungen setzen ,ja dann bleibt natürlich zu wenig Zeit um gründlich zu recherchieren.Und die meisten Leser die zu dieser Thematik eher unbedarft sind haben dann den dementsprechenden Eindruck,bzw Meinung und glauben am Ende das alles.
      Ich habe schon einmal geschrieben,das es ja endlich Zeit wird das einige Kulturlobbyisten sich mal trauen sich von den bornierten Hardlinern um Tomszak und Boede zu distanzieren und sich Gedanken für ihre eigene Zukunft nach der Zeit im RZ zu machen.Dieser Schritt ist von Seiten der Kulturlobbyisten eigentlich schon längst Überfällig.Also kann man jetzt davon ausgehen das sich die"Künstler"im RZ so langsam in zwei Lager teilen.Die einen die es endlich begriffen haben das sie mit Trotz nicht weiterkommen und die anderen dabei bleiben.
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      Es können auch noch mehr Lager werden - das hängt von den Alternativen ab. Bis zum Workshop im Frühjahr werden sicher noch ein paar mehr Gruppierungen irgendwelche Vorschläge machen. Wie gesagt, man sollte sich m.E. erste Gedanken darüber machen:

      a) Wen will ich fördern?
      Im Rechenzentrum sind arrivierte Künstler, kommerzielle Grafikdesigner, Ingenieurbüros (z.B. für Barrierefreiheit), Hochzeitfotografen, bastelgruppen, kommerzielle Galerien mit Lagerräumen, Tonstudios, Grafiker, Zeichner usw. usf. Wenn die Räume nicht mehr 7 sondern 10 Euro Warmmiete/qm kosten wird unatrraktiver. Es wird nicht lange dauern bis kommerzielle "Kreative", die anderswo Marktmieten zahlen, sich beschweren.

      b) Wie will ich fördern?
      Es soll wohl ein professionelles Zentrum für Kreativwirtschaft werden, dass privat errichtet und betrieben wird. Ohne Subventionen kommen da nicht unter 14 Euro Warmmiete heraus. Vielleicht gibt's das Grundstück zum Verkehrswert, mehr darf aber die Stadt auch gar nicht.

      c) Wo will ich fördern?
      Potsdam hat extra mit der Schiffbauergasse ein Areal für Kunst & Kreative errichtet. Da sind Stadttheater, Schunkelhalle, Kunsträume, Messeräume, Gastronomie. Auf dem Areal gibt es diverse Bauflächen, die die Stadt veräußern will. Hier gehört ein solches haus hin - einen bestenden Ort für Kunst und Kultur muss man stärken. Alternativ soll es der Lange Stall oder die ehem. Feuerwache sein. Oder ganz woanders. Und dass, obwohl seit 5 Jahren über einen solchen Standort diskutiert wird...

      Zu diesem Themenkreis hat jeder der politischen Gruppierungen seine Meinung. Bis da Einigung erzielt wird kann das lange dauern.
      „Wer sich der Vergangenheit nicht erinnern kann, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen.“ George Santayana (1863-1952), US-amerikanischer Philosoph spanischer Herkunft