Semperoper

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    • Planmaterial Semperoper Dresden

      an alle besucher dieser seite:

      ich bin auf der suche nach planmaterial der semperoper.
      ich benötige dieses für eine seminararbeit. aufgabe ist es, vor allem die innenräumliche situation im maßstab 1:50 nachzubauen und anhand dieser die akkustische wirkungsweise mithilfe von licht darzustellen.

      wer mir also weiterhelfen kann, kontakte hat oder eine entsprechende stelle nennen kann, an die man sich wenden könnte, gebe mir HIER bitte bescheid.

      vielen dank.
    • Auf Wunsch von Kv2D möchte ich hiermit (es handelt sich, was meine Beiträge betrifft, um Teil 1) einen neuen Strang zur Semperoper eröffnen. Ich empfehle Euch wärmstens, quasi zur visuellen Einstimmung, zunächst die exzellent gemachte Computeranimation des rekonstruierten Zuschauerraumes zu genießen (Quelle: offizielle HP der Semperoper). Man kann per Maussteuerung mit einer „bewegten Kamera“ jede Perspektive anzielen, und das in jeweils filigraner Abbildung.

      Semperoper - Oper Dresden- Die Semperoper Dresden

      Eine textliche Einstimmung auf das Thema, vor allem darauf, was da geleistet wurde, aber eben auch in der Hinsicht, was die Semperoper den Dresdnern immer bedeutet hat – beides hängt kausal zusammen - vermitteln die folgenden Sätze aus einem Feuilleton der Berliner Zeitung. Anlass dieses Artikels vom 11.02.2005 war das 20-jährige Jubiläum der Wiedereröffnung der Semperoper. Die Autorin Ingeborg Kretzschmar, langjährig als Musikkritikerin für besagte Zeitung tätig, hatte den Angriff auf Dresden selbst erleben müssen.

      Der 13. Februar 1985: Minus vierzehn Grad. Wie eine Mauer stehen die Dresdner im weiten Rund (A: auf dem Theaterplatz) und wärmen sich am Anblick ihres alten neuen Opernprunkstücks. Sie wollen dabei sein bei der Wiederauferstehung, auf Tag und Stunde genau vierzig Jahre nach der Zerstörung. Vielen schnürt es die Kehle zu, vor allem denen, die Dresdens apokalyptische Nacht wie durch ein Wunder überlebten. Im Scheinwerferlicht feiert das legendäre Bauwerk sich selbst, während drinnen die Freischütz-Ouvertüre erklingt.
      Wo in der Geschichte der Architektur gibt es ein Beispiel, dass ein Bauwerk nach den Plänen desselben Mannes zum dritten Mal entsteht, wie der Kehrreim eines Liedes? Welche Qualität des Entwurfes, welche Lebenskraft stecken in dem dreimaligen Anlauf….

      Das Bauwerk (A: die am 13.2.1985 wieder erstandene Oper, also Semperoper Nr. 3) wurde mit ungeheurer Präzision erschaffen. Mühselig war die Rekonstruktion des gewaltigen Kronleuchters, der 4,2 Meter im Durchmesser maß und 1,9 Tonnen wog. Der alte Kapellmeister Striegler hatte immer behauptet, im Kronleuchter stecke das Geheimnis der phänomenalen Akustik. Mit Personal von sechsundfünfzig Gewerken und siebzig freiberuflichen Künstlern erstand die alte neue Semperoper in achtjähriger Bauzeit wieder. Es gab kein Ausweichen auf "Nachempfundenes", Kompromisse wurden nicht eingegangen. Bis auf das Blattgold war alles DDR-handgemacht. Das denkmalpflegerische Meisterstück galt danach als Maßstab. Die Sorgfalt hatte ihren Preis: Von 1976 bis 1985 flossen 225 Millionen DDR-Mark in den Bau.


      Es klang im obigen Text schon an, bei dem jetzigen Bau handelt es sich um Semperoper Nr. 3. Semperoper Nr. 1 entstand in den Jahren 1838 bis 1841. Den bei Auftragsvergabe erst 29 (!) Jahre alten Architekten machte dieses Meisterwerk europaweit mit einem Schlag berühmt. Und die Dresdner liebten ihn dafür, wie sehr, dass zeigte sich dann bei Bau Nr. 2. Dazu gleich mehr. Zunächst aber ein Blick auf den ersten Bau, beachtet bitte den Fries am Nordgiebel des Bühnenraumes, eine Schöpfung des Bildhauers Ernst Rietschel.


      Quelle: bildindex der Kunst und Architektur

      1969 kam es durch Fahrlässigkeit von Bühnenarbeitern zu einem verheerenden Großbrand, bei dem das Opernhaus bis auf die Grundmauern niederbrannte. Die Dresdner Bürgerschaft konnte sich für den Neubau, der umgehend beginnen sollte, keinen anderen Architekten vorstellen als eben Gottfried Semper. Aber - der galt inzwischen in Sachsen (was die Obrigkeit betrifft) als persona non grata (war ausgebürgert worden). Bei den Kämpfen in der Revolution 1848/49 hatte Semper nicht nur sein „Fachwissen“ für den Bau von Barrikaden zur Verfügung gestellt, er stand selbst als Kommandeur auf einer der Dresdner Barrikaden. Nach der blutigen Niederschlagung des Aufstandes durch preußische Truppen musste er fliehen und wurde danach steckbrieflich gesucht. Nicht zuletzt mit einer Petition, die 1.200 Dresdner Bürger unterschrieben hatten, konnte schließlich doch erreicht werden, dass Gottfried Semper auch den Auftrag für Bau Nr. 2 erhielt. Die Ausführung vor Ort lag in den Händen seines ältesten Sohnes Manfred.

      Die verwertbaren Bauplastiken aus dem 1. Bau wurden beim Abriss geborgen und teilweise in den 2. Bau integriert: Skulpturen der Dichterfürsten Schiller und Goethe am Eingang, gestaltet von Ernst Rietschel, Shakespeare und Sophokles auf der linken und in gleicher Stellung auf der rechten Seite Molière und Euripides, gestaltet von Ernst Julius Hähnel. Den Fries vom Nordgiebel (Foto oben) ergatterten die Bautzener für ihr damals neues Theater.

      Für sehr wichtig halte ich noch folgenden Hinweis. Der zweite Bau wurde – in Bezug auf die Standfläche der ersten Oper – weit nach Westen verschoben und damit heraus aus der Front der Sempergalerie. Der Grund lag in der zwischenzeitlich veränderten städtebaulichen Situation in diesem Bereich. Die grandiose Raumwirkung des heutigen Theaterplatzes ist also das Ergebnis einer bewussten Maßnahme – man wird schwermütig, wenn man an die heutigen Akteure im Stadtplanungsamt denkt – Stichwort Gewandhaus, Stichwort Postplatz (ach es gibt hierbei so viele Stichwörter).


      Im Feuersturm des 13. Februar 1945 brannte auch die Semperoper nieder. Aber im Gegensatz zum Beispiel zum Schloss wurde der Wiederaufbau dieses Gebäudes eigentlich nie in Frage gestellt. Schon bald nach Kriegsende begannen Spendensammlungen. 1,5 Millionen Mark kamen zusammen. Für damalige Verhältnisse eine gigantische Summe. Erste Sicherungsmaßnahmen erfolgten bereits in den ersten Nachkriegsjahren. Zu dieser Phase schreibt Heinrich Magirius:

      Heinrich Magirius: Die Semperoper zu Dresden

      Besonders schwer beschädigt waren das Bühnenhaus und der Zuschauerraum. Durch den Brand des hölzernen Plafonds und des Gestühls wurde die Innenarchitektur fast gänzlich zerstört, während in den Vestibülen und Foyers, wo das Feuer weniger Nahrung hatte finden können, nicht nur Partien des Stucks, sondern sogar Wandmalereien ganz oder teilweise erhalten blieben.


      Hier ein Blick auf die Mittelloge im Zuschauerraum (Zustand 1953) – im Vergleich mit dem heutigen Anblick muss man wirklich vor Ehrfurcht erstarren:

      fotothek.slub-dresden.de/technik/cards/df_0122917.jpg

      Weiter Heinrich Magirius, gleich Quelle wie oben

      Schon im September 1946 konnte mit Sicherungsarbeiten begonnen werden. … 1948 stürzte der westliche Giebel des Bühnenhauses ein.
      (A: Ich will abkürzen: Daraufhin wurden die Bauarbeiten zunächst eingestellt. Aber damit wollten sich die Dresdner nicht abfinden. Es erfolgten Spendensammlungen, die Denkmalpfleger - zum Beispiel Gutachten Hans Nadler - „flehten“ regelrecht bei den staatlichen Stellen um Fortführung der Sicherung. Im November 1950 ging es dann weiter.)

      Der theaterplatzseitige (A: also der östliche) Giebel des Bühnenhauses wurde abgetragen und unter Verwendung der originalen Steine nach statischer Sicherung der Auflager wieder aufgerichtet, der rückwärtige (A: 1948 eingestürzte westliche) Giebel neu aufgebaut und Zuschauer- wie Bühnenhaus mit Dächern versehen. Am Äußeren wurde die zerstörte und beschädigte Sandsteinarchitektur originalgetreu wiederhergestellt bzw. ergänzt.



      Statischer Gutachter bei den Arbeiten in den 1950er Jahren war ein gewisser Wolfgang Preiß. Ich will jetzt nicht zu weit abschweifen, aber ein paar Sätze über diesen Mann gehören einfach mit dazu, wenn es um das Nachkriegsschicksal der Semperoper geht. Die folgenden Sätze stammen aus einem Nachruf, veröffentlicht hier:

      nationalkomitee.de/denkmalschu…kmalschutzinfo_1_2005.pdf

      Am 17. November 2004 verstarb in Dresden Professor Dipl.-lng. Wolfgang Preiß, 82 Jahre alt. Er stand in der ingenieurtechnischen Tradition von Professor Georg Rüth, Ordinarius an der Technischen Universität Dresden, der zwischen den beiden Weltkriegen zahlreichen Monumenten durch seine Sicherungsmaßnahmen Bestand von Dauer gab (A: Stichwort Frauenkirche, Rüths Unterlagen-Nachlass von den Vorkriegsarbeiten war eine unschätzbare Quelle für die Rekonstruktion der Frauenkirche). Wer weiß heute noch, dass Wolfgang Preiß der Ruine der Semperoper in Dresden half, durch sein Sicherungsprojekt Anfang der fünfziger Jahre zu überleben? Wer weiß heute noch, dass er die ingenieurtechnische Verantwortung für zum Teil abenteuerliche Substanzsicherungen im Dresdener-Schloss übernahm? ….
      „Hier muss Preiß her“ war ein geflügeltes Wort zwischen Erzgebirge und Ostsee bei Kirchbaupflegern ebenso wie bei Stadt- und Kreisbaudirektoren, wenn Denkmale ins Wanken kamen. 1975 war er maßgeblich an der Verschiebung der spätgotischen Hallenkirche von Most (Brüx) in Tschechien beteiligt, die heute 840 Meter entfernt von ihrem ursprünglichen Standort steht.



      Das folgende Foto zeigt den Bauzustand am 8.11.1953:

      fotothek.slub-dresden.de/technik/cards/df_0122956.jpg


      Nach der Erstsicherung in den 1950er Jahren vergingen dann nochmals 20 Jahre, bis der Startschuss für die Wiederherstellung der Oper fiel: per Ministerratsbeschluss von 1976 (Baubeginn Juni 1977). Die lange Wartezeit hatte aber, wie gesagt, keine ideologischen Gründe, sondern wirtschaftliche. Offiziell angekündigt wurde das Vorhaben bereits 1969.

      Das folgende Modellbild stammt aus einer Sonderausgabe der Sächsischen Zeitung vom 4. Juli 1969, in der die insgesamt bevorstehenden Bauvorhaben für die Stadt Dresden vorgestellt wurden. Anzumerken ist, dass der an der Rückfront angeschnitten erkennbare moderne Anbau eine Entwurfsskizze darstellt und so nicht zur Realisierung gelangte.




      Dass die Semperoper auch im Inneren historisch gestaltet worden ist, war anfänglich keineswegs geplant. Dies war das Ergebnis eines mehrjährigen Prozesses der Entscheidungsfindung (in den Jahren vor Baubeginn), bei dem 2 Aspekte zum Tragen kamen: Denkmalpflegerische Aspekte und die Frage der Akustik! Lassen wir dazu 2 beteiligte Experten zu Wort kommen:

      Heinrich Magirius: Die Semperoper zu Dresden

      Freilich war die Erkenntnisbasis noch schmal, auf Grund derer im Jahre 1970 im Bereich des Übergangs vom oberen Rundfoyer zum zwingerseitigen Vestibül durch das Institut für Denkmalpflege, Arbeitsstelle Dresden, eine Restaurierungsprobe hergestellt wurde. Der zerstörte Stuck wurde rekonstruiert und restauriert, der Stuckmarmor aufpoliert, die Stucco-lustro-Flächen lediglich gemalt und die dekorative Malerei so gut wie möglich rekonstruiert. An die Wiederholung der verlorenen figuralen Gemälde wurde damals noch nicht gedacht.
      Trotz aller Unzulänglichkeiten übte diese Großprobe eine überraschende Wirkung aus. Was durch Gutachten nie hätte geklärt werden können, war vor Augen: Der künstlerische Schmuck ist von entscheidender Bedeutung für die Architektur Gottfried Sempers.



      W. Kraak: „Die Akustik der Semperoper“
      (Überarbeitete Vorlesung vom 9.12.2004)

      Die Ruine erinnerte die Dresdener wehmutsvoll an die Vergangenheit, in der Dresden noch eines der Zentren des europäischen Operngeschehens war…..Insbesondere wurde die ehemals hervorragende Akustik gerühmt. Mancher Dresdner erinnerte sich noch, dass man in der Semperoper (A: also in der alten) unbequem gesessen hat. Man war auf den meisten Plätzen eingeengt, konnte die Beine nicht bewegen. Die Sichtverhältnisse waren zum Teil schlecht. Auf manchen Plätzen konnte man nur Teile der Bühne sehen und das auch nur mit Kopfverrenkungen. Aber über die Akustik wurde geschwärmt. Und dieser Mythos von der hervorragenden Akustik der alten Oper war weit über die Grenzen Deutschlands verbreitet.
      Selbstverständlich war die Verbesserung der Sitz- und Sichtverhältnisse Bedingung für den Wiederaufbau. Aber: Conditio sine qua non: die akustischen Verhältnisse mussten werden, wie sie waren oder besser.
      …..
      Bei der lange vorbereiteten Planung des Wiederaufbaus wurden zahlreiche Varianten untersucht. Die Mehrzahl der Entwürfe sah den Erhalt des äußeren architektonischen Bildes und einen modern gestalteten Zuhörerraum vor. Im Vergleich der Varianten war die Akustik, wenn nicht von ausschlaggebender, so doch von sehr schwergewichtiger Bedeutung.
      ……
      (A: Die akustischen Untersuchungen im Rahmen der vorbereitenden Planungen basierten wesentlich auf Messungen an Modellen – und die erbrachten ein überzeugendes Ergebnis, wie man im weiteren Textauszug lesen kann.)

      Die Modelle für den Variantenvergleich wurden im Maßstab 1:20 (! Rechnet mal die Modellmaße hoch) hergestellt, teilweise aus Gips, denn nur so war es möglich, die architektonischen Details in filigraner Arbeit nachzubilden. Und das erschien nötig, schon Semper hatte ja, in weiser Vorwegnahme moderner Erkenntnisse, auf die Bedeutung der "plastischen Verzierungen" hingewiesen (A: Bedeutung für die Akustik)….

      Über diese Modelluntersuchungen wurden verglichen: Der im Modell rekonstruierte alte Zuhörerraum im Zustand vor der Zerstörung und die Modelle 6 ausgewählter moderner Entwürfe. Auf Grund der Ergebnisse der Messungen und Gesichtspunkten der Denkmalpflege wurde schließlich eine historische Konzeption ausgewählt. Das bedeutete, die gestalterischen Elemente der alten Oper sollten weitgehend übernommen werden.



      Fortsetzung folgt...
    • Vielen Dank erst einmal!
      Das ein solches Opernhaus in meisterlicher Perfektion wiedererstanden ist, v.A. im abrisswütigen Nachkriegsdresden und zudem noch in den 70ern, grenzt aus heutiger Sicht an ein Wunder und ist auch meines Erachtens in der Opernwelt einzigartig. Keine modernen Experimente alle Änderungen waren nur positiver Art und waren an Sempers Stil angeglichen.

      Gibt es eigentlich fotografische Innenaufnahmen der ersten Oper? Irgendwie erschien sie mir größer oder täuscht das? Übrigens wurden in dem 1. Haus sämtliche Wagneropern uraufgefürt.

      Ich habe nur diesen Richter -Stich: upload.wikimedia.org/wikipedia…theater_J_C_A_Richter.jpg
    • Kindvon2dresdnern schrieb:
      > Übrigens wurden in dem 1. Haus sämtliche Wagneropern uraufgefürt.

      Nicht alle, nur "Rienzi", "Der fliegende Holländer" und "Tannhäuser". Trotzdem ziemlich spektakulär für die kurze Dauer, die die erste Semperoper stand. "Tannhäuser" (2x), "Das Rheingold" und "Tristan und Isolde" habe ich mir übrigens schon in der Semper zu Gemüte geführt. Die Staatskapelle und die Akustik sind wirklich erstklassig, die Regie aber war mies. Aber das würde jetzt vom Thema wegführen.

      --
      Aenos
    • Stimmt, Recht hast Du.
      Ich vergaß, dass er wie Semper auch fliehen musste.

      1849 musste er als Revolutionär, wegen der Teilnahme am Dresdner Maiaufstand, im späteren Verlauf der Märzrevolution im Königreich Sachsen fliehen und wurde, wie auch sein Freund Gottfried Semper, von der Polizei steckbrieflich gesucht.

      Quelle: Richard Wagner – Wikipedia

      Dafür trifft das aber auf fast alle Strauss-Opern im zweiten Haus zu.
    • Vielen Dank erst einmal!
      Das ein solches Opernhaus in meisterlicher Perfektion wiedererstanden ist, v.A. im abrisswütigen Nachkriegsdresden und zudem noch in den 70ern, grenzt aus heutiger Sicht an ein Wunder und ist auch meines Erachtens in der Opernwelt einzigartig. Keine modernen Experimente alle Änderungen waren nur positiver Art und waren an Sempers Stil angeglichen.

      Gibt es eigentlich fotografische Innenaufnahmen der ersten Oper? Irgendwie erschien sie mir größer oder täuscht das? Übrigens wurden in dem 1. Haus sämtliche Wagneropern uraufgefürt.

      Ich habe nur diesen Richter -Stich: upload.wikimedia.org/wikipedia…theater_J_C_A_Richter.jpg



      Bei Bildindex findet man reichlich Fotos vom ersten Bau.

      Wenn man dort die Bilder des Innenraums der Semperoper betrachtet, dann fällt auf, dass man den oberen logenrang beim Wiederaufbau völlig verändert hat. Früher waren dort sehr viele zuschauer untergrebracht, usw.... Fand den alten innenraum vor der Zerstörung eleganter und stimmiger in seiner Aufteilung und Logenkomposition.
    • Danke. Fotos vom Innenraum des 1. Hauses gibt es aber nicht.

      Eigentlich war die Fassade nach dem Brand noch gut erhalten, aber ein Wiederaufbau kam wohl damals nicht in Betracht?

      bildindex.de/bilder/MI09582e07a.jpg

      Was ist das eigentlich für eine Mauer hinter der Oper:

      bildindex.de/bilder/MI09584d02a.jpg

      Waren das schon die Grundmauern für die geplante Erweiterung durch Kreis?


      Wie man hier sehen kann ( bildindex.de/bilder/MI09583g09a.jpg ) stand sogar 1968 noch das Fernheitzkraftwerk, kann es sein, dass es erst Ende der 70er für den heutigen Erweiterungsbau abgerissen wurde?


      Wo istz denn die besagte Figurengruppe aus dem Giebel heute? Immer noch im Bautzner Depositum wie 1979? bildindex.de/bilder/MI09584e06a.jpg
    • Ich bin zur Zeit im (dienstlichen) Mega-Stress und komme daher erst heute dazu, die Fragen von Kv2D zu beantworten. Meine Ausführungen basieren auf folgenden Quellen:
      1. Fritz Löffler: „Das alte Dresden“; Seemann Verlag
      2. Heinrich Magirius: „Die Semperoper zu Dresden“; Edition Leipzig
      3. Christian Borchert: Semperoper Dresden – Bilder einer Baulandschaft“; Verlag der Kunst 1987

      Zur Brandruine des ersten Semperbaus (abgebrannt im September 1869) formuliert Kv2D:
      Eigentlich war die Fassade nach dem Brand noch gut erhalten, aber ein Wiederaufbau kam wohl damals nicht in Betracht?


      Ganz wesentlich spielten dabei Aspekte der „Stadtplanung“ eine Rolle, aber nicht allein. Ich muss hier etwas weiter ausholen und mit dem Bau der ersten Semper-Oper beginnen.
      Im Zusammenhang mit den bauvorbereitenden Diskussionen zum Bau eines „richtigen“ Opernhauses (das bis dahin in Dresden schmerzlich vermisst wurde) legte Semper im Jahr 1837 seinen Forumplan vor (der in den nachfolgenden Jahren dann mehrfach modifiziert worden ist). Ausgangspunkt dieses Planes war (Zitat Löffler:) „der alte Gedanke Pöppelmanns, die offene vierte Zwingerseite (die Sempergalerie stand noch nicht) bis zur Elbe weiterzuführen und so den Fluss in die Architektur einzubeziehen“. Der Sempersche Forumplan wurde von Löffler als großartige städtebauliche Leistung eingestuft – Leistung aber im Sinne des Entwurfs, denn zur Ausführung gelangte das nicht (abgesehen von Sempers 1. Opernbau). Hier eine rissliche Darstellung:



      Quelle: bildindex der Kunst und Architektur


      Darin bedeuten (Angaben bei Löffler):
      b – Orangerie, in späteren Überarbeitungen als Kulissenmagazin gedacht);
      e – Bildergalerie (bauliches Pendant zu b auf dessen Gegenseite);
      f – Opernhaus von Semper (Oper Nr. 1);
      g – die versetzte (!) Wache Schinkels (Schinkel hat den Forumplan sehr unterstützt).

      Und hier eine Modellansicht des Forumplanes, die man in den 1970er Jahren an der TU Dresden anhand alter Risse erstellt hat:



      Quelle: bildindex der Kunst und Architektur


      Noch mal Löffler: „Bis auf das Theater (also das erste Sempersche Opernhaus) blieb der Forumplan, die genialste städtebauliche Konzeption, die Dresden im 19. Jahrhundert beschieden war, unverwirklicht.“

      Ab Mitte der 1840er Jahre stand dann der Bau eines repräsentativen Galeriegebäudes an. Gemäß Löffler wurden 13 verschiedene Standorte diskutiert. Man wählte schließlich (vorrangig aus Kostengründen) die Nordseite des Zwingers. Mit dieser Entscheidung fiel aber auch endgültig der Pöppelmann-Sempersche Forumplan. Weiter Fritz Löffler (ohne Sinnentstellung gekürzt):

      Am 21. September 1869 brannte das (erste) Opernhaus Sempers infolge Fahrlässigkeit ab. Ein Wiederaufbau kam aus mehreren Gründen nicht in Frage:
      1. Die Galerie hatte den Forumplan Sempers durchaus verändert, die Oper (also Bau Nr. 1) verdeckte ihre Sicht (A: also die Sicht auf die Galerie) von der Elbe her.
      2. Der Brand hatte erneut gezeigt, wie gefährdet die Bilderschätze in der Nähe eines Theaters sind.
      3. Die Fundamente des Opernhauses waren so stark beschädigt, dass die Ruine in jedem Fall zunächst abgetragen werden musste. (Hierzu schreibt Magirius: Die Umfassungsmauern waren ausgeglüht und an der Süd- und Westseite stark beschädigt, teilweise sogar eingestürzt.)
      4. Die Bühnentechnik hatte sich zwischenzeitlich sehr vervollkommnet, so dass das alte Bühnenhaus nicht mehr den Anforderungen entsprach.

      So wurde schließlich beschlossen, das neue Opernhaus (Semperoper Nr. 2) zurück zu verlegen (d. h. verschoben etwa in der Längsachse der Oper Nr. 1 in Richtung Ostragehege – heraus aus der Front der Sempergalerie). Erst damit entstand – als Folge bewusster (!) städtebaulicher Planung – die grandiose Raumwirkung des heutigen Theaterplatzes.


      Nächste Frage von Kv2D:
      Was ist das eigentlich für eine Mauer hinter der Oper; waren das schon die Grundmauern für die geplante Erweiterung durch Kreis?




      Quelle: bildindex der Kunst und Architektur


      Da sollte man zunächst wohl erst erklären (ich denke mal, das ist nicht allgemein bekannt), was es mit diesem Erweiterungsbau auf sich hat.
      Dazu sinngemäß Heinrich Magirius:
      In den 1930er Jahre erfolgten Erneuerungen und Veränderungen an der Oper. Der Platzmangel an Funktionsräumen machte sich immer fühlbarer bemerkbar und so stockte man die Hinterbühne um ein Geschoss auf (siehe voran stehendes Foto von 1946). Diese Baumaßnahme, die (Formulierung Magirius) die Rückansicht verschandelte, war wohl nur als Provisorium gedacht, denn 1938 wurde Wilhelm Kreis mit einem umfassenden Erweiterungsbau an der Rückseite der Oper beauftragt. (W. Kreis: Professor an der TH Dresden, Architekt des Deutschen Hygienemuseums). Die folgende Aufnahme zeigt das Bauprojekt von Kreis:



      Quelle: bildindex der Kunst und Architektur

      Entsprechend dieser Planung war vorgesehen, die Hinterbühne zu verbreitern und zu verlängern. (Diesen Satz bitte merken, denn die funktionellen Erfordernisse, die schon vor dem Krieg Anlass für Umbauarbeiten waren, spielten analog eine große Rolle bei den Baumodifizierungen des Wiederaufbaus nach dem Krieg). Magirius schreibt weiter, dass 1939 mit den Arbeiten begonnen worden ist, die Fundamente seien gelegt worden. Nach Kriegsausbruch musste der Bau eingestellt werden. In dem Magirius-Buch ist das Foto des Kreis-Modells ebenfalls abgebildet, aber in wesentlich besserer Auflösung. Der Vergleich der dort erkennbaren Oberflächen-„Rasterung“ im Erdgeschoss mit der entsprechenden Gestaltung, die das obige Foto von 1946 zeigt, belegt eindeutig Übereinstimmung. Man war also bei den Vorkriegsarbeiten bis zum Setzen der Umfassungsmauern im Erdgeschossbereich gekommen. Es sei an dieser Stelle angemerkt, dass die ersten Planungen zum Wiederaufbau in den 1950er Jahren auf dem Projekt von Wilhelm Kreis fußten (was den rückwärtigen Erweiterungsbau betrifft).


      Nächste Frage:
      Wie man hier sehen kann (nachfolgender Link) stand sogar 1968 noch das Fernheizkraftwerk, kann es sein, dass es erst Ende der 70er für den heutigen Erweiterungsbau abgerissen wurde?


      bildindex.de/bilder/MI09583g09a.jpg


      Der eingangs genannte Bildband von Christian Borchert enthält ein Foto, datiert November 1977, das in Bezug auf das Heizwerk noch den gleichen Zustand belegt wie auf dem Foto von 1968. Zur gedanklichen Anbindung: November 1977, das heißt die Wiederaufbauarbeiten hatten gerade begonnen, im Juni 1977 war Grundsteinlegung. Auf Borchert-Fotos von Sommer 1978 ist die betreffende Fläche dann „beräumt“, also in diesem Zeitraum muss der Abriss erfolgt sein. Bei Magirius findet sich dazu die Information, dass bei den mehrjährigen bauvorbereitenden Variantenbetrachtungen auch eine Version in der engeren Auswahl war, bei der das Heizhaus-Gebäude (Jugendstil) in den rückwärtigen Funktionskomplex einbezogen werden sollte. Das wurde aber dann verworfen. Das Thema „Prozess der Entscheidungsfindung über die Ausführung des Wiederaufbaus“ verdient einen separaten Beitrag (kommt noch, versprochen). Das ist nämlich nicht zuletzt im Hinblick auf die grundsätzlichen Positionen der Dresdner „Denkmalpflege-Schule“ sehr interessant.


      Letzte Frage von Kv2D:
      Wo ist denn die besagte Figurengruppe aus dem Giebel heute? Immer noch im Bautzner Depositum wie 1979?


      Die Skulpturen des Giebels sind seit 2003 an der Außenfront des neu gebauten und im gleichen Jahr eröffneten Burgtheaters im Hof der Bautzner Ortenburg aufgestellt. Die folgende Seite enthält eine kurze Chronologie über die „bewegte“ Geschichte des Rietschelgiebels (so heißt das gute Stück in Bautzen) und außerdem eine Beschreibung der Bildaussage:

      theaternarr.de/giebel.htm

      Eine sehr schöne Monumentalaufnahme (in hoher Auflösung) der Figuren am jetzigen Aufstellungsort findet Ihr hier:
      Quelle: wikipedia

      upload.wikimedia.org/wikipedia…helgiebel_Bautzen_100.JPG
    • Wenn ich mir den Entwurf von Kreis aus dem Jahr 1953 anschaue, bin ich sehr froh dass der nicht verwirklicht wurde. Diese Oper wäre zwar gigantomanisch groß und protzig geworden, hätte aber nicht mehr viel mit dem Werk Sempers gemein gehabt, sondern Sempers Idee entstellt.
      Wenn ich das richtig sehe hätte man sogar auf die Exedra mit der Pantherquadriga verzichtet, den beeindruckendsten Teil der Oper.
      Da bin ich doch froh, dass der Wiederaufbau - trotz kleiner Änderungen im Innern - so nah am Original gelaufen ist, zumal in DDR Verhältnissen!
    • Wir schauen von der Zwingerseite auf das Modell. Die Exedra samt Quadriga befindet sich rechts
      am Theaterplatz.

      Was die Erweiterung hier betrifft, ist die Gliederung samt Pilastern weitergeführt, sind Doppel-
      säulen am Rundbau links, und dort auf der Balustrade stehen sogar Statuen, wie auf den seitlichen
      Durchfahrten am Theaterplatz, die Rückseite ordnet sich also trotz Statuen rangmäßig der Hauptfassade
      unter: es gibt schlimmere Erweiterungsbauten.