Landshut

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    • Re: Landshut an der Isar

      "ursus carpaticus" schrieb:

      Unentschuldbar erscheint mir jedoch der obgleich mit seinen Giebelfronten ebenfalls etwas angepasste, überdimensionierte Kaufhausbau gegenüber der Martinskirche, der sich als Komplex leider durchaus unangepasst auch in die Nebengassen fortsetzt. Weißt du auch hier über Vorgängerbauten und Geschichte näher bescheid?


      würde mich selbst auch interessieren, werde mal schauen ob ich dazu was finde.

      v.a. dieser Anbau dem barocken Palais Etzdorf gegenüber stört schon etwas mehr:
    • "Zeno" schrieb:

      generell

      Landshut ist halt echt bayerisch. Und das schließt zwei Punkte ein:

      Es wird großzügiger mit historischer Bausubstanz umgegangen, die zur Schmuddeligkeit tendiert. Man bricht lieber ab als woanders. Aber was man dann baut, ist um vieles besser als woanders!

      Wir in Bayern wollen eben keine schmuddeligen Ecken, sondern bei uns muss eben alles sauber und ordentlich sein.

      Natürlich wurde auch in Landshut ordentlich saniert, da war man nicht immer kleinlich. Aber warum bietet die Altstadt dennoch eine Geschlossenheit, die ihresgleichen sucht? Weil man ein Bewusstsein dafür hat. In Altbayern generell, in Landshut speziell.



      Dreifaltigskeitsplatz 11 - 11 a

      Das Haus fügt sich sehr gut ein, wenn es auch eine zu große Baumasse besitzt. Woanders könnte man froh sein, wenn so altstadtgemäß gebaut würde.

      Wenn man aber weiß, was vorher dort stand, wirkt das jetzige billig. Dort stand ein grandioser, viergeschossiger Bau in Formen der Neurenaissance, der die historische Formensprache Landshuts aufnahm. Dieser Vorgängerbau prägte das Stadtbild am Dreifaltigkeitsplatz mit, sein Verlust ist nach meiner Überzeugung sehr bedauerlich.


      das Generelle trifft es voll und ganz, bzgl. Dreifaltigkeitsplatz 11/11a hätte mich auch mal interessiert, wieso man den Neurenaissancebau abgerissen hat, bin 2003 denke ich mal war das ganz schon erschrocken bei dieser riesigen Baulücke.
    • "Markus" schrieb:

      ... v.a. dieser Anbau dem barocken Palais Etzdorf gegenüber stört schon etwas mehr ...

      Sehe ich auch so. Bemerkenswert ist ja auch der Übergang links im Bild. Überhaupt ist die südliche Ländgasse irgendwie romantisch abwechslungsreich.
      Man muss dem Karstadt lassen, dass er eine Ziegelverkleidung trägt und damit zumindest ein Stück weit auf die Stadtmauer bezugnimmt.
    • Landshut an der Isar - Hl. Blut und Stadtresidenz

      Einen weiteren Ziegelbau aus der 1. H. des 15. Jh. gibt es oberhalb im Stadtteil Berg:


      die Pfarrkirche Heilig Blut mit für Altbaiern völlig einmaligen runden Flankentürmen an der Westfassade. Das Vorbild möglicherweise in den damals zum Herzogtum Bayern-Straubing gehörenden holländischen Provinzen (vgl. Straubing, Grabplatte in der Jakobskirche, Halle im Herzogschloß, evtl. auch Stadttturm) zu suchen.

      Vgl. z.B. Binnenhof in Den Haag:
      upload.wikimedia.org/wikipedia…met_Grafelijk_kasteel.jpg



      innen:



      Zurück in den Altstadtbereich, als nächstes ein paar Innenaufnahmen von der 1536-43
      unter Herzog Ludwig X. von Bayern errichteten Stadtresidenz:


      der Italienische Saal, eine der bedeutendsten Renaissance-Raumschöpfungen in D




      Apollozimmer mit Fresken von Hans Bocksberger d. Ä. (vgl. Schloßkapelle in Neuburg / Donau)


      der Kapellengang verbindet den Italienischen mit dem Deutschen Bau


      Im Deutschen Bau


      Erdgeschoßhalle des an der Altstadt gelegenen Deutschen Baus.
      Den Arkadenhof und die klassizistische Fassade zur Altstadt hatte ich bereits gezeigt.

      Rückseite des Italienischen Baus zur Ländgasse hin:


      ...und vom anderen Isarufer:
    • Re: Landshut an der Isar

      Wie viele Städte wären froh über einen Hauptplatz à la Neustadt, der in Landshut doch nur zweite Geige spielt?
      Aber was soll dieser geplante oder befürchtete Abriss zweier Barockhäuser (im Kern womögl ma.lich?)
      Steht die Stadt als Ganze nicht unter Denkmalschutz??
      Wie ist so etwas möglich??
      ... dass jeder troglodytischen Lebensart, beruht sie nur fest in sich selbst, etwas schlechthin faszinierendes eignet, überhaupt für solche, die einen Ansatz dazu schon besitzen und mitbringen, der dann nur noch einer gewissen Entwicklung bedarf. (HvD)
    • Re: Landshut an der Isar

      Danke Markus und MunichFrank für das Einstellen der vielen Bilder. In einer Fernsehdokumentation (ich glaube es war eine Folge von "Bilderbuch Deutschland") wurde Landshut einmal sehr selbstbewusst als eine der am besten erhaltenen mittelalterlichen Altstädte Europas bezeichnet. Mit Sicherheit kommt ein beachtlicher Bestand zusammen, wenn man das bisher hier Gezeigte zusammenfasst: hunderte, oftmals im Kern spätmittelalterliche Giebelhäuser mit zum Teil sogar gut erhaltener Substanz aus der Erbauungszeit im Innerern, mehrere mitunter herausragende Kirchen aus der Spätgotik, ein großzügiges, aus drei spätmittelalterlichen Bürgerhäusern zusammengefasstes und im 19. Jahrhundert historistisch "aufgemotztes" Altstadtrathaus, eine Stadtresidenz aus der Renaissance, deren italienischer Bau in Deutschland wohl einzigartig ist, ein gutes Beispiel für die bei uns recht seltenen Renaissance-Kirchen aus der Zeit zwischen 1550 und 1650 und gleich mehrere der unzähligen Barockklöster Süddeutschlands. Die Stadt präsentiert sich als ein wahres Bilderbuch bayerischer Architekturgeschichte - in Altbayern einzig von Regensburg übertroffen und wohl auch bedeutsamer als die Altstadt des Vorkriegsmünchens.

      Die Pfarrkirche Heilig Blut sieht wirklich sehr ungewöhnlich aus. Erinnert mich auf den ersten Blick irgendwie an viel ältere Kirchenbauten aus der niedersächsischen Romanik oder manche der nüchternen Kirchen der Neoromanik aus viel jüngerer Zeit. Sollte es direkte Vorbilder gegeben haben, würde ich sie jedoch auch am ehesten in den Niederlanden vermuten. Ein dynastisch-territorialer Zusammenhang war wie erwähnt gegeben. Der Rittersaal in Den Haag könnte durchaus sowohl auf den Festsaal im Straubinger Herzogschloss als auch auf die Fassadengestaltung der Heilig-Blut-Kirche in Landshut gewirkt haben. Es ist schon auffällig, dass ein einzelner Bau in den Niederlanden gleich für mehrere, etwa zeitgleich entstandene Gebäude in Bayern als Vorbild in Frage käme. Ansonsten ist Italien der übliche Verdächtige - besonders die markanten Rundtürme könnten womöglich auch italienischen Kirchenbauten entlehnt worden sein.

      Kommen noch Bilder von der Trausnitz?
      "Meistens belehrt uns der Verlust über den Wert der Dinge."
      Arthur Schopenhauer
    • Re: Landshut an der Isar

      "ursus carpaticus" schrieb:

      Wie viele Städte wären froh über einen Hauptplatz à la Neustadt, der in Landshut doch nur zweite Geige spielt?
      Aber was soll dieser geplante oder befürchtete Abriss zweier Barockhäuser (im Kern womögl ma.lich?)
      Steht die Stadt als Ganze nicht unter Denkmalschutz??
      Wie ist so etwas möglich??


      die beiden Häuser stehen an sich schon unter Denkmalschutz, aber so schwierig sind Abbruchgenehmigungen auch nicht zu bekommen. Weiss jetzt aber auch nichts aktuelleres dazu. War auch mal hier im Forum (aber die Suchfunktion scheint mit dem Umzug vor ein paar Wochen zu enden).

      unter baufachinformation.de/artikel.jsp?v=3285 findet sich da auch folgender Eintrag:

      Krieger,Hans:
      Die Planung schrammt das Stadtjuwel. In Landshut sind zwei für das Gesamt-Ensemble hochbedeutsame Baudenkmäler vom Abriß bedroht.

      Schlagwörter zum Inhalt: Städtebau; Baudenkmal; Planung; Neubau; Ensemble; Gefüge; Bebauungsplan; Abriss; Denkmalliste;.

      in Fachzeitschrift: Bayerische Staatszeitung und Bayerischer Staatsanzeiger (1989)Nr.30, S.3, Abb.
      ISSN: 0341-9339
    • Landshut an der Isar - Burg Trausnitz

      Nun noch einige Aufnahmen zur Burg Trausnitz:

      burgtrausnitz.de/htdocs/burgfolge_1.html
      Geschichte der Burg: burgtrausnitz.de/htdocs/geschichte/geschichte.html





      von der Stadt erreicht man die Burg entweder über den Hofgraben oder die Alte Bergstraße, hier ein Teil der Vorburg mit dem Äußeren Torwartshaus und dem Überreiterturm...


      ...sowie dem Zwingerweg, links ein überdachter Wehrgang:

      das ganze von außen:



      Zwingerweg nach O Rtg. Äußeres Torwartshaus


      vom Zwingerweg geh es in den Äußeren Burghof, ein erster Blick auf die Hauptburg mit dem Wittelsbacherturm








      Wirtschaftsgebäude am Äußeren Burghof




      Torbau zwischen Äußerem und Inneren Burghof

      Innerer Burghof mit Renaissancearkaden:


      Bei dem verheerenden Brand der Burg Trausnitz am 21. Oktober 1961 gingen die meisten historischen Innenräume des Fürstenbaus verloren.
      Erhalten blieb u.a. die Narrentreppe im Italienischen Anbau mit Szenen aus der Commedia dell’arte:





      Empore der Burgkapelle St. Georg, eine bis ins 1. Jh. zurückreichende Doppelkapelle






      Westseite




      Hauptburg mit dem Fürstenbau und dem Wittelsbacherturm


      die Trausnitz von der Stadt aus, Dürnitz- und Kapellenbau
    • Landshut an der Isar - Alte Bergstraße / Achdorf

      Die Burg Trausnitz von S, im Vordergrund Häuser an der den Hofberg steil hinaufführenden Alten Bergstraße:



      Stadtmauer am Klöpflgraben


      das Haus Alte Bergstraße 171 mit Flacherker


      Häuser an der Alten Bergstraße, durch das Burghausener Tor rechts gelangt man in den Stadtteil Hofberg mit der Hl.-Blut-Kirche

      Burghausener Tor:
      abload.de/img/img_3540crdc.jpg



      St. Thekla und St. Martin:


      die Theklakapelle innen:







      Alte Bergstraße






      Blick vom Standort des ehem. Münchener Tores, erhalten davon noch ein Rundturm, zur Martinskirche


      das Ruffinischlößchen im heutigen Stadtteil Achdorf, ein ehem. Adelssitz außerhalb der Stadt aus der 2. H. des 17. Jh.,
      der Rokokosaal im 2. Weltkrieg zerstört

      die ehem. Pfarrkirche St. Margareth, ein typisch Landshuter Ziegelbau von um 1440:




    • Re: Landshut an der Isar

      Sehr aufwendige und genaue Betrachtung von Landshut. Interessant ist ja die Ahnlichkeit zwischen norddeutschen Giebelhausern und den Giebelhausern von Landshut. Wahrscheinlich waren diesen formen nicht geographisch begrenzst sonder ganz gewohnlich. Warum ist die Ahnlichkeit so gross zwischen Landshuter Altstadt und zum beispiel einer Strasse in Wismar oder Rostock....
    • Re: Landshut an der Isar

      Die Tatsache, dass Bauten wie die Pfarrkirche Hl. Blut in der holländischen Spätgotik sehr gewöhnlich waren, sieht man an den großen Pfarrkirchen von Leiden:


      Quelle: bouveld.nl
      Die Pieterskerk, der Westgiebel entstand nach dem Turmeinsturz 1511, mit runden Treppentürmen an den Seiten.


      Quelle: travelgrotto.com
      Die Hooglandse Kerk, beide Giebel des Transepts haben runde Treppentürme an den Seiten.

      Als direktes Vorbild für Hl. Blut in Landshut kommt aber soviel ich weiß nur der Rittersaal in Den Haag in Frage. Eine Übernahme aus der frühen rheinischen oder lombardischen Romanik wäre von der Form her auch möglich, scheint mir wegen des Zeitunterschieds zur Bauzeit von Hl. Blut aber weniger wahrscheinlich. Natürlich könnte Hl. Blut in Landshut auch eine unabhängige eigene Neuschöpfung innerhalb Altbayerns sein.
      Favorevole alla ricostruzione completa come era e dove era.
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      I bambini sanno che solo sbagliando s,impara.
    • Re: Landshut an der Isar

      Tolle Bilder von einer schönen Stadt. Landshut ist ja auch eine der Städte, von denen Jakob Sandtner Mitte des 16. Jahrhunderts ein maßstabsgetreues Modell angefertigt hat. Und so wie die Fotos aussehen könnte man sich mithilfe des Modells sicher noch heute gut in der Stadt zurechtfinden (anders als bei München oder Ingolstadt).
    • Landshut an der Isar

      Ein paar Aufnahmen von Landshut kommen noch...

      sehr reizvoll sind die Wege entlang der Isar:




      immer wieder ergeben sich hübsche Ansichten auf St. Martin, die Trausnitz...






      ...oder Hl. Geist




      das "Bernlochner" mit dem Stadttheater, 1841 am Isarufer errichtet






      Reste der Stadtmauer am Isarufer






      Heiliggeistkirche, unten eine Innenansicht




      neue Wohngebäude im Nordosten der Altstadt unweit vom Isarwehr




      gegenüber der alte Bauhofstadel




      beim Bauhof die Rochuskapelle, ein weiterer spätgotischer Backsteinbau












      Weitere Aufnahmen aus den Gassen zwischen Altstadt und Neustadt:


      Grasgasse




      Schirmgasse




      Kirchgasse


      barockes Portal vom Pfarrhof St. Martin



    • Re: Landshut an der Isar



      Könnte fast Breslau sein 8)

      Wie sieht's eigentlich mit dem geplanten Abriss zweier Altbauten in der Neustadt aus?
      Unsere große Aufmerksamkeit für die Belange des Denkmalschutzes ist bekannt, aber weder ökonomisch noch kulturhistorisch lässt es sich vertreten, aus jedem alten Gebäude ein Museum zu machen. E. Honecker
    • Re: Landshut an der Isar

      Ländgasse 127

      "Markus" schrieb:


      ... sehr reizvoll sind die Wege entlang der Isar:
      ...

      ...

      Da kommt wieder so ein richtiges Landshut-Gefühl auf! Sehr schöne Bilder! Der Pavillon am Isaruferweg gehört übrigens zur Residenz.


      Bauhofstraße 2

      "Markus" schrieb:


      ...

      neue Wohngebäude im Nordosten der Altstadt unweit vom Isarwehr


      ...

      Mich hat die jetzige Bebauung an der Bauhofstraße immer so an Ulm erinnert, ohne sagen zu können, worauf die Assoziation genau zurückgeht. Landshuterische Gemütlichkeit hat diese Ecke aber nicht bekommen.
    • Re: Landshut an der Isar

      "Däne" schrieb:

      [quote

      Wie sieht's eigentlich mit dem geplanten Abriss zweier Altbauten in der Neustadt aus?


      Da weiss ich auch nichts Neues dazu, die Häuser stehen noch...

      Was die Neubebauung am Bauhof betrifft, könnte finde ich auch in Rostock stehen und irgendwelche Speicherbauten nachahmen.
    • Re: Landshut an der Isar

      Danke für die umfassende Darstellung dieser sehenswerten, mir noch unbekannten Stadt, Markus. Wenn ich das nächste Mal in München bin, werde ich vielleicht mal versuchen, auf einen Abstecher die Isar hinabzuschippern.

      Diese 6 neuen Giebelhäuser finde ich übrigens - obwohl man sich augenscheinlich Mühe gegeben und Gedanken gemacht hat - optisch mißraten. Die Glas(Solar-?)dächer auf einer Seite, Fenster an Fenster beim Gebäudeübergang, unschöne welsche Balkone und die gräßliche Erdgeschosszone, die m. E. schnell schmutzig aussehen wird. Wie soll man eigentlich in die Bauten hineinkommen - vielleicht durch die Menschenklappen, welche die gekippten EG-Fenster im 2. Bild andeuten?
      Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
      (Immanuel Kant)