Wien - Stadtentwicklung und Baugeschehen

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    • Wien - Stadtentwicklung und Baugeschehen

      Laut Plänen will Wien 2040 rund 2 Millionen Einwohner haben. Aber künftig soll auch eine "No-more development area" entstehen, d.h. nach Rothneusiedl und Aspern soll man nicht mehr auf den Ackern bauen. Wienerwald und die übrige Landarealen die ausser die Stadt in die Bundeshauptstadt ist, werden nicht bebaut.

      Ist das eine gute Strategie für die Stadt? Bedeutet das, dass man mehr Hochhäuser (+50 Meter höhe) bauen muss, wegen dieser Einschränkungen? Oder werden die Menschen ins Suburbia (Schwechat, Wiener Neudorf) fliehen, weil nicht mehr in Wien bebaut werden können?

      Schau mal hier an: wien.gv.at/stadtentwicklung/step/zielgebiete/index.htm
    • Auch wenn Wien 2040 2 Millionen Einwohner haben sollte, wird die Stadt nicht unbegrenzt weiterwachsen, sondern die Einwohnerzahlen werden demografiebedingt geringer. Im Moment wird dieser Prozess durch den Zuzug von "Wirtschaftsflüchtlingen" aus anderen Teilen Österreichs, Europas lediglich etwas aufgeschoben. Deswegen ist die Strategie der Stadt sinnvoll. Wozu jetzt Flächen verbauen, versiegeln, die man in 30-40 Jahren nicht mehr braucht?

      Sicher wird es eine dichtere Bebauung innerhalb der Stadt geben, aber diese Struktur macht ja auch den Charme von vielen Altstädten aus. Wenn man statt Einfamilienhaus-Wüsten Blockrandbebauungen, 4-5 Geschosse hoch, baut, würde mir das schon sehr gefallen. Und schöne "moderne" Hochhäuser gibt es ja auch (z.B. von Kollhoff).
    • Ja, Wien hatte 1910 etwa 2,1 Mio. Einwohner, nach dem Zusammenbruch des Habsburgerreiches ist diese Zahl stark zurückgegangen, sie steigt aber seit Jahzehnten wieder kontinuierlich an. Derzeit sind es etwa 1,7 Mio.

      Das öffentliche Verkehrsnetz ist in Wien gut ausgebaut, eine Erweiterung des U-Bahnnetzes ist im Bau und auch der Großraum Wien ist gut erschlossen. Ohne die genaue Situation zu kennen, frage ich mich, was da in Hamburg um soviel besser sein soll. Pendler aus den umliegenden Bezirken und Bundesländern gibt es viele. Ein weiterer Ausbau des hochrangigen öffentlichen Verkehrsnetzes ist deshalb oft nicht sinnvoll, da bedingt durch die Einzelhausverbauung im 'Speckgürtel' die erforderliche Bevölkerungsdichte für eine sinnvolle Auslastung der S-Bahn nicht gegeben wäre.

      Innerstädtisch gäbe es ein Potential an Bauland durch eine Verdichtung des Wohnraumes: Schließen hässlicher Baulücken in geschlossen verbauten Gebieten, Aufstockung 2-3 geschoßiger Häuser auf die Bauhöhe umliegender Gebäude, Umnutzung aufgelassener Gewerbegebiete, Kampf gegen das Spekulantenunwesen.

      Am wichtigesten erscheint mir jedoch eine Reform der Raumplanung und eine Umverteilung der Kompetenzen, weg von den Gemeinden, hin zu den Bezirken oder Bundesländern. Nur so kann es langfristig eine sinnvolle Flächenwidmung geben.
    • Ich halte die Begrenzung der Bauflächen für überlebensnotwendig für die Städte, gerade wegen der sinkenden Bevölkerungsentwicklung. Wird man in Wien auch alte Industrieflächen und Bahngelände für neue Bebauung nutzen ? Das scheint ja derzeit viele Städte zu beschäftigen, totes Gelände wieder zum Leben zu erwecken. Sehr gut, daß Wien diesen Weg mitgeht ! :)
    • Servus Schlapfen! Dass es Dich noch gibt?!

      Ja, Wien nimmt kontinuierlich wieder an Einwohnern zu! Kleines Detail am Rande: Am meisten Neubürger kommen momentan aus Südpolen (ehemals Galizien) zu uns. An zweiter Stelle befinden sich bereits Deutsche…

      In Wien wird bereits Raum für den neuen Zentralbahnhof namens „Wien – Europa – Mitte“ geschaffen. Rundherum entsteht bis 2019 ein komplett neuer Bezirk! Leider sind auch wieder ein paar Hochhäuser geplant, die man hoffentlich nicht vom Belvedere aus sieht?!
      "Lieber Gott, schütze uns vor Dreck und Schmutz,
      vor Feuer, Krieg und Denkmalschutz!"
    • "Oliver" schrieb:

      Ich halte die Begrenzung der Bauflächen für überlebensnotwendig für die Städte, gerade wegen der sinkenden Bevölkerungsentwicklung. Wird man in Wien auch alte Industrieflächen und Bahngelände für neue Bebauung nutzen ? Das scheint ja derzeit viele Städte zu beschäftigen, totes Gelände wieder zum Leben zu erwecken. Sehr gut, daß Wien diesen Weg mitgeht ! :)


      Stimmt, dass alte Industriegelände (Gasometer, Vorgartenstrasse und gerade Nordwestbahnhof zum Beispielen) mit Wohnungen bebaut werden soll. Vielleicht kann man so Platz für noch eine Million Einwohner schaffen. Aber auch wenn die Industrie nach Schwechat und Wiener Neustadt umsiedelen werden, wie soll man denn in der Zukunft machen wenn die Bevölkerung wächst aber keine Baugelände/nur wenig zur Verfügung steht? Wien wird sicherlich auch in Zukunft attraktiv sein, die Stadt ist ja nicht mit Klima-Untergang bedroht wie den Mittelmeerstädten. Seit dem Fall eiserner Vorhang wächst Wien wieder sehr schnell. Man darf in Wien auch nicht so viele Hochhäuser bauen, nur rund 20% der Stadt kann mit Wolkenkratzer gebaut werden wegen der UNESCO-Welterbe.
    • "Grotlaufen" schrieb:

      .... Aber auch wenn die Industrie nach Schwechat und Wiener Neustadt umsiedelen werden, wie soll man denn in der Zukunft machen wenn die Bevölkerung wächst aber keine Baugelände/nur wenig zur Verfügung steht? ....


      Hallo Grotlaufen,
      es ist ja so, daß Eisenbahn und Industrie besonders großen Flächenverbrauch hatten, die die Dienstleistungsgesellschaft so überhaupt nicht benötigt. Es werden aller voraussicht nach keine neue Eisenbahn- und Industrieanlagen mehr benötigt, daher denke ich, daß genug Flächen für Wohnungen und Dienstleistungen vorhanden sind.
    • Erstmal ein herzliches Servus an alle hier. Ich bin vor kurzem auf dieses Forum gestoßen und war gleich begeistert, hier dieselben Meinungen und Anschauungen vertreten zu sehen, wie ich sie auch habe.

      Freut mich natürlich besonders, daß hier auch meine Heimatstadt Wien vertreten ist. Die Situation hierzulande ist was Denkmalschutz und Stadtbildpflege betrifft, nicht gerade rosig; der konservative Ruf Wiens, eine altmodische Stadt zu sein, geht daneben. Wie vermutlich überall dominieren Investoren über Politik, und gerade die rote, absolut regierende Stadtregierung bemüht sich eifrigst, alle Investorenwünsche zu erfüllen. Daß dabei der Denkmalschutz auf der Strecke bleibt, ist klar. Das oben erwähnte Buch von Reinhard Seiss beschreibt die Situation vorzüglich, da liegt viel im Argen!

      Da gibt es zwar eine Magistratsabteilung für Stadtplanung, aber außer theoretischen KOnzepten (Zielgebiete) scheint sie nicht viel zu bewirken. Ergebnis sind Fehlplanungen wie der Hochhaus"cluster" am Wienerberg, oder megalomanische Projekte wie der Stadtteil Aspern. Was am Stadtrand passiert, etwa im 22. Bezirk, scheint mir ein Wildwuchs aus Gewerbeparks, neuen Wohnsiedlungen und immer mehr und breiteren Straßen. Grünflächenplanung scheint es nur am Papier zu geben, die alten Ortskerne genießen nur unzureichenden Schutz, erhaltenswerte Bausubstanz wird nach und nach abgerissen, u.a. auch wertvolle Fabriksensembles aus dem 19. Jahrhundert. Niemand scheint Ihnen nachzutrauern.

      Hochhäuser boomen weiterhin, gerade auch in unmittelbarer Nähe des Weltkulturerbes 1. Bezirk, z.B. am Donaukanal oder wie geplant am neuen Zentralbahnhof in der Nähe des Schlosses Belvedere. Architektonisch sind sie bestenfalls Durchschnitt, obwohl sie natürlich als visionäre Meisterwerke verkauft werden.

      @Schlapfen: Innerstädtische Verdichtung scheint mir kaum noch möglich, innerhalb des Gürtels ist die Bebauung bereits so dicht, daß verbleibende Brachen eher als Grünflächen genutzt werden sollten.

      Unter den gegebenen Umständen - wachsende Bevölkerung, hoher Bebauungs- und Verwertungsdruck - und einer Stadtregierung, der eine anspruchsvolle, geregelte Stadtplanung im Dienste der Bevölkerung offenbar kein wirkliches Anliegen ist, steht zu befürchten, daß sich die Dinge in Wien eher weiter verschlechtern.
      ... und wenn jetzt nicht ganz allgemeine und durchgreifende Maßnahmen angewandt werden, so werden wir in kurzer Zeit unheimlich nackt und kahl wie eine Kolonie in einem früher nicht bewohnten Lande dastehen... (Schinkel 1815)
    • Wiederbestuckung eines Gründerzeithauses:

      Als ich vor einigen Tagen durch den 9. Bezirk ging, glaubte ich meinen Augen nicht zu trauen! Das rechte Haus, das jahrelang leer Stand wird zur Zeit saniert und erhält seine alte Fassade zurück.

      Der Bauleiter stand zufällig vor dem Haus und somit kam ich schnell mit ihm ins Gespräch: Die Wiederbestuckung hat nur 12000 Euro gekostet. Im Verhältnis zu den Gesamtsanierungskosten ein Klacks!


      "Lieber Gott, schütze uns vor Dreck und Schmutz,
      vor Feuer, Krieg und Denkmalschutz!"
    • "Exilwiener" schrieb:



      Der Bauleiter stand zufällig vor dem Haus und somit kam ich schnell mit ihm ins Gespräch: Die Wiederbestuckung hat nur 12000 Euro gekostet. Im Verhältnis zu den Gesamtsanierungskosten ein Klacks!


      Ja. So sind die Verhältnisse. Eine glatte Putzfassade ist das billigste, was es gibt. Ein bisschen Stuck kostet ein wenig mehr, aber kein Vermögen. Moderne glatte Natursteinfassaden (Vorhangfassade) und Matellfassaden gibt es entgegen der landläufigen Meinung keinesfalls umsonst. Die sind prinzipiell schon mal teurer. Ich finde, am Besten kann man bei der Haustechnik sparen. Die Frist immer einen Riesenanteil für Dinge, die man durchaus auch reduzieren kann (vor allem bei öffentlichen Bauten und derggleichen)
    • "Trips" schrieb:

      "Leipziger" schrieb:

      Ich finde, am Besten kann man bei der Haustechnik sparen. Die Frist immer einen Riesenanteil für Dinge, die man durchaus auch reduzieren kann (vor allem bei öffentlichen Bauten und derggleichen)


      Gerade da sollte man nicht sparen, denn sowas verursacht laufende Kosten und ist nur unter grossem Aufwand nachzurüsten.


      Offtopic:

      Du musst Haustechniker sein :D
      Ich meine natürlich nicht die minimalen Anforderungen. Heizung, Sanitär muss sein und da sollte man auch nicht sparen. Die neue Technik ist hier natürlich irgendwelchen alten Dingen vorzuziehen.
      Es geht z.B. um Lüftung: Wieso kann man in Bürogebäuden usw. nicht einfach das Fenster auf machen? Die Raumtiefen dürfen natürlich nicht zu groß sein.
      Aufzüge: Konkreter Fall, den ich selbst kenne: Warum haben benötigt eine Universität in einem ca. 100m langen, 20 tiefen und 5 Etagen hohen Gebäude gleich 4 Aufzüge? 2 von 1998 wurden jetzt rausgerissen, damit 4 neue kommen können. Alleine die bauliche Vergrößerung des Schachtes ist ein riesiger Aufwand im Bestandsgebäude. Die armen Studenten sind ja so gebrechlich, dass die nicht die Treppe nutzen können, wenn die Aufzüge zu Stoßzeiten überlastet sein sollten. 8)
    • "Leipziger" schrieb:

      Es geht z.B. um Lüftung: Wieso kann man in Bürogebäuden usw. nicht einfach das Fenster auf machen? Die Raumtiefen dürfen natürlich nicht zu groß sein.

      Weil die meisten Menschen nicht lüften können. :zwinkern:
      Da wird dann dauergelüftet oder gar nicht oder wenn gerade voll geheizt wird und wenn das ganze im Sommer auch noch klimatisiert wird geht die Sache vollends gegen den Baum.
      Eine automatische Lüftung spart in öffentlichen Gebäuden in der Praxis häufig mehr als eine Heizung oder eine aufwendiger Wärmedämmung, dabei sind Sachen wie Wärmetauscher oder ähnliches noch gar nicht mitgerechnet.

      "Leipziger" schrieb:


      Aufzüge: Konkreter Fall, den ich selbst kenne: Warum haben benötigt eine Universität in einem ca. 100m langen, 20 tiefen und 5 Etagen hohen Gebäude gleich 4 Aufzüge? 2 von 1998 wurden jetzt rausgerissen, damit 4 neue kommen können. Alleine die bauliche Vergrößerung des Schachtes ist ein riesiger Aufwand im Bestandsgebäude. Die armen Studenten sind ja so gebrechlich, dass die nicht die Treppe nutzen können, wenn die Aufzüge zu Stoßzeiten überlastet sein sollten. 8)


      Inwiefern das nun nötig oder vorgeschrieben ist will ich nicht beurteilen, aber wir sind uns doch einig dass es deutlich billiger gekommen wäre wenn man schon 1998 die 4 Fahrstühle eingebaut hätte, oder?
      Dass Fahrstühle von 1998 verschlissen oder veraltet sind kann ich mir jedenfalls nicht vorstellen, dazu rumpel ich zu oft mit deutlich älteren Modellen durch die Etagen.
    • Eigentlich ist es schade, dass es in Wien keinen Verein zur Förderung der Wiederbestuckung gibt! Dann würde sicherlich das eine oder andere, entstuckte Gründerzeithaus wieder seinen Glanz zurückerhalten.

      Wer weiß, wenn ich einmal reich bin und Zeit habe, dann...
      "Lieber Gott, schütze uns vor Dreck und Schmutz,
      vor Feuer, Krieg und Denkmalschutz!"
    • Danke für die Adresse; dann werd ich mir das Schuckstück bei Gelegenheit mal anschauen - auch wenn die Bestuckung natürlich nicht exakt dem historischen Vorbild folgt, begrüßenswert und förderungswürdig... aber ich schätze, daß so etwas heute nur mehr als Privatinitiative möglich ist...
      ... und wenn jetzt nicht ganz allgemeine und durchgreifende Maßnahmen angewandt werden, so werden wir in kurzer Zeit unheimlich nackt und kahl wie eine Kolonie in einem früher nicht bewohnten Lande dastehen... (Schinkel 1815)