Frankfurt in alten Ansichten

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    • Frankfurt in alten Ansichten

      Hauptsächlich Riegel hat mich mit seiner wirklich umfassenden Sammlung an alten Ansichtskarten auf die Idee gebracht, auch meine - im direkten Vergleich sicher bescheidene, aber dennoch große - Sammlung an AK's zu digitalisieren. Es handelt sich dabei hauptsächlich um eher seltenere Ansichten, bei populären Motiven zumindest ungewöhnliche Blickwinkel, die sonst in den größeren Frankfurt-Bildwerken nicht auftauchen sowie Luftaufnahmen.

      Die Bilder hier werde ich regelmäßig ergänzen, ferner füge ich den Titel der Ansichtskarte hinzu und - sofern gegeben - das Datum, an dem sie gelaufen ist, ansonsten eine Schätzung.

      Ich beginne mit einer der schönsten Luftaufnahmen von Alt-Frankfurt, die ich bisher auf einer Postkarte gesehen habe. Praktisch jedes bedeutende Baudenkmal der Altstadt ist hier mehr oder weniger zu sehen:



      Vorderbeschriftung: Flugzeugaufnahme von Frankfurt a. Main
      Datierung: 14.07.1938


      ...und noch eine Ansicht aus der Goldhutgasse am Fünffingerplätzchen, von links nach rechts, Goldhutgasse 10 (Name mir unbekannt), Goldhutgasse 8 (Name unbekannt), Goldhutgasse 6 (Haus Zum Hörhorn), Goldhutgasse 4 (Haus Hadderkatze), rechts im Bild Goldhutgasse 7 (Haus zur wilden Frau), das gleichzeitig der Kopfbau von Drachen- und Goldhutgasse war. Die enormen Überhänge zeigen die wenigstens spätmittelalterlichen Verhältnisse, die hier bis 1944 noch ganz lebendig waren:



      Vorderbeschriftung: Frankfurt a. M. Goldhutgasse
      Datierung: Nicht gelaufen, vermutlich späte 30er Jahre
    • Die Bendergasse, die südlich zum Markt parallel verlief, war fast geschlossen mit immer wieder aufgestockten Fachwerkhäusern bebaut. Um Fried Lübbecke sprechen zu lassen: "In ganz Deutschland gab es nicht mehr eine zweite gotische Gasse wie diese."



      Vorderbeschriftung: Frankfurt a. M. Bendergasse 1088
      Datierung: Nicht gelaufen, vermutlich Mitte 30er Jahre
    • Frage an die Frankfurt-Kundigen: könnte die Baustelle bzw. freie Parzelle hinten im Bild links Bendergasse 14 oder 12 sein, die vermutlich für die Auskernung des Handwerkerhöfchens niedergelegt wurden? Insbesondere bei der Bendergasse 14 würde das einleuchten, da sie auf dem Plan von 1861 doch sehr weit in das spätere Höfchen nach hinten hineinragt.

      Das Haus ganz vorne links im Bild konnte ich anhand der Aufschrift "Zum Rindsfuss" übrigens als Bendergasse 28 identifizieren. :D
    • Schön, dass Du diesen Faden eröffnet hast! Alte Ansichtskarten haben wir ja schon in verschiedenen Beiträgen verwendet, wenn ein spezielles Diskussionsthema damit untermauert werden sollte (s. FF früher-gestern-heute, Braubachstrasse, Wiederaufbau [...] Altstadt, etc. .

      Ansichtskartensammlungen entstehen ja nach verschiedenen Kriterien. Die einen wollen eine möglichst umfassende Sammlung zu einer ganzen Stadt aufbauen, andere wiederum schauen auf die Seltenheit der Frankatur und Abstempelung, andere sammeln nach Kartenserien. Ich persönlich habe mich auf die Altstadt beschränkt, und als Hauptkriterium meiner Sammlungstätigkeit gilt die baugeschichtliche Aussage, sodass ich ergänzend zu Photographien, Plänen etc. verlässliche Abhandlungen zu Teilaspekten schreiben kann. Auch versuche ich, einzelne schöne Verlagsserien zu kompletisieren (werde darauf mal zurückkommen).

      Vorbemerkung zur Grösse: die bereits geposteten Bilder von RMA sprengen beim Anklicken derselben zur Vergrösserung den Bildschirm. Aber trotzdem ist es ein Erlebnis, wenn man nur einen Ausschnitt einer qualitativ hochwertigen Ansichtskarte betrachtet! Ganz besonders eindrücklich ist dies bei der Karte der Goldhutgasse; ich fühlte mich persönlich beinahe in die Strassenszenerie hineinversetzt, als ich nur das unterste Drittel des Bildes vor mir hatte! Bei unscharfen Bildern hingegen werde ich auf eine solche Vergrösserung verzichten.

      Vorbemerkung zum Copyright: wenn ich im APH-Forum jeweils Ansichtskarten einstelle, gebe ich immer ihre Herkunftsangabe (Verlag, Photograph) an, auch wenn ich nicht abgeklärt habe, ob ein Copyright allenfalls noch besteht oder nicht. In der Schweiz wird es innerhalb von Forscherkreisen so gehandhabt, dass bei über 50-jährigen Dokumenten davon ausgegangen werden kann, dass kein Copyright mehr besteht. Forschungstätigkeit würde unnötig und zu stark behindert, wenn man auch noch diesem Problem nachrennen müsste. Durch eine korrekte Wiedergabe wenigstens der aufgedruckten Verlags- oder Photographenangaben kann man verhindern, dass Fahrlässigkeit vorgeworfen werden könnte. Mir ist bisher aber im Gebiet historische Ansichtskarten noch kein Fall bekannt geworden, in welchem Urheberrechtsverletzung beklagt worden ist.
    • "Riegel" schrieb:

      Aber trotzdem ist es ein Erlebnis, wenn man nur einen Ausschnitt einer qualitativ hochwertigen Ansichtskarte betrachtet! Ganz besonders eindrücklich ist dies bei der Karte der Goldhutgasse; ich fühlte mich persönlich beinahe in die Strassenszenerie hineinversetzt, als ich nur das unterste Drittel des Bildes vor mir hatte!


      Den Eindruck hatte ich auch. Und auch ansonsten: klasse Thread!
    • Zur Bildgröße: zum einen habe ich einen 21"-TFT mit einer nativen Auflösung von 1600x1200 px, so dass die Bilder hier nicht besonders groß erscheinen - insofern habe ich im Vergleich zu den immer noch weit verbreiteten 17"-Monitoren mit 1024x768 px Standardauflösung einen etwas anderen bzw. verfälschten Eindruck von Bildgröße.

      Andererseits will ich versuchen, Bilder hier in einer Auflösung zu zeigen, die auch das erlauben, was du ansprichst, Riegel - nämlich aktive baugeschichtliche Forschung. Das geht natürlich nur bei echten Fotopostkarten, ich habe auch zahllose Karten, die in Lichtdruck oder verschiendenen Tiefdruckverfahren hergestellt und somit in ihrer Vergrößerbarkeit wesentlich schlechter dastehen. Die hier gezeigte Auflösung ist für mich immer ein Kompromiss aus Dateigröße und der Auflösung, die gerade noch so viele Details zeigt, wie ungefähr mit einer 12x-Lupe in der Realität erkennbar wären.

      Das Detail der Fotopostkarten ist dabei ganz erstaunlich, mit 1200 DPI gescannt kann man aus ihnen locker Ausbelichtungen auf A3 herstellen - was ich öfter auch mache - mit denen sich dann wesentlich besser arbeiten lässt, anstatt ständig mit der Lupe über der Karte zu hängen. Das mag daran liegen, dass viele Fotopostkarten ihrerzeit noch mit Großformatkameras auf 6x9-Filme gefertigt wurden, die im Grunde heute noch jeden 35 mm-Film oder digitalen Kamerachip schlagen.

      Zugegebenermaßen sind übrigens auch viele Ansichten von mir aufwändig (teils über eine Stunde) retuschiert, um böse Altersschäden an den Karten auszugleichen. Insofern sehe ich das AK-Sammeln auch weniger unter dem traditionellen Aspekt des Anhäufens einer größtmöglichen Menge, sondern mehr im digitalen Archivieren insbesondere seltener Ansichten. Schließlich werden die Karten durchs Alter ja auch nicht besser.
    • "RMA" schrieb:



      Frage an die Frankfurt-Kundigen: könnte die Baustelle bzw. freie Parzelle hinten im Bild links Bendergasse 14 oder 12 sein, die vermutlich für die Auskernung des Handwerkerhöfchens niedergelegt wurden? Insbesondere bei der Bendergasse 14 würde das einleuchten, da sie auf dem Plan von 1861 doch sehr weit in das spätere Höfchen nach hinten hineinragt.

      Das Haus ganz vorne links im Bild konnte ich anhand der Aufschrift "Zum Rindsfuss" übrigens als Bendergasse 28 identifizieren. :D


      In der Tat handelt es sich um die Nr. 28; aber aufgepasst: lediglich aufgemalte Hausnamen beweisen noch lange nicht, dass das betreffende Haus schon immer so hiess. Hausnamen sind schon irrtümlicherweise aufgrund eines alten Verzeichnisses auf ein anderes Haus interpretiert worden. Vor allem die Gastronomie nahm es auch nicht so genau mit alten Hausnamen. Eine genaue Betrachtung der Hausbreiten und Fassadenfluchten untereinander und der Vergleich mit dem Ravenstein-Plan von 1861 sowie dem Stadtplan von 1944 ergibt folgende Reihenfolge, von links beginnend: 28, 26 (das Pesthaus, welches ja auch ans Fünffingerplätzchen reichte), 24, 22, 20, 18 (schwer erkennbar), 16, 14, 12; dann folgt die Baracke, und nach einer Lücke die Brandmauer, welche zum Häuserblock östlich der Langen Schirn gehört (Bendergasse 6). Die Datierung um die Mitte der 30-er Jahre dürfte in etwa zutreffen.


      Eine ältere Ansichtskarte, aufgenommen um 1905/10 zeigt die Lange Schirn von der Bendergasse her:


      Ansichtskarte um 1905/10, Knackstedt&Näther Lichtdruck Hamburg

      Hier fehlen bereits beide Eckhäuser, welche im Ravensteinplan noch eingezeichnet sind! Links erkennt man die "Baracke", welche offenbar vollumfänglich dem Fleischverkauf diente. Wieder ist es schwierig, der linken Gebäudeflucht die einzelnen Hausnummern zuzuordnen. Ein Vergleich mit frühen Luftaufnahmen (s.a. ganz oben) zeigt aber deutlich, dass die Baracke den Platz der ehemaligen Häuser Bendergasse 10 und Lange Schirn 1 einnimmt. Rechts erkennt man eine Brandmauer mit einer rahmenartigen Verputzgliederung, wie sie auch die Brandmauer auf der Ansicht der Bendergasse ziert. Der schadhafte Verputz ist ein Hinweis darauf, dass das Eckgebäude davor (Bendergasse 8 ) bereits vor 1900 abgebrochen worden ist! Beim Betrachten und "Hinüberziehen" der einzelnen Fluchten kann die Brandmauer der Langen Schirn 4 zugeordnet werden.



      Ausschnitt aus dem Ravenstein-Plan 1861. Markiert sind die abgebrochenen Eckbauten samt Nachbarhäuser



      Bendergasse nach Westen, ca. 1910, ohne Angaben
      rechts die Brandmauer von Bendergasse 12



      Fazit: Auf Grund der Ansichtskarte der Bendergasse (von RMA) kann nicht geschlossen werden, dass im Zug der Auskernung des Handwerkerhöfchens Bendergasse 12 und/oder 14 abgerissen wurden. Vielmehr handelt es sich bei der Baulücke um die Kreuzung der Bendergasse mit der Langen Schirn, wobei zwischen 1861 und ca. 1900 zwei Eckgebäude samt je einem Nachbarhaus an der Langen Schirn ersatzlos abgerissen worden waren. Welches war der Grund? Wunsch nach mehr Licht und Luft? Brandfall?

      Mit dem Handwerkerhöfchen werde ich mich über's Wochenende beschäftigen...
    • Ich stelle hier noch zwei Ansichtskarten rein, die ich bereits im anderen Thread gepostet hatte.

      Blick von unter dem Roten Haus (Markt 17) in den Tuchgaden, einer der einstigen Altstadtgassen, die mich am meisten fasziniert. Das Bild wird oben und links durch die Unterzüge des Roten Hauses begrenzt. Rechts sehen wir fast alle, links einen Großteil der Hausfassaden, die die Gasse begrenzten, darunter auch rechts hinter der Laterne das vermutlich romanische Haus Tuchgaden 9 (Name?), hinter dem sich das berühmte Metzgerhöfchen befand. Im Hintergrund sieht man Licht vom Weibleinsplätzchen hereinscheinen, ganz im Hintergrund das Haus Dunkle Leuchte (Bendergasse 1):



      Vorderbeschriftung: Frankfurt a. M. Tuchgaden
      Datierung: 02.03.1940


      Zwerchhaus auf dem Dach des Hauses zur Goldenen Waage, vermutlich mit Teleobjektiv vom Domturm aus fotografiert. Schön zu erkennen ist der Schmuck, der selbst einem so untergeordneten Bauteil des Gebäudes zuteil wurde: aufwändige Renaissanceschnitzereien im Holz, sowie ein "Spitzenbesatz" aus Blech auf dem Giebel, der vielleicht beim ~ 20 Jahre früher erbauten Salzhaus abgekupfert wurde:



      Vorderbeschriftung: Keine
      Datierung: Nicht gelaufen, anhand der fotografischen Qualität wohl 30er / 40er Jahre
    • Danke für deine Ausführungen, Riegel. Ich sehe schon, an Professionalität bzw. an Deutungsfähigkeit bin ich dir weit unterlegen. ;)

      Noch eine Anmerkung zu den Häusernamen: sofern ich sie nicht aus der Literatur weiß, schlage ich sie im "Verzeichnis der Häusernamen" nach, das Mitte des 19. Jahrhunderts von Carl Theodor Reiffenstein erstellt wurde. Leider habe ich die mehreren tausend Hausnamen erst zum Teil in eine Excel-Tabelle überspielt, die eine Volltextsuche erlauben wird, aber eine interessante Information für die "Bendergassen-Situation" habe ich trotzdem darin gefunden.

      So heißt es dort zum Haus Bendergasse 10: "Gründe Linde", Anschrift in der alten Systematik M 161, 1847 abgebrochen und nur als Schirne wieder einstöckig erbaut.

      Anbetrachts der von dir beobachteten schadhaften Brandmauer könnte man nun daraus schließen, dass der Abriss der Gebäude Lange Schirn 1 (Haus Dannenberg) sowie von Bendergasse 2 und 8 ungefähr zur gleichen Zeit erfolgte. Ferner interessant ist, dass wenigstens die Grüne Linde noch vor der Erstellung des Ravenstein-Plans abgerissen und durch eine Verkaufsschirn ersetzt wurde, Ravenstein sie aber 14 Jahre später trotzdem als vollwertiges Haus in seinen Plan gezeichnet hat. :)
    • "RMA" schrieb:

      [...] Ferner interessant ist, dass wenigstens die Grüne Linde noch vor der Erstellung des Ravenstein-Plans abgerissen und durch eine Verkaufsschirn ersetzt wurde, Ravenstein sie aber 14 Jahre später trotzdem als vollwertiges Haus in seinen Plan gezeichnet hat. :)

      Sorry "Schirn", dann nehme ich meine abschätzige Bemerkung "Baracke" wieder zurück. Von der Grösse her war hier also auch eine doch recht grosse Schirn vorhanden, auch wenn sie nicht die Bedeutung und den Bekanntheitsgrad der Schirn unter dem Roten Haus hatte. Mir ist aufgefallen, dass weder auf dem Stadtplan von 1861 noch auf jenem von 1944 hier Baulücken eingezeichnet sind. Aus dem Ravenstein-Plan geht leider nicht hervor, welches mehrgeschossige und eingeschossige Bauten sind, auch sind Fahrnissbauten (Schöpfe) nicht von den Wohnbauten unterscheidbar. Lediglich überbaute Räume (wie beim Roten Haus) sind durch ein Diagonalkreuz speziell markiert.

      Somit ist es gut möglich, dass auf dem Ravenstein-Plan bereits die eingeschossige Schirn von 1847 eingezeichnet ist. Hingegen wird Bendergasse 8 samt dem Nachbargebäude ersatzlos nach 1861 abgetragen worden sein, denn sonst hätte Ravenstein hier ja eine Baulücke einzeichnen müssen, da ja der entstandene Platz unbebaut blieb. Die rahmenartige Verputzgliederung beider Brandmauern, die Bänderung im EG sowie der Zustand des Verputzes an Nr. 4 weisen am ehesten in die 1870er-Jahre.

      Zusatzbemerkung: wenn man die oben gezeigte Ansichtskarte der Bendergasse gegen Westen genau betrachtet, habe ich den Eindruck, das auch die Eckliegenschaft Bendergasse 9 (links angeschnitten) nur eingeschossig überbaut ist. Somit wären also drei von vier Eckgebäuden abgerissen worden...
    • Riegel: Da hast du sicher Recht. Es scheint, als habe man an dieser Stelle einen neuen Platz schaffen wollen. Gerade in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde wegen des zunehmenden Verfalls der Gebäude allerdings ziemlich plan- und rücksichtslos abgerissen. So stellt sich die Frage, ob das eine Maßnahme war, die verwaltungsmäßig geplant war oder eher durch Baufälligkeit bedingt war und von der Altstadtbevölkerung ausging, die zu dieser Zeit größtenteils von der untersten sozialen Schicht gestellt wurde. Oder um es anders auszudrücken: Verständnis für den historischen Wert ihrer Behausungen hatten die Leute damals nicht.

      Auf die Bilder vom Handwerkerhöfchen bin ich schon gespannt!

      Zum Abschluss von mir noch eine Karte. Auf den ersten Blick eine der häufigsten Ansichten - aus dem Markt heraus auf den Römerberg mit dem Römer. Meist ist dabei der Winkel und die Position bzw. die Brennweite aber so gewählt, dass rechts das Schild der Gaststätte im Steinernen Haus (Markt 44) ins Bild hängt und der Große/Kleine Engel (Markt 39 / Römerberg 28 / Rapunzelgässchen 11) links nur ganz leicht angeschnitten wird. Dieses Bild ist sowohl weitwinkliger als auch von einer Position aufgenommen, die weiter hinten (östlich) im Markt liegt. Und somit besonders.

      Rechts im Bild sehen wir einen größeren Teil des Steinernen Hauses in seinem bereits wiederhergestellten Zustand, was daran erkennbar ist, dass der prachtvolle Baldachin über der bedeutenden spätgotischen Hausmadonna wieder seine alte Form hat; er wurde 1872 aufgrund von Baufälligkeit abgebrochen. Dahinter sehen wir das Haus zu den zwölf Himmelszeichen (Markt 46), das man mit seinen Holzpanelen, die typische Renaissanceformen zeigen, leicht als Gegenstück zum dahinterliegenden Salzhaus erkennt. Auch idealisiert es den Eingang zum Markt auf geradezu perfekte Weise, indem es wie der gegenüberliegende Engel einen Erker mit Spitzhaube aufweist. Es ist allerdings kein Bau des 17. Jahrhunderts, sondern des Historismus. Eine nähere Beschäftigung mit der Baugeschichte wäre sicher interessant. Vom Engel kann man hier fast die ganze Marktfassade und einen Teil der Fassade zur Rapunzelgasse erkennen, ebenso die reichen Schnitzverzierungen der Eckständer. Interessant die Farbfassung der Schnitzereien, die, obwohl es sich hier nur um ein Schwarz-Weiß-Bild handelt, definitiv von der heutigen, für die Rekonstruktion verwandten abweicht. Links davon sehen wir sogar noch ein Stück des Hauses Goldener Hahn (Markt 37):



      Vorderbeschriftung: Frankfurt a. M. Alter Markt-Blick auf Römer.
      Datierung: 18.03.1929
    • Re: Frankfurt in alten Ansichtskarten

      "RMA" schrieb:

      ...



      Vorderbeschriftung: Flugzeugaufnahme von Frankfurt a. Main
      Datierung: 14.07.1938


      Interessant sind ja die großen Barockhäuser (?) an einzelnen Straßenzügen,
      wobei innerhalb dieser "Blöcke" vermutlich noch die alten mittelalterlichen
      Knusperhäuser standen. Auch interessant ist ja die Gestalt der Kirche,
      welche von oben betrachtet eher an ein + Zeichen erinnert als an ein
      christliches Kreuz, wo die Balken sich ja im goldenen Schnitt schneiden.
      Gibt es dafür Gründe ? Sollte die Kirche vergrößert werden ? :piksen:
    • Re: Frankfurt in alten Ansichtskarten

      "Oliver" schrieb:

      "RMA" schrieb:

      ...



      Vorderbeschriftung: Flugzeugaufnahme von Frankfurt a. Main
      Datierung: 14.07.1938


      Interessant sind ja die großen Barockhäuser (?) an einzelnen Straßenzügen,
      wobei innerhalb dieser "Blöcke" vermutlich noch die alten mittelalterlichen
      Knusperhäuser standen. Auch interessant ist ja die Gestalt der Kirche,
      welche von oben betrachtet eher an ein + Zeichen erinnert als an ein
      christliches Kreuz, wo die Balken sich ja im goldenen Schnitt schneiden.
      Gibt es dafür Gründe ? Sollte die Kirche vergrößert werden ? :piksen:


      Bezüglich der "Barockhäuser" müsstest du etwas konkreter werden, es gibt ja eine ganze Menge Häuser auf dem Bild. ;)

      Wenn du die Häuserzeile meinst, die diagonal vom Römerberg zum rechten unteren Bilddrittel verläuft und auf Höhe des Doms von einer weiteren solchen Häuserzeile geschnitten wird, so sprechen wir von Braubach- und Domstraße, gründerzeitliche Straßenneuanlagen, die mit historisierender (darunter auch neobarocker) Architektur die Lücken zu heilen versuchten, die man zu ihrem Bau in den mittelalterlichen Stadtkern geschlagen hatte. Dass dies nur zweifelhaft gelungen ist, kann man an dem Luftbild wirklich exzellent sehen - die Häuser sind zum einen zu hoch, zum anderen wirken sie in ihrem Verlauf inmitten der mittelalterlichen Straßensysteme zu planmäßig.

      Die Form des Kaiserdoms fällt tatsächlich völlig aus dem Rahmen mittelalterlichen Kirchenbaus. Den Grund dafür kann man im Wesentlichen darin sehen, dass die Stadt in der gotischen Bauphase schon derart dicht besidelt war, dass ein Aufkauf der Grundstücke westlich des Doms, um das Langhaus in diese Richtung zu erweitern, nicht zu Stande kam. So hat man es dabei belassen, sich mit der "Kreuzform" begnügt und den Westturm direkt auf dem Grundstück des alten Rathauses errichtet - nachdem die Stadtverwaltung 1405 in den Römer umzog. :)

      Sehr empfehlen kann ich zu dem Thema übrigens auch den exzellenten Wikipedia-Artikel über den Kaiserdom, er ersetzt so manche teure Lektüre:

      http://de.wikipedia.org/wiki/Kaiserdom_" onclick="window.open(this.href);return false;\r
      de.wikipedia.org/wiki/Kaiserdom_ ... om%C3%A4us
    • Re: Frankfurt in alten Ansichtskarten

      "Oliver" schrieb:


      Interessant sind ja die großen Barockhäuser (?) an einzelnen Straßenzügen,
      wobei innerhalb dieser "Blöcke" vermutlich noch die alten mittelalterlichen
      Knusperhäuser standen. [...]


      Schau hierzu mal in den Faden über die Braubachstrasse, dort findest Du eine Menge zu den neubarocken Häuser an diesem Strassenzug
      http://www.architekturforum.net/viewtopic.php?t=1074" onclick="window.open(this.href);return false;">viewtopic.php?t=1074
    • Vielleicht noch eine Anmerkung dazu. Die Kirche heißt "St. Bartholomäus" und lässt meiner Ansicht nach dadurch schon sehr auf einen griechischen Hintergrund deuten. Dann wäre ein Kreuz im + "Format" logisch, den ebendieses wäre ja ein griechisches christliches Kreuz. zwinkern


      [Besserwisser-Modus an] Na ja, Bartholomäus ist aber leider kein griechischer, sondern ein aramäischer Namen (siehe das "Bar" aram. = Sohn) Der besagte Heilige war ein Jünger Jesu und, wie der Name zeigt, offenbar Jude. Er genießt in der westlichen Kirche genauso große Verehrung wie in der orthodoxen Kirche. [Besserwisser-Modus aus]
    • Ja, die Inschriften bzw. Schilder in den Postkarten zu entziffern finde ich unglaublich spannend. Auch höchst interessant, dass damals schon derart "touristisch" gearbeitet wurde. Der Ständer mit den Postkarten vom Fünffingerplätzchen im Ausschnitt ist übrigens auch auf mehreren Postkarten an verschiedenen Orten zu sehen, ich habe auch eine, wo er an der Südfassade des Hauses zum Widder (Goldhutgasse 2) aufgestellt ist.

      Ich bin schon sehr gespannt auf deine Ausführungen zum Handwerkerhöfchen, Riegel. :)
    • "Riegel" schrieb:


      Bendergasse nach Westen, ca. 1910, ohne Angaben

      [...] Zusatzbemerkung: wenn man die oben gezeigte Ansichtskarte der Bendergasse gegen Westen genau betrachtet, habe ich den Eindruck, das auch die Eckliegenschaft Bendergasse 9 (links angeschnitten) nur eingeschossig überbaut ist. Somit wären also drei von vier Eckgebäuden abgerissen worden...


      "RMA" schrieb:

      Da hast du sicher Recht. Es scheint, als habe man an dieser Stelle einen neuen Platz schaffen wollen. [...]


      Fehlanzeige!

      Eine Ansichtskarte der Langen Schirn, aufgenommen um 1920/30 von der Bendergasse zur Saalgasse, zeigt hier ein Eckhaus mit mindestens drei Geschossen. Bei diesem eingeschossigen Hüttchen handelte es sich lediglich um einen schmalen Vorbau, welcher in die Gasse vorsprang :zwinkern: (die Karte selber ist mit Ausnahme der Strassenlaterne ziemlich unscharf, deshalb keine Vergrösserung)


      Hans F. Martin, Verlag, Frankfurt/Main, ca. 1920/30
    • Fünffingerplätzchen und Handwerkerhöfchen (Teil 1)


      Vereinigte Kunstdruckereien Metz&Lautz, Darmstadt, ca. 1900

      Das Fünffingerplätzchen war eines der hauptsächlichsten Ansichtskartenmotive der Altstadt. Meistens wurde der Blick in Richtung Goldhutgasse gewählt, da hier gleich drei der fünf hier zusammenlaufenden Gässchen auf einem Bild festgehalten werden konnten. Auch rückte so der pitoreske Kopfbau Goldhutgasse 2 "Zum Widder" mit seinem spitzen Dach ins Zentrum, und die Brunnensäule kam in den Vordergrund zu stehen. Eine architektonische Besonderheit bildete Goldhutgasse 7 "Zur wilden Frau", deren barocken Obergeschosse auf einem gotischen Erdgeschoss ruhten. Es ist bezeichnend für die Altstädte, dass vor 1800 selten ein Haus bis auf den Grund abgebrochen worden ist, sondern noch brauchbare Substanz in (Teil)-Neubauten integriert wurde.

      Hier handelt es sich um eine der älteren Aufnahmen des Plätzchens; bemerkenswert auch noch die unregelmässige Pflästerung. Man kann sich die mangelnden hygienischen Verhältnisse leicht erahnen, vor allem wenn man einen Blick in das Flössergässchen (rechts am Bildrand) wirft... Das Plätzchen entstand in dieser Grösse erst zwischen 1861 und 1900, als durch den Abbruch zweier kleiner Gebäude (Drachengässchen 1 und 3, im Planausschnitt dunkelgrün) mehr Freiraum geschaffen wurde. Die dadurch sichtbar gewordene Brandmauer von Drachengässchen 5 blieb bis Ende der 30er Jahre sichtbar, und ist ab und zu angeschnitten auf Ansichtskarten sichtbar (auf der hier gezeigten nicht).




      Verlag von Emil Hartmann, Mannheim, Nr. 84, ca. 1930/35

      Der entgegengesetzte Blick stellte sich dem Betrachter viel städtischer dar. Hier dominierten vor allem die beiden Häuser "zum Hasen" (Bendergasse 24) und das sog. "Pesthaus" (Bendergasse 26), unter welchem auch eine Passage zur Bendergasse hindurchführte. Die hier gezeigte Karte entstand im Kupfertiefdruckverfahren. Dieses Verfahren war Mitte der Dreissigerjahre gebräuchlich, und ergab stimmigere Bilder, in dem die Farben nicht mehr so grell erschienen wie bei den kolorierten Ansichtskarten aus den ersten beiden Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts.




      li: Verlag Julius Simonsen, Oldenburg i. Holst., Nr. 128, geschr. 1942
      re: keine Angaben, geschr. 1939


      Die gleichen Ansichten nach der Altstadtsanierung Ende der 30er Jahre: beim Haus "zum Widder" wurde das Fachwerk freigelegt, die Brandmauer von Drachengässchen 5 wurde zu einer Fassade umgestaltet (links angeschnitten), wobei die Giebelwand einem Walmdach Platz machen musste. Auffallend ist auch, dass beim Erdgeschoss der "wilden Frau" die Ecken nicht mehr verputzt sind. Wurde hier "archäologische Denkmalpflege" betrieben, indem die beiden Eckständer aus gotischer Zeit freigelegt wurden? Vor allem fällt auch auf, dass das Flössergässchen ausgeräumt worden ist, und einen freien Blick ins damals entstandene "Handwerkerhöfchen" gestattete.

      Äusserst rar ist die rechte Ansichtskarte, welche das "Pesthaus" mit freigelegtem Fachwerk zeigt. Wann genau die Altstadtsanierung in diesem Teil erfolgte, ist mir noch unklar, der Schwerpunkt liegt aber im Jahre 1938. Mündlichen Aussagen zufolge liegen im Stadtarchiv aber einige Unterlagen, welche die damals ausgeführten Arbeiten exakt dokumentieren. Die Karte selbst hat eine weite Reise hinter sich: ursprünglich gekauft in Frankfurt (vielleicht direkt am Fünffingerplätzchen?), abeschickt am 15.8.1939 in Rüsselsheim, versandt nach Brüssel, habe ich sie letztes Jahr von einem Verkäufer auf Gran Canaria via eBay erworben, wo sie sich nun in meiner Frankfurt-Sammlung in der Schweiz befindet...




      Kupfertiefdruck, N.P.V. Nr. 145, ca. 20/30er Jahre (fälschlicherweise mit "Rapunzelgässchen" beschriftet!)

      Das Flössergässchen endete als Sackgasse, und wurde vor allem durch die Rückfronten der Häuser an der Bendergasse bestimmt. Bei solchen Aufnahmen frage ich mich immer wieder, wie es hier wohl gerochen hat...

      Von links: Goldhutgasse 2, Unterstand und dreigeschossiges (!) Hinterhaus Bendergasse 14. Mitte: viergeschossige (!) Seitenwand von Bendergasse 12. Von rechts: Bendergasse 24, 22, 20, 18 (16 und 14 nicht sichtbar)




      Verlag für Volks- und Heimatkunde, Weimar, F23
      Lichtbild von Günther Bever, Weimar, ca. 20/30er Jahre


      Der selbe Blick zum Fünffingerplätzchen zurück...




      Verlag von Emil Hartmann, Mannheim, ca. 1938/44
      (Ansichtskarten-geschichtlich interessant ist, dass das Bild links etwa um einen Zentimeter mit dem Pinsel ergänzt worden ist...)


      Nach der Auskernungsmassnahme im Hof zwischen Alter Markt, Lange Schirn, Bendergasse und Goldhutgasse 1938 entstand das "Handwerkerhöfchen". Es ist schwer auszumachen, ob nebst Umbauten auch Neubauten stattgefunden haben. Aus dem Vergleich mit dem Ravenstein-Plan 1861 und dem Stadtplan 1944 geht hervor, was alles ersatzlos abgebrochen worden ist (im Planausschnitt hellgrün), allerdings kann die Höhe von einem bis mehrere Geschosse betragen haben.

      Von links nach rechts: Loggien von Martkt 23, Hinterhaus von Markt 21, Rückseite Lange Schirn 9, 7 (mit Durchgang),5, 3 (Hinterhaus?), Bendergasse 12. Die Veränderungen am Hinterhaus Alter Markt 21 sind mir unklar: einerseits wurde im Norden (links) ein Lichthof zugebaut, im Süden (rechts) ein Teil des Hinterhauses von Lange Schirn 9 dem ersten zugeschlagen. Bautechnisch würde man hier deshalb ein neu gebautes Hinterhaus erwarten; das Bogenfenster im Erdgeschoss und die zusammengerückten Fenster der Obergeschosse lassen aber einen stehengebliebenen Kern vermuten. Mittels eines Walmdaches darüber wurde versucht, den Lichteinfall in den Hof möglichst wenig zu beeinträchtigen. Der Durchgang unter Lange Schirn 7 wurde ebenfalls neu angelegt. Die Seitenwand von Lange Schirn 3 hat einen leichten Anzug, was ebenfalls gegen einen Neubau spricht. Auch ihn bekrönt wiederum ein Walmdach statt eines Giebeldaches. Die Rückseite von Bendergasse 12 schliesslich macht einen sehr neuen Eindruck. Auf der Ansichtskarte des Flössergässchens sind noch drei Obergeschosse sichtbar, jetzt aber sind es nur noch deren zwei mit einem Mansarddach darüber. An einen vollständigen Neubau glaube ich auch hier kaum, da die Erdgeschosswand nicht im Senkel steht.

      Wie bereits erwähnt, liegen im Stadtarchiv noch viele Akten, welche hierüber Klarheit verschaffen könnten. Ich habe aber den Eindruck, dass mit der stehengebliebenen Bausubstanz sehr behutsam vorgegangen worden ist (diesen Eindruck habe ich auch von der gleichzeitigen Entkernungsmassnahme im "Kirschgarten", welchen ich hier auch bald vorstellen werde).





      Ausschnitt aus dem Ravenstein-Plan 1861
      dunkelgrün: Abbruch 2. H. 19. Jh.
      hellgrün: Abbruch 1938
      hellblau: zugebaute Lichthöfe 1938
      rot: "fehlende" Eckhäuser Bendergasse/Lange Schirn


      >> zum zweiten Beitrag über das Handwerkerhöfchen vom 27.7.2010