Allgemeines zum Thema Fachwerk

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    • Um den meines Erachtens sehr wichtigen Strang zu beleben und die angerissene Thematik aufzugreifen, will ich hier eine kleine Geschichte über die Entwicklung des niedersächsischen Fachwerkstils darstellen, der in diesen Forum zu wenig Aufmerksamkeit besitzt.

      Der Niedersächsische Fachwerkbau zeichnet sich stärker als andere Fachwerkstile in Deutschland durch plastische Gestaltung von Schwellen, Ständern, Knaggen, Balkenköpfen und Gefachzonen vor allem in der Zeit von etwa 1470 bis 1650 aus und ist daher nicht nur auf Betonung der Konstruktivität beschrenkt.
      Die bedeutendsten Konstruktionen und den reichhaltigsten Schmuck lassen sich in dem Raum ausfindig machen, der von den bedeutendsten Fachwerkstädten Braunschweig, Hildesheim, Goslar und Quedlinburg/Halberstadt eingeschlossen wird. Weiterhin sind bedeutende Regionen/Städte das südwestliche Harzvorland, Celle und Hannover.

      Nach den Zerstörungen von Braunschweig, Hildesheim, Hannover und Halberstadt, in denen Restbestände nur noch bedingt eine Entwicklungsgeschichte zulassen (BS noch am ehesten), führen Goslar und Quedlinburg die Liste der bedeutendsten Städte auf jeden Fall an mit jeweils über 1000 Fachwerkhäusern und durchgehend hoher baulicher Qualität.

      Ich habe meine Entwicklungsgeschichte in 6 Phasen vom 14.-20. Jahrhundert unterteilt. Alle Abbildungen stammen von mir, außer das erste Bild aus der Wikipedia.



      1. Mittelalterliche Konstruktionen (ca.. 1300-1460)


      Das älteste in seinem Bestand und Erscheinungsbild weitgehend überkomme Fachwerkhaus in Norddeutschland ist der Ständerbau in der Quedlinburger Wordgasse 3 (Abb.1). Beide Etagen werden durch durchgehende Ständer gebildet, die unten von der Schwelle und oben vom Rähm abgeschlossen werden. In diese Ständer sind die Deckenbalken eingezapft (links sichtbar). Das Haus wird durch Riegel ausgesteift (rechts). Das Dach ist mit Nonnenziegeln gedeckt, der ortstypischen Deckung in Quedlinburg, die jedoch nur noch selten erhalten ist. Der Ständerbau ist dendrochronologisch auf 1310 datiert.


      Abb. 1

      Eine weitere frühe Konstruktion ist das Haus Neustädter Kirchhof 7 (Abb.2) ebenfalls in Quedlinburg. Es weist jedoch bereits die Stockwerkskonstruktion auf, jedes "Stockwerk" ist einzeln abgezimmert.
      Der Unterstock weist ein Zwischengeschoss auf, das ähnlich wie beim Ständerbau, in die Ständer eingezapft ist (nicht sichtbar). Das Portal hat spitzbogige=gotische Form. Profilierte Knaggen (Bügen) stützen den weit vorkragenden Oberstock ab. Der Bau wird durch aufgeblattete Streben zu den Eckständern ausgesteift, ebenfalls ein Merkmal für hohes Alter.
      Der Bau ist dendrochronologisch auf 1423 datiert.


      Abb. 2


      2. Spätgotische Konstruktion und Gestaltung (ca. 1460-1530/40)


      Fachwerkhäuser, die dieser Epoche zuzuordnen sind, finden sich weitaus häufiger. Ganze geschlossene Straßenzüge waren/sind in Braunschweig erhalten.

      Üblich ist ab der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts die Stockwerkskonstruktion (s.o.). Die erhaltenen Häuser, erstrecken sich oft über mehrere Stockwerke und weisen weite Vorkragungen auf. Die abstützenden Knaggen sind oft reich und stark profiliert im spätgotischen Stabprofilquerschnitt. In Hildesheim und Braunschweig fanden sich oft figurale Holzschnitzskulpturen, die jetzt sehr selten sind.
      Vor allem die Schnitzerei an den Oberstockschwellen lässt verschiedene Typen erkennen, die in der Konstruktion jedoch ähnlich strukturiert sind.

      Das folgende Bild zeigt die Knochenhauerstraße in Braunschweig (Abb.3). Die drei Häuser wurden wahrscheinlich sämtlich im 15. Jahrhundert errichtet, da sie alle den Treppenfries aufweisen, der ab 1500/10 kaum mehr vorkommt. Die Knaggen weisen sämtlich die besprochene Profilierung auf. Der "Ritter St. Georg" rechts im Bild ist eines der wenigen erhaltenen Beispiele mit Figurenknaggen.
      Das mittlere Haus wurde später sicher aufgestockt, das linke Zwerchhaus ist ebenfalls "neu".


      Abb. 3


      Ein weiteres gutes Beispiel ist das um 1480 errichtetes Haus in An der Gose 31 in Goslar (Abb. 4). Neben dem Treppenfries und den profilierten Knaggen und Balkenköpfen weist es die für die Zeit charakteristischen Fußbänder seitlich der Ständer in Oberstock auf. Die Hölzer haben im Vergleich zu späteren Epochen einen starken Querschnitt. Das steile Dachwerk ist ebenfalls Zeugnis einer frühen Entstehung.


      Abb. 4


      Das nächste Haus aus der Goslarer Marktstraße (Abb. 5) ist ein besonders stattliches Gebäude der Zeit um 1500/1530. Ein ähnlich stattliches Haus der Zeit findet in Stolberg/Harz.
      Neben den in den anderen Beispielen bereits erwähnten Charakteristiken zeigt dieses Haus an den Oberstockschwellen den Trapezfries, dessen Bezeichnung sich im direkten Draufblick erklärt.
      Das Portal ist spitzbogig und wird von einem geschnitzten Vorhangbogen umzogen. Der ganze Bereich zeigt zeittypische figürliche und florale Dekorationen.


      Abb. 5


      Das nächste Haus aus der Goslarer Worthstraße (Abb. 6) zeigt neben bereits bekanntem (s.o.) an der Oberstockschwelle des Bügelfries, eine Abart des Trapezfrieses. Der Name ergibt sich aus den nach unten zeigenden Dreiecken (zwei pro Gebinde). Ebenfalls gut einsehbar ist der Bereich zwischen Oberstockschwelle, Balken und dem Rähm des Unterstockes, der durch bemalte Windbretter geschlossen wird. Spätere Zeiten werden andere Lösungen finden für die Schließung dieser Zone (s.u.). Das Haus wird kurz nach 1500 entstanden sein.


      Abb. 6


      Beispiele der spätgotischen Epoche haben sich am besten in Goslar erhalten, der Treppenfries im speziellen findet sich noch heute an sicherlich 15-20 (!) erhaltenen Gebäuden in Braunschweig, was sehr bemerkenswert ist.


      Die Übergangsphase zur Renaissance lässt sich gut am Beispiel des Huneborstelschen Hauses (1524, Abb. 7) am Braunschweiger Burgplatz erläutern (ebenso am "Brusttuch" in Goslar, beide von Simon Stappen).
      Das Haus zeigt noch weitgehend spätgotisch tradierte Elemente wie große Figurenknaggen, Windbretter, Vorhangbogenfenster und eine kielbogenförmige rotgefasste Linienführung im Schwellbereich des 2. Oberstockes. Der Laubstab an der Dachschwelle ist typisch für die Übergangszeit.
      Auf die nächste Epoche deutet bereits die flächige Verzierung im Schwellbereich hin, die über Ständer, Schwellen und Fußwinkelhölzer hinweggeht.
      Schön zeigt sich an der Fassade dieses Hauses der typische Aufbau von Fachwerkhäusern des 15.-17. Jahrhunderts in Norddeutschland:
      Hinter der hohen Durchfahrt erstreckt sich ursprünglich die Däle, der Hauptraum und Mittelpunkt des Hauses (rechts), daneben befinden sich die Wohn- und Schlafräume in zwei Halbstöcken. Darüber befinden sich Lagerräume in beiden Oberstöcken und im Dach. Ab dem 18. Jahrhundert wurden die Oberstöcke zunehmend auch zur Wohnnutzung ausgebaut.


      Abb. 7


      3. Die Renaissance - Höhepunkt und Wendepunkt des Niedersächsischen Fachwerkbaus (ca. 1530-1630)


      Gebäude des 16. Jahrhunderts und speziell die Fächerrosette gelten als Inbegriff des Niedersächsischen Fachwerks und lassen sich in nahezu allen größeren und kleineren Städten noch reichlich finden. Von den kleinsten Städten sei hier Osterwieck (3800 EW) als erstes zu erwähnen, von den größeren vor allem Einbeck und Goslar.


      Die Fächerrosette ist erstmals 1530 nachgewiesen an einem Haus in Osterwieck (Lkr. Harz) als ein unten offener Kreisausschnitt, der sich über den Bereich der Ständer und der Fußwinkenhölzer erstreckt. Ein Beispiel dieser Art findet sich in Goslar am Marktkirchhof (Abb. acht). Hier zeigen sich noch die spätgotischen Windbretter und großen Knaggen.




      Windbretter und große Knaggen sind beim nächsten Beispiel nicht mehr notendig, da die Vorkragung abnimmt. Word 3 (1560) in Quedlinburg (Abb. 9) zeigt im betreffenden Bereich im Schatten der Vorkragung unterhalb der Schwelle zwischen den aus dem Körper des Hauses herausstoßenden Balken Füllhölzer, die die Aufgabe der Windbretter übernehmen. Diese sind als Schiffskehle geschnitzt. Mit der selben Form ist die Schwelle bearbeitet. Sie ist ebenfalls ein typisches Gestaltungselement der Renaissance.
      Knaggen werden wegen der geringeren Vorkragung zu kleinen Konsolen, sie werden oft ähnlich dem Balkenkopf geschnitzt (falscher Balkenkopf)


      Abb. 9


      Das Haus Marktkirchhof/Ecke Gemeindehof (Abb. 10) in Goslar zeigt bereits eine weiterentwickelte Form der Fassadengestaltung. Hier befinden sich die Fächerrosetten nicht mehr auf Fußwinkelhölzern, sondern auf Brüstungshölzern, die den ganzen Bereich zwischen Ständern, Schwelle und Brustriegel einnehmen. In den Zwickeln dieser Hölzer befinden sich außerdem kleine Sterne.
      Die Schwelle ist hier belegt mit einem Spruchband, das vor allem im 16. und 17. Jahrhundert häufig anzutreffen ist. Sie nennt meist Bibelsprüche, sowie den Namen des Bauherrn und eine Datierung. Dieses Haus ist so 1572 datiert.
      Die Füllhölzer sind mit Schiffskehlen beschnitzt, die hier sogenannte Taustäbe aufnehmen. Die Knaggen sind als kleine dreieckige Hölzer ausgebildet.


      Abb.10


      Abb. 11 zeigt ebenfalls in Goslar die Straßenecke Bergstraße/Schreiberstraße. Über dem Portal des zentralen Hauses (1573) befindet sich eine ganz runde Rosette. Es zeigt außerdem den typischen eingeknickten 'Goslarer Giebel' mit der ortstypischen Schieferdeckung.
      Das Haus links zeigt ein doppeltes Kreuzband.


      Abb. 11


      Das Herzöglich Braunschweigische Hoflager am Marktplatz in Helmstedt (1567, Abb. 12) ist ein sehr stattlicher und reichgeschmückter Fachwerkbau mit Wappen und Allegorien der Tugenden. Er ist repräsentativ für die Vielfalt und Aussagekraft des Niedersächsischen Fachwerkbaus im für ihn so bedeutenden 16. Jahrhundert.




      Zwei Fachwerkhäuser in der Bäckerstraße in Goslar repräsentieren den Abschwung des Höhepunktes der Entwicklung. Nr. 2 (1606, Abb. 13, links) zeigt im 2. Oberstock zwei kleisrunde Rosetten pro Gebinde, Nr. 3 (1592, Abb. 13, rechts) zeigt den Arkadenfries, der gegen Ende des Jahrhunderts häufiger vorkommt und dem Massivbau entlehnt ist. Ähnlich ist auch das Beschlagwerk ein auch im Fachwerkbau verwendetes Element (Bäckerstraße, 1587, Abb. 14)


      Abb. 13


      Abb. 14


      4. Das 17. Jahrhundert.

      Während andere Städte sich auch nach Ende des 30jährigen Krieges nur langsam erholen, erlebt Quedlinburg in der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts eine nie vorher und nachher dagewesene Bauwelle und erwirbt vor allem in diesem Zeitraum sein noch heute so markantes Profil.
      Anhand von zwei Beispielen soll dargelegt werden, durch welche Eigenheiten sich die Zeit von etwa 1640-1700 auszeichnet.

      Word 1/2 (1675, Abb. 15) ist ein dreistöckiges, breitgelagertes Fachwerkhaus, es zeigt im ersten Oberstock Rautenkreuze; die Balkenköpfe sind als Pyramide oder Diamant gestaltet, was nur sehr regional üblich ist, die Schiffskehle bleibt bei.


      Abb. 15

      Steinweg 68 (1573, Abb. 16) ist ein stattliches Eckhaus mit Erker, Pyramidenbalkenköpfen und zwei Halbe-Mann-Figuren im zweiten Stock.
      Somit zeigt es ebenfalls die typischen Elemente der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts und steht repräsentativ für mehrere hundert Gebäude der Epoche in Quedlinburg, wenn jene auch überwiegend weniger aufwendig sind.

      Statt der vorher üblichen Lehmstaken werden die Gefache nun mit Backsteinen in Zierformen ausgefacht.


      Abb. 16



      5. Barock (1690-1800/20)


      Im Mittelpunkt der Entwicklung zu barocken Idealen steht das weitere Herabsetzten der Vorkragung, eine rythmische Fassadengeliederung (keine strenge Ständerreihung wie seit seit jeher) oder Verputz und das Verdecken der Schwellzonen u.a. mit Profilbohlen.


      Der Handelshof Blasiistraße 11 (um 1710, Abb. 17) zeigt das Aufgeben der strengen Ständergliederung, außerden sind Schwellen, Balkenköpfe und Füllhölzer einheitlich profiliert und leiten so 'glatt' ins nächste Stockwerk über. Das kleine Haus Nr. 12 rechts daneben (ca. 1760), zeigt zudem ein Mandarddach und eine Profilbohle über der Schwellzone.


      Abb.17


      Zwei schlichte Häuser am Schlossberg (Abb. achtzehn) zeigen zudem die schlichte Gestalutung der Zeit, die Fassaden lagen in der Regel bereits bauzeitlich unter Putz.


      Abb. 18


      In anderen Städten ist die Fassadengestaltung reichhaltiger und mitunter auch als Sichtfachwerk ausgelegt, so die Breite Straße in Goslar, die nach zwei Bränden Anfang des 18. Jahrhundert vollkommen und homogen wiederaufgebaut wurden.
      Abb. 19 zeigt rechts eine typisch goslarsche Barockfassade mit Buckelstreben, und von buckelförmigen Hölzern eingefasste Felder, ebenso Halbe-Mann-Figuren an den Bundständern.
      Die Portaldurchfahrt zeigt eine Rahmung im Form von Ohrenfaschen, die von zeitgenössischen Steinportalen und Fenstergewänden bekannt sind.


      Abb. 19

      Eine seltenes Extrem des Strebens nach Massivbau-Vortäuschung zeigt ein Haus am Braunschweiger Ziegenmarkt (Abb. 20), Fachwerkkonstruktion mit vollständig verkleideter und mit Holzelementen ausgestalteter Fassade ganz im Sinne des Barock.


      Abb. 20


      Zwei Häuser aus der Zeit um 1800 zeigen das vollkommene Ende der Vorkragung, auch Profilbohlen werden nun nicht mehr verwendet. Zum einen ist das ein stattliches, aber in seiner Ausgewogenheit arg entstelltes Haus in der Helmstedter Kirchstraße (Abb. 21), zum anderen das alte Rathaus des Fleckens Vorsfelde (heute Stadtteil von Wolfsburg, Abb. 22).
      Bei den Beispielen zeigt sich deutlich, dass der Kompaktkeit und Homogenität des Ganzen Vorang vor aller Fassadengestaltung eingeräumt wird.


      Abb. 21


      Abb. 22


      In der Pfarrhofstraße in Hornburg (Lkr. Wolfenbüttel, Abb. 23) steht eines der letzten Gebäude mit vollständig erhaltenem Quaderputz vom Anfang des 19. Jahrhunderts. Verhüllt wird ein (wohl reichgestaltetes) Fachwerkhaus der 16. Jahrhunderts.


      Abb. 23



      6. Um 1900 - Historismus

      In der dargelegten Entwicklung mit immer einfacher werdenden Gestaltung und Aufbau erscheint es mehr als logisch, dass eine sinnvolle Fortführung der jahrhunderte langen Tradition des Fachwerkbaus nicht möglich sein wird. Die 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts lässt ein letztes mal in der Entwicklung zu Stahlträgern ähnelden Hölzern (Braunschweig, Schuhstraße, Abb. 24;) eine neuartige Erscheinung zu, verfällt dann aber zunehmend dem zeittypischen Historismus (Goslar, Marktplatz, Abb. 25), der versucht, die vergangenen Jahrhunderte (v.a. das 16.) zu rezipieren und zu idealisieren.


      Abb. 24


      Abb. 25
    • Wieder ein sehr spannender Beitrag von dir. Vielen Dank für die Mühen. Ich hatte vor einiger Zeit bei einem Freund ein Fachwerkbuch zur Hand, in dem das Fachwerk im 19. Jh bzw. im Historismus recht positiv wegkam. Soweit ich mich noch erinnere, stand darin geschrieben, dass man erst im 19. Jh damit begann, die einzelnen Stilepochen wissenschaftlich zu untersuchen, und dass der "Stilmix" der Gebäude im 19. Jh weder aus reiner Ideenlosigkeit noch aus mangelndem Respekt geschah, sondern das gewonnene Wissen unter höchsten Ansprüchen in Sachen Baukonstruktion in die Tat umgesetzt wurde. Dafür kam das 20. Jh umso schlechter weg, so auch die Römerberg-Reko in Frankfurt. Leider kann ich mich nicht mehr an den Namen des Buches erinnern.
    • Re: Versuch einiger Antworten

      "Brandmauer" schrieb:

      (...) Es gilt diese weiter zu verfeinern, aber bei mehr Bildern befuerchte ich auch Probleme mit dem Urheberrecht. (Ich habe schon oft genug Bilder im Forum eingestellt ohne mich da sicher zu sein) (...)


      Ich würde mal sagen, daß das Zitatrecht die meiste Angst nehmen sollte, wenn man sich im Text inhaltlich mit den Bildern auseinandersetzt. Aber ich will das hier nicht vertiefen.

      Ich meine, man könnte sich die Fachwerk-Familie ganz gut mit einer Art Stammbaum veranschaulichen (wobei es schon einige unübersichtliche Quertreiber dabei sein werden...).
      http://www.baukunst-nuernberg.de/ - Architektur in Nürnberg vom Mittelalter bis zur Gegenwart
      Nürnberger Bauernhausfreunde e. V.
    • @Alexander: Vielen Dank für diesen profunden Beitrag, mit hervorragend ausgewählten Beispielen! Besonders gefreut hat mich, dass Du deine Chronologie bis zum 20. Jahrhundert geführt hast. In den meisten Büchern hört die Erforschung der Fachwerkgeschichte um 1800 auf, weil dann die historischen Sichtfachwerke verschwanden. Es wird lediglich darauf hingewiesen, dass in der Folge nur noch konstruktives, und damit schmuckloses Fachwerk erstellt wurde, und mit dem Historismus der Sichtfachwerkbau wieder ein kurzes Aufblühen erfuhr. Mir ist noch kein Werk bekannt, welches sich intensiv mit dem Fachwerkbau des Historismus auseinander setzt, obwohl es da auch viele Fragestellungen gäbe. Beispielsweise interessiert mich, weshalb sich besonders der niedersächsische Fachwerkstil gegenüber den anderen im Historismus durchgesetzt hat, und zwar im ganzen deutschen Sprachraum, also auch in Süddeutschland und der Schweiz! Mir ist kein einziges Historismus-Beispiel aus meiner Umgebung bekannt, welches auf der alemannischen Fachwerktradition beruht.
    • "Riegel" schrieb:

      Beispielsweise interessiert mich, weshalb sich besonders der niedersächsische Fachwerkstil gegenüber den anderen im Historismus durchgesetzt hat, und zwar im ganzen deutschen Sprachraum, also auch in Süddeutschland und der Schweiz! Mir ist kein einziges Historismus-Beispiel aus meiner Umgebung bekannt, welches auf der alemannischen Fachwerktradition beruht.


      Es gibt tatsächlich Historismus-Fachwerk im Niedersächsischen Fachwerkstil in der Schweiz? Wenn du davon Bilder zur Hand hast, würde ich mir davon gerne mal einen Eindruck verschaffen.

      Die Erklärung liegt wohl darin begründet, dass man vor allem die Schmuckformen verehrt und erforscht hat und weniger die Konstruktion, wie mein letztes Foto belegt (Abb. 25). Hier ergeben sich viele konstruktive Ungereimtheiten zum Vorbild des späten 16. Jahrhunderts, wenn es sich überhaupt um tragendes Fachwerk handelt.
      Weil es in vielen anderen deutschsprachigen Regionen kaum plastische Schmuckausbildung gibt (so im Alemannischen), hat man so auf das Niedersächsische zurückgegriffen.
    • Alexander, vielen Dank fuer den ausfuehrlichen und akribisch erforschten Beitrag zum niederdeutschen Fachwerk im Harz und im Harzvorland. Ich finde diese die schoenste Fachwerklandschaft Europas; leider ist er im 2. Weltkrieg sehr gebeutelt und enthauptet worden, und um den wichtigsten Teilen von Braunschweig, Hildesheim, Halberstadt, Nordhausen und Hannover gebracht.

      Als bessere Beispiele fuer mitteldeutsches und oberdeutsches Fachwerk habe ich mir aus der Galerie in diesem Forum gesucht:

      mitteldeutsches Fachwerk: Haeuser am Domplatz in Erfurt:

      Aus der Erfurt-Galerie
      Ich finde, der Begriff "thueringisches Leiter-Fachwerk" bleibt zutreffend..

      oberdeutsches Fachwerk: die Suedseite des Esslinger Rathauses, mit kraeftigen "Maennern":

      Aus der Esslingen am Neckar-Galerie.


      Das niederdeutsche Fachwerk mag in der Zeit des Historismus deutschlandweit als Vorbild gedient haben, weil es mit den noch erhaltenen Stadtbilder von Braunschweig, Hildesheim und Halberstadt einmalig dastand! Solche grosse Mengen reichstens dekoriertes Sichtfachwerk, meist noch aus dem 16. Jh., gab es sonst nirgendwo. Nicht umsonst sprach man von einem "Nuernberg des Nordens", zunaechst in Braunschweig und spaeter in Hildesheim. Und das eigentliche Nuernberg im Sueden war wegen seines Stadtbildes, nicht wegen seines Fachwerks beruehmt..
      Favorevole alla ricostruzione completa come era e dove era.
    • Ich kenn nur den Begriff "Rothenburg des Nordens" (v.a. für Halberstadt), der aber oftmals auch inflationär für jede Stadt mit mehr als zehn Fachwerkhäusern benutzt wird (laut Google für Visby, Quakenbrück, Hornburg, Pazleck etc.)

      In Nordhausen gibt es übrigens meiner Meinung nach kein niederdeutsches Fachwerk mehr, die Bilder beim Bildindex sehen doch eher mitteldeutsch aus, waren aber auch insgesamt eher schlichter gehalten.
    • @Maxileen
      Der Begriff "Nuernberg des Nordens" ist ein romantischer Begriff, und auf jeden Fall von vor dem 2. Weltkrieg. Seit der Nazizeit verbinden sich mit Nuernberg doch vor allem Vorstellungen wie Reichsparteitage, Nuernberger Gesetze, Nuernberger Prozesse und die Bombardierung. Ausserhalb Deutschlands ist Nuernberg als ausserordentliche mittelalterliche Stadt doch gar nicht mehr bekannt (am ehesten paradoxalerweise noch in Grossbritannien!)

      Du hast voellig recht, in Nordhausen stand mitteldeutsches Fachwerk. Ich habe es nur genannt, weil Nordhausen auch zur Harzregion gehoert und eine Fachwerkaltstadt hatte. Aber Nordhausen gehoert nicht zu der von Alexander gezeigten Region.
      Favorevole alla ricostruzione completa come era e dove era.
    • Ich war zwar nich nie in Nordhausen, das Fachwerk zeigt jedoch die typischen Formen der thüringischen Region.
      Aber auch das Niedersächsische Fachwerk lässt sich noch klar identifizieren, beispielsweise an folgendem Haus:

      http://www.thueringen.de/de/museen/nordhausen/flohburg/content.html\r
      www.thueringen.de/de/museen/nord ... ntent.html

      Hier zeigen sich im Oberstock Fußstreben zu beiden Seiten der Ständer, ansatzweise ist ein Trapezfries (zumindest eine Fase an der Schwelle) auszumachen. Entstehung um 1500/30.
      Der Unterstock ist vollkommen umgestaltet.


      Generell bildet der Harz nach Süden und Osten eine klare Grenze im Fachwerkstil. Nach Westen und Südwesten (Göttingen, Duderstadt, Hann. Münden, Einbeck) jedoch kann sich die Niedersächsische Art halten. Hier bildet die Grenze nach Thüringen und Hessen nicht nur eine politische sondern auch kulturhistorische Grenze.

      Die östliche Grenze bildet in etwa bereits Aschersleben (20 km östl. von Quedlinburg).
    • "RMA" schrieb:

      Es stellt sich halt nur die Frage, ob die Begriffe des sächsischen, fränkischen und alemannischen Fachwerks wirklich exakt sind bzw. wissenschaftlich eine jeweilige Fachwerktradition auf das ursprüngliche Siedlungsgebiet eines dieser Völker zurückgeführt werden kann! Immerhin sind die ältesten Fachwerkbauten gerade mal aus dem 13. Jahrhundert, als schon eine ethnische Vermischung innerhalb des HRR eingesetzt hatte.

      Und generell halte ich wenig davon, irgendwelche schöpferischen Dinge an eine Ethnie zu knüpfen, aber das ist nur meine eigene Meinung. Die Erklärung für Konstruktionsweisen und Architektur generell ist meines Erachtens viel eher in natürlichen Gegebenheiten wie dem Vorhandensein natürlicher Ressourcen wie Holz, Stein und auch dem Klima zu suchen.

      Dies sehe ich auch als eines der Hauptargumente, eher von nieder-, mittel- und oberdeutschem Fachwerk zu sprechen. Die Schweiz hat halt schweizerisches, die Franzosen französisches und die Engländer englisches Fachwerk.

      "Riegel" schrieb:

      "Oberdeutsches Fachwerk" könnte ich für die Schweiz und Österreich mit dem Hintergrund, dass wir ja alle auch "Deutsch" sprechen, noch gelten lassen. Hingegen wehre ich mich allgemein gegen allzu vorschnelle Begriffsveränderungen, seien es Berufsbezeichnungen oder Schulabschlüsse etc.. Geändert hat sich schliesslich aber nichts.


      Beide begrifflichen Einteilungsversuche, sowohl die Untergliederung in sächsisches, fränkisches und alemannisches Fachwerk als auch diejenige in niederdeutsches, mitteldeutsches und oberdeutsches Fachwerk, sind offensichtlich problematisch, da anfällig für Missverständnisse und Fehldeutungen. Bei der stammesmäßigen Einteilung des Fachwerks muss berücksichtigt werden, dass es eben keine präzise Deckung mit Stammes- oder Dialektgebieten gibt, bei der Verwendung der Chiffre "deutsch" muss bedacht werden, dass es sich hierbei um eine historische bzw. kulturelle Kategorie handeln soll, die mit den Grenzen der heutigen Bundesrepublik Deutschland nicht identisch ist.

      Ganz schlecht wäre es, so zu tun, als gäbe es Fachwerktraditionen, die haargenau mit den heutigen politischen Grenzen übereinstimmten. Am Hochrhein gab es eben nunmal bis 1648 keine wirkliche Grenze, die heutige mit den bekannten Städtezerteilungen gibt es gar erst seit Napoleon. Das Fachwerk des Elsass, also eines Gebiets, das sich aufgrund des französischen Expansionismus des 17. Jahrhunderts und der deutschen Niederlage im 1. Weltkrieg heute in Frankreich befindet, quasi nachträglich dem französischen Fachwerk zuzuordnen, ist wohl keine optimale Lösung.


      Generell stört an dieser dreigliedrigen Einteilung aber auch, dass auf diese Weise der Eindruck aufkommt, es stünden sich drei Gebiete gegenüber, die jeweils die gleiche Distanz zueinander hätten. Ist es nicht vielmehr so, dass sich das fränkische/mitteldeutsche und das alemannische/oberdeutsche Fachwerk seit jeher näher stehen, dass die Abgrenzung zwischen diesen beiden bisweilen doch sehr schwierig ist, ja, dass man sie in einem radikalen Schritt womöglich sogar zu einer gemeinsamen Gruppe zusammenfassen könnte?
      "Meistens belehrt uns der Verlust über den Wert der Dinge."
      Arthur Schopenhauer
    • @Alexander

      Vielen Dank für deinen hervorragenden Beitrag zum niederdeutschen Fachwerk. Der weitgehende Verlust des alten Braunschweigs gehört für mich zu den bittersten in Deutschland.


      Beispiele der spätgotischen Epoche haben sich am besten in Goslar erhalten, der Treppenfries im speziellen findet sich noch heute an sicherlich 15-20 (!) erhaltenen Gebäuden in Braunschweig, was sehr bemerkenswert ist.


      Findet sich in der von dir verwendeten Literatur eine Angabe zur Zahl der heute noch erhaltenen bzw. wiederaufgebauten Fachwerkhäuser in Braunschweig? Sehr interessant wäre auch eine mehr oder weniger genaue Angabe des gesamten Vorkriegsbestandes. Braunschweig kämpft ja mit Frankfurt darum, einmal die größte Fachwerkstadt Europas gewesen zu sein.
      "Meistens belehrt uns der Verlust über den Wert der Dinge."
      Arthur Schopenhauer
    • "Georg Friedrich" schrieb:

      Beispiele der spätgotischen Epoche haben sich am besten in Goslar erhalten, der Treppenfries im speziellen findet sich noch heute an sicherlich 15-20 (!) erhaltenen Gebäuden in Braunschweig, was sehr bemerkenswert ist.


      Findet sich in der von dir verwendeten Literatur eine Angabe zur Zahl der heute noch erhaltenen bzw. wiederaufgebauten Fachwerkhäuser in Braunschweig? Sehr interessant wäre auch eine mehr oder weniger genaue Angabe des gesamten Vorkriegsbestandes. Braunschweig kämpft ja mit Frankfurt darum, einmal die größte Fachwerkstadt Europas gewesen zu sein.



      Die Zahl habe ich nach mehreren ausführlichen Rundgängen durch die Stadt geschätzt? Ich habe mir vor einiger Zeit auch mal vorgenommen, den Bestand der spätgotischen Epoche zu dokumentieren, nur bin ich bisher nicht dazu gekommen. Tatsächlich sind überraschend viele Häuser v.a. mit Treppenfries erhalten.

      Zur Angabe des Vorkriegsbestandes:

      http://de.wikipedia.org/wiki/Bombenangriff_auf_Braunschweig_am_15._Oktober_1944#Statistik_zum_15._Oktober_1944\r
      de.wikipedia.org/wiki/Bombenangr ... tober_1944

      Die Angabe, dass vor dem Krieg "ca. 800" Fachwerkhäuser existiert haben sollen, ist jedoch Humbug. Wenn ich mich festlegen soll, schätze ich auf etwa 1500+ Fachwerkhäuser (gefühlt aber bestimmt 2000). Die Angabe von 2800 Gebäuden insgesamt in der Altstadt halte ich für glaubwürdig.
    • Danke für die Informationen. Vergegenwärtigen wir uns einmal die heutigen und ehemaligen Bestände der größeren Nachbarn Braunschweigs: Goslar hat heute ungefähr 1500 Fachwerkhäuser, Quedlinburg circa 1200. Von den etwa 1500 Fachwerkhäusern in Hildesheim verbrannten 1300 im Krieg. Am 8. April 1945 wurden in Halberstadt von den 1605 Fachwerkhäusern 676 mit einem Schlag völlig vernichtet. Die Zahl der noch erhaltenenen 929 Fachwerkhäuser reduzierte sich durch Abrisse besonders in den 80er Jahren bedauerlicherweise bis zur Wende auf nur noch 447. Trotz des wahrscheinlich höheren gründerzeitlichen Überformungsgrades in Braunschweig kommt man schnell zu der Vermutung, dass es hier 2000 Fachwerkhäuser gegeben haben könnte.
      "Meistens belehrt uns der Verlust über den Wert der Dinge."
      Arthur Schopenhauer
    • Auch wenn's eine eher winzige Stadt ist, sollte man Osterwieck nicht vergessen, das vor allem äußerst hochwertige Renaissancebauten zu bieten hat (geschätzte 400 Fachwerkhäuser, von denen ca. 180 unter Denkmalschutz stehen - leider wurden auch hier in DDR-Zeiten etwa 40 Bauten abgerissen, oft aus dem wertvollsten Bestand und in bis dahin geschlossenen Ensembles wie Kapellen- und Mittelstraße).

      Weiß eigentlich jemand, wie hoch der Fachwerkbestand in Wolfenbüttel ist? Und in Einbeck?
    • "Georg Friedrich" schrieb:

      Danke für die Informationen. Vergegenwärtigen wir uns einmal die heutigen und ehemaligen Bestände der größeren Nachbarn Braunschweigs: Goslar hat heute ungefähr 1500 Fachwerkhäuser, Quedlinburg circa 1200. Von den etwa 1500 Fachwerkhäusern in Hildesheim verbrannten 1300 im Krieg. Am 8. April 1945 wurden in Halberstadt von den 1605 Fachwerkhäusern 676 mit einem Schlag völlig vernichtet. Die Zahl der noch erhaltenenen 929 Fachwerkhäuser reduzierte sich durch Abrisse besonders in den 80er Jahren bedauerlicherweise bis zur Wende auf nur noch 447. Trotz des wahrscheinlich höheren gründerzeitlichen Überformungsgrades in Braunschweig kommt man schnell zu der Vermutung, dass es hier 2000 Fachwerkhäuser gegeben haben könnte.


      Die 2.000 sind für mich völlig unzweifelhaft, ich würde eher fragen, ob es nicht 3.000 waren, wobei ich die Stärke der gründerzeitlichen Überformung nicht kenne. Frankfurt hatte bei nur 1,28 km² Altstadtfläche (innerhalb der alten Sternenschanzenfestung) 1944 noch deutlich über 2.000 Bauten in der Altstadt, von denen sicher 90 % in Fachwerk errichtet waren. Die Braunschweiger Altstadt innerhalb der alten Sternschanzenfestung hat 2,374 km² (Quelle Wikipedia) und war nach allen was ich an Bildern kenne nicht minder dicht bebaut.
    • Versuch einer Rechnung unter der Annahme, dass die Gesamtgebäudeanzahl und die Baualtersangabe ( http://de.wikipedia.org/wiki/Bombenangriff_auf_Braunschweig_am_15._Oktober_1944#Bausubstanz_des_Stadtzentrums\r
      de.wikipedia.org/wiki/Bombenangr ... dtzentrums ) einen wahren Kern haben:


      1941: 2800 Gebäude gesamt.


      Annahme, dass 90% der Gebäude, die vor "Nachklassizismus" errichtet wurden, eine Holzfachwerkkonstruktion besitzen,

      also 90% von 77,8% = 70,02%.

      70% der Gebäude in der Altstadt seien demnach aus Fachwerk.


      70% von 2800 = 1960 Fachwerkhäuser

      Davon würden entstammen:

      131 Gebäude der Gotik (bis 1530)
      82 Gebäude der Frührenaissance (1500-1540)
      171 Gebäude der Renaissance (1540-1620)
      488 Gebäude dem Barock (1620-1750)
      255 Gebäude dem Rokoko (1750-1800)
      210 Gebäude dem Klassizismus (1800-1850)
      218 Gebäude nicht zuzuordnen.

      , wenn wir davon ausgehen, dass der Fachwerkanteil gleichmäßig über die Epochen verteilt ist, was auch in etwa zutrifft.



      Dies sind jedoch tatsächlich nur Berechnungen, die auf blanken Annahmen beruhen. Ich weiß weder, wer E. Hundertmark ist, noch auf welchen Grundlagen die Übersicht erstellt wurde.
      Selbst wenn seriös recherchiert wurde, hatte man noch nicht die wissenschaftlichen Grundlagen und Forschungsmethoden (z.B. Dendrochronologie), musste daher anhand des Fassadenschmuckes entscheiden, der noch hundertfach unter Putz lag.

      Also bitte nicht ernstnehmen, ist nur Spaß :lachen:.
    • Zur gruenderzeitlichen Ueberformung kann man auf jeden Fall sicher sein, dass er in Richtung des alten Hauptbahnhofes immer dichter wurde. Das alte Hauptbahnhof war die heutige Nord LB, und dort gibt es in der Altstadt auch noch einige Gruenderzeitstrassen. Aber auch hier gab es noch sehr grosse und urige mittelalterliche Fachwerkhaeuser, z. B. noerdlich von St. Aegidien. Und heute noch in der Alten Knochenhauerstrasse.
      Am reinsten aus Mittelalter und Renaissance ueberkommen waren die Weichbilder Neustadt und Hagen, Strassen und Plaetze wie Langestrasse, Weberstrasse, Wollmarkt, Reichsstrasse, Hagenbruecke, Radeklint, Hintern Bruedern, Meinhardshof (diese letzten zwei befanden sich wohl noch im Weichbild "Altstadt") Hier gab es kaum gruenderzeitliche Ueberformung, und nur wenige Veraenderungen im Barock und Klassizismus. Insgesamt war dieser Teil der Stadt mindestens so wertvoll wie das alte, vorkriegs-Luebeck oder das alte, vorkriegs-Hildesheim. Auch das alte, vorkriegs-Frankfurt am Main und das alte Nuernberg stand es in nichts nach. Vor allem die Reichsstrasse und der Wollmarkt waren absolut einmalig.
      Gerade dieser Teil der Altstadt wurde bei der Bombardierung 1944 wohl absichtlich am schwersten getroffen und vollstaendig vernichtet. Heute existieren nur noch die Kirchen St. Petri, St. Andreas und St. Katharinen, das Neustaedter Rathaus, das in den 70ern rekonstruiert wurde, das Bruedernkloster, und die vor kurzem rekonstruierte Alte Waage. Dazu noch die Reste des Achtermannschen Hauses, die Liberei hinter St. Andreas, und eine Kemenate eines frueheren Hauses am Hagenbruecke.
      Favorevole alla ricostruzione completa come era e dove era.
    • Re: Braunschweig

      "Brandmauer" schrieb:

      Gerade dieser Teil der Altstadt wurde bei der Bombardierung 1944 wohl absichtlich am schwersten getroffen


      Es hat meistens zielgenau die schönsten Ecken der schönsten Städte getroffen. Geht bis heute nicht in meinen Kopf...
      Ich entschuldige mich von Herzen für meine früheren arroganten, provokanten, aggressiven und unfreundlichen Beiträge!
      Jesus ist mein Herr und Retter!