Wiederaufbau der Garnisonkirche

    • Als wenn genau solche bizarren Hybride nicht schon mehrfach errichtet worden wären.

      - Christuskirche Köln
      - Christuskirche Bochum
      - St. Bartholomäus, Wissenroth
      - Matthäuskirche, Hannover
      - St. Valentin, Limbach

      Manche dieser Hybride sind sogar Klassiker der Moderne geworden:

      - Kaiser-Wilhelm-Gedächtsniskirche, Berlin
      „Wer sich der Vergangenheit nicht erinnern kann, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen.“ George Santayana (1863-1952), US-amerikanischer Philosoph spanischer Herkunft
    • Die von Dir gezeigten Beispiele sind aber m.E. nicht ganz vergleichbar mit der Garnisonkirche. Es handelt sich jeweils um historische Kirchen, bei denen der Turm stehenblieb und das Kirchenschiff - ob wegen Kriegszerstörung oder Abriss oder beidem - durch einen modernen Bau ersetzt wurde. Aber mir ist kein Kirchturm bekannt, der aufgrund von Krieg und Abrissbirne komplett von der Bildfläche verschwunden war und dann originalgetreu rekonstruiert, aber mit einem modernen Neubau verbunden wurde. Das wäre ein Novum.

      Es gibt auch Fälle, in denen nur der Kirchturm ohne Schiff erhalten ist, wie z.B. der Turm der Stadtkirche Gießen. Nicht dass ich das irgendwie begrüßen würde, und das Rechenzentrum muss selbstverständlich fallen. Aber wenn ein fieses modernistisches Kirchenschiff die einzige Alternative wäre, dann wäre ein originalgetreuer Kirchturm als Solitär sicher die zweitschlechteste bzw. zweitbeste Lösung - es bliebe immer die Hoffnung auf spätere Zeiten und künftige Generationen. Eine Hoffnung, die in Leipzig mit dem peinlichen Paulinum wohl für immer (und wohl absichtlich) zerstört wurde.
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      Schloßgespenst schrieb:

      Aber mir ist kein Kirchturm bekannt, der aufgrund von Krieg und Abrissbirne komplett von der Bildfläche verschwunden war und dann originalgetreu rekonstruiert, aber mit einem modernen Neubau verbunden wurde. Das wäre ein Novum.
      Ist denn in Deutschland überhaupt schon mal irgendwo eine Kirche aus dem Nichts rekonstruiert worden? Die Frauenkirche zählt nicht, da noch eine Ruine stand und unzählige verwendbare Trümmer vorhanden waren; in Moskau wäre die Erlöserkathedrale zu nennen - aber in Deutschland (obwohl es schon Totalrekonstruktionen mehrerer Schlösser und Palais gibt) ist das ganze Projekt doch bislang einmalig, oder?

      Es gibt auch Fälle, in denen nur der Kirchturm ohne Schiff erhalten ist, wie z.B. der Turm der Stadtkirche Gießen
      Nur am Rande: Hier gibt es sogar auch noch einen Kirchenneubau, aber der wurde laut Wikipedia extra ein Stück weiter errichtet, um - in der Hoffnung auf eine spätere Rekonstruktion - den Platz des historischen Kirchenschiffs freizulassen.
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      Magdeburg, Ulrichskirche. Ist aber gescheitert.
      Man muss dazu sagen, dass man bedeutsame Kirchenruinen idR auch nicht gesprengt hat. Das blieb der DDR vorbehalten. Von der GK nicht mal den Turm übrig zu lassen, war denn auch ein zu arges Stück.

      Was die Hl.Geist-Kirche in Markgröningen betrifft, so hab ich meine Zweifel ob man sich drüber wirklich freuen soll:

      de.wikipedia.org/wiki/Heilig-G…alkomplex_LA_60er_Web.jpg
      ... dass jeder troglodytischen Lebensart, beruht sie nur fest in sich selbst, etwas schlechthin faszinierendes eignet, überhaupt für solche, die einen Ansatz dazu schon besitzen und mitbringen, der dann nur noch einer gewissen Entwicklung bedarf. (HvD)

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von ursus carpaticus ()

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      Gescheiterte rechne ich natürlich auch nicht mit, sonst hätte man auch "Paulinerkirche Leipzig" nennen können - in Potsdam geht es ja nun, wenn auch zunächst nur mit dem Turm und Anbauten, wirklich los. Aber dennoch: Nicht mal eine konkrete (wenn auch gescheiterte) Initiative zur Rekonstruktion einer verschwundenen Kirche gab es außer in Leipzig und Magdeburg bislang irgendwo in Deutschland. Dass es in allen drei Städten ausgerechnet bei einer auf SED-Anordnung gesprengten Kirche solchen (in MD bis auf weiteres und in L endgültig erfolgreichen) Widerstand gibt, bei Schlössern weitaus weniger und bei Palais scheinbar fast gar nicht, macht mich immer wieder fassungslos. Was die DDR-Führung in dieser Hinsicht mit den Gehirnen der Menschen angestellt hat, dass haben Polen und Russen nicht geschafft.
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      sturming schrieb:

      haben sie die Plane mit dem Aufdruck “Eine Kultur des Friedens schaffen“ zerschnitten.
      Man sollte den angebotenen Kompromiss auch zerschneiden und mit einem neuen Plakat verkünden, daß nun die Garnisonkirche als Militärkirche für das Bundeswehrführungskommando in Potsdam aufgebaut wird. Dann würden die selbsternannten Antifaschisten wohl stundenlang Regentänze aufführen..... :biggrin:
      " Dem Wahren, Schönen, Guten "
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      Letztlich sind das alles Zukunfstdiskussionen, niemand weiß, was in 5 oder 10 Jahren ist. Vielleicht kommt gar kein Schiff mehr, vielleicht eine moderne Interpretation, villeeicht eine Rekonstruktion, wer weiß das heute schon.
      Vieles wird davon abhängen, wie man in Potsdam die Reko aufnehmen wird, ob es gelingt, die fehlenden Millionen jetzt schnell einzuwerben, so dass der Turm in seiner Schönheit und Anmut erlebbar wird und man sieht, welche positiven Effekte die Reko für das Stadtbild hat.
      Und dann wird es auch darauf ankommen, wie die Kirche bespielt wird, ob es eine Nutzung nah am Menschen gibt, oder ob es wieder so eine typisch deutsche Kopfgeburt wird, so wie die Paulskirche in Frankfurt, die mit dem Leben der Menschen nichts zu tun hat.
      Es liegt also in der Hand derer, die jetzt etwas aus dem Projekt machen müssen und auch an den Potsdamern, wie sie den Bau annehmen. Und erst dann wird man diskutieren können, wie es weiter geht.

      Fern ab dieser Diskussion verweise ich auf die Webcam. Es wurde schon gesagt, das Banner wurde zerschnitten (ich wundere mich eher, dass es jetzt 2 Wochen oder so hing, dachte, man reißt es schon am ersten Abend weg). Viel wichtiger ist aber, dass die Bohranlagen die Baustelle erreicht haben so dass der Bau jetzt sichtbar startet. Somit kann man diese Woche als faktischen Baustart im Kalender anstreichen. Nachdem sich in Berlin ja nur noch wenig tut, gibt es ab jetzt also eine neue Baustelle, wo man sich über Veränderungen freuen kann :D

      garnisonkirche-potsdam.de/nc/w…m-garnisonkirche-potsdam/
      APH - am Puls der Zeit
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      Wissen.de schrieb:

      .. Vielleicht kommt gar kein Schiff mehr,...


      Ein Schiff wird kommen, und das bringt mir den einen
      Den ich so lieb' wie keinen, und der mich glücklich macht
      Ein Schiff wird kommen und meinen Traum erfüllen
      Und meine Sehnsucht stillen, die Sehnsucht mancher Nacht
      :harfe:
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      Was die DDR-Führung in dieser Hinsicht mit den Gehirnen der Menschen angestellt hat, dass haben Polen und Russen nicht geschafft.
      das hat einen ganz einfachen Grund: PL und RU sind keine protestantischen Länder. Nirgendwo wirkte die atheistische Propaganda so tief wie in der DDR und CSSR.
      Man darf nicht übersehen, dass die Wiederaufbaudiskussion hinsichtlich der GK AUSSCHLIESSLICH ästhetischen-kulturhistorischen Überlegungen geschuldet ist. Geistlich-philosophische Gesichtspunkte sind weitestgehend negativer Natur, dh werden überwiegend zur Ablehnung der Reko herangezogen. das war schon im historisch völlig unproblematisch erscheinenden Magdeburger Fall nicht anders. "Kirche nein danke, wer braucht so was" hat über den Gedanken der Stadtbildreparatur haushoch gesiegt.
      ... dass jeder troglodytischen Lebensart, beruht sie nur fest in sich selbst, etwas schlechthin faszinierendes eignet, überhaupt für solche, die einen Ansatz dazu schon besitzen und mitbringen, der dann nur noch einer gewissen Entwicklung bedarf. (HvD)
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      Es kommt ein Schiff, geladen
      (Es kommt ein Schiff)
      Daniel Sudermann (1626)
      Volksweise (1608)

      Es kommt ein Schiff,
      geladen bis an sein' höchsten Bord,
      trägt Gottes Sohn voll Gnaden,
      des Vaters ewig's Wort.

      Das Schiff geht still im Triebe,
      es trägt ein’ teure Last;
      das Segel ist die Liebe,
      der Heilig’ Geist der Mast.

      Der Anker haft' auf Erden,
      da ist das Schiff am Land.
      Das Wort tut Fleisch uns werden,
      der Sohn ist uns gesandt.

      Zu Bethlehem geboren
      im Stall ein Kindelein,
      gibt sich für uns verloren;
      gelobet muß es sein.

      Und wer dies Kind mit Freuden
      umfangen, küssen will,
      muß vorher mit ihm leiden
      groß’ Pein und Marter viel,

      danach mit ihm auch sterben
      und geistlich aufersteh’n,
      ewig’s Leben zu erben,
      wie an ihm ist gescheh’n.

      Maria, Gottes Mutter,
      gelobet musst du sein.
      Jesus ist unser Bruder,
      das liebe Kindelein.

      Oder doch besser dieses:


      Ein feste Burg ist unser Gott
      Martin Luther (1528)

      Ein feste Burg ist unser Gott,
      ein gute Wehr und Waffen.
      Er hilft uns frei aus aller Not,
      die uns jetzt hat betroffen.
      Der alt böse Feind mit Ernst
      ers jetzt meint;
      groß Macht und viel List
      sein grausam Rüstung ist,
      auf Erd ist nicht seinsgleichen.

      Mit unsrer Macht ist nichts getan,
      wir sind gar bald verloren;
      es streit' für uns der rechte Mann,
      den Gott hat selbst erkoren.
      Fragst du, wer der ist?
      Er heißt Jesus Christ,
      der Herr Zebaoth,
      und ist kein andrer Gott,
      das Feld muß er behalten.

      Und wenn die Welt voll Teufel wär,
      und wollt uns gar verschlingen,
      so fürchten wir und nicht so sehr,
      es soll uns doch gelingen.
      Der Fürst dieser Welt,
      wie saur er sich stellt,
      tut er uns doch nicht;
      das macht, er ist gericht':
      Ein Wörtlein kann ihn fällen.

      Das Wort sie sollen lassen stahn
      und kein' Dank dazu haben;
      er ist bei uns wohl auf dem Plan
      mit seinem Geist und Gaben.
      Nehmen sie den Leib,
      Gut, Ehr, Kind und Weib:
      Laß fahren dahin,
      sie habens kein' Gewinn,
      das Reich muß uns doch bleiben.


      Na ja, vielleicht dann doch lieber das hier:

      Der Wächter auf dem Turme saß
      Volkslied (18. Jh.)
      Volksweise (18. Jh.)

      Der Wächter auf dem Turme saß,
      sein Hörnlein tat er blasen:
      Wer noch bei seinem Schätzlein liegt,
      der steh nun auf und mach sich fort,
      der Tag fängt an zu strahlen,
      zu malen.

      Das Mädchen aus dem Bette sprang,
      den Tag wollt sie anschauen:
      Bleib liegen nur, herztausender Schatz,
      es ist fürwahr noch lang nicht Tag,
      der Wächter hat uns belogen,
      betrogen!
      ...


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      ursus carpaticus schrieb:

      das hat einen ganz einfachen Grund: PL und RU sind keine protestantischen Länder. Nirgendwo wirkte die atheistische Propaganda so tief wie in der DDR und CSSR.
      Die Tschechei ist doch auch nicht protestantisch. In Magdeburg wurde äußerst erfolgreiche Gegenpropaganda betrieben. Von der angeblichen Zupflasterung der letzten Grünfläche (in Magdeburg!) über drohende Unkosten für die Stadt von denen noch gar keine Rede sein konnte und die Stadt an keiner Stelle zu Kostenübernahme verpflichtet werden sollte. So hat man die Bemühungen zum Wiederaufbau mit dem Entscheid abgewürgt, bevor vom Kuratorium überhaupt ein tragfähiges Konzept erstellt werden konnte.
      Aber offenbar wird von den Magdeburgern der sozialistische Zustand ihrer Innenstadt schon als Normalität empfunden. Klagen über die riesigen Verkehrsschneißen gibt es nicht. Ich glaube die meisten Magdeburger wissen auch gar nicht mehr, dass die Gegend nördlich der Ernst-Reuter-Allee auch mal Altstadt war. Traurig, aber so ist es. Gibt ja auch kaum etwas was sie daran erinnern könnte.
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      Na ja, die Tschechei war hussitisch (sozusagen protoprotestantisch) und antikatholisch geprägt und ist in weiterer Folge sehr früh vom Glauben abgefallen, vor allem in den Städten und in Böhmen. So gesehen eine starke Parallelität zum Schicksal des Glaubens in der DDR. In Mähren, vor allem gegen Osten zu, wird es besser. Im Vergleich dazu blieb die katholische Slowakei bis heute christlich.
      In Mähren gibt es immerhin große Kirchenneubauten, wenngleich keine Rekonstruktionen.

      Die größte komm. Sünde war diese:
      google.at/search?q=Auspitz+kir…aeBeYM:&spf=1510856682377


      Hie handelt es sich auch um eine Sprengung eines beschädigten Baues, so gesehen am ehesten um eine Parallele zur GK.
      Der Neubau ist nicht schlecht, aber...

      de.wikipedia.org/wiki/Stadtpfa…_sv_V%C3%A1clava_obr1.jpg

      Lundenburgs Kirche wurde im 2. WK zerstört:

      de.wikipedia.org/wiki/Wenzelskirche_(B%C5%99eclav)

      und ebenfalls neu erbaut.

      Die völlig zerstörte Stadt Hotzenplotz hat mW bis heute keine Kirche.

      Bei der Sprengung der GK war weniger die religiöse Frage als der grundsätzliche Hass der Kommunisten gegen ihre Geschichte und nationale Identität maßgeblich. Dafür gab es in der CSSR interessanter keine Entsprechung, obwohl viele Kunstdenkmäler eigentlich deutscher Provenienz waren.
      ... dass jeder troglodytischen Lebensart, beruht sie nur fest in sich selbst, etwas schlechthin faszinierendes eignet, überhaupt für solche, die einen Ansatz dazu schon besitzen und mitbringen, der dann nur noch einer gewissen Entwicklung bedarf. (HvD)
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      Ich finde es auch schade das in Magdeburg das Projekt Ullrichskirche gescheitert ist .Nicht einmal ein Reko des Kirchenportals ist dort erwünscht.
      Naja bei so einer Stadtregierung rot,rot ist auch keine Unterstützung für ein Kirchenbau zu erwarten und dazu noch mitten im Zentrum einer ehemaligen DDR Bezirksstadt ,das geht ja nun wirklich nicht. nono:)
      In MD wurde 2011 ein Bürgerentscheit natürlich von den linken Kräften der Stadt initiert,zwar mit geringer Beteiligung aber leider Erfolgreich.Auch ein großteil von Stadtverantwortlichen stand dahinter.
      Ich denke gerade in den neuen Bundesländern wo die meisten Bürger auf Grund der Politischen Vergangenheit(DDR)mit Kirche und Glauben nichts am Hut haben,sind heute Kirchenneubauten gerade in Innenstädten nur sehr schwer umsetzbar.
      Der Geist der DDR wirkt noch lange nach.
    • Neu

      aber eben auch ein katholischer.
      ... dass jeder troglodytischen Lebensart, beruht sie nur fest in sich selbst, etwas schlechthin faszinierendes eignet, überhaupt für solche, die einen Ansatz dazu schon besitzen und mitbringen, der dann nur noch einer gewissen Entwicklung bedarf. (HvD)